Was sagt der Evangelist Matthäus über das große Erdbeben?

Das Erdbeben der Auferstehung: Matthäus' Zeugnis

01/02/2025

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Ostern, das Fest des Lebens, ist ein Anker der Hoffnung inmitten aller Realitäten von Tod und Zerstörung. Es ist das kraftvolle Bekenntnis, dass ein Leben, das an Gott gebunden ist, unzerstörbar ist. Der Evangelist Matthäus bietet uns in seinem Bericht über die Auferstehung Jesu ein Zeugnis von immenser Tiefe und Bedeutung, das uns hilft, diese Osterbotschaft zu erfassen. Zentral in seiner Erzählung steht ein Ereignis, das die irdische und himmlische Dimension auf dramatische Weise verbindet: ein großes Erdbeben. Was aber sagt Matthäus genau über dieses Phänomen, und welche Botschaft trägt es für uns heute?

Das Erdbeben als Zeichen göttlicher Macht (Matthäus 28,1-10)

Matthäus beschreibt die Ereignisse am ersten Ostermorgen mit eindringlichen Bildern. Nachdem der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, machten sich Maria von Magdala und die andere Maria auf den Weg zum Grab. Sie wollten einen letzten Liebesdienst erweisen, den Leichnam salben. Ihre Realität war die eines tiefen Verlustes: Jesus war gekreuzigt, begraben und sein Grab durch einen Stein sowie eine römische Wache versiegelt. Ihre Hoffnungen schienen mit ihm begraben zu sein. Doch in diesem Moment der Trauer und der scheinbaren Endgültigkeit geschah das Unglaubliche:

„Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.“ (Matthäus 28,2-4)

Dieses Erdbeben ist kein Zufall, keine bloße Naturkatastrophe. Es ist ein direktes Zeichen göttlichen Eingreifens, eine Manifestation der Allmacht Gottes. Es erschüttert nicht nur den Boden, sondern auch die menschliche Vorstellungskraft und alle Sicherheiten. Der Stein, der das Grab versiegelte, die Wachen, die es bewachten – all das menschliche Bemühen, den Tod festzuhalten, wird durch Gottes Handeln zunichte gemacht. Der Engel, dessen Erscheinung wie ein Blitz ist, sitzt triumphierend auf dem weggewälzten Stein, einem Symbol für die Überwindung des Todes. Das Erdbeben bereitet den Weg für die Begegnung mit dem Auferstandenen, indem es die physischen Barrieren beseitigt und die spirituelle Atmosphäre auflädt.

Was sagte Jesus über Ostern?
18 Er sprach: Gehet hin in die Stadt zu einem und sprecht der Meister läßt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir Ostern halten mit meinen Jüngern. (Matthäus 21.3) 19 Und die Jünger taten wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Osterlamm. 20 Und am Abend setzte er sich zu Tische mit den Zwölfen.

Die Symbolik und theologische Bedeutung des Erdbebens

Das Erdbeben im Kontext der Auferstehung Jesu ist reich an Symbolik. Es verdeutlicht, dass die Auferstehung kein heimliches, verborgenes Ereignis ist, sondern ein kosmisches Geschehen, das die gesamte Schöpfung betrifft. Es ist ein Zeichen dafür, dass Gott die Kontrolle hat, dass seine Macht über alles Irdische triumphiert, selbst über den Tod. Es ist eine dramatische Bestätigung der Worte Jesu: „Er ist auferstanden, wie er gesagt hat.“

Dieses Ereignis, das die Wachen in Angst und Schrecken versetzt und wie tot zu Boden fallen lässt, erfüllt die Frauen paradoxerweise mit „Furcht und großer Freude“. Die Furcht ist die natürliche menschliche Reaktion auf das Übernatürliche, auf die unmittelbare Gegenwart Gottes und seiner Boten. Es ist eine ehrfürchtige Furcht vor dem Heiligen, das alle menschlichen Kategorien sprengt. Doch diese Furcht wird nicht lähmend, sondern transformiert sich im Angesicht der frohen Botschaft in eine überwältigende Freude. Das Erdbeben ist somit der Auftakt zu einer neuen Realität, in der der Tod nicht mehr das letzte Wort hat.

Das Erdbeben markiert den Moment, in dem die alte Ordnung zusammenbricht und eine neue Ära beginnt. Es ist ein Bruch mit der Realität des Todes und der Zerstörung und ein Aufbruch in die Realität des Lebens und der Hoffnung. Es zeigt, dass Gottes heilsames Handeln in unsere Welt hereinbricht und sie für seine Wirkmacht öffnet. Die Frauen, die dies erleben, sind Zeuginnen eines Wunders, das ihre Erwartungen weit übertrifft. Ihr „Realismus“, der mit Gottes Handeln rechnet, ermöglichte ihnen diese Begegnung.

Furcht und Freude: Die menschliche Antwort auf das Göttliche

Die Botschaft des Engels an die Frauen – „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden!“ – ist der Kern der Osterbotschaft. Doch die Frauen eilen „mit Furcht und großer Freude“ weg vom Grab, um die Nachricht zu verkündigen. Dies ist keine Widersprüchlichkeit, sondern eine tiefe Wahrheit über die menschliche Erfahrung des Glaubens. Die Furcht bleibt, weil die Realität der Welt oft erschreckend ist und bleibt. Das Leid, der Tod, die Katastrophen – all das ist weiterhin Teil unserer Existenz. Der Glaube an die Auferstehung bedeutet nicht, die Augen vor diesen Realitäten zu verschließen oder sie zu beschönigen. Im Gegenteil.

Es ist ein Glaube, der die schmerzhaften Erfahrungen unserer Tage – sei es das Schicksal der Menschen in Fukushima oder die Tragödien von Krieg und Flucht – nicht verdrängt. Doch die Furcht lähmt nicht mehr. Sie wird zu einer treibenden Kraft, die uns in Bewegung setzt. Sie verbindet sich mit der Ehrfurcht vor Gott und der Osterfreude, um uns zu Anteilnahme, Mitleid und Hilfe zu bewegen. Die Osterfreude ist die Kraft, die die Herrschaft der lähmenden Furcht bricht. Sie ist das unvergängliche Gefühl, dass trotz allem Kummer und Leid ein unzerstörbares Leben im Reich Gottes auf uns wartet.

Die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst bestätigt dies. Jesus tritt den Frauen entgegen, sie erkennen ihn, er lässt Berührung zu. Die Gemeinschaft mit ihm ist lebendig geblieben. Diese Freude, schon jetzt am Gottesreich teilzuhaben, ist stärker als alle Furcht. Der Gekreuzigte ist auferstanden, und er hat uns seine Gemeinschaft und seinen Beistand zugesagt bis an der Welt Ende. Dies ist der Grund und die Begründung für das Osterfest und die Osterfreude – inmitten und angesichts unserer bedrängenden Realität und aller Furcht, die wir kennen.

Galiläa: Ein Ort, an dem vergrabene Hoffnungen lebendig werden

Sowohl der Engel als auch der Auferstandene selbst weisen die Frauen und Jünger an, nach Galiläa zu gehen. „Dort werdet ihr mich sehen“, heißt es. Galiläa war der Ort, an dem Jesus seine Nachfolge lehrte, wo er mit seinen Jüngern zusammenlebte, Kranke heilte und das Anbrechen des Gottesreiches predigte. Es ist der Ort, an dem alles begann, der Ort des Vertrauten, des Ursprungs ihrer Beziehung zu Jesus. Die Botschaft ist klar: Das Neue beginnt im Vertrauten.

Für uns heute stellt sich die Frage: Wo ist unser Galiläa? Wo sind die Orte in unserem Leben, an denen vergrabene Hoffnungen wieder lebendig werden? Wo können wir die Realität unseres Lebens neu und realistisch sehen lernen? Es sind die Orte, die unser Denken und Fühlen für neue, „Wunder-volle“ Gotteserfahrungen öffnen. Dies können unsere Kirchen sein, unsere Gottesdienste, aber auch persönliche Momente der Stille, des Gebets oder der Gemeinschaft, in denen wir dem Auferstandenen begegnen. Wenn wir unser Leben vertrauensvoll an Gott binden, dann hat der Tod nur noch eine begrenzte Macht über uns. Dann ist unser Lebenslauf von Furcht und Freude bestimmt, und die Freude ist stärker als die Furcht.

Dieses „verrückte“ österliche Vertrauen, wie es der Schweizer Theologe Kurt Marti beschreibt, dass selbst in der Gruft eines Toten neue Geburt entdeckt werden kann, ist keine billige Jenseitsvertröstung. Es ist die Gewissheit, dass das Reich Gottes bereits mitten in unserer irdischen Wirklichkeit Wurzeln geschlagen hat durch Christi Leben, Sterben und Auferstehen. Das Erdbeben am Ostermorgen war der kraftvolle Auftakt zu dieser neuen Wirklichkeit.

Häufig gestellte Fragen zum Erdbeben der Auferstehung

Was war die direkte Ursache des Erdbebens bei der Auferstehung Jesu?
Laut Matthäus war das Erdbeben ein direktes göttliches Eingreifen. Es geschah, als der Engel des Herrn vom Himmel herabkam, um den Stein vom Grab wegzuwälzen. Es war kein natürliches Phänomen im üblichen Sinne, sondern eine Manifestation der Macht Gottes, die die Auferstehung begleitete und ankündigte.

Welche Bedeutung hat das Erdbeben theologisch gesehen?
Theologisch gesehen symbolisiert das Erdbeben die Souveränität Gottes über den Tod und die Schöpfung. Es zeigt, dass die Auferstehung Jesu ein Ereignis von kosmischer Bedeutung ist, das die Fundamente der irdischen Realität erschüttert und die Macht des Todes bricht. Es ist ein Zeichen dafür, dass Gott aktiv in die menschliche Geschichte eingreift und die alte Ordnung überwindet.

Warum empfanden die Frauen „Furcht und große Freude“ zugleich?
Die Furcht war eine natürliche, ehrfürchtige Reaktion auf die unmittelbare und überwältigende Präsenz des Göttlichen und des Übernatürlichen (des Engels und des Wunders). Gleichzeitig brach die enorme Freude über die Botschaft von Jesu Auferstehung durch. Diese Kombination zeigt, dass der Glaube an die Auferstehung die Realitäten von Leid und Tod nicht leugnet, sondern sie mit einer tieferen, unzerstörbaren Hoffnung verbindet, die stärker ist als alle Furcht.

Was sagt die Anweisung, nach Galiläa zu gehen, aus?
Galiläa war der Ort, an dem Jesus den Großteil seines öffentlichen Wirkens vollbrachte und seine Jünger lehrte. Die Aufforderung, dorthin zurückzukehren, symbolisiert die Wiederherstellung und Erneuerung der Beziehung zu Jesus an einem vertrauten Ort. Es bedeutet, dass das Neue im Alten wurzelt und dass die Jünger ihre Mission dort fortsetzen sollen, wo ihre gemeinsame Reise mit Jesus begann. Es ist ein Aufruf, die Botschaft der Auferstehung in den Alltag und die vertrauten Umgebungen zu tragen.

Ist der Glaube an die Auferstehung eine Verleugnung der Realität des Leidens?
Nein, ganz im Gegenteil. Der Text betont, dass der Osterglaube nicht bedeutet, „alles durch eine rosarote Brille zu sehen“. Christenmenschen verschließen die Augen nicht vor den schrecklichen Realitäten der Welt. Der Glaube an die Auferstehung gibt vielmehr die Kraft, diesen Realitäten zu begegnen, ohne von ihnen gelähmt zu werden. Er mobilisiert zu Mitleid und Hilfe und stärkt die Hoffnung auf ein Leben, das über den Tod hinausgeht und schon jetzt im Reich Gottes verwurzelt ist.

Das große Erdbeben, das Matthäus beschreibt, ist somit weit mehr als nur eine geologische Erschütterung. Es ist ein göttliches Beben, das die Welt für die Auferstehung öffnet, die Macht des Todes erschüttert und uns einlädt, in Furcht und Freude das unzerstörbare Leben zu empfangen, das uns durch Christus geschenkt ist. Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

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