29/10/2023
In einer Welt, die sich ständig wandelt und neue Herausforderungen mit sich bringt, suchen viele Menschen nach einem Anker, nach Orientierung und nach einem tieferen Sinn. Für Millionen ist dieser Anker der Glaube, und innerhalb des christlichen Glaubens spielen fundamentale Texte und Praktiken eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung und Vertiefung dieses Glaubens. Der Katechismus, ein Begriff, der für manche vielleicht veraltet klingt, ist in Wirklichkeit ein zeitloses Instrument, das dazu dient, die Kernlehren des Glaubens auf zugängliche Weise zu vermitteln. Er ist nicht nur eine Sammlung von Dogmen, sondern ein Wegweiser zu einem gelebten Glauben, der das Herz berührt und den Verstand erleuchtet. In diesem Artikel werden wir uns eingehend mit dem Wesen des Katechismus beschäftigen, seine Bedeutung im historischen Kontext verstehen und entdecken, wie er uns heute noch helfen kann, ein Gebetsleben zu führen, das unser Dasein bereichert und uns näher zu Gott bringt.

- Was ist ein Katechismus? Die Wurzeln des Glaubenswissens
- Die Zehn Gebote: Gottes Weisungen für ein erfülltes Leben
- Das Erste Gebot: Gott allein ehren
- Das Zweite Gebot: Gottes Namen würdigen
- Das Dritte Gebot: Den Feiertag heiligen
- Das Vierte Gebot: Eltern ehren
- Das Fünfte Gebot: Nicht töten
- Das Sechste Gebot: Keuschheit leben
- Das Siebente Gebot: Nicht stehlen
- Das Achte Gebot: Wahre Worte sprechen
- Das Neunte Gebot: Nicht begehren des Nächsten Haus
- Das Zehnte Gebot: Nicht begehren des Nächsten Besitz
- Gottes Verheißung und Drohung
- Das Glaubensbekenntnis: Die Essenz des christlichen Glaubens
- Das Vaterunser: Das Mustergebet Jesu
- Die Sakramente: Sichtbare Zeichen der Gnade
- Gebet im Alltag: Ein Lebensstil der Verbindung
- Die Haustafel: Pflichten für alle Stände
- Für Bischöfe, Pfarrherren und Prediger
- Was die Zuhörer ihren Lehrern und Seelsorgern schulden
- Von weltlicher Obrigkeit
- Was die Untertanen der Obrigkeit schulden
- Für Ehemänner
- Für Ehefrauen
- Für Eltern
- Für Kinder
- Für Knechte, Mägde, Tagelöhner und Arbeiter
- Für Hausherren und Hausfrauen
- Für die allgemeine Jugend
- Für Witwen
- Für die Gemeinde
- Häufig gestellte Fragen zum Katechismus und Gebet
- Fazit: Ein Fundament für den Glauben
Was ist ein Katechismus? Die Wurzeln des Glaubenswissens
Der Begriff „Katechismus“ leitet sich vom griechischen Wort „katechein“ ab, was „lehren“ oder „unterweisen“ bedeutet. Im Wesentlichen ist ein Katechismus ein Lehrbuch, das die grundlegenden Lehren einer Religion, oft in Frage-und-Antwort-Form, zusammenfasst. Er dient dazu, Gläubigen – und denen, die es werden wollen – ein strukturiertes Verständnis ihres Glaubens zu vermitteln.
Martin Luthers visionärer Beitrag
Die Reformation des 16. Jahrhunderts brachte eine Zeit tiefgreifender Veränderungen mit sich, nicht zuletzt im Bereich der religiösen Bildung. Martin Luther, einer der zentralen Figuren dieser Bewegung, erkannte die dringende Notwendigkeit, das theologische Wissen der breiten Bevölkerung zu verbessern. Seine Erfahrungen während der kirchlichen Visitationen in Sachsen im Jahr 1529 waren ernüchternd: Er stellte fest, dass selbst viele Geistliche und Gemeindemitglieder grundlegende Kenntnisse über die wichtigsten Texte und Rituale der Kirche vermissten.
Aus dieser Erkenntnis heraus schuf Luther zwei Werke, die die protestantische Theologie und Frömmigkeit nachhaltig prägen sollten: den Kleinen Katechismus und den Großen Katechismus. Diese beiden Werke waren bahnbrechend in ihrer Absicht und Wirkung.
Der Kleine Katechismus: Ein Leitfaden für jedermann
Der Kleine Katechismus war bewusst einfach gehalten und in einer verständlichen Frage-und-Antwort-Form geschrieben. Seine primäre Zielgruppe waren die einfachen Kirchenmitglieder, Kinder und Haushalte. Luthers Absicht war es, jedem die Möglichkeit zu geben, die Fundamente des Glaubens zu lernen und zu verinnerlichen. Er sollte ein täglicher Begleiter für das persönliche Gebets- und Glaubensleben sein.
Der Große Katechismus: Für Multiplikatoren und Hausväter
Im Gegensatz dazu richtete sich der Große Katechismus an „Multiplikatoren“ – meist die Hausväter, aber auch Pfarrer und Lehrer. Sie sollten nicht nur selbst ein tiefes Verständnis der Lehren entwickeln, sondern auch in der Lage sein, den Kleinen Katechismus ihren Familien und Angestellten zu lehren und zu erklären. Er bot detailliertere Erläuterungen und theologische Hintergründe zu den Hauptstücken des Glaubens.
Die Hauptstücke des Katechismus
Beide Katechismen behandeln die sogenannten „Hauptstücke“ des christlichen Glaubens, die als essenziell für das Verständnis und die Praxis des Glaubens angesehen wurden. Diese sind:
- Die Zehn Gebote: Die Grundlage moralischen Handelns und der Gottesbeziehung.
- Das Glaubensbekenntnis: Eine Zusammenfassung der grundlegenden Glaubensartikel über Gott den Vater, Jesus Christus und den Heiligen Geist.
- Das Vaterunser: Das zentrale Gebet, das Jesus selbst seine Jüngern lehrte.
- Die Sakramente: Die Taufe und das Abendmahl als sichtbare Zeichen der Gnade Gottes.
- Die Beichte: Die Möglichkeit zur Sündenvergebung und Gewissenserleichterung.
Oft wurde auch Martin Luthers Erläuterung der Trauung („Traubüchlein“) angehängt, was die Bedeutung des Ehestandes im christlichen Leben unterstreicht.
Historische Bedeutung und Bekenntnisrang
Die Katechismen Luthers wurden über Jahrhunderte hinweg unzählige Male nachgedruckt und dienten als Vorbild für zahlreiche weitere Katechismen, die die Lehren des christlichen Glaubens verständlich zusammenfassen wollten. Ihre theologische Bedeutung wurde durch ihre Aufnahme in die Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirchen (Konkordienbuch 1580) unterstrichen, wodurch sie den Rang von Bekenntnisschriften erhielten. Dies bedeutet, dass sie als maßgebliche Interpretationen des lutherischen Glaubens galten und bis heute gelten.
Um die Unterschiede und Schwerpunkte der beiden Katechismen besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich:
| Merkmal | Kleiner Katechismus | Großer Katechismus |
|---|---|---|
| Zielgruppe | Einfache Gemeindemitglieder, Kinder, Haushalte | Pfarrer, Lehrer, Hausväter (Multiplikatoren) |
| Stil & Format | Einfache Sprache, Frage-und-Antwort-Form | Ausführlichere Erläuterungen, theologische Tiefe |
| Zweck | Grundlagen des Glaubens lernen, Auswendiglernen | Lehren, Erklären, Vertiefen des Glaubens |
| Umfang | Kompakt und prägnant | Umfassend und detailliert |
| Inhaltlicher Fokus | Wesentliche "Hauptstücke" | Tiefergehende theologische Begründung der "Hauptstücke" |
Die Zehn Gebote: Gottes Weisungen für ein erfülltes Leben
Die Zehn Gebote sind das Fundament der biblischen Ethik und dienen als göttliche Richtlinien für das menschliche Zusammenleben und die Beziehung zu Gott. Luther erläuterte jedes Gebot im Kleinen Katechismus, um seine tiefere Bedeutung für den Alltag zu verdeutlichen. Die Kernbotschaft, die sich durch alle Gebote zieht, ist die Aufforderung, Gott über alle Dinge zu fürchten und zu lieben.
Das Erste Gebot: Gott allein ehren
„Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.“
Dies ist das Fundament aller Gebote. Es fordert uns auf, Gott als die höchste Autorität anzuerkennen und ihm unser ganzes Vertrauen zu schenken. Es geht nicht nur darum, keine anderen Götter anzubeten, sondern auch darum, nichts anderes – sei es Geld, Macht, Ruhm oder Vergnügen – über Gott zu stellen. Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen, denn nur in ihm finden wir wahre Sicherheit und Erfüllung.
Das Zweite Gebot: Gottes Namen würdigen
„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht unnütz gebrauchen.“
Dieses Gebot mahnt uns zur Ehrfurcht vor dem Namen Gottes. Es verbietet nicht nur das Fluchen und Schwören bei Gottes Namen, sondern auch den Missbrauch seines Namens für Zauberei, Lügen oder Betrug. Stattdessen sollen wir seinen Namen in allen Nöten anrufen, ihn im Gebet ehren, ihn loben und ihm danken. Der Name Gottes ist heilig und sollte mit größtem Respekt behandelt werden, da er Gottes Wesen und Macht repräsentiert.
Das Dritte Gebot: Den Feiertag heiligen
„Du sollst den Feiertag heiligen.“
Hier geht es nicht nur um das Ausruhen von der Arbeit, sondern vor allem um die Zeit, die wir Gott widmen. Wir sollen Gott fürchten und lieben, indem wir die Predigt und sein Wort nicht verachten, sondern es heilig halten, gerne hören und lernen. Der Feiertag ist eine Gelegenheit, unsere Beziehung zu Gott zu pflegen, durch Gottesdienst, Gebet und Studium der Heiligen Schrift gestärkt zu werden.
Das Vierte Gebot: Eltern ehren
„Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.“
Dieses Gebot betont die grundlegende Bedeutung der Familie und des Respekts vor Autorität. Es verlangt, dass wir unsere Eltern und Vorgesetzten nicht verachten oder erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert haben. Die Achtung vor den Eltern ist der Grundstein für ein geordnetes Zusammenleben und verspricht Segen für das eigene Leben.
Das Fünfte Gebot: Nicht töten
„Du sollst nicht töten.“
Dieses Gebot schützt das menschliche Leben als Gottes kostbarstes Geschenk. Es verbietet nicht nur den physischen Mord, sondern auch jede Form von Schaden oder Leid, die wir unserem Nächsten zufügen könnten – sei es durch Worte, Taten oder Unterlassungen. Vielmehr sollen wir unserem Nächsten helfen und beistehen in allen Nöten, sein Leben schützen und fördern.
Das Sechste Gebot: Keuschheit leben
„Du sollst nicht ehebrechen.“
Dieses Gebot schützt die Heiligkeit der Ehe und die Keuschheit. Es fordert uns auf, keusch und zuchtvoll zu leben in Worten und Werken und in der Ehe einander zu lieben und zu ehren. Die Ehe ist eine heilige Institution, die Gottes Segen trägt und die Basis für Familie und Gesellschaft bildet.
Das Siebente Gebot: Nicht stehlen
„Du sollst nicht stehlen.“
Dieses Gebot schützt das Eigentum des Nächsten. Es verbietet nicht nur den Diebstahl, sondern auch jede Form von unredlichem Erwerb, sei es durch falsche Ware, Betrug oder unlauteren Handel. Stattdessen sollen wir unserem Nächsten helfen, sein Gut und seine Nahrung zu bessern und zu behüten, was auf eine verantwortungsvolle und unterstützende Gemeinschaft hinweist.
Das Achte Gebot: Wahre Worte sprechen
„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“
Dieses Gebot schützt den Ruf und die Ehre des Nächsten. Es verbietet Lügen, Verrat, Verleumdung oder die Zerstörung des Rufs. Stattdessen sollen wir unseren Nächsten entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren. Es fordert uns auf, die Wahrheit zu lieben und im Umgang mit anderen aufrichtig zu sein.
Das Neunte Gebot: Nicht begehren des Nächsten Haus
„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.“
Dieses Gebot geht tiefer als nur äußere Taten; es zielt auf die innere Haltung ab. Es verbietet das heimliche Begehren oder den Versuch, das Erbe oder Haus des Nächsten durch List oder Schein des Rechts an sich zu bringen. Stattdessen sollen wir ihm behilflich und dienlich sein, sein Eigentum zu behalten. Es lehrt uns, mit dem zufrieden zu sein, was wir haben, und anderen ihren Besitz zu gönnen.

Das Zehnte Gebot: Nicht begehren des Nächsten Besitz
„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist.“
Ähnlich dem neunten Gebot, zielt dieses auf die Begierde ab. Es verbietet, die Frau, Angestellten oder Vieh des Nächsten abzuwerben oder abspenstig zu machen. Vielmehr sollen wir dazu beitragen, dass sie bei ihm bleiben und ihre Pflichten erfüllen. Beide Gebote gegen das Begehren lehren uns, Neid und Habsucht zu überwinden und stattdessen eine Haltung der Zufriedenheit und des Wohlwollens gegenüber unserem Nächsten zu entwickeln.
Gottes Verheißung und Drohung
Abschließend zu den Geboten warnt Gott: „Ich der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der an denen, die mich hassen, die Sünde der Väter heimsucht bis zu den Kindern im dritten und vierten Glied; aber denen, die mich lieben und meine Gebote halten, tue ich wohl bis in tausend Glied.“ Dies ist eine klare Warnung vor dem Zorn Gottes für die Übertreter seiner Gebote, aber auch eine wunderbare Verheißung von Gnade und Segen für diejenigen, die ihn lieben und seinen Geboten folgen. Es motiviert uns, aus Liebe und Vertrauen zu Gott nach seinen Geboten zu leben.
Das Glaubensbekenntnis: Die Essenz des christlichen Glaubens
Das Glaubensbekenntnis ist eine Zusammenfassung der zentralen Lehren des christlichen Glaubens, die über Jahrhunderte hinweg entwickelt wurde. Es ist in drei Artikel unterteilt, die sich auf die drei Personen der Dreieinigkeit beziehen: Gott den Vater (Schöpfer), Gott den Sohn (Erlöser) und Gott den Heiligen Geist (Heiliger).
Der erste Artikel: Von der Schöpfung
„Ich glaube an Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erde.“
Dieser Artikel bekennt Gott als den Schöpfer und Erhalter allen Lebens. Er erinnert uns daran, dass wir nicht zufällig existieren, sondern von einem liebenden Vater geschaffen wurden, der uns Leib und Seele, alle Glieder, Vernunft und Sinne gegeben hat und uns täglich mit allem Notwendigen versorgt. Es ist eine Einladung zur Dankbarkeit und zum Vertrauen in Gottes Fürsorge, die uns vor Gefahren beschützt und vor Übel bewahrt. Dieses Bekenntnis sollte uns zu Dienst und Gehorsam gegenüber diesem gütigen Schöpfer motivieren.
Der zweite Artikel: Von der Erlösung
„Ich glaube an Jesum Christum, Gottes eingebornen Sohn, unsern Herrn, der empfangen ist vom Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontio Pilato, gekreuziget, gestorben und begraben, niedergefahren zur Hölle, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren gen Himmel, sitzend zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten.“
Dieser Artikel ist das Herzstück des christlichen Glaubens und bekennt Jesus Christus als unseren Herrn und Erlöser. Er betont, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist, der uns „verlornen und verdammten Menschen erlöset hat“. Die Erlösung geschah nicht durch materielle Güter, sondern durch sein „heiliges, teures Blut und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben“. Das Ziel dieser Erlösung ist, dass wir sein Eigentum sind, in seinem Reich leben und ihm in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit dienen. Die Auferstehung Jesu ist die Gewissheit unseres eigenen ewigen Lebens.
Der dritte Artikel: Von der Heiligung
„Ich glaube an den Heiligen Geist, eine heilige christliche Kirche, die Gemeinde der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben. Amen.“
Dieser Artikel bekennt die Rolle des Heiligen Geistes in unserem Glaubensleben. Wir können nicht aus eigener Kraft glauben oder zu Christus kommen, sondern der Heilige Geist beruft, erleuchtet, heiligt und erhält uns im rechten Glauben. Er sammelt die gesamte Christenheit, vergibt täglich unsere Sünden und wird uns am jüngsten Tage auferwecken, um uns ewiges Leben in Christus zu schenken. Dieser Artikel betont die Gemeinschaft der Gläubigen (die Kirche) und die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben.
Das Vaterunser: Das Mustergebet Jesu
Das Vaterunser ist das Gebet, das Jesus selbst seine Jünger lehrte und das seit Jahrhunderten von Christen weltweit gebetet wird. Es ist ein vollkommenes Gebet, das alle Aspekte unseres Lebens und unserer Beziehung zu Gott abdeckt.
„Vater unser, der du bist im Himmel.“
Diese Anrede ist eine Einladung, Gott als unseren liebevollen Vater zu betrachten, dem wir mit vollem Vertrauen unsere Anliegen bringen können, wie Kinder ihren geliebten Eltern. Es schafft eine Atmosphäre der Nähe und Geborgenheit.
Die Sieben Bitten des Vaterunsers
1. „Geheiliget werde dein Name.“ Wir bitten, dass Gottes Name nicht nur an sich heilig ist, sondern auch in unserem Leben und durch unser Handeln heilig wird. Dies geschieht, wenn Gottes Wort rein gelehrt wird und wir heilig danach leben.
2. „Dein Reich komme.“ Gottes Reich kommt von selbst, aber wir bitten, dass es auch zu uns kommt. Das bedeutet, dass der Heilige Geist uns Glauben an Gottes Wort schenkt und wir hier zeitlich und dort ewiglich nach Gottes Willen leben.
3. „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.“ Wir bitten, dass Gott alle bösen Pläne und Willen (des Teufels, der Welt, unseres Fleisches) bricht und uns stattdessen in seinem Wort und Glauben bis zum Ende stärkt. Dies ist sein gnädiger, guter Wille.
4. „Unser täglich Brot gib uns heute.“ Gott gibt allen Menschen ihr tägliches Brot, aber wir bitten darum, dass wir es erkennen und mit Dank empfangen. „Täglich Brot“ umfasst nicht nur Nahrung, sondern alles, was wir zum Leben brauchen: Kleidung, Haus, Familie, Arbeit, Gesundheit, Frieden, gute Freunde und Nachbarn.
5. „Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern.“ Wir bitten um Vergebung für unsere Sünden, wohlwissend, dass wir dessen nicht würdig sind, sondern es aus Gnade empfangen. Gleichzeitig verpflichten wir uns, denen zu vergeben, die uns Unrecht getan haben.
6. „Und führe uns nicht in Versuchung.“ Wir bitten Gott, uns vor den Versuchungen des Teufels, der Welt und unseres Fleisches zu bewahren, die uns in Unglauben, Verzweiflung oder Laster führen könnten. Wir bitten um Kraft, standzuhalten und den Sieg zu behalten.
7. „Sondern erlöse uns von dem Übel.“ Dies ist eine umfassende Bitte um Erlösung von allem Übel, sowohl körperlich als auch seelisch, und um ein seliges Ende, wenn unsere Zeit gekommen ist, damit wir von diesem „Jammertal“ in den Himmel aufgenommen werden.
„Amen.“
Das abschließende „Amen“ bedeutet: „Ja, ja, es soll also geschehen.“ Es ist eine Bekräftigung unseres Glaubens, dass unsere Gebete dem Vater im Himmel angenehm sind und erhört werden, weil er selbst uns zum Gebet aufgefordert und Erhörung verheißen hat.
Die Sakramente: Sichtbare Zeichen der Gnade
Die Katechismen Luthers betonen zwei Sakramente als von Christus selbst eingesetzt: die Taufe und das Heilige Abendmahl. Sie sind sichtbare Zeichen und Siegel der unsichtbaren Gnade Gottes.
Das Sakrament der Heiligen Taufe
Was ist die Taufe?
Die Taufe ist nicht bloß einfaches Wasser, sondern Wasser, das in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden ist. Das ist das entscheidende Element: Das Wasser wird durch das Wort Gottes zu einem heiligen Akt.

Was gibt oder nützt die Taufe?
Sie wirkt Vergebung der Sünden, erlöst vom Tod und Teufel und schenkt die ewige Seligkeit allen, die es glauben. Die Worte Jesu in Markus 16:16 („Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden“) unterstreichen die Heilsbedeutung der Taufe im Zusammenhang mit dem Glauben.
Wie kann Wasser solche großen Dinge tun?
Nicht das Wasser an sich vollbringt diese Wunder, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der diesem Wort im Wasser vertraut. Ohne Gottes Wort ist das Wasser nur Wasser; mit Gottes Wort wird es zu einem „gnadenreich Wasser des Lebens und ein Bad der neuen Geburt im Heiligen Geist“, wie Paulus in Titus 3:5-7 beschreibt.
Was bedeutet solch Wassertaufen?
Es symbolisiert, dass der „alte Adam“ (unsere sündige Natur) durch tägliche Reue und Buße ertränkt wird und stirbt, während täglich ein „neuer Mensch“ aufersteht, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott ewiglich lebt. Die Taufe ist der Beginn eines neuen Lebenswandels, wie Römer 6:4 es ausdrückt.
Die Beichte: Vergebung und Gewissensfrieden
Die Beichte wird als ein Sakrament verstanden, das zwei wesentliche Teile umfasst: das Bekenntnis der Sünden und den Empfang der Absolution (Vergebung) vom Beichtiger als von Gott selbst. Es ist entscheidend, nicht an dieser Vergebung zu zweifeln, sondern fest zu glauben, dass die Sünden vor Gott im Himmel vergeben sind.
Welche Sünden soll man beichten?
Vor Gott sollen wir uns aller Sünden schuldig bekennen, auch derer, die wir nicht erkennen (wie im Vaterunser). Vor dem Beichtiger sollen wir jedoch nur die Sünden bekennen, die wir wissen und fühlen. Luther gibt praktische Beispiele, die sich auf den eigenen Stand und die Zehn Gebote beziehen: Ungehorsam, Untreue, Schaden zufügen, Stehlen, Lügen oder Schamlosigkeit.
Eine kurze Weise zu beichten:
Luther bietet eine einfache Formel für die Beichte an, die den Prozess zugänglich macht:
- Anrede: „Würdiger, lieber Herr: ich bitte euch, wollet meine Beichte hören und mir die Vergebung zu sprechen um Gottes willen.“
- Sündenbekenntnis: „Ich armer Sünder bekenne mich vor Gott aller Sünden schuldig; insonderheit bekenne ich vor euch, dass ich ein Knecht (Magd) etc. bin. Aber ich diene leider untreulich meinem Herrn; denn da und da habe ich nicht getan, was sie mich hießen, habe sie erzürnt und zu fluchen bewegt, habe versäumt und Schaden lassen geschehen, bin auch in Worten und Werken schamlos gewesen; habe mit meinesgleichen erzürnt, wider meine Frau (Herrn) gemurrt und geflucht etc. Das alles ist mir leid und bitte um Gnade; ich will mich bessern.“
- Für Hausherren/Hausfrauen: Spezifische Sünden im Umgang mit Kindern, Gesinde, Nachbarn.
- Wenn keine spezifischen Sünden bekannt sind, soll man keine erdichten, sondern die Vergebung auf die allgemeine Beichte empfangen.
Absolution durch den Beichtiger:
Der Beichtiger spricht dann: „Gott sei dir gnädig und stärke deinen Glauben. Amen. Glaubst du auch, dass meine Vergebung Gottes Vergebung sei? – Ja, lieber Herr. – Darauf spreche er: Wie du glaubest, so geschehe dir. Und ich, aus dem Befehl unsers Herrn Jesu Christi, vergebe dir deine Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Gehe hin in Frieden.“ Dies bekräftigt die göttliche Vollmacht der Absolution.
Das Sakrament des Altars (Heiliges Abendmahl)
Was ist das Sakrament des Altars?
Es ist der wahre Leib und Blut unseres Herrn Jesus Christus, unter Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken, von Christus selbst eingesetzt. Luther betont hier die Realpräsenz Christi im Abendmahl.
Wo steht das geschrieben?
Die Einsetzungsworte sind in den Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas) und bei Paulus überliefert: „Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brachs und gabs seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis. Desselbigengleichen nahm er auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis.“
Was nützt solch Essen und Trinken?
Durch die Worte „Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden“ wird uns im Sakrament Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit gegeben. Wo Sündenvergebung ist, da sind auch Leben und Seligkeit.
Wie kann leiblich Essen und Trinken solch große Dinge tun?
Es ist wiederum nicht das physische Essen und Trinken, sondern die Worte Christi, die diese Wirkung entfalten. Wer diesen Worten glaubt, empfängt das, was sie zusagen: Vergebung der Sünden.
Wer empfängt solch Sakrament würdiglich?
Würdig ist, wer den Glauben an die Worte „Für euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden“ hat. Fasten und körperliche Vorbereitung sind zwar eine gute äußere Zucht, aber der Glaube ist das Entscheidende. Wer zweifelt oder nicht glaubt, ist unwürdig, da die Worte „Für euch“ ein gläubiges Herz fordern.
Gebet im Alltag: Ein Lebensstil der Verbindung
Luther legte großen Wert darauf, dass der Glaube nicht nur theoretisches Wissen ist, sondern im täglichen Leben praktiziert wird. Dazu gehören einfache, aber bedeutungsvolle Gebete, die den Tag beginnen und beenden.
Morgens und Abends segnen
Morgens: Nach dem Aufstehen soll man sich mit dem heiligen Kreuz segnen und sprechen: „Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.“ Dann betet man kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser. Ergänzend kann man sprechen: „Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, dass du mich diese Nacht vor allem Schaden und Gefahr behütest hast, und bitte dich, du wollest mich diesen Tag auch behüten vor Sünden und allem Übel, dass dir all mein Tun und Leben gefalle. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände; dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.“ Danach soll man mit Freude an sein Werk gehen.
Abends: Vor dem Schlafengehen segnet man sich ebenfalls mit dem Kreuz und spricht: „Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.“ Nach Glaubensbekenntnis und Vaterunser kann man hinzufügen: „Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesum Christum, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünden, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten. Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde. Amen.“ Danach soll man ruhig und fröhlich schlafen.
Tischgebete: Benedicite und Gratias
Auch vor und nach den Mahlzeiten werden einfache Gebete vorgeschlagen, um Dankbarkeit auszudrücken und Gottes Segen zu erbitten.
Vor dem Essen (Benedicite): Eltern, Kinder und Gesinde sollen mit gefalteten Händen sprechen: „Aller Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zu seiner Zeit. Du tust deine milde Hand auf und sättigst alles, was lebt, mit Wohlgefallen.“ Danach das Vaterunser und ein Gebet wie: „Herr Gott, himmlischer Vater, segne uns und diese deine Gaben, die wir von deiner milden Güte zu uns nehmen, durch Jesum Christum, unsern Herrn. Amen.“
Nach dem Essen (Gratias): Ebenso mit gefalteten Händen sprechen: „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. Der allem Fleische Speise gibt, der dem Vieh sein Futter gibt, den jungen Raben, die ihn anrufen. Er hat nicht Lust an der Stärke des Rosses noch Gefallen an jemandes Beinen. Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn fürchten und die auf seine Güte warten.“ Danach das Vaterunser und ein Gebet wie: „Wir danken dir, Herr Gott, himmlischer Vater, durch Jesum Christum, unsern Herrn, für alle deine Wohltat, der du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen.“
Die Haustafel: Pflichten für alle Stände
Die Haustafel ist eine einzigartige Ergänzung in Luthers Kleinem Katechismus und bietet biblische Sprüche und Ermahnungen für verschiedene „Stände“ oder Rollen im Leben. Sie zeigt, wie der christliche Glaube in jedem Bereich des Lebens – sei es in der Familie, in der Gemeinde oder in der Gesellschaft – praktisch gelebt werden soll. Sie dient dazu, jedem seine Pflichten nach Gottes Wort aufzuzeigen.
Für Bischöfe, Pfarrherren und Prediger
Sie sollen unsträflich, nüchtern, gastfrei, lehrhaftig, gelinde und nicht geizig sein. Sie müssen ihrem eigenen Hause gut vorstehen und am Wort festhalten, um durch heilsame Lehre zu ermahnen und Widersprecher zu strafen (1 Tim. 3, Tit. 1). Ihre Aufgabe ist es, die Gemeinde zu führen und im Glauben zu unterweisen.
Was die Zuhörer ihren Lehrern und Seelsorgern schulden
Die Gemeinde soll ihre Lehrer ehren und unterstützen, da sie am Wort und in der Lehre arbeiten. „Ein Arbeiter ist seines Lohnes wert“ (1 Tim. 5). Sie sollen gehorsam sein, denn die Lehrer wachen über ihre Seelen (Hebr. 13).

Von weltlicher Obrigkeit
Jeder soll der Obrigkeit untertan sein, denn alle Autorität kommt von Gott. Die Obrigkeit ist Gottes Dienerin, die das Schwert nicht umsonst trägt, um das Böse zu bestrafen und das Gute zu fördern (Röm 13). Dies betont die gottgegebene Ordnung in der Gesellschaft.
Was die Untertanen der Obrigkeit schulden
Man soll dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist (Matth. 22). Dies bedeutet, Steuern und Zoll zu zahlen, Furcht und Ehre zu erweisen. Es wird auch ermahnt, für Könige und alle Obrigkeit zu beten, damit ein geruhiges und stilles Leben in Gottseligkeit und Ehrbarkeit geführt werden kann (1 Tim. 2).
Für Ehemänner
Sie sollen bei ihren Weibern mit Vernunft wohnen, ihnen Ehre geben als Miterben der Gnade des Lebens, damit ihr Gebet nicht verhindert wird (1 Petr. 3). Sie sollen ihre Weiber lieben und nicht bitter gegen sie sein (Kol. 3).
Für Ehefrauen
Die Frauen sollen ihren Männern untertan sein wie dem Herrn, wie Sara Abraham gehorsam war (Eph. 5, 1 Petr. 3). Dies betont die Ordnung in der Ehe und gegenseitigen Respekt.
Für Eltern
Väter sollen ihre Kinder nicht zum Zorn reizen, sondern sie in der Zucht und Vermahnung des Herrn aufziehen (Eph. 6, Kol. 3). Dies unterstreicht die Verantwortung der Eltern für die geistliche Erziehung ihrer Kinder.
Für Kinder
Kinder sollen ihren Eltern im Herrn gehorsam sein, denn das ist recht. „Ehre Vater und Mutter; das ist das erste Gebot, das Verheißung hat: Auf dass dirs wohlgehe und du lange lebest auf Erden“ (Eph. 6). Dies betont die Bedeutung des Gehorsams und verspricht Segen.
Für Knechte, Mägde, Tagelöhner und Arbeiter
Sie sollen ihren Herren mit Furcht und Zittern gehorsam sein, als dem Herrn Christus, nicht nur um Menschen zu gefallen, sondern den Willen Gottes von Herzen zu tun (Eph. 6). Dies lehrt eine Arbeitsmoral, die von Gott motiviert ist.
Für Hausherren und Hausfrauen
Sie sollen dasselbe gegenüber ihren Angestellten tun, Drohungen unterlassen und wissen, dass sie auch einen Herrn im Himmel haben, bei dem es kein Ansehen der Person gibt (Eph. 6). Dies fordert einen gerechten und respektvollen Umgang mit Untergebenen.
Für die allgemeine Jugend
Junge Menschen sollen den Alten untertan sein und Demut beweisen, denn Gott widersteht den Hoffärtigen, aber den Demütigen gibt er Gnade (1 Petr. 5). Dies fördert Respekt vor dem Alter und Demut.
Für Witwen
Eine echte Witwe, die einsam ist, soll ihre Hoffnung auf Gott setzen und Tag und Nacht im Gebet und Flehen bleiben. Wer aber in Wollüsten lebt, ist lebendig tot (1 Tim. 5). Dies betont die Bedeutung des Gebets und eines gottgefälligen Lebens für Witwen.
Für die Gemeinde
Die Gemeinde soll ihren Nächsten lieben wie sich selbst, denn darin sind alle Gebote zusammengefasst (Röm. 13). Und sie soll anhalten mit Beten für alle Menschen (1 Tim. 2). Die Gemeinde ist der Ort, wo Liebe und Gebet gelebt werden.
Die Haustafel schließt mit der Ermahnung: „Ein jeder lerne seine Lection (d. h. seine Pflichten nach Gottes Wort), so wird es wohl im Hause stohn.“ Dies unterstreicht die praktische Anwendbarkeit der biblischen Lehren für ein geordnetes und gottgefälliges Leben in allen Lebensbereichen.
Häufig gestellte Fragen zum Katechismus und Gebet
Warum ist der Katechismus heute noch relevant?
Obwohl Luthers Katechismen Jahrhunderte alt sind, bleiben sie hochrelevant, weil sie die zeitlosen Fundamente des christlichen Glaubens auf klare und systematische Weise vermitteln. In einer Zeit, in der religiöses Wissen oft oberflächlich ist, bietet der Katechismus eine tiefe Verankerung in der Lehre und hilft Gläubigen, ihren Glauben zu verstehen, zu artikulieren und zu leben. Er ist ein Werkzeug zur Stärkung der persönlichen Spiritualität und zur Weitergabe des Glaubens an zukünftige Generationen.
Was ist der Hauptunterschied zwischen Kleinem und Großem Katechismus?
Der Kleine Katechismus ist ein prägnantes Lehrbuch für jedermann, ideal zum Auswendiglernen und für den täglichen Gebrauch in Familien. Er konzentriert sich auf die grundlegenden Erklärungen der Hauptstücke. Der Große Katechismus hingegen ist eine ausführlichere theologische Abhandlung, die sich an Multiplikatoren wie Pfarrer und Hausväter richtet, um ihnen ein tieferes Verständnis und die Fähigkeit zur Unterweisung zu vermitteln. Er bietet detailliertere Begründungen und Auslegungen.
Wie kann ich beten, wenn ich keine Worte finde?
Das Vaterunser ist ein hervorragendes Mustergebet, das man verwenden kann, wenn einem die eigenen Worte fehlen. Luthers Erläuterungen dazu helfen, die Bedeutung jeder Bitte zu verstehen und sie zu verinnerlichen. Auch die einfachen Morgen- und Abendgebete oder die Tischgebete sind gute Ausgangspunkte. Wichtiger als ausgefeilte Worte ist die Herzenshaltung des Vertrauens und der Dankbarkeit. Gott kennt unsere Gedanken und Bedürfnisse, auch wenn wir sie nicht perfekt formulieren können.
Sind die Zehn Gebote noch gültig für Christen?
Ja, die Zehn Gebote sind für Christen nach wie vor gültig und bilden die Grundlage für ein gottgefälliges und ethisches Leben. Sie sind keine bloße Gesetzesliste, sondern Ausdruck von Gottes Willen für ein gutes Leben und dienen als Spiegel, der uns unsere Sündhaftigkeit aufzeigt und uns zur Gnade Gottes führt. Luther selbst betonte, dass sie uns lehren, Gott zu fürchten, zu lieben und zu vertrauen, und unseren Nächsten zu lieben.
Fazit: Ein Fundament für den Glauben
Der Katechismus, insbesondere die Werke Martin Luthers, bietet ein unschätzbares Fundament für das Verständnis und die Praxis des christlichen Glaubens. Er ist weit mehr als eine historische Kuriosität; er ist ein lebendiges Dokument, das Generationen geholfen hat, die tiefen Wahrheiten über Gott, den Menschen und die Erlösung zu erfassen. Indem wir uns mit den Hauptstücken – den Zehn Geboten, dem Glaubensbekenntnis, dem Vaterunser, den Sakramenten und der Beichte – auseinandersetzen, erhalten wir nicht nur theologisches Wissen, sondern auch praktische Anleitungen für ein gottgefälliges Leben. Die Haustafel ergänzt dies, indem sie uns daran erinnert, dass unser Glaube jeden Aspekt unseres Daseins durchdringen und formen soll, von unseren persönlichen Gebeten bis hin zu unseren Beziehungen in Familie und Gesellschaft. Mögen diese zeitlosen Lehren uns alle dazu inspirieren, ein Leben zu führen, das von tiefem Glauben, aufrichtigem Gebet und liebendem Dienst am Nächsten geprägt ist.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Glaubensfundamente: Katechismus & Gebet kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Glaube besuchen.
