Was ist der Kreuzweg und warum ist er so wichtig?

Das Kreuzzeichen: Tiefe Bedeutung & Praxis

16/01/2024

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Das Kreuzzeichen ist eine der ältesten und tiefgründigsten Gesten im Christentum. Es ist ein sichtbares Bekenntnis des Glaubens, eine Erinnerung an das Opfer Christi und ein Zeichen der Zugehörigkeit zu Gott. Doch was verbirgt sich wirklich hinter diesem alltäglichen Ritual, das viele Christen, insbesondere in der katholischen Tradition, so selbstverständlich vollziehen? Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Dimensionen des Kreuzzeichens, seine Bedeutung in der Liturgie und seine Rolle im persönlichen Glaubensleben.

Wie viele Evangelisten gibt es?
Die Evangelisten mit ihren Attributen, Codex Amiatinus (7. Jh.) Die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die als Autoren der vier biblischen Evangelien gelten, werden in der christlichen Ikonografie seit dem 4. Jahrhundert durch vier geflügelte Symbole dargestellt.
Inhaltsverzeichnis

Was ist das Kreuzzeichen in der Liturgie? Definition und Formen

Das Kreuzzeichen ist ein Segenszeichen, das die beiden Balken des Kreuzes nachbildet. Es kann über sich selbst, über andere Personen oder auch über Gegenstände gezeichnet werden. Im Kern drückt es die unauflösliche Zugehörigkeit des so Gesegneten zu Jesus Christus aus. Wenn Gegenstände mit dem Kreuzzeichen versehen werden, werden sie Gott geweiht, aus ihrem profanen Kontext gehoben und in den Dienst des Heiligen gestellt.

Man unterscheidet hauptsächlich zwischen zwei Formen des Kreuzzeichens:

  • Das große Kreuzzeichen: Dies ist die weithin bekannte Form, bei der die Hand von der Stirn zur Brust und anschließend von der linken zur rechten Schulter geführt wird. Es ist ein umfassendes Zeichen, das den ganzen Menschen unter den Schutz und Segen Gottes stellt.
  • Das kleine Kreuzzeichen: Dieses ältere Zeichen wird mit dem Daumen auf Stirn, Mund und Herz gezeichnet. Es symbolisiert das Denken (Stirn), das Reden (Mund) und das Handeln (Herz) und ist eng mit der Aufnahme des Wortes Gottes verbunden.

Die Verbundenheit mit dem dreifaltigen Gott wird besonders durch die begleitenden Worte „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ deutlich. Diese Formel ist ein tiefes Glaubensbekenntnis zur Heiligen Dreifaltigkeit und unterstreicht die theologische Dimension des Kreuzzeichens. Beim Bekreuzigen mit Weihwasser, beispielsweise beim Betreten einer Kirche, wird zudem an die Taufe erinnert. Diese Geste vergegenwärtigt das Sakrament, durch das unser Leben in das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi eingetaucht wurde. Die Zugehörigkeit zu Christus aufgrund der Taufe über den Tod hinaus wird im Kreuzzeichen mit Weihwasser bei der Segnung des Sarges bei der Beerdigung oder bei der Gräbersegnung an Allerseelen eindrucksvoll zum Ausdruck gebracht.

In der Liturgie spielt das Kreuzzeichen eine zentrale Rolle: Es wird unter anderem zur Eröffnung eines Gottesdienstes vollzogen und bildet den Abschluss des Segens zum Ende der Feier. Vor der Verkündigung des Evangeliums bekreuzigen sich die Gottesdienstteilnehmer mit dem kleinen Kreuzzeichen, um ihre Bereitschaft zu zeigen, das Wort Gottes mit Verstand, Mund und Herz aufzunehmen. Obwohl das Kreuzzeichen noch von Martin Luther gutgeheißen wurde und somit eine ökumenische Wurzel hat, ist es in der evangelischen Kirche heute weniger üblich, während es in der katholischen und orthodoxen Tradition eine allgegenwärtige Praxis darstellt.

Die tiefere Bedeutung des Kreuzzeichens: Ein Schlüssel zum Glauben

Das Kreuz als Krone tragen – was auf den ersten Blick wie ein Paradoxon wirkt, ist für Christen eine tiefgreifende Wahrheit. Das Kreuzzeichen, oft als typisch katholisches Markenzeichen missverstanden, ist in Wahrheit ein Schlüssel zum Glauben für alle Christen. Es ist das Zeichen der Liebe Gottes, denn Christus hat durch sein Sterben am Kreuz und im Licht seiner Auferstehung den Tod für immer besiegt. Die Botschaft, die vom Kreuz ausgeht, ist für Christen Gottes Kraft für ihr Leben.

Der Apostel Paulus schreibt im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth: „Das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“ (1 Kor 1,17). In diesem Sinne schreibt auch der heilige Johannes Chrysostomus († 407) im Kommentar zum Römerbrief 3,6: „Das Kreuz bedeutet für den Christen die Tatsache der unaussprechlichen Liebe Gottes zu den Menschen, es ist das Symbol der höchsten Fülle göttlichen Erbarmens.“ Wenn wir auf das Kreuz schauen oder uns mit dem Kreuz bezeichnen, dürfen wir uns an diese grenzenlose Liebe Gottes erinnern. So erweist sich das Kreuz als Segen, das Kreuzzeichen ist ein Zeichen des göttlichen Segens, der unser ganzes Sein durchdringt.

Die Bezeichnung mit dem Kreuz ist aber immer auch eine Erinnerung an die Taufe, durch die unser Leben in das Geheimnis des Kreuzes und der Auferstehung Christi getaucht worden ist. Bei der Taufe werden über den Täufling die Worte „(Name des Täuflings), ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ gesprochen, während er in Wasser getaucht oder mit Wasser übergossen wird. Wenn jemand sich mit Weihwasser bekreuzigt und die Worte „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ spricht, verdichtet sich darin die Erinnerung an die eigene Taufe und an die damit empfangene Gnade.

Das Kreuzzeichen im Alltag und seine historische Verwurzelung

Grundsätzlich spielt es keine Rolle, mit welcher Kreuzform man sich außerhalb einer gottesdienstlichen Feier selbst bezeichnet. Die persönliche Beziehung zu dieser Geste ist entscheidend. Interessant ist die historische Entwicklung der Selbstbekreuzigung. In den ersten christlichen Jahrhunderten beschrieb man bei der Selbstsegnung das Kreuz oft nur auf die Stirn mit einem Finger der rechten Hand. Der frühe Theologe Tertullian (gest. nach 220) bezeugt bereits im dritten Jahrhundert die weitreichende Verbreitung dieser Praxis: „Bei jedem Schritt und Tritt, bei jedem Eingehen und Ausgehen, beim Anlegen der Kleider und Schuhe, beim Baden, bei Tisch, beim Lichtanzünden, beim Schlafengehen, beim Niedersitzen und bei jeder Tätigkeit drücken wir auf unsere Stirn das Kreuzzeichen.“ Auch die Bezeichnung des Mundes und der Brust mit dem Kreuz wird schon früh bezeugt, was die ganzheitliche Bedeutung dieses Zeichens unterstreicht.

Das Kreuzzeichen in der Eucharistiefeier – Eine detaillierte Betrachtung

Innerhalb der Eucharistiefeier bezeichnen sich die Gläubigen dreimal mit dem Kreuzzeichen, jeweils mit einer spezifischen Bedeutung:

  1. Zu Beginn der Eucharistiefeier: Hier wird das „große“ Kreuzzeichen zu den Worten „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ vollzogen. Dies erinnert an die Taufe und daran, dass sich die Gemeinde im Namen des dreifaltigen Gottes versammelt hat. Es ist eine Eröffnung, die den gesamten Gottesdienst unter den Segen Gottes stellt.
  2. Am Schluss der Feier: Der Priester spricht den Schlusssegen: „Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn (Kreuzzeichen) und der Heilige Geist.“ Hier begleitet das Kreuzzeichen die Segensbitte, die die Gläubigen auf ihrem Weg in die Welt begleiten und stärken soll.
  3. Bei der Verkündigung des Evangeliums: Vor der Lesung des Evangeliums bezeichnen sich der Priester oder Diakon und die Mitfeiernden mit dem „kleinen“ Kreuzzeichen auf Stirn, Mund und Brust. Dies geschieht zu den Worten „Aus dem heiligen Evangelium nach N. (Namen des Evangelisten)“ oder „Aus dem Evangelium Jesu Christi nach N.“. Diese Geste drückt den Wunsch aus, das Evangelium Christi mit „offener“ Stirn zu empfangen und es dem eigenen Verstand zu eigen zu machen. Es soll mit dem Munde bekannt und im Herzen bewahrt werden. Es ist eine Geste der Aufnahmebereitschaft und des persönlichen Bekenntnisses zum Wort Gottes.

Um die Unterschiede zwischen dem großen und dem kleinen Kreuzzeichen zu verdeutlichen, dient folgende Tabelle:

MerkmalGroßes KreuzzeichenKleines Kreuzzeichen
AusführungMit ausgestreckten Fingern von Stirn zu Brust, von linker zu rechter Schulter.Mit dem Daumen auf Stirn, Mund und Herz.
SymbolikUmfasst den ganzen Menschen, symbolisiert die Dreifaltigkeit und die Zugehörigkeit zu Christus.Fokus auf Denken, Reden und Handeln im Bezug auf das Evangelium.
Typische AnwendungBeginn und Ende von Gottesdiensten, Segen, persönliche Gebetszeiten.Vor der Verkündigung des Evangeliums, private Andacht.
Historische EntwicklungSeit dem ersten Jahrtausend weit verbreitet.Ältere Form, schon früh bezeugt (Stirn, Mund, Brust).

Das Kreuzzeichen bei Segnungen: Mehr als eine Geste

Das Kreuzzeichen wird auch über Personen oder Sachen bei Segnungen gezeichnet. Dies darf nicht magisch verstanden werden, als ob die Geste an sich eine Wirkung entfalte. Vielmehr wird mit dem Kreuzzeichen zumeist eine gesprochene Segensbitte verbunden. Das Kreuzzeichen wird auf diese Weise eine Geste, die ein Segensgebet begleitet und dessen Inhalt visuell unterstreicht, wie wir das zum Beispiel bei der Segnung von Weihwasser kennen. Es ist eine Bekräftigung des Gebetes, eine Bitte um den Schutz und die Gnade Gottes.

Das Kreuz betrifft unser ganzes Menschsein: Eine ganzheitliche Dimension

Dass Christen mit ihrem ganzen Menschsein in das Zeichen des Kreuzes hineingenommen sind, kommt besonders eindrücklich zum Ausdruck, wenn Taufbewerber auf ihrem Vorbereitungsweg zur Taufe (Katechumenat) in einer eigenen Feier mit dem Kreuz bezeichnet werden. Diese tiefgehende Praxis verdeutlicht, wie das Kreuz alle Aspekte des menschlichen Seins durchdringt:

  • „Empfange das Kreuz auf deine Stirn. Christus selbst beschützt dich mit diesem Zeichen seiner Liebe.“ (Für das Denken und Verstehen)
  • „Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Ohren, damit du das Wort des Herrn bereitwillig hörst.“ (Für das Hören und Empfangen)
  • „Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Augen, damit du die Herrlichkeit Gottes erkennst.“ (Für das Sehen und Erkennen)
  • „Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Brust, damit Christus durch den Glauben in deinem Herzen wohnt.“ (Für das Fühlen und die Herzensbeziehung)
  • „Empfange das Zeichen des Kreuzes auf die Schulter, damit du die Herrschaft Christi gerne trägst.“ (Für das Handeln und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen)

Diese umfassende Bezeichnung zeigt, dass das Kreuzzeichen nicht nur eine äußere Geste ist, sondern eine tiefe, innere Haltung des ganzen Menschen vor Gott symbolisiert.

Was sagt der Evangelist über Jesus?
Sieht man vom Nachtragskapitel Joh 21 ab, so lautet der Schlusssatz des Evange-liums: „Diese (Zeichen) sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist, und damit ihr als Glaubende Leben habt in seinem Namen“ (20,31). Damit fasst der Evangelist das Wesentliche seines Werkes zu-sammen.

Vom Beginn bis zum Ende des christlichen Lebens: Ein Zeichen der Hoffnung

Das Zeichen des Kreuzes ist so ein Schlüssel des Glaubens, mit dem sich durch die Taufe das Tor zum ewigen Leben öffnen lässt. Es begleitet Christen vom Beginn ihres Christwerdens bis hin zu ihrem Begräbnis, an dem über der Dunkelheit ihres Grabes das Kreuz Christi errichtet wird und das Licht der Auferstehung hoffnungsvoll hineinleuchtet. Es ist ein Symbol, das das gesamte Leben umspannt – von der Geburt in den Glauben bis zur Hoffnung auf die ewige Vollendung.

Spirituelle Dimension und Praxis des Kreuzzeichens

Ein Gebet syrischer Christen

Das Kreuzzeichen ist oft mit einem Gebet verbunden, das die tiefe theologische Bedeutung der Dreifaltigkeit verdeutlicht und uns in unserer Menschlichkeit anspricht:

Im Namen des Vaters,
der uns ausgedacht und geschaffen hat,
und des Sohnes,
der in die Tiefe unseres Menschseins hinabgestiegen ist,
und des Heiligen Geistes,
der das Linke zum Rechten wendet,
der das Unbewusste und Unbekannte in uns verwandelt,
damit es ausgerichtet wird auf Gott.

Dieses Gebet zeigt, wie das Kreuzzeichen uns in unserer Ganzheit erfasst und uns auf Gott ausrichtet.

Geistlicher Impuls: Das Kreuz wie eine Krone tragen

Der heilige Johannes Chrysostomus ermutigt uns, das Kreuzzeichen mit Stolz und Zuversicht zu tragen:

„Niemand schäme sich also des ehrwürdigen Zeichens unserer Erlösung, der größten aller Wohltaten, durch die wir leben, durch die wir sind. Wir wollen vielmehr das Kreuz Christi wie eine Krone tragen. Denn durch das Kreuz wird ja unser ganzes Heil vollbracht. So oft jemand wiedergeboren wird, ist das Kreuz dabei; so oft er genährt wird mit jener geheimnisvollen Speise, so oft jemand geweiht wird, so oft irgendeine andere Handlung vorgenommen wird, überall steht dieses Zeichen des Sieges und zur Seite. Deshalb zeichnen wir es voll Eifer auf die Häuser, Wände und Fenster, auf die Stirn und auf das Herz. Ist es ja doch das Sinnbild unserer Erlösung, unserer gemeinsamen Befreiung, sowie der Güte unseres Herrn. ... Wenn du dich bekreuzest, erfülle deine Stirn mit großer Zuversicht, mache deine Seele frei.“

Diese Worte laden uns ein, das Kreuzzeichen nicht nur als eine äußere Formel zu sehen, sondern als einen Ausdruck tiefster Zuversicht und innerer Freiheit, die aus der Gewissheit der göttlichen Liebe und Erlösung erwächst.

Häufig gestellte Fragen zum Kreuzzeichen

Das Kreuzzeichen wirft oft Fragen auf. Hier finden Sie Antworten auf einige der häufigsten:

Ist das Kreuzzeichen nur katholisch?

Obwohl das Kreuzzeichen heute hauptsächlich mit der katholischen und orthodoxen Kirche assoziiert wird, war es historisch in vielen christlichen Traditionen verbreitet. Martin Luther befürwortete es beispielsweise, auch wenn es in der evangelischen Kirche heute weniger gebräuchlich ist. Es ist somit ein Zeichen, das tiefe Wurzeln in der gesamten christlichen Geschichte hat und über konfessionelle Grenzen hinweg als Ausdruck des Glaubens an Christus verstanden werden kann.

Wann mache ich das Kreuzzeichen?

Das Kreuzzeichen kann zu vielen Gelegenheiten gemacht werden: zur Eröffnung und zum Abschluss von Gebeten und Gottesdiensten, vor dem Lesen des Evangeliums, beim Betreten einer Kirche mit Weihwasser, in Momenten der Dankbarkeit, des Schmerzes oder der Bitte. Viele Christen machen es auch beim morgendlichen Aufstehen und abendlichen Zubettgehen, vor oder nach dem Essen. Es ist eine persönliche Geste, die den Glauben ausdrückt und Gott um seinen Segen bittet.

Warum ist das Kreuzzeichen so wichtig?

Das Kreuzzeichen ist ein Ausdruck des Glaubens an die Erlösung durch Christus. Es erinnert an die Liebe Gottes, die in Jesus am Kreuz ihren Höhepunkt fand, und an die eigene Taufe, durch die man in dieses Geheimnis eingetaucht wurde. Es ist ein sichtbares Bekenntnis und eine Geste, die den Gläubigen mit der göttlichen Gnade verbindet und seine gesamte Existenz unter den Schutz und Segen Gottes stellt. Es ist ein Zeichen der Identität, der Zugehörigkeit und der ständigen Erinnerung an die zentrale Botschaft des Christentums: den Sieg des Lebens über den Tod durch Christus.

Das Kreuzzeichen ist somit weit mehr als eine bloße Geste. Es ist ein lebendiges Symbol, das die Essenz des christlichen Glaubens in sich trägt: die Liebe Gottes, das Opfer Christi, die Gabe der Taufe und die Hoffnung auf das ewige Leben. Indem wir uns bekreuzigen, bekennen wir nicht nur unseren Glauben, sondern öffnen uns auch dem Segen und der Gnade Gottes, die uns in jedem Moment unseres Lebens begleiten.

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