Was ist die Heilkraft der Kräuter?

Kräutersegnung: Segen für Leib und Seele

08/05/2021

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Die Kräutersegnung ist ein tief verwurzelter Brauch in der römisch-katholischen Kirche, der untrennbar mit der Verehrung Mariens und dem Fest Mariä Himmelfahrt verbunden ist. Dieses alte Ritual, das oft liebevoll als „Büschelfrauentag“ oder „Unser Frauen Würzweih“ bezeichnet wird, ist mehr als nur eine einfache Segnung von Pflanzen; es ist eine Feier des Lebens, der Heilkraft der Natur und des Glaubens an die Fürbitte Mariens, die als „die Blume des Feldes und die Lilie der Täler“ verehrt wird. Tauchen Sie ein in die Geschichte und Bedeutung dieses faszinierenden Brauches, der seit Jahrhunderten die Herzen der Gläubigen berührt und eine Brücke zwischen himmlischem Segen und irdischer Heilung schlägt.

Was ist eine Kräuter Segnung?
Gottesdienste mit Kräutersegnungen sind seit dem 9. Jahrhundert bekannt und lösten germanische Erntebräuche ab. Die Segnung sollte die von Maria ausgehenden heilsamen Einflüsse und Kräfte auf die Kräuter übertragen.

Die Wurzeln der Kräutersegnung: Eine Legende und ihre Bedeutung

Der Ursprung der Kräuter- und Blumensegnung, umgangssprachlich auch Kräuterweihe genannt, findet sich in einer wunderschönen Legende. Es wird erzählt, dass nach der Öffnung des Grabes Mariens, statt ihres Leibes, wohlriechende Blumen und Kräuter darin gefunden wurden. Ein wundersamer Kräuterduft soll von dieser Stelle ausgegangen sein, ein Zeichen ihrer himmlischen Aufnahme. Diese Legende bildet das Fundament für den Brauch, der Mariä Himmelfahrt – am 15. August – zu einem besonderen Tag für die Natur und den Glauben macht.

Das liturgische Segensbuch, das Benedictionale, erklärt die tiefergehende theologische Bedeutung: „Die Heilkraft der Kräuter soll durch die Fürbitte der Kirche dem ganzen Menschen zum Heil dienen.“ Diese Aussage unterstreicht, dass die Segnung nicht nur eine symbolische Geste ist, sondern eine Übertragung von heilsamen Einflüssen und Kräften, die ihren Ursprung in der Gnade Gottes und der Fürbitte Mariens haben. Das Heil, das durch Maria besonders deutlich wurde, soll sich durch die gesegneten Kräuter auf die Gläubigen übertragen.

Gottesdienste mit Kräutersegnungen sind bereits seit dem 9. Jahrhundert belegt. Sie lösten damals ältere, germanische Erntebräuche ab und integrierten die Wertschätzung für die Gaben der Natur in den christlichen Glauben. Besonders vor Klosterkirchen der Franziskaner und Kapuziner, deren Mönchen im Mittelalter eine hohe Segnungskraft zugeschrieben wurde, werden zu Mariä Himmelfahrt bis heute körbeweise Heilkräuter gesegnet. Dies zeigt die tiefe Verwurzelung des Brauches in der klösterlichen Tradition und der Volksfrömmigkeit.

Der Kräuterstrauß: Ein Symbol voller Tradition

Im Zentrum der Kräutersegnung steht der sogenannte Kräuterstrauß, oft auch Würzbüschel genannt. Dieses Gebinde ist nicht nur eine Ansammlung von Pflanzen, sondern ein sorgfältig zusammengestelltes Ensemble von Heilkräutern und Blumen, die eine tiefe symbolische Bedeutung tragen. Die Tradition, solche Sträuße zu binden, geht ebenfalls auf die Überlieferung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus zurück, der von einem Wohlgeruch nach Rosen und Kräutern aus Mariens leerem Grab berichtete.

Die Kräuterweihe ist ein fester Bestandteil der volkstümlichen Bräuche der römisch-katholischen Kirche. Es ist bemerkenswert, wie dieser seit dem 9. Jahrhundert bekannte Brauch in den letzten Jahren wieder eine Renaissance erlebt hat. Am Hochfest Mariä Himmelfahrt, dem 15. August, werden die zu einem Würzbüschel gebundenen Kräuter zur Kirche gebracht, wo sie im Gottesdienst oder im Anschluss daran vom Priester gesegnet werden. Diese gesegneten Kräuter sollen dann im Sinne eines „Tragzaubers“ wirksam sein, was bedeutet, dass ihnen schützende und heilende Eigenschaften zugeschrieben werden. Die Kräuterweihe zählt somit zu den Sakramentalien, also heiligen Zeichen, die die Gnade vorbereiten und deren Wirkung durch die Kirche erzielt wird.

Was ist ein Kräuterstrauß?
Krankem Vieh wurden geweihte Kräuter ins Futter gemischt oder man warf zum Schutz vor Blitzschlag beim Gewitter Kräuter aus dem Buschen ins offene Feuer. In ländlichen Gebieten Deutschlands sind für die heute gebräuchliche Bezeichnung Kräuterstrauß (-busch) noch ältere Namensgebungen aus den regionalen Dialekten bekannt.

In einigen Regionen Bayerns und Tirols markiert die Kräuterweihe sogar den Beginn des sogenannten „Frauendreißigers“, einer Zeitspanne von dreißig Tagen, die bis zum 12. September (Mariä Namen) dauert und in der Maria in besonderer Weise als Heilerin und Helferin verehrt wird.

Regionale Bezeichnungen und ihre Bedeutung

Die Bezeichnung „Kräuterstrauß“ oder „Kräuterbusch“ ist in Deutschland weit verbreitet, doch in ländlichen Gebieten existieren noch ältere, regional verankerte Namen. So wird in der Eifel und an der Untermosel der Kräuterstrauß als „Wisch“ bezeichnet. Diese Bezeichnung geht möglicherweise auf den Beifuß zurück, der ursprünglich das wichtigste Kraut in diesen Gebinden war und in der Region auch als „Wischkraut“ bekannt war. Solche „Wische“ wurden nicht nur in der Küche verwendet, sondern auch im Kuhstall (teilweise mit Pech bestrichen) zur Abwehr von Koliken eingesetzt, was die breite Anwendung der gesegneten Kräuter unterstreicht.

Die Heilkraft im Würzbüschel: Eine Auswahl an Kräutern

Ein Kräuterstrauß ist eine wahre Apotheke der Natur und des Glaubens. Die Auswahl der Kräuter variiert regional, doch einige Pflanzen sind immer wieder zu finden. Hier eine Übersicht typischer Kräuter und ihrer traditionellen Zuschreibungen:

Kraut/PflanzeTraditionelle Bedeutung/Verwendung (im Kontext der Segnung)
AlantOft in großer Zahl eingebunden, symbolisiert Schutz und Heilung; Tee aus geweihtem Alant galt als besonders heilsam.
Echtes JohanniskrautSchutz vor Unglück, Blitzschlag und bösen Geistern; Symbol des Lichts und der Vertreibung von Dunkelheit.
WermutAbwehr von Krankheiten und Schädlingen; galt als stark reinigend und schützend.
BeifußWichtiges Kraut für den "Wisch"; Schutz vor Koliken bei Vieh, allgemeiner Schutz.
RainfarnSchutz vor Ungeziefer und bösen Einflüssen; oft in Ställen verwendet.
SchafgarbeHeilkraut für Wunden und Entzündungen; symbolisiert Heilung und Widerstandsfähigkeit.
KönigskerzeWird oft als "Himmelskerze" bezeichnet; Schutz vor Blitz und Unwetter, symbolisiert Licht und Führung.
KamilleBeruhigend und entzündungshemmend; Symbol für Trost und Heilung.
ThymianStärkend und reinigend; Schutz vor Krankheit und Stärkung des Immunsystems.
BaldrianBeruhigend und schlaffördernd; Schutz vor Angst und Unruhe.
EisenkrautAls "Marienkraut" bekannt; Schutz vor bösen Zaubern und für gute Ernten.
GetreidesortenSymbolisieren Fruchtbarkeit, Nahrung und den Segen der Ernte; oft in kleinen Mengen beigefügt.

Es gab sogar den Brauch, so viele Alantblüten in die Kräuterbuschen einzubinden, wie Menschen, Kühe und Pferde auf dem Hof lebten, um den Schutz auf alle Lebewesen auszudehnen. Die geweihten Kräuter wurden vielfältig eingesetzt: als Tee für kranke Menschen, ins Futter für kränkelndes Vieh gemischt oder beim Gewitter ins offene Feuer geworfen, um Blitzschlag abzuwehren.

Die Liturgie der Segnung: Gebete voller Tiefe

Die eigentliche Segnung der Kräuter ist eingebettet in feierliche Gebete, die die Intention und den Segen des Brauches ausdrücken. Die außerordentliche Form des römischen Ritus umfasst dabei mehrere Gebete, die die weitreichende Bedeutung der Kräutersegnung offenbaren:

Das erste Gebet ist ein Lobpreis Gottes als Schöpfer von Himmel, Erde und Meer und als Spender der Pflanzenwelt. Es bittet darum, dass die unterschiedlichen Kräuter und Früchte durch Gottes gnadenreiche Milde gesegnet werden. Ziel ist, dass sie durch den Einfluss dieser neuen Gnade über ihre natürliche Kraft hinaus einen reichen Schutz gegen Krankheit und Vergiftung bieten – sowohl für Mensch als auch für Tier.

Das zweite Gebet erinnert an die alttestamentliche Tradition, in der Moses die Israeliten anwies, die Erstlingsfrüchte zur Segnung zu den Priestern zu bringen. Es ist eine Bitte um die Überfülle des göttlichen Segens auf die gesammelten Kräuter und Früchte. Dieses Gebet betont den Wunsch, dass die gesegneten Kräuter überall dort, wo sie aufbewahrt, mitgetragen oder verwendet werden, heilende Hilfe gegen Krankheiten, Seuchen, Geschwüre, Bösartigkeiten, Verwünschungen, Gifte und Tierbisse bieten mögen. Darüber hinaus sollen sie Schutz vor teuflischen Illusionen, Machenschaften und betrügerischen Verführungen gewähren. Es verbindet die irdische Segnung mit der Hoffnung, durch die Verdienste der Gottesmutter Maria, deren Aufnahme in den Himmel gefeiert wird, zur ewigen Gemeinschaft mit Gott zu gelangen.

Wann ist die Kräuterweihe?
zum Fest Mariä Aufnahme in den Himmel am 15. August Den Kräuterstrauß zeigen und evtl. damit von einem zum anderen gehen, riechen lassen Zum Fest Mariä Himmelfahrt oder Aufnahme Mariens in den Himmel gehört für viele von uns bis heute die Kräuterweihe.

Das dritte Gebet ist eine Danksagung an Gott für die Erhebung Mariens in den Himmel und für die Wunder seiner Schöpfung, insbesondere die Heilkräuter und Blumen, die Gesundheit und Freude schenken. Es bittet um die Segnung dieser Pflanzen, damit sie die Gläubigen an Gottes Herrlichkeit und den Reichtum seines Lebens erinnern. Durch Marias Fürsprache soll den Menschen Heil zuteilwerden und sie zur ewigen Gemeinschaft mit Gott gelangen.

Das vierte Gebet nimmt Bezug auf die prophetische Ankündigung Jesajas vom „Reis aus dem Baumstumpf Isais“, das im christlichen Kontext als Maria, die Mutter Jesu, gedeutet wird. Dieses Gebet verbindet die Segnung der Kräuter direkt mit der Himmelfahrt Mariens und bittet darum, dass durch die Kraft Jesu und das glorreiche Patrozinium seiner Mutter die Schutzwirkungen dieser Früchte der Erde zum irdischen und ewigen Heil genutzt werden können. Es ist eine umfassende Bitte um den Segen des allmächtigen Gottes auf die gesegneten Gebinde.

Teilnahme an der Kräutersegnung: Praktische Hinweise

Jeder kann an diesem schönen Brauch teilnehmen und seine eigenen Kräuter und Blumen zur Segnung mitbringen. Seit über 1.000 Jahren werden Heilkräuter und Blumen zum Gottesdienst an Mariä Aufnahme in den Himmel gebracht, um gesegnet zu werden. Es ist eine wunderbare Gelegenheit für Familien, gemeinsam Kräuter und Blumen vorzubereiten, die sie segnen möchten. Ein einfacher Gang über den Balkon, durch den Garten oder über eine Wiese genügt, um die notwendigen Pflanzen zu sammeln. Wichtig ist die Intention und die Wertschätzung für die Gaben der Natur und den Segen, der durch die Kirche vermittelt wird.

Die gesegneten Kräuter werden oft zu Hause an einem Ehrenplatz aufbewahrt, beispielsweise über der Haustür, im Herrgottswinkel oder im Stall, um Schutz und Segen zu spenden. Ihr Duft und ihre Präsenz sollen an die göttliche Fürsorge und die Verbindung zur Natur erinnern.

Häufig gestellte Fragen zur Kräutersegnung

Wann findet die Kräutersegnung statt?
Die Kräutersegnung findet traditionell am 15. August statt, dem Hochfest Mariä Himmelfahrt (auch Mariä Aufnahme in den Himmel genannt).
Welche Kräuter und Blumen eignen sich für die Segnung?
Typische Kräuter sind Alant, Echtes Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian, Eisenkraut und verschiedene Getreidesorten. Grundsätzlich können alle wohlriechenden und als heilkräftig bekannten Pflanzen gesegnet werden. Es ist wichtig, Pflanzen zu wählen, die man schätzt und die eine Bedeutung für einen selbst haben.
Was mache ich mit den gesegneten Kräutern?
Die gesegneten Kräuter können vielfältig verwendet werden: als Tee für kranke Menschen oder Tiere, ins Futter für Vieh gemischt, zum Schutz vor Blitzschlag ins Feuer geworfen, oder einfach als Schutz und Segen im Haus aufbewahrt. Sie dienen als Erinnerung an den Segen und die Fürbitte Mariens.
Ist die Kräutersegnung nur für Katholiken?
Die Kräutersegnung ist ein Brauch der römisch-katholischen Kirche und ist tief in der Marienverehrung verwurzelt. Während die Segnung selbst im katholischen Gottesdienst stattfindet, können auch Menschen anderer Konfessionen oder ohne feste Konfession die Schönheit und den kulturellen Wert dieses Brauches würdigen und sich von der Symbolik der Natur und des Segens inspirieren lassen.

Fazit: Ein lebendiger Brauch voller Segen

Die Kräutersegnung ist weit mehr als ein altes Ritual; sie ist ein lebendiger Ausdruck des Glaubens, der die Verbundenheit des Menschen mit der Natur und dem Göttlichen feiert. Sie erinnert uns daran, dass Heilung und Schutz nicht nur aus der Wissenschaft, sondern auch aus der spirituellen Dimension kommen können. Durch die Verehrung Mariens und die Segnung der Kräuter wird eine Brücke geschlagen zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen, zwischen der sichtbaren Welt der Pflanzen und der unsichtbaren Kraft des Segens. Dieser Brauch lädt uns ein, die Gaben der Schöpfung wertzuschätzen und in ihnen die Spuren göttlicher Fürsorge zu erkennen. Er ist ein zeitloser Schatz, der uns jährlich am 15. August aufs Neue einlädt, die Heilkraft der Natur zu ehren und den Segen für Leib und Seele zu empfangen.

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