12/11/2023
In Zeiten der Not, des Leidens und der Krankheit sehnen sich Menschen nach Trost, Unterstützung und Heilung. Die christliche Botschaft, insbesondere wie sie uns durch die Evangelien überliefert wird, offenbart ein zutiefst mitfühlendes Bild Jesu Christi. Er war nicht nur ein Lehrer, sondern auch ein Heiler, der sich den Kranken und Ausgestoßenen ohne Zögern zuwandte. Seine Taten und Worte legen den Grundstein für eine Praxis, die bis heute in der Kirche fortbesteht: das Sakrament der Krankensalbung, ein Ausdruck seiner bleibenden Nähe zu jenen, die leiden.

Diese Nähe Jesu zu den Menschen in ihrer Zerbrechlichkeit ist ein zentrales Thema der Evangelien. Sie erzählen uns eindringlich davon, wie Jesus die Gesellschaftsbarrieren überwand, um Menschen zu berühren, die als unrein galten oder von der Gemeinschaft gemieden wurden. Er heilte Blinde, Lahme, Aussätzige und sogar Tote. Seine Heilungen waren nicht nur physische Wunder, sondern auch Zeichen einer umfassenden Wiederherstellung – einer Wiederherstellung der Würde, der Zugehörigkeit und der Beziehung zu Gott. Dieser Auftrag zur Fürsorge und Heilung wurde von Jesus auch an seine Jünger weitergegeben: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8).
- Die Evangelien: Quelle der Heilungsbotschaft
- Das Sakrament der Krankensalbung: Ein Zeichen der Lebensbejahung
- Häufig gestellte Fragen zur Krankensalbung
- F: Muss man sterbend sein, um die Krankensalbung zu empfangen?
- F: Kann man die Krankensalbung mehrfach empfangen?
- F: Was ist der Unterschied zwischen Krankensalbung und Beichte?
- F: Welches Öl wird für die Krankensalbung verwendet?
- F: Kann die Krankensalbung auch bei psychischen Erkrankungen gespendet werden?
- Vergleich: „Letzte Ölung“ vs. „Krankensalbung“
- Fazit: Die fortwährende Liebe Jesu im Leid
Die Evangelien: Quelle der Heilungsbotschaft
Die Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – sind die grundlegenden Schriften des Neuen Testaments, die das Leben, Wirken, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi dokumentieren. Sie sind keine biographischen Berichte im modernen Sinne, sondern theologische Zeugnisse, die darauf abzielen, den Glauben an Jesus als den Christus zu wecken und zu vertiefen. In allen vier Evangelien nimmt Jesu Heilungsdienst einen prominenten Platz ein. Sie zeigen einen Jesus, der aktiv auf die Menschen zugeht, ihre Leiden wahrnimmt und mit göttlicher Autorität und unermesslichem Mitgefühl handelt.
- Matthäus betont oft Jesu Rolle als Erfüller prophetischer Schriften und zeigt seine Heilungen als Zeichen des anbrechenden Reiches Gottes.
- Markus stellt Jesus als machtvollen Wundertäter dar, der oft sofort und direkt handelt, um Krankheiten und Dämonen zu besiegen.
- Lukas, der Evangelist und Arzt, legt besonderen Wert auf Jesu Mitgefühl für die Armen, Ausgestoßenen und Kranken. Seine Heilungsgeschichten sind oft detaillierter und betonen die Barmherzigkeit.
- Johannes konzentriert sich auf die tieferen Bedeutungen der Wunder, die er als „Zeichen“ interpretiert, die auf Jesu göttliche Identität und seine Rolle als Spender des ewigen Lebens hinweisen.
Die Heilungen Jesu waren mehr als nur medizinische Interventionen; sie waren Zeichen seiner Herrschaft über Sünde, Krankheit und Tod. Sie zeigten, dass Gottes Reich angebrochen war und dass in ihm Heilung und Ganzheit für den Menschen möglich sind. Dieses Verständnis bildet die theologische Basis für das Sakrament der Krankensalbung.
Das Sakrament der Krankensalbung: Ein Zeichen der Lebensbejahung
Die Krankensalbung ist eines der sieben Sakramente der katholischen Kirche und ein konkreter Ausdruck der Nähe Jesu zu den Kranken und Leidenden. Lange Zeit war dieses Sakrament unter dem Namen „Letzte Ölung“ bekannt, was oft zu Missverständnissen führte und es fälschlicherweise mit dem unmittelbaren Tod in Verbindung brachte. Diese ältere Bezeichnung hat dazu beigetragen, dass viele Menschen zögerten, dieses Sakrament zu empfangen, aus Angst, dies würde ihr baldiges Ende bedeuten.
Die Umbenennung in „Krankensalbung“ und eine präzisere theologische Auslegung haben jedoch deutlich gemacht, dass dieses Sakrament nicht dem Tod, sondern dem Leben dient. Es soll einen kranken, leidenden Menschen stärken und aufrichten. Es ist eine Quelle der Gnade, die in schwierigen Zeiten Trost, Frieden und Hoffnung spendet. Die Krankensalbung ist dazu bestimmt, den Kranken in seiner Not zu unterstützen, ihm Kraft für den Kampf gegen die Krankheit zu geben und ihn im Glauben zu stärken.
Ursprung und Bedeutung im Jakobusbrief
Die Praxis, Kranke mit Öl zu salben, findet sich bereits im Neuen Testament, genauer gesagt im Jakobusbrief: „Ist einer unter euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben“ (Jak 5,14f.). Dieser Text ist die biblische Grundlage für das Sakrament und zeigt, dass die Salbung von Kranken eine urchristliche Praxis ist, die auf die apostolische Tradition zurückgeht.
Drei zentrale Elemente werden hier genannt:
- Der Ruf nach den Ältesten (heute Priestern).
- Das Gebet über den Kranken und die Salbung mit Öl im Namen des Herrn.
- Die Verheißung, dass das gläubige Gebet den Kranken retten und aufrichten wird, und dass Sünden vergeben werden können.
Dies unterstreicht den umfassenden Charakter der Krankensalbung, der sowohl die körperliche als auch die geistliche Dimension des Menschen umfasst.
Wann und wie wird die Krankensalbung gespendet?
Das Sakrament der Krankensalbung kann gespendet werden, sobald ein Gläubiger aufgrund von Krankheit oder Altersschwäche in Gefahr gerät. Es ist nicht notwendig, dass der Tod unmittelbar bevorsteht. Vielmehr kann es bei jeder ernsten Erkrankung empfangen werden, sei es eine schwere körperliche Krankheit, eine altersbedingte Gebrechlichkeit oder auch eine schwerwiegende psychische Erkrankung.
Auch vor größeren Operationen, bei denen eine ernsthafte Gefahr besteht, kann das Sakrament empfangen werden, um dem Patienten Kraft und Mut zu spenden. Da es zur Stärkung eines kranken Menschen dient, kann es auch mehrfach gespendet werden, zum Beispiel wenn sich der Zustand des Kranken verschlimmert oder eine neue schwere Krankheit auftritt.
Die Spendung erfolgt durch einen Priester. Er salbt den Kranken mit geweihtem Öl (Chrisam) auf der Stirn und auf den Händen, während er die Gebetsworte spricht: „Durch diese heilige Salbung und durch sein liebstes Erbarmen helfe dir der Herr in seiner Gnade, damit er dich von Sünden befreie, dich rette und in seiner Güte aufrichte.“ Die Salbung ist ein sichtbares Zeichen der unsichtbaren Gnade Gottes, die dem Kranken beisteht.
Die Rolle der Gemeinschaft
Obwohl die Krankensalbung oft in der intimen Atmosphäre eines Krankenzimmers oder Zuhauses gespendet wird, ist es wünschenswert, dass sie nach Möglichkeit im Rahmen einer liturgischen Feier und in der Gemeinschaft erfolgt. Dies kann in einem Gottesdienst in einer Krankenhauskapelle, in der Pfarrkirche oder im Kreis der Familie geschehen. Die Teilnahme der Gemeinschaft unterstreicht, dass der kranke Mensch nicht allein ist in seinem Leiden, sondern von der ganzen Kirche getragen und unterstützt wird. Die Gemeinschaft betet für den Kranken, bezeugt ihre Solidarität und erfährt selbst die Kraft des Glaubens in der Fürbitte.
Häufig gestellte Fragen zur Krankensalbung
Um die Missverständnisse rund um dieses wichtige Sakrament weiter auszuräumen, beantworten wir hier einige häufig gestellte Fragen:
F: Muss man sterbend sein, um die Krankensalbung zu empfangen?
Nein, ganz klar nicht. Die Krankensalbung ist ein Sakrament für Kranke, nicht nur für Sterbende. Sie ist dazu gedacht, Stärkung und Trost in Zeiten ernsthafter Krankheit zu spenden, und kann sogar zur Genesung beitragen.
F: Kann man die Krankensalbung mehrfach empfangen?
Ja, absolut. Wenn sich der Gesundheitszustand eines Kranken verschlechtert oder eine neue, schwere Krankheit auftritt, kann das Sakrament erneut empfangen werden. Es ist nicht auf eine einmalige Spendung im Leben beschränkt.
F: Was ist der Unterschied zwischen Krankensalbung und Beichte?
Die Beichte (Sakrament der Versöhnung) ist spezifisch für die Vergebung von Sünden, die der Beichtende bewusst bekennt. Die Krankensalbung hingegen ist ein Sakrament der Heilung und Stärkung in Krankheit. Während es auch die Vergebung von Sünden bewirken kann, wenn der Kranke nicht beichten kann, ist ihr primäres Ziel die Stärkung und Aufrichtung des Kranken in seinem Leiden.
F: Welches Öl wird für die Krankensalbung verwendet?
Es wird das Krankenöl (Oleum Infirmorum) verwendet, das vom Bischof in der Chrisammesse am Gründonnerstag geweiht wird. Dieses Öl ist ein Zeichen für Reinigung, Stärke und Heilung.
F: Kann die Krankensalbung auch bei psychischen Erkrankungen gespendet werden?
Ja, auch schwere psychische Erkrankungen, die das Leben des Betroffenen erheblich beeinträchtigen und leiden lassen, können Anlass zur Spendung der Krankensalbung sein. Der Mensch ist eine Einheit aus Leib und Seele, und auch seelisches Leid bedarf der göttlichen Stärkung.
Vergleich: „Letzte Ölung“ vs. „Krankensalbung“
Um die Entwicklung und das heutige Verständnis des Sakramentes zu verdeutlichen, hilft eine vergleichende Betrachtung:
| Merkmal | Historische Sichtweise („Letzte Ölung“) | Aktuelle Theologie („Krankensalbung“) |
|---|---|---|
| Zeitpunkt | Nur bei unmittelbarer Todesgefahr | Bei jeder ernsten Krankheit, vor Operationen, bei Altersschwäche, auch bei psychischen Leiden |
| Ziel | Vorbereitung auf den Tod, letzte Sündenvergebung | Stärkung, Aufrichtung, Trost, Heilung (geistlich und manchmal körperlich), Sündenvergebung |
| Empfang | Einmalig im Leben | Mehrfach möglich bei Verschlechterung des Zustands oder neuer Krankheit |
| Fokus | Abschied, Ende des Lebens | Leben, Hoffnung, Gottes Nähe im Leid, Kampf gegen die Krankheit |
| Bedeutung | Sterbesakrament | Sakrament der Kranken und Leidenden |
Fazit: Die fortwährende Liebe Jesu im Leid
Die Evangelien zeichnen ein Bild Jesu, der in seiner tiefen Menschlichkeit und göttlichen Macht den Kranken und Schwachen zugewandt ist. Seine Heilungen waren mehr als nur Wunder; sie waren die Verkörperung seiner Liebe und seines Willens, den Menschen ganz zu machen. Das Sakrament der Krankensalbung ist die Fortsetzung dieses Heilungsdienstes Jesu in unserer Zeit. Es ist ein Sakrament der Barmherzigkeit, das nicht den Tod ankündigt, sondern das Leben stärkt, Trost spendet und die Gewissheit gibt, dass Gott in den schwierigsten Momenten des menschlichen Lebens gegenwärtig ist. Es erinnert uns daran, dass wir in Krankheit und Leid nicht allein sind, sondern von der Liebe Gottes und der Fürsorge der Gemeinschaft getragen werden. Möge dieses Sakrament den Kranken stets eine Quelle der Kraft und der tiefen inneren Ruhe sein.
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