Was sagt der Bibel über den Lügengeist?

Der Lügengeist und die moderne Prophetie

23/11/2021

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Vor wenigen Wochen ereignete sich in einer norddeutschen Gemeinde ein besorgniserregender Vorfall. Der Pastor, der offen für gemäßigte charismatische Kundgebungen war und die prophetische Gabe nicht verachten wollte, sah sich plötzlich einem Albtraum gegenüber. Was als Bereicherung begann, entwickelte sich zu einer Situation, in der angebliche göttliche Eingebungen, innere Bilder und Eindrücke überzeugender und wichtiger als Gottes Wort wurden. Ein „Gabenträger“ behauptete, wegen der Botschaft des Pastors liege ein Bann über der Gemeinde. Vernunftgründe verfingen nicht, denn die angebliche göttliche Herkunft dieser „Prophetie“ dominierte.

Was sind Beispiele für Gebetsworte?

Ähnliche Erfahrungen sind leider keine Seltenheit. Johannes Trauernicht berichtete von einem Fall in Windhoek, wo eine Vision von 200 neuen Ehepaaren die Gemeinde spaltete, als sie sich nicht erfüllte. Ein hinzugezogener Pfingstprediger erklärte daraufhin, angeblich durch prophetische Eingebung, der verantwortliche Pastor lebe im Ehebruch – eine haltlose Anschuldigung, die dennoch zum Zerbrechen der Gemeinde führte. Diese Vorfälle werfen eine drängende Frage auf: Woher stammen diese „prophetischen“ Eingebungen wirklich? Und was sagt die Bibel über einen möglichen Lügengeist?

Inhaltsverzeichnis

Wenn Eindrücke das Wort Gottes überschatten

In Bibelkreisen wird oft debattiert, wie man die Stimme Gottes hört. Während die Bibel als primäre Quelle unbestritten ist, meinen viele, Gott könne auch direkt reden. Als Beleg wird Elke Werner, Vorsitzende des Lausanner Komitees Deutschland, zitiert, die gelernt habe, Gottes Stimme so deutlich zu erkennen wie die ihres Mannes. Auch Astrid Eichler, eine Pfarrerin mit charismatischen Überzeugungen, vertritt die Ansicht, dass wir heutzutage nicht mehr nur die Bibel brauchen.

Sie argumentiert, dass wir Gott manchmal „einsperren“ zwischen den zwei Buchdeckeln der Bibel. „Wir müssen neu wahrnehmen, wie das mit dem Wort Gottes und seinem Reden ist… In Jesus Christus hat Gott zu uns geredet – und in Jesus Christus redet er auch heute zu uns“, so Eichler. Ihre Sorge ist, dass man das Buch des Herrn mit dem Herrn des Buches verwechselt und meint, für alle Zeiten zu wissen, was Gott geredet hat.

Ein noch eindrücklicheres Beispiel für die Abkehr vom Wort Gottes liefert der evangelische Pfarrer Stefan Wohlfahrt. Er berichtete von Exerzitien-Tagen, bei denen er angewiesen wurde, keine Bücher, Zeitschriften oder nicht einmal eine Bibel mitzubringen – nichts, was der Zerstreuung dienen sollte. Stattdessen ging es darum, durch inneres Abtasten des Leibes und das Legen des Namens „Jesus“ auf den ausfließenden Atem eine sinnlich spürbare Nähe Gottes zu erfahren. Solche Beispiele, die eine Abkehr von der Schrift hin zu subjektiven, erfahrungsbasierten Zugängen zeigen, ließen sich heute beliebig fortsetzen.

„Hörendes Gebet“ – Eine neue Form der Spiritualität?

In jüngster Zeit hat eine neue Welle die christliche Landschaft erfasst: das „Hörende Gebet“. Bekannt gemacht vor allem durch Campus für Christus, definiert es sich als eine Praxis, bei der vier oder fünf Beter mit einem Gast zusammensitzen, dessen Situation ihnen unbekannt ist. Nach einer Zeit der Stille teilen die Beter dem Gast mit, welche Eindrücke sie für ihn erhalten haben. Man geht davon aus, dass Gott besonders „begnadeten“ Werkzeugen Bilder und Gedanken schenkt, die dem Ratsuchenden seelsorgerlich weiterhelfen sollen. Die Hilfe kommt hier nicht primär durch Gottes Wort, sondern durch ein angeblich „direktes“ Reden Gottes.

Die Anleitungen für das Empfangen solcher Eindrücke klingen oft alarmierend esoterisch. Eine Veröffentlichung der Gesellschaft für christliche Psychologie, IGNIS, empfiehlt beispielsweise: „Suche eine bequeme Sitzposition – Atme ein paar Mal tief ein/aus, mache eine angedeutete Minipause… – Stelle dir vor, dass dich ein Engel besucht / die Stimme Gottes zu dir spricht… – Lasse dieses Wort zunächst in dich ein- und ausströmen… – Atme die Verheißungen Gottes ein/aus…“ Solche Praktiken erinnern stark an mystische und meditative Techniken, die sich in unseren Tagen rasant ausbreiten und von Zeitschriften wie „Aufatmen“ gefördert werden.

Einer der Pioniere, der von solch einer Art „Erleuchtung“ sprach, war Wilhard Becker, eine Schlüsselfigur der charismatischen Bewegung im freikirchlichen Bereich. Er meinte, göttlich inspirierte Gedanken seien „Einfälle, die sich durch eine besondere Helligkeit auszeichnen“. Diese „hellen oder erleuchteten Gedanken des Herzens“ seien von Gott gesendet. Becker empfahl in den 70er Jahren auch Akupressur, Zen-Meditation und Traumdeutung im Rahmen seiner Seelsorgeseminare. Interessanterweise war er auch einer der Ersten, der Ein- und Ausatmen in Verbindung mit Gebet empfahl, bei dem der Name Jesu wie ein Mantra wiederholt wird, um das Unterbewusstsein mit dem Namen des Sohnes Gottes zu füllen. Ehemalige Esoteriker bestätigen immer wieder die Parallelen dieser Methoden zum New Age und Okkultismus. Das Empfangen innerer Bilder und Stimmen erfordert eine innere Öffnung und das Hineinhören in sich selbst, was die biblische Forderung nach Wachsamkeit (Eph 6,17; Lk 11,35) gefährlich untergräbt.

Wurzeln und Einflüsse: Von Toronto bis zur Straßenevangelisation

Die jüngste Welle dieser Phänomene wurde maßgeblich durch die Stiftung Schleife in Winterthur angestoßen, das Missionswerk der Extremcharismatiker Geri und Lilo Keller. Sie sind bekannte Verfechter des Toronto-Segens, bei dem Menschen reihenweise zu Boden fielen, lachten oder zuckten. Geistliche Kriegsführung und das Auftreten von Pseudo-Propheten wie Rick Joyner, der behauptete, die Apostel Petrus, Johannes und Paulus hätten darauf gewartet, mit den heutigen Gläubigen zu reden, sind dort gängig.

Eine weitere neue Dimension ist die Vorstellung, dass Gott seinen Leib in den letzten Tagen in eine neue Dimension geistlicher Autorität hineinführen möchte. Mitarbeiter von Geri und Lilo Keller berichten von realen Erlebnissen, bei denen sie im Geist ergriffen und an andere reale irdische oder himmlische Orte entrückt wurden, ähnlich Paulus’ Entrückung in den dritten Himmel (2. Kor 12,2). Solche Phänomene sind als „Exkursion der Seele“ uralt und in esoterischen Kreisen wohlbekannt. Leider handelt es sich hierbei um „Lehren der Dämonen“ (1. Tim 4,1), wie Jessie Penn-Lewis und Evan Roberts bereits zu Beginn des vorigen Jahrhunderts warnten: Der Feind Gottes würde Legionen verführerischer Geister losschicken, um diejenigen zu verführen, die für übernatürliche Eingebungen empfänglich sind. Viele lassen sich beim Beten in passives, apathisches „Warten auf Gott“ hineinsinken, um „Eindrücke von oben“ zu empfangen.

Dies erinnert an Luthers Auseinandersetzung mit den Zwickauer Propheten, die sich der Gabe der Herzensschau rühmten und vorgaben, mit dem „lebendigen“ Jesus über Träume zu kommunizieren. Luther warnte drastisch: „Deshalb mahne ich euch vor solchen verderblichen Geistern, die sagen, ein Mensch empfängt den Heiligen Geist durch stilles Sitzen in der Ecke, auf der Hut zu sein. Hunderttausend Teufel wird er empfangen und nicht zu Gott kommen.“

Auch die immer beliebter werdende Praxis, sich Jesus bildlich in der Phantasie vorzustellen – nicht den Jesus des Wortes, sondern den der eigenen Vorstellungskraft – ist kritisch zu sehen. Hierbei wird das innerlich visualisierte Bild im Glauben für die Wirklichkeit genommen. Ein kranker Mensch soll sich vorstellen, wie er gesund ist, und dies nur fest genug glauben, um zu genesen. Vertreter dieser Ansicht sind Agnes Sanford, Yonggi Cho und Joyce Meyer. Dave Hunt erklärt in seinen Büchern: „Die bloße Vorstellung, die Wirklichkeit durch gedankliche Kraft manipulieren zu können, ist das Wesen der Magie.“ Luther warnte diesbezüglich: „Denn wo man das Wort fallen läßt und außer dem Wort nach Christus tappet, so ergreift man den Teufel.“

Eine weitere beunruhigende Entwicklung ist das „Hören vom Himmel – praktisches Prophezeien auf der Straße anhand von Bildern“, wie es in der Zeitschrift „Charisma“ beschrieben wurde. Dabei werden Bilder an eine Wäscheleine gehängt, und man bittet Gott, die „richtigen“ Bilder für bestimmte Passanten zu zeigen, die dann prophetisch ausgelegt werden. Phil Elsten, einer der „Kansas-City-Propheten“, praktizierte Ähnliches, indem er Menschen bat, ihm ihre Handflächen zu zeigen, um dadurch besondere Einsichten und innere Bilder zu erhalten. Solche Praktiken passen nahtlos in die biblische Diagnose von Mt 24,11-12 und Mt 7,22-23, die von vielen falschen Propheten sprechen, die in einer Zeit zunehmender Gesetzlosigkeit auftreten werden.

Biblische Fundamente auf dem Prüfstand: Joel und Epheser 4:11

Die Befürworter der neuen Prophetie berufen sich häufig auf die Prophetie Joels (Joel 2,28-29), die besagt, dass in den letzten Tagen der Geist ausgegossen wird. Da wir offensichtlich in den letzten Tagen leben, so die Argumentation, erfülle sich dieses Wort, und die prophetischen Stimmen schwöllen zu einem immer größeren Chor an. Heinrich Christian Rust, ehemaliger Leiter der charismatischen Erneuerung im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, sah ebenfalls eine erhöhte prophetische Wirksamkeit am Ende der Tage. Allerdings ist man inzwischen vorsichtiger geworden, da der Anspruch „So spricht der Herr“ oft als überhöhtes Wunschdenken entlarvt wurde.

Eine weitere Begründung beruft sich auf Epheser 4,11: „Apostel, Propheten, Lehrer, Hirten und Evangelisten – alle diese Grundfunktionen sollten in einer gesunden christlichen Gemeinde vorkommen, wenn sie beansprucht, Gemeinde nach dem Neuen Testament zu sein.“ Genau das forderte bereits der schottische Erweckungsprediger Edward Irving im 19. Jahrhundert. Er glaubte, Gott würde vor der Wiederkunft Jesu eine große Erweckung schenken und die apostolischen Gaben wieder entfachen, da sie aufgrund der Verweltlichung der Gemeinden seit Jahrhunderten nicht mehr in der Christenheit gezeigt hätten. Dies führte zur Gründung der Neuapostolischen Kirche, die Apostel einsetzte, die bis zur Wiederkunft Jesu bleiben sollten. Doch alle ursprünglichen Apostel sind längst tot. Dies zeigt, dass die Auslegung von Epheser 4,11, die auf eine Wiederherstellung dieser Ämter abzielt, die biblische Wahrheit missachtet. Gemäß Epheser 2,20 und 3,5 gehören diese Gaben bzw. Ämter zum Fundament und der Basis der weltweiten Gemeinde und stellen grundlegende Offenbarungsgaben dar – ein Fundament, das längst gelegt ist. Die Macht der Gewohnheit und ein falsches Verständnis von Einheit führen leider dazu, dass man sich mit Falschpropheten in ein Boot setzt.

Die ernüchternde Realität: Enttäuschung und fehlende Unterscheidung

Kritische Töne sind inzwischen auch in der Pfingstbewegung selbst laut geworden, da viele vorhergesagte geistliche Aufbrüche in Deutschland nicht eingetreten sind. Richard Krüger, ehemaliger Direktor des Theologischen Seminars Beröa, schrieb in der Zeitschrift „Wort und Geist“: „Die Sehnsucht nach Erweckung steht zunehmend unter einem Erwartungsdruck, der große Hoffnungen weckt, aber auch Frustrationen auslöst, weil Erwartungen enttäuscht wurden.“ Viele Menschen hätten sogar „am Glauben Schiffbruch erlitten“, weil ihre Erwartungen trotz immer neuer Ankündigungen nicht erfüllt wurden. Krüger fragt, ob dies ein Preis für Prophetie und Warten auf Erweckung sei, und kommt zu dem Schluss, dass er zu hoch sei. Er beklagt einen „stark zugenommenen Propheten-Tourismus“, bei dem Propheten selten Irrtümer oder Übertreibungen eingestehen.

Noch deutlicher wurde Dutch Sheet, ein führender Charismatiker: „Wir, die Leiter der charismatischen Bewegung, haben ein Tiefstmaß an Unterscheidungsvermögen erreicht. Offen gesagt, wir versuchen oft nicht einmal, Dinge zu prüfen. Wir gehen davon aus, dass eine Person alleine aufgrund ihrer Gaben, Charismen, der Größe ihrer Dienste oder Gemeinden oder ihrer Wunder, die sie wirken, glaubwürdig sind, statt deren Charakter, Lebenswandel und geistliche Reife zu beurteilen.“ Er beklagt, dass Millionen von Dollar an Personen gespendet wurden, die es nicht verdient hätten, und dass Personen, die in Sünde lebten, große Leiter werden konnten. Lee Grady, Redakteur der „Charisma“, ging nach dem Scherbenhaufen der „Lakeland-Erweckung“ noch weiter: „Ein bekannter pfingstlicher Evangelist… sagte zu mir: ‚Jetzt bin ich davon überzeugt, dass ein großer Teil der charismatischen Bewegung dem Antichristen folgen wird, wenn er auftreten sollte, denn sie haben kein geistliches Unterscheidungsvermögen.’“

Diese Diagnosen sind erschreckend parallel zu der biblischen Geschichte von König Ahab und seinen Propheten. Rolf Hille bezeichnet die charismatische Bewegung als „die tragischste Bewegung in der Geschichte der Kirche“, da sie an einer fehlerhaften Bibelauslegung scheitere, die Heilung als Normalfall und Krankheit als Ausnahmefall ansehe, während der Wunsch nach Wiederherstellung des Paradieses sich nicht in diesem Leben erfülle. Traurige Schlussfolgerung: Die Magd mit dem Wahrsagegeist aus Apostelgeschichte 16,16 wäre heute in praktisch allen Kirchen und Freikirchen ein „begnadetes“ Werkzeug der Erweckung.

Der Lügengeist in der Bibel: Eine klare Warnung

Die Quelle neuer prophetischer Inspirationen wird uns am deutlichsten in 1. Könige 22 geschildert. König Ahab will in den Krieg ziehen und lässt seine Propheten befragen. Der Prophet Micha muss dem König erklären: „Ich sah den HERRN sitzen auf seinem Thron und das ganze himmlische Heer neben ihm stehen zu seiner Rechten und Linken. Und der HERR sprach: Wer will Ahab betören, dass er hinaufzieht und vor Ramot in Gilead fällt? Und einer sagte dies, der andere das. Da trat ein Geist vor und stellte sich vor den HERRN und sprach: Ich will ihn betören. Der HERR sprach zu ihm: Womit? Er sprach: Ich will ausgehen und will ein Lügengeist sein im Munde aller seiner Propheten. Er sprach: Du sollst ihn betören und sollst es ausrichten; geh aus und tu das! Nun siehe, der HERR hat einen Lügengeist gegeben in den Mund aller deiner Propheten; und der HERR hat Unheil gegen dich geredet“ (Verse 19-23).

Dies ist die biblische Beschreibung eines Lügengeistes, der im Auftrag Gottes falsche Prophetie verbreitet, um seinen Willen auszuführen. Es ist eine ernüchternde Parallele zu dem, was heute als „prophetische Inspiration“ in der charismatischen Bewegung geschieht. Ich sage dies nicht leichtfertig, sondern als jemand, der vor ca. 40 Jahren selbst einmal in diesen Sog geraten ist. Wir müssen erkennen, diese „Propheten“ haben sich dies nicht eingebildet, es stand tatsächlich eine reale Macht hinter ihren Eingebungen. Deswegen besteht in diesen Kreisen oft eine so große Gewissheit und dominiert ein betontes Überzeugtsein von dieser neuen Kraft und dieser besonderen Inspiration.

Arnold Bittlinger, der in gewisser Hinsicht als Vater der charismatischen Strömung auf deutschem Boden gilt, liefert erstaunliche Einblicke in die Ursprünge mancher charismatischer Praktiken. Er schreibt, dass er bei seinen Forschungen in afrikanischen unabhängigen Kirchen eine harmonische Vermischung von traditionellen afrikanischen und christlichen Elementen vorfand. Er entdeckte, dass viele charismatische Elemente dieser Kirchen ihre Wurzeln in vorchristlichen Traditionen hatten. Er suchte auch nach charismatischen Elementen in anderen Religionen und fand faszinierende Parallelen zum Dienst Jesu im Schamanismus, den er als Archetypus des Schamanen erkannte. Besonders beeindruckt war er vom ganzheitlichen Heilungsansatz unter den Indianern. Bezüglich „Prophetie“ war er beeindruckt von Erfahrungen im Hinduismus. Einige unserer europäischen „Propheten“ entdeckten und entfalteten ihre prophetische Gabe unter dem Einfluss von indischen Gurus. Bittlinger ist davon überzeugt, dass die charismatische Erneuerungsbewegung noch bedeutender wird, „wenn sie auch die charismatischen Gaben von anderen Religionen ernst nimmt.“ Dies zeigt, wie sich Heidentum und gewisse Charismen, besonders auch die „prophetische Inspiration“, problemlos miteinander vermischen können. Wir erleben eine Esoterisierung der Gesellschaft, gleichzeitig eine wachsende prophetische Bewegung und das Praktizieren der Gabe der Weissagung innerhalb unserer Kirchen und Freikirchen. Dies passt nahtlos in die biblische Diagnose der Endzeit.

Die biblische Therapie: Zurück zum Wort Gottes

Angesichts dieser Entwicklungen ist es von größter Bedeutung, zur biblischen Grundlage zurückzukehren. Der 1. Johannesbrief warnt ausdrücklich vor Verführern und betont: „Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, so werdet ihr auch im Sohn und im Vater bleiben“ (1. Joh 2,24). Ähnlich mahnt der 2. Johannesbrief: „Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch den Sohn“ (2. Joh 9). Charles Spurgeon pflegte zu sagen: „Es gibt nichts Neues in der Theologie, außer dem, was falsch ist. Wenn du etwas Neues predigst, ist es nicht wahr. Wenn du etwas Wahres predigst, ist es nicht neu.“

Es ist sicherlich kein Zufall, dass am Ende des letzten Buches der Bibel und damit der Heiligen Schrift generell, die eindringliche Warnung steht: „Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen“ (Offb 22,18). Wir müssen die Warnung Jesu, wachsam zu sein, ernst nehmen (Mk 13,33-37). Petrus schreibt an die Gläubigen: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1. Petr 5,8). Unsere Antwort auf die Herausforderungen der Zeit muss lauten: „Es steht geschrieben!“, nicht: „Wir haben neue Inspirationen.“ Wir glauben Jesu Aussage: „Meine Worte sind der Geist und sind das Leben“ (Joh 6,63).

Wir halten uns an die Ermahnung des Petrus: „Um so fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen“ (2. Petr 1,19). Auf das Angebot, sich nach neuen Quellen auszustrecken, sollte unsere Antwort sein und bleiben: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Joh 6,68-69). Und wir wollen für den Glauben kämpfen, der ein für allemal den Heiligen überliefert ist (Jud 3).

Vergleichstabelle: Biblisches Reden Gottes vs. Moderne „Prophetie“

KriteriumBiblisches Reden Gottes (die Bibel)Moderne „Prophetie“ (wie beschrieben)
QuelleGöttliche Offenbarung durch inspirierte Schreiber, abgeschlossen in der Schrift.Subjektive Eindrücke, innere Stimmen, Visionen, „Einfälle“.
Natur der OffenbarungKlar, objektiv, unwandelbar, für alle Gläubigen zugänglich und verbindlich.Oft vage, persönlich, veränderlich, kann widersprüchlich sein.
AutoritätHöchste und letzte Autorität, Prüfstein für alle Lehren und Erfahrungen.Subjektive Autorität, oft über die Autorität der Bibel gestellt oder ihr gleichgesetzt.
ZielHeiligung, Erkenntnis Gottes, Unterweisung, Trost, Korrektur, Ausrüstung zum guten Werk.Emotionale Stimulation, Wunschdenken, „spezifische“ Anweisungen für Einzelne oder Gruppen.
GefahrenAbfall von der Wahrheit durch Leugnung der Schrift oder Hinzufügen zu ihr.Verführung, Täuschung, Enttäuschung, geistliche Verwirrung, Verlust des Glaubens, Okkultismus.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Was ist der „Lügengeist“ im biblischen Kontext?
Im biblischen Kontext, insbesondere in 1. Könige 22, ist der Lügengeist ein Geist, der von Gott gesandt wird, um falsche Botschaften durch Propheten zu übermitteln, um Gottes Gericht über diejenigen auszuführen, die sich von Ihm abgewandt haben. Es ist eine Warnung davor, dass auch anscheinend „prophetische“ Botschaften eine Quelle haben können, die täuschen will.
Kann Gott heute noch zu uns sprechen?
Ja, Gott spricht heute primär und maßgeblich durch Sein geschriebenes Wort, die Bibel. Der Heilige Geist erleuchtet uns, die Schrift zu verstehen und anzuwenden. Neue, außerbiblische Offenbarungen, die die Autorität der Bibel in Frage stellen oder ergänzen, sind biblisch nicht zu erwarten und gefährlich.
Wie unterscheide ich wahre von falscher Prophetie?
Wahre Prophetie muss sich stets an der Bibel messen lassen. Sie darf der Schrift nicht widersprechen, nichts zu ihr hinzufügen und nichts von ihr wegnehmen. Zudem sollte man die Früchte des Propheten prüfen (Matthäus 7,15-20), seinen Charakter und ob seine Vorhersagen sich auch erfüllen (5. Mose 18,20-22). Fehlende Unterscheidung ist ein großes Problem in der modernen Bewegung.
Ist „hörendes Gebet“ biblisch unbedenklich?
Die beschriebenen Formen des „hörenden Gebets“, die auf Passivität, inneres Hören und das Empfangen von Eindrücken und Bildern außerhalb der biblischen Offenbarung abzielen, sind nicht biblisch unbedenklich. Sie öffnen Tür und Tor für subjektive Täuschungen und haben beunruhigende Parallelen zu esoterischen und okkulten Praktiken, die der biblischen Wachsamkeit entgegenstehen.
Warum ist „Sola Scriptura“ (Allein die Schrift) so wichtig?
„Sola Scriptura“ ist ein reformatorischer Grundsatz, der besagt, dass die Bibel die alleinige, höchste und ausreichende Autorität für Glauben und Leben ist. Dies schützt die Gemeinde vor menschlichen Traditionen, subjektiven Erfahrungen und falschen Lehren, indem es die Bibel als unfehlbaren Maßstab für alle Wahrheit festlegt. Sie ist das uns gegebene „prophetische Wort“, auf das wir achten sollen (2. Petr 1,19).

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