09/06/2025
Das Evangelium, im Allgemeinen verstanden als die frohe Botschaft von Jesus Christus, bildet den Kern des christlichen Glaubens. Es sind die kanonischen Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die die Lebensgeschichte, Lehren, den Tod und die Auferstehung Jesu berichten und weltweit von Milliarden Menschen als göttlich inspiriert angenommen werden. Doch abseits dieser anerkannten Schriften existieren zahlreiche apokryphe Evangelien, Texte, die zwar ähnliche Themen behandeln, aber nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden. Eines dieser Werke, das immer wieder für hitzige Debatten sorgt und die Grenzen zwischen Glauben und historischer Kritik verschwimmen lässt, ist das Barnabasevangelium.

Dieses Evangelium, das sich selbst als das „wahre Evangelium Jesu, genannt Christus“ bezeichnet und angeblich vom Apostel Barnabas, einem engen Begleiter Jesu, verfasst wurde, nimmt in der Diskussion um die Ursprünge des Christentums und des Islam eine einzigartige Stellung ein. Es weicht in zentralen theologischen Aussagen drastisch von fast allen christlichen Konfessionen ab und enthält frappierende Parallelen zu islamischem Gedankengut. Während es von einigen islamischen Gelehrten als „Kronzeuge“ für eine angebliche Verfälschung der Lehre Jesu in den kanonischen Texten herangezogen wird, sehen christliche Theologen, säkulare Historiker und sogar einige islamische Gelehrte darin eine Fälschung aus dem Spätmittelalter. Es ist wichtig zu betonen, dass dieses Barnabasevangelium nicht mit dem Barnabasbrief aus dem 1. Jahrhundert oder den Barnabasakten der neutestamentlichen Apokryphen zu verwechseln ist, die eigenständige und inhaltlich andere Schriften darstellen.
- Was ist das Barnabasevangelium und seine umstrittene Herkunft?
- Der vermutliche Verfasser und die Datierungsfrage
- Spekulationen und angebliche Entdeckungen in der Türkei
- Inhaltliche Abweichungen: Ein Spagat zwischen drei Religionen
- Vergleich der theologischen Positionen: Barnabasevangelium vs. Christentum und Islam
- Hauptargumente gegen die Frühdatierung und Echtheit
- Häufig gestellte Fragen zum Barnabasevangelium
Was ist das Barnabasevangelium und seine umstrittene Herkunft?
Das Barnabasevangelium präsentiert sich als das authentische Zeugnis eines direkten Augenzeugen der Ereignisse um Jesus. Es beansprucht, die unverfälschte Botschaft Jesu zu überliefern, was es für seine Verfechter zu einem Text von immenser Bedeutung macht. Doch die Geschichte dieses Textes ist von Spekulationen und Unklarheiten geprägt. Die ältesten vollständig erhaltenen Manuskripte, die uns heute bekannt sind, stammen aus dem 18. Jahrhundert (ein italienisches Manuskript in der Österreichischen Nationalbibliothek) und ein fragmentarisches spanisches Manuskript, das in Sydney aufbewahrt wird. Das Fehlen von griechischen, lateinischen oder aramäischen Handschriften aus der Frühzeit des Christentums ist ein entscheidendes Argument gegen seine antike Echtheit.
Die Verfechter der Echtheit des Barnabasevangeliums postulieren eine frühe Textgeschichte, die jedoch auf keinerlei archäologischen oder paläographischen Beweisen beruht. Sie spekulieren, dass das Evangelium in der frühen Kirche weit verbreitet war, von Kirchenvätern wie Irenäus rezipiert wurde und sogar zum Kanon der alexandrinischen Kirche gehört haben soll, bis es angeblich im Jahr 325 n. Chr. durch das Konzil von Nicäa verboten wurde. Weiterhin wird die Legende verbreitet, dass ein Papst ein Exemplar in seiner Privatbibliothek gerettet habe, von wo es Ende des 16. Jahrhunderts entwendet worden sei. Eine weitere Legende aus dem 16. Jahrhundert behauptet, ein Manuskript sei im Jahr 478 n. Chr. zusammen mit den sterblichen Überresten des Barnabas auf Zypern entdeckt worden. Diese Erzählung beruft sich auf eine historisch umstrittene zypriotische Legende des 5. Jahrhunderts, die jedoch lediglich von einem Evangelium berichtet, das von Barnabas abgeschrieben wurde, nicht aber von dem hier diskutierten Text.
Für die Existenz des heute bekannten Barnabasevangeliums in frühchristlicher Zeit gibt es keinen stichhaltigen Beweis. Zwar nennt das „Decretum Gelasianum de libris recipiendis et non recipiendis“ (496 n. Chr.) ein „Evangelium nomine Barnabae“ unter den kirchlich nicht angenommenen Büchern, doch handelt es sich dabei um eine sonst unbekannte Schrift, die nicht mit dem vorliegenden Werk identifiziert werden kann. Die mangelnde Bezeugung in antiken Quellen ist eines der stärksten Argumente gegen seine frühchristliche Entstehung.
Der vermutliche Verfasser und die Datierungsfrage
Die Analyse des Textes offenbart eine Reihe von Ungereimtheiten, die auf einen späteren Ursprung hindeuten. Fehlerhafte Darstellungen der Geographie und Geschichte Judäas zeigen, dass der Verfasser weder die Zeit noch die Örtlichkeiten der Handlung aus eigener Anschauung kannte. Dies widerspricht der Behauptung, Barnabas sei der direkte Augenzeuge gewesen. Interessanterweise sprechen die erheblichen Differenzen zur islamischen Lehre, die sich trotz der Rezeption islamischen Gedankenguts im Text finden, gegen ein vorschnelles Urteil, es handele sich um eine reine islamische Propagandaschrift.
Ein unter Historikern weit verbreiteter Erklärungsansatz sieht im Verfasser einen zum Islam konvertierten Christen, der über Kenntnisse in beiden Traditionen verfügte. Es wird angenommen, dass der Text wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Spanien verfasst wurde. Ein entscheidendes Argument für diese Datierung liefert Lonsdale Ragg: Das Barnabasevangelium spricht von den Jubeljahren im Abstand von 100 Jahren. Das Alte Testament (3 Mos 25,10 LUT) nennt jedoch einen 50-jährigen Abstand. Historisch setzte Papst Bonifatius VIII. im Jahr 1300 n. Chr. die Jubeljahrfeier auf den 100-jährigen Abstand fest, doch bereits 1343 verkürzte Clemens VI. diese Zeit wieder auf die biblischen 50 Jahre. Ein 100-jähriger Turnus des Jubeljahres existierte somit historisch nur in der kurzen Zeitspanne von 1300 bis 1343, was stark für eine Abfassung des Barnabasevangeliums in diesem Zeitraum spricht.
Spekulationen und angebliche Entdeckungen in der Türkei
In jüngerer Zeit haben Berichte aus der Türkei immer wieder Spekulationen über Handschriftenfunde zum Barnabasevangelium angeheizt. Die türkische Zeitung Türkiye meldete 1986 die Entdeckung einer angeblich aus dem 1. Jahrhundert stammenden aramäischen Handschrift des Barnabasevangeliums auf dem Berg Mem in Südostanatolien. Dieses Manuskript soll sich im Besitz der türkischen Regierung befinden, ist jedoch unveröffentlicht geblieben. Im Jahr 2012 kursierten weitere Medienberichte über eine bei einer Polizeiaktion gegen Schmuggler beschlagnahmte aramäische Handschrift, die bis zu 1.500 Jahre alt sein könnte. Türkische Medien spekulierten erneut, es handele sich möglicherweise um ein Exemplar des Barnabasevangeliums. Der damalige türkische Kulturminister Ertuğrul Günay kündigte an, das Fundstück untersuchen und der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen. Bis heute fehlen jedoch jegliche archäologisch oder paläografisch gesicherten Informationen zu diesen Funden, die über bloße Presseberichte und Absichtserklärungen hinausgehen. Wissenschaftler zweifeln das vermutete Alter der Handschrift an und halten sie für eine Fälschung, da keine weiteren wissenschaftlichen Nachweise erbracht wurden.
Inhaltliche Abweichungen: Ein Spagat zwischen drei Religionen
Die Theologie des Barnabasevangeliums weicht in fundamentalen Punkten von der Auffassung fast aller christlichen Kirchen und der kanonischen neutestamentlichen Schriften ab. Dies sind die zentralen Differenzen:
- Die Ablehnung der Trinität und der Gottessohnschaft Jesu: Im Barnabasevangelium wird Jesus als Prophet, aber nicht als göttlicher Sohn Gottes oder Teil einer Dreifaltigkeit dargestellt.
- Die Verleugnung des Erlösertodes am Kreuz: Der Text behauptet, dass nicht Jesus, sondern Judas Ischariot aufgrund einer Verwechslung am Kreuz starb.
- Die Verneinung der Auferstehung Jesu: Da Jesus nicht gekreuzigt wurde, kann es auch keine Auferstehung im christlichen Sinne gegeben haben.
Das Evangelium schildert die Lebensgeschichte Jesu und seiner Jünger von der Ankündigung der Geburt Jesu bis zu seinem Tod. Dabei vereint der Text jüdische, christliche und muslimische Elemente. Wie die anderen Evangelien auch, erzählt es von Jesu Wundern, seinen Gleichnissen, vom letzten Abendmahl, Verrat, Prozess und Kreuzigung. Die zentrale Abweichung ist jedoch die Kreuzigung Judas', was eine Erweiterung einer Aussage des Koran darstellt (Sure 4, 157–158), der ebenfalls davon ausgeht, dass Jesus nicht gekreuzigt wurde, ohne jedoch eine andere Person zu benennen.
Im gesamten Text des Evangeliums findet sich dezidiert islamisches Gedankengut. So enthält es die in frühchristlicher Zeit noch unbekannte Schahada (das islamische Glaubensbekenntnis), nennt Adam, Abraham, Ismael, Moses, David und Jesus unterschiedslos Gesandte Gottes oder lässt die Verheißung der Geburt Jesu an Ismael ergehen, der auch anstelle von Isaak durch Abraham geopfert werden sollte. Damit bestreitet der Text die exklusive Stellung Jesu Christi im Christentum und seine einzigartige Rolle als Erlöser.
Aus der Rezeption islamischen Gedankengutes schließt die nicht-islamische Redaktionskritik, dass die vorliegende Textgestalt nicht vor dem 7. Jahrhundert entstanden sein kann. Allenfalls wäre es denkbar, dass eine ältere Vorlage – sofern sie überhaupt existierte – nach dem 7. Jahrhundert in wesentlichen Teilen mit pro-islamischer Tendenz überarbeitet worden wäre. Eine weitergehende Analyse des Inhaltes zeigt Parallelen zu mittelalterlichem Gedankengut, so etwa den Vorstellungen Dantes über Himmel, Hölle und Paradies oder den Idealen mittelalterlicher Mönchsaskese. Als wahrscheinlichste Datierung gilt nicht-islamischen Historikern daher der Zeitraum vom 14. bis ins 16. Jahrhundert.
Vergleich der theologischen Positionen: Barnabasevangelium vs. Christentum und Islam
Die Diskussion über die Echtheit des Barnabasevangeliums hält in der Auseinandersetzung zwischen Islam und Christentum bis heute an. Viele islamische Forscher halten an der Frühdatierung fest, da sie einen schlagkräftigen Beweis für die Verfälschung der Offenbarung durch die (paulinische) Tradition der Kirche liefere, keinen Widerspruch zum Islam darstelle und sich die Widerlegung ihrer Beweisführung letztlich auf christliche Glaubensauffassungen gründe. Mit derselben Konsequenz lehnen christliche Forscher die Möglichkeit der Echtheit ab. Ihnen genügen bereits die Widersprüche zwischen der Darstellung des Barnabas und der der kanonischen Evangelien als ausreichender Fälschungsbeweis.
Differenzen zur christlichen Theologie
Obwohl es einige Nuancen gibt, stimmt das Barnabasevangelium in sehr vielen Punkten mit islamischen Lehren überein, was angesichts der Entstehung des Islam im siebten Jahrhundert literatur- und religionswissenschaftlich gegen eine Abfassung der Schrift vor dem siebten Jahrhundert spricht. Folgende Punkte deuten auf starken islamischen Einfluss hin:
- Die Notwendigkeit der Beschneidung wird von Gott in der Präambel und von Jesus in den Kapiteln 22-23 verordnet: „Wahrlich, ich sage Euch, ein Hund ist besser als ein unbeschnittener Mann.“
- Es wird die Behauptung aufgestellt, das Alte Testament sei durch die Juden (Pharisäer) verfälscht worden.
- Ebenso wird behauptet, das Neue Testament sei durch die Christen verfälscht worden.
- Propheten wie Adam, Abraham, Ismael, Mose, David und Jesus werden ausnahmslos als „Gesandte Gottes“ bezeichnet.
- Adam rezitiert das islamische Glaubensbekenntnis (Schahada).
- Ismael, nicht Isaak, wird von Abraham beinahe geopfert.
- Jesu Sendung wird ausschließlich auf die Juden begrenzt.
- Die Übermittlung der Offenbarung Gottes erfolgt durch den Engel Gabriel.
- Jesus nennt Muhammad „den Größeren“, der nach ihm kommen würde.
- Judas, nicht Jesus, wird gekreuzigt.
- Paulus wird vorgeworfen, die christliche Lehre verfälscht zu haben.
Differenzen zur islamischen Theologie
Trotz der deutlichen islamischen Prägung weist das Barnabasevangelium auch einige Widersprüche zum Koran auf. Dies deutet darauf hin, dass der Autor – wahrscheinlich ein spanischer Katholik des 14. Jahrhunderts – nur oberflächlich mit dem Islam vertraut war und nicht alle islamischen Lehren kannte. Folgende Punkte stimmen teilweise mit der spätmittelalterlichen christlichen (römisch-katholischen) Lehre überein, nicht aber mit dem Koran:
| Merkmal | Barnabasevangelium | Koranische/Islamische Lehre | Christliche (Spätmittelalter) Lehre |
|---|---|---|---|
| Monogamie | Eintritt für Monogamie | Polygynie erlaubt (bis zu vier Frauen) | Monogamie |
| Geburt Jesu | In einer Herberge in Bethlehem | In einem Palmhain fernab der Menschen | In Bethlehem, in einem Stall/Herberge |
| Marias Geburt | Schmerzlose Geburt Jesu | Geburtsschmerzen Marias | Schmerzlose Geburt Marias |
| Himmel/Paradies | Neun Himmel und als zehnter das Paradies | Sieben Himmel, Paradies als Jenseitsort | Himmel als Wohnort Gottes, Paradies als Endziel |
| Muhammad | Muhammad als der Messias | Jesus als der Messias, Muhammad als letzter Prophet | Jesus als der Messias |
Hauptargumente gegen die Frühdatierung und Echtheit
Zusammenfassend lassen sich die Hauptargumente gegen eine frühchristliche Datierung und damit gegen die Echtheit des Barnabasevangeliums wie folgt darlegen:
- Es gibt keine Textüberlieferung des Barnabasevangeliums vor dem 16. Jahrhundert. Alle bekannten Manuskripte sind deutlich jünger.
- Im Gegensatz zu den kanonischen und auch zu anderen apokryphen Texten ist bei christlichen Kirchenvätern oder Kirchenlehrern kein Zitat aus dem Barnabasevangelium nachgewiesen. Es wurde in den ersten 1500 Jahren seiner angeblichen Existenz von niemandem erwähnt.
- Es wird vor dem 16. Jahrhundert auch von keinem islamischen Autor erwähnt, obwohl es so viele islamische Elemente enthält und für die islamische Theologie von großem Interesse sein müsste.
- Es gibt im Barnabasevangelium mehrere schwerwiegende historische und geographische Fehler. Beispielsweise wird erwähnt, dass Jesus Christus geboren wurde, als Pilatus Statthalter war (also ab 26 oder 27 n. Chr.), was nicht mit den biblischen Angaben übereinstimmt, die seine Geburt vor dem Tod des Herodes (4 v. Chr.) datieren. Ein weiterer Fehler ist die Behauptung, Jesus sei zu Schiff nach Jerusalem gereist, obwohl Jerusalem inmitten des Festlandes liegt und nicht über das Meer erreichbar ist.
- Es gibt im Barnabasevangelium Widersprüche zu frühen nicht-christlichen Quellen, die ebenfalls Aufschluss über die Zeit Jesu geben.
- Das Barnabasevangelium zitiert aus der Vulgata, der lateinischen Bibelübersetzung, die jedoch erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. entstand. Dies beweist, dass der Text nicht aus dem 1. Jahrhundert stammen kann.
- Das Barnabasevangelium erwähnt vier der Fünf Säulen des Islam, die jedoch vor der Entstehung des Islam im 7. Jahrhundert n. Chr. unbekannt waren.
Häufig gestellte Fragen zum Barnabasevangelium
Um die Komplexität des Barnabasevangeliums weiter zu beleuchten, beantworten wir einige der am häufigsten gestellten Fragen.
Was versteht man unter einem apokryphen Evangelium?
Apokryphe Evangelien sind Texte, die über das Leben und die Lehren Jesu berichten, aber nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Das bedeutet, sie werden von den meisten christlichen Konfessionen nicht als inspiriert oder autoritativ für den Glauben und die Lehre angesehen. Es gibt viele solcher Texte, die aus verschiedenen Gründen nicht in den Kanon gelangten, oft weil ihre Authentizität oder ihre theologische Übereinstimmung mit der etablierten Lehre angezweifelt wurde.
Warum ist das Barnabasevangelium so kontrovers?
Das Barnabasevangelium ist kontrovers, weil es in zentralen Punkten drastisch von der christlichen Lehre abweicht, insbesondere bezüglich der Göttlichkeit Jesu, seiner Kreuzigung und Auferstehung. Gleichzeitig enthält es Elemente, die stark an islamische Vorstellungen erinnern, was es zu einem Streitpunkt in interreligiösen Dialogen macht. Die fehlenden historischen Beweise für seine Frühdatierung tragen zusätzlich zur Kontroverse bei.
Gehört das Barnabasevangelium zur christlichen Bibel?
Nein, das Barnabasevangelium gehört nicht zum Kanon der christlichen Bibel. Es wird von keiner großen christlichen Konfession als Teil der Heiligen Schrift anerkannt. Die Gründe dafür sind die massiven inhaltlichen Abweichungen von der etablierten christlichen Lehre und die fehlenden historischen Beweise für seine angebliche Frühdatierung und Echtheit.
Wird das Barnabasevangelium von Muslimen allgemein akzeptiert?
Obwohl das Barnabasevangelium von einigen islamischen Gelehrten als Beweis für die „Verfälschung“ der christlichen Bibel herangezogen wird, gibt es keine allgemeingültige Akzeptanz in der islamischen Welt. Viele islamische Gelehrte erkennen ebenfalls die Schwierigkeiten in Bezug auf seine historische Authentizität an und betrachten es nicht als eine kanonische oder historisch verlässliche Schrift. Der Koran selbst verweist auf das „Indschil“ (Evangelium), welches als Offenbarung an Jesus (Isa) verstanden wird, aber nicht explizit mit dem Barnabasevangelium identifiziert wird.
Was sind die Hauptunterschiede zu den kanonischen Evangelien?
Die Hauptunterschiede liegen in drei fundamentalen Punkten: Erstens, das Barnabasevangelium leugnet die Göttlichkeit Jesu und die Trinität und stellt Jesus als einen Propheten dar, der dem Propheten Muhammad vorausgeht. Zweitens, es behauptet, dass nicht Jesus, sondern Judas Ischariot am Kreuz starb, was die zentrale christliche Lehre vom Erlösertod Jesu am Kreuz negiert. Drittens, folglich gibt es im Barnabasevangelium keine Auferstehung Jesu. Diese Punkte stehen in direktem Widerspruch zu den Lehren der kanonischen Evangelien und der christlichen Theologie.
Das Barnabasevangelium bleibt ein faszinierendes Dokument der Religionsgeschichte, das die Komplexität interreligiöser Debatten und die Herausforderungen der Textkritik exemplarisch aufzeigt. Es ist ein Zeugnis dafür, wie Glauben, Geschichte und Spekulationen sich zu einem vielschichtigen Bild verbinden können, das bis heute Fragen aufwirft und Diskussionen anregt.
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