Was ist ein Halleluja-Ruf?

Halleluja und die Musik der Eucharistiefeier

20/02/2023

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Der Gottesdienst ist das Herzstück des christlichen Glaubens, ein Ort der Begegnung, der Besinnung und des gemeinsamen Gebets. Insbesondere in der römisch-katholischen Kirche ist die Feier der Eucharistie reich an Symbolik, Ritualen und musikalischen Elementen, die alle dazu dienen, die Gläubigen tiefer in das Geheimnis des Glaubens einzuführen. Musik und Gesang spielen dabei eine entscheidende Rolle, indem sie die gesprochenen Worte untermauern, die Emotionen der Gemeinde ausdrücken und eine Atmosphäre der Ehrfurcht und Freude schaffen. Doch welche Regeln und Traditionen bestimmen die Auswahl und den Einsatz dieser musikalischen Elemente? Dieser Artikel beleuchtet die Struktur des Halleluja-Rufs und gibt einen detaillierten Einblick in die Gestaltung der Eucharistiefeier, von den Eröffnungsliedern bis zum abschließenden Segen.

Wie sollte die Feier der Eucharistie gestaltet werden?
Dadurch kommt auch ein wichtiger Gedanke bei der Liedauswahl zum Tragen: Die Feier der Eucharistie sollte immer eine Einheit bilden, sodass ein roter Faden erkennbar wird. Die Lieder, die im Gottesdienst gesungen werden, stehen nicht für sich.

Die Liturgie ist kein zufälliges Arrangement von Texten und Liedern, sondern ein sorgfältig komponiertes Ganzes, das einen „roten Faden“ aufweist, der die Gemeinde durch die verschiedenen Abschnitte der Feier führt. Jedes Element, sei es ein Gebet, eine Lesung oder ein Gesang, hat seinen festen Platz und seine spezifische Funktion. Die Auseinandersetzung mit den liturgischen Texten des jeweiligen Tages ist daher von entscheidender Bedeutung für die passende Liedauswahl, denn die Lieder sollen das Gehörte reflektieren und vertiefen, gewissermaßen als ein Echo des Gotteswortes erklingen und es ausdeuten. Nur so kann eine ganzheitliche Feier entstehen, die die Gläubigen in ihrem Glauben stärkt und inspiriert.

Inhaltsverzeichnis

Der Halleluja-Ruf: Eine Akklamation der Freude

Der Halleluja-Ruf, auch bekannt als „Akklamation vor der Verkündigung des Evangeliums“, ist ein eigenständiges und überaus bedeutungsvolles Element des Wortgottesdienstes in der heiligen Messe. Er dient als feierlicher Ruf, der die bevorstehende Verkündigung des Evangeliums ankündigt und die Gemeinde auf das Hören des Wortes Gottes einstimmt. Seine Struktur ist in der Regel dreiteilig: Ein kurzer Vers, oft dem Tagesevangelium oder dem Graduale entnommen, wird von einem Halleluja-Ruf umrahmt. Dieser Ruf ist ein Ausdruck der Freude und des Lobpreises, der die Gegenwart Christi im Wort Gottes feiert.

Die Bedeutung des Halleluja ist tief verwurzelt in der jüdisch-christlichen Tradition. Das Wort selbst stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „Lobet den Herrn“ oder „Preiset Jahwe“. Es ist ein universeller Ausdruck des Lobes und der Anbetung, der in vielen religiösen Kontexten verwendet wird. In der römisch-katholischen Liturgie symbolisiert das Halleluja die österliche Freude über die Auferstehung Christi und seine bleibende Gegenwart unter uns. Es ist ein Jubelruf, der die Gläubigen einlädt, sich dem Geheimnis der Erlösung zu öffnen.

Es gibt jedoch Zeiten im Kirchenjahr, in denen der Halleluja-Ruf nicht erklingt. Die bekannteste dieser Zeiten ist die Fastenzeit, einschließlich der Karwoche. In dieser Zeit der Buße und Besinnung, die auf Ostern vorbereitet, tritt an die Stelle des Halleluja ein anderer Ruf. Dies kann eine lobpreisende Christusanrufung sein oder ein zweiter Psalm, der sogenannte Tractus. Auch bei Messfeiern für Verstorbene, den Totenmessen, wird vielfach auf das Halleluja verzichtet, um der ernsten und besinnlichen Stimmung Rechnung zu tragen. Diese Anpassungen zeigen die Sensibilität der Liturgie für die verschiedenen Phasen des Kirchenjahres und die jeweiligen Anlässe.

Die Ausführung des Halleluja-Rufs ist ebenfalls von Bedeutung. Er wird vom Kantor oder auch vom Lektor am Ambo im Wechsel mit der ganzen Gemeinde gesungen, was die aktive Beteiligung aller Gläubigen unterstreicht. Wo er in Ausnahmefällen nicht gesungen werden kann, kann der Ruf vor dem Evangelium entfallen, da die mündliche Verkündigung des Evangeliums im Vordergrund steht. Zum Ruf vor dem Evangelium und zur Verkündung des Evangeliums stehen die Gläubigen auf, ein Zeichen der Ehrfurcht und der Bereitschaft, das Wort Gottes aufzunehmen.

Die Gestaltung der Eucharistiefeier: Ein roter Faden der Liturgie

Die Feier der Eucharistie ist ein komplexes Gefüge von Gebeten, Lesungen, Gesängen und rituellen Handlungen, die alle einem bestimmten Ablauf folgen und eine Einheit bilden sollen. Um diese Einheit zu gewährleisten und einen „roten Faden“ erkennbar zu machen, ist die Liedauswahl von größter Bedeutung. Sie muss sich an den liturgischen Texten des entsprechenden Tages orientieren, die in Werken wie dem Schott oder dem Mess-Lektionar zu finden sind.

Eröffnungslied

Nach einem Orgelvorspiel wird zu Beginn des Gottesdienstes meist ein Lied gesungen. Dieses Eröffnungslied hat die Funktion, die Gemeinde zu versammeln und auf das Thema des Gottesdienstes einzustimmen. Es kann zum Beispiel einen Festinhalt aufgreifen oder auf die Thematik der Schrifttexte hinweisen. Oft greift es auch den Eröffnungsvers der Eucharistiefeier auf, der in der Liturgie selbst meist nicht gesungen wird. Alternativ zu einem Eröffnungslied können auch Kyrie-Rufe gesungen werden, oder der Einzug des liturgischen Dienstes wird nur von Orgelspiel begleitet oder geschieht in Stille.

Kyrie-Rufe

Die Kyrie-Rufe, „Herr, erbarme dich“, sind ein Ausdruck der Bitte um Gottes Erbarmen und der Schuldanerkennung. Sie können gesprochen oder gesungen werden. Manchmal wird zwischen den einzelnen Rufen auch ein kurzer Text gesprochen, der die Bitten konkretisiert. Wenn das Eröffnungslied bereits Kyrie-Rufe enthält, können diese im Eröffnungsteil entfallen.

Gloria: Lobpreis des Allmächtigen

Das Gloria ist ein fester Bestandteil des sogenannten Ordinarium. Das Ordinarium umfasst die feststehenden Texte der Eucharistiefeier, die in jedem Gottesdienst gleich sind. Dazu gehören neben dem Gloria auch Kyrie, Credo, Sanctus und Agnus Dei. Die veränderlichen Texte, die je nach Anlass der Eucharistiefeier variieren, werden als Proprium bezeichnet (z.B. Tagesgebet, Präfation, Schriftlesungen). Aus diesem Grund darf das Gloria nicht einfach durch ein beliebiges Loblied ersetzt werden. Im Idealfall wird eine Vertonung des ursprünglichen Textes verwendet. Das Dokument „Die Feier der Gemeindemesse“ (FGM) sieht zwar eine Alternative vor, nämlich ein „Gloria-Lied“, das freie Nachdichtungen des Textes sind, doch sollte die Wortgetreue immer im Vordergrund stehen.

Das Gloria wird nur an Sonntagen außerhalb der Advents- und Fastenzeit sowie an Fest- und Hochfesttagen unter der Woche gesungen.

Antwortpsalm / Zwischengesang

Nach der ersten Lesung wird im Regelfall der Antwortpsalm vorgetragen. Er ist, wie die Lesungen und das Evangelium, ein fester Bestandteil des Wortgottesdienstes und darf daher nicht weggelassen werden. Gemeinde und Kantor singen den Kehrvers im Wechsel, während die Psalmverse gesungen oder gelesen werden können. Die jeweiligen Antwortpsalmen sind im Mess-Lektionar vorgegeben, es kann aber auch ein anderer passender Psalm verwendet werden. Im Notfall kann der Antwortpsalm durch einen anderen geeigneten Gesang ersetzt werden, der jedoch das Thema der Schriftlesungen aufgreifen oder vertiefen sollte.

Halleluja-Ruf / Tractus

Wie bereits erwähnt, wird außerhalb der Fastenzeit vor dem Evangelium das Halleluja mit Vers gesungen. Das Gotteslob bietet eine reiche Auswahl an Halleluja-Rufen. In der Fastenzeit tritt an die Stelle des Halleluja ein Christus-Ruf, der sogenannte Tractus. Diese Unterscheidung ist wichtig, um die unterschiedlichen liturgischen Zeiten angemessen zu würdigen.

Credo: Das Glaubensbekenntnis

An Sonntagen und Hochfesten folgt nach der Homilie das Credo, das Glaubensbekenntnis. Auch das Credo gehört zum Ordinarium, weshalb eine möglichst wortgetreue Vertonung genutzt werden sollte. Die FGM erlaubt ausnahmsweise ein „Credo-Lied“, doch sollte dies die Ausnahme bleiben, um die Bedeutung des ursprünglichen Textes zu wahren.

Gabenbereitung

Während der Gabenbereitung, bei der Brot und Wein zum Altar gebracht werden, kann Gesang die Riten begleiten, auch wenn keine Gabenprozession vorgesehen ist. Hier ist jedoch auch Raum für das „heilige Schweigen“. Ein Lied zur Gabenbereitung kann den Festcharakter der liturgischen Zeit aufgreifen oder die liturgische Handlung ins Wort fassen.

Was ist ein Halleluja-Ruf?
Der Halleluja-Ruf ist ein Teil des Rufes im Evangelium. Er ist dreiteilig aufgebaut: Ein kurzer, meist dem Tagesevangelium oder auch dem Graduale entnommener Vers wird in der Regel von einem Halleluja-Ruf („ Responsum “) umrahmt.

Sanctus: Der Heilig-Ruf

Das Sanctus ist ebenfalls ein Teil des Ordinariums und darf daher nicht durch irgendein Lied ersetzt werden. Die FGM schreibt vor, dass es nur durch ein Lied ersetzt werden darf, das mit dem dreimaligen Heilig-Ruf beginnt und dem Inhalt des Sanctus entspricht. Nicht alle „Heilig“-Lieder im Gotteslob erfüllen diese Kriterien vollständig, was die Wichtigkeit der genauen Prüfung unterstreicht.

Agnus Dei: Lamm Gottes

Zur Brechung des Brotes wird das Agnus Dei gesprochen oder gesungen. Auch hier erlaubt die FGM, anstelle des dreimaligen „Lamm Gottes“-Rufes ein Agnus Dei-Lied zu verwenden. Ein Lied zum Friedensgruß ersetzt das Agnus Dei jedoch nicht.

Kommunion

Zum Gesang zur Kommunion gilt Ähnliches wie für das Eröffnungslied: Es kann ein Lied genommen werden, das den entsprechenden Kommunionvers aufgreift. Aus praktischen Gründen wird die Kommunionausteilung oft nur von Orgelspiel begleitet, um den Gläubigen die volle Konzentration auf den Kommunionempfang zu ermöglichen. In der österlichen Bußzeit sollte die Kommunionausteilung in Stille erfolgen.

Danklied

Das Danklied, das sich vielerorts an den Kommunionempfang anschließt, ist fakultativ. Die GORM legt es zumindest nach einer kurzen, stillen Gebetszeit nahe, und die FGM „empfiehlt“ ein solches Danklied. Es bietet die Möglichkeit, nach dem Empfang der Eucharistie den persönlichen Dank und Lobpreis auszudrücken.

Schlusslied

Die Eucharistiefeier endet mit dem Schlusssegen und dem Entlassruf. Weder die GORM noch die FGM kennen einen sich daran anschließenden Gesang. Dennoch hat sich das „Schlusslied“ in vielen Gemeinden eingebürgert. Mancherorts steht am Ende der Feier ein Segenslied, das der Bitte um den bleibenden Beistand Gottes noch einmal Ausdruck verleiht. Besonders in Bayern ist der Mariengruß an dieser Stelle weit verbreitet. Alternativ kann auch einfach Orgelspiel die Feier ausklingen lassen.

Ordinarium vs. Proprium: Die Säulen der Messe

Um die Struktur der Eucharistiefeier besser zu verstehen, ist die Unterscheidung zwischen Ordinarium und Proprium von zentraler Bedeutung. Diese beiden Begriffe bilden die grundlegenden Säulen, auf denen der Aufbau der Messe ruht und die die Auswahl der liturgischen Texte und Gesänge maßgeblich beeinflussen.

MerkmalOrdinariumProprium
DefinitionDie feststehenden, unveränderlichen Texte und Gesänge der Messe.Die veränderlichen Texte und Gesänge, die je nach Kirchenjahr, Festtag oder Anlass variieren.
BestandteileKyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei.Tagesgebet, Lesungen, Antwortpsalm, Halleluja-Vers, Evangelium, Präfation, Kommunionvers, Schlussgebet.
HäufigkeitWird in jeder Messe oder an jedem Sonntag (je nach Rubrik) verwendet.Wechselt von Tag zu Tag, Woche zu Woche.
FunktionBildet das Grundgerüst und die wiederkehrenden Elemente der Anbetung.Verbindet die Feier mit dem spezifischen Thema des Tages oder der liturgischen Zeit.
LiedauswahlIdeal: wortgetreue Vertonungen; Ausnahmen: "Lieder zum Ordinarium" mit strengen Kriterien.Lieder, die thematisch zu den Schriftlesungen und dem Anlass passen.

Diese klare Trennung gewährleistet, dass die Messe einerseits eine vertraute und wiedererkennbare Struktur bewahrt (Ordinarium) und andererseits flexibel genug ist, um auf die spezifischen Botschaften und Feiertage des Kirchenjahres einzugehen (Proprium). Die bewusste Auswahl der Gesänge im Einklang mit diesen Prinzipien ist entscheidend für eine würdige und tiefgehende Feier.

Häufig gestellte Fragen zur Liturgie und zum Gesang

Warum singen wir in der Messe?

Gesang ist ein integraler Bestandteil der Liturgie, der über das gesprochene Wort hinausgeht. Er ermöglicht es der Gemeinde, sich aktiv am Gottesdienst zu beteiligen, Emotionen auszudrücken und die liturgischen Texte tiefer zu verinnerlichen. Singen schafft Gemeinschaft, fördert die Andacht und verleiht der Feier eine besondere Feierlichkeit und Schönheit. Es ist eine Form des Gebets, die den ganzen Menschen einbezieht.

Was ist der Unterschied zwischen Ordinarium und Proprium?

Das Ordinarium bezeichnet die feststehenden Teile der Messe (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei), die sich nicht ändern und in jeder Messe vorkommen. Das Proprium hingegen umfasst die veränderlichen Teile (Lesungen, Tagesgebet, Antwortpsalm, Evangelium etc.), die je nach Tag oder Anlass des Kirchenjahres wechseln. Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Struktur und die theologische Ausrichtung der jeweiligen Feier.

Darf man im Gottesdienst jedes Lied singen?

Nein, die Liedauswahl in der Messe folgt strengen liturgischen Vorgaben. Lieder müssen thematisch zu den Schriftlesungen und der liturgischen Zeit passen. Insbesondere die Gesänge des Ordinariums (Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei) sollten möglichst wortgetreue Vertonungen des Originaltextes sein oder speziell dafür vorgesehene Lieder, die den Inhalt und die Form des Ordinariums respektieren. Es geht darum, die Einheit und den roten Faden der Liturgie zu bewahren.

Warum gibt es in der Fastenzeit kein Halleluja?

Die Fastenzeit ist eine Zeit der Buße, der Besinnung und der Vorbereitung auf Ostern. Das Halleluja, als Ausdruck der österlichen Freude und des Jubels über die Auferstehung, wird in dieser Zeit weggelassen, um die Ernsthaftigkeit und den Charakter der Bußzeit zu betonen. An seine Stelle treten andere Rufe oder Psalmen (Tractus), die der besinnlichen Stimmung der Fastenzeit entsprechen.

Muss man während der Kommunion singen?

Während der Kommunionausteilung ist Gesang möglich, aber nicht zwingend vorgeschrieben. Oft wird die Kommunion auch nur von Orgelspiel begleitet oder findet in Stille statt. Dies ermöglicht den Gläubigen, sich ganz auf den Empfang der Eucharistie und die persönliche Begegnung mit Christus zu konzentrieren. In der österlichen Bußzeit wird die Kommunionausteilung sogar explizit in Stille empfohlen.

Die Gestaltung der Eucharistiefeier ist eine Kunst für sich, die auf einer tiefen Kenntnis der Liturgie und einem Gespür für die spirituellen Bedürfnisse der Gemeinde beruht. Die sorgfältige Auswahl der Lieder und die bewusste Gestaltung der verschiedenen Abschnitte tragen wesentlich dazu bei, dass der Gottesdienst zu einem lebendigen und bereichernden Erlebnis wird, das die Gläubigen in ihrem Glauben stärkt und sie für ihren Alltag rüstet. Der Halleluja-Ruf, die Gesänge des Ordinariums und die thematischen Lieder des Proprium – all diese Elemente fügen sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen, das das Geheimnis des Glaubens auf vielfältige Weise erfahrbar macht.

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