28/11/2021
In einer Welt, die sich ständig verändert und in der Gewissheiten oft schwer zu finden sind, suchen Menschen nach Ankern, nach etwas, das Bestand hat und Orientierung bietet. Für Millionen von Christinnen und Christen weltweit ist ein solcher Anker das Glaubensbekenntnis. Es ist mehr als nur eine Ansammlung von Worten; es ist eine komprimierte Zusammenfassung dessen, was sie im tiefsten Inneren glauben, eine Bekenntnisformel, die über Generationen und Kontinente hinweg verbindet. Diese Bekenntnisse sind nicht nur historische Dokumente, sondern lebendige Ausdrucksformen eines gemeinsamen Verständnisses von Gott, Mensch und Welt.

Innerhalb der christlichen Tradition gibt es verschiedene Glaubensbekenntnisse, doch eines sticht besonders hervor durch seine weite Verbreitung und seine fundamentale Bedeutung: das Apostolische Glaubensbekenntnis. Es ist ein Text, der in vielen Gottesdiensten und privaten Gebeten gesprochen wird und die zentralen Säulen des christlichen Glaubens in prägnanter Form darlegt. Aber was genau ist dieses Bekenntnis, woher stammt es, und welche tiefere Bedeutung verbirgt sich hinter seinen scheinbar einfachen Sätzen? Dieser Artikel lädt Sie ein, die faszinierende Welt der Glaubensbekenntnisse zu erkunden, mit einem besonderen Fokus auf das Apostolische Glaubensbekenntnis und seine Rolle in der Evangelischen Kirche.
- Das Apostolische Glaubensbekenntnis: Eine Reise durch den Glauben
- Glaubensbekenntnisse in der Evangelischen Kirche
- Der Glaube an den Heiligen Geist: Die lebendige Kraft
- Häufig gestellte Fragen zu Glaubensbekenntnissen
- Warum braucht die Kirche Glaubensbekenntnisse?
- Muss jeder Christ jedes Wort eines Bekenntnisses glauben?
- Was ist der Unterschied zwischen dem Apostolischen und dem Nicänischen Glaubensbekenntnis?
- Kann ich meinen persönlichen Glauben anders bekennen als die offiziellen Bekenntnisse?
- Wurde das Apostolische Glaubensbekenntnis wirklich von den Aposteln verfasst?
Das Apostolische Glaubensbekenntnis: Eine Reise durch den Glauben
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, oft auch als Apostolicum bezeichnet, ist eines der ältesten und am weitesten verbreiteten Bekenntnisse des Christentums. Obwohl es nicht direkt von den Aposteln verfasst wurde, wie der Name vermuten lässt, spiegelt es doch die apostolische Lehre und Tradition der frühen Kirche wider. Es entstand wahrscheinlich im 2. oder 3. Jahrhundert in Rom und diente ursprünglich als Taufbekenntnis, eine Art Glaubensprüfung für jene, die in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden wollten. Seine einfache, aber umfassende Struktur machte es zu einem idealen Werkzeug, um die grundlegenden Glaubenswahrheiten zu vermitteln und zu bekräftigen.
Das Apostolicum ist in drei Hauptteile gegliedert, die die drei Personen der Dreieinigkeit widerspiegeln: Gott Vater, Gott Sohn (Jesus Christus) und Gott Heiliger Geist. Jeder Teil entfaltet zentrale Aspekte des christlichen Glaubens auf prägnante Weise. Lassen Sie uns die einzelnen Abschnitte genauer betrachten:
Der Glaube an Gott den Vater
Der erste Teil beginnt mit der fundamentalen Aussage: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Diese Zeilen etablieren den Glauben an einen einzigen, allmächtigen Gott, der der Ursprung und die Quelle allen Seins ist. Er wird als Vater bezeichnet, was eine persönliche und fürsorgliche Beziehung zu seiner Schöpfung andeutet. Die Betonung seiner Allmacht und seiner Rolle als Schöpfer unterstreicht seine Souveränität über das gesamte Universum, sowohl das Sichtbare als auch das Unsichtbare. Es ist ein Bekenntnis zur grundlegenden Existenz eines Schöpfergottes, der nicht nur das Universum ins Leben gerufen hat, sondern es auch erhält und lenkt.
Der Glaube an Jesus Christus, den Sohn
Der längste und detaillierteste Abschnitt des Glaubensbekenntnisses widmet sich Jesus Christus: „Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“
Dieser Teil fasst das gesamte Erlösungswerk Jesu zusammen. Er bekennt Jesus als den „eingeborenen Sohn“ Gottes, was seine einzigartige Göttlichkeit und seine besondere Beziehung zum Vater unterstreicht. Die Bezeichnung „unsern Herrn“ drückt die Herrschaft Jesu und die Unterwerfung unter seine Autorität aus. Die wundersame Empfängnis durch den Heiligen Geist und die Geburt von der Jungfrau Maria betonen seine göttliche und menschliche Natur – er ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Die historischen Fakten seines Leidens unter Pontius Pilatus, seiner Kreuzigung, seines Todes und seiner Bestattung verankern den Glauben in der realen Geschichte. Der „Hinabstieg in das Reich des Todes“ (oft auch als „Höllenfahrt“ interpretiert) symbolisiert seinen Sieg über den Tod und die Mächte der Finsternis. Die Auferstehung am dritten Tag ist der zentrale Pfeiler des christlichen Glaubens, der die Hoffnung auf ewiges Leben begründet. Seine Himmelfahrt und sein Sitzen zur Rechten Gottes bestätigen seine Erhöhung und seine königliche Herrschaft. Schließlich der Ausblick auf seine Wiederkunft zum Gericht über Lebende und Tote unterstreicht seine Rolle als gerechter Richter über die gesamte Menschheit.
Der Glaube an den Heiligen Geist und die Kirche
Der dritte Teil des Bekenntnisses fokussiert auf den Heiligen Geist und die daraus resultierende Gemeinschaft der Gläubigen: „Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.“
Hier wird der Heilige Geist als die dritte Person der Dreieinigkeit anerkannt, der in der Welt wirkt, die Gläubigen führt und die Kirche belebt. Die „heilige christliche Kirche“ wird als die universelle Gemeinschaft der Gläubigen verstanden, die durch den Heiligen Geist geheiligt und weltweit verbreitet ist. Die „Gemeinschaft der Heiligen“ betont die Einheit und Verbundenheit aller Gläubigen, sowohl der Lebenden als auch der Verstorbenen, in Christus. Die „Vergebung der Sünden“ ist eine zentrale Botschaft des Evangeliums, die durch den Glauben an Christus und das Wirken des Heiligen Geistes ermöglicht wird. Schließlich kulminiert das Bekenntnis in der Hoffnung auf die „Auferstehung der Toten und das ewige Leben“, die die ultimative Verheißung des christlichen Glaubens darstellt – die Überwindung des Todes und die ewige Gemeinschaft mit Gott. Das „Amen“ am Ende bekräftigt die Wahrheit und Gültigkeit all dieser Aussagen.
Glaubensbekenntnisse in der Evangelischen Kirche
Die Evangelische Kirche kennt, wie die bereitgestellte Information treffend zusammenfasst, unterschiedliche Glaubensbekenntnisse. Diese Bekenntnisse sind nicht dazu da, den Glauben zu ersetzen, sondern ihn zu verdichten, zu strukturieren und ihn gemeinsam zu bekräftigen. Sie fassen zentrale Glaubensinhalte zusammen und dienen den Christinnen und Christen dazu, sich ihres Glaubens zu vergewissern. Es ist ein Akt der Übereinkunft über grundlegende theologische Wahrheiten, die über Jahrhunderte hinweg weitergegeben wurden und auch heute noch in Gottesdiensten gemeinsam gesprochen werden.

Die Vielfalt der Bekenntnisse in der Evangelischen Kirche spiegelt zum Teil ihre Geschichte und ihre verschiedenen Strömungen (Lutherisch, Reformiert, Uniert) wider. Während das Apostolische Glaubensbekenntnis universell anerkannt und verwendet wird, gibt es andere Bekenntnisse wie das Nicänische Glaubensbekenntnis oder das Athanasische Glaubensbekenntnis, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, insbesondere in Bezug auf die Trinitätslehre und Christologie. Diese Bekenntnisse sind jedoch nicht nur formale Texte; sie sind lebendige Zeugnisse des Glaubens, die es den Gläubigen ermöglichen, ihre Überzeugungen klar auszudrücken und sich mit der Geschichte der Kirche verbunden zu fühlen. Sie bieten einen Rahmen für die theologische Reflexion und die Verkündigung des Evangeliums.
Jenseits dieser offiziellen und liturgischen Bekenntnisse gibt es auch die persönliche Dimension des Glaubensbekenntnisses. Jeder Einzelne bekundet seinen Glauben, indem er ausdrückt, warum er Christ ist, worauf er im Leben fest vertraut und was ihm wichtig ist. Dies kann in Worten geschehen, aber auch in Taten, im Lebensstil und in der Art und Weise, wie man mit anderen umgeht. Das persönliche Bekenntnis ist die gelebte Antwort auf die in den offiziellen Bekenntnissen formulierten Wahrheiten.
Vergleich wichtiger Glaubensbekenntnisse
Um die Rolle und Bedeutung verschiedener Bekenntnisse in der christlichen Tradition, insbesondere in der Evangelischen Kirche, besser zu verstehen, ist ein Vergleich hilfreich. Es zeigt sich, dass sie zwar alle die grundlegenden Wahrheiten des christlichen Glaubens teilen, aber unterschiedliche Schwerpunkte und historische Kontexte haben.
| Bekenntnis | Ursprung / Entstehungszeit | Hauptzweck / Schwerpunkt | Verwendung heute (Evangelische Kirche) |
|---|---|---|---|
| Apostolisches Glaubensbekenntnis (Apostolicum) | Rom, 2.-3. Jahrhundert | Taufbekenntnis, grundlegende Zusammenfassung der Glaubensartikel (trinitarisch und christologisch) | Sehr weit verbreitet in Gottesdiensten, Taufen und Katechismusunterricht |
| Nicäno-Konstantinopolitanisches Glaubensbekenntnis (Nicänum) | Konzil von Nicäa (325) und Konstantinopel (381) | Präzisierung der Trinitätslehre und Christologie gegen Häresien (z.B. Arianismus) | Oft in Abendmahlsgottesdiensten und bei ökumenischen Anlässen verwendet |
| Athanasianisches Glaubensbekenntnis (Athanasianum) | Gallien, 5.-6. Jahrhundert | Ausführliche theologische Darlegung der Trinitätslehre und der Lehre von den zwei Naturen Christi | Selten im Gottesdienst, eher in theologischen Studien und als Lehrnorm |
| Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana) | 1530 | Zentrale Bekenntnisschrift des Luthertums, Darstellung der evangelischen Lehre gegenüber der römischen Kirche | Grundlage der lutherischen Kirchen, in theologischen Debatten und zur Identitätsstiftung |
Der Glaube an den Heiligen Geist: Die lebendige Kraft
Der Glaube an den Heiligen Geist ist nicht nur der dritte und abschließende Teil des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, sondern auch ein vitaler Aspekt des gelebten Glaubens. Der Heilige Geist wird oft als der „Atem Gottes“ oder die „Finger Gottes“ bezeichnet, der in der Welt präsent ist und die Gläubigen befähigt, ein christliches Leben zu führen. Er ist die göttliche Person, die die Kirche belebt, inspiriert und führt.
Die Bibel beschreibt den Heiligen Geist in vielfältigen Rollen: Er ist der Tröster, der Beistand, der Lehrer und der Offenbarer. Er überführt von Sünde, schenkt Reue und führt zur Umkehr. Er ist es, der die Gaben des Geistes verteilt, die zum Aufbau der Gemeinde dienen. Ohne das Wirken des Heiligen Geistes gäbe es keine „heilige christliche Kirche“ im Sinne einer lebendigen, dynamischen Gemeinschaft. Er ist die Kraft, die die Gläubigen verbindet und sie zur „Gemeinschaft der Heiligen“ formt – eine Gemeinschaft, die nicht an Raum oder Zeit gebunden ist, sondern alle Gläubigen durch alle Zeiten und an allen Orten umfasst.
Die „Vergebung der Sünden“ wird durch den Heiligen Geist erfahrbar gemacht. Er ist es, der die Herzen öffnet für die Botschaft der Erlösung durch Jesus Christus und die Annahme der Gnade Gottes. Er wirkt die Wiedergeburt und die Heiligung, Prozesse, durch die Gläubige immer mehr dem Bild Christi gleichgestaltet werden. Und schließlich ist der Heilige Geist der Bürge für die zukünftige „Auferstehung der Toten und das ewige Leben“. Er ist der „Erstlingsfrucht“ der kommenden Herrlichkeit, der uns die Gewissheit gibt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat und dass wir einst in voller Gemeinschaft mit Gott leben werden. Er ist die Kraft, die uns durch das Leben trägt und uns auf die Ewigkeit vorbereitet.

Häufig gestellte Fragen zu Glaubensbekenntnissen
Warum braucht die Kirche Glaubensbekenntnisse?
Glaubensbekenntnisse dienen mehreren wichtigen Zwecken. Erstens fassen sie die zentralen Glaubensinhalte prägnant zusammen, was besonders für die Lehre und den Katechismus von Bedeutung ist. Zweitens bieten sie eine gemeinsame Basis für die Einheit der Gläubigen über Generationen und geografische Grenzen hinweg. Sie sind ein Bekenntnis zu dem, was alle Christen verbindet. Drittens dienen sie als Schutz vor Irrlehren, indem sie klare theologische Grenzen ziehen. Sie sind ein Zeugnis der Kirche für ihre Überzeugungen gegenüber der Welt und eine Erinnerung an ihre eigene Identität.
Muss jeder Christ jedes Wort eines Bekenntnisses glauben?
Die Glaubensbekenntnisse sind Ausdruck des gemeinsamen Glaubens der Kirche. Sie sind keine juristischen Texte, die jedes Detail des persönlichen Glaubens vorschreiben. Vielmehr sind sie eine Zusammenfassung der fundamentalen Wahrheiten, die als wesentlich für das Christentum erachtet werden. Es geht darum, die Kernbotschaft zu bejahen. Persönliche Interpretationen oder Nuancen können innerhalb dieses Rahmens existieren, solange die grundlegenden Aussagen nicht geleugnet werden. Die Absicht ist die Bejahung der gemeinsamen Basis, nicht die Prüfung einer dogmatischen Konformität bis ins letzte Detail.
Was ist der Unterschied zwischen dem Apostolischen und dem Nicänischen Glaubensbekenntnis?
Beide Bekenntnisse sind zutiefst trinitarisch und christologisch. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist älter, kürzer und war ursprünglich ein Taufbekenntnis. Es ist weniger dogmatisch präzise formuliert. Das Nicänische Glaubensbekenntnis entstand auf den Konzilen von Nicäa (325 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.) als Reaktion auf theologische Streitigkeiten, insbesondere den Arianismus, der die volle Göttlichkeit Christi leugnete. Es ist theologisch präziser, insbesondere in Bezug auf die Wesensgleichheit von Vater und Sohn („wesensgleich mit dem Vater“) und die Gottheit des Heiligen Geistes. Es wird oft in Gottesdiensten mit Abendmahl verwendet und hat eine stärkere ökumenische Bedeutung, da es von den meisten großen christlichen Kirchen anerkannt wird.
Kann ich meinen persönlichen Glauben anders bekennen als die offiziellen Bekenntnisse?
Ja, absolut. Die offiziellen Bekenntnisse sind formulierte Glaubensaussagen der Kirche. Daneben existiert immer die Möglichkeit und Notwendigkeit eines persönlichen Glaubensbekenntnisses. Dies ist der individuelle Ausdruck dessen, was man glaubt, was einem wichtig ist und wie man seinen Glauben im Alltag lebt. Solange das persönliche Bekenntnis nicht im Widerspruch zu den fundamentalen Wahrheiten der christlichen Tradition steht, die in den offiziellen Bekenntnissen zusammengefasst sind, ergänzen sich beide Formen des Bekenntnisses. Das persönliche Bekenntnis kann eine tiefere, intimere Dimension des Glaubens widerspiegeln, während die offiziellen Bekenntnisse den Rahmen und die gemeinsame Basis bilden.
Wurde das Apostolische Glaubensbekenntnis wirklich von den Aposteln verfasst?
Nein, trotz seines Namens wurde das Apostolische Glaubensbekenntnis nicht direkt von den zwölf Aposteln verfasst. Der Name „Apostolisch“ bezieht sich darauf, dass es die Lehre der Apostel zusammenfasst und ihre Botschaft treu wiedergibt. Es entstand in der frühen Kirche, wahrscheinlich in Rom, in einer Zeit, in der die Notwendigkeit bestand, die Kerninhalte des Glaubens zu standardisieren und von Irrlehren abzugrenzen. Es ist eine Zusammenstellung von Glaubenssätzen, die bereits im 2. und 3. Jahrhundert mündlich oder in Fragmenten existierten und im Laufe der Zeit zu der uns heute bekannten Form zusammengefügt wurden. Es ist somit ein Produkt der apostolischen Tradition, nicht ihrer direkten Autorenschaft.
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