16/02/2023
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, oft einfach als „Credo“ bezeichnet, ist weit mehr als nur eine Ansammlung alter Worte; es ist ein lebendiges Zeugnis des christlichen Glaubens, das über Jahrhunderte hinweg Generationen von Gläubigen miteinander verbunden hat. Es fasst die zentralen Glaubensaussagen zusammen, die das Fundament des christlichen Verständnisses von Gott, Jesus Christus und dem Heiligen Geist bilden. Dieses Bekenntnis, dessen Wurzeln tief in der Frühzeit der Kirche liegen, dient bis heute als gemeinsamer Nenner für unzählige Christen weltweit und wird in Gottesdiensten, bei Taufen und in der persönlichen Andacht gesprochen. Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Worten, und welche Bedeutung haben sie für uns heute?
- Was ist das Apostolische Glaubensbekenntnis?
- Die Geschichte hinter dem Credo
- Der Wortlaut und seine Bedeutung
- Warum ist das Glaubensbekenntnis so wichtig?
- Glaubensaussagen im Überblick: Eine vergleichende Tabelle
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Was bedeutet „apostolisch“ im Namen des Glaubensbekenntnisses?
- Wird das Apostolische Glaubensbekenntnis in allen christlichen Konfessionen verwendet?
- Ist das Glaubensbekenntnis wörtlich zu verstehen?
- Welcher Unterschied besteht zum Nizänischen Glaubensbekenntnis?
- Wie kann das Glaubensbekenntnis meinen Alltag bereichern?
Was ist das Apostolische Glaubensbekenntnis?
Das Apostolische Glaubensbekenntnis, lateinisch „Apostolicum“ genannt, ist eines der ältesten und am weitesten verbreiteten Glaubensbekenntnisse im Christentum. Sein Name leitet sich von einer alten Legende ab, der zufolge jeder der zwölf Apostel eine Aussage zu diesem Bekenntnis beigesteuert haben soll. Während diese Herkunftslegende historisch nicht belegt ist, unterstreicht sie doch die tiefe Verbundenheit des Bekenntnisses mit der ursprünglichen Lehre der Apostel und der apostolischen Tradition. Es ist eine knappe und prägnante Zusammenfassung der grundlegenden Lehren des christlichen Glaubens, die sich auf die Dreieinigkeit Gottes – Vater, Sohn und Heiliger Geist – konzentriert und die entscheidenden Ereignisse der Heilsgeschichte darlegt.

Ursprünglich fand das Credo seinen „Sitz im Leben“ in der frühchristlichen Taufpraxis. Neue Gläubige wurden vor ihrer Taufe gebeten, ihren Glauben öffentlich zu bekennen, oft in Form von Fragen und Antworten, die den späteren Artikeln des Glaubensbekenntnisses entsprachen. Diese mündlichen Bekenntnisse entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einem zusammenhängenden Text. Seit dem Ende des 3. Jahrhunderts sind solche Texte in Gebrauch, und in seiner heutigen, schriftlich fixierten Form ist das Apostolicum seit Anfang des 5. Jahrhunderts bekannt.
Die Geschichte hinter dem Credo
Die Entwicklung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses ist eng mit der Ausbreitung des Christentums und der Notwendigkeit verbunden, die Kernlehren des Glaubens klar zu definieren und vor Irrlehren zu schützen. In den ersten Jahrhunderten des Christentums gab es regionale Varianten von Taufbekenntnissen, die sich in ihren Formulierungen unterschieden, aber im Kern die gleichen Wahrheiten ausdrückten. Das sogenannte „Römische Taufbekenntnis“ (Symbolum Romanum) gilt als der direkte Vorläufer des heutigen Apostolikums. Es war ein kurzes, dreiteiliges Bekenntnis, das auf Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiligen Geist fokussierte und die wesentlichen Ereignisse des Lebens Jesu Christi umfasste.
Die allmähliche Standardisierung des Textes führte zu der Form, die wir heute kennen. Obwohl es nicht direkt von den Aposteln verfasst wurde, spiegelt es doch die apostolische Lehre wider und dient als ein mächtiges Werkzeug zur Weitergabe des Glaubens von Generation zu Generation. Die klare und einfache Sprache machte es leicht zu lernen und zu lehren, was zu seiner weiten Verbreitung beitrug. Es wurde zu einem Prüfstein der Orthodoxie und einem Symbol der Einheit unter den Gläubigen.
Der Wortlaut und seine Bedeutung
Der vollständige Wortlaut des Apostolischen Glaubensbekenntnisses, wie er heute in vielen christlichen Gottesdiensten gesprochen wird, lautet:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Artikel 1: Gott der Vater, der Schöpfer
Der erste Teil des Bekenntnisses beginnt mit der grundlegenden Aussage: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Dies ist die fundamentale Aussage über die Existenz und die Natur Gottes. Er wird als „Vater“ angesprochen, was seine fürsorgliche und liebende Beziehung zur Schöpfung und zu den Menschen betont. Die Bezeichnung „Allmächtiger“ unterstreicht seine unbegrenzte Macht und Souveränität. Als „Schöpfer des Himmels und der Erde“ wird seine Rolle als Ursprung allen Seins anerkannt. Diese Aussage legt den Grundstein für das Verständnis der göttlichen Ordnung und der Abhängigkeit der Schöpfung von ihrem Schöpfer. Sie spricht von Gottes Transzendenz, seiner Erhabenheit über die Welt, und gleichzeitig von seiner Immanenz, seiner Präsenz in der Welt.
Artikel 2: Jesus Christus, der Erlöser
Der längste und detaillierteste Teil des Credo konzentriert sich auf Jesus Christus. Er wird als „sein eingeborener Sohn, unsern Herrn“ bezeichnet, was seine einzigartige Beziehung zu Gott dem Vater und seine göttliche Autorität hervorhebt. Die folgenden Aussagen beschreiben seinen gesamten Lebensweg, von seiner wundersamen Empfängnis durch den Heiligen Geist und Geburt von der Jungfrau Maria, die seine göttliche und menschliche Natur betonen, über sein Leiden unter Pontius Pilatus, seinen Tod am Kreuz und seine Grablegung. Diese historischen Fakten sind entscheidend für die christliche Lehre von der Erlösung. Die Erwähnung des Abstiegs in das Reich des Todes (oft als „Höllenfahrt“ interpretiert) und die Auferstehung am dritten Tage sind zentrale Glaubenswahrheiten, die den Sieg über Sünde und Tod verkünden. Seine Himmelfahrt und sein Sitz zur Rechten Gottes des allmächtigen Vaters betonen seine erhöhte Stellung und seine Herrschaft. Die Erwartung seiner Wiederkunft zum Gericht über Lebende und Tote schließt diesen Abschnitt ab und verweist auf die endgültige Vollendung der Heilsgeschichte.
Artikel 3: Der Heilige Geist, die Kirche und das ewige Leben
Der dritte Teil des Bekenntnisses widmet sich dem Heiligen Geist und den Auswirkungen seines Wirkens. „Ich glaube an den Heiligen Geist“ ist die Anerkennung der dritten Person der Dreifaltigkeit, die im Leben der Gläubigen wirkt und die Kirche belebt. Die „heilige christliche Kirche“ wird als Gemeinschaft der Gläubigen verstanden, die durch den Heiligen Geist geeint ist. Die „Gemeinschaft der Heiligen“ kann sowohl die lebenden Gläubigen als auch die verstorbenen Gläubigen umfassen, die im Glauben verbunden sind. Die „Vergebung der Sünden“ ist eine zentrale Botschaft des Evangeliums und die Frucht des Erlösungswerkes Christi, die durch den Heiligen Geist zugänglich gemacht wird. Die Aussagen über die „Auferstehung der Toten“ und das „ewige Leben“ sind die ultimativen Hoffnungen des christlichen Glaubens, die auf die Vollendung des Reiches Gottes und die ewige Gemeinschaft mit Gott hinweisen. Das abschließende „Amen“ bekräftigt die Wahrheit und Gültigkeit all dieser Aussagen.
Warum ist das Glaubensbekenntnis so wichtig?
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist aus mehreren Gründen von immenser Bedeutung für Christen weltweit. Erstens dient es als ein grundlegendes Dokument der Glaubenslehre. Es fasst die wesentlichen Wahrheiten des Christentums prägnant zusammen und bietet eine verlässliche Orientierung für das Verständnis der biblischen Botschaft. Zweitens fördert es die Einheit unter den Gläubigen. Über Konfessionsgrenzen hinweg bekennen sich unzählige Christen zu den gleichen grundlegenden Wahrheiten, die im Apostolicum formuliert sind. Dies schafft ein Gefühl der Verbundenheit und der gemeinsamen Identität im Glauben.
Drittens ist es ein liturgisches Element, das in vielen Gottesdiensten und Sakramenten, insbesondere bei der Taufe, eine zentrale Rolle spielt. Es ist ein öffentliches Bekenntnis des Glaubens und eine feierliche Affirmation dessen, woran die Gemeinde gemeinsam glaubt. Viertens dient es als katechetisches Werkzeug. Generationen von Kindern und Erwachsenen haben durch das Auswendiglernen und Verstehen des Credo die Grundlagen ihres Glaubens gelernt. Es bietet eine Struktur, um über theologische Konzepte nachzudenken und sie zu verinnerlichen. Schließlich ist es ein Zeugnis der Beständigkeit des Glaubens. Trotz der Veränderungen in Gesellschaft und Kultur über Jahrhunderte hinweg bleiben die Kernwahrheiten, die im Glaubensbekenntnis ausgedrückt werden, unverändert und relevant.

Glaubensaussagen im Überblick: Eine vergleichende Tabelle
Um die Struktur und die Kernbotschaften des Apostolischen Glaubensbekenntnisses besser zu verstehen, können wir die einzelnen Glaubensaussagen und ihre Bedeutung für den Gläubigen gegenüberstellen:
| Glaubensaussage (Credo-Artikel) | Bedeutung für den Gläubigen |
|---|---|
| Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. | Gott ist der Ursprung allen Seins, der liebende Vater, auf dessen Macht und Fürsorge ich vertrauen kann. |
| Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn… | Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, mein Erlöser und Herr, dem ich mein Leben anvertraue. |
| Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria. | Gott wurde Mensch in Jesus, eine wundersame Geburt, die seine einzigartige Identität offenbart. |
| Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes. | Jesus hat menschliches Leid und den Tod auf sich genommen, um mich von Sünde und Schuld zu befreien. |
| Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. | Jesus hat den Tod besiegt und lebt ewig. Er herrscht und vertritt mich bei Gott. |
| Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten. | Jesus wird am Ende der Zeiten zurückkehren, um Gerechtigkeit zu schaffen und sein Reich zu vollenden. |
| Ich glaube an den Heiligen Geist. | Der Heilige Geist ist Gottes präsente Kraft, die mich leitet, tröstet und befähigt, ein christliches Leben zu führen. |
| Die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen. | Ich bin Teil einer weltweiten Gemeinschaft von Gläubigen, vereint durch den Geist, die mich trägt und stärkt. |
| Vergebung der Sünden. | Durch Jesu Opfer bin ich von meinen Sünden befreit und habe die Möglichkeit eines Neuanfangs. |
| Auferstehung der Toten und das ewige Leben. | Ich habe die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod, eine ewige Gemeinschaft mit Gott in vollkommener Herrlichkeit. |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet „apostolisch“ im Namen des Glaubensbekenntnisses?
Der Begriff „apostolisch“ bezieht sich nicht darauf, dass die Apostel den Text persönlich verfasst hätten. Vielmehr betont er, dass das Bekenntnis die ursprüngliche Lehre und den Glauben der Apostel getreu wiedergibt. Es steht für die Kontinuität mit der Lehre, die von den ersten Jüngern Jesu empfangen und weitergegeben wurde. Es ist ein Zeugnis der unverfälschten Lehre der frühen Kirche.
Wird das Apostolische Glaubensbekenntnis in allen christlichen Konfessionen verwendet?
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist in vielen westlichen christlichen Traditionen weit verbreitet, darunter in der römisch-katholischen Kirche, in den meisten protestantischen Kirchen (wie Lutheranern, Reformierten, Methodisten) und in einigen anglikanischen Kirchen. Die orthodoxen Kirchen des Ostens verwenden es in der Regel nicht in ihrer Liturgie, sondern bevorzugen das Nizänisch-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis, das ausführlicher ist und auf späteren Konzilen formuliert wurde. Dennoch erkennen auch sie die theologischen Wahrheiten des Apostolicum an.
Ist das Glaubensbekenntnis wörtlich zu verstehen?
Die Frage nach der wörtlichen Interpretation hängt oft von der jeweiligen theologischen Ausrichtung ab. Im Allgemeinen werden die Aussagen des Credo als grundlegende Wahrheiten des christlichen Glaubens verstanden, die historisch verankert sind (z.B. Jesu Geburt, Tod, Auferstehung) und theologische Bedeutung haben (z.B. Dreieinigkeit, Sündenvergebung, ewiges Leben). Während einige Aspekte (wie der „Abstieg in das Reich des Todes“) Raum für theologische Deutung lassen, wird der Kern der Aussagen – die Realität der Schöpfung, die Gottheit und Menschheit Jesu, seine Erlösungstat und die Existenz des Heiligen Geistes, der Kirche und des ewigen Lebens – von den meisten Gläubigen als wörtliche oder zumindest als fundamentale, nicht verhandelbare Wahrheiten verstanden.
Welcher Unterschied besteht zum Nizänischen Glaubensbekenntnis?
Das Nizänisch-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis (oft kurz „Nizänum“ genannt) entstand auf den Konzilen von Nicäa (325 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.). Es ist ausführlicher als das Apostolische Glaubensbekenntnis und wurde primär verfasst, um theologische Streitigkeiten, insbesondere über die Natur Christi und des Heiligen Geistes, zu klären. Es enthält präzisere theologische Formulierungen, wie die Aussage, dass Jesus „wahren Gottes von wahrem Gott“ ist oder dass der Heilige Geist „Herr und Lebensspender“ ist. Während das Apostolicum eher als Taufbekenntnis und grundlegende Zusammenfassung dient, ist das Nizänum ein konziliares Bekenntnis, das theologische Definitionen festschreibt und daher in vielen Kirchen, insbesondere in der Eucharistiefeier, verwendet wird.
Wie kann das Glaubensbekenntnis meinen Alltag bereichern?
Das tägliche oder regelmäßige Sprechen des Glaubensbekenntnisses kann eine tiefe spirituelle Praxis sein. Es erinnert uns an die grundlegenden Wahrheiten unseres Glaubens und verankert uns in der langen Tradition der Kirche. Es kann Trost spenden in Zeiten der Unsicherheit, indem es uns an die Allmacht und Liebe Gottes erinnert. Es kann uns herausfordern, unser Leben im Licht der erlösenden Taten Jesu und der Führung des Heiligen Geistes zu leben. Indem wir die Vergebung der Sünden bekennen, werden wir ermutigt, auch anderen zu vergeben. Und die Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben gibt uns eine Perspektive, die über das Hier und Jetzt hinausgeht und unserem Leben Sinn und Zweck verleiht. Das Credo ist somit nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern eine Einladung zu einer tieferen Beziehung mit Gott und einem bewussteren christlichen Leben.
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