14/09/2023
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist weit mehr als nur eine Ansammlung alter Worte; es ist ein lebendiges Zeugnis des christlichen Glaubens, das seit Jahrhunderten Generationen von Gläubigen verbindet. In seiner prägnanten Form fasst es die fundamentalen Wahrheiten zusammen, die das Herzstück des christlichen Verständnisses von Gott, der Menschheit und der Erlösung bilden. Es ist ein Gebet, eine Lehre und ein Bekenntnis zugleich, dessen Ursprünge tief in der frühen Kirche verwurzelt sind und dessen Einfluss bis heute spürbar ist. Für viele ist es der erste Berührungspunkt mit den Kernlehren des Christentums, ein Leitfaden, der Orientierung und Trost spendet.

Obwohl es im 4. Jahrhundert seine heutige Form erhielt, sind seine einzelnen Aussagen wesentlich älter und spiegeln die Entwicklung des frühchristlichen Glaubens wider. Es dient als ein gemeinsames Fundament, auf dem unterschiedliche christliche Konfessionen aufbauen, und bietet eine prägnante Zusammenfassung dessen, woran Christen glauben. Dieses Bekenntnis ist nicht nur ein historisches Dokument, sondern ein lebendiges Credo, das in Gottesdiensten, im persönlichen Gebet und in der Katechese auf der ganzen Welt gesprochen wird und dabei hilft, den Glauben zu verstehen, zu artikulieren und zu leben. Es ist ein Ausdruck der Gemeinschaft der Gläubigen über Zeit und Raum hinweg.
Die Ursprünge und die Entwicklung des Bekenntnisses
Der Name „Apostolisches Glaubensbekenntnis“ legt nahe, dass es direkt von den Aposteln selbst stammt. Während dies in der wörtlichen Form nicht zutrifft – es wurde nicht von ihnen persönlich verfasst –, so spiegelt es doch die apostolische Lehre wider, die von den ersten Jüngern Jesu Christi überliefert wurde. Historisch gesehen entstand es nicht als ein einzelnes, fertig formuliertes Dokument, sondern entwickelte sich aus kürzeren Bekenntnisformeln, die in der Taufe und im Gottesdienst der frühen christlichen Gemeinden verwendet wurden. Diese frühen Bekenntnisse dienten dazu, neue Gläubige in die wesentlichen Inhalte des Glaubens einzuführen und sie von nicht-christlichen oder häretischen Lehren abzugrenzen.
Die frühesten Formen des Bekenntnisses finden sich bereits im 2. Jahrhundert, beispielsweise in Rom, wo es als „Altrömisches Taufbekenntnis“ bekannt war. Im Laufe der Zeit wurde dieses Bekenntnis durch Hinzufügung weiterer Sätze erweitert und präzisiert, um auf theologische Herausforderungen und Irrlehren zu reagieren. Die heutige Form, wie wir sie kennen, stabilisierte sich im Westen im 4. Jahrhundert und erlangte im 8. Jahrhundert allgemeine Verbreitung und Anerkennung. Seine relativ einfache und direkte Sprache machte es zugänglich und leicht zu merken, was zu seiner weitreichenden Akzeptanz in verschiedenen christlichen Traditionen beitrug. Es ist ein Zeugnis der lebendigen Tradition der Kirche, die ihren Glauben in prägnanten und bedeutungsvollen Worten zusammenfasst.
Die Struktur und der Inhalt im Detail: Eine theologische Reise
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist klar in drei Hauptteile gegliedert, die die drei Personen der Dreieinigkeit repräsentieren: Gott Vater, Gott Sohn (Jesus Christus) und Gott Heiliger Geist. Jeder dieser Abschnitte entfaltet zentrale Aspekte des christlichen Glaubens und bietet tiefe Einblicke in das Wesen Gottes und Seinen Heilsplan für die Menschheit.
Gott Vater, der Allmächtige Schöpfer
Der erste Teil beginnt mit: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Dieser Satz ist das Fundament des gesamten Bekenntnisses. Er bekennt den Glauben an einen einzigen Gott, der nicht nur Schöpfer des gesamten Universums ist, sondern auch ein liebender Vater für Seine Geschöpfe. „Allmächtig“ betont Gottes unbegrenzte Macht und Souveränität über alles. Der Glaube an Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde unterstreicht, dass alles Existierende Seinem Willen verdankt und dass nichts außerhalb Seiner Herrschaft liegt. Dies gibt dem Gläubigen eine tiefe Gewissheit der Geborgenheit und des Sinns in einer von Gott geschaffenen Welt. Es ist ein Bekenntnis zur grundlegenden Ordnung und Güte der Schöpfung.
Jesus Christus: Gottes Sohn, unser Herr und Erlöser
Der längste Abschnitt des Bekenntnisses widmet sich Jesus Christus und Seinem Wirken. Er beginnt mit: „und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn.“ Hier wird die zentrale Rolle Jesu als Sohn Gottes und als Herr betont. „Eingeborener Sohn“ hebt Seine einzigartige Beziehung zum Vater hervor, die über die eines jeden anderen Menschen hinausgeht. Er ist nicht nur ein Prophet oder Lehrer, sondern Gott selbst in menschlicher Gestalt. „Unser Herr“ bedeutet, dass Er die höchste Autorität besitzt und dass Gläubige Ihm Gehorsam und Anbetung schulden. Dies ist das Herzstück des christlichen Glaubens, denn ohne Jesus gibt es keine Erlösung.
Das Mysterium der Menschwerdung und das Leiden Christi
Die folgenden Sätze beschreiben die Menschwerdung und das irdische Leben Jesu: „empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.“ Diese Aussagen sind von immenser theologischer Bedeutung. Die Geburt Jesu durch den Heiligen Geist und von der Jungfrau Maria betont Seine göttliche Herkunft und Reinheit, während sie gleichzeitig Seine volle Menschlichkeit bekräftigt. Er ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Die Nennung von Pontius Pilatus verankert das Leiden und den Tod Jesu historisch in einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort, was die Realität Seines Opfers unterstreicht. Seine Kreuzigung, Sein Tod und Seine Bestattung sind die zentralen Ereignisse der Erlösung, durch die er die Sünden der Welt auf sich nahm und den Weg zur Versöhnung mit Gott ebnete. Diese Ereignisse sind nicht nur historische Fakten, sondern theologische Fundamente, die die Tiefe der göttlichen Liebe und des Opfers Christi offenbaren.
Tod, Auferstehung und Himmelfahrt: Der Triumph über den Tod
„hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Diese Sätze beschreiben den Höhepunkt des Heilsgeschehens. Der „Hinabstieg in das Reich des Todes“ (manchmal auch als „Hölle“ übersetzt, meint aber eher den Ort der Toten) symbolisiert Jesu vollständige Identifikation mit der menschlichen Existenz, selbst im Tod, und Seinen Sieg über dessen Macht. Die Auferstehung am dritten Tag ist das zentrale Wunder und der Beweis für Jesu Göttlichkeit und Seinen Sieg über Sünde und Tod. Sie ist die Grundlage der christlichen Hoffnung. Die Himmelfahrt Jesu und Sein Sitzen zur Rechten Gottes bedeuten Seine Erhöhung und Seinen Platz der Macht und Autorität im Himmel, von wo aus Er regiert. Der Ausblick auf Seine Wiederkunft zum Gericht unterstreicht Seine Rolle als Herr über Leben und Tod und die Erwartung der Gläubigen auf die Vollendung des Reiches Gottes.
Der Heilige Geist und die Kirche: Gemeinschaft der Gläubigen
Der dritte Teil des Bekenntnisses wendet sich dem Heiligen Geist und der Kirche zu: „Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige Katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen.“ Der Glaube an den Heiligen Geist ist entscheidend, da Er die dritte Person der Dreieinigkeit ist, der die Gläubigen befähigt, Jesus als Herrn anzuerkennen, und der die Kirche belebt und führt. Er ist der Tröster, der Beistand und der Vermittler der göttlichen Gnade.

Die „heilige Katholische Kirche“ bezieht sich nicht nur auf eine bestimmte Konfession, sondern auf die universelle (katholische) Gemeinschaft aller Gläubigen weltweit, die durch Christus und den Heiligen Geist verbunden sind. Sie ist „heilig“, weil Gott sie geheiligt hat und sie dazu berufen ist, ein Gefäß Seiner Gnade in der Welt zu sein. Die „Gemeinschaft der Heiligen“ umfasst nicht nur die lebenden Gläubigen, sondern auch die Verstorbenen, die in Christus entschlafen sind, und betont die Einheit der Kirche über die Grenzen des Todes hinweg. Es ist ein Bekenntnis zur unsichtbaren, aber realen Verbindung aller, die an Christus glauben.
Vergebung der Sünden, Auferstehung und Ewiges Leben: Die Hoffnung des Glaubens
Die abschließenden Sätze fassen die Früchte der Erlösung zusammen: „Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.“ Die Vergebung der Sünden ist das zentrale Geschenk, das Christus durch Seinen Tod und Seine Auferstehung erworben hat. Sie befreit den Menschen von der Last der Schuld und ermöglicht eine erneute Beziehung zu Gott. Die Auferstehung der Toten ist die Hoffnung der Gläubigen auf eine leibliche Auferstehung am Ende der Zeiten, ähnlich der Auferstehung Jesu. Es ist der Glaube, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern ein Übergang zu einem neuen, ewigen Leben. Das „ewige Leben“ ist die vollkommene und ununterbrochene Gemeinschaft mit Gott, die über den Tod hinausreicht und die Erfüllung aller christlichen Sehnsucht darstellt. Das abschließende „Amen“ bedeutet „So sei es“ oder „Wahrlich“, eine feierliche Bestätigung und Zustimmung zu allem, was zuvor bekannt wurde.
Die Bedeutung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses heute
Auch in der modernen Welt behält das Apostolische Glaubensbekenntnis seine immense Bedeutung. Es dient als:
- Leitfaden für den Glauben: Es bietet eine klare und prägnante Zusammenfassung der grundlegenden christlichen Lehren, die für die Katechese und das persönliche Studium unverzichtbar ist.
- Einheitsstiftendes Element: Trotz konfessioneller Unterschiede ist das Bekenntnis ein gemeinsamer Nenner für viele christliche Kirchen im Westen, der ihre gemeinsame Wurzel im apostolischen Glauben unterstreicht.
- Gebet und Anbetung: Es wird in Gottesdiensten weltweit gesprochen und dient als ein Akt des gemeinsamen Bekenntnisses und der Anbetung Gottes.
- Persönliche Verankerung: Für den Einzelnen bietet es eine feste Verankerung im Glauben, besonders in Zeiten der Unsicherheit oder des Zweifels. Es erinnert an die Kernwahrheiten, auf die sich das christliche Leben stützt.
- Abgrenzung von Irrlehren: Schon in der Antike diente es dazu, den orthodoxen Glauben von falschen Lehren zu unterscheiden, eine Funktion, die es in gewisser Weise auch heute noch erfüllt, indem es die Grenzen des christlichen Verständnisses absteckt.
Apostolisches vs. Nicäisches Glaubensbekenntnis: Ein kurzer Vergleich
Oft wird das Apostolische Glaubensbekenntnis mit dem Nicäisch-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis (kurz Nicäisches Glaubensbekenntnis) verglichen. Beide sind von zentraler Bedeutung im Christentum, haben aber unterschiedliche Ursprünge und Schwerpunkte:
| Merkmal | Apostolisches Glaubensbekenntnis | Nicäisches Glaubensbekenntnis |
|---|---|---|
| Ursprung | Entwicklung aus frühen römischen Taufbekenntnissen (2.-4. Jh.) | Konzilien von Nicäa (325 n. Chr.) und Konstantinopel (381 n. Chr.) |
| Fokus | Grundlegende Glaubensartikel, persönliche Bekenntnisformel, taufbezogen | Präzisierung der Trinitätslehre und Christologie gegen Häresien (Arianismus) |
| Sprache | Kürzer, direkter, weniger philosophisch | Länger, detaillierter, theologisch präziser |
| Verbreitung | Vorwiegend in westlichen Kirchen (römisch-katholisch, protestantisch) | Ökumenisch anerkannt, besonders in östlichen orthodoxen Kirchen |
Während das Nicäisches Glaubensbekenntnis stärker auf die theologische Präzision der Dreieinigkeitslehre und der Natur Christi abzielt, bleibt das Apostolische Glaubensbekenntnis eine allgemein zugängliche und persönlichere Zusammenfassung des christlichen Glaubens, die sich über Jahrhunderte bewährt hat.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist das Apostolische Glaubensbekenntnis nur für Katholiken?
Nein, das Apostolische Glaubensbekenntnis wird von einer Vielzahl christlicher Konfessionen im Westen anerkannt und verwendet, darunter die römisch-katholische Kirche, die meisten protestantischen Kirchen (wie Lutheraner, Reformierte, Methodisten) und viele anglikanische Kirchen. Es dient als ein wichtiger ökumenischer Text, der die gemeinsame Grundlage des Glaubens über konfessionelle Grenzen hinweg betont.
Warum wird es „apostolisch“ genannt?
Es wird „apostolisch“ genannt, weil es die Lehre der Apostel, der ersten Jünger Jesu, zusammenfasst und widerspiegelt. Obwohl es nicht direkt von den Aposteln in seiner heutigen Form verfasst wurde, enthält es die Kernwahrheiten, die von ihnen verkündet und von der frühen Kirche bewahrt wurden. Der Name unterstreicht seine theologische Autorität und seine Kontinuität mit dem ursprünglichen christlichen Glauben.
Muss man jeden Satz wörtlich glauben, um Christ zu sein?
Für die meisten christlichen Traditionen ist das Bekenntnis des Apostolischen Glaubensbekenntnisses ein grundlegender Ausdruck des christlichen Glaubens. Es fasst die wesentlichen Dogmen zusammen. Während die genaue Interpretation einiger Formulierungen (z.B. „hinabgestiegen in das Reich des Todes“) innerhalb der Theologie diskutiert werden kann, wird die Zustimmung zu den Hauptaussagen – wie der Dreieinigkeit, der Gottheit und Menschheit Jesu, Seinem Tod, Seiner Auferstehung und der Hoffnung auf ewiges Leben – als wesentlich für das christliche Bekenntnis angesehen. Es ist ein Ausdruck des Vertrauens in die Offenbarung Gottes.
Wie oft wird das Apostolische Glaubensbekenntnis gebetet oder gesprochen?
Die Häufigkeit variiert je nach Konfession und persönlicher Praxis. In vielen Gottesdiensten, insbesondere in der römisch-katholischen und den meisten protestantischen Kirchen, wird es sonntags oder an bestimmten Festtagen als gemeinsamer Ausdruck des Glaubens rezitiert. Es ist auch ein fester Bestandteil vieler Tauf- und Konfirmationsriten. Viele Christen beten es auch im Rahmen ihrer persönlichen Andacht oder im Rosenkranzgebet.
Was bedeutet „hinabgestiegen in das Reich des Todes“?
Dieser Satz ist einer der am meisten diskutierten im Bekenntnis. Er bedeutet, dass Jesus nach Seinem Tod nicht einfach ins Nichts verschwand, sondern in den Bereich der Toten hinabstieg. Die theologische Deutung variiert, aber gängige Interpretationen sind: 1) Jesus teilte die menschliche Erfahrung des Todes vollkommen, selbst bis in das Totenreich. 2) Er verkündete den dort Gefangenen (den Gerechten des Alten Testaments) die Erlösung. 3) Er triumphierte auch über die Mächte des Todes und der Hölle. Es unterstreicht die Vollständigkeit Seines Sieges über den Tod.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis bleibt ein zeitloses und kraftvolles Zeugnis des christlichen Glaubens. Es bietet eine Struktur für das Verständnis der zentralen Wahrheiten und eine gemeinsame Sprache für Gläubige auf der ganzen Welt. Es ist ein Fundament, auf dem Generationen gebaut haben und weiterhin bauen werden.
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