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Kampf und Glaube: Abfall von Gott im Alten Testament

09/12/2021

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In einer Welt, die sich nach Frieden und Deeskalation sehnt, stoßen wir auf ungewohnte Töne, wenn wir in die tiefen Schichten der biblischen Überlieferung eintauchen. Seit fast acht Jahrzehnten hat Westeuropa die Schrecken eines umfassenden Krieges nicht mehr erlebt. Wir erziehen unsere Kinder zur Gewaltlosigkeit, praktizieren "Soft Skills" und folgen dem Motto: "Der Klügere gibt nach." Dies scheint im Einklang mit Jesu Gebot zu stehen, unsere Feinde zu lieben und die andere Wange hinzuhalten. Doch dann begegnen wir den Worten Davids in Psalm 144: "Gelobt sei der Herr, der meine Hände kämpfen lehrt und meine Fäuste, Krieg zu führen." Diese scheinbare Diskrepanz wirft eine entscheidende Frage auf: Wie ist dies zu verstehen? Ist das Alte Testament, mit seinen scheinbar harten Lehren, noch relevant für uns heute? Die einfache Antwort ist: Ja, und zwar auf eine Weise, die unsere gesamte Existenz und das Leid in unserer Welt erklärt.

Was sagt das Alte Testament über den Abfall von Gott?
Durch den Abfall von Gott gibt es Krieg und Feindschaft, es gibt Böses. Das Alte Testament beschreibt diese Zustände, und das gilt für uns nach wie vor. Das ist die einzige plausible Erklärung für das Leid und das Chaos in unserer Welt. Das ist das Setting, in dem wir uns bewegen – und zwar auch dann, wenn wir wieder mit Gott versöhnt sind.

Viele mögen denken, dass die alttestamentlichen Vorschriften und Erzählungen für uns als Christen des Neuen Testaments nicht mehr gelten. Es stimmt, dass bestimmte rituelle Gesetze, wie die Beschneidung oder Speisevorschriften, durch das Kommen Jesu ihre Erfüllung gefunden haben und für Gläubige aus anderen Nationen nicht mehr bindend sind. Doch das Alte Testament ist weit mehr als eine Sammlung veralteter Regeln. Es ist das Fundament, auf dem das Neue Testament aufbaut, die unverzichtbare Basis, um die Welt, wie sie ist, zu verstehen. Ohne das Alte Testament bliebe das Neue Testament ein Buch ohne Wurzeln, viele seiner tiefsten Bedeutungen würden uns verschlossen bleiben. Es beschreibt die Ursprünge unserer Welt, die Gründe für ihr Leid und die ewigen Wahrheiten über die Beziehung zwischen Gott und Mensch.

Inhaltsverzeichnis

Der Sündenfall: Die Wurzel des Abfalls von Gott

Die Bibel beginnt mit der Schöpfung, einer Welt, die "sehr gut" war, und dem Menschen, der als Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Doch dann kam der entscheidende Bruch: Adam und Eva fielen von Gott ab. Ihr Wunsch, "selbst wie Gott sein zu wollen", führte zum sogenannten Sündenfall. Diese eine Tat hatte weitreichende, katastrophale Folgen für die gesamte Schöpfung. Plötzlich waren Tod und Krankheit in der Welt, Phänomene, die zuvor unbekannt waren. Der Mensch, ursprünglich in harmonischer Gemeinschaft mit seinem Schöpfer, wurde entfremdet, verlor seine innere Verbindung zu Gott. Dies ist die tiefste Ursache für die Existenz von Menschen, die Gott ihr Leben verdanken, aber nichts von ihm wissen wollen, die ohne Gott in dieser Welt leben und sich von ihm losgesagt haben.

Durch diesen Abfall von Gott entstand das Böse, der Krieg, die Feindschaft und das Chaos, das wir täglich erleben. Das Alte Testament beschreibt diese gefallenen Zustände detailliert, und diese Beschreibungen sind für uns heute noch genauso gültig und relevant wie damals. Es ist die einzig plausible Erklärung für das unermessliche Leid und die tiefgreifende Unordnung, die unsere Welt prägen. Dies ist das "Setting", in dem wir uns als Menschen bewegen – selbst dann, wenn wir persönlich wieder mit Gott versöhnt sind. Die gefallene Welt umgibt uns nach wie vor, und – was noch entscheidender ist – sie wirkt auch in uns. Auch in unserem Inneren gibt es dieses feindliche, von Gott abgefallene Element, das sich Gott nicht unterordnen will, das sich selbst behaupten möchte, das keine Lust hat zu beten und Freundlichkeit verachtet. Dieser innere Kampf ist eine direkte Folge des Sündenfalls und eine Realität, der sich jeder Mensch stellen muss.

Der Kampf in einer gefallenen Welt: Davids Lehre für uns

Psalm 144, geschrieben von König David, reflektiert diese Realität des Kampfes. Obwohl Davids Kämpfe oft buchstäblich militärischer Natur waren, gelten seine Einsichten auch für uns im übertragenen Sinne. Wir müssen in dieser Welt kämpfen. Wir können nicht erwarten, dass hier immer alles reibungslos verläuft und dass Gerechtigkeit von selbst einkehrt. Wer dies erwartet, wer glaubt, wir könnten mit ein wenig Idealismus, Vernunft und Bildung einen Himmel auf Erden schaffen, der nimmt das Böse und den Abfall von Gott nicht ernst. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir kämpfen müssen, sondern wie wir kämpfen sollen. David gibt uns hierzu entscheidende Hinweise:

1. Das Vertrauen auf Gott als Fels und Burg

David kämpft zwar, aber er vertraut nicht auf seine eigenen Waffen oder seine eigene Kraft. Sein Vertrauen gilt allein Gott: "... mein Fels, (...) meine Hilfe und meine Burg, mein Schutz und mein Erretter, mein Schild, auf den ich traue." David wirft sich mit seiner ganzen Person auf Gott, macht sich bei seinem himmlischen Vater innerlich fest. Mit dieser "Nabelschnur" nach oben, dieser tiefen, unerschütterlichen Verbindung zu Gott, geht er in die Kämpfe dieser Welt. Dies ist die grundlegende Strategie für jeden Gläubigen: Der Kampf in dieser Welt kann nicht aus eigener Kraft gewonnen werden. Wir müssen uns "oben" festmachen, außerhalb von dieser Welt, an Gott. Er ist derjenige, der uns hilft, uns schützt und der Fels ist, auf dem wir fest stehen können, selbst wenn der Boden unter uns bebt. Dieses Vertrauen ist nicht passiv, sondern die Grundlage für aktives Handeln, das von göttlicher Kraft getragen wird.

2. Das Bewusstsein der eigenen Würde

Es ist wichtig, dass wir uns unserer Würde bewusst werden. Angesichts der schieren Größe der Welt und der scheinbar übermächtigen Kräfte in ihr kann man sich manchmal klein und minderwertig fühlen. "Was kann ich schon tun?" David empfand dieses Missverhältnis ebenfalls: "HERR, was ist der Mensch, dass du dich seiner annimmst...? Ist doch der Mensch gleich wie nichts; seine Zeit fährt dahin wie ein Schatten." Diese Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit und Kleinheit ist realistisch. Doch das Erstaunliche ist, dass Gott gerade mit diesem kleinen Menschenwesen Gemeinschaft haben will, mit uns reden möchte, so wie wir wirklich sind. Gott ist so groß, dass er sich des Menschen annimmt und ihn mit einer hohen Würde begabt hat: geschaffen zum Ebenbild Gottes. Es kommt auf jede Einzelne und jeden Einzelnen an in diesem Kampf, auf jeden von uns, auf Sie und mich. Jeder Mensch hat einen unschätzbaren Wert in den Augen Gottes, und diese Würde befähigt uns, in dieser gefallenen Welt zu bestehen und einen Unterschied zu machen.

3. Unabhängigkeit von "Fremden" und falscher Moral

Drittens bittet David um Unabhängigkeit von Menschen, die Gott nicht kennen: "Erlöse mich und errette mich aus der Hand der Fremden, deren Mund Falsches redet und deren rechte Hand trügt." Mit den "Fremden" sind hier nicht etwa Ausländer gemeint, sondern jene, die Gottes Geist entfremdet sind, die unter einer völlig anderen Flagge segeln, ganz andere Ziele haben – Ziele, die ein Mensch, der mit Gott lebt, niemals akzeptieren könnte. Dies könnte sich in betrügerischen Geschäften äußern, in einer Kultur der Lüge oder in Systemen, die Ungerechtigkeit fördern. Die rechte Hand wurde zum Schwur erhoben; wenn die rechte Hand trügt, bedeutet das, dass der Schwur gebrochen, dass gelogen wurde. Ein Mensch mit einem funktionierenden Gewissen kann solche Zustände auf Dauer nicht ertragen. David sehnt sich nach einer anderen Art von Freiheit als der oft missverstandenen "Autonomie" (Freiheit vom Gesetz). Er will frei sein, sein Leben nach dem Wille Gottes auszurichten: nach Gottes Gesetz, nach der Wahrheit, nach Gerechtigkeit. David will weder von anderen abhängig noch autonom sein, sondern ganz fest mit Gott verbunden. Dies ist ein gesegnetes Leben, das sich auch positiv auf die Nachkommen auswirkt, selbst wenn es ein Leben im Kampf ist. "Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist!"

Altes Testament vs. Neues Testament: Kontinuität im Kampf

Obwohl es Unterschiede in der Anwendung bestimmter Gesetze gibt, ist die zentrale Botschaft des Alten Testaments – der Kampf gegen die Auswirkungen des Sündenfalls und das Vertrauen auf Gott – im Neuen Testament nicht aufgehoben, sondern vertieft. Die "Kämpfe" werden oft spiritueller Natur, aber die Notwendigkeit des Kampfes bleibt bestehen. Die folgende Tabelle verdeutlicht dies:

AspektAltes TestamentNeues Testament
Ursprung des BösenSündenfall (Adam & Eva)Bestätigt, Auswirkungen des Sündenfalls prägen die Welt
Art des KampfesOft physisch (Kriege, Eroberungen)Oft spirituell (gegen Sünde, Versuchung, geistliche Mächte)
Vertrauen aufGott als Krieger, Fels, SchutzGott als Vater, Heiliger Geist, Erlöser
Umgang mit FeindenOft Vergeltung, Rache (Lex Talionis)Liebe, Vergebung, Gebet für Feinde
Zweck des GesetzesGesetz zur Führung Israels, Sünde aufzeigenGesetz erfüllt in Christus, Sünde aufzeigen, zur Gerechtigkeit führen
Menschliche WürdeGeschaffen als Ebenbild GottesBestätigt, Kind Gottes durch Adoption in Christus

Häufig gestellte Fragen

Ist das Alte Testament heute noch relevant für Christen?

Ja, absolut. Das Alte Testament legt die Grundlage für das Verständnis der menschlichen Natur, des Sündenfalls, der Ursprünge des Bösen und der göttlichen Heilsgeschichte. Ohne es kann das Neue Testament nicht vollständig verstanden werden. Es zeigt die Treue Gottes und die Notwendigkeit eines Erlösers auf.

Bedeutet der "Kampf" in der Bibel immer physische Gewalt?

Nicht immer. Während David in Psalm 144 von buchstäblichen Kriegen spricht, wird der "Kampf" im Neuen Testament oft als ein innerer, spiritueller Kampf gegen Sünde, Versuchung und die Mächte der Finsternis beschrieben (z.B. Epheser 6,12). Es geht darum, gegen das Böse in der Welt und in uns selbst anzukämpfen, nicht primär mit physischer Gewalt, sondern mit geistlichen Waffen wie Gebet, Glaube und Gottes Wort.

Wie kann ich in dieser "gefallenen Welt" leben, ohne zu verzweifeln?

Indem Sie sich, wie David, fest an Gott halten. Das Bewusstsein, dass die Welt "gefallen" ist, hilft, unrealistische Erwartungen an menschliche Systeme oder die perfekte Harmonie zu vermeiden. Gleichzeitig gibt die Gewissheit, dass Gott der Fels ist, auf den wir uns verlassen können, Hoffnung und Stärke, um die Herausforderungen zu meistern und ein gesegnetes Leben zu führen, das einen positiven Einfluss auf andere hat.

Was ist der Unterschied zwischen "Autonomie" und "Freiheit in Gott"?

Autonomie bedeutet oft "Freiheit vom Gesetz" oder Selbstbestimmung ohne äußere Bindung. Freiheit in Gott hingegen ist die Freiheit, sein Leben nach dem Willen und den Prinzipien Gottes auszurichten. Es ist nicht die Abwesenheit von Regeln, sondern die Befreiung von der Sklaverei der Sünde und der Abhängigkeit von falschen menschlichen Systemen, um in Übereinstimmung mit der göttlichen Wahrheit zu leben. Diese Freiheit führt zu wahrem Frieden und einer tiefen Verbundenheit mit dem Schöpfer.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Alte Testament uns eine ungeschminkte, aber tiefgründige Perspektive auf die Realität unserer Welt bietet. Es erklärt den Ursprung des Leidens und des Bösen durch den Abfall von Gott und zeigt uns gleichzeitig den Weg, wie wir inmitten dieser Herausforderungen bestehen können: durch unerschütterliches Vertrauen auf Gott, das Bewusstsein unserer von Gott verliehenen Würde und die Sehnsucht nach einer Freiheit, die uns befähigt, nach Seinem Willen zu leben. Davids Gebet ist somit nicht nur ein Echo aus ferner Vergangenheit, sondern ein zeitloses Zeugnis für den Kampf des Gläubigen in einer gefallenen Welt und die Quelle seiner Stärke und Hoffnung.

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