19/03/2022
In unserem Leben suchen wir oft nach Orientierung, nach Persönlichkeiten, die uns durch ihr Handeln und ihre Haltung inspirieren. Im Bereich des Glaubens bietet uns die Bibel eine Fülle solcher Vorbilder, deren Geschichten uns nicht nur faszinieren, sondern auch tiefgreifende Lektionen für unser eigenes Vertrauen in Gott bereithalten. Der Jakobusbrief ermutigt uns ausdrücklich: „Nehmt zum Vorbild des Leidens und der Geduld die Propheten.“ (Jakobus 5,10). Doch wie werden diese historischen Figuren zu Wegweisern für uns heute? Und wie wird Jesus Christus, das Zentrum unseres Glaubens, selbst zum ultimative Vorbild, das uns alle anderen Beispiele erst richtig verstehen lässt?
Die Bibel ist reich an Berichten über Menschen verschiedenster Herkunft und Lebenswege. Einerseits zeigt sie uns, wie Gott mit Menschen umgeht, offenbart uns seinen Charakter und seine Prinzipien. Andererseits berichtet sie, wie Menschen auf Gottes Erwartungen und Forderungen reagiert haben. Gerade hier finden wir Erstaunliches: Menschen zeigen eine Stärke des Glaubens, die wir kaum jemandem – und schon gar nicht uns selbst – zutrauen würden. Diese Berichte sind uns gegeben, damit uns klar wird, was Glauben wirklich vermag. Sie sollen uns anregen, ihnen nachzueifern. Es geht dabei nicht darum, genau die gleichen Taten zu vollbringen, sondern in der gleichen Gesinnung zu handeln. Glauben bedeutet ja nichts anderes, als dass wir Gott vollkommen vertrauen. Wenn wir das tun, kann er auch uns zu Handlungen befähigen, die wir selbst nicht für möglich gehalten hätten. So können wir, wenn auch in einem ganz anderen Rahmen, selbst zu Vorbildern im Glauben für andere werden. Dass uns Vorbilder anregen sollen, ihnen im Glauben nachzueifern, geht klar aus der Bibel hervor. So heißt es im 1. Thessalonicherbrief 1,7 von der dortigen Gemeinde: „Ihr seid ein Vorbild geworden allen Gläubigen.“ Und im Philipperbrief 3,17 stellt sich der Apostel Paulus selbst als Vorbild dar: „Folget mir, liebe Brüder… wie ihr uns habt zum Vorbild.“ Es ist also biblisch und gottgewollt, dass wir uns am Glauben anderer Gläubiger orientieren, davon lernen und ihnen nacheifern. Betrachten wir vier besondere Glaubensäußerungen, die uns Bedeutendes lehren können.

Abraham: Der Vater des Glaubens und das unbedingte Vertrauen
Der erste, der uns als Vorbild im Glauben dienen soll, ist Abraham. Er wird zu Recht von vielen Bibelauslegern als der „Vater des Glaubens“ bezeichnet. Was war nun das Besondere am Glauben Abrahams? Etwas, das erst im Bezug zu unserer Glaubensgrundlage auffällig wird. Wir glauben und vertrauen Gott meist deshalb, weil wir eine „Wolke von Zeugen“ haben. Unzählige Menschen sind seit der Heilsgeschichte, die mit Abraham begann, zum Glauben gekommen. Sie alle sind eine Garantie für uns, dass man diesem Gott vertrauen kann, selbst wenn wir über diese Menschen nichts weiter wissen, als dass sie ein Leben lang an diesen Gott geglaubt haben. Dann haben wir die Bibel, die uns in zahllosen Beispielen Gottes Handeln in Liebe und Barmherzigkeit vor Augen stellt. Und wir wissen um das große Opfer Gottes, dass er seinen Sohn Jesus Christus für uns am Kreuz in den Tod gab. Es ist wahrlich kein Verdienst, diesem Gott zu vertrauen bei so vielen Beweisen seiner Vertrauenswürdigkeit. Fast zwei Milliarden Menschen bekennen sich in unserer Zeit zum Christentum, bekennen also, dass sie diesem Gott vertrauen.
Bei Abraham war es ganz anders. Er hatte keine Bibel, er kannte kein gläubiges Volk. Er kam aus Mesopotamien, einem Land, in dem man mehrere Götzen anbetete und einem besonderen Sternenkult huldigte, wo man von dem lebendigen, wahren Gott wohl nichts wusste. Zwar ist Abraham ein Nachkomme Noahs und dessen Sohn Sem, aber von ihnen trennen ihn einige Hundert Jahre. Und selbst wenn er aus der Überlieferung von der Sintflut Kenntnis hatte, dürfte das seinen Glauben an diesen Gott kaum gestärkt haben. Von wahrer Gotteserkenntnis dürfte Abraham nichts gewusst haben, denn von seinem Vaterhaus wird berichtet, dass man den Götzen diente. Der Gott, der mit Abraham sprach, dürfte für diesen ein unbekannter Gott gewesen sein. Und dieser Gott spricht – wir wissen nicht auf welche Art und Weise – den Abraham an:
„Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen werde.“ (1. Mose 12,1)
Dann folgt eine Segensverheißung, und dann heißt es fast lapidar weiter:
„Da zog Abram aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte.“ (1. Mose 12,4)
Man bedenke, was hier geschehen ist: Ein dem Abraham fremder Gott spricht ihn an und verlangt von ihm, dass er seine Heimat, seine Verwandtschaft, sein bisher gewohntes Leben verlässt und in ein Land ziehen soll, „das er – Gott – ihm zeigen wird“. Das heißt, er soll in eine unbekannte und ungewisse Zukunft ziehen. Und Abraham geht, ohne Nachfrage, ohne Diskussion, ohne Zweifel, ohne Bedingungen zu stellen. Er lässt alles los, um diesem Gott zu gehorchen! Welch ein Glaube, welch ein unbedingtes Vertrauen! Hier ist uns dieser Mann wirklich ein Vorbild ersten Ranges.
Und später, als Gott verlangt, dass er auch sein Bestes, seinen einzigen Sohn, der zudem noch Gottes Verheißung für ein großes Volk war, opfern soll, ist Abraham auch dazu bereit. Gott duldet schließlich dieses Opfer nicht, aber Abraham war bereit, es zu bringen. Denn er war durch seinen Glauben, also in seinem Vertrauen zu Gott, überzeugt, dass Gott seinen Sohn aus dem Tode erretten würde. Wer von uns ist oder war jemals bereit, um Gottes Willen alles zu verlassen, alles loszulassen? Wer ist bereit, um Gottes Willen auch das Beste und Einzige zu geben, wenn Gott es fordert? Meist haben wir Angst, Gottes Forderungen zu erfüllen, weil wir viele Wenn und Aber haben, aber oft keinen Glauben wie Abraham. Dabei lässt Gott sich nichts schenken. Aber natürlich gibt es auch in unserer Zeit Menschen, die Ungewöhnliches im Glauben an Gott getan haben.
Ein Beispiel: Als vor Jahren eine christliche Stiftung gegründet wurde, um bedürftigen Menschen helfen zu können, brauchte man Geld, um ein Haus für diese Arbeit zu kaufen. Ein Ehepaar mit vier Kindern, das ein Haus besaß, kam eines Tages und erklärte, dass sie ihr Haus verkauft hatten und das Geld für die Stiftung zur Verfügung stellen wollten. Man wollte das gar nicht annehmen, schließlich, so sagte man, müsst ihr an eure Kinder denken und an ihre Zukunft. Aber sie bestanden darauf, weil sie sich von Gott geführt wussten. Dieses Geld ist zum Segen für viele geworden, und ihre Kinder, die sich damals alle in schwierigen Entwicklungsphasen befanden, haben alle eine gute Entwicklung genommen und arbeiten zum Teil, wie auch die Eltern, bis heute in einem gesegneten christlichen Werk. Sie haben ihr Opfer nie bereut. Ein Ausleger schreibt zu solchen Situationen: „Christen sollten bedenken, dass sie kein Recht haben, danach zu fragen, wohin sie gehen sollen. Den meisten gläubigen Menschen fehlt es an Wagemut. Sie leben nach dem Motto: Safety first! Wer ein christliches Leben führen will, bedarf einer gewissen sorglosen Bereitschaft zum Wagnis. Glaube ohne Risiko ist kein Glaube. Glaube, vor dem jeder Schritt des Weges erkennbar liegt, ist kein Glaube. Christen müssen zuweilen den rechten Weg einschlagen, den Weg, auf den sie Gott ruft, ohne zu wissen, welche Folgen ihr Schritt haben wird.“
Vielleicht müssen wir an dieser Stelle einige Einwände ausräumen, die nicht nur im Bezug auf Abraham gemacht werden, sondern oft grundsätzlich, wenn es um Vorbilder im Glauben geht. Man argumentiert dann gern: das waren eben ganz besonders begnadete Menschen. Aber nicht nur von Abraham wird gesagt, dass er kein fleckenloser Held war, sondern ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. So verleugnete er aus Furcht um sein Leben zweimal seine Frau Sara. Von Elia, dem Propheten, auf dessen Gebet hin Wunder geschahen, wird gesagt: Er war ein schwacher Mensch wie wir. Es war bei ihnen nicht anders als es bei uns sein wird, wenn wir für Gott eintreten sollen: es ist immer wieder ein sich Überwinden und Durchringen im Einzelfall. Abraham hat Höhen und Tiefen des Glaubens erlebt, aber eben auch Höhen, und im entscheidenden Moment hat er nicht versagt. Wenn etwas Ähnliches doch auch von uns einmal gesagt werden könnte!
Allerdings hatte Abraham schon ein außergewöhnliches Erlebnis, das ihm half, diesem Gott zu vertrauen. Nun, Abraham hatte ein besonderes Gotteserlebnis: Gott redete mit ihm! Das heißt letztlich: Gott offenbarte sich ihm. Wenn aber Gott sich einem Menschen offenbart und dieser ein ehrlicher und offener Charakter ist, dann bewirkt diese Offenbarung, dass der Betreffende Gott erkennt. Das heißt, dass er in Herzen und Verstand begreift, dass dieser Gott ein allmächtiger, barmherziger und liebender Gott ist und dass er deshalb diesem Gott vorbehaltlos glauben, also ihm vertrauen kann. So war es sicherlich auch bei Abraham.
Die Drei Männer im Feuerofen: Bedingungslose Treue
Beim zweiten Vorbild im Glauben geht es gleich um drei Männer, deren Namen uns wahrscheinlich wenig geläufig sind, deren Tat aber desto mehr. Ich meine die Drei Männer im Feuerofen, mit Namen: Schadrach, Meschach und Abed-Nego, drei Israeliten, Freunde des Daniel, die im Zuge einer Kriegsbeute in das Land des Königs Nebukadnezars verschleppt worden waren. Dieser König ließ einen Götzen verehren und hatte ein riesiges Standbild aus Gold machen lassen, vor dem alle, wenn ein bestimmtes Signal ertönte, anbetend niederfallen mussten. „Wer aber dann nicht niederfällt und anbetet, der soll sofort in den glühenden Ofen geworfen werden“, so heißt es im Buche Daniel 3,6.
Diese drei Männer, die gläubige Israeliten waren und nur den lebendigen Gott anbeteten, verweigerten dem Bild und dem König die Ehre. Das wurde dem König gemeldet, und der König, der die drei Männer, die in seinen Diensten standen, durchaus zu schätzen wusste, gab ihnen eine zweite Chance. Es sollen noch einmal die Instrumente als Signal erschallen, dann habt ihr noch einmal Gelegenheit, eure Treue zu mir zu zeigen, indem ihr doch noch niederfallt und das Götterbild anbetet. Wenn nicht, werdet ihr sofort in den glühenden Ofen geworfen werden. „Lasst sehen, wer der Gott ist, der euch aus meiner Hand erretten könnte“, beendete Nebukadnezar seine Ansprache.
Wie reagierten die drei Männer darauf? Wollen wir den Bibeltext sprechen lassen:
„Da fingen die drei Männer an und sprachen zum König: Es ist nicht nötig, dass wir dir darauf antworten. Wenn unser Gott, den wir verehren, will, so kann er uns erretten, aus dem glühenden Ofen und aus deiner Hand, o König, kann er uns erretten. Und wenn er es nicht tun will, so sollst du dennoch wissen, dass wir deinen Gott nicht ehren, und das goldene Bild, das du hast aufrichten lassen, nicht anbeten wollen.“ (Daniel 3,16-18)
Wir wissen heute, wie die Sache ausging, die drei Männer damals nicht. Was mich bei diesen drei Männern von ihrem Glauben her besonders beeindruckt, ist dies: Sie stehen zu ihrem Gott. Ihre Treue zu ihm machen sie nicht davon abhängig, ob er sie errettet. Sie erkennen die völlige Souveränität Gottes an. „Wenn Gott will, kann er uns erretten, wenn er es nicht tun will, wollen wir dennoch deinen Gott nicht anbeten“, ist ihre Erklärung. Sie zeigen eine voraussetzungslose Treue. Gott nimmt auch in diesem Fall ihr Opfer nicht an, sie werden auf wunderbare Weise errettet. Sie machen zwar nicht vor ihrer Entscheidung eine außergewöhnliche Gotteserfahrung, aber in ihrer Not ist Gott für sie da und errettet sie. Diese Erfahrung können auch wir machen, wenn wir im Namen Gottes ihm dienen.
Welch ein Glaube, welch eine Treue zu Gott. Sie machen ihre Liebe und Treue zu Gott nicht von Gottes Hilfe abhängig. Und dabei geht es schließlich um ihr Leben! Sie stehen zu Gott und lieben und vertrauen ihm voraussetzungslos, einfach weil er Gott ist, der Gott, der sie geschaffen hat und der deshalb uneingeschränkte Verfügungsgewalt über sie, also auch über ihr Leben, hat. Fragen wir uns, ob wir etwas Ähnliches in unserem Glaubensleben kennen. Natürlich werden wir, Gott sei Dank, nicht mit solch schweren Entscheidungen konfrontiert werden. Aber es geht ja, vom Vorbild her gesehen, nur ums Prinzip. Sind wir bereit, voraussetzungslos zu Gott zu stehen, ihn zu bezeugen, auch wenn das Nachteile für unser Leben bedeutet? Und wobei, wie bei diesen Männern, nichts von Fanatismus zu spüren ist, sondern nur eine nüchterne Entscheidung sichtbar wird.

Wie wunderbar, dass Gott zu ihrem Glauben steht. Siebenmal so heiß wie gewöhnlich ist der Feuerofen, so heiß, dass die Männer, die sie in den Ofen werfen, von der Hitze getötet werden. Aber die Männer bleiben unversehrt, ein vierter „Mann“, ein Engel offensichtlich, beschützt sie vor dem Feuertod. Das Zeugnis ist so gewaltig, dass sogar der mächtige heidnische König diesen Gott anerkennt und sogar ein Gebot erlässt, dass alle Menschen in seinem Reich diesen Gott anbeten müssen. Wiederholen wir es noch einmal: Das Faszinierende, das Besondere dieses Glaubens ist, diese Männer bezeugen ihren Gott, selbst da, wo es um ihr Leben geht, unabhängig davon, ob Gott sie retten wird oder nicht. Und damit sind sie solch ein gewaltiges Zeugnis, dass selbst der heidnische König ihren Gott anerkennen muss. Wie oft könnten wir ein Zeugnis sein für unseren Gott, ohne Mühe, ohne Gefahr, und wie oft sind wir es trotzdem nicht?
Diese drei Männer im Feuerofen hatten vor ihrem gewaltigen Glaubensschritt keine außergewöhnliche Gottesoffenbarung. Aber zweifellos hatten sie das erlebt, was wir eben unter allgemeiner Gotteserfahrung ausgeführt hatten. Sie waren tief gläubige Israeliten, fromm erzogen und hatten für sich die Entscheidung getroffen, ihrem Gott ganz und absolut zu dienen. Das ist für uns alle ein Beispiel, die wir schon länger im Glauben sind. Haben wir nicht vielfach schon Gottes Gegenwart und Hilfe erfahren? Und vielleicht möchte Gott uns auch gebrauchen zu irgendeinem Dienst. Vielleicht wäre es wertvoll, wenn wir auf Grund dieses Vorbildes uns heute neu entscheiden würden, Gottes Willen zu tun, was auch kommen mag.
Maria, die Mutter Jesu: Hingebungsvoller Gehorsam
Das dritte Vorbild ist Maria, die Mutter Jesu. Versetzen wir uns einmal in ihre Situation. Ein junges, frommes, unerfahrenes Mädchen mit gutem Ruf, verlobt mit einem aufrichtigen Mann, das ein normales, gutes, glückliches Leben in bürgerlicher Umgebung zu erwarten hatte. Zu ihr kommt ein Engel des Herrn und macht ihr, sehen wir es einmal nüchtern, ein unmögliches Angebot. Sie soll ein Kind gebären, das sie ohne einen Mann, auf eine, für jeden normal denkenden Menschen unglaubwürdige Art und Weise, empfangen soll. Ein Kind, von Gott im Heiligen Geist gezeugt, das der Sohn Gottes selbst sein soll.
Wer würde ihr das glauben? Selbst Josef, ihr Verlobter, glaubt ihr erst nach einer göttlichen Offenbarung. Und diese einfache Frau hat auf das Ansinnen Gottes keine andere Frage als die: „Wie soll das geschehen?“ Und antwortet dann, nachdem der Engel ihr offenbart hat, wie es geschehen soll, ohne Bedenkzeit, fast spontan: „Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.“ (Lukas 1,38). Maria trifft eine Entscheidung gegen ein normales, glückliches Leben, und entscheidet sich für ein Leben in Angst und Leid. Wir denken an die Flucht nach Ägypten und was sie mitgemacht haben muss, als Jesus am Kreuz hing. Aber anders ausgedrückt: sie entschied sich für ein Leben im Willen Gottes, gekennzeichnet durch hingebungsvollen Gehorsam. Was wäre mit Gottes Heilsplan geschehen, hätte Maria „nein“ gesagt? Hätte er eine andere Frau gefunden?
Wie oft mag Gott in unseren Tagen ausschauen nach Männern und Frauen, die bereit sind, ein Leben nicht nach eigenen Vorstellungen zu führen, sondern nach dem Willen Gottes, auch wenn das Opfer kostet und es das normale Leben total umkrempelt. Würde Gott öfter solche Menschen finden, in den Gemeinden und Kirchen würde es anders aussehen. Wie oft scheitern selbst kleine Dienste in der Gemeinde, die nur geringe Einschränkungen mit sich bringen, weil niemand bereit ist, das auf sich zu nehmen. Wir werden sicher auch hier fragen, wie konnte Maria so schnell diese für sie so schwerwiegende Entscheidung treffen? Gut, sie hatte eine Engelserscheinung, eine außergewöhnliche Gottesoffenbarung. Aber wir haben schon ausgeführt, dass das in keinem Fall die ausschlaggebende Rolle gespielt haben kann. Ich kann mir nur vorstellen, dass sie eine außergewöhnliche Liebe zu ihrem Gott gehabt haben muss. Außergewöhnliche Liebe befähigt auch zu außergewöhnlichen Taten. Dafür ist uns unser Herr Jesus, der nur aus reiner Liebe zu uns an das Kreuz gegangen ist, das beste Vorbild!
Stephanus, der Märtyrer: Geborgenheit im Leiden und Vergebung
Die letzte Person, die wir als Vorbild im Glauben betrachten wollen, ist Stephanus, der Märtyrer. Von ihm wird uns in der Apostelgeschichte berichtet (Kapitel 6 + 7). Er war offensichtlich durch den Dienst der ersten Apostel zum Glauben gekommen. Bei ihm muss die Erkenntnis Gottes in Jesus besonders ausgeprägt gewesen sein. Er war in seinem Glaubensleben ein ganz außergewöhnlicher Mann. Als in der Gemeinde zu Jerusalem Männer für einen diakonischen Dienst berufen werden sollen, ist Stephanus dabei. Von ihm wird gesagt, dass er voll des Heiligen Geistes war. Und er nahm nicht nur diakonische Aufgaben wahr, sondern er evangelisierte, tat große Zeichen und Wunder in der Stadt. Aber Widersacher des Evangeliums kauften falsche Zeugen, die Stephanus der Gotteslästerung beschuldigten und es soweit brachten, dass er gesteinigt wurde.
Stephanus wird nicht, wie bei unseren anderen Vorbildern im Glauben, letztlich vor dem Schlimmsten bewahrt. Er muss den bitteren Weg in den Tod für seinen Glauben, für seinen Gott, für Jesus gehen. Aber gerade durch seinen Tod wird er uns nicht nur zu einem außergewöhnlichen Vorbild des Glaubens, sondern durch sein Leiden erfahren wir, dass Gottes Hilfe und Beistand nicht aufhören, wenn ein Mensch für seinen Gott in den Tod geht. Als er in einer Predigt sein Zeugnis von Gott und Jesus abgibt, werden die Widersacher so sehr in ihren Herzen getroffen, dass sie die Steinigung beschließen. Daraufhin geschieht etwas Ungewöhnliches. Lassen wir am besten die Bibel selbst sprechen:
„Stephanus sprach: Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen.“ (Apostelgeschichte 7,55)
Dann prasseln die Steine auf ihn nieder. Und unter dem Steinhagel betet er:
„Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Er kniete aber nieder und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Und als er das gesagt, entschlief er.“ (Apostelgeschichte 7,59-60)
Was erkennen wir an diesem ergreifenden Geschehen? Hier ist ein Mensch, der etwas unvorstellbar Schreckliches erlebt und sich dennoch vollkommen geborgen weiß in seinem Gott. Er sieht den Himmel offen, hat im Sterben eine überwältigende Gottesoffenbarung und wird fähig, seinen Mördern zu vergeben. Was bedeutet das, wenn es heißt: „Und als er das gesagt, entschlief er“? Das ist das Unbegreifliche: Stephanus, der gesteinigt wird, stirbt keinen entsetzlichen Tod: er entschlief, heißt es ausdrücklich. Das deutet ganz klar auf eine vollkommene Geborgenheit im Leiden und Bewahrung in Schmerzen und Tod hin. Wenn wir das Letzte durchstehen müssen, den Tod, heißt das nicht, dass der Tod wirkliche Gewalt über uns hätte. Der Gläubige ist auch in dieser letzten Not nicht allein. Er ist geborgen in Jesu Hand. Das wird uns am Leiden und Sterben des Stephanus ganz deutlich. Seine Fähigkeit zur Vergebung inmitten des Schmerzes spiegelt die Vergebung wider, die Jesus selbst am Kreuz zeigte: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lukas 23,34).
Gemeinsame Lektionen aus den Vorbildern des Glaubens
Kommen wir zum Schluss. Was wäre abschließend noch zu unserem heutigen Thema „Vorbilder im Glauben“ zu sagen? Vielleicht wird jemand einwenden, dass es sehr extreme Beispiele waren. Das stimmt. Warum habe ich gerade diese gewählt? Nun, einmal wollte ich aufzeigen, was Glaube auch gerade im Extremfall vermag. Was ich nicht wollte: Angst machen, dass wir von Gott in Situationen hineingenommen werden könnten, denen wir nicht gewachsen sind. Diese Sorge brauchen wir nicht zu haben. Gott weiß genau, was er mir und dir zumuten kann.
Oft wird gefragt, ob diese Personen nicht irgendwie besonders veranlagt waren, vielleicht mit einer genetischen Besonderheit, die wir nicht haben. Die Bibel bestätigt das nicht. Zwar hatte Abraham ein außergewöhnliches Erlebnis, das ihm half, diesem Gott zu vertrauen. Aber wie wir gesehen haben, gilt das nicht nur für die hier dargestellten Personen, sondern für uns alle, die wir uns Gläubige nennen dürfen. Die einzige Voraussetzung dafür ist, dass man ein ehrlicher und wahrhaftiger Charakter ist. Denn kein Mensch kann von sich aus Gott erkennen und aus eigener Kraft zum Glauben, zum völligen Vertrauen zu Gott kommen. Allerdings spielt sich diese Offenbarung in der Regel nicht so spektakulär ab wie bei Abraham oder Paulus. Aber wissen wir, die wir Christen geworden sind, nicht um eine Stunde, wo wir plötzlich erkannten: Dieser Herr ist vertrauenswürdig. Diesem Jesus will ich vertrauen. Und haben wir dann, wenn wir Schuld und Sünde unters Kreuz gebracht haben, nicht Friede und Freude erlebt? Was ist das anderes als ein Gotteserlebnis? Deshalb dürfen wir davon ausgehen, dass auch wir für besondere Taten von Gott gebraucht werden können. Ob er uns dazu beruft, ist aber alleine seine Sache.
Außerdem wollen wir bedenken, was Glaube wirklich bedeutet. Es heißt nicht nur, dass wir Gott vertrauen und dann gewissermaßen alles stoisch über uns ergehen lassen. Glaube bedeutet vielmehr, dass durch Gottes Geist in uns Kräfte frei werden, die uns zu ungewöhnlichen Taten befähigen. Das heißt im Endeffekt, dass nicht wir es tun, sondern dass Gott es durch uns tut. Wir sind dann letzten Endes Werkzeug in Gottes Hand. Ein Werkzeug wird gebraucht. Es braucht sich nicht zu sorgen, ob es richtig angewandt wird, ob es gut genug ist für diese Arbeit. Das bestimmt der Meister, es ist ja in des Meisters Hand.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Glaubensvorbilder
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Sind biblische Glaubensvorbilder unerreichbar für uns heute? | Nein, ihre Geschichten sollen uns ermutigen und inspirieren. Gott weiß, was er uns zumuten kann, und befähigt uns für die Aufgaben, zu denen er uns ruft. Es geht nicht darum, ihre genauen Taten zu kopieren, sondern ihre Gesinnung des Vertrauens und Gehorsams zu entwickeln. |
| Wie kann ich einen solch starken Glauben entwickeln? | Glaube beginnt mit der Erkenntnis Gottes, die oft durch Reue und Buße zu Jesus Christus führt. Er wächst durch tägliches Vertrauen, Gehorsam gegenüber Gottes Wort und die Bereitschaft, sich von Gottes Geist leiten zu lassen, auch wenn der Weg unbekannt ist. |
| Was ist der Unterschied zwischen dem Nachahmen von Taten und dem Handeln in gleicher Gesinnung? | Das Nachahmen von Taten würde bedeuten, dass wir versuchen, dieselben äußeren Handlungen zu vollziehen, was oft unmöglich oder irrelevant ist. Das Handeln in gleicher Gesinnung bedeutet, den gleichen Geist des Vertrauens, der Liebe, des Mutes und des Gehorsams zu entwickeln, der unsere Vorbilder motivierte. |
| Warum werden neben Jesus noch andere Personen als Glaubensvorbilder genannt? | Die anderen biblischen Vorbilder zeigen uns, wie der Glaube in verschiedenen menschlichen Situationen und durch unvollkommene Menschen gelebt werden kann. Sie sind Beispiele dafür, wie Gott gewöhnliche Menschen gebraucht. Jesus ist jedoch das vollkommene und ultimative Vorbild, da er Gottes Charakter perfekt widerspiegelt und durch sein Opfer den Weg zum Glauben erst ermöglicht hat. Alle anderen Vorbilder weisen letztlich auf Ihn hin. |
Darum, was auch kommen mag, wir sind geborgen in Jesu Hand. Wenn er besondere Taten von uns erwartet, wird er uns dazu die Kraft geben. Und wenn er uns dazu berufen hat, ganz einfach und unspektakulär in der Gemeinde für ihn zu leben, dann dürfen wir auch dafür dankbar und darin zufrieden sein. Entscheidend ist allein, dass wir im Willen Gottes bleiben.
Amen
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