13/11/2022
Wie reagiert Jesus auf die Sünden der Menschen? Diese tiefgreifende Frage findet eine erschütternde und zugleich erhabene Antwort in jenen Stunden, die unser Herr im Garten Getsemani verbrachte. Es war die von Gott bestimmte Stunde, in der die Menschheit von der Knechtschaft der Sünde erlöst werden sollte. In diesem heiligen Olivenhain, unter unvorstellbarem Leiden, das seinen Schweiß in Blut verwandelte, bejahte Jesus freiwillig und hingebungsvoll das Opfer, das der Vater von ihm erwartete. Dieses Ereignis, das den Kern unseres Glaubens bildet, ist nicht nur ein historisches Geschehen, sondern ein ewiger Aufruf zur Umkehr, zur Hingabe und zur tiefen Verbundenheit mit dem göttlichen Willen. Es ist ein Moment, der uns lehrt, wie die größte Last der Sünde durch die reinste Liebe überwunden wird.

Die Evangelienberichte geben uns einen detaillierten Einblick in diese schicksalhaften Stunden. Nach Beendigung des Letzten Abendmahls zog sich der Herr zurück. Es war seine Gewohnheit, sich zum Ölberg zu begeben, oft auf die andere Seite des Baches Kidron, einem trockenen Flussbett, das nur im Winter Wasser führt. Dort, an einem Ort namens Getsemani, einem Namen, der übersetzt „Olivenpresse“ bedeutet, suchte er die Einsamkeit und die Nähe seines Vaters im Gebet. Dieser Garten, bekannt für seine Olivenbäume und eine Presse, befand sich außerhalb der Stadtmauern Jerusalems, im Osten der Stadt, am Weg nach Bethanien. Es war ein vertrauter Ort, an dem sich der Herr oft mit seinen Jüngern aufhielt, ein Ort der Ruhe und des Lehrens, der nun zum Schauplatz seiner größten inneren Qual werden sollte.
Getsemani: Ein Ort der Entscheidung und des Leidens
Der Garten der Olivenpresse
Der Ort Getsemani war den Jüngern und auch den Bewohnern Jerusalems wohlbekannt. Seine Lage am Fuße des Ölberges, nur wenige Meter vom Kidrontal entfernt, machte ihn zu einem idealen Rückzugsort. Die ersten Christen hielten die Erinnerung an diesen Ort, wo entscheidende Ereignisse unserer Erlösung stattfanden, besonders wach. Die Bedeutung des Namens „Getsemani“ als „Olivenpresse“ ist symbolträchtig: Hier wurde Jesus, wie Oliven in einer Presse, bis aufs Äußerste gequetscht und litt, um das „Öl“ der Erlösung für die Menschheit hervorzubringen. Es ist ein Ort, der die Dualität von tiefer menschlicher Angst und göttlicher Entschlossenheit in sich vereint.
Im Ölgarten, kurz vor der Passion, die durch den Verrat des Judas ausgelöst wird, verspürt Christus das tiefe Bedürfnis zu beten. Er nimmt Petrus, Jakobus und Johannes mit sich, die ihm am nächsten standen, und bittet sie: „Setzt euch hier hin, während ich bete.“ Doch dann beginnt er zu zittern und empfindet eine Todesangst, die über jedes menschliche Maß hinausgeht. Er offenbart seinen Jüngern die Tiefe seiner Qual: „Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht.“
Die Agonie Christi: Gebet im Angesicht des Todes
Jesus entfernte sich ein wenig von seinen Jüngern und warf sich zu Boden. Sein Gebet war ein inständiges Flehen zum Vater, dass, wenn es möglich sei, diese Stunde an ihm vorübergehen möge. Mit den Worten: „Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“, offenbarte er seine tiefe menschliche Angst und gleichzeitig seine vollkommene Hingabe an den göttlichen Plan. Diese Worte sind der Kern von Jesu Reaktion auf die Sünden der Menschen: Er nimmt die Bürde freiwillig auf sich, aus Liebe und Gehorsam.
Die Todesangst Jesu war so immens, dass ein Engel vom Himmel kam, um ihn zu trösten. Lukas berichtet, dass ihn diese Todesangst so überfiel, dass er nur noch inständiger betete und sein Schweiß war wie Blutstropfen, die zur Erde fielen. Dieser körperliche Ausdruck extremster psychischer Belastung, bekannt als Hämatidrose, unterstreicht die Schwere des Leidens, das Jesus für die Sünden der Welt auf sich nahm. Im krassen Gegensatz dazu steht das Verhalten der Jünger. Als Jesus vom Gebet zurückkehrt, findet er sie schlafend, überwältigt von Traurigkeit. Er ermahnt sie: „Wie könnt ihr schlafen? Steht auf und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt.“ Dreimal kehrte der Herr zu seinen Begleitern zurück, jedes Mal fand er sie vom Schlaf übermannt. Schließlich war die Stunde gekommen: „Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Es ist genug. Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern überliefert. Steht auf! Wir wollen gehen. Seht, der Verräter, der mich ausliefert, ist da.“ Noch während er redete, kam Judas mit einer bewaffneten Schar. Mit einem Kuss verriet er den Herrn, der gefangen genommen wurde. Die Jünger aber verließen ihn und flohen, und Jesus war allein mit der Last der Welt.
Die spirituelle Tiefe von Jesu Gebet
Das Vorbild des Gebets für uns Gläubige
Das Gebet Jesu in Getsemani ist weit mehr als nur ein Bericht über seine letzten Stunden; es ist eine tiefgehende Lehre für uns alle. Der Katechismus der Katholischen Kirche (2607) hält fest: „Wenn Jesus betet, lehrt er uns schon beten.“ Jesus, unser Vorbild, ermahnt uns, im Gebet auszuharren, genau wie er es von Petrus, Jakobus und Johannes forderte. Er nimmt sie mit und bittet sie, mit ihm zu wachen, denn er weiß um die Versuchungen, denen sie ausgesetzt sein werden. Seine Worte „Betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet“ sind eine zeitlose Mahnung an uns alle. Die Erkenntnis, dass selbst die engsten Begleiter Jesu im entscheidenden Moment einschliefen, sollte uns demütig machen und uns ermutigen, unsere eigene Gebetsdisziplin zu hinterfragen. Wie der heilige Josefmaria Escrivá in „Der Rosenkranz“ (1. Geheimnis des schmerzreichen Rosenkranzes) schreibt: „Petrus ist eingeschlafen. – Und die anderen Apostel auch. – Und auch Du bist eingeschlafen mein Kind und Freund… und auch ich war ein schläfriger Petrus.“ Dies zeigt, wie universell die Herausforderung ist, im Gebet wachsam zu bleiben.
Jesus, allein und traurig, leidet und tränkt die Erde mit seinem Blut. Auf dem harten Boden kniend harrt Er aus im Gebet. Er weint um dich… und um mich: Die Sünden der Menschen lasten schwer auf ihm. Es gibt keine Entschuldigung dafür, sich dem Schlaf zu überlassen. Wir alle sind fähig, mit mehr Einsatz zu beten – ja, wir sollten beten, denn wir sind auf der Welt, um Gott zu lieben, ihn zu verehren, ihm zu dienen und nachher in der Ewigkeit uns an Gottes Anblick zu erfreuen. Und was bedeutet beten? Javier Echevarría erklärt in „Getsemani: Im Gebet mit Jesus Christus“ (S. 12): „Es ist einfach ein Sprechen mit Gott mit Hilfe mündlicher Gebete oder in Form der Betrachtung. Die Entschuldigung, dass wir uns darauf nicht verstehen oder dabei müde werden, gilt nicht.“ Mit Gott zu sprechen, von Ihm zu lernen, besteht darin, Ihn anzuschauen, Ihm unser Leben zu erzählen: von unserer Arbeit, unseren Freuden, unseren Schmerzen und Müdigkeit. Wir besprechen mit Ihm unsere Reaktionen und Versuchungen. Wenn wir Ihm zuhören, hören wir, wie Er uns nahelegt, etwas beiseitezulassen, vielleicht herzlicher zu sein, besser zu arbeiten, mehr den anderen zu dienen, von niemandem schlecht zu denken, aufrichtig und feinfühliger im Reden zu sein. Das Gebet ist der Schlüssel zur Umwandlung unseres Willens und zur Annäherung an Gott.
Die Last der Sünden und die göttliche Hingabe
Benedikt XVI. bezog sich in einer Audienz vom 1. Februar 2012 auf das Gebet Jesu im Ölgarten und bemerkte, dass wir Christen die Fähigkeit besitzen, eine immer sich steigernde Vertrautheit mit Gott im Gebet zu suchen, die aus der Erde einen Vorgeschmack des Himmels macht. „Jeden Tag bitten wir im Gebet des Vaterunser den Herrn: »Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden« (vgl. Mt 6, 10). Das heißt, wir erkennen, dass es einen Willen Gottes mit uns und für uns gibt, einen Willen Gottes für unser Leben, der jeden Tag immer mehr zum Bezugspunkt unseres Willens und unseres Seins werden muss.“ Getsemani lehrt uns die tiefste Form der Hingabe: die eigene Angst und den eigenen Willen dem göttlichen Willen unterzuordnen. Jesu Gebet in jener schrecklichen und wunderbaren Nacht in Getsemani machte die „Erde“ zum „Himmel“; der „Erde“ seines menschlichen Willens, der von Furcht und Angst erschüttert war, wurde in seinen göttlichen Willen hineingenommen, so dass der Wille Gottes sich auf der Erde erfüllte. Dies ist auch in unserem Beten wichtig: Wir müssen lernen, uns der göttlichen Vorsehung stärker anzuvertrauen, Gott um die Kraft bitten, aus uns selbst herauszukommen, um Ihm gegenüber unser „Ja“ zu erneuern, um Ihm immer wieder zu sagen: „Dein Wille geschehe“, um unseren Willen dem Seinen anzugleichen.
| Aspekt | Jesu Reaktion | Lehre für uns |
|---|---|---|
| Angst & Leid | Empfindet Todesangst, Schweiß wie Blutstropfen, fleht zum Vater. | Erlaubnis, unsere Ängste vor Gott zu bringen; Echtheit des Gebets. |
| Wille | „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ | Aufruf zur Hingabe und Ausrichtung unseres Willens am göttlichen Willen. |
| Gebet | Inständiges, ausdauerndes Gebet auf Knien. | Die Notwendigkeit beharrlichen und wachsamen Gebets, besonders in Versuchung. |
| Sünde | Trägt die Last der menschlichen Sünden allein. | Erkenntnis der Schwere der Sünde und die Notwendigkeit der Reue. |
| Beziehung zum Vater | Tiefe Vertrautheit und Gehorsam trotz Leid. | Einladung zu einer tieferen, vertrauensvollen Beziehung zu Gott. |
Historische Spuren und heilige Stätten in Getsemani
Die Bedeutung Getsemanis spiegelt sich in seiner langen Geschichte als Pilgerstätte wider. Dank der Pilgerin Egeria wissen wir, dass bereits Mitte des 4. Jahrhunderts die Liturgie des Gründonnerstages „an dem Platz, wo der Herr betete“ gefeiert wurde. „Dort gab es eine sehr schöne Kirche.“ Die Gläubigen kamen im Gotteshaus zusammen, beteten, sangen Hymnen und lauschten der Lesung der Evangelientexte über die Todesangst des Herrn im Ölgarten. Anschließend zogen sie in einer Prozession zu einer anderen Stelle des Getsemani, wo der Gefangennahme des Herrn gedacht wurde. Diese Traditionen zeugen von einer ununterbrochenen Verehrung des Ortes, der untrennbar mit dem Leiden und der Erlösung verbunden ist.
Die Tradition weist neben anderen ebenso alten Quellen besonders auf drei Orte hin, die mit den Ereignissen jener Nacht zu tun haben: den Felsen, an dem der Herr betete, einen Garten, in dem acht tausendjährige Olivenbäume samt einiger junger Triebe wachsen, und die Grotte, wo die Gefangennahme stattfand. Sie liegen am Fuß des Ölberges, kaum zehn Meter voneinander entfernt, in der Tiefe des Kidrontals. Dieses Flussbett ist wie die meisten palästinensischen Wadis häufig ausgetrocknet; nur im Winter fällt dort ausreichender Regen. Der Bergabhang ist im Gegensatz zum Gipfel wenig besiedelt. Dort sind weitläufige Friedhöfe angelegt. Hier wachsen auch in großer Zahl auf Terrassen angelegten Olivenbäume sowie Zypressen an den Wegrändern.
Die Basilika der Agonie (Kirche aller Nationen)
Der Fels, an dem der Herr gebetet haben soll, befindet sich im Inneren der Todesangstbasilika, die auch Kirche aller Nationen genannt wird. Ihr Name geht auf siebzehn Länder zurück, die sich am Wiederaufbau beteiligt haben, der zwischen 1922 und 1924 stattfand. Die Kirche bewahrt den byzantinischen Grundriss, von dem aber kaum mehr als die Grundmauern erhalten sind, da die Kirche wahrscheinlich um das 7. Jahrhundert bei einem Brand zerstört wurde. Sie maß 25x16 m und besaß drei Schiffe mit drei Apsiden. Der Fußboden war mit Mosaiken ausgelegt, von denen noch einige Reste vorhanden sind, die durch eingelassenes Glas im Fußboden neben den erneuerten Mosaiken zu betrachten sind. Beim Neubau des Heiligtums traf man auf Reste eines mittelalterlichen Gebäudes, das möglicherweise von den Kreuzfahrern über dem Ort der ursprünglichen Basilika errichtet wurde. Dieser Bau hatte größere Ausmaße und eine andere Ausrichtung als der Vorgängerbau, wurde nach Südosten ausgerichtet, was die Vermutung nahelegt, dass an den Resten die ursprüngliche Ausrichtung nicht wahrgenommen werden konnte. Er wurde nach der Einnahme von Jerusalem durch Saladin verlassen.
Vom Kidron aus kann man das weitläufige Atrium der Basilika erkennen: drei Bögen ruhen auf gewaltigen Säulen und in die Wand eingelassenen Kapitellen. Die Frontansicht der Kirche ist mit einem großen Mosaik versehen. Im Tympanon ist Christus als Mittler zwischen Gott und der Menschheit dargestellt. An sonnigen Tagen bildet die Lichtfülle des Äußeren einen starken Kontrast zum Halbdunkel des Inneren. Durch die Fenster wird das Licht in blauen oder violetten Tönen gefiltert, die an die Agonie des Herrn erinnern. Sie wirken auf den Betrachter und regen ihn zum Schweigen, zur Sammlung und zum Gebet an. Die zwölf Kuppeln, die im Zentrum der Kirche von sechs schlanken und eleganten Säulen getragen werden, verstärken noch diesen Eindruck, zumal sie ein Mosaik aufweisen, das einen mit Sternen übersäten Himmel zeigt. Im Presbyterium vor dem Altar erhebt sich der verehrte Fels aus dem übrigen Fußboden. Er ist von einem künstlerisch gestalteten Gitter in Form einer Dornenkrone umgeben. Darüber ist in der zentralen Apsis die Agonie Jesu im Ölgarten dargestellt. In den Seitenschiffen ist gleichfalls als Mosaik der Verrat des Judas und die Gefangennahme abgebildet.
Die tausendjährigen Olivenbäume im Garten
Das Gebiet, auf dem sich die Basilika erhebt, ist seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts im Besitz des Vereins zur Erhaltung des Heiligen Landes. Das Bemerkenswerteste, was sich damals auf diesem Grundstück befand, war neben den mittelalterlichen Ruinen und einigen Resten aus der byzantinischen Zeit der sogenannte Blumengarten: ein von einer Mauer umschlossener, unbebauter Garten, wo acht Olivenbäume wuchsen, die der mündlichen Tradition zufolge aus der Zeit Christi stammten. In der Zeit, während die Franziskaner noch auf den geeigneten Zeitpunkt für die Wiedererrichtung der Gebäude warteten, pflegten sie liebevoll jene tausendjährigen Olivenbäume. Da sie der bestehenden örtlichen Überlieferung vertrauten, sind sie bis zum heutigen Tag erhalten geblieben. Das Alter der Bäume ist bewundernswert. Botaniker konnten sich bezüglich des Alters nicht eindeutig festlegen. Einige behaupteten, dass sie aus dem 11. Jahrhundert stammen und aus einem einzigen Baum hervorgegangen sind. Andere vermuten, dass sie aufgrund ihrer enormen Dicke eventuell schon aus dem ersten Jahrtausend stammen. Mag auch ihr Alter nicht präzise zu bestimmen sein, so besteht doch ein enormes Interesse, sie weiter zu erhalten, da sie stumme Zeugen jener letzten Nacht Jesu auf Erden waren. Sie sind lebendige Denkmäler der Agonie und der Hingabe Jesu.
Die Grotte der Gefangennahme: Zeugin des Verrats
Im Komplex der Basilika der Agonie Jesu und des Gartens Getsemani befindet sich gleichzeitig ein Konvent der Franziskaner. Außerhalb dieses Besitzes, einige hundert Meter nach Norden, liegt die Grotte der Gefangennahme, die ebenfalls zum Besitz des Vereins des Heiligen Landes gehört. Man gelangt durch einen sehr engen Gang hinein, der von dem Hof abgeht, der zur Grabstätte der Muttergottes führt. Dieses marianische Heiligtum, zusammen mit der Entschlafungsbasilika auf dem Berg Sion, verdient einen eigenen Artikel. Es genügt uns hier festzuhalten, dass einer alten Tradition nach der Leib der Muttergottes noch vor der Aufnahme in den Himmel aus dem Viertel des Abendmahlssaals hierher gebracht wurde. Die Kirche, die diesem Gedenken gewidmet ist, wird sowohl von den Griechen wie den Armeniern, Syrern und Kopten benutzt.
Die Grotte der Apostel oder auch der Gefangennahme weist viele Spuren auf, die eine ununterbrochene Verehrung dieses Ortes bezeugen. Die Grotte ist 19 m lang und ungefähr 10 m breit. Einige Spuren lassen vermuten, dass sie wohl vorübergehend als Wohnraum genutzt wurde. Vielleicht handelt es sich auch um den Vorratsraum des Gartenbesitzers. Man vermutet, dass hier die acht Apostel die Nacht vor der Gefangennahme verbrachten. Nach den langen Stunden der Agonie und des Gebetes, als der Herr das Herannahen des Judas hörte, begab er sich zusammen mit den drei Aposteln zu den übrigen acht, um ihnen klarzumachen, was jetzt kommen würde. Das heißt, dass er sich dort der bewaffneten Truppe entgegenstellt. Zahlreiche Graffiti, die von den Pilgern in verschiedenen Sprachen und zu verschiedenen Zeiten dort eingeritzt wurden, zeugen von einer ununterbrochenen Verehrung dieses Ortes. Schon im 4. Jahrhundert wurde die Höhle als Kapelle genutzt. Das beweist der Fußboden, der mit Mosaiken versehen ist, die aus dem 5. bis 8. Jahrhundert stammen. Hier wurden auch Christen bestattet. Zur Zeit der Kreuzzüge wurde die Höhle mit Fresken versehen. Im 14. Jahrhundert gelang es den Franziskanern, die Erlaubnis zum Kult an diesem Ort zu erhalten. Später konnten sie ihn endgültig erwerben. Bei der Restaurierung im Jahr 1956 kam die ursprüngliche Struktur des Ortes zum Vorschein: man stieß auf eine Weinkelter und eine Zisterne. Oberhalb der Grotte wurden die Reste einer alten Olivenpresse gefunden.
Die bleibende Botschaft von Getsemani
Unser Wille und der Wille Gottes
Das Evangelium berichtet uns von so vielen Augenblicken, in denen Jesus mit dem Vater spricht, dass es unmöglich ist, sie alle einzeln zu betrachten. In besonderem Maße aber sollten wir bei den erschütternden Stunden vor seinem Leiden und Tod verweilen, da er sich auf die Vollendung des Opfers vorbereitet, das uns in die göttliche Liebe heimholen wird. In der Geborgenheit des Abendmahlssaals entfaltet sich die Fülle seiner Liebe: Er wendet sich flehend an den Vater, kündigt die Herabkunft des Heiligen Geistes an und ermutigt die Seinen zu einer ständigen glühenden Hingabe in Liebe und Glauben. Dieses innige, brennende Gebet steigert sich noch, da unser Erlöser im Garten Getsemani sein Leiden herannahen sieht: die Erniedrigung, die Schmerzen, das harte Kreuz, nur den Missetätern vorbehalten, das er so lange ersehnt hat. „Vater, wenn Du willst, so nimm diesen Kelch von mir. Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ (Lk 22, 42) Diese Worte sind das Herzstück von Jesu Antwort auf die Sünden der Menschen: Er wählt den Weg des Gehorsams und der Liebe, auch wenn er mit unermesslichem Leid verbunden ist. Im Bewusstsein, dass wir Kinder Gottes sind, wird es uns ein Anliegen sein, besonders den Schritten des Meisters zu folgen: so begleiten wir ihn in seinen Bitten in der Agonie des Ölgartens.
Der Ruf zur Reue und zur marianischen Fürbitte
„Jesus, allein und traurig, leidet und tränkt die Erde mit seinem Blut. Auf dem harten Boden kniend harrt Er aus im Gebet. Er weint um dich und um mich: Die Sünden der Menschen lasten schwer auf ihm.“ (Der Rosenkranz, 1. Geheimnis des schmerzreichen Rosenkranzes) Diese Worte verdeutlichen die tiefe persönliche Dimension von Jesu Leiden. Er leidet für jede einzelne Sünde, für jeden einzelnen Menschen. Angesichts dieser unermesslichen Liebe sind wir aufgerufen, uns an die Muttergottes zu wenden und sie zu bitten – als Erweis ihrer Liebe zu dir – um das Geschenk der Reue und der Zerknirschung über deine Sünden und über die Sünden der Männer und Frauen aller Zeiten. In solcher Haltung wage ihr dann zu sagen: „Du, meine Mutter, mein Leben und meine Hoffnung: halte mich fest an deiner Hand… Wenn es zur Stunde in mir irgendetwas gibt, das Gott meinem Vater missfällt, so lass es mich erkennen. Zusammen wollen wir es dann mit den Wurzeln herausreißen. Setze dein Gebet in kindlichem Vertrauen fort: O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria; bitte für mich, damit ich den so überaus liebenswerten Willen deines Sohnes zu erfüllen vermag und so würdig werde, die Verheißungen unseres Herrn Jesus Christus eines Tages glückselig an mir erfüllt zu sehen.“ (Im Feuer der Schmiede, 161) Dies ist die Antwort, die Jesus von uns erwartet: Umkehr, Vertrauen und die Bereitschaft, unseren Willen dem Seinen anzugleichen, inspiriert durch sein ultimatives Opfer in Getsemani.
Häufig gestellte Fragen zu Getsemani und Jesu Leiden
- Was bedeutet Getsemani?
- Der Name Getsemani stammt aus dem Aramäischen und bedeutet „Olivenpresse“. Dies ist symbolisch bedeutsam, da Jesus an diesem Ort in seiner Agonie „gepresst“ wurde, um das „Öl“ der Erlösung für die Menschheit hervorzubringen.
- Warum litt Jesus so sehr im Garten Getsemani?
- Jesu Leiden in Getsemani war eine tiefe seelische und körperliche Qual. Er nahm freiwillig die gesamte Last der Sünden der Menschheit auf sich, die er durch seinen Tod am Kreuz sühnen sollte. Diese immense Last, gepaart mit der bevorstehenden physischen Qual, führte zu seiner Todesangst und dem blutigen Schweiß.
- Was können wir aus Jesu Gebet in Getsemani lernen?
- Jesu Gebet lehrt uns die Bedeutung der Hingabe an Gottes Willen, auch angesichts großer Angst und Leid. Es ist ein Vorbild für beharrliches und wachsames Gebet, das uns hilft, Versuchungen zu überwinden und unseren eigenen Willen dem göttlichen Willen anzugleichen.
- Welche Bedeutung haben die alten Olivenbäume in Getsemani?
- Die acht tausendjährigen Olivenbäume im Garten Getsemani sind von immenser historischer und spiritueller Bedeutung. Sie gelten als „stumme Zeugen“ der Agonie Christi, auch wenn ihr genaues Alter botanisch nicht präzise zu bestimmen ist. Sie symbolisieren Beständigkeit und die lebendige Erinnerung an das Leiden Jesu.
- Wo befindet sich Getsemani heute?
- Getsemani befindet sich am Fuße des Ölbergs in Jerusalem, am östlichen Rand der Altstadt, auf der anderen Seite des Baches Kidron. Es ist heute ein Komplex aus der Basilika der Agonie (Kirche aller Nationen), dem alten Olivenhain und der Grotte der Gefangennahme, die alle für Pilger zugänglich sind.
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