26/10/2021
Die Welt der Spiritualität ist reich an tiefgründigen Texten, die uns auf unserem Glaubensweg begleiten und inspirieren können. Unter den vielen leuchtenden Beispielen ragt der heilige Franziskus von Assisi hervor, dessen Leben und Gebete bis heute unzählige Menschen berühren. Seine Worte sind nicht nur historische Artefakte, sondern lebendige Ausdrucksformen eines tiefen Glaubens, einer grenzenlosen Liebe zu Gott und seinen Geschöpfen und einer einzigartigen Verbindung zur Natur. Dieser Artikel taucht ein in die Schatztruhe der franziskanischen Spiritualität und beleuchtet einige seiner bedeutendsten Gebete, darunter den weltberühmten Sonnengesang, den tiefsinnigen Lobpreis Gottes und, im Besonderen, seinen einzigartigen Gruß an die Gottesmutter Maria. Wir werden entdecken, wie diese Gebete uns heute noch lehren können, eine tiefere Beziehung zum Göttlichen aufzubauen und die Welt mit den Augen der Liebe und Demut zu sehen.

- Der Ruf zum Neubau: Das Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano
- Der Sonnengesang: Ein Loblied auf die gesamte Schöpfung
- Der Segen des hl. Franziskus für Bruder Leo
- Der Lobpreis Gottes des hl. Franziskus
- Der Gruß des hl. Franziskus an die Gottesmutter
- Das Gebet um Frieden: Ein zeitloses Vermächtnis
- Wichtige Botschaften und Lehren der franziskanischen Gebete
- Häufig gestellte Fragen zu den Gebeten des hl. Franziskus
Der Ruf zum Neubau: Das Gebet vor dem Kreuzbild von San Damiano
Die spirituelle Reise des Franziskus begann mit einem tiefgreifenden Erlebnis in der kleinen, verfallenen Kirche San Damiano. Hier, vor einem byzantinischen Kruzifix, vernahm er den klaren Auftrag Gottes: „Franziskus, geh hin und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist.“ Dieses Ereignis war der Funke, der sein Leben völlig veränderte und ihn auf den Weg der radikalen Nachfolge Christi führte. Das Gebet, das Franziskus in diesem Moment oder kurz danach sprach, ist ein Zeugnis seiner inneren Haltung und seiner Bereitschaft, sich ganz dem Willen Gottes zu überlassen:
„Höchster, glorreicher Gott,
erleuchte die Finsternis
meines Herzens
und schenke mir rechten Glauben,
gefestigte Hoffnung, vollendete Liebe.
Gib mir, Herr,
das rechte Empfinden und Erkennen,
damit ich deinen heiligen und wahrhaften Auftrag erfülle. Amen“
Dieses Gebet offenbart Franziskus' Bewusstsein seiner eigenen Unvollkommenheit und seines Bedürfnisses nach göttlicher Führung. Er bittet nicht um Reichtum oder Macht, sondern um innere Klarheit, tiefen Glauben, unerschütterliche Hoffnung und vollkommene Liebe. Es ist ein Gebet der Hingabe, das den Grundstein für sein späteres Wirken legte. Die Bitte um das „rechte Empfinden und Erkennen“ zeigt seinen Wunsch, Gottes Willen nicht nur zu verstehen, sondern ihn auch mit seinem ganzen Sein zu erfüllen. Es ist ein Aufruf zur Transformation des Herzens, der für jeden Suchenden relevant ist.
Der Sonnengesang: Ein Loblied auf die gesamte Schöpfung
Der Sonnengesang, auch bekannt als "Lob der Geschöpfe", ist wohl das bekannteste Werk des heiligen Franziskus und zählt zu Recht zur Weltliteratur. Entstanden im Winter 1224/25, kurz vor seinem Tod und unter großer körperlicher Not, ist es ein erstaunliches Zeugnis seiner tiefen Verbundenheit mit Gott durch dessen Schöpfung. Dieser Hymnus ist ein Ausdruck reiner Freude und Dankbarkeit für alles, was existiert, und offenbart eine revolutionäre theologische Perspektive, die Gott in jedem Element der Natur erkennt.
„Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind das Lob, die Herrlichkeit und Ehre und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.“
Franziskus beginnt mit einer demütigen Anerkennung der Unwürdigkeit des Menschen, Gott zu nennen, und doch preist er ihn durch seine Werke. Er personifiziert die Elemente der Natur als "Brüder" und "Schwestern", was seine tiefe Zuneigung und seinen Respekt für die gesamte Schöpfung verdeutlicht. Jede Strophe widmet sich einem anderen Aspekt der Welt, von den himmlischen Körpern bis zum Tod, und preist Gott durch sie.
Die Elemente des Sonnengesangs und ihre Bedeutung
Der Sonnengesang ist eine poetische Reise durch die Welt, in der jedes Element als Spiegel der göttlichen Herrlichkeit dient:
- Bruder Sonne: Er ist das Licht des Tages, strahlend und schön, ein Sinnbild der göttlichen Präsenz. Er spendet Wärme und Leben, genau wie Gott selbst.
- Schwester Mond und die Sterne: Sie erhellen die Nacht, klar und kostbar, und zeigen die Schönheit und Ordnung des Universums, das von Gott geschaffen wurde.
- Bruder Wind, Luft und Wetter: Sie sind die unsichtbaren Kräfte, die das Leben erhalten und die Natur formen. Sie symbolisieren die dynamische und lebensspendende Kraft Gottes.
- Schwester Wasser: Es ist nützlich, demütig, kostbar und keusch – eine Quelle des Lebens und der Reinigung, die die essentielle Rolle der Gnade Gottes im Leben widerspiegelt.
- Bruder Feuer: Es erleuchtet die Nacht, ist schön, fröhlich, kraftvoll und stark. Es symbolisiert die reinigende und erleuchtende Kraft des Heiligen Geistes.
- Schwester, Mutter Erde: Sie erhält und lenkt uns, bringt Früchte, Blumen und Kräuter hervor. Sie ist die nährende Mutter, die uns alles Notwendige zum Leben gibt, ein Abbild der Fürsorge Gottes.
- Jene, die verzeihen und Leid ertragen: Hier erweitert Franziskus das Lob auf die menschliche Tugend des Verzeihens und des friedvollen Ertragens von Krankheit und Drangsal. Dies zeigt, dass wahre Spiritualität auch im menschlichen Miteinander und in der Überwindung von Schwierigkeiten zu finden ist.
- Schwester, der leibliche Tod: Selbst der Tod wird als Schwester begrüßt, was Franziskus' radikale Akzeptanz des Lebens in seiner Gesamtheit und seinen tiefen Glauben an ein Leben nach dem Tod offenbart. Es ist eine Ermahnung, im Einklang mit Gottes Willen zu leben, um den „zweiten Tod“ (ewige Verdammnis) zu vermeiden.
Der Sonnengesang ist nicht nur ein Gebet, sondern eine Lebensphilosophie, die zu einer tiefen Wertschätzung der gesamten Schöpfung und zu einem harmonischen Zusammenleben mit ihr aufruft. Er lehrt uns, in allem das Göttliche zu erkennen und dafür dankbar zu sein.
| Element | Symbolik / Bedeutung | Göttliche Eigenschaft |
|---|---|---|
| Bruder Sonne | Licht, Wärme, Leben, Tag | Göttliche Präsenz, Klarheit, Gnade |
| Schwester Mond & Sterne | Licht in der Nacht, Orientierung, Schönheit | Ordnung, Führung, Schönheit Gottes |
| Bruder Wind & Wetter | Lebenskraft, Reinigung, Bewegung | Dynamik, Geist, Versorgung |
| Schwester Wasser | Reinheit, Demut, Lebensquelle | Reinigung, Erneuerung, essentielle Güte |
| Bruder Feuer | Wärme, Licht, Energie, Transformation | Erleuchtung, Kraft, Leidenschaft |
| Schwester Mutter Erde | Nahrung, Wachstum, Heimat, Geborgenheit | Fürsorge, Fruchtbarkeit, Beständigkeit |
| Verzeihen & Ertragen | Menschliche Tugend, Überwindung | Barmherzigkeit, Geduld, Frieden |
| Schwester Tod | Ende des irdischen Lebens, Übergang | Akzeptanz, Erlösung, ewiges Leben |
Der Segen des hl. Franziskus für Bruder Leo
Ein weiteres Zeugnis der tiefen Fürsorge und des Segenswunsches des Franziskus ist der Segen, den er seinem engen Vertrauten Bruder Leo schenkte. Dieser Segen, entstanden in La Verna im Jahr 1224, ist ein Ausdruck des priesterlichen Wunsches nach göttlichem Schutz und Frieden:
„Der Herr segne und behüte dich. Er zeige dir sein Angesicht und erbarme sich deiner. Er wende dir sein Antlitz zu und schenke dir den Frieden. Der Herr segne dich. Der Herr gebe dir den Frieden! - Der Herr segne Bruder Leo, dich.“
Dieser Segen ist eine Adaption des aaronitischen Segens aus dem Buch Numeri (Num 6,24-26) und verdeutlicht die biblische Verwurzelung der Spiritualität des Franziskus. Er bittet um Gottes Angesicht, Seine Barmherzigkeit und Seinen Frieden – die höchsten Gaben, die ein Mensch empfangen kann. Es ist ein Gebet, das Geborgenheit und göttliche Nähe vermittelt und die tiefe Verbundenheit zwischen Franziskus und seinen Brüdern zeigt.
Der Lobpreis Gottes des hl. Franziskus
Ebenfalls in La Verna im Jahr 1224 entstanden, ist der "Lobpreis Gottes" eine Litanei von Attributen, die Franziskus seinem Gott zuschreibt. Es ist ein Ausdruck tiefer Anbetung und Ehrfurcht vor der Allmacht und Güte Gottes. In diesem Gebet entfaltet Franziskus eine beeindruckende Palette von Eigenschaften, die er in Gott erkennt:
„Du bist der heilige Herr, der alleinige Gott,
der du Wunderwerke vollbringst“.
Du bist der Starke. Du bist der Große.
Du bist der Erhabenste. Du bist mächtig, du „heiliger Vater,
König des Himmels und der Erde“.
Du bist der dreifaltige und eine Herr,
Gott aller Götter.
Du bist das Gute, jegliches Gut, das höchste Gut,
der Herr, der lebendige und wahre Gott.
Du bist die Liebe, die Minne.
Du bist die Weisheit.
Du bist die Demut.
„Du bist die Geduld“.
Du bist die Schönheit.
Du bist die Milde.
Du bist die Sicherheit.
Du bist die Ruhe.
Du bist unsere Hoffnung.
Du bist die Freude und Fröhlichkeit.
Du bist die Gerechtigkeit.
Du bist das Maßhalten.
Du bist all unser Reichtum zur Genüge.
Du bist die Schönheit.
Du bist die Milde.
„Du bist der Beschützer“.
Du bist der Wächter und Verteidiger.
Du bist die Stärke.
Du bist die Zuflucht.
Du bist unsere Hoffnung.
Du bist unser Glaube.
Du bist unsere Liebe.
Du bist unsere ganze Wonne.
Du bist unser ewiges Leben:
großer und wunderbarer Herr,
allmächtiger Gott, barmherziger Retter.“
Dieses Gebet ist eine wahre Explosion der Anbetung. Franziskus wiederholt und variiert die Attribute Gottes, um die Unermesslichkeit seiner Größe und Güte auszudrücken. Er preist Gott als die Quelle aller Tugenden und alles Guten. Besonders hervorzuheben sind die Attribute wie "Liebe", "Weisheit", "Demut", "Geduld", "Schönheit", "Frieden" und "Hoffnung", die auch zentrale Aspekte der franziskanischen Spiritualität selbst sind. Es zeigt, wie Franziskus Gott nicht nur als fernen Schöpfer, sondern als die persönlichste und vollkommenste Realität in seinem Leben erfahren hat.
Der Gruß des hl. Franziskus an die Gottesmutter
Von besonderer Bedeutung ist der "Gruß des hl. Franziskus an die Gottesmutter". Dieses Gebet offenbart seine tiefe Marienverehrung, die sich von den üblichen Formen abhebt. Er sieht Maria nicht nur als Mutter Jesu, sondern als ein einzigartiges Gefäß der Gnade, als "Kirche geworden" und als vollkommene Wohnstätte Gottes. Dies ist ein faszinierender theologischer Gedanke, der Maria als Urbild und perfekte Verwirklichung der Kirche darstellt.
„Sei gegrüßt, Herrin, heilige Königin,
heilige Gottesmutter Maria,
die du bist Jungfrau, zur Kirche geworden
und erwählt vom heiligsten Vater im Himmel,
die er geweiht hat mit seinem
heiligsten, geliebten Sohn
und dem Heiligen Geiste, dem Tröster,
in der war und ist alle Fülle der Gnade
und jegliches Gute.
Sei gegrüßt, du sein Palast.
Sei gegrüßt, du sein Zelt.
Sei gegrüßt, du seine Wohnung.
Sei gegrüßt, du sein Gewand.
Sei gegrüßt, du seine Magd.
Sei gegrüßt, du seine Mutter.
Und seid gegrüßt, ihr heiligen Tugenden alle,
die ihr durch die Gnade
und Erleuchtung des Heiligen Geistes
in die Herzen der Gläubigen eingegossen werdet,
um aus Ungläubigen
Gott getreue Menschen zu machen.“
Franziskus' Gruß ist reich an Metaphern, die Marias besondere Rolle hervorheben. Er nennt sie "Palast", "Zelt", "Wohnung" und "Gewand" Gottes. Diese Bilder betonen ihre Funktion als der Ort, an dem Gott in die Welt kam und wo er in besonderer Weise gegenwärtig ist. Maria ist das vollkommene "Haus" Gottes, in dem die Fülle der Gnade und alles Gute wohnt. Die Anrede als "Jungfrau, zur Kirche geworden" ist besonders bemerkenswert. Sie deutet darauf hin, dass Maria in ihrer Reinheit und Hingabe an Gott das ideale Modell und die Personifizierung der Kirche ist – der Gemeinschaft der Gläubigen, die durch Gottes Gnade zu seinem Tempel werden soll. Sie ist die erste und vollkommenste Gläubige, die den Willen Gottes ganz erfüllt hat.

Der Gruß endet mit einer Anrufung der "heiligen Tugenden", die durch den Heiligen Geist in die Herzen der Gläubigen eingegossen werden. Dies verbindet Marias Reinheit und Empfänglichkeit für die Gnade mit der Möglichkeit für jeden Gläubigen, durch diese Tugenden ebenfalls zu einem "Gott getreuen Menschen" zu werden. Es ist eine umfassende Vision der Erlösung und Heiligung, die in Maria ihren Anfang und ihr vollkommenes Beispiel findet.
Das Gebet um Frieden: Ein zeitloses Vermächtnis
Obwohl dieses Gebet dem hl. Franziskus zugeschrieben wird und seine Spiritualität perfekt widerspiegelt, ist seine tatsächliche Autorenschaft umstritten. Dennoch ist es zu einem der bekanntesten und beliebtesten Gebete der Welt geworden, das die Essenz des franziskanischen Geistes von Frieden, Liebe und Dienst verkörpert:
„Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht;
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt;
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweifnung quält;
dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten:
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer da hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.“
Dieses Gebet ist eine Anleitung zum aktiven, dienenden Leben. Es ruft dazu auf, nicht passiv auf Frieden zu warten, sondern selbst ein Werkzeug für dessen Verbreitung zu sein. Die Bitten sind radikal in ihrer Ausrichtung auf den Nächsten: Liebe statt Hass, Vergebung statt Beleidigung, Einheit statt Streit. Es ist ein Gebet der Selbsthingabe, das die christliche Tugend der Nächstenliebe in den Vordergrund stellt. Die zweite Hälfte des Gebetes, in der der Beter darum bittet, nicht getröstet, sondern zu trösten, nicht verstanden, sondern zu verstehen, nicht geliebt, sondern zu lieben, ist eine Quintessenz der christlichen Spiritualität und findet ihren Höhepunkt in der Paradoxie: "Denn wer da hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen, und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben." Diese Zeilen fassen die tiefste Weisheit des Evangeliums zusammen und zeigen, dass wahres Leben im Geben und in der Hingabe liegt.
Wichtige Botschaften und Lehren der franziskanischen Gebete
Die Gebete des heiligen Franziskus von Assisi sind mehr als nur Worte; sie sind Fenster zu einer tiefen spirituellen Welt und bieten zeitlose Lehren für unser eigenes Leben:
- Radikale Hingabe an Gott: Ob im Gebet vor dem Kreuz oder im Lobpreis Gottes, Franziskus' absolute Ausrichtung auf den Willen Gottes und seine Anbetung stehen immer im Mittelpunkt.
- Liebe zur gesamten Schöpfung: Der Sonnengesang lehrt uns, die Schönheit und Heiligkeit in jedem Aspekt der Natur zu sehen und Gott durch seine Werke zu preisen. Es ist ein Aufruf zu ökologischer Verantwortung und Dankbarkeit.
- Demut und Armut des Geistes: Franziskus lebte ein Leben in Armut und Demut. Diese Haltung spiegelt sich in seinen Gebeten wider, in denen er seine eigene Unwürdigkeit anerkennt und sich ganz auf Gottes Gnade verlässt.
- Frieden und Versöhnung: Das Friedensgebet, obwohl umstritten in seiner Autorenschaft, verkörpert Franziskus' tiefen Wunsch nach Harmonie und Nächstenliebe. Es ist ein Aufruf, aktiv am Aufbau einer friedlicheren Welt mitzuwirken.
- Marienverehrung als Modell der Kirche: Der Gruß an die Gottesmutter zeigt eine einzigartige theologische Perspektive auf Maria als das vollkommene Beispiel der Kirche und als Gefäß der Gnade, das uns inspiriert, ebenfalls zu einem "Haus Gottes" zu werden.
- Akzeptanz des Leidens und des Todes: Die Einbeziehung von Krankheit, Drangsal und sogar des Todes in den Sonnengesang zeugt von einer tiefen Akzeptanz der menschlichen Existenz in ihrer Ganzheit und einem unerschütterlichen Vertrauen in Gottes Plan.
Häufig gestellte Fragen zu den Gebeten des hl. Franziskus
Wer war der heilige Franziskus von Assisi?
Der heilige Franziskus von Assisi (ca. 1181/82–1226) war ein italienischer Gründer des Franziskanerordens. Er ist bekannt für seine radikale Nachfolge Christi, seine Liebe zur Armut, seine tiefe Verbundenheit mit der Natur und seine Bemühungen um Frieden. Sein Leben und seine Lehren haben die christliche Spiritualität nachhaltig geprägt und inspiriert bis heute Menschen weltweit.
Was ist die Bedeutung des Sonnengesangs?
Der Sonnengesang ist ein Loblied auf Gott durch seine gesamte Schöpfung. Er drückt die tiefe Dankbarkeit und die pantheistische (im Sinne von Gott in allem) Sichtweise des Franziskus aus, der in Sonne, Mond, Wasser, Feuer, Erde und sogar im Tod die Gegenwart und Herrlichkeit Gottes erkannte. Er ist ein Aufruf zur Wertschätzung der Natur und zur Annahme des Lebens in all seinen Facetten.
Warum ist der Gruß an die Gottesmutter so besonders?
Der Gruß an die Gottesmutter des hl. Franziskus ist besonders, weil er Maria nicht nur als Mutter Jesu verehrt, sondern sie als "Jungfrau, zur Kirche geworden" bezeichnet. Dies ist eine einzigartige theologische Formulierung, die Maria als das Urbild und die vollkommene Verwirklichung der Kirche sieht – als den Ort, an dem die Fülle der Gnade wohnt und der für alle Gläubigen ein Vorbild ist, selbst zu einem "Palast" Gottes zu werden.
Wie kann ich diese Gebete in meinem Alltag nutzen?
Die Gebete des hl. Franziskus können auf vielfältige Weise im Alltag genutzt werden. Der Sonnengesang lädt dazu ein, in der Natur Gottes Präsenz zu erkennen und dankbar zu sein. Das Gebet vor dem Kreuzbild kann bei wichtigen Entscheidungen um Führung bitten. Der Lobpreis Gottes kann als Anbetungsgebet dienen, um die Größe Gottes zu erkennen. Der Gruß an die Gottesmutter kann die Marienverehrung vertiefen und uns daran erinnern, selbst ein Gefäß der Gnade zu sein. Das Friedensgebet inspiriert zu aktivem Dienst und Nächstenliebe im täglichen Leben.
Was bedeutet "Jungfrau, zur Kirche geworden"?
Diese Formulierung im Gruß an die Gottesmutter bedeutet, dass Maria in ihrer vollkommenen Reinheit, Hingabe und Empfänglichkeit für den Heiligen Geist das ideale Modell und die erste und vollkommenste Verwirklichung der Kirche ist. Sie ist der "Ort", an dem Gott menschliche Gestalt annahm, und somit das Urbild dessen, was die Kirche sein soll: ein heiliger Raum, in dem Gott wohnt und durch den seine Gnade in die Welt strömt. Maria ist das vollkommene Beispiel der Gläubigen, die sich ganz dem Willen Gottes hingibt und so zu seinem Tempel wird.
Die Gebete des heiligen Franziskus von Assisi sind ein unschätzbares Erbe der christlichen Spiritualität. Sie laden uns ein, die Welt mit neuen Augen zu sehen, Gott in allem zu erkennen und ein Leben in Demut, Liebe, Frieden und Dankbarkeit zu führen. Ob wir die Schönheit der Schöpfung im Sonnengesang preisen, uns im Lobpreis Gottes verlieren oder die besondere Stellung der Gottesmutter betrachten – Franziskus' Worte öffnen uns Wege zu einer tieferen Beziehung zum Göttlichen und zu einem erfüllteren Leben im Einklang mit uns selbst, unseren Mitmenschen und der gesamten Welt.
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