12/01/2022
Die Diagnose Multiple Sklerose (MS) kann für Betroffene und ihre Familien ein Schock sein. Plötzlich stellen sich viele Fragen: Warum ich? Wie wird diese chronische Erkrankung mein Leben verändern? Und wie gehe ich mit Unsicherheit und Zukunftsängsten um? Die Gesundheitspsychologin Samira Althaus vom MS-Begleiter Contact Center hat langjährige Erfahrung in der Betreuung chronisch kranker Menschen und gibt wertvolle Einblicke, wie man den ersten Schock überwindet und im Alltag mit der Erkrankung umgeht.

- Was ist Multiple Sklerose (MS)?
- Die Diagnose: Ein komplexer Weg
- Symptome der Multiplen Sklerose: Die 1.000 Gesichter
- Verlauf der Multiplen Sklerose
- Lebenserwartung und Heilbarkeit
- Therapie der Multiplen Sklerose
- Ernährung und Lebensstil bei MS
- Natürliche und komplementäre Therapieansätze
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Warum werde ich nach der MS-Diagnose mit der Frage „Warum gerade ich?“ konfrontiert?
- Wie kann ich mit der Ungewissheit über den Krankheitsverlauf umgehen?
- Was soll ich tun, wenn quälende Gedanken nicht verschwinden?
- Wie kann ich nach einem Schub wieder Vertrauen in meinen Körper fassen?
- Ist Alpha-Liponsäure hilfreich bei MS?
- Was ist der Unterschied zwischen neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen bei MS?
Was ist Multiple Sklerose (MS)?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Der Begriff „Multiple Sklerose“ ist lediglich die ausführliche Bezeichnung für „MS“; es gibt keinen Unterschied zwischen den beiden. Die Erkrankung ist derzeit nicht heilbar und wird oft als „Krankheit der 1.000 Gesichter“ bezeichnet, da ihr Verlauf von Person zu Person stark variiert.
Häufigkeit und Betroffene
Die Zahl der MS-Erkrankten steigt seit Jahren kontinuierlich an. Aktuell sind in Deutschland rund 250.000 Menschen betroffen, wobei Frauen deutlich häufiger erkranken als Männer. Das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 20 und 40 Jahren, obwohl MS in jedem Alter auftreten kann, auch bei Kindern oder Menschen über 50.
Ursachen der Multiplen Sklerose
Die genaue Ursache der MS ist noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren zugrunde liegt. Als sicher gilt, dass Autoimmunreaktionen eine zentrale Rolle spielen: Das Immunsystem greift fälschlicherweise das Myelin an, eine schützende Hülle um die Nervenfasern. Dieser Abbau des Myelins (Demyelinisierung) und die Bildung von Narben (Läsionen) beeinträchtigen die Nervenimpulse und somit die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper. Diskutierte Faktoren sind:
- Genetische Veranlagung
- Umweltfaktoren wie chronischer Vitamin-D-Mangel und Rauchen
- Infektionen, insbesondere mit dem Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber)
Die Diagnose: Ein komplexer Weg
Die Diagnostik der Multiplen Sklerose ist komplex und zielt darauf ab, andere Erkrankungen auszuschließen. Sie beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und einer eingehenden neurologischen Untersuchung, um die Leitfähigkeit der Nerven zu überprüfen.
Wichtige Diagnoseverfahren
- Magnetresonanztomographie (MRT): Unverzichtbar für den Nachweis MS-bedingter Veränderungen in Gehirn und Rückenmark. Sie kann Läsionen bereits in einem frühen Stadium erkennen. Kontrastmittel (Gadolinium) können zur genaueren Unterscheidung von frischen und älteren Entzündungsherden eingesetzt werden, doch ist hier Vorsicht geboten, da deren wiederholte Anwendung Gesundheitsrisiken bergen kann.
- Liquoruntersuchung: Die Untersuchung des Nervenwassers dient dem Nachweis von Entzündungszellen und sogenannten isolierten oligoklonalen Banden (OKB), die bei chronisch-entzündlichen Prozessen im Zentralen Nervensystem entstehen. Ihr Nachweis ist ein Beleg für die zeitliche Dissemination der MS.
- McDonald-Kriterien (2017): Für eine sichere Diagnose müssen diese Kriterien erfüllt sein, die auf dem Konzept der zeitlichen und räumlichen (örtlichen) Dissemination basieren.
- Laboruntersuchungen: Bluttests werden durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Eine etablierte Methode der Augenheilkunde, die die Dicke der Netzhaut im Auge misst. Studien legen nahe, dass die OCT künftig als wichtiger Prognosemarker dienen könnte, da eine dünnere Netzhaut auf einen schwereren Krankheitsverlauf hindeuten kann.
Symptome der Multiplen Sklerose: Die 1.000 Gesichter
MS zeigt sich bei jedem Menschen anders. Die Symptome variieren in Intensität und Kombination, abhängig davon, welche Bereiche des Zentralen Nervensystems betroffen sind. Oft treten sie plötzlich im Rahmen eines akuten Schubs auf und können sich nach Abklingen des Schubs weitgehend zurückbilden. Mit fortschreitender Krankheitsdauer steigt jedoch das Risiko bleibender Einschränkungen.
Häufige MS-Symptome
Die Bandbreite der möglichen Symptome ist groß:
- Sehstörungen (z.B. Doppeltsehen, Sehnerventzündung)
- Fatigue (extreme Müdigkeit und rasche Ermüdbarkeit)
- Empfindungs- bzw. Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit, Prickeln)
- Muskelschwäche, Muskelsteifigkeit, Lähmungserscheinungen
- Erhöhte Muskelspannung (Spastik) in Armen, Beinen, Rumpf
- Koordinations- und Bewegungsstörungen (Gangunsicherheiten, Zittern)
- Schluck- und Sprechstörungen
- Störungen der Blasen- und/oder Darmfunktion
- Kognitive Störungen (Aufmerksamkeit, Merk- und Konzentrationsfähigkeit)
- Depressive Verstimmungen
- Schmerzen (neuropathisch und nozizeptiv)
Manchmal kann auch ein krankheitsbedingter Verlust an Hirnvolumen (Hirnatrophie) beobachtet werden, der zu kognitiven Beeinträchtigungen wie Vergesslichkeit führen kann.
Erste Anzeichen und Persönlichkeitsveränderungen
Etwa 30 Prozent der Betroffenen erleben Sehstörungen als erste Symptome, während bei 20 bis 30 Prozent Gefühlsstörungen in Beinen oder andere Sensibilitätsstörungen im Vordergrund stehen. Auch spastische Lähmungen, Koordinationsstörungen oder ausgeprägte Müdigkeit können frühe Anzeichen sein. Interessanterweise wurde beobachtet, dass Personen mit MS in den Jahren vor der Diagnose auffallend selten Atemwegsinfektionen hatten.
Persönlichkeitsveränderungen wie Reizbarkeit, Aggression, Lustlosigkeit oder ungewohnte Euphorie können auftreten, sind aber kein charakteristisches Symptom der MS.
Schmerz bei MS
Schmerzen sind eine häufige Begleiterscheinung der MS. Man unterscheidet:
- Neuropathische Schmerzen: Verursacht durch Schädigungen schmerzleitender Nervenfasern oder -zellen. Sie äußern sich als chronisches Brennen, Kribbeln, Ziehen oder Pochen, aber auch als blitzartig einschießende Schmerzattacken (z.B. Trigeminusneuralgie, Lhermitte-Zeichen).
- Nozizeptive Schmerzen: Normale Schmerzreaktionen auf Reize, oft als Folge von Veränderungen des Bewegungsapparats, wie Muskelkrämpfe durch Spastik, Kopf- oder Rückenschmerzen.
Die Unterscheidung ist wichtig für die Wahl der geeigneten Behandlungsstrategie, die oft eine Kombination aus Medikamenten, Physio- und Ergotherapie, Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken umfasst.
Verlauf der Multiplen Sklerose
Es werden drei Hauptverlaufsformen der MS unterschieden:
- Schubförmig remittierende MS (RRMS): Betrifft etwa 85 % der Patienten. Phasen mit Symptomen (Schübe, die mindestens 24 Stunden anhalten) wechseln sich mit weitgehend beschwerdefreien Phasen ab. Symptome bilden sich meist nach vier bis acht Wochen zurück.
- Sekundär chronisch-progrediente MS (SPMS): Bei etwa der Hälfte der RRMS-Patienten geht der schubweise Verlauf nach 15 bis 20 Jahren in eine schleichende Verschlechterung über, wobei Schübe seltener werden und Einschränkungen nicht mehr vollständig zurückgehen.
- Primär chronisch-progrediente MS (PPMS): Bei 10 bis 15 % der Betroffenen nimmt die Erkrankung von Beginn an einen fortschreitenden Verlauf mit kontinuierlicher Verschlechterung der Beschwerden. Tritt häufiger bei einer Diagnose ab dem 40. Lebensjahr auf.
Jede Verlaufsform wird zudem danach bewertet, ob sie entzündlich aktiv oder nicht-aktiv ist.
Lebenserwartung und Heilbarkeit
Die Lebenserwartung von MS-Patienten war in der Vergangenheit verkürzt, liegt aber heute dank verbesserter Therapiemöglichkeiten kaum noch unter der von Gesunden. MS ist keine direkt tödliche Krankheit, jedoch können Komplikationen oder Zweiterkrankungen (z.B. Lungenentzündung durch Schluckstörungen) einen potenziell tödlichen Verlauf nehmen. Die Suizidrate ist bei Betroffenen leider höher als im Bevölkerungsdurchschnitt.
MS ist mit schulmedizinischen Maßnahmen nicht heilbar. Komplementärmedizinische Ansätze, wie die Klassische Homöopathie, zeigen jedoch Remissionsphasen und sogar Heilungsverläufe.
Therapie der Multiplen Sklerose
Das Ziel der schulmedizinischen Therapie ist es, die Lebensqualität der Patienten bestmöglich zu erhalten, Schübe zu verringern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Behinderungen hinauszuzögern. Die Therapie wird auf die jeweilige Verlaufsform und den Grad der Krankheitsaktivität abgestimmt.
Medikamentöse Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung ist die wichtigste Säule:
- Schubtherapie (Kortisonstoßtherapie): Hochdosiertes Kortison (z.B. Methylprednisolon) wird über 3 bis 5 Tage verabreicht, um akute Schübe zu behandeln. Bei schweren Schüben kann auch eine Blutwäsche (Plasmapherese) in Betracht gezogen werden.
- Immuntherapie (verlaufsmodifizierende Therapie): Dient der langfristigen Behandlung und beeinflusst das Immunsystem. Es gibt verschiedene Wirkstoffe in drei Wirksamkeitskategorien:
- Kategorie 1: Beta-Interferone, Dimethylfumarat, Glatirameracetat, Teriflunomid.
- Kategorie 2: Cladribin, Fingolimod, Ozanimod, Siponimod.
- Kategorie 3: Alemtuzumab, Natalizumab, CD20-Antikörper (Ocrelizumab, auch für PPMS zugelassen).
- Symptomatische Therapie: Begleitende Medikamente zur Linderung spezifischer Symptome wie Schmerzen, Muskelkrämpfe, Verstopfung oder Depressionen.
Die Wahl des Medikaments ist individuell und berücksichtigt Alter, Allgemeinbefinden und Krankheitsaktivität. Ein flexibler Wechsel zwischen den Kategorien ist möglich. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind unerlässlich, da einige Medikamente schwere Nebenwirkungen haben können.
Nicht-medikamentöse Therapien
Begleitend zur medikamentösen Behandlung haben sich verschiedene nicht-medikamentöse Maßnahmen bewährt:
- Physio- und Ergotherapie, Logopädie: Zur Verbesserung motorischer und kognitiver Funktionen.
- Psychotherapie, Gruppentherapie: Zur Bewältigung psychischer Belastungen.
- Beckenbodengymnastik: Bei Blasenstörungen.
- Kognitive Verhaltenstherapie: Bei Depressionen.
- Multimodale Rehabilitation: Individuell abgestimmte intensive Behandlung.
Ernährung und Lebensstil bei MS
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist entscheidend. Studien legen nahe, dass eine entzündungshemmende Ernährung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann.
Empfohlene Lebensmittel
Bevorzugen Sie Lebensmittel mit entzündungshemmender Wirkung:
- Gemüse und Hülsenfrüchte
- Fruchtzuckerarmes Obst
- Gewürze wie Ingwer und Kurkuma (reich an Antioxidantien)
- Meeresfische (Lachs, Makrele, Hering) und hochwertige Pflanzenöle (Lein-, Raps-, Soja-, Walnussöl) als Lieferanten für Omega-3-Fettsäuren, die Entzündungen eindämmen.
- Vollkornprodukte
Lebensmittel, die gemieden werden sollten
Vermeiden Sie entzündungsfördernde Lebensmittel:
- Fast alle tierischen Nahrungsmittel: Sie enthalten Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure), die Entzündungen fördert (insbesondere Schweineschmalz, fettiges Fleisch, Wurst, Butter, Eigelb).
- Industriell verarbeitete Kohlenhydrate: Haushaltszucker, Weißmehl, weißer Reis, verarbeitete Kartoffeln.
- Fast Food und Fertigprodukte.
Eine fettbewusste, pflanzenbasierte Ernährung, reich an Vital- und Ballaststoffen, mit geringem Omega-6-Gehalt ist empfehlenswert. Eine kurmäßige Einnahme von Omega-3-Fettsäuren kann die Versorgung sicherstellen.

Darm-Mikrobiom und MS
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass bei MS-Patienten oft eine Dysbalance der Darmbakterien vorliegt, die zu einer erhöhten Anzahl von T-Helferzellen und Autoimmunangriffen auf das Nervensystem führt. Dies wird oft mit Fleischkonsum in Verbindung gebracht. Ein Mikrobiom-Test kann hier Aufschluss geben.
Natürliche und komplementäre Therapieansätze
Ergänzend zur Schulmedizin können verschiedene komplementärmedizinische Verfahren hilfreich sein:
- Physikalische Therapie, Elektrotherapie, Hydrotherapie, Neuraltherapie, Phytotherapie, Homöopathie.
- Individuelle Bewegungstherapie und Entspannungstechniken (Autogenes Training, Meditation).
- Gezielte Mikronährstofftherapie: MS-Patienten weisen oft einen Mangel an wichtigen Vitalstoffen auf.
Wichtige Vitalstoffe bei Multipler Sklerose
Bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen:
Vitamin D: Spielt eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Immunantwort und wirkt Autoimmunreaktionen entgegen. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel ist nachweislich mit MS verbunden. Studien zeigen, dass Vitamin-D-Substitution Schübe minimieren und Symptome lindern kann.
Antioxidantien: Sind wichtigste entzündungshemmende Substanzen und Gegenspieler freier Radikale, die oxidativen Stress erzeugen und Entzündungen anheizen. Bei chronischen Entzündungen ist der Verbrauch an Antioxidantien besonders hoch. Dazu gehören Vitamin A, C, E, Beta-Carotin, Selen, Kupfer, Zink, Coenzym Q10, Glutathion, Alpha-Liponsäure, Resveratrol und OPC. Astaxanthin gilt als eines der stärksten natürlichen Antioxidantien.
B-Vitamine: Ein Zusammenhang zwischen B-Vitamin-Mangel (insbesondere Vitamin B12) und MS wird vermutet. Fast alle MS-Patienten leiden unter einem ausgeprägten Vitamin-B12-Mangel. Vitamin B12 ist wesentlich am Aufbau und Erhalt der Myelinscheiden beteiligt. Eine hochdosierte Einnahme wird empfohlen. Auch Folsäure (Vitamin B9) ist wichtig für die Erneuerung von Nervenzellen und sollte bei Bedarf ergänzt werden.
Magnesium: Wichtig für Nerven- und Muskelfunktionen und die Aktivierung von Vitamin D. Bei Kortisontherapie ist der Magnesiumausscheidung erhöht, daher ist eine Ergänzung ratsam. Magnesium hat zudem eine entzündungshemmende Wirkung.
CBD (Cannabidiol): Ein nicht-psychoaktiver Wirkstoff der Cannabispflanze mit schmerzlindernder und entzündungshemmender Wirkung. Speziell bei MS wird es zur Linderung von Spastik und neuropathischen Schmerzen eingesetzt.
GABA (Gamma-Aminobuttersäure): Ein hemmender Neurotransmitter, der beruhigend, angstlösend, muskelentspannend und schlaffördernd wirkt. Studien belegen eine Korrelation zwischen reduzierter GABA-Konzentration und dem Ausmaß physischer und kognitiver Defizite bei MS.
Lecithin: Ein wichtiger Kofaktor für die Myelinproduktion und die Bildung von Zellmembranen. Studien deuten darauf hin, dass Lecithin die Myelinisierung und Symptome bei Nervenerkrankungen verbessern könnte, was auch für MS relevant sein könnte.
Ubiquinol CoQ10: Unterstützt den Energiestoffwechsel, reduziert Müdigkeit und schützt Zellen vor oxidativem Stress.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum werde ich nach der MS-Diagnose mit der Frage „Warum gerade ich?“ konfrontiert?
Es ist eine sehr häufige Reaktion, sich zu fragen, warum man selbst von einer chronischen Krankheit betroffen ist. Viele Betroffene fühlen sich schuldig, was jedoch unbegründet ist. MS kann jeden treffen. Es hilft, sich umfassend aus seriösen Quellen zu informieren und zu verstehen, dass die Diagnose nichts über den künftigen Verlauf aussagt. Psychologische Unterstützung und der Austausch mit anderen Betroffenen können ebenfalls helfen, diese Frage zu verarbeiten.
Wie kann ich mit der Ungewissheit über den Krankheitsverlauf umgehen?
Die Ungewissheit ist eine große Belastung. Wichtig ist zu wissen, dass es heute gute Therapiemöglichkeiten gibt, die Schübe und Behinderungen verhindern oder verzögern können, was ein erfülltes Leben oft ohne große Einschränkungen ermöglicht. Versuchen Sie, die MS und die Therapie nicht als „Gegner“ zu sehen, sondern als Teil Ihres Lebens. Das Bewusstsein, dass Ungewissheit ein Teil des Lebens für alle Menschen ist, kann helfen, gelassener damit umzugehen.
Was soll ich tun, wenn quälende Gedanken nicht verschwinden?
Wenn Ängste und Sorgen Sie weiterhin quälen, suchen Sie das Gespräch mit einer Vertrauensperson wie Angehörigen, Freunden, der MS-Nurse oder Ihrem Arzt. Soziale Unterstützung ist sehr wichtig. Scheuen Sie sich auch nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und einen Psychologen zu konsultieren. Dieser kann Ihnen Strategien vermitteln, um Ängste zu bewältigen, eine positive Zukunftsperspektive zu entwickeln und aus einer passiven Opferrolle herauszukommen.
Wie kann ich nach einem Schub wieder Vertrauen in meinen Körper fassen?
Ein Symptomtagebuch kann sehr hilfreich sein. Notieren Sie nicht nur Beschwerden, sondern auch deren Stärke, Ihren Umgang damit und was geholfen hat. Wichtig ist auch, gute Tage und Ihre emotionale Lage festzuhalten. So lernen Sie viel über sich selbst, individuelle Auslöser (Trigger) für Schübe (z.B. Stress) und was Ihnen hilft, Ihre Gesundheit zu stabilisieren. Gehen Sie achtsam und liebevoll mit sich um, pflegen Sie soziale Kontakte und bleiben Sie in Bewegung. Ein aktives Leben trägt dazu bei, Vertrauen in sich und seinen Körper zu finden und ein weitgehend normales Leben mit MS zu führen.
Ist Alpha-Liponsäure hilfreich bei MS?
Studien legen nahe, dass Alpha-Liponsäure den Verlauf der MS günstig beeinflussen, Symptome lindern und den Verlust von Hirnvolumen bremsen kann. Dies wird auf ihre antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften zurückgeführt. Da die körpereigene Synthese bei MS oft nicht ausreicht, wird eine hochdosierte kurmäßige Substitution empfohlen. Alpha-Liponsäure sollte jedoch nicht gleichzeitig mit bestimmten Mineralstoffen eingenommen werden und kann die Wirkung von blutzuckersenkenden Medikamenten verstärken.
Was ist der Unterschied zwischen neuropathischen und nozizeptiven Schmerzen bei MS?
Neuropathische Schmerzen entstehen direkt durch Schädigungen der Nervenfasern oder -zellen infolge der MS-Entzündungsherde. Sie äußern sich oft als Brennen, Kribbeln, Ziehen oder stechende, elektrisierende Schmerzen. Nozizeptive Schmerzen sind normale Schmerzreaktionen auf Reize, die der Körper über Schmerzrezeptoren wahrnimmt. Sie entstehen oft als indirekte Folge der MS, z.B. Muskelkrämpfe durch Spastik oder Kopf- und Rückenschmerzen. Die Unterscheidung ist wichtig für die gezielte Schmerztherapie.
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