Warum schreien wir in welchen Wüsten?

Gebet im Sturm: Wie Psalm 55 uns leitet

15/06/2022

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Es gibt Momente im Leben, in denen uns die Last der Umstände schier erdrückt. Ob es die unendlichen Herausforderungen des Elternseins sind, die geistliche Erschöpfung im Dienst oder persönliche Angriffe, die uns zu Boden werfen – der Wunsch, einfach nur noch zu flüchten, ist zutiefst menschlich. Wir stellen uns vor, wie wir die Koffer packen, alles hinter uns lassen und an einem vermeintlich friedlichen Ort, weit weg von allem Druck, zur Ruhe kommen. Oftmals taucht dabei das Bild einer weiten, stillen Landschaft auf, ein Ort der Isolation und doch der Freiheit: die Wüste. Doch während die Vorstellung einer solchen Flucht verlockend sein mag, ist sie selten die wahre Lösung. Die biblische Weisheit bietet uns einen anderen Weg, einen, der uns nicht aus der Situation, sondern durch sie hindurchführt – gestärkt und verwandelt. Dieser Artikel beleuchtet, warum die „Wüste“ manchmal so anziehend wirkt und wie wir, inspiriert durch Psalm 55, einen tiefen, bleibenden Frieden finden können, selbst inmitten des Sturms.

Warum ist die Wüste so attraktiv?
Die Wüste ist normalerweise ein menschenfeindlicher Ort (vgl. 4Mose 21,5; 5Mose 32,10; Jes 13,20–22), doch in seiner Misere kommt David die Wüste recht attraktiv vor. Es ist völlig normal, dass wir uns wünschen, aus einer Situation herauszukommen, die uns überfordert und fertigmacht.
Inhaltsverzeichnis

Die Anziehungskraft der Wüste – Ein Ruf nach Flucht

Die Wüste – ein Ort der Kargheit, der Extreme, oft auch der Gefahr. Und doch, wenn das Leben uns überfordert, wenn wir uns den Herausforderungen und Angriffen nicht mehr gewachsen fühlen, dann scheint sie plötzlich attraktiv. Dieser Wunsch nach einem Rückzugsort ist nicht neu. Denken Sie an die junge Mutter, die sich nach einer ruhigen Minute sehnt, die der Pastor, der vom Gemeindeleben ausgelaugt ist, oder der Missionar, der sich nach geistlicher Erfrischung sehnt. Die Vorstellung, alles hinter sich zu lassen und in einem „Tropenparadies“ oder eben in der stillen Weite der Wüste den Frust zu ertränken, ist eine tiefe Sehnsucht nach Entlastung und einem Ende des Schmerzes. Die Wüste, normalerweise ein menschenfeindlicher Ort, wird in unserer Misere zu einem Symbol für absolute Ruhe, für einen Ort, an dem uns niemand finden, niemand etwas von uns verlangen kann. Es ist der ultimative Rückzug von der Überforderung.

Dieser Wunsch, so verständlich er auch ist, ist jedoch keine dauerhafte Lösung. Wir wissen instinktiv, dass das Davonlaufen die eigentlichen Probleme nicht löst, sondern nur aufschiebt oder verlagert. Was also tun, wenn wir vom Leben und unseren Umständen überfordert sind? Die biblische Antwort finden wir prägnant in Jesaja 50,10 formuliert: „Wer unter euch fürchtet den Herrn? Wer gehorcht der Stimme seines Knechtes? Wenn er im Finstern wandelt und ihm kein Licht scheint, so vertraue er auf den Namen des Herrn und halte sich an seinen Gott!“ Dies ist die Einladung, selbst im Dunkel des Lebens auf Gott zu vertrauen. Aber wie setzen wir das praktisch um, wenn unser Herz bebt und uns die Schrecken überfallen?

Psalm 55 – Ein Gebetsleitfaden in fünf Schritten

Eine tiefgehende und praktische Antwort liefert uns König David in Psalm 55. Dieser Psalm ist ein Mustergebet, das uns lehrt, wie wir mit überwältigenden Emotionen und schwierigen Umständen umgehen können, indem wir sie vor Gott bringen. Er zeigt uns einen Weg auf, der von der tiefsten Klage zur festen Zuversicht führt. Schauen wir uns diesen Psalm der Reihe nach an, um zu verstehen, wie wir Davids Beispiel in unserem eigenen Leben folgen können.

1. Sagen Sie, wie es ist: Radikale Ehrlichkeit vor Gott

David beginnt seinen Psalm nicht mit frommen Floskeln, sondern mit einer rohen, unverblümten Klage. Er bittet Gott darum, sein Flehen zu hören, obwohl er um Gottes Allgegenwart weiß. Er schreit zu Gott, öffnet sein Herz und legt ihm seine gesamte Verzweiflung dar:

„Höre auf mich und antworte mir! Ich bin unruhig in meiner Klage und stöhne vor dem Brüllen des Feindes, vor der Bedrückung des Gottlosen; denn sie wollen Unheil über mich bringen und befeinden mich grimmig! Mein Herz bebt in mir, und die Schrecken des Todes haben mich überfallen; Furcht und Zittern kommt mich an, und Schauder bedeckt mich.“ (Ps 55,3–6)

David ist am Ende seiner Kräfte. Er ist angefeindet, leidet unter enormem Druck, erlebt Todesängste und droht vor Angst zu ersticken. Er ist ein emotionales Wrack. Das Bemerkenswerte hier ist Davids absolute Ehrlichkeit vor Gott. Er scheut sich nicht, Gott zu sagen, wie es ihm wirklich geht, ohne etwas zu beschönigen. Dies ist eine wiederkehrende Lektion in den Psalmen: Die Psalmschreiber bekennen, wie es wirklich in ihnen aussieht. Die erste und vielleicht wichtigste Lektion aus Psalm 55 ist: Seien Sie radikal ehrlich vor Gott. Wir müssen unsere Gebete nicht aus einer falschen Geistlichkeit heraus beschönigen. Wenn wir uns hoffnungslos überfordert fühlen, dürfen wir Gott das auch so sagen – mit all unserer Wut, unserem Schmerz und unserer Verzweiflung. Gott kann damit umgehen.

2. Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Der Wunsch nach Flucht

Angesichts seiner schwierigen Lage ist es nur natürlich, dass David der Situation am liebsten entfliehen möchte. Er äußert diesen tiefen Wunsch offen:

„Und ich sprach: O daß ich Flügel hätte wie die Taube; ich würde davonfliegen, bis ich Ruhe fände! Siehe, ich wollte weit weg fliehen, mich in der Wüste aufhalten; (Sela.) ich wollte zu meinem Zufluchtsort eilen vor dem brausenden Wind, vor dem Sturm.“ (Ps 55,7–9)

Dieser Wunsch, sich wie eine Taube in die Wüste zurückzuziehen, ist faszinierend. Eine Taube ist ein schreckhaftes Tier, das bei Gefahr sofort davonfliegt. David fühlt sich verletzlich und wünscht sich die Fähigkeit zur Flucht statt zum Angriff. Der Wunsch, in die Wüste zu fliehen, ist hier ein Ausdruck seiner tiefen Verletzlichkeit und des Bedürfnisses nach einem sicheren Zufluchtsort. Es ist völlig normal, dass wir uns wünschen, aus einer Situation herauszukommen, die uns überfordert und fertig macht. In manchen Fällen können und sollten wir sogar die Notbremse ziehen und aussteigen – David selbst floh vor Saul und später vor Absalom. Auch die Apostel zogen sich gelegentlich zurück, wenn es möglich war (Apg 9,24-25). Doch diese Option haben wir nicht immer oder zumindest nicht in diesem Moment. Die überforderte Mutter kann nicht einfach aus ihrer Rolle aussteigen, genauso wenig wie der erschöpfte Pastor seine Gemeinde von heute auf morgen wechseln kann. Es ist jedoch legitim und wichtig, diesen Wunsch nach besseren Umständen anzuerkennen und ihn vor Gott zum Ausdruck zu bringen, selbst wenn andere Christen vielleicht kein Verständnis dafür haben.

3. Bitten Sie Gott, die Situation zu verändern: Die Klage über die Feinde

Nachdem David seine eigenen Gefühle und Wünsche offenbart hat, kommt er endlich auf das eigentliche Problem zu sprechen: die Feinde, die ihm das Leben schwer machen. Er bittet Gott eindringlich um eine Veränderung der äußeren Umstände:

„Vertilge sie, Herr, entzweie sie in ihren Absprachen, denn ich sehe Gewalttat und Streit in der Stadt! Tag und Nacht gehen sie umher auf ihren Mauern, und in ihrem Inneren ist Unheil und Verderben. Bosheit herrscht in ihrer Mitte, und von ihrem Markt weichen nicht Bedrückung und Betrug.“ (Ps 55,10–12)

David befindet sich in einer Stadt voller Korruption und Gewalt. Doch noch schlimmer ist der Verrat eines ehemaligen Freundes, mit dem er einst tiefe Gemeinschaft pflegte (V. 13-15). Zu den äußeren Bedrängnissen kommt der tiefe emotionale Schmerz über diesen Verrat hinzu. David ist zutiefst von einem Menschen enttäuscht worden, auf dessen Hilfe und Beistand er gezählt hatte. Mit starken, ehrlichen Worten bittet er Gott darum, etwas an der Situation zu ändern: „Der Tod überfalle sie! Sie sollen lebendig ins Totenreich fahren, denn Bosheit ist in ihren Wohnungen, in ihrem Inneren“ (V. 16). Diese Worte mögen uns hart vorkommen, aber im Kontext dieses Psalms sind sie angemessen. David vertraut Gott die Situation an und überlässt es ihm, wie er darauf reagieren wird, anstatt selbst Rache zu üben. Wir dürfen Gott darum bitten, unsere Situation zu verändern. Wir müssen nicht alles stoisch ertragen, sondern dürfen dort, wo unsere Situation nicht mit Gottes offenbartem Willen übereinstimmt, um Veränderung bitten. Davids Reaktion war jedenfalls anhaltendes Gebet.

4. Beten Sie, dass Gott Sie verändert: Inneren Frieden finden

David kann seine Situation nicht ändern, aber Gott kann sowohl die Situation als auch ihn selbst verändern. Daher wendet David sich immer wieder an ihn:

„Ich aber rufe zu Gott, und der HERR wird mir helfen. Abends, morgens und mittags will ich beten und ringen, so wird er meine Stimme hören. Er hat meine Seele erlöst und ihr Frieden verschafft vor denen, die mich bekriegten; denn viele sind gegen mich gewesen.“ (Ps 55,17–19)

David spricht hier nicht nur ein einziges Gebet, sondern kommt mehrmals täglich zu Gott, und zwar so lange, bis Gott sein Gebet erhört. Am Anfang hat David Gott noch darum gebeten, auf seine Klage zu hören. Jetzt bekennt er, dass Gott ihn erhören wird. Er ist zuversichtlich, dass sein Gebet nicht umsonst gewesen ist. Beachten Sie, dass die Situation sich noch nicht verändert hat. Die Feinde sind immer noch da, aber seine Seele hat Frieden gefunden. Er ist innerlich ruhig geworden und sieht die Situation jetzt aus Gottes Perspektive. Dies ist die entscheidende Transformation. Während wir für eine Veränderung der Situation beten dürfen, sollten wir ebenfalls dafür beten, dass Gott uns und unsere Sichtweise verändert. Womöglich wird Gott unser erstes Gebet nicht erhören, aber an vielen Stellen in der Bibel erklärt Gott seine Absicht, uns zu verändern (vgl. Eph 3,14–21; 1Thess 5,23-24). Das geschieht in der Regel aber nicht sofort. Wie David müssen wir immer wieder zu Gott kommen und die Gemeinschaft mit ihm suchen. In der Praxis muss das nicht jeweils eine ausgiebige Stille Zeit mit Bibellesen und allem Drum und Dran sein – gerade das ist ja in vielen herausfordernden Situationen gar nicht möglich. Vielleicht ist es ein Anfang, sich täglich bewusst an Gott zu richten – und wenn es nur ein kurzes, aber ehrliches Gebet ist.

5. Bedenken Sie, dass Gott sich um Sie sorgt: Zuversicht im Vertrauen

Erneut kommt David auf die Feinde zu sprechen, aber dieses Mal klingen die Worte ganz anders als noch in den Versen 10–16:

„Gott wird hören und sie demütigen, er, der auf dem Thron sitzt von Urzeit her. (Sela.) Denn sie ändern sich nicht, und sie fürchten Gott nicht.“ (Ps 55,20)

Davids Sichtweise hat sich radikal verändert. Gott ist immer noch der Herr der Lage! Es ist nicht so, dass David vorher daran gezweifelt hätte, aber jetzt kann er diese Wahrheit tatsächlich sehen, und das beeinflusst die Art und Weise, wie er ab jetzt mit der Situation umgeht. Er vertraut darauf, dass Gott eingreifen wird. Interessant ist Vers 23:

„Wirf dein Anliegen auf den HERRN, und er wird für dich sorgen; er wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen!“

Sagt er das zu sich selbst oder ermutigt er andere damit, die ebenso leiden? Wir wissen es nicht. An wen auch immer diese Aufforderung gerichtet ist – sie macht deutlich, dass sein Gottvertrauen wieder da ist. Deshalb schließt er seinen Psalm auch mit der Aussage: „Ich aber vertraue auf dich!“ (V. 24). Davids anhaltendes Gebet bleibt nicht ohne Wirkung. Die anfängliche Klage weicht dem zuversichtlichen Gottvertrauen. Diese Zuversicht dürfen und sollen wir auch haben. Vielleicht hatte Petrus ja Psalm 55,23 im Sinn, als er den Christen in der Verfolgung schrieb: „So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit! Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1Petr 5,6–7)

Gerade dieser letzte Satz ist so wichtig: Gott ist um dich und mich besorgt. Wir sind ihm nicht egal. Woher können wir das wissen? Weil er Jesus, seinen einzigen Sohn, für uns in diese Welt geschickt hat, damit er für unsere Schuld stirbt, sodass wir durch ihn wieder mit Gott versöhnt sein können. Paulus argumentiert im Römerbrief, dass er uns nichts Gutes mehr vorenthalten wird, wo er doch so weit gegangen ist (vgl. Röm 8,32). Dies ist der tiefste Grund für unser Gottvertrauen: Seine Liebe, bewiesen am Kreuz.

Jesus – Unser Vorbild in der Wüste des Leidens

Vielleicht sind Ihnen die Parallelen zu Jesus bereits aufgefallen. Sein Leben, insbesondere seine letzten Stunden, spiegeln die Erfahrungen Davids und unsere eigenen Nöte auf erstaunliche Weise wider:

  • Als Jesus im Garten Gethsemane war, befielen ihn ebenfalls Todesängste, sodass er zu Gott betete (vgl. Mt 26,38). Er erlebte eine tiefe innere Not, die ihn zur Klage trieb.
  • Auch er wünschte, aus der Situation herauszukommen, doch er wusste, dass es keine Option war, die dem Willen des Vaters entsprach (vgl. Mt 26,39). Sein Gehorsam war stärker als der Wunsch nach Flucht.
  • Auch Jesus sah sich den Feinden in der Stadt gegenüber und wurde von einem Freund verraten (vgl. Mt 26,47–56). Er kannte den Schmerz des Verrats und der Ablehnung aus erster Hand.
  • Doch auch Jesus vertraute sich ganz Gott, dem Vater an (vgl. Lk 23,46), selbst im Angesicht des Todes. Und er wurde schließlich zu neuem Leben auferweckt (vgl. Apg 2,32–36).

Weil Jesus Christus heute tatsächlich lebt und ihm alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist, dürfen wir Psalm 55 beten, wenn uns alles hoffnungslos erscheint. Ihm ist nichts unmöglich, und du und deine Umstände sind ihm nicht egal. Er ist der verständnisvolle Hohepriester, der mit uns mitfühlen kann, weil er selbst alle Prüfungen durchlitten hat (Hebr 4,15).

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ReNos sind die stillen Helden, die dafür sorgen, dass alles läuft und deren Einsatz dafür leider stellenweise als selbstverständlich angesehen wird. Bemerkbar macht er sich meist erst, wenn eine Kollegin aufgrund Krankheit ad hoc ausfällt. Spätestens dann wissen die Anwälte und Notare, was sie an ihren Mitarbeitenden haben.

In welchen Wüsten schreien wir? – Ein Gedicht als Spiegel der Seele

Die Wüste ist nicht nur ein physischer Ort, sondern oft auch eine Metapher für die schwierigen, kargen und einsamen Phasen unseres Lebens. Die Dichterin Dagmar Ender fängt diese Erfahrung in ihrem Gedicht „Warum schreien wir in welchen Wüsten?“ eindringlich ein:

In welchen Wüsten rufen wir, in der Hoffnung auf Gehör,
in der Hoffnung auf Veränderung, in der Hoffnung auf ein Wunder?
In welchen Wüsten suchen wir, in der Hoffnung auf Verbündete,
auf Liebe, in der Hoffnung auf Vergebung?
In welchen Wüsten weinen wir, Tränen der Einsamkeit, der Trauer der Angst, in der Hoffnung auf Zuversicht, Nähe und Erlösung?
In welchen Wüsten schreien wir, weil wir Angst, Schmerz und Leid nicht mehr ertragen, in der Hoffnung auf Gerechtigkeit, Heil und Zuversicht.
In diesen Wüsten treffen wir Dich oh Herr, denn Du bist uns vorausgegangen, mit Deinen Wüstenerfahrungen. Wie Johannes hast auch du gelitten, geweint, gehadert, bist an Deine Grenzen gestoßen und bist gewachsen durch Gott unseren Herr. Amen
© Dagmar Ender

Dieses Gedicht verdeutlicht, dass unsere „Wüsten“ vielfältig sind – Orte der Sehnsucht nach Gehör, nach Veränderung, nach Liebe und nach Erlösung. Es erinnert uns daran, dass wir in diesen scheinbar leeren Räumen nicht allein sind. Gott ist uns in unseren Wüstenerfahrungen vorausgegangen, durch Jesus Christus, der selbst die tiefsten Leiden durchlebte. In unseren Schwachheiten, in unserem Schreien und Weinen, in unserem Hadern finden wir ihn, der uns versteht und uns durchträgt. Das Gebet ist die Brücke, die uns in diesen Wüsten mit dem verbindet, der die Quelle allen Lebens ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

  • Q1: Kann ich wirklich so ehrlich zu Gott sein, wie ich mich fühle?

    Absolut! Die Psalmen sind voll von Gebeten, die tiefe Wut, Trauer, Verzweiflung und sogar Zorn ausdrücken. Gott kennt Ihr Herz bereits. Ehrlichkeit im Gebet ist nicht mangelnder Glaube, sondern ein Ausdruck tiefen Vertrauens, dass Gott Sie so annimmt, wie Sie sind, und dass er mit Ihren Gefühlen umgehen kann.

  • Q2: Was, wenn sich meine Situation nicht ändert?

    Wie David in Psalm 55 erfahren hat, ist es nicht immer die Situation, die sich sofort ändert, sondern oft unsere innere Haltung und Perspektive. Gott wirkt auf vielfältige Weise. Er kann die äußeren Umstände ändern, aber er kann auch uns stärken, uns Weisheit geben und uns inneren Frieden schenken, damit wir die Situation ertragen und durch sie hindurchwachsen können. Vertrauen Sie auf seinen Zeitplan und seine souveräne Führung.

  • Q3: Ist es egoistisch, Gott um persönliche Veränderung zu bitten?

    Nein, ganz im Gegenteil. Es ist ein biblisches Prinzip, dass Gott uns verwandeln möchte, um uns seinem Bild ähnlicher zu machen (Röm 8,29). Wenn wir um Geduld, Stärke, Weisheit oder eine veränderte Perspektive bitten, bitten wir um Dinge, die uns helfen, Gott besser zu dienen und ein gottgefälliges Leben zu führen. Das ist ein Gebet, das Gott immer erhört.

  • Q4: Wie finde ich die Kraft, immer wieder zu beten, wenn ich so müde bin?

    Beginnen Sie klein. Ein kurzes, ehrliches Gebet, ein Seufzer, ein Ausruf der Verzweiflung – all das ist Gebet. Es muss keine lange, formelle Zeit sein. Gott versteht auch die unausgesprochenen Seufzer des Herzens. Konzentrieren Sie sich darauf, einfach präsent zu sein und Ihre Last vor Gott abzulegen, auch wenn es nur für einen Moment ist. Die Kraft kommt oft im Akt des Gehorsams, sich trotz Müdigkeit an ihn zu wenden.

  • Q5: Bedeutet "Wüste" immer etwas Negatives?

    Obwohl die Wüste oft mit Not und Entbehrung assoziiert wird, ist sie in der Bibel auch ein Ort der Begegnung mit Gott, der Läuterung und der Vorbereitung. Jesus selbst verbrachte 40 Tage in der Wüste. Manchmal sind die "Wüstenzeiten" in unserem Leben genau die Phasen, in denen wir Gott am tiefsten begegnen, unsere Abhängigkeit von ihm lernen und geistlich wachsen. Es ist ein Ort, an dem Ablenkungen minimiert sind und wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können.

Die Wüste des Lebens mag uns bisweilen überfordern und den Wunsch nach Flucht in uns wecken. Doch die biblische Botschaft, insbesondere durch Psalm 55 und das Beispiel Jesu, ist klar: Wir müssen nicht fliehen, um Frieden zu finden. Vielmehr dürfen wir in unserer Not radikal ehrlich zu Gott sein, unsere Wünsche und Klagen vor ihn bringen und ihm vertrauen, dass er entweder die Situation oder uns selbst verändert. Er ist der Gott, der sich um uns sorgt, der uns in unseren tiefsten Nöten begegnet und uns durchträgt. Im Gebet, in der ehrlichen Kommunikation mit ihm, finden wir die wahre Zuflucht, die uns keine physische Wüste bieten kann – einen Frieden, der alle Vernunft übersteigt, mitten im Sturm des Lebens.

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