16/06/2024
Assisi, eine Stadt, die auf einem Hügel in Umbrien thront, ist untrennbar mit dem Namen Franziskus verbunden. Hier, wo die sanften Hügel des Monte Subasio die Landschaft prägen, erhebt sich ein Bauwerk von immenser spiritueller und künstlerischer Bedeutung: die Basilika des Heiligen Franziskus. Dieses monumentale Heiligtum ist nicht nur die letzte Ruhestätte des Ordensgründers, sondern auch ein lebendiges Zeugnis seines Vermächtnisses, das die Welt bis heute tiefgreifend beeinflusst.

Der Bau der Franziskus-Basilika in Assisi begann im März 1228, weniger als zwei Jahre nach dem Tod des Heiligen. Das Grundstück für diesen außergewöhnlichen Bau wurde der Franziskanerbruderschaft durch eine Schenkung überlassen. Es war ein Ort mit einer düsteren Vergangenheit, bekannt als der „Hügel der Hölle“, da hier einst verurteilte Verbrecher hingerichtet wurden. Doch unter der Vision von Papst Gregor IX. und der Hingabe der entstehenden franziskanischen Gemeinschaft sollte dieser Ort zu einem „Hügel des Paradieses“ werden, einem Zentrum der Hoffnung und des Glaubens.
- Die Anfänge des Franziskanerordens und Franziskus' Weg
- Die Bestätigung des Ordens und seine Verbreitung
- Wichtige Orte und Wunder im Leben des Franziskus
- Tod und Heiligsprechung
- Die Basilika des Heiligen Franziskus: Ein Meisterwerk der Architektur und Kunst
- Das Erbe und die Herausforderungen des Franziskanerordens
- Der Sonnengesang: Ein Vermächtnis der Schöpfungsliebe
- Häufig gestellte Fragen zur Franziskus-Basilika und Franziskus von Assisi
Die Anfänge des Franziskanerordens und Franziskus' Weg
Um die Bedeutung der Basilika vollständig zu erfassen, muss man das Leben ihres Namensgebers verstehen. Franziskus, geboren als Giovanni di Pietro di Bernardone um 1181/82, wuchs in einer wohlhabenden Tuchhändlerfamilie auf. Sein Geburtsort, angeblich der Stall im Erdgeschoss des Elternhauses in Assisi, deutet bereits auf die spätere Hinwendung zu einem Leben in Armut hin, eine Parallele zur Geburt Jesu Christi.
Ein entscheidender Wendepunkt in Franziskus' Leben war die Begegnung mit einem Kruzifix in der kleinen, verfallenen Kirche San Damiano außerhalb Assisis. Eine Stimme vom Kreuz herab forderte ihn auf: „Franziskus, geh und bereite mein Haus, das sich in Ruinen auflöst.“ Zunächst verstand Franziskus dies wörtlich und begann, die verfallene Kirche eigenhändig zu renovieren. Um Material zu beschaffen, verkaufte er sogar einige Tuchballen aus dem Besitz seines Vaters. Dies führte zu einem tiefgreifenden Konflikt mit seinem Vater, der ihn fesselte und einsperrte. Thomas von Celano, sein früher Biograf, berichtet in der „Vita prima Santi Francici“ von der Freilassung durch seine Mutter und Franziskus' endgültigem Bruch mit seinem Elternhaus und weltlichem Besitz.
Vor den Augen des Bischofs von Assisi und einer großen Menge entsagte Franziskus allem irdischen Besitz und sprach die berühmten Worte: „Weder Geld noch Kleider will ich von dir, von jetzt an nenne ich nur noch einen Vater, den im Himmel!“ Dieser Akt der Entblößung und Hingabe markierte den Beginn seines radikalen Lebensweges nach dem Vorbild Christi.
Zwischen 1207 und 1209 führte Franziskus ein Einsiedlerleben und widmete sich der Wiederherstellung weiterer zerstörter Kirchen, darunter die Portiuncula. Diese kleine Kapelle, die er eigenhändig restaurierte, sollte später zum Mutterhaus des Franziskanerordens werden. Hier versammelten sich ab 1208 die ersten Brüder um Franziskus, um nach der evangelischen Vorschrift zu leben: in Armut, ohne Besitz, allein auf Gottes Fürsorge vertrauend.
Die anfängliche Gemeinschaft lebte in einfachen Hütten in Rivotorto, einem Ort in der Ebene östlich von Assisi. Thomas von Celano berichtet von einer bemerkenswerten Episode, in der ein Bruder nachts vor Hunger schrie. Franziskus, von großem Mitgefühl erfüllt, ließ nicht nur Essen bereiten, sondern aß mit ihm, um ihm die Scham zu nehmen, und forderte alle anderen Brüder auf, ebenfalls zu essen. Dies verdeutlicht den menschzentrierten und nicht dogmatischen Ansatz seiner Askese.
Die Bestätigung des Ordens und seine Verbreitung
Im Frühjahr 1209 reiste Franziskus mit elf Brüdern nach Rom, um von Papst Innozenz III. die mündliche Bestätigung seiner neuen Lebensweise zu erhalten. Die Legende besagt, dass der Papst eine Vision hatte, in der Franziskus die Lateransbasilika stützte, die kurz vor dem Einsturz stand. Dies überzeugte ihn von der göttlichen Sendung Franziskus'. Obwohl Innozenz III. die Armutsregel zunächst als „allzu hart und rau“ empfand, gab er seine Zustimmung und erlaubte Franziskus und seinen Brüdern, als Laienprediger aufzutreten. Dies war die Geburtsstunde des Franziskanerordens, der eine Erneuerung der Kirche durch Caritas – die Nächstenliebe – zum Ziel hatte.
In den folgenden Jahren wuchs der Orden schnell. Franziskus widmete sich auch der Gründung des Dritten Ordens (Tertiare), einer Gemeinschaft für Menschen, die in der Welt leben, aber nach Ordensregeln streben wollten. Obwohl Franziskus selbst keine feste Regel wollte, sondern allein die Botschaft Jesu vom Verzicht auf Besitz, entstand auf Drängen des Papstes die „Regula non bullata“ (1221) und schließlich die von Papst Honorius III. bestätigte endgültige Regel des Franziskanerordens (1223).
Wichtige Orte und Wunder im Leben des Franziskus
Das Leben des Franziskus war von tiefer Spiritualität und wundersamen Ereignissen geprägt, die seine Zeitgenossen und nachfolgende Generationen zutiefst beeindruckten. Viele dieser Orte sind heute Pilgerstätten:
- Eremo delle Carceri: In diesem dichten Eichenwald am Berg Subasio zog sich Franziskus schon 1205 zum Gebet zurück. Hier, in einer Grotte, suchte er die Einsamkeit, um Gott um Führung zu bitten. Die Höhle mit seinem Gebetsplatz und dem Stein, der ihm als Bett diente, ist bis heute erhalten.
- Greccio: Im Jahr 1223 feierte Franziskus in einer Felsgrotte bei Greccio das erste Weihnachtsfest mit einer lebenden Krippe, komplett mit Ochs und Esel und einer strohgefüllten Krippe. Sein Ziel war es, der Bevölkerung die Geburtsgeschichte Jesu auf greifbare Weise zu vermitteln. Thomas von Celano beschreibt die tiefe Freude und Andacht dieses Ereignisses, das die Tradition der Weihnachtskrippe begründete.
- La Verna: Auf dem Berg La Verna ereignete sich 1224 das wohl bekannteste Wunder im Leben des Franziskus: die Stigmatisierung. Nach 40 Tagen des Fastens und intensiven Gebets erhielt er die Wundmale Christi an Händen, Füßen und an der Seite, als ihm der Gekreuzigte in Gestalt eines Seraphs erschien. Franziskus verheimlichte diese Male, die erst nach seinem Tod sichtbar wurden. Dies war die erste bezeugte Stigmatisierung in der Kirchengeschichte und ein Höhepunkt seiner Identifikation mit dem Leiden Jesu.
Auch die berühmte Predigt an die Vögel in Bevagna ist ein Zeugnis seiner tiefen Verbundenheit mit der Schöpfung. Thomas von Celano berichtet, wie die Vögel auf seine Worte jubelten und ihre Hälse streckten, ein Sinnbild für Franziskus' universelle Botschaft der Liebe und des Respekts vor allem Lebendigen.
Tod und Heiligsprechung
Die Entbehrungen und seine Krankheit beeinträchtigten Franziskus' Gesundheit zunehmend. Schließlich, dem Tode nahe, ließ er sich in sein Ursprungskloster Portiuncula zurücktragen. In einer kleinen Hütte, die heute in der riesigen Basilika Santa Maria degli Angeli eingeschlossen ist, legte er sich auf den nackten Boden, dichtete die letzten Verse seines „Sonnengesangs“ – jene über „Bruder Tod“ – und verschied. Er starb nackt, singend und umgeben von seinen Brüdern, in froher Erwartung des Todes als Bruder. Als sein Gesang verstummte, zwitscherten die Lerchen plötzlich heftig in die Stille hinein.
Die Heiligsprechung des Franziskus erfolgte bereits 1228, nur zwei Jahre nach seinem Tod, durch Papst Gregor IX. Die Schnelligkeit dieser Kanonisation unterstreicht die immense Verehrung, die Franziskus schon zu Lebzeiten genoss und die sich nach seinem Tod noch verstärkte. Zahlreiche Wunder, die sich durch seine Fürsprache ereigneten, trugen ebenfalls zu seiner schnellen Anerkennung bei.
Die Basilika des Heiligen Franziskus: Ein Meisterwerk der Architektur und Kunst
Die Basilika in Assisi ist eine einzigartige zweistöckige Kirche, die den Leichnam des Heiligen beherbergt und Pilger aus aller Welt anzieht. Sie ist ein architektonisches Wunderwerk und beherbergt einige der bedeutendsten Freskenzyklen der italienischen Kunstgeschichte.
Die Unterkirche
Die Unterkirche, die bereits 1230 fertiggestellt wurde, sollte den Sarkophag des Heiligen aufnehmen. Sie ist dunkel und mystisch, ein Ort der Kontemplation und Ehrfurcht. Ihre Architektur ist geprägt von niedrigen Gewölben und einer intimen Atmosphäre, die zum Gebet und zur Besinnung einlädt. Hier finden sich beeindruckende Fresken von Künstlern wie Giovanni Cimabue, dessen Darstellung des Heiligen Franziskus um 1280 als eine der authentischsten gilt, gemalt nach den Beschreibungen des Thomas von Celano.
Die Oberkirche
Im Gegensatz dazu ist die Oberkirche hell und großräumig, ein Ausdruck von Freude und Dankbarkeit. Ihre tragenden Wände und der Glockenturm wurden bereits 1236 fertiggestellt. Die Oberkirche ist berühmt für Giotto di Bondones einzigartigen Freskenzyklus der „Leggenda Francescana“, entstanden zwischen 1297 und 1299. In 28 Szenen wird das Leben des Heiligen Franziskus dargestellt, basierend auf der „Legenda Maior“ von Johannes Bonaventura. Diese Fresken revolutionierten die Malerei ihrer Zeit durch ihre Lebendigkeit und emotionale Tiefe und machten Giotto zu einem der bedeutendsten Künstler der Frührenaissance.
Im 14. Jahrhundert wurde der Franziskanerkonvent erweitert, und im 15. Jahrhundert ließ Papst Sixtus IV. die gesamte zur Ebene gewandte Seite durch mächtige Mauerbögen verstärken, was dem Komplex den Charakter einer Befestigung verlieh. Dieser Wandel von einem armen Orden zu einem wohlhabenden, ja sogar befestigten Bauwerk, spiegelt die komplexen Entwicklungen innerhalb der Kirche und des Ordens wider.
| Merkmal | Unterkirche | Oberkirche |
|---|---|---|
| Fertigstellung | 1230 | Tragende Wände 1236 |
| Atmosphäre | Dunkel, mystisch, kontemplativ | Hell, großräumig, freudvoll |
| Hauptzweck | Grabstätte des Heiligen Franziskus | Ort der Verkündigung und Feier |
| Berühmte Kunstwerke | Fresken von Cimabue | Freskenzyklus von Giotto (Leggenda Francescana) |
| Architektur | Niedrige Gewölbe, intim | Hohe Decken, weitläufig |
Das Erbe und die Herausforderungen des Franziskanerordens
Schon zu Lebzeiten des Franziskus begann der Kampf um die „richtige“ Darstellung seines Lebens und seiner Botschaft. Nach seinem Tod spielten Biografen wie Thomas von Celano und insbesondere Johannes Bonaventura eine entscheidende Rolle bei der Formung des offiziellen Franziskusbildes. Bonaventuras „Legenda Maior“ von 1260 wurde zur maßgeblichen Biografie, und auf seine Anweisung hin sollten alle anderen Lebensbeschreibungen vernichtet werden. Bonaventura, als Ordensgeneral, sah sich der Aufgabe gegenüber, die Einheit des durch interne Konflikte bedrohten Ordens zu bewahren. Dabei stand er im Konflikt mit jenen „Eiferern“, die das strenge Armutsgebot des Franziskus kompromisslos leben wollten. Für Bonaventura war das Verbot, Geld auch nur zu berühren, eine Übertribung, die im Namen des Ordens zurückgedrängt werden musste.
Franziskus' Vision war ein kompromissloser Weg in der Nachfolge Jesu, bewusst innerhalb der Kirche, aber frei von weltlichem Besitz und Machtstreben. Bonaventura hingegen versuchte, den Orden der kirchlichen Hierarchie gefügiger zu machen, oft auf Kosten der ursprünglichen Prinzipien des Gründers. Diese Spannung zwischen dem ursprünglichen, radikalen Armutsgebot und der Notwendigkeit, eine große und wachsende Organisation zu führen, prägte die frühe Geschichte des Franziskanerordens und spiegelt sich auch im Bau der prächtigen Basilika wider.
Der Sonnengesang: Ein Vermächtnis der Schöpfungsliebe
Der „Sonnengesang“, auch bekannt als „Lied der Schwester Sonne oder Lob der Schöpfung“, ist eines der ältesten und bekanntesten Gedichte der italienischen Literatur und ein tiefgründiges Zeugnis der Spiritualität des Franziskus. Er dichtete die letzten Verse dieses Gesangs kurz vor seinem Tod, als er sich auf den nackten Boden legen ließ. Es ist ein Ausdruck seiner tiefen Verbundenheit und Ehrfurcht vor der gesamten Schöpfung Gottes, in der er in jedem Element – Sonne, Mond, Wind, Wasser, Feuer, Erde – Brüder und Schwestern sah. Auch der Tod, den er als „Bruder Tod“ bezeichnet, wird in diesem Lobgesang angenommen und als Teil des göttlichen Plans gepriesen.
„Du Höchster, allmächtiger, guter Herr,
Dir seien das Lob, der Ruhm und die Ehre und alle Lobpreisung.
Nur Dir, Höchster, gebühren sie und kein Mensch ist würdig, Dich nur zu nennen.
Gelobt seist Du, mein Herr, mit allen Deinen Geschöpfen,
insbesondere der Herrin, der Schwester Sonne,
die den Tag heraufführt und uns beleuchtet mit ihren Strahlen.
Und sie ist schön und wärmend mit mächtigem Glanz, von Dir, Höchster, trägt sie das Zeichen.
Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Mond und die Sterne,
am Himmel zeigen sie sich klar und kostbar und schön.
Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Wind und durch Luft und Nebel und Wetter zu jeder Zeit,
durch sie werden alle deine Geschöpfe.
Gelobt seist Du, mein Herr, durch Schwester Wasser,
das sehr nützlich und demütig und köstlich und keusch ist.
Gelobt seist Du, mein Herr, durch Bruder Feuer, durch das du uns die Nacht erleuchtest und das schön und freundlich und widerstandsfähig und kräftig ist.
Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsere Schwester, die Mutter Erde, die uns aufrecht gehen lässt und leitet und uns mancherlei Frucht bereitet mit farbigen Blumen und Gräsern.
Gelobt seist Du, mein Herr, durch jene, die verzeihen um Deiner Liebe willen und Barmherzigkeit Krankheit und Drangsal tragen.
Selig sind jene, die das in Frieden überwinden, denn durch dich, Höchster, werden sie belohnt werden.
Gelobt seist Du, mein Herr, durch unsern Bruder, den leiblichen Tod, dem kein lebender Mensch entrinnen kann.
Wehe jenen, die sterben in schweren Sünden, selig jene, die gefunden werden in Deinem heiligsten Willen, denen der zweite Tod nichts Böses anhaben kann.
Lobet und preiset meinen Herrn,
und dankt und dient ihm mit großer Demut.“
Häufig gestellte Fragen zur Franziskus-Basilika und Franziskus von Assisi
Hier finden Sie Antworten auf einige der am häufigsten gestellten Fragen:
Wann wurde die Franziskus-Basilika in Assisi gebaut?
Der Bau der Franziskus-Basilika in Assisi begann im März 1228, nur anderthalb Jahre nach dem Tod des Heiligen Franziskus. Die Unterkirche, die als Grabstätte dienen sollte, wurde bereits 1230 fertiggestellt.
Wer war Franziskus von Assisi?
Franziskus von Assisi (geboren um 1181/82, gestorben 1226) war der Gründer des Franziskanerordens. Er entstammte einer wohlhabenden Familie und entschied sich nach einer tiefgreifenden Bekehrung für ein Leben in radikaler Armut und Nachfolge Christi. Er ist bekannt für seine tiefe Liebe zur Schöpfung, seinen Einsatz für die Armen und seine Hingabe an Gott. Er gilt als einer der meistverehrten Heiligen der katholischen Kirche.
Was ist die Bedeutung der Stigmata bei Franziskus?
Die Stigmata sind die Wundmale Christi (an Händen, Füßen und der Seite), die der Heilige Franziskus der Überlieferung nach im Jahr 1224 auf dem Berg La Verna empfing. Sie symbolisieren seine tiefe Identifikation mit dem Leiden Jesu Christi und waren die erste bezeugte Stigmatisierung in der Kirchengeschichte. Für Gläubige sind sie ein Zeichen seiner außergewöhnlichen Heiligkeit und seiner engen Beziehung zu Gott.
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