Was sagt Jesus über die Ruhe?

Jesus und die Kunst der wahren Ruhe

06/02/2026

Rating: 4.39 (4773 votes)

In unserer schnelllebigen Zeit ist ein Wort allgegenwärtig: „Stress“. Es scheint, als sei unser Leben von einem unaufhörlichen Druck geprägt, der uns hetzt und uns die Anstrengung ins Gesicht schreibt. Ob bei Erwachsenen, Kindern oder sogar im Kindergarten – Stress ist zu einem allgemeinen Phänomen geworden. Oft sind wir es selbst, die diesen Druck erzeugen: Während wir eine Sache tun, sind unsere Gedanken bereits bei der nächsten. Beim Frühstück denken wir an die Arbeit, bei der Arbeit an den Urlaub und im Urlaub wieder an die Arbeit. Diese innere Getriebenheit hindert uns daran, den Augenblick wirklich zu genießen. Doch inmitten dieser Hektik bietet die biblische Botschaft eine tiefgreifende Perspektive auf die Ruhe, die nicht nur eine Pause von der Arbeit ist, sondern eine Haltung des Herzens. Jesus Christus, der in seinem Leben selbst von Menschenmengen umgeben und ständig gefordert war, überrascht uns mit einer bemerkenswerten Einladung zur Erholung.

Was sagt Jesus über die Ruhe?
Und Jesus lädt sie ein, erst einmal zur Ruhe zu kommen: "Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Denn, so heißt es weiter: „sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen“. (Mk 6, 30-32) „Kommt mit an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus.“
Inhaltsverzeichnis

Jesus' Einladung zur Ruhe: Ein göttlicher Rhythmus

Die Jünger Jesu erlebten Ähnliches wie wir heute. Nachdem Jesus sie ausgesandt hatte, um seine Botschaft in Städten und Dörfern zu verbreiten, kehrten sie erschöpft zu ihm zurück. Sie waren so überlastet, dass sie „nicht einmal Zeit zum Essen fanden, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen“ (Mk 6, 30-32). In dieser Situation, die von extremer Aktivität und Überforderung geprägt war, sprach Jesus einen zutiefst menschlichen und zugleich göttlichen Satz zu ihnen: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“

Dieser Satz ist bemerkenswert. Viele sehen in Jesus primär den Lehrenden und Heilenden, den Fordernden und vor Entscheidungen Stellenden. All das gehört zweifellos zu seiner Person. Doch er ist auch der, der zur Ruhe kommen lässt, der den Menschen aufatmen lässt und dem Stress die Ruhe entgegensetzt. Es ist eine Einladung, die über die bloße körperliche Erschöpfung hinausgeht. Es ist eine Aufforderung, innezuhalten, sich zurückzuziehen und die Seele atmen zu lassen. Diese „Ruhepause“ ist kein Zeichen von Schwäche oder Untätigkeit, sondern ein essenzieller Bestandteil eines erfüllten Lebens, der von Gott selbst im Schöpfungsrhythmus verankert ist.

Kleine Schritte zur Gelassenheit im Alltag

Doch wie kann der stressgeplagte Mensch zu dieser Art von Ruhe finden, die Jesus meint? Es sind oft viele kleine Schritte, die uns auf diesen Weg führen können. Der Sommer, mit seiner Zeit des Wachsens und Reifens, bietet eine wunderbare Metapher dafür. Wachstum geschieht in Ruhe und Gelassenheit – nicht im Stress. Die Hitze des Sommers mag uns vielleicht von Natur aus dazu anhalten, unsere Aufgaben etwas langsamer anzugehen. Diese natürliche Langsamkeit kann eine Einladung sein, die Gelassenheit des Sommers in uns aufzunehmen und uns von ihr durchdringen zu lassen.

Gelassenheit ermöglicht uns, die vielen kleinen Dinge unseres Lebens wahrzunehmen, die uns sonst im Alltag entgehen. Es kann die Rose im Garten sein, die ihre Knospe entfaltet und ihre duftenden Blütenblätter ans Licht schiebt. Es kann der Schmetterling sein, der von Blume zu Blume schwebt und dabei stets in der Sonne bleibt. Oder die Ameise am Boden, die sich mit einem Halm abmüht, der ein Vielfaches ihrer eigenen Länge hat. Sich Zeit zu nehmen für das, was uns begegnet, ist ein Schlüssel zur inneren Stille.

Das kann die Beobachtung eines Kindes sein, das selbstvergessen spielt, die Nähe eines Menschen, der uns zuhört und Zeit für uns hat, oder ein Wort, das wir lesen oder hören und das in unserem Inneren etwas zum Klingen bringt. Es geht darum, innerlich leer zu werden von der Hetze und dem Lärm des Alltags und darauf zu achten, wie diese kleinen Dinge plötzlich anfangen, zu uns zu sprechen: Eine Landschaft, deren gelassene Ruhe in unserem Herzen ein Echo findet; ein Baum, der mit seinen Wurzeln fest mit der Erde verwachsen ist und seine Zweige zum Himmel ausstreckt; ein Kunstwerk, das uns etwas von seinem Geheimnis erschließt; oder die wohltuende Stille einer Kirche. All diese Kleinigkeiten laden uns ein, zu verweilen, zur Ruhe zu kommen und sie in unser Inneres aufzunehmen. Gerade der Sommer kann eine besonders geeignete Zeit sein, um wieder neu aufmerksam zu werden für die unscheinbaren Dinge des Lebens und dabei die Ruhe zu entdecken, die Jesus meinte, und die uns zu einem tieferen Staunen führt.

Der biblische Rhythmus: Arbeit und Sabbatruhe

Das Leben braucht beides: Zeiten der Arbeit und Zeiten des Ausruhens, Zeiten der vollen Aktivität und Zeiten des Loslassens. Die Bibel lehrt uns diesen Rhythmus bereits im Schöpfungsbericht mit dem Gebot der Sabbatruhe. Der arbeitsfreie Sonntag ist kein Zufallsprodukt, sondern eine tief verwurzelte biblische Idee, die besagt, dass der Mensch nicht nur arbeiten kann. Institutionen wie die „Allianz für den Sonntag“, die Kirchen, Gewerkschaften und wache Unternehmer vereint, kämpfen seit Jahren dafür, dass diese Ruhepause erhalten bleibt und nicht weiter ausgehöhlt wird. Ferien und Urlaub haben genau diesen Sinn: Leib und Seele brauchen Zeiten der Entspannung und Erholung.

Was sagt die Bibel über die Ruhe?
"Urlaub" in der Bibel: "Ruht ein wenig aus!" Bonn ‐ In der Bibel ist oft von sehr umtriebigen Gestalten die Rede. Und doch: Auch die Ruhe hat ihren Platz in der Heiligen Schrift. Denn neben der Arbeit braucht es auch Pausen, um sich auf sich selbst und die Schöpfung zu besinnen.

Jesus selbst wusste um diese Notwendigkeit. Die Episode mit den Aposteln, die von ihrer Mission zurückkehren, ist ein Schlüsselwort für das rechte Ausruhen. Sie waren so erfolgreich und die Menschen strömten in solchen Scharen zu ihnen, dass sie keine Zeit zum Essen fanden. Jesus greift ein, sieht die Erschöpfung und entscheidet kurzerhand: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Sie brechen per Boot auf, um an einem abgelegenen Ort am Seeufer ein wenig „Urlaub“ zu machen. Diese biblische Grundlage zeigt, dass Urlaub und Ferien unserem christlichen Glauben keineswegs fremd sind, sondern ein integraler Bestandteil eines von Gott gewollten Lebensrhythmus.

Jesus als Vorbild: Ruhe inmitten der Störung

Manchmal kommt es jedoch anders als geplant. Eine Krankheit, eine dringende berufliche oder familiäre Verpflichtung, ein Unfall – all das kann unsere Pläne für eine ruhige Zeit über den Haufen werfen. Enttäuschung, Trauer, Wut und Sorge können sich breitmachen, wenn aus der ersehnten Erholung nichts wird.

Ähnlich erging es Jesus und seinen Aposteln bei ihrem geplanten „Urlaub“. Sie wollten Ruhe, aber die Menschen ließen ihnen keine Ruhe. Während sie über den stillen See ruderten, ihrem Ruheort entgegen, liefen Scharen von Menschen am Ufer entlang, ihnen nach, und kamen vor ihnen an. Man kann sich die Gesichter der Apostel vorstellen, als sie diese riesige Menschenmenge sahen, die sie am Ufer erwartete. Das Evangelium schweigt über ihre Reaktion, richtet den Blick aber ganz auf Jesus: „Als er aus dem Boot ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“

Hier zeigt sich Jesus als ein großes Vorbild. Kein Ärger, kein Unwillen, kein Grant darüber, dass es anders kam. Vielmehr eine liebevolle, herzliche Zuwendung zu den Menschen, die so sehr Hilfe brauchten, auch wenn sie seinen „Urlaub“ störten. Diese Begebenheit lehrt uns, dass wahre Ruhe nicht nur in der Abwesenheit von Störung liegt, sondern auch in der inneren Haltung des Mitgefühls und der Hingabe, selbst wenn unsere Pläne durchkreuzt werden. Die Fähigkeit, auch in solchen Momenten innere Gelassenheit zu bewahren, ist eine tiefe Form der Ruhe, die über äußere Umstände hinausgeht.

Die Schöpfung als Spiegel der Ruhe und des Glaubens

Die Natur selbst ist ein Abbild dieses Lebens, das vom Werden und Vergehen geprägt ist und uns zur Ruhe einlädt. Das Lied „Das Jahr steht auf der Höhe“ greift die Gefühle auf, die viele Menschen in der Sommermitte bewegen: Die Hälfte des Jahres ist erreicht, die Tage werden kürzer, doch jetzt gilt es, die langen Sommertage auszunutzen und die Wärme zu genießen. Auf die Zeit des Wachsens und Reifens folgen die Erntezeit und die Wochen, in denen Äcker und Felder brachliegen. Dies ist ein natürlicher Rhythmus, den schon Jesus in seinen Gleichnissen aufgriff, etwa im Gleichnis vom Senfkorn, das in die Erde fällt und zu einem großen Baum heranwächst.

Weil die Schöpfung für den Glauben nicht fremd ist, sondern der Mensch mitten in sie hineingestellt ist, darf sich das Leben an ihrer Schönheit erfreuen. Paul Gerhardts geistliches Sommerlied „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“ lädt dazu ein, die Freude im Urlaub zu suchen und die Sommerhitze zu genießen, indem wir die fleißigen Bienen, den wachsenden Weizen, die Störche, Schwalben und aufblühenden Blumen betrachten. Dieses Lied zeigt eine wichtige Erkenntnis: Der Lauf der Jahreszeiten hat seinen Platz im Gottesdienst, und selbst das ganze Kirchenjahr ist an diesen wechselnden Zeiten ausgerichtet. Die Natur lehrt uns den Rhythmus von Aktivität und Innehalten, von Wachstum und Ruhe – eine tiefe Verbundenheit mit dem göttlichen Plan.

Was ist das heutige Evangelium?
Das weiß auch Jesus. Das heutige Evangelium ist geradezu ein Schlüsselwort für das rechte Ausruhen. Die Apostel kommen von ihrer ersten Mission zurück. Sie sind ganz erfüllt von dem, was sie erlebt haben. Es muss sehr erfolgreich gewesen sein, weil die Menschen in Scharen nicht nur zu Jesus kommen, sondern auch zu ihnen.

Stress vs. Ruhe: Ein Vergleich

AspektStress (Typische Merkmale)Ruhe (Jesus' Einladung)
Innerer ZustandGehetzt, unter Druck, gedanklich woandersGelassenheit, innerer Frieden, im Augenblick verweilen
Umgang mit ZeitKeine Zeit zum Essen, alles gleichzeitig erledigenSich Zeit nehmen, ausschnaufen, auftanken
Umgang mit StörungÄrger, Unwillen, FrustrationMitleid, liebevolle Zuwendung, innere Haltung bewahren
FokusAufgaben, Termine, VerpflichtungenWahrnehmung kleiner Dinge, Staunen, Gott begegnen
Ort der RuheSchwierig zu finden im AlltagEinsamer Ort, stille Kirche, Natur, innerer Rückzug

Häufig gestellte Fragen zur Ruhe im Glauben

Was bedeutet Ruhe im biblischen Sinne?

Im biblischen Sinne ist Ruhe mehr als nur die Abwesenheit von Arbeit. Sie ist eine von Gott gegebene Zeit des Innehaltens, der Erholung für Leib und Seele und der Neuorientierung auf Gott hin. Sie ist im Schöpfungsrhythmus verankert (Sabbat) und wird von Jesus als notwendige Erholung für seine Jünger betont. Es geht um eine innere Gelassenheit, die auch in schwierigen Umständen bewahrt werden kann.

Wie kann ich im Alltag zur Ruhe kommen, wenn ich viel Stress habe?

Beginnen Sie mit kleinen Schritten: Nehmen Sie sich bewusst Zeit, um alltägliche Dinge achtsam wahrzunehmen (z.B. eine Blume, ein Kind beim Spielen). Suchen Sie bewusst Momente der Stille, sei es in der Natur, in einer Kirche oder einfach zu Hause. Lassen Sie sich von der Natur inspirieren, die in ihrem Wachsen und Reifen Gelassenheit vorlebt. Versuchen Sie, Ihre Gedanken im Hier und Jetzt zu halten, anstatt ständig an die nächste Aufgabe zu denken.

Ist Urlaub aus christlicher Sicht relevant?

Ja, absolut. Die biblische Tradition kennt den Rhythmus von Arbeit und Ruhe (Sabbat). Jesus selbst lud seine Jünger nach intensiver Arbeit zur Erholung ein. Urlaub bietet die Möglichkeit, sich zu sammeln, aufzutanken und Zeit mit vertrauten Menschen oder in der Stille bei Gott zu verbringen. Er ist eine wichtige Zeit für Leib und Seele, um neue Kraft zu schöpfen und die Schöpfung zu genießen.

Was tun, wenn die geplante Ruhe oder der Urlaub gestört wird?

Jesus ist hier ein großes Vorbild. Als sein geplanter Rückzug gestört wurde, reagierte er nicht mit Ärger, sondern mit Mitleid und Zuwendung zu den Menschen. Dies lehrt uns, dass wahre Ruhe auch eine innere Haltung ist. Versuchen Sie, die Situation anzunehmen und Mitgefühl zu zeigen, anstatt sich von Frustration überwältigen zu lassen. Manchmal liegt die wahre Lehre nicht im ungestörten Rückzug, sondern in der Fähigkeit, auch in der Störung inneren Frieden zu finden und zu dienen.

Die Einladung Jesu zur Ruhe ist zeitlos und dringlicher denn je. Sie ist ein Aufruf, dem ständigen Druck zu entfliehen und einen Rhythmus zu finden, der uns ermöglicht, aufzuatmen, uns zu erholen und die Schönheit des Lebens und der Schöpfung bewusst wahrzunehmen. Es ist eine Einladung, die uns lehrt, dass wahre Ruhe nicht nur in der Abwesenheit von Aktivität liegt, sondern in einer tiefen inneren Verbundenheit mit uns selbst, unseren Mitmenschen und mit Gott.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Jesus und die Kunst der wahren Ruhe kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Spiritualität besuchen.

Go up