08/11/2022
Pfingsten, ein Fest, das oft im Schatten von Weihnachten und Ostern steht, birgt eine immense spirituelle Energie und historische Bedeutung für Christen weltweit. Es ist das Fest, an dem die Jünger, erfüllt vom Heiligen Geist, beschlossen, in die Welt hinauszuziehen und die frohe Botschaft zu verkünden. Diese ursprüngliche „Bewegungsenergie“ ist bis heute spürbar und hat die Verbreitung des christlichen Glaubens maßgeblich geprägt. Doch Pfingsten ist nicht nur ein Rückblick auf biblische Ereignisse, sondern auch ein lebendiges Erlebnis in den Kirchengemeinden und ein Motor für eine der dynamischsten Glaubensbewegungen unserer Zeit: die Pfingstbewegung.

Pfingsten: Ein Fest des Aufbruchs und der Erneuerung
Pfingsten wird 50 Tage nach Ostern gefeiert und markiert traditionell die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel und Jünger Jesu in Jerusalem. Dieses Ereignis, beschrieben in der Apostelgeschichte, gilt als die Geburtsstunde der Kirche und der Beginn ihrer weltweiten Mission. Die Jünger, zuvor verängstigt und unsicher, wurden mit Mut und der Fähigkeit erfüllt, in verschiedenen Sprachen zu sprechen, um die gute Botschaft an Menschen aus aller Welt zu tragen.
Diese ursprüngliche Dynamik und der Geist der Erneuerung sind auch heute noch Kern des Pfingstfestes. In der evangelischen Kirche, wie in vielen anderen Konfessionen, werden die Menschen im Festgottesdienst auf vielfältige Weise angesprochen. Die festliche Liturgie und die erhebende Kirchenmusik schaffen ein besonderes Erlebnis, das die Sinne berührt. Die Predigt spricht die Seele an und bietet Raum für Reflexion und geistliche Ermutigung. Das Abendmahl schließlich ermöglicht eine körperliche Erfahrung der Gemeinschaft und der Gegenwart Christi.
Vielerorts werden Pfingstgottesdienste mit besonderem Engagement gefeiert. Auch die bayerische Kirchenleitung gestaltete in einem vergangenen Jahr festliche Gottesdienste mit prominenten Vertretern. Diese Beispiele verdeutlichen die breite Verankerung und die festliche Atmosphäre, die Pfingsten kennzeichnen:
| Datum | Uhrzeit | Ort | Veranstaltung | Mitwirkende |
|---|---|---|---|---|
| Samstag, 27. Mai | 19:00 Uhr | Stadtkirche Schwabach | Ökumenische Pfingstnacht, 20. Jubiläum ACK Schwabach | Regionalbischof Klaus Stiegler (Grußwort) |
| Pfingstsonntag, 28. Mai | 08:30 Uhr | St. Sebald in Nürnberg | Pfingstgottesdienst | Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern (Predigt) |
| Pfingstsonntag, 28. Mai | 10:00 Uhr | St. Matthäus in München | Festgottesdienst mit Abendmahl | Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Predigt) |
| Pfingstsonntag, 28. Mai | 10:00 Uhr | Kirche St. Roswinda Schornweisach | Festgottesdienst zum 275-jährigen Kirchenjubiläum | Regionalbischöfin Gisela Bornowski |
| Pfingstsonntag, 28. Mai | 10:00 Uhr | CVJM-Tagungsgelände Bobengrün | Waldgottesdienst anlässlich der Pfingsttagung des CVJM Bobengrün | Regionalbischöfin Dorothea Greiner |
| Pfingstsonntag, 28. Mai | 10:00 Uhr | St. Sebald in Nürnberg | Pfingstgottesdienst | Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern (Predigt) |
| Pfingstmontag, 29. Mai | 10:00 Uhr | Evang. Bildungszentrum Hesselberg | Festgottesdienst am bayerischen Kirchentag auf dem Hesselberg | Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Regionalbischöfin Gisela Bornowski (Predigt) |
Die weltweite Pfingstbewegung: Wachstum und Vielfalt
Während Pfingsten ein fester Bestandteil des traditionellen Kirchenjahres ist, hat sich aus den Wurzeln des Pfingstereignisses eine eigenständige, weltweit wachsende Bewegung entwickelt: die Pfingstkirchen. Diese Bewegung ist ein faszinierendes Phänomen im globalen Christentum, das durch seine Dynamik und seinen missionarischen Eifer besticht.
Die kirchliche Landschaft verändert sich weltweit rasant. Während die Zahl der Kirchenmitglieder in vielen Teilen Europas stetig sinkt und sich die Gemeinden oft zu kleineren Splittergruppen entwickeln, verzeichnen Pfingstkirchen ein vergleichsweise gutes Wachstum. Besonders in den Großstädten des globalen Südens breitet sich das Christentum weiterhin stark aus, und die Pfingstkirchen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie tragen maßgeblich zur Vielfalt und zum Wandel der weltweiten Kirchengemeinschaften bei.
Was kennzeichnet die Pfingstbewegung?
Die Pfingstbewegung ist eine weltweite und zutiefst missionarische Bewegung. Im Zentrum ihrer Frömmigkeit stehen enthusiastische und emotionale Erfahrungen, die als direkte Manifestationen des Heiligen Geistes gedeutet werden. Eine enge Verbindung zwischen Heilung und Heil, oder Erlösung, wird dabei besonders betont. Für Gläubige ist die spürbare Gegenwart des Geistes ein zentraler Aspekt ihres Glaubenslebens.
Viele Pfingstkirchen weisen auch apokalyptische Züge auf. Gläubige spekulieren über das Ende der Welt und formulieren teils „wilde Vorhersagen“ über die Wiederkunft Jesu. Auch wenn sich solche Prophezeiungen vielfach nicht erfüllt haben, lassen sich die Prediger und Gläubigen davon nicht beirren. Das übergeordnete Ziel der Bewegung ist die Missionierung der ganzen Welt. Obwohl dies unrealistisch erscheinen mag, ist die außergewöhnliche Ausbreitung und das Wachstum der Pfingstbewegung unbestreitbar.
Historische Wurzeln und Organisationsformen
Die historischen und theologischen Wurzeln der Pfingstbewegung reichen zurück in die nordamerikanische Heiligungsbewegung des 19. Jahrhunderts. Im Laufe des 20. Jahrhunderts kam es dann an vielen Orten der Welt zu charismatischen Erneuerungsbewegungen, die die Grundlage für die heutige Pfingstbewegung legten. Obwohl das Phänomen weltweit auftritt, ist die Pfingstbewegung eher lose organisiert; es gibt keine klar und verbindlich strukturierte Einheit. Die Gemeinden passen sich oft an die jeweiligen kulturellen Gegebenheiten vor Ort an, was zu einer großen Vielfalt innerhalb der Bewegung führt.
Die Zahlen zur Verbreitung der Pfingstbewegung sind beeindruckend: Rund 25 Prozent aller Christen weltweit gehören einer Pfingstgemeinde an, was insgesamt etwa 615 Millionen Menschen entspricht. In Deutschland ist die Pfingstbewegung zum großen Teil im Bund der „Freikirchlichen Pfingstgemeinden“ organisiert. Bundesweit gibt es laut der vorliegenden Informationen rund 65 Gemeinden, die insgesamt 850.000 Mitglieder haben. Neben den alteingesessenen Gemeinden entstehen auch ausschließlich über soziale Medien geführte „Popup-Kirchengemeinden“, die die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Bewegung unterstreichen.
Die Charismatisierung: Einflüsse auf traditionelle Kirchen
Ein wichtiger Aspekt des Einflusses der Pfingstkirchen ist die sogenannte Charismatisierung. Darunter versteht man den Einfluss der Pfingstkirchen auf historische Kirchengemeinden. Dieser Einfluss führt dazu, dass sich deren Gottesdienste, Gebetspraxen oder das Gemeinschaftsleben verändern und „charismatischer“ werden. Das kann bedeuten, dass Gottesdienste lebhafter werden, mehr Raum für spontanes Gebet oder Lobpreis entsteht und eine stärkere Betonung auf die persönlichen Erfahrungen mit dem Heiligen Geist gelegt wird. Neben spirituellen Sitten werden dabei teilweise auch grundlegende kirchliche Sichtweisen neu definiert. So wird oft auch die Auslegung der Bibel abgewandelt oder die Herangehensweise an moralische Fragen angepasst, was zu Diskussionen und Spannungen führen kann.

Kontroverse Lehren der Pfingstkirchen
Die Lehren, die in Pfingstkirchen vertreten werden, sind mitunter umstritten und unterscheiden sich in einigen Punkten deutlich von denen traditioneller Konfessionen. Hier sind einige der zentralen theologischen Standpunkte, die die Pfingstkirchen propagieren:
- Direkte Erfahrung des Heiligen Geistes: Neben den normalen biblischen Lehren steht die direkte, persönliche Erfahrung des Heiligen Geistes im Zentrum. Diese Erfahrungen können sich in Zungenreden, Weissagungen oder Heilungen manifestieren.
- Glaubenstaufe: Die Pfingstgemeinden verstehen die Taufe als Glaubenstaufe, die nur mündige Personen empfangen können, die sich bewusst für den Glauben entschieden haben. Die Kindertaufe wird demnach nicht praktiziert.
- Unfehlbarkeit der Bibel: Die Bibel wird als widerspruchsfrei und unfehlbar angesehen, ihre Worte werden oft als direktes, wörtliches Wort Gottes verstanden.
- Ablehnung der Evolutionstheorie: Viele Pfingstkirchen lehnen die Evolutionstheorie ab und favorisieren eine wörtliche Auslegung der Schöpfungsgeschichte.
- Moralische Standpunkte: Homosexualität, außerehelicher Geschlechtsverkehr und Schwangerschaftsabbruch werden in der Regel nicht akzeptiert und als Sünde betrachtet.
- Wohlstandsevangelium: Besonders in von Armut geprägten Pfingstgemeinden im globalen Süden wird oft das sogenannte Wohlstandsevangelium gelehrt. Diese Lehre stellt die religiöse Lebensführung in einen direkten Zusammenhang mit dem persönlichen Lebenserfolg und materiellem Reichtum. Nach dieser Lehre werden sehr gläubige Menschen sehr reich, was oft zu Kritik und Missverständnissen führt.
Das Verhältnis zwischen Pfingst- und Traditionskirchen
Das Verhältnis der Pfingstkirchen zu den historisch-protestantischen Kirchen ist oft angespannt. Die Pfingstkirchen werfen den traditionellen Kirchen häufig vor, nicht gläubig genug zu sein oder die Kraft des Heiligen Geistes nicht ausreichend zu leben. Umgekehrt kritisieren traditionelle Konfessionskirchen, dass die Geistkraft Gottes in den Pfingstkirchen für bestimmte Zwecke, wie Geld oder Macht, instrumentalisiert werde.
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich mit einer Orientierungshilfe zu den Pfingstkirchen positioniert, die knapp 300 Seiten umfasst. Ziel dieser Orientierungshilfe ist es, den „Dauerzustand“ der Spannung zu beenden und zu einem konstruktiven Dialog zu finden. Denn trotz vieler Uneinigkeiten gäbe es auch gemeinsame Interessen und Wurzeln. Es wird betont, dass sich Frei- und Amtskirchen ihrer gemeinsamen protestantischen Wurzeln bewusst seien, aber andere Ausdrucksformen für ihren Glauben finden. Die EKD-Schrift merkt jedoch an, dass Kontroversen vor allem in Fragen des Lebensstils und der sexuellen Orientierung bestehen bleiben. Diese Bemühungen um Dialog zeigen, dass die Pfingstbewegung eine Größe ist, mit der sich die etablierten Kirchen auseinandersetzen müssen.
Für weitere detaillierte Informationen bietet die EKD ihre umfassende Orientierungshilfe als PDF an, die tiefere Einblicke in die vielschichtigen Aspekte der Pfingstbewegung und ihrer Beziehung zu den traditionellen Kirchen gibt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann ist Pfingsten?
Pfingsten wird 50 Tage nach Ostern gefeiert. Es fällt immer auf einen Sonntag, wobei der folgende Montag in vielen Ländern als Feiertag gilt (Pfingstmontag).
Was feiern Christen an Pfingsten?
Christen feiern an Pfingsten die Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Jünger Jesu, wie in der Apostelgeschichte beschrieben. Dieses Ereignis gilt als die Geburtsstunde der Kirche und der Beginn ihrer weltweiten Mission.
Was sind Pfingstgemeinden?
Pfingstgemeinden sind Teil der weltweiten Pfingstbewegung, einer missionarischen Glaubensrichtung, die die direkte Erfahrung des Heiligen Geistes, Heilung und Erlösung betont. Sie zeichnen sich oft durch enthusiastische und emotionale Gottesdienste aus.
Wie viele Pfingstgemeinden gibt es in Deutschland?
In Deutschland ist die Pfingstbewegung zum großen Teil im Bund der „Freikirchlichen Pfingstgemeinden“ organisiert. Bundesweit gibt es rund 65 Gemeinden, die insgesamt 850.000 Mitglieder haben, ergänzt durch über soziale Medien geführte „Popup-Kirchengemeinden“.
Was ist das Wohlstandsevangelium?
Das Wohlstandsevangelium ist eine Lehre, die oft in Pfingstgemeinden, insbesondere in ärmeren Regionen des globalen Südens, vertreten wird. Es besagt, dass eine gläubige Lebensführung direkt zu persönlichem Erfolg und materiellem Reichtum führt.
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