26/03/2025
Die Botschaft Jesu war und ist nie bequem gewesen. Sie ist radikal, herausfordernd und oft unerwartet. Als Jesus erstmals offen über sein bevorstehendes Leiden, Sterben und seine Auferstehung sprach, reagierte Petrus, wie viele von uns es vielleicht auch getan hätten: Er wollte Jesus von diesem schweren Weg abbringen. Doch Jesus wies ihn scharf zurecht und nutzte diesen Moment, um eine grundlegende Wahrheit über die Nachfolge zu offenbaren. Er rief die Menschenmenge und seine Jünger zu sich und stellte eine entscheidende Frage: „Wer will mir nachfolgen?“ Was er dann erklärte, schockierte seine Zuhörer und fordert uns bis heute heraus: „Jeder, der mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Diese Worte sind der Kern dessen, was es bedeutet, ein Jünger Jesu zu sein. Sie sind eine Einladung, die unser ganzes Leben umkrempelt und uns auf einen Weg führt, der weit über unsere menschlichen Vorstellungen hinausgeht.

Das Kreuz auf sich nehmen: Eine schockierende Realität
Das Bild vom Kreuztragen war Jesus offenbar von größter Bedeutung, denn es findet sich gleich fünfmal in den Evangelien. Doch um seine volle Wucht zu erfassen, müssen wir einen Blick in die damalige Zeit werfen. Die Wendung „sein Kreuz nehmen“ war im Judentum bereits etwa 100 Jahre vor Jesus bekannt. Sie entstand in einer grausamen Episode der Geschichte: Der jüdische König Alexander Jannai (103-76 v. Chr.) hatte während eines Bürgerkrieges Tausende von Pharisäern kreuzigen lassen. Für diese jüdischen Bekenner stellte sich eine existentielle Frage: Entweder das Kreuz nehmen und sterben oder dem Glauben und den Überzeugungen abschwören und dafür überleben.
Die Redewendung „sein Kreuz nehmen“ leitet sich aus der brutalen Praxis ab, dass der zum Tode Verurteilte den Querbalken seines Kreuzes selbst zur Hinrichtungsstätte tragen musste. „Sein Kreuz auf sich zu nehmen“ bedeutete also sprichwörtlich, dass jemand auf dem Weg zu seiner eigenen Hinrichtung war. Die Kreuzigung war nicht nur ein besonders qualvoller Tod, der oft mit einem mehrtägigen Todeskampf verbunden war. Sie war auch eine Strafe, die mit tiefster Verachtung, Spott und Schande einherging. Ein Verurteilter durfte auf dem Weg zur Hinrichtungsstelle von der johlenden Menge am Straßenrand geschlagen, bespuckt, mit Füßen getreten, beschimpft und verflucht werden. Zur Abschreckung blieben die toten Körper oft noch tagelang an den Kreuzen hängen. Für Juden galt diese Todesstrafe zudem als ein Fluch Gottes über den Verurteilten, wie es im 5. Buch Mose 21,23 heißt.
Sie können sich vielleicht vorstellen, wie provokativ, ja wie schockierend diese Worte Jesu für seine Zuhörer geklungen haben müssen. Wer Jesus nachfolgen wollte, sollte nicht auf den Beifall der Umwelt aus sein. Im Gegenteil: Wer ihm folgt, sollte bereit sein, verachtet, verspottet, ja sogar getötet zu werden. Das beginnt bereits mit der gesellschaftlichen Verachtung, Benachteiligung und dem Mobbing, die ein Nachfolger Jesu erfahren kann. Dietrich Bonhoeffer brachte es in seinem Werk „Nachfolge“ prägnant auf den Punkt: Das „Kreuz auf sich zu nehmen“ „… ist das Leiden, dass uns aus der Bindung an Jesus Christus allein erwächst.“ Es ist das Leiden, das nicht gesucht wird, sondern das sich aus der kompromisslosen Treue zu Jesus ergibt. Es ist der Preis, den die Welt oft für einen Glauben verlangt, der ihre Normen und Werte in Frage stellt. Dies ist keine Aufforderung zur Selbstkasteiung oder zum Märtyrertum um des Märtyrertums willen, sondern eine nüchterne Feststellung der Konsequenzen, die sich aus einer radikalen Nachfolge ergeben können.
Selbstverleugnung: Missverständnisse und wahre Bedeutung
Neben dem Kreuztragen sprach Jesus in Vers 34 auch das Thema der Selbstverleugnung an: „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst!“ Unser deutsches Wort „verleugnen“ beinhaltet „leugnen“, eine Form von Lügen. Man verleugnet sein Alter, um jünger zu erscheinen, oder seine Herkunft, aus Scham. Doch der Begriff im griechischen Original, aparnéomai (ἀπαρνέομαι), bedeutet eher: „absagen, sich lossagen“. Ein Ausleger übersetzt es treffender mit: „sich selbst eine Absage erteilen“. Sich selbst verleugnen bedeutet, dass „derjenige sich nicht mehr selbst in den Mittelpunkt stellen darf.“ Es ist eine radikale Verschiebung der Prioritäten.
Es meint also: die eigenen Interessen zurückstellen, weil Jesus in der Nachfolge an erster Stelle steht. Das richtige Verständnis von „Selbstverleugnung“, wie es Jesus verwendet, lässt sich am besten am Beispiel einer liebenden Mutter erkennen. Sie stellt für ihre kleinen Kinder ihre eigenen Bedürfnisse zeitweise hintenan. Das tut sie aus Liebe und nicht aus Zwang. Sie verliert sich nicht selbst, sondern findet Erfüllung darin, für ihre Kinder da zu sein. Sie gibt sich hin, ohne sich aufzugeben. Anders gesagt: „Selbstverleugnung“ meint Hingabe an Jesus, NICHT Selbstaufgabe! Es bedeutet also gerade NICHT, sich selbst oder die eigenen Erfolge schlecht zu machen. Und auch nicht, durch Askese allen Freuden des Lebens zu entsagen. Es ist keine Aufforderung zu einem freudlosen Leben, sondern zu einem Leben, das sich nicht mehr um das eigene Ego dreht, sondern um die Ehre Gottes und das Wohl des Nächsten. Es ist die Befreiung von der Tyrannei des Ichs, um in der Freiheit des Christus zu leben.
Die Wahl des Lebens: Irdisch versus Ewig
Was müssen diese Sätze über Selbstverleugnung und Kreuztragen bei den Zuhörern Jesu ausgelöst haben? Wahrscheinlich sehr erstaunte, fragende oder verstörte Mienen. Doch was Jesus ihnen nun als Begründung gibt, ist nicht weniger herausfordernd. Betrachten wir die Verse 35-38:
Denn wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es retten.
Denn was nützt es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und dabei sein Leben einzubüßen?
Denn was kann ein Mensch geben, damit er sein Leben wieder einlöst?
Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.
Ist Ihnen auch aufgefallen? Alle dieser vier Sätze beginnen mit einem „denn“. Damit beziehen sich alle auf Vers 34, den ersten Vers unseres Abschnittes vom Kreuztragen und der Selbstverleugnung. Jesus macht deutlich: Es bedarf einer klaren Entscheidung. Was hat für mich Priorität? Das diesseitige irdische Leben? Oder das Leben mit Jesus, das Leben mit Ewigkeitsperspektive? Es ist eine binäre Wahl, die keine Kompromisse zulässt.
Wer das eine Leben erhalten will, zum Beispiel durch Verleugnung seines Glaubens oder durch das Festhalten an egoistischen Zielen, der wird sein ewiges Leben verlieren. Er mag kurzfristig gewinnen, aber langfristig wird er leer ausgehen. Wer sich aber zu Jesus bekennt, der verliert im Ernstfall sein natürliches, irdisches Leben um Jesu willen. Doch die Hoffnung darauf, dass dieser Tod nicht das Ende ist, trägt den Nachfolger auch in Zeiten der Verfolgung. Dieser scheinbare Verlust ist in Wahrheit der größte Gewinn. Jesus zeigt dabei, dass wirkliches, erfülltes und dauerhaftes Leben über diese irdische Welt und ihre Möglichkeiten hinausgeht. Die Sehnsucht nach Ewigkeit steckt in jedem Menschen (Prediger 3,11), ein Beweis dafür, dass wir für mehr geschaffen sind als nur für die kurze Spanne unseres irdischen Daseins.
Paulus schreibt später an die Christen in Rom: „Im Übrigen meine ich, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen, wenn wir an die Herrlichkeit denken, die Gott bald sichtbar machen und an der er uns teilhaben lassen wird“ (Römer 8,18 NGÜ). Und ein Missionar und Märtyrer aus dem letzten Jahrhundert, Jim Elliot, fasste es so zusammen: „Der ist kein Dummkopf, der hingibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.“ Dies ist die Logik des Himmels, die der Logik der Welt diametral entgegensteht.
Die Kosten der Nachfolge: Damals und Heute
Die radikalen Forderungen Jesu waren damals schockierend, und sie sind es auch heute noch. Wir in Europa erleben davon oft nur sehr selten etwas in direkter Form. Doch wenn wir die Geschichte der Christenheit und die weltweite Gemeinde heute betrachten, stellen wir fest: Ausgrenzung, Spott bis hin zur Verfolgung „um Jesu und des Evangeliums willen“ sind eher der Normalfall als die Ausnahme für Jesu Nachfolger. Das Hilfswerk Open Doors berichtet ganz aktuell: „Weltweit sind mehr als 365 Millionen Christen wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt“ (Stand 25. März 2024). Diese verfolgten Geschwister brauchen unsere Unterstützung, Ermutigung und Fürbitte. Ihre Realität spiegelt die ursprüngliche Bedeutung des Kreuztragens in einer Weise wider, die uns zutiefst betroffen machen sollte.
Die Verfolgung kann viele Formen annehmen: von subtiler Diskriminierung im Arbeitsleben oder sozialen Umfeld bis hin zu physischer Gewalt, Inhaftierung und Mord. Das „Kreuztragen“ im 21. Jahrhundert ist für viele Christen eine tägliche Realität. Es geht darum, für den Glauben einzustehen, auch wenn es Konsequenzen hat. Es geht darum, zu Jesus zu gehören, selbst wenn es bedeutet, von der Mehrheitsgesellschaft abgelehnt oder missverstanden zu werden. Diese globale Perspektive zeigt uns, dass Jesu Worte keine leeren Phrasen sind, sondern eine tiefe und oft schmerzhafte Wahrheit über die Natur der Nachfolge.
Vergleich: Irdisches vs. Ewiges Leben
Um die Dringlichkeit von Jesu Aussage zu verdeutlichen, können wir die beiden Lebensperspektiven gegenüberstellen, die er in seinen Worten aufzeigt:
| Irdisches Leben (ohne Jesus) | Ewiges Leben (mit Jesus) |
|---|---|
| Man versucht, es zu retten, zu bewahren. | Man ist bereit, es um Jesu willen zu verlieren. |
| Man kann die ganze Welt gewinnen. | Man gewinnt unendlich viel mehr als die Welt. |
| Endet mit dem Tod. | Beginnt erst richtig nach dem irdischen Tod. |
| Ist vergänglich und begrenzt. | Ist unvergänglich und grenzenlos. |
| Kann durch Verleugnung des Glaubens erhalten werden. | Wird durch das Bekenntnis zum Glauben gewonnen. |
| Führt zu Scham, wenn Jesus wiederkommt. | Führt zu Herrlichkeit, wenn Jesus wiederkommt. |
| Fokus auf eigene Interessen und weltlichen Erfolg. | Fokus auf Jesu Interessen und Gottes Reich. |
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Nachfolge Jesu
Was bedeutet es, sein Kreuz auf sich zu nehmen?
Es bedeutet, bereit zu sein, Leiden, Spott und Verachtung zu ertragen, die sich aus der kompromisslosen Bindung an Jesus Christus ergeben. Es ist keine Suche nach Leiden, sondern die Annahme der Konsequenzen, die die Nachfolge in einer feindseligen Welt mit sich bringen kann. Historisch gesehen war es die Bereitschaft zum Tod für den Glauben.
Ist Selbstverleugnung dasselbe wie Selbstaufgabe?
Nein, definitiv nicht. Selbstverleugnung im Sinne Jesu bedeutet, die eigenen Interessen und das eigene Ego nicht mehr in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen, sondern Jesus und seine Ziele an die erste Stelle zu setzen. Es ist eine Hingabe aus Liebe, nicht eine Zerstörung der eigenen Persönlichkeit. Es ist das Gegenteil von egozentrischem Leben.
Warum ist die Nachfolge Jesu so herausfordernd?
Sie ist herausfordernd, weil sie eine radikale Umkehr verlangt: weg vom eigenen Ich und hin zu Jesus. Sie fordert auf, die Werte der Welt zu hinterfragen und bereit zu sein, Konsequenzen zu tragen, die sich aus der kompromisslosen Treue zu Jesus ergeben. Sie verspricht nicht nur Beifall, sondern auch Widerstand.
Was ist der Lohn der Nachfolge?
Der Lohn ist das wahre, erfüllte und ewige Leben mit Gott. Jesus verspricht, dass derjenige, der sein irdisches Leben um seinetwillen verliert, es für die Ewigkeit gewinnen wird. Es ist der Eintritt in die Herrlichkeit Gottes, eine Belohnung, die weit über alles Irdische hinausgeht.
Gilt das heute noch?
Absolut. Jesu Worte sind zeitlos gültig. Auch wenn die Formen der Konsequenzen variieren mögen, bleibt die grundlegende Forderung nach Selbstverleugnung und der Bereitschaft, das Kreuz zu tragen, bestehen. Für Millionen von Christen weltweit ist Verfolgung für ihren Glauben eine tägliche Realität, während andere vielleicht subtilere Formen der Ausgrenzung erfahren. Die Entscheidung für Jesus hat immer Konsequenzen.
Warum sich der Einsatz lohnt: Die ultimative Belohnung
Wichtig ist die Feststellung: Jesus forderte damals von seinen Nachfolgern nichts, was er nicht selbst auch bereit war zu erleiden, „bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz“ (Philipper 2,8). Er ging den Weg des Leidens voran, erlebte die tiefste Verachtung und den qualvollsten Tod, um uns den Weg zum Leben zu ebnen. Er hat den höchsten Preis bezahlt, für Sie und mich, um uns von der Sünde zu erlösen und uns eine Beziehung zu Gott zu ermöglichen. Bis heute fragt Jesus uns: „Wer will mir nachfolgen?“ Er lädt uns nicht zu einem leichten Leben ein, sondern zu einem Leben von unschätzbarem Wert und tiefer Bedeutung. Er will uns viel mehr schenken als nur ein paar gute Jahre auf dieser Erde. Er lädt ein, in die Herrlichkeit Gottes zu kommen – auf ewig.
Die unbequemen Aussagen zu den Kosten und Konsequenzen sind auch heute noch unverändert gültig. Doch der Einsatz für Jesus lohnt sich immens. Denn wir gewinnen viel mehr, als wir dafür aufgeben müssten. Wir gewinnen nicht nur das ewige Leben, sondern auch einen tiefen Frieden, Sinn und eine unerschütterliche Hoffnung bereits in diesem Leben. Wir werden Teil einer globalen Familie, die sich gegenseitig trägt und ermutigt. Wir erfahren eine Liebe, die alle menschlichen Grenzen sprengt. Und vor allem gewinnen wir eine persönliche Beziehung zu dem, der das Universum erschaffen hat, zu unserem Retter und Herrn. Jesus ist es wert. Er hat den höchsten Preis bezahlt, damit wir das Leben in seiner Fülle haben können, hier und in alle Ewigkeit. Es ist die lohnendste Entscheidung, die ein Mensch treffen kann.
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