Wie wird Maria in den Evangelien erwähnt?

Maria im Neuen Testament: Eine Tiefenanalyse

30/05/2025

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Maria, die Mutter Jesu von Nazaret, ist eine Gestalt von immenser Bedeutung, deren Einfluss weit über theologische Diskussionen hinausreicht und sich in Kunst, Kultur und den Herzen von Milliarden Menschen widerspiegelt. Ihre Präsenz im Neuen Testament ist punktuell, doch jede Erwähnung ist bedeutsam und trägt dazu bei, das Bild dieser außergewöhnlichen Frau zu formen. Dieser Artikel taucht tief in die biblischen Quellen ein, um Marias Darstellung in den Evangelien und weiteren Schriften zu beleuchten, ihre familiären Verbindungen zu ergründen und die vielfältigen Formen ihrer Verehrung in verschiedenen Religionen zu erkunden.

Wer ist die Mutter Gottes?
Maria als Mutter Gottes: Auf dem Konzil von Ephesus im Jahr 431 wurde beschlossen, dass Maria nicht nur die "Mutter Jesu" ist, sondern als "Gottesgebärerin" bezeichnet werden soll. Denn in ihrem Sohn verbindet sich die göttliche mit der menschlichen Natur.
Inhaltsverzeichnis

Wer ist Maria? Eine Einführung in ihre Person und Bedeutung

Der Name Maria, im Altgriechischen Mariám oder María und im Hebräischen Mirjam, ist tief verwurzelt in der Geschichte. Traditionell wird er als „meeresbitter“, „Meeresmyrrhe“ oder „Meerestropfen“ gedeutet, was sich noch im Titel Stella Maris („Meerstern“) widerspiegelt. Neuere Forschungen schlagen auch eine ägyptische Herkunft vor, wie „von Amun Geliebte“ (merit-amun), oder andere hebräische Ableitungen wie „die Erhabene“ oder „die Widerspenstige“. Unabhängig von der genauen Etymologie ist klar, dass der Name Maria eine reiche und komplexe Geschichte besitzt.

Maria wird im Neuen Testament als Mutter Jesu genannt und lebte mit ihrem Mann Josef und weiteren Angehörigen in Nazaret in Galiläa. Obwohl außerbiblische Quellen historisch keine unabhängigen Informationen über Jesu Eltern liefern, stimmen die meisten Historiker der Authentizität ihrer Existenz und ihrer Namen zu. Im Christentum wird Maria als Mutter Jesu Christi besonders verehrt, ein Ehrentitel, der in der Theologie als Gottesgebärerin oder Theotókos bekannt ist. Diese Verehrung hat zur Entwicklung der Mariologie als eigener dogmatischer Teildisziplin innerhalb der römisch-katholischen Theologie geführt und sich in unzähligen legendarischen Überlieferungen und Frömmigkeitspraktiken manifestiert. Auch im Islam wird Maria, bekannt als Maryam, als jungfräuliche Mutter Jesu hochgeschätzt und ist die einzige Frau, die im Koran namentlich erwähnt wird.

Maria im Neuen Testament: Eine biblische Spurensuche

Maria wird im Neuen Testament namentlich in den Evangelien und der Apostelgeschichte erwähnt, genauer gesagt in 142 der etwa 8000 Verse. Ihre Erwähnung ist nie eine Biografie im eigentlichen Sinne, sondern dient stets dazu, die Bedeutung Jesu hervorzuheben. Über ihr Lebensende wird in den kanonischen Schriften nichts berichtet. Während die paulinischen Briefe und andere neutestamentliche Schriften dogmatische Aussagen über Jesus treffen, bleiben solche Aspekte in Bezug auf Maria unadressiert, abgesehen von der generischen Erwähnung als "geboren von einer Frau" in Galater 4,4.

Detaillierte Betrachtung der Evangelien

Das Markusevangelium

Das älteste Evangelium, das Markusevangelium, berichtet nicht von Jesu Geburt. Marias erste Erwähnung findet sich in Mk 3,20f, wo Angehörige Jesu – darunter seine Mutter – versuchen, ihn gewaltsam zurückzuholen, da sie ihn für „von Sinnen“ halten. In Mk 3,31ff weigert sich Jesus, zu ihnen vor das Haus zu kommen, und erklärt stattdessen die Anwesenden zu seiner wahren Familie: „Wer den Willen Gottes tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ (Mk 3,35 EU). Diese Passage deutet auf eine gewisse Distanz zwischen Jesus und seiner leiblichen Familie hin. Ihre namentliche Nennung erfolgt in Mk 6,3, wo sie zusammen mit Jesu Brüdern Jakobus, Joses, Judas und Simon sowie seinen Schwestern erwähnt wird.

Das Matthäusevangelium

Im Matthäusevangelium beginnt die Kindheitsgeschichte mit einem Stammbaum, der Jesus über Josef mit Abraham und David verbindet. Auffällig ist, dass hier vier bedeutende Frauen des Alten Testaments (Tamar, Rahab, Rut, Batseba) genannt werden, was die Erwähnung Marias in Mt 1,16 vorbereitet. Die Struktur des Stammbaums ändert sich bei Maria: Es heißt nicht „Josef war der Vater Jesu“, sondern „Josef, [der] Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren“ (Mt 1,16). Dies unterstreicht die jungfräuliche Empfängnis und betont, dass Josef nicht der leibliche Vater ist, sondern eine rechtlich verstandene Vaterschaft innehat. Maria selbst ist in dieser Erzählung passiv; sie spricht nicht und wird nicht angesprochen. Ihr Name erscheint nur in Mt 1,18, Mt 1,20 und Mt 2,11, wo sie im Zusammenhang mit der Huldigung Jesu durch die Sterndeuter erwähnt wird.

Das Lukasevangelium

Im Gegensatz zum Matthäusevangelium steht Maria in der Kindheitsgeschichte des Lukas im Zentrum der Erzählung. Der Engel Gabriel verheißt ihr die Geburt des Messias und Gottessohnes mit der außergewöhnlichen Anrede: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28b). Marias Frage, wie dies geschehen könne, da sie keinen Mann kenne (Lk 1,34), und die Antwort des Engels, dass der Heilige Geist über sie kommen werde, sind Kernstücke der Verkündigungsgeschichte. Die Erzählung verknüpft Jesu Geburt eng mit der Johannes des Täufers, indem Elisabet, die Mutter des Johannes, als Marias Verwandte vorgestellt wird. Der Besuch Marias bei der schwangeren Elisabet führt zum berühmten Magnificat (Lk 1,46–55), Marias Lobgesang auf Gottes Handeln, der sich von ihrem persönlichen Erleben auf die Heilsgeschichte Israels ausweitet. Dies ist der längste zusammenhängende Redeabschnitt Marias im Neuen Testament. Die sprachliche Besonderheit der Kindheitsgeschichte in Lukas 1 und 2, die eine „stark semitische Tönung“ aufweist, lässt vermuten, dass der Autor sich eng an eine jüdische Quelle anlehnte. Die Hinweise, dass „Maria alle diese Worte in ihrem Herzen bewahrte“ (Lk 2,19 und 51), könnten darauf hindeuten, dass Lukas sie als Augenzeugen befragen konnte, sofern er das Evangelium früh genug verfasste.

Das Johannesevangelium

Das Johannesevangelium erwähnt Maria nie namentlich, obwohl sie an zwei entscheidenden Stellen als Mutter Jesu in Erscheinung tritt. Bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–12) ist Jesu Mutter anwesend und wird sogar vor den Jüngern genannt. Auffällig ist Jesu distanzierte Anrede „Frau“ statt „Mutter“ und seine scheinbar abweisende Frage „Was willst du von mir, Frau?“. Die zweite wichtige Szene ist unter dem Kreuz (Joh 19,25), wo Jesu Mutter als Zeugin der Kreuzigung dargestellt wird. Jesus übergibt sie dort dem Lieblingsjünger mit den Worten: „Siehe, deine Mutter!“ und zu seiner Mutter: „Frau, siehe, dein Sohn!“ Diese Szene dient in der johanneischen Gemeinde dazu, die Person des Lieblingsjüngers in Jesu Familie zu verankern und die Zuverlässigkeit der Überlieferung zu betonen. Da diese Szene in den synoptischen Evangelien fehlt, wird oft eine symbolische Bedeutung angenommen.

Maria in den übrigen Schriften des Neuen Testaments

In der Apostelgeschichte (Apg 1,14) wird Maria nach Jesu Auferstehung im Kreis seiner Jünger in Jerusalem erwähnt, wo sie zusammen mit Jesu Brüdern am Gebet der Gemeinschaft vor Pfingsten teilnimmt. Die paulinischen Briefe, die zu den ältesten neutestamentlichen Texten zählen, erwähnen Maria nicht namentlich. Im Galaterbrief (Gal 4,4) heißt es jedoch in Bezug auf Jesu göttliche und menschliche Natur: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt.“ Diese Formulierung bestätigt seine menschliche Geburt ohne spezifische Nennung der Mutter. In der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1–2) ist von einer „Frau, mit der Sonne bekleidet“ die Rede, die schwanger ist und ein Kind gebiert. Obwohl ihr Name nicht genannt wird, identifiziert die katholische Tradition diese „apokalyptische Frau“ oft mit der Gottesmutter Maria.

Marias Abstammung und Familie

Die Namen von Marias Eltern sind in der Bibel nicht ausdrücklich erwähnt, was Raum für theologische und legendarische Entwicklungen ließ.

Abstammungsliste in Lukas 3

Die Abstammungsliste in Lukas 3, die Jesus über Josef zurückführt, wird von manchen so gedeutet, dass sie tatsächlich die Vorfahren Marias auflistet. In dieser Interpretation wäre Eli der Vater oder Großvater Marias. Dies würde die Formulierung „war, während man meinte, er sei ein Sohn Josephs, in Wirklichkeit ein Sohn von Eli“ (Lk 3,23) erklären.

Jesus als leiblicher Nachkomme Davids

Die leibliche Abstammung Jesu von David wird an mehreren Stellen im Neuen Testament betont: Paulus spricht von Gottes Sohn, „der aus dem Samen Davids gekommen ist dem Fleisch nach“ (Röm 1,3 ELB). Auch Petrus erinnert in seiner Pfingstpredigt daran, dass Gott David versprach, „einen aus der Frucht seiner Lende“ auf seinen Thron zu setzen (Apg 2,30 ELB). Jesus selbst sagt in der Offenbarung: „ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids“ (Offb 22,16 ELB). Wenn Josefs Abstammung über David belegt wird, und Jesus rechtlich als sein Sohn gilt, so ist die davidische Linie gesichert. Wenn Eli Marias Vater ist, und Eli von David abstammt, dann wäre Jesus auch über Maria ein leiblicher Nachkomme Davids.

Das Protoevangelium des Jakobus

Eine der wirkungsmächtigsten außerbiblischen Quellen ist das Protoevangelium des Jakobus aus dem 2. Jahrhundert. Es nennt Anna und Joachim als Marias Eltern, Namen, die so in die hagiographische Überlieferung gelangten und in manchen Konfessionen als Heilige verehrt werden (Gedenktag in der römisch-katholischen Kirche: 26. Juli). Dieses apokryphe Werk behauptet auch, dass Maria selbst von König David abstamme. Die scheinbare Diskrepanz zwischen Eli (Lukas) und Joachim (Protoevangelium) könnte sich auflösen, da Eli eine Kurzform von Eljakim und damit eine Variante von Jojakim, einer anderen Schreibweise für Joachim, sein könnte.

Eli als Vater Marias im Talmud

Interessanterweise erwähnt der Jerusalemer Talmud im Traktat Chagiga eine „Maria, die Tochter von Eli“, die sich in der Hölle befindet. Dies passt in den Kontext der jüdischen Polemik gegen das frühe Christentum und zeigt, dass die Verbindung Marias zu einem Vater namens Eli auch außerhalb christlicher Schriften bekannt war.

Maria als Verwandte Elisabets

Das Lukasevangelium (Lk 1,5 und 36 ELB) berichtet, dass Maria mit Elisabet verwandt war, die als „Tochter Aarons“ bezeichnet wird, also aus priesterlicher Linie stammte. Während Marias Abstammung von David wohl über ihren Vater lief, könnte sie über ihre Mutter auch eine Verbindung zur priesterlichen Linie gehabt haben, was die Bedeutung ihrer Person weiter unterstreicht.

Marias Nachkommen: Die Frage der Geschwister Jesu

Eine der am kontroversesten diskutierten Fragen zwischen den Konfessionen betrifft, ob Maria außer Jesus weitere Kinder hatte. Biblische und außerbiblische Zeugnisse sprechen von „Geschwistern Jesu“, was die Lehrmeinungen über die Jungfräulichkeit Marias beeinflusst hat.

Das Markusevangelium (Mk 6,3) nennt namentlich vier Brüder Jesu: Jakobus, Joses, Judas und Simon, und erwähnt auch Schwestern, deren Namen oder Anzahl jedoch nicht genannt werden. In der orthodoxen und katholischen Kirche werden diese „Geschwister“ oft als Vettern und Basen Jesu oder als Kinder Josefs aus einer früheren Ehe interpretiert, da Josef in apokryphen Quellen als Witwer beschrieben wird. Das griechische Wort ἀδελφοί (adelphoi), das für „Brüder“ verwendet wird, kann im weiteren Sinne auch „Verwandte“ bedeuten, obwohl es im Griechischen ein spezifisches Wort für „Vettern“ (ἀνεψιός, anepsios) gibt, das auch biblisch verwendet wird (Kol 4,10). Die Formulierung in Lk 2,7, dass Jesus Marias „erstgeborener“ Sohn war, wird von einigen als Hinweis auf spätere Geschwister gedeutet, von anderen jedoch als Bezeichnung einer rechtlichen oder rituellen Stellung, die unabhängig von weiteren Geburten ist.

Das Matthäusevangelium (Mt 1,18–25) berichtet, dass Josef Maria zur Frau nahm, „noch bevor sie zusammengekommen waren“ (V. 18), und dass Josef sie nicht „erkannte“ (d.h. keinen Geschlechtsverkehr hatte), „bis sie ihren Sohn gebar“ (V. 25). Diese Formulierung wird von einigen so verstanden, dass es nach der Geburt Jesu zu ehelichem Geschlechtsverkehr kam. Dem steht die Lehre der katholischen und orthodoxen Kirchen gegenüber, die Marias immerwährende Jungfräulichkeit, auch nach der Geburt Jesu, lehren.

Neuere protestantische Auffassungen betonen, dass es zur „Menschwerdung“ des Sohnes Gottes gehört, dass Jesus mit Vater, Mutter und Geschwistern aufwuchs, auch wenn die Reformatoren selbst dies anders interpretierten. Unbestritten ist, dass Jesu ältester Bruder Jakobus später eine Führungsrolle in der Jerusalemer Urgemeinde übernahm (Gal 1,19 und Gal 2,9).

Die Verehrung Marias in verschiedenen Religionen

Die Verehrung Marias ist nicht auf das Christentum beschränkt, sondern findet sich in vielfältiger Weise auch in anderen Glaubenssystemen.

Marienverehrung im Christentum

Im Christentum drückt sich die Verehrung Marias in zahlreichen Marientiteln (z.B. Königin des Himmels, Schutzherrin), Marienfesten (z.B. Mariä Himmelfahrt, Mariä Empfängnis), Andachtsformen wie dem Rosenkranzgebet, der Gründung marianischer Kongregationen und in vielfältigen Formen der Volksfrömmigkeit aus. Ihre Darstellung in der christlichen Ikonographie ist ebenfalls immens, von der Sixtinischen Madonna Raffaels bis zu Michelangelos Pietà, und Maria erscheint auch in der Heraldik.

Marienverehrung im Islam

Im Islam ist Maria, bekannt als Maryam, eine der am meisten verehrten Frauen. Sie ist die einzige im Koran namentlich erwähnte Frau, ihr Name wird in sechs Suren in etwa 40 Versen genannt, und die 19. Sure trägt ihren Namen. Sie spielt auch in der nachkoranischen Überlieferung und Frömmigkeit eine bedeutende Rolle und wird neben Khadijah und Fatima (Frauen aus Mohammeds unmittelbarer Umgebung) als eine der heiligsten Frauen im Islam angesehen.

Marienverehrung im Hinduismus (Tamilen)

Besonders bei den tamilischen Hindus, insbesondere in Sri Lanka und der tamilischen Diaspora, spielt die Verehrung Marias eine herausragende Rolle. Dies ist bemerkenswert, da der Großteil der Tamilen Hindus sind, aber alle Tamilen, unabhängig von ihrer Konfession, Maria verehren, was auf einen tiefen synkretistischen Einfluss hindeutet.

Marienverehrung im Voodoo

Im haitianischen Voodoo wird Maria mit der Loa Erzulie synkretisiert. Erzulies Veve (ein rituelles Symbol) zeigt ein von einem Schwert durchbohrtes Herz, ein Bild, das auch in der christlichen Ikonographie für das Gedächtnis der Schmerzen Mariens steht und die Vermischung religiöser Symbole verdeutlicht.

Mariologie und Marienfeste

Mariologie

Die Mariologie ist ein spezifischer Teilbereich der katholischen Dogmatik, der sich eng mit der Christologie, der Lehre von Christus, verbindet. Sie betrachtet Maria als erste Adressatin des Heilshandelns Gottes an den Menschen und untersucht ihre Rolle im Erlösungswerk ihres Sohnes. Ein entscheidender Moment in der Entwicklung der Mariologie war das Dritte Ökumenische Konzil in Ephesos (431 n. Chr.), das Maria zur Theotókos („Gottesgebärerin“) erklärte, was ihre einzigartige Stellung als Mutter des Gottessohnes betonte.

Im 19. und 20. Jahrhundert verkündete die katholische Kirche weitere Mariendogmen, darunter 1854 die Unbefleckte Empfängnis Mariens (dass sie von Geburt an frei von Erbsünde war) und 1950 die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Die Festlegung solcher Dogmen als Kennzeichen der Rechtgläubigkeit trug jedoch dazu bei, die theologische Distanz zur Orthodoxie und zum Protestantismus zu vergrößern, da diese Konfessionen diese Dogmen nicht teilen.

Marienfeste

Im Jahreskreis der verschiedenen christlichen Konfessionen gibt es zahlreiche Fest- und Gedenktage zu Ehren Marias. Dazu gehören unter anderem Mariä Verkündigung (25. März), Mariä Himmelfahrt (15. August), Mariä Empfängnis (8. Dezember) und Mariä Geburt (8. September). Diese Feste sind Ausdruck der tiefen Verehrung und der besonderen Rolle, die Maria im liturgischen Kalender einnimmt.

Vergleichende Darstellung Marias in den Evangelien

Um die unterschiedliche Darstellung Marias besser zu verstehen, bietet sich eine vergleichende Betrachtung der Evangelien an:

EvangeliumMarias Rolle und CharakterisierungSchlüsselszenen und Besonderheiten
MarkusEher im Hintergrund; Teil der Familie, die Jesus missversteht; wird namentlich genannt, aber ohne aktive Rolle.Versuch, Jesus zurückzuholen (Mk 3,20f); Nennung des Namens und der Geschwister (Mk 6,3).
MatthäusEmpfängt Jesus durch den Heiligen Geist; passiv, Josef ist der Hauptakteur bei den Entscheidungen; betont die jungfräuliche Geburt.Erwähnung im Stammbaum (Mt 1,16); Traum Josefs (Mt 1,20); Anbetung der Sterndeuter (Mt 2,11).
LukasZentralfigur der Kindheitsgeschichte; empfängt die Botschaft des Engels; aktiv, nachdenklich, lobpreisend.Verkündigung des Herrn (Lk 1,26ff); Besuch bei Elisabet und das Magnificat (Lk 1,39-56); bewahrt Worte im Herzen (Lk 2,19, 51).
JohannesNie namentlich genannt; distanzierte Anrede durch Jesus ("Frau"); symbolische Bedeutung unter dem Kreuz.Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-12); unter dem Kreuz (Joh 19,25-27), Übergabe an den Lieblingsjünger.

Häufig gestellte Fragen zu Maria im Neuen Testament

Hier finden Sie Antworten auf einige der häufigsten Fragen zur Person Marias im Kontext der biblischen Überlieferung:

Wird Maria im Koran erwähnt?
Ja, Maria ist die einzige Frau, die im Koran namentlich erwähnt wird. Ihr arabischer Name ist Maryam. Sie wird in sechs Suren in etwa 40 Versen genannt, und die 19. Sure trägt sogar ihren Namen. Im Islam wird sie als hochverehrte, jungfräuliche Mutter Jesu (Isa) angesehen.

Was bedeutet der Name Maria?
Der Name Maria (hebräisch Mirjam) hat mehrere vorgeschlagene Bedeutungen. Traditionell wird er als „meeresbitter“, „Meeresmyrrhe“ oder „Meerestropfen“ interpretiert. Neuere Deutungen umfassen auch Ableitungen aus dem Ägyptischen („von Amun Geliebte“) oder Hebräischen („die Erhabene“ oder „die Widerspenstige“).

Hat Jesus Geschwister?
Das Neue Testament erwähnt „Brüder“ und „Schwestern“ Jesu (z.B. Mk 6,3). Die Identität dieser Personen ist zwischen den christlichen Konfessionen umstritten. Während die katholische und orthodoxe Kirche sie meist als Vettern oder Kinder Josefs aus einer früheren Ehe interpretieren (um die immerwährende Jungfräulichkeit Marias zu wahren), gehen viele protestantische Theologen von leiblichen Geschwistern Jesu aus. Der älteste Bruder Jakobus wird als wichtiger Führer der Jerusalemer Urgemeinde genannt.

Welche Rolle spielt Maria im Markusevangelium?
Im Markusevangelium spielt Maria eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Sie wird als Teil der Familie dargestellt, die Jesus missversteht und ihn sogar für „von Sinnen“ hält. Jesus distanziert sich in diesem Evangelium von seiner leiblichen Familie und definiert seine wahre Familie als diejenigen, die den Willen Gottes tun. Marias Name wird nur einmal namentlich erwähnt (Mk 6,3).

Was ist das Magnificat?
Das Magnificat ist der Lobgesang Marias, der im Lukasevangelium (Lk 1,46–55) überliefert ist. Es ist der längste zusammenhängende Redeabschnitt Marias im Neuen Testament und drückt ihren Lobpreis Gottes für seine Taten an ihr persönlich und für seine Heilsgeschichte mit dem Volk Israel aus. Der Name leitet sich vom ersten Wort der lateinischen Übersetzung ab: „Magnificat anima mea Dominum“ („Meine Seele preist den Herrn“).

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