Was ist der Unterschied zwischen 'Darstellung des Herrn' und 'Mariä Lichtmess'?

Mariä Lichtmess: Ursprung, Bedeutung und Bräuche

30/08/2023

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Der 2. Februar, im Volksmund als „Mariä Lichtmess“ bekannt, markierte über Jahrhunderte hinweg das offizielle Ende der Weihnachtszeit. Es war der Tag, an dem vielerorts in katholischen Kirchen und Privathäusern Krippen und Weihnachtsbäume abgebaut wurden. Obwohl dieses Fest in der modernen katholischen Kirche seit der Liturgiereform von 1970 nicht mehr das Ende der Weihnachtszeit kennzeichnet – diese endet nun bereits am Sonntag nach dem Dreikönigstag am 6. Januar –, halten viele Familien, Städte und Gemeinden, insbesondere in Regionen wie dem Erzgebirge, weiterhin an diesem alten Brauch fest. Doch Mariä Lichtmess ist weit mehr als nur ein Termin für den Abbau festlicher Dekorationen; es ist ein Fest von tiefgreifender historischer, religiöser und kultureller Bedeutung, das sich im Laufe der Jahrhunderte vielfältig entwickelt hat.

Was bedeutet die Bezeichnung 'Mariä Lichtmess' in der katholischen Kirche?
Und auch: "Darstellung des Herrn" "Mariä Lichtmess" hieß bis 1969 in der katholischen Kirche auch "Mariä Reinigung". Diese Bezeichnung knüpft an den Bericht des Lukas-Evangeliums an, nach dem Maria 40 Tage nach der Geburt Jesu ein Reinigungsopfer darbrachte, wie es das jüdische Gesetz vorschrieb.
Inhaltsverzeichnis

Die Historischen Wurzeln von Mariä Lichtmess

Lichtmess zählt zu den ältesten Festen der christlichen Kirche. Seine Ursprünge reichen bis in den Anfang des 5. Jahrhunderts zurück, als es in Jerusalem am 40. Tag nach der Geburt Jesu gefeiert wurde. Die Wahl dieses Datums ist eng mit den jüdischen Reinigungsgesetzen verbunden, die vorschrieben, dass eine Frau 40 Tage nach der Geburt eines männlichen Kindes ein Reinigungsopfer darbringen musste. Zugleich war es üblich, den erstgeborenen Sohn, der Gott gehörte, im Tempel auszulösen.

Um das Jahr 650 n. Chr. wurde dieser Feiertag auch in Rom eingeführt und fand somit Einzug in den westlichen Kirchenkalender. Von Beginn an war dieser Tag reich an unterschiedlichen Glaubensaussagen, Volksbräuchen und sogar Bauernregeln, die sich über die Jahrhunderte hinweg entwickelten und festigten. Ein besonders prägender Brauch, der seit dem 11. Jahrhundert aufkam, war die Kerzensegnung und die damit verbundenen Lichterprozessionen. An Lichtmess wurden traditionell die für das kommende Jahr benötigten Kerzen – sowohl für die Kirchen als auch für private Haushalte – geweiht. Dies führte zur Durchführung von Wachsmärkten, die im Volksmund passenderweise als „Licht(er)messen“ bezeichnet wurden, wie der Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti berichtet.

Vom Marienfest zum Christusfest: Die Wandlung des Namens

Bis zur Liturgiereform im Jahr 1969 trug das Fest in der katholischen Kirche den Namen „Mariä Reinigung“. Diese Bezeichnung verwies direkt auf den Bericht im Lukas-Evangelium (Lukas 2,22-40), in dem Maria 40 Tage nach der Geburt Jesu ein Reinigungsopfer im Tempel darbringt, wie es das jüdische Gesetz vorsah. In diesem Zusammenhang wird auch beschrieben, wie Josef und Maria Jesus, ihren erstgeborenen Sohn, der Gott gehörte, im Tempel auslösten.

Die Begegnung im Tempel mit dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna ist ein zentraler Bestandteil der biblischen Erzählung. Simeon erkannte in dem Kind den Messias und stimmte ein Loblied an, das in den Gottesdiensten am 2. Februar vorgelesen wird: „Denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ Diese prophetischen Worte, die Jesus als ein Licht für alle Völker bezeichnen, sind von immenser Bedeutung für das Verständnis des Festes und insbesondere für die Praxis der Kerzenweihe und Lichterprozessionen.

Seit 1969 findet sich im katholischen Feiertagskalender eine neue Bezeichnung für diesen Tag: „Darstellung des Herrn“. Mit dieser Umbenennung wurde der theologische Fokus verschoben. Während es zuvor primär als Marienfest zur „Reinigung Marias“ verstanden wurde, betont der neue Name stärker die Rolle Jesu als des Herrn, der in seinen Tempel kommt und sich dem Gottesvolk des Alten Bundes offenbart. Es ist somit von einem Marienfest zu einem Christusfest geworden, das die Offenbarung Jesu als das Licht der Welt in den Mittelpunkt rückt.

Was ist das Johannes-Evangelium?
Das Johannes-Evangelium ist ganz wesentlich durch diese Lichtsymbolik geprägt. Christus als aufgehende Sonne, als derjenige, der Licht ins Dunkel bringt, nimmt uralte Metaphern auf, die schon für Jahwe gegolten haben: Als Feuersäule beschützt Gott die Israeliten beim Auszug aus Ägypten, im brennenden Dornbusch begegnet Gott dem Moses.

Tabelle: Entwicklung der Bezeichnungen und Bedeutungen

AspektBis 1969: „Mariä Reinigung“ / „Mariä Lichtmess“Seit 1969: „Darstellung des Herrn“
FokusReinigung Marias nach jüdischem Gesetz; KerzenweiheJesu Übergabe an Gott im Tempel; seine Offenbarung als Licht
Charakter des FestesPrimär MarienfestPrimär Christusfest
Biblischer BezugLukas-Evangelium (Maria als Mutter Jesu)Lukas-Evangelium (Jesus als Erlöser und Licht)
BrauchtumEnde der Weihnachtszeit, Krippenabbau, Kerzenweihe, LichterprozessionenKerzenweihe, Lichterprozessionen; Betonung der Begegnung des Herrn

Die tiefe Symbolik des Lichts

Die Lichtsymbolik ist untrennbar mit Mariä Lichtmess verbunden und durchzieht die gesamte christliche Tradition. Jesus Christus selbst definierte sich im Johannes-Evangelium mit den Worten: „Ich bin das Licht der Welt“ (Johannes 8,12). Das Johannes-Evangelium ist maßgeblich von dieser Lichtsymbolik geprägt, die Christus als aufgehende Sonne, als denjenigen, der Licht ins Dunkel bringt, darstellt. Diese Metaphern greifen uralte Vorstellungen auf, die schon für Jahwe im Alten Testament galten, etwa als Feuersäule, die die Israeliten beim Auszug aus Ägypten schützte, oder im brennenden Dornbusch, in dem Gott Moses begegnete. Auch die biblisch beschriebene Verklärung, bei der Personen ein überirdisch helles Licht ausstrahlen, zeugt von der tiefen Bedeutung des Lichts als Ausdruck göttlicher Präsenz und Reinheit.

In einer Zeit, in der die Kerze der primäre Lichtspender war, hatte das Licht nicht nur die vordergründige Bedeutung von Helligkeit, sondern auch eine reiche symbolische Dimension von Reinheit und Spiritualität. Im jüdischen Glauben steht das Kerzenlicht für Körper und Seele, wobei die Flamme die Seele symbolisiert, die stets nach oben strebt. Die Kombination aus Kerze und Flamme versinnbildlicht den Menschen, basierend auf dem Spruch 20,27: „Die Seele des Menschen ist eine Leuchte des Herrn.“

Von dieser tiefen Symbolik leitet sich auch das christliche Kerzenopfer ab – das Aufstellen einer Kerze zur Verehrung Gottes oder eines Heiligen. Die Kerze steht hier sinnbildlich für den Beter. Ihre Farbe konnte auf den Spender oder den Zweck verweisen: Weiße Kerzen für Männer, rote für Frauen, und schwarze Kerzen waren oft geweihte Wetterkerzen, die bei Unwettern angezündet wurden. Es gab auch den Brauch, besonders lange Kerzenstöcke in die Kirche zu tragen, weihen zu lassen und sie dann zu Hause zu zerschneiden und den einzelnen Hausgenossen zuzuweisen. Auf diese Weise holte man Christus, das Licht, ins Haus und hatte ihn beim gemeinsamen Gebet, bei dem die Kerzen brannten, unter sich. Dies galt insbesondere für das häusliche Rosenkranzgebet, bei Unwettern, schwerer Krankheit, im Sterben und beim Tod.

Bräuche und Volksglauben rund um Lichtmess

Mariä Lichtmess war in früheren Zeiten ein Scharnier zwischen Winter und Frühling, zwischen Arbeitsjahr und Ruhephase. Es war der Tag, an dem die Dienstboten ihren Jahreslohn in Geld und Naturalien erhielten. Sie hatten die Möglichkeit, sich bei ihrem Dienstherrn neu zu verpflichten oder den Arbeitgeber zu wechseln. Die Zeit bis zum Agathatag am 5. Februar war eine Art vertraglich gesichertes Nichtstun, das im Volksmund als „Schlenklweil“ oder „Schlenkeltage“ bezeichnet wurde. In dieser Zeit besuchten Knechte und Mägde ihre Familien und feierten das Wiedersehen mit Umzügen und Festessen.

Zugleich begann um Lichtmess herum die Vorbereitung auf die neue Feldarbeit. Dies spiegelte sich in zahlreichen Bauernregeln wider, die sich mit dem Wetter und der Vorfreude auf den Frühling befassten. Eine bekannte Regel besagt: „Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit.“ Eine anschauliche Regel beschreibt, wie die Tage nach der Wintersonnwende am 22. Dezember länger werden: „Weihnachten um ein’ Mückenschritt, Silvester um ein’ Hahnentritt, Dreikönig um ein’ Hirschensprung und Lichtmess um ein’ ganze Stund.“ Der Volksmund schlägt mitunter sogar einen Bogen vom Martinstag am 11. November zu Lichtmess: „Martin zünd’ Licht an; Maria bläst’s wieder aus.“

Auch die Handwerker hatten ihre Lichtmess-Bräuche. Mit Lichtmess endete die Arbeit bei Kunstlicht, die am Montag nach dem Gedenktag des Erzengels Michael (29. September) begonnen hatte. Die gleiche Endzeit galt für die Spinnstubenzeit, die zu Martini begonnen hatte. Es hieß deshalb nicht nur: „Sankt Martin macht Feuer ins Kamin; dann, o Mädel, greif zum Rädl“ und „Lichtmess, ’s Spinne’ vergeß“. Eine deftige Formulierung am Niederrhein lautete: „Um Martin schlachtet der Bauer sein Schwein, das muss bis zu Lichtmess gefressen sein.“ Zur Feier des Tages gaben die Meister ihren Gesellen und Lehrlingen oft den Nachmittag frei, der so die Bezeichnung „Lichtblaumontag“ erhielt und als sprachliche Vorlage für den später berühmt-berüchtigten „Blauen Montag“ gedient haben soll.

Ein besonderes Festgebäck an Lichtmess waren die Crêpes oder Pfannkuchen, die im Rheinland lautmalerisch als „Kreppchen“ bezeichnet wurden. Ein alter Glaube besagte, dass der Hausfrau, die beim Pfannkuchenbacken den ersten Pfannkuchen – ohne Zuhilfenahme anderer Mittel – so wendete, dass er wieder in der Pfannenmitte landete, das ganze Jahr über das Geld nicht ausgehen würde.

Mariä Lichtmess heute: Tag des geweihten Lebens

Seit 1997 ist der 2. Februar in der katholischen Kirche auch der „Tag des geweihten Lebens“. Papst Johannes Paul II. richtete diesen Tag als Zeichen des Dankes und der Bitte für all jene Menschen ein, die sich ganz Gott zur Verfügung stellen und ihr Leben in den Dienst der Kirche und der Menschen stellen. Dies umfasst Priester, Ordensleute, gottgeweihte Jungfrauen und Mitglieder von Säkularinstituten. Die Wahl dieses Datums ist symbolträchtig, da sie die Hingabe Jesu im Tempel aufgreift und als Vorbild für alle Menschen dient, die ihr Leben Gott weihen.

Was bedeutet die Bezeichnung 'Mariä Lichtmess' in der katholischen Kirche?
Und auch: "Darstellung des Herrn" "Mariä Lichtmess" hieß bis 1969 in der katholischen Kirche auch "Mariä Reinigung". Diese Bezeichnung knüpft an den Bericht des Lukas-Evangeliums an, nach dem Maria 40 Tage nach der Geburt Jesu ein Reinigungsopfer darbrachte, wie es das jüdische Gesetz vorschrieb.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen „Mariä Lichtmess“ und „Darstellung des Herrn“?

„Mariä Lichtmess“ ist der volkstümliche Name für das Fest, der sich aus dem Brauch der Kerzensegnungen und Lichterprozessionen entwickelte. Der offizielle Name in der katholischen Kirche war bis 1969 „Mariä Reinigung“ und ist seitdem „Darstellung des Herrn“. Die Umbenennung von einem Marienfest zu einem Christusfest betont stärker die biblische Erzählung, in der Jesus im Tempel Gott übergeben wird und als „Licht, das die Heiden erleuchtet“ offenbart wird, während der Aspekt der rituellen Reinigung Marias in den Hintergrund tritt.

Warum wurde Mariä Lichtmess am 40. Tag nach Weihnachten gefeiert?

Das Datum des 2. Februar ist der 40. Tag nach dem 25. Dezember, dem traditionellen Weihnachtstag. Die 40 Tage beziehen sich auf die jüdische Tradition, nach der eine Mutter 40 Tage nach der Geburt eines männlichen Kindes als rituell rein galt und ein Reinigungsopfer im Tempel darbringen musste. Zudem wurde an diesem Tag der erstgeborene Sohn, der Gott gehörte, im Tempel ausgelöst.

Welche Bedeutung hat das Licht an Mariä Lichtmess?

Das Licht an Mariä Lichtmess symbolisiert Jesus Christus selbst, der sich als „Licht der Welt“ bezeichnete. Die Kerzen, die an diesem Tag gesegnet werden, stehen für Jesus, der Helligkeit ins Dunkel bringt. Sie sind auch ein Zeichen für Nächstenliebe, da sie Licht und Wärme spenden und sich dabei selbst verbrauchen. Zudem versinnbildlicht das brennende Licht die ständige Bereitschaft und Erwartung des Herrn, ähnlich dem Gleichnis von den Klugen Jungfrauen im Matthäus-Evangelium.

Warum wurden an Lichtmess früher die Weihnachtsbäume abgebaut?

Traditionell markierte Mariä Lichtmess das Ende der Weihnachtszeit, die mit der Geburt Christi begann. Das Fest der Darstellung des Herrn schloss den Kreis der weihnachtlichen Feste, die die Kindheit Jesu beleuchteten. Daher war es der gebräuchliche Zeitpunkt, die weihnachtliche Dekoration, einschließlich der Krippen und Weihnachtsbäume, zu entfernen, um den Übergang in den „gewöhnlichen“ Jahreskreis zu markieren.

Was ist der „Tag des geweihten Lebens“?

Der „Tag des geweihten Lebens“ wurde 1997 von Papst Johannes Paul II. eingeführt und fällt ebenfalls auf den 2. Februar. Er ist ein Tag des Gebets und des Dankes für alle Menschen, die ihr Leben Gott geweiht haben, wie Priester, Ordensleute und Mitglieder von Säkularinstituten. Die Verbindung zu Mariä Lichtmess liegt in der Hingabe Jesu an Gott im Tempel, die als Vorbild für ein geweihtes Leben dient.

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