17/05/2022
Das Leben gleicht oft einer Seefahrt. Manchmal segeln wir unter blauem Himmel auf ruhigem Wasser, doch dann können sich plötzlich dunkle Wolken am Horizont sammeln und ein gewaltiger Sturm bricht los. Solche Stürme des Lebens – seien es Krankheiten, finanzielle Nöte, Beziehungsprobleme oder innere Ängste – können uns an den Rand der Verzweiflung bringen. Die Frage ist dann nicht, ob Stürme kommen, sondern wie wir ihnen begegnen. Die Bibel bietet uns in solchen Momenten einen Anker der Hoffnung und eine tiefgreifende Lektion durch die Geschichte von Jesus, der den Sturm stillt, wie sie im Markus-Evangelium, Kapitel 4, Verse 35-41, berichtet wird.

Die Erzählung nimmt uns mit auf den See Genezareth. Jesus und seine Jünger befinden sich in einem Boot. Auf Jesu Anweisung hin brechen sie auf, um das andere Ufer zu erreichen. Doch dann erhebt sich ein gewaltiger Wirbelwind, die Wellen schlagen ins Boot, sodass es vollzulaufen droht. Während die Jünger in Todesangst sind, schläft Jesus im hinteren Teil des Bootes. Verzweifelt wecken sie ihn mit den Worten: „Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“ Jesus steht auf, bedroht den Wind und spricht zum Meer: „Schweig und verstumme!“ Und augenblicklich legt sich der Wind, und es entsteht eine große Stille. Danach fragt er seine Jünger: „Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“ Die Jünger aber fürchten sich sehr und fragen einander: „Wer ist dieser, dass ihm auch Wind und Meer gehorsam sind?“
Die historische Wahrheit der Sturmstillung
Bevor wir tiefer in die Bedeutung dieser Geschichte eintauchen, ist es entscheidend, eines klarzustellen: Wir haben es hier nicht mit einer fiktiven Erzählung, einem Märchen oder einer ausgedachten Fabel zu tun. Dies ist ein historischer Bericht. Es gab tatsächlich einen Tag und eine Stunde, zu der Jesus Christus mit seinen Jüngern auf dem Galiläischen Meer war, ein gewaltiger Sturm drohte ihr Schiff zu versenken, und Jesus durch die Macht seines Wortes den Sturm augenblicklich stillte. Dies zu betonen ist heute wichtiger denn je, da dieser entscheidende Tatbestand von zwei Seiten infrage gestellt wird.
Zunächst sind da die sogenannten modernen Theologen, die alles, was in der Bibel als Wunder ausgewiesen wird – und die Sturmstillung ist eines der gewaltigsten Wunder Jesu – dem Reich der Fabeln, Märchen und Mythen zuordnen. Solche Berichte werden oft als „Gemeindetheologie“ bezeichnet, was bedeutet, dass die Jünger oder die junge Kirche diese Erzählungen im Nachhinein erfunden hätten, um zu zeigen, was sie Jesus zutrauten. Doch wie soll Vertrauen zu Jesus und seiner Macht entstehen, wenn er gar keinen Sturm gestillt, kein Wunder getan und keine Macht bewiesen hat? Dann würde Jesus in die Reihe von Romanhelden oder Comicfiguren rücken, die zwar die tollsten Taten vollbringen, aber eben nur auf dem Papier. Nein, hier haben wir es mit einem historischen Ereignis zu tun, aus dem wir geistliche Gesetzmäßigkeiten ableiten, lernen und Folgerungen für unser persönliches Glaubensleben ziehen können.
Der zweite Angriff kommt aus einer ganz anderen Richtung und wird oft nur indirekt geführt, was ihn schwer erkennbar macht. Es handelt sich um eine Lehre, die sich Glaubenstheologie nennt. Sie besagt, dass ein bekehrter Christ, der „richtig“ glaubt – wobei niemand genau definieren kann, was „richtig“ glauben bedeutet – gesund, reich, glücklich und ohne Probleme sein wird. Obwohl dies sehr fromm klingt, entspricht es keineswegs der biblischen Gesamtaussage. Vielmehr ist es eine grausame Theologie, die all jene ins Gesicht schlägt, die trotz oder gerade wegen ihres Glaubens in Not und Schwierigkeiten geraten sind. Was sollen wir unseren Kranken sagen, die trotz anhaltender Gebete noch krank sind? Sie wären dann an ihrem Elend selbst schuld, weil sie angeblich nicht genug geglaubt hätten. Wie sollte man all das Leid erklären, das viele Christen in anderen Ländern in der Verfolgung erlitten haben und noch immer erleiden?
Stürme im Boot des Glaubens: Eine Realität
Unser Bibeltext sagt uns dagegen etwas ganz anderes, eher das Gegenteil: Auch wenn Jesus im Boot ist, kann es Stürme geben, gefährliche Stürme, angsteinflößende Stürme! Die Jünger gerieten nicht in Not, weil sie nicht genug oder „richtig“ geglaubt hätten, denn Jesus war im Boot – dann hätte er ja auch nicht genug Glauben gehabt! Sie haben auch keinen Fehler gemacht, indem sie vielleicht zur falschen Zeit oder ohne göttliche Weisung auf das Meer gefahren wären. Denn Jesus selbst hatte ihnen gesagt: „Lasst uns hinüberfahren!“ Sie handelten also auf Jesu Wort hin, waren damit absolut im göttlichen Plan und Willen, und dennoch kamen sie in Not. Bevor wir nach dem „Warum“ fragen, wollen wir noch einmal festhalten, dass die Jünger nicht schuldhaft in diese Not kamen. Ihr Problem lag vielmehr darin, dass sie sich in der Notsituation nicht bewährt haben. Doch ziehen wir erst einmal die geistlichen Übertragungen aus diesem Geschehen für unser Leben:
- Auch wenn wir im Glauben leben und im Plane Gottes sind, können wir in Schwierigkeiten kommen.
- Auch unser Lebensschiff kann von den Fallwinden des Lebens hin und her geworfen werden, dass es lebensbedrohlich erscheint und wir in Angst geraten.
Das ist keine Schande. Jesus selbst hat gesagt: „In der Welt habt ihr Angst“, aber er hat auch gesagt: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ Hüten wir uns deshalb vor solchen Aussprüchen wie: „Ja, wenn du recht geglaubt hättest, dann wärst du jetzt nicht krank, depressiv oder in anderen Nöten.“ Auch der Glaubensstärkste kann in Not geraten. Die Lebensgeschichte vieler Gläubiger in der Bibel und der Kirchengeschichte sind dafür ein beredtes Beispiel:
| Biblische Figur | Notlage | Glaubensstärke |
|---|---|---|
| Hiob | Vielfältiges Leid, Verlust von Familie und Besitz, Krankheit | Unererschütterlicher Glaube und Geduld |
| Josef | Von Brüdern als Sklave verkauft, ungerecht im Gefängnis | Gottvertrauen und Integrität |
| Daniel | In die Löwengrube geworfen | Treue zu Gott unter Lebensgefahr |
| Petrus | Im Gefängnis, Todesdrohung | Trotz Schwächen ein Mann des Glaubens |
| Paulus | Verfolgung, Schläge, Schiffbruch, Gefängnis | Unerschütterlicher Eifer und Vertrauen in Christus |
Viele andere Männer und Frauen der Heilsgeschichte kamen in Not und Gefahr. Im Neuen Testament hören wir von Petrus, der ins Gefängnis kommt. Von Paulus hören wir: „Satanas schlägt mich mit Fäusten!“
Die Quelle der Stürme: Geistlicher Kampf
Hier haben wir auch eine Antwort auf unsere Warum-Frage. Warum Not bei den Kindern Gottes? Bei Hiob und Paulus wird das prinzipiell klargestellt: Satan, der Teufel, trachtet uns zu vernichten oder wenigstens zu schaden. Gerade wer im göttlichen Plan lebt, muss mit den Attacken des Teufels rechnen. Entscheidend ist nur, wie der Glaubende sich in der Not verhält. David, der spätere König von Israel, wurde 15 Jahre lang von König Saul verfolgt, dieser trachtete ihm nach dem Leben. Aber gerade dieser David ist es, der im Psalm 23 schreibt: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du – mein Gott – bist bei mir!“ Das war die Lektion, welche die Jünger zu lernen hatten und die sicher auch wir immer neu zu lernen haben:
Ein Schiff, auch unser Lebensschiff, in dem sich Jesus befindet, kann von Stürmen hin und her geworfen werden, aber untergehen wird es nicht!
Das haben wir letztlich auf irgendeine Weise alle einmal erfahren, die als Gläubige in Not geraten sind, ein Josef ebenso wie ein Daniel oder Petrus oder Paulus. Deshalb hält Jesus den Jüngern vor: „Habt ihr denn keinen Glauben?“ Er will damit sagen: Habt ihr wirklich gedacht, dass ein Schiff, in welchem sich der Sohn des lebendigen Gottes befindet, untergeht, dass ihr umkommt, wenn ich bei euch bin? Wisst ihr nicht, dass ich nur ein Wort sprechen brauche, um jede Situation zum Positiven zu wenden? Und glaubt ihr ein Recht zu haben, mich zu kritisieren, wenn ich das nicht zu eurer, sondern zu meiner Zeit tue? Und dann gibt er seinen Jüngern praktischen Unterricht. Er steht auf und gebietet dem Sturm, und er schwieg augenblicklich!
Hier haben wir auch noch einmal eine Antwort auf die Frage, warum die Jünger in Not kamen. Es handelte sich zweifelsfrei um einen Angriff des Teufels. Nicht Gott hatte den Sturm geschickt, wie hätte Jesus sonst dem Sturm gebieten können? Was lernen wir daraus? Dass wir in keiner Not verlassen sind von unserem Gott, wenn wir ihm nur im Glauben vertrauen. Wie oft haben wir schon an Gottes Allmacht gezweifelt, weil er nicht zu unserer Zeit das tat, was wir erwartet haben. Und dennoch mussten wir zugeben und erleben: Zu seiner Zeit offenbart Gott seine Macht und handelt.
Wer von uns hatte damit gerechnet, dass das Bollwerk Kommunismus in der UdSSR vernichtet werden könnte und dass Deutschland noch in unseren Tagen die Wiedervereinigung erlebt? Aber all das ist geschehen. Und so sehr auch Politiker daran Anteil haben mögen, wir wissen: Das hat Gott getan. Deshalb wollen wir uns auch vor falscher Gottergebenheit hüten, indem wir uns mit Not und Leid abfinden, ohne noch mit Gottes Hilfe zu rechnen. Wie lange hat das Volk Israel in Ägypten um Befreiung gebetet, und dann, nach langer Zeit, hat Gott doch ihr Gebet erhört.
Jesus' Macht über das Chaos
Jesus stillt den Sturm und gibt uns hier einen der größten Beweise seiner Allgewalt im Himmel und auf Erden. Jesus beweist sich hier als Herr über ein Gebiet, in dem wir Menschen vollkommen hilflos sind. Wir Menschen haben seit diesem biblischen Bericht zum Teil geradezu unwahrscheinliche Erfolge in den verschiedensten Gebieten erzielt. Denken wir nur an den Fortschritt in der Medizin. Viele Seuchen und Krankheiten sind so gut wie überwunden. Selbst in dem so komplizierten Gebiet der Psyche hat es manche Hilfe gegeben, was wir nicht bestreiten und dankbar anerkennen wollen und froh darüber sind für die Betroffenen. Geistig hat der Mensch in Naturwissenschaft und Technik Höhen erreicht, die fast unglaublich erscheinen. Aber das muss der auf seinen Fortschritt so stolze Mensch zugeben: In Bezug auf die Naturgewalten ist er völlig hilflos. Ein Sturm auf dem Meer ist für ein Schiff immer noch so bedrohlich und lebensgefährlich wie zur Zeit Jesu der Sturm auf dem galiläischen Meer, wie uns leider einige Schiffskatastrophen immer wieder gezeigt haben. Ein Hurrikan oder Taifun haben nichts von ihrem Schrecken verloren, wie uns entsprechende Ereignisse in verschiedenen Teilen der Welt auch in letzter Zeit gezeigt haben.
Aber Jesus gebietet dem Sturm, er ist Herr über die Naturgewalten! Und das ist keine Gemeindetheologie, nichts, was die Jünger erfunden hätten, sondern das ist Geschichte im historischen Sinn. Das heißt, Jesus erweist sich hier als Herr über Mächte, über die sonst niemand Gewalt hat. Das weist ihn als Sohn Gottes aus, dem wirklich alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist.
Dazu habe ich in einer naturwissenschaftlichen Zeitschrift vor kurzem etwas Interessantes gelesen. Eine grundsätzliche Regel der Wissenschaft lautet: Alles Messbare messen und alles bisher nicht Gemessene messbar machen. Denn alles was gemessen ist, kann man auch berechnen, und alles was man berechnen kann, kann man auch beherrschen, bekommt man in den Griff. Wenn man z.B. eine Wegstrecke gemessen hat, kann man berechnen, wie lange man mit einem Gefährt oder zu Fuß diese Strecke zurücklegen kann. Das trifft im Kleinen wie im Großen zu. Nachdem man die Bahnen der Planeten messen und berechnen konnte, wurde die Weltraumfahrt möglich. Lange hatte man geglaubt, dass man auf die Dauer alles berechnen und damit alles in den Griff bekommen könne. Die berühmte Weltformel schwebte den Wissenschaftlern vor, die es möglich machen würde, die ganze Zukunft der Welt zu berechnen und damit alles in den Griff zu bekommen und sogar zu steuern.
Nun wurde in diesem Artikel berichtet, dass man festgestellt hat, dass man eines nicht berechnen kann: Die Turbulenzen, wie sie beim Sturm auf dem Meer auftreten bei Wind und Wasserwogen, da diese sich chaotisch verhalten. Das Chaos aber ist nicht zu berechnen. Da man es nicht messen und berechnen kann, kann man es auch nicht beherrschen und ist dem hilflos ausgeliefert. Dabei wurde betont, dass das Chaos nicht grundsätzlich unberechenbar und nicht messbar sei. Aber man war sich klar darüber, dass keine menschliche Intelligenz dazu in der Lage wäre und auch kein noch so komplizierter und großer Computer. Der Mensch ist damit, schrieb die Zeitschrift, an die Grenzen des Möglichen gestoßen.
Diese Tatsache wirft ein noch ganz bedeutsames Licht auf das Wunder der Sturmstillung durch Jesus. Da er den Sturm stillte, beweist das, dass er sehr wohl in der Lage ist, das Chaos zu berechnen und damit zu beherrschen. Er zeigt damit, dass er grundsätzlich Herr auch der Turbulenzen ist, dass er alles im Griff hat und alles ordnen kann, und das nicht nur im naturwissenschaftlichen Sinn und nicht durch besondere Computermanipulationen, sondern durch sein gewaltiges Wort! Welch eine Intelligenz, welch eine Macht! Wir werden dabei erinnert an das Wort aus der Bibel im 1. Buch Mose, wo es heißt: „Der Geist Gottes schwebte über dem Tohuwabohu“, wie es im Urtext heißt und was nichts anderes bedeutet als Chaos. Und Gott ordnete und gestaltete das Chaos allein durch sein Wort: „Und Gott sprach“, heißt es, „und es geschah!“ Welch ein Gott!
Was bedeutet das für unser Leben heute?
Welche Folgerungen können wir daraus für unser Leben ziehen? Dass wir solch einem Herrn wohl zutrauen können, dass er auch alle anderen Mächte und Kräfte, die uns oft bedrängen und Not machen, bezwingen kann. Ihm dürfen wir auch zutrauen, dass alle seine Verheißungen in Erfüllung gehen werden und dass er letztlich auch das Steuer der Weltgeschichte sicher in seiner Hand hält. Und daraus folgert auch, dass wir, dass du und ich ihm zutrauen dürfen, dass er eine gute Lösung für alle unsere Lebensprobleme hat, sollten sie auch noch so chaotisch sein. Er beherrscht sie und wird sie zu seiner Zeit lösen, wenn wir im Glauben bei ihm bleiben.
Wunder gestern und heute: Ein persönliches Zeugnis
Unser heutiger Bibeltext und die Predigt basieren auf ein Wunder Jesu. Jeder gläubige Christ weiß, dass Wunder nicht nur in der Bibel berichtet werden, sondern auch heute immer wieder geschehen. Dennoch wollen wir auch das sagen: Wunder sind immer das besondere Eingreifen Gottes. Sehr oft handelt Gott auch ganz anders. Im Glauben beharren, in schwierigen Situationen durchhalten, arbeiten und klug handeln sind durchaus auch göttliche Methoden. Er gibt durch seinen Heiligen Geist die Kraft, weiterzumachen, wo andere verzagen. Aber gerne wollen wir auch die Wunder Gottes, die in für uns ausweglosen Situationen geschehen, ihm zum Ruhme berichten. Und weil gerade Naturwunder recht selten sind, möchte ich abschließend als Zeugnis darüber, dass Gott auch heute immer noch derselbe ist, von solch einem Wunder berichten, das meine Frau und ich erlebt haben.
Ich war mehrere Jahre 1. Vorsitzender einer christlichen Stiftung, die u.a. ein Ferien- und Freizeitheim auf der Mittelmeerinsel Sardinien unterhielt. Deshalb sind wir des Öfteren dorthin gefahren, nicht nur in den Urlaub, sondern auch um zu arbeiten. Wenn man nicht mit dem Flugzeug fliegt, muss man zu einer Insel natürlich mit dem Schiff übers Wasser fahren. Die Fahrt mit dem Schiff erfolgte in der Regel nachts und dauerte 12 Stunden. Ich hatte mich schon sehr auf die Fahrt übers Mittelmeer gefreut. Denn Mittelmeer bedeutet für mich nur sanfte See, Sonne am Tag und laue Temperaturen und kühler Wind in der Nacht. Etwas Wind, aber keinen Sturm hatte ich erwartet. (Ich hätte an Paulus und an seine Schiffskatastrophe im Mittelmeer denken sollen!) So wurde ich eines Besseren belehrt. Wir kamen bei den verschiedenen Fahrten auch schon einmal in gehörigen Wind, und das war kein gutes Gefühl, wenn das Schiff hin und her schwankt und wie eine Nussschale im weiten Meer wirkt. Und natürlich haben wir auch immer gebetet, dass wir gut übers Wasser kommen möchten. Und was wir bisher erlebt hatten, war trotz manchen heftigen Windstoßes als harmlos zu betrachten.
In einem Jahr aber kam es ganz anders. Das war kein Wind mehr, sondern ein ungewöhnlich starker, ausgewachsener Sturm mit gewaltigen Windböen. Bei starkem Wind fängt das Schiff zunächst an, in der Längsrichtung zu schaukeln. Nicht angenehm. In dieser Nacht aber schaukelte es nicht nur in der Längsrichtung, sondern längs und quer hintereinander. Wirklich schlimm wird es aber erst, wenn das Schiff nicht nur schaukelt, sondern von den gewaltigen Wellen hoch gehoben wird und der Rumpf auf das Wasser aufschlägt, sodass man den Eindruck hat, dass das Gefährt im nächsten Augenblick auseinanderbricht. So war es in dieser Nacht. Jetzt war es nicht nur unangenehm, sondern sehr beängstigend. Wir fürchteten uns! Meine Frau und ich befanden uns in einer kleinen Schlafkabine und ich hatte mich zu ihr auf die Bettkante gesetzt, an Schlaf war ohnehin nicht zu denken, und ich fragte: „Was können wir nur tun?“ Sie erklärte als praktische Christin: „Wir lesen in Gottes Wort und dann beten wir, dass der Sturm sich legt.“ Sie holte ihre Bibel, und ich las eine Bibelstelle vor, die meiner Frau zuvor eingegeben worden war. Danach beteten wir: „Herr, gebiete du dem Sturm, du bist Herr über die Naturgewalten, hilf uns!“
Und dann geschah das Ungewöhnliche: Der Sturm legte sich! Nicht nach einer halben Stunde, auch nicht nach fünf Minuten, das hätte Zufall sein können. Schließlich hört jeder Sturm einmal auf! Nein, der Sturm hörte auf, kaum dass das Gebet beendet war. Es war, als wenn jemand einen Schalter betätigt hätte. Obwohl ich es erlebte, konnte ich es nicht fassen. Ich wartete immer noch auf den nächsten Windstoß, aber er kam nicht.
Ja, Gott ist groß und allmächtig und erhört gerne die Gebete seiner Kinder. Und wenn dich der nächste „Sturm des Lebens“ rüttelt und schüttelt und du meinst, umkommen zu müssen, dann bete zu diesem gewaltigen Gott, vertraue Jesus. Dann kannst du erleben, was sein Wort verspricht: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.“ (Psalm 50, 15)
Häufig gestellte Fragen zu Stürmen des Lebens und dem Glauben
- Bedeutet Leid oder Krankheit mangelnden Glauben?
- Nein. Wie die Geschichte der Jünger zeigt, können selbst Menschen, die im Willen Gottes sind und Jesus bei sich haben, Stürme erleben. Die Bibel und die Kirchengeschichte sind voll von Beispielen glaubensstarker Persönlichkeiten, die großes Leid erfahren haben. Leid ist nicht automatisch eine Folge von mangelndem Glauben, sondern kann Teil des geistlichen Kampfes oder der Läuterung sein.
- Kann Gott heute noch Wunder tun?
- Ja, Gott ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Das persönliche Zeugnis in diesem Artikel zeigt, dass Gott auch heute noch in außergewöhnlicher Weise eingreifen und Wunder tun kann. Wunder sind jedoch besondere Eingriffe Gottes und nicht die einzige Art, wie er handelt. Oft wirkt er auch durch Ausdauer, Klugheit und die Stärkung durch seinen Heiligen Geist.
- Wie kann ich in Stürmen des Lebens Vertrauen finden?
- Indem Sie sich bewusst machen, dass Jesus bei Ihnen ist, auch wenn er scheinbar „schläft“. Rufen Sie ihn im Gebet an, wie es die Jünger taten. Vertrauen Sie auf seine Allmacht und seine Fähigkeit, das Chaos zu beherrschen. Bleiben Sie im Glauben und im Gebet, auch wenn die Antwort nicht sofort kommt. Gott handelt zu seiner Zeit, und sein Wort ist wahrhaftig.
- Warum lässt Gott Leid zu, wenn er allmächtig ist?
- Dies ist eine der tiefsten Fragen der Theologie. Ein wichtiger Aspekt ist, dass viele Stürme nicht von Gott kommen, sondern Angriffe des Teufels sind, der uns schaden will. Gott lässt diese zu, aber er ist immer bei uns in der Not und kann sie zum Guten wenden. Er nutzt sie oft, um unseren Glauben zu stärken und uns näher zu sich zu ziehen, und gibt uns die Gewissheit, dass selbst im Angesicht des Todes die letzte Geborgenheit in ihm liegt.
Die entscheidende Frage: Wer ist dieser?
Als die Jünger sahen, dass Jesus – trotz ihres Kleinglaubens – ihnen hilft und das Wunder der Sturmstillung tut, sie aus der Not befreit, sind sie höchst erstaunt. Und ihr Erstaunen mündet in die Frage: „Wer ist dieser?“ Das ist die entscheidende Frage überhaupt, auch für uns heute: Wer ist Jesus für mich, für dich? Daran entscheidet sich alles. Ist er nur Lehrer in Sachen Moral, das Vorbild eines guten Menschen oder ein Sozialreformer, wie heute viele behaupten, oder ist er wirklich der Christus, der Gesandte Gottes, der Sohn des lebendigen Gottes, der gekommen ist, um durch seinen Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung von den Toten uns von Sünde und Schuld zu erlösen und auch für uns Auferstehung und damit ewiges Leben möglich zu machen? Ist er der für dich, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist? Nur wer das glaubt, für den kann er auch alle Macht in Bewegung setzen. Wer darin keine Gewissheit hat, dem ruft Jesus heute zu: Bekehre dich von deinem Unglauben und vertraue mir. Bekenne deine Sünden, auf dass sie dir vergeben werden und ich dein Retter sein kann.
Denn „so wir unserer Sünden bekennen, ist er getreu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1. Johannesbrief 1, 9)
Dann, aber wirklich erst dann, ist Jesus in deinem Lebensschiff, und dann, aber auch wirklich erst dann, wirst du keinem Lebenssturm mehr hilflos ausgeliefert sein. Denn dann bekennt sich Jesus zu unserem Glauben, auch wenn es, wie bei den Jüngern im Schiff, einmal nur ein kleiner Glaube ist. Trotzdem hilft er ihnen. Als Petrus einmal in einer ähnlichen Situation ist und sich vor den hohen Wellen des Meeres fürchtet und zu versinken droht, erhört Jesus seinen Hilferuf und rettet ihn. Sicherlich kann es jedem passieren, dass er einmal kleingläubig ist.
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