05/03/2023
Die Frage, warum Jesus in die Welt gesandt wurde, ist eine der fundamentalsten und tiefgründigsten Fragen des christlichen Glaubens. Sie berührt den Kern dessen, wer Gott ist, wer der Mensch ist und welchen Plan der Schöpfer für seine Schöpfung hat. Das Johannesevangelium, ein Meisterwerk theologischer Tiefe, beginnt mit einer majestätischen Proklamation: Jesus Christus ist das ewige Wort des Vaters, das Fleisch geworden ist (Joh 1,1-18). Seine Sendung ist nicht weniger als die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes und die Eröffnung des einzigen Weges zum Vater für die Menschheit. Diese göttliche Mission durchzieht jede Erzählung und jede Lehre Jesu, und sie ist der Schlüssel zum Verständnis seines gesamten Wirkens.

Die Sendung Jesu ist ein Geschenk der Gnade, eine Brücke zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen. Er kam nicht, um zu richten, sondern um zu retten; nicht, um zu verurteilen, sondern um Leben in Fülle zu bringen. Seine Präsenz in der Welt machte das Unsichtbare sichtbar und das Unerreichbare greifbar. Er war die lebendige Verkörperung der Liebe Gottes, die den Menschen die Möglichkeit eröffnete, in eine persönliche Beziehung mit ihrem Schöpfer zu treten. Doch diese Botschaft, so einfach sie im Kern scheinen mag, stieß oft auf Unverständnis und Widerstand, selbst unter denen, die ihm am nächsten standen.
- Die Brotrede im Johannesevangelium (Joh 6): Ein Prüfstein des Glaubens
- Häufig gestellte Fragen zu Jesu Sendung und der Brotrede
- Warum sprachen viele Jünger nach der Brotrede nicht mehr mit Jesus?
- Was bedeutet es, dass Jesu Worte „Geist und Leben“ sind?
- Warum ist der Glaube an Jesus ohne die „Hilfe des Vaters“ nicht möglich?
- Welche Bedeutung hat Petrus’ Bekenntnis „Du hast Worte ewigen Lebens“?
- Was ist die Hauptbotschaft von Jesu Sendung in die Welt?
Die Brotrede im Johannesevangelium (Joh 6): Ein Prüfstein des Glaubens
Ein besonders prägnantes Beispiel für die Herausforderungen, die Jesu Lehre mit sich brachte, ist der Erzählkomplex der sogenannten „Brotrede“ im Johannesevangelium, insbesondere Joh 6,60-69. Dieser Abschnitt bildet den Höhepunkt einer intensiven Auseinandersetzung über die wahre Identität und den Zweck Jesu. Die Rede nimmt ihren Ausgangspunkt in dem „Zeichen“ der Brotvermehrung (Joh 6,1-21), das Johannes bewusst nicht als „Wunder“, sondern als Hinweis auf eine tiefere Realität bezeichnet. Nachdem Jesus Tausende mit wenigen Broten und Fischen gesättigt hatte, folgten ihm die Menschenmassen nicht wegen seiner Worte, sondern wegen des sichtbaren Zeichens.
Daran schließt sich in der Synagoge von Kafarnaum ein ausführlicher Redeabschnitt an (Joh 6,22-59), in dem Jesus sich selbst als das „Brot des Himmels“ offenbart. Er fordert seine Zuhörer auf, nicht nach dem vergänglichen Brot zu suchen, sondern nach dem Brot, das zum ewigen Leben führt. Seine Worte, dass er sein Fleisch geben würde zum Leben der Welt und dass man sein Fleisch essen und sein Blut trinken müsse, um Leben zu haben, waren für seine damaligen Zuhörer schockierend und schwer zu verdauen. Der Evangelist berichtet mehrfach davon, dass „die Juden murrten und sich stritten“ (Joh 6,41) und sogar „die Jünger werden murren und nehmen Anstoß“ (Joh 6,61).
Der Übergang von der allgemeinen Menge zu den Jüngern und schließlich zu den „Zwölf“ (Joh 6,67) ist entscheidend. Er zeigt eine zunehmende Intensität und eine Verengung des Kreises derer, die bereit waren, Jesu Worte anzunehmen. Was für die breite Masse ein Ärgernis war, wurde für viele seiner engsten Anhänger zu einer Krise des Glaubens.
„Diese Rede ist hart“: Das Unverständnis der Jünger
Nachdem Jesus seine provokanten Worte in der Synagoge von Kafarnaum gesprochen hatte, verlagert sich das Gespräch auf seine Jünger, möglicherweise vor oder außerhalb der Synagoge (Joh 6,60). Jesus spricht sie direkt auf ihre kritische Haltung an und legt ihnen das „Murren“ in den Mund. Es ist bemerkenswert, dass sich die Jünger, die doch seine Vertrauten sein sollten, in ihrer Reaktion kaum von den übrigen „Juden“ unterscheiden. Sie stoßen sich an der „Rede“ Jesu, insbesondere an seinen Aussagen über das Essen und Trinken seines Fleisches und Blutes (Joh 6,54-57) und seinem Anspruch, der Sohn Gottes und vom Himmel herabgekommen zu sein (Joh 6,37-40).
Die Antwort Jesu (Joh 6,60-63) ist keine Erläuterung im Sinne einer Vereinfachung, sondern vielmehr eine Erweiterung, die die Hürde des Verständnisses noch höher legt. Wenn sie das Bisherige schon schwer zu verstehen fanden, wie würden sie erst mit dem Kommenden umgehen? Jesus blickt hier voraus auf die Osterereignisse – seinen Kreuzestod, in dem er die ganze Liebe des Vaters offenbaren wird, und seine Rückkehr zum Vater. Dies ist der ultimative Beweis seiner Sendung und seiner Identität. Für die Jünger war dies zu diesem Zeitpunkt noch ein unbegreifliches Mysterium, das erst im Licht der Auferstehung vollständig enthüllt werden sollte.
Geist und Leben: Die tiefere Bedeutung von Jesu Worten
Der Vers 63 ist der theologische Angelpunkt dieses Abschnitts und birgt tiefgründige Bedeutung: „Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und Leben.“ Hier erklärt Jesus, dass seine Worte nicht auf einer rein fleischlichen oder materiellen Ebene verstanden werden dürfen. Es geht nicht um einen wörtlichen Kannibalismus, sondern um eine geistliche Realität. Diese Aussage verknüpft sich mit dem Beginn der Brotrede in Joh 6,26-27, wo Jesus die Anwesenden auffordert, sich nicht von den vordergründigen Dingen vereinnahmen zu lassen. Sie sollen nicht wegen des Sichtbaren, des Zeichens der Brotvermehrung, an ihn glauben, sondern wegen dem, was das Zeichen sichtbar macht: Dass er, Jesus, als Sohn des himmlischen Vaters ewiges Leben zu geben hat.
Wenn Jesus davon spricht, dass er „Geist und Leben“ in seinen Worten hat, verweist er erneut auf die tiefere Wirklichkeit, die seinen Taten zugrunde liegt. Seine Worte sind nicht bloße menschliche Lehren; sie sind durchdrungen von göttlicher Kraft, die fähig ist, Leben zu spenden und zu verwandeln. Sie sind der Zugang zur göttlichen Sphäre, zum ewigen Leben, das in der Person Jesu Christi selbst liegt. Das Verständnis dieser geistlichen Dimension ist entscheidend, um die Botschaft Jesu nicht als Ärgernis, sondern als Offenbarung anzunehmen.
Glaube und Göttliche Ziehung: Wer kann wirklich kommen?
Der Evangelist Johannes fügt an dieser Stelle geschickt das „Vorwissen“ Jesu über die Jünger ein: „Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn ausliefern würde“ (Joh 6,64). Dieses Wissen Jesu um die innere Haltung einiger Jünger bestätigt seine göttliche Herkunft, da das „Kennen der Herzen“ eine Eigenschaft ist, die traditionell Gott zugeschrieben wird. Es zeigt, dass Jesus nicht überrascht war von dem Unglauben oder der späteren Tat des Judas.

Mit Vers 65 knüpft Jesus an die Verse 43-46 der Brotrede an, wo er vom liebevollen „Ziehen“ des Vaters spricht. „Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.“ Dies betont die Notwendigkeit göttlicher Gnade für den Glauben. Gott lädt die Menschen ein, an ihn zu glauben, nicht zuletzt durch die Sendung seines Sohnes in die Welt. Ohne diese Hilfestellung des Vaters ist Glaube nicht möglich, weil Glaube immer eine Antwort auf das Geschenk der Nähe und Offenbarung Gottes ist. Es ist keine rein menschliche Leistung, sondern eine Reaktion auf eine göttliche Initiative. Diejenigen, die sich zurückziehen, tun dies nicht nur aus eigenem Unverständnis, sondern auch, weil ihnen diese göttliche Gnadengabe fehlt oder sie diese ablehnen.
Die Spaltung und das Bekenntnis des Petrus: Wohin sollen wir gehen?
Die ernüchternde Konsequenz von Jesu Ansprache wird in Vers 66 geschildert: „Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher.“ Hier kommt es zu einer Spaltung im Jüngerkreis. Es ist wichtig zu beachten, dass der Evangelist bewusst den Begriff „ziehen sich zurück“ verwendet, der sich von einem endgültigen „sich abwenden“ unterscheidet. Es impliziert, dass der Bruch nicht unbedingt unwiderruflich ist, aber dennoch eine Distanzierung darstellt. Diese Jünger konnten die Härte der Rede nicht ertragen und entschieden sich gegen den Weg, den Jesus ihnen wies.
Nun, da sich die Gruppe geteilt hat und offenbar nur noch „die Zwölf“ anwesend sind, richtet Jesus das Wort an sie: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Joh 6,67). Dies ist die entscheidende Frage, die den Kern des Glaubens berührt. Nur an dieser Stelle wird der Kreis der „Zwölf“ explizit im Johannesevangelium erwähnt, was ihre besondere Bedeutung als Repräsentanten des „neuen Gottesvolkes“ unterstreicht, die durch den Glauben an Jesus erwählt sind. Sie sind diejenigen, die sich von den Worten Jesu nicht haben verwirren oder erregen lassen.
Stellvertretend für die Verbliebenen, die die Sendung Jesu vom Vater her nicht als Ärgernis hören und seine Worte über das lebendige Brot nicht als Affront verstehen, spricht Petrus ein kraftvolles Bekenntnis aus (Joh 6,68-69): „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens. Wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ Dieses Bekenntnis ist ein Höhepunkt des Glaubens. Es gibt keinen anderen Ort, wohin sie sich wenden können, wenn sie das ewige Leben suchen und sich in die Nähe Gottes begeben wollen. Die Anrede „Heiliger Gottes“, die ebenfalls nur hier im Johannesevangelium auftaucht, bringt genau das zum Ausdruck: Jesus ist der Begegnungsort mit Gott mitten in der Welt. Er ist der einzige Weg, die Wahrheit und das Leben.
Zusammenfassende Tabelle der Reaktionen auf Jesu Worte
| Gruppe | Reaktion auf Jesu Worte | Tiefe des Verständnisses / Glaubens |
|---|---|---|
| Menge / Juden | Murren, Streit, Ärgernis über Jesu Herkunft und Fleisch-Blut-Rede | Oberflächlich, fokussiert auf sichtbare Zeichen, Ablehnung der geistlichen Dimension |
| Jünger (allgemein) | Murren, empfinden die Rede als „hart“, ziehen sich zurück | Schwierigkeiten, die geistliche Bedeutung zu erfassen, teilweise Abkehr vom Weg Jesu |
| Die Zwölf | Verbleiben bei Jesus, Petrus bekennt den Glauben | Tieferes Verständnis, Annahme der geistlichen Wahrheit, Glaube an Jesu göttliche Sendung |
Häufig gestellte Fragen zu Jesu Sendung und der Brotrede
Warum sprachen viele Jünger nach der Brotrede nicht mehr mit Jesus?
Viele Jünger konnten die tiefere, geistliche Bedeutung von Jesu Worten über das Essen seines Fleisches und das Trinken seines Blutes nicht erfassen. Sie verstanden es wörtlich, was für sie schockierend und inakzeptabel war. Da Jesus seine Worte nicht im Sinne einer Vereinfachung erklärte, sondern sogar noch vertiefte, entschieden sie sich, sich von ihm zurückzuziehen, weil sie diese „harte Rede“ nicht ertragen konnten. Ihr Glaube war noch nicht tief genug, um über die materielle Ebene hinauszublicken.
Was bedeutet es, dass Jesu Worte „Geist und Leben“ sind?
Diese Aussage (Joh 6,63) bedeutet, dass Jesu Worte nicht nur menschliche Lehren sind, sondern göttliche Kraft und Wahrheit in sich tragen. Sie sind vom Heiligen Geist inspiriert und haben die Fähigkeit, geistliches Leben zu schenken und zu erneuern. Es geht nicht um die physische Substanz, sondern um die geistliche Realität, die durch Jesu Person und seine Botschaft vermittelt wird. Seine Worte führen zum ewigen Leben, wenn sie im Glauben angenommen werden.
Warum ist der Glaube an Jesus ohne die „Hilfe des Vaters“ nicht möglich?
Jesus sagt (Joh 6,65), dass niemand zu ihm kommen kann, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist. Dies unterstreicht, dass der Glaube an Jesus keine rein menschliche Leistung ist, sondern ein Geschenk und eine Gnade Gottes. Der Vater „zieht“ die Menschen zu seinem Sohn (Joh 6,44). Dies bedeutet, dass Gott selbst die Initiative ergreift und das Herz des Menschen öffnet, um die Botschaft Jesu annehmen zu können. Glaube ist somit eine Antwort auf Gottes liebevolles Werben.
Welche Bedeutung hat Petrus’ Bekenntnis „Du hast Worte ewigen Lebens“?
Petrus’ Bekenntnis (Joh 6,68) ist ein Wendepunkt und Ausdruck tiefen Glaubens. Es bedeutet, dass Petrus und die anderen Zwölf erkannt haben, dass Jesus der Einzige ist, der die Antwort auf die tiefsten menschlichen Sehnsüchte – insbesondere die Sehnsucht nach ewigem Leben und einer Beziehung zu Gott – hat. Sie erkennen an, dass es keine Alternative zu Jesus gibt, wenn man wahres und erfülltes Leben finden möchte. Er ist der „Heilige Gottes“, der Mittler zwischen Gott und Mensch.
Was ist die Hauptbotschaft von Jesu Sendung in die Welt?
Die Hauptbotschaft von Jesu Sendung ist die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes und die Eröffnung des Weges zum ewigen Leben für die Menschheit. Jesus kam, um Gott sichtbar und erfahrbar zu machen, um die Sünde der Welt wegzunehmen und den Menschen durch seinen Tod und seine Auferstehung eine neue Beziehung zu Gott zu ermöglichen. Er ist das „Brot des Lebens“, das die wahre geistliche Nahrung für alle bietet, die an ihn glauben, und der „Heiliger Gottes“, durch den Gott in der Welt präsent ist.
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