01/05/2021
Franz von Assisi, geboren als Francesco Bernardone, ist eine der faszinierendsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Geschichte. Sein Leben, das im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert in der malerischen Stadt Assisi begann, war eine Reise radikaler Transformation, die bis heute Millionen von Menschen auf der ganzen Welt inspiriert. Doch was machte diesen jungen Mann, der ursprünglich ein ausschweifendes Leben führte, zu einem der meistverehrten Heiligen und zu einem Symbol für Armut, Nächstenliebe und die Liebe zur Schöpfung? Tauchen wir ein in die Geschichte des "Poverello", des kleinen Armen von Assisi, um die Geheimnisse seiner anhaltenden Berühmtheit zu lüften und zu verstehen, warum sein Vermächtnis auch heute noch so tiefgreifend nachwirkt.

- Die Wandlung eines Lebemanns: Von Francesco zu Franziskus
- Die göttliche Berufung: Eine radikale Umkehr
- Die Geburt eines Ordens: Die Franziskaner und das Ideal der Armut
- Franziskus und die Schöpfung: Der Sonnengesang
- Das Zeichen der Stigmata und sein Tod
- Warum Franz von Assisi heute noch berühmt ist: Sein bleibendes Erbe
Die Wandlung eines Lebemanns: Von Francesco zu Franziskus
Francesco Bernardone wurde um 1181/1182 in eine wohlhabende Familie in Assisi geboren. Sein Vater, Pietro Bernardone, war ein erfolgreicher Tuchhändler, der oft geschäftlich in Frankreich unterwegs war, daher der Spitzname "Francesco" (das kleine Französlein). Seine Kindheit war unbeschwert, geprägt von Reichtum und Privilegien. Als junger Mann war Franziskus bekannt für seinen extravaganten Lebensstil: Er liebte es, im Mittelpunkt zu stehen, gab sein Geld großzügig aus, trug teure Kleidung und genoss das Leben in vollen Zügen. Er war der Prototyp eines Lebemanns seiner Zeit, der die Gesellschaft von Freunden und Festen schätzte.
Doch trotz seines scheinbar sorglosen Daseins hegte Franziskus tiefere Ambitionen. Er träumte davon, Ritter zu werden – ein begehrtes Ideal für viele junge Männer des aufstrebenden Bürgertums, das nach Ehre und Ansehen strebte. Im Jahr 1202 zog er in den Bürgerkrieg zwischen Assisi und Perugia. Diese Erfahrung sollte jedoch eine unerwartete Wendung nehmen: Assisi verlor die Schlacht, und Franziskus geriet in Gefangenschaft. Die über einjährige Inhaftierung und eine anschließende Krankheit erschütterten ihn zutiefst. Er, der bisher nur Erfolge kannte, sah sich plötzlich mit der Härte des Lebens konfrontiert. Diese Zeit der Reflexion war der erste Riss in seiner weltlichen Fassade.
Die göttliche Berufung: Eine radikale Umkehr
Nach seiner Freilassung und Genesung versuchte Franziskus, seinen Rittertraum wiederzubeleben und plante eine Reise nach Apulien. Doch ein bedeutsamer Traum, von seinem Biographen Thomas von Celano überliefert, änderte seinen Kurs dramatisch. In diesem Traum sah er einen prächtigen Palast voller Waffen und Rüstungen. Eine Stimme fragte ihn, wer ihm Besseres geben könne: der Herr oder der Knecht. Als Franziskus "Der Herr" antwortete, wies ihn die Stimme an, in sein Geburtsland zurückzukehren, denn seine Vision würde sich auf geistliche Weise erfüllen.
Diese Vision war ein Wendepunkt. Franziskus erkannte, dass Gott selbst zu ihm gesprochen hatte. Er kehrte sofort nach Assisi zurück und begann, sein Leben radikal zu ändern. Der weltliche Reichtum, der ihn einst definiert hatte, verlor an Bedeutung. Stattdessen suchte er den wahren Reichtum, den er in Gott fand. Ein weiteres Schlüsselerlebnis ereignete sich in der verfallenen Kapelle San Damiano nahe Assisi. Vom Kreuz herab sprach Jesus zu ihm: "Franziskus, geh hin und stell mein Haus wieder her, das, wie du siehst, ganz verfallen ist!" Franziskus verstand die Worte zunächst wörtlich und begann, die Kapelle mit Steinen, die er erbettelte, wiederaufzubauen. Er verkaufte sogar einige Stoffballen seines Vaters, was zu einem heftigen Konflikt führte.
In einer dramatischen öffentlichen Geste auf dem Domplatz legte Franziskus all seine Kleider ab und gab seinem Vater Geld und Besitztümer zurück, mit den Worten: "Weder Geld noch Kleider will ich von dir, jetzt habe ich nur noch einen Vater, den dort oben im Himmel!" Dieser Akt der vollständigen Entsagung von weltlichem Besitz und familiären Bindungen markierte seinen endgültigen Bruch mit seinem früheren Leben und seine vollständige Hingabe an Gott. Bischof Guido von Assisi nahm ihn unter seinen Schutz, und Franziskus begann ein Leben in Armut, kümmerte sich um Aussätzige und lebte als Eremit.
Die Geburt eines Ordens: Die Franziskaner und das Ideal der Armut
Die intensive Erfahrung der Armut und die Pflege der Aussätzigen, die ihm einst so bitter erschienen waren, verwandelten sich für Franziskus in eine "Süßigkeit der Seele und des Leibes". Er erkannte, dass Gott ihn auf einen Weg der Buße und der Hingabe geführt hatte. Eine weitere entscheidende Offenbarung ereignete sich im Jahr 1209 in der kleinen Portiunkulakapelle. Während einer Messe hörte er aus dem Matthäusevangelium die Aussendung der Jünger Jesu, die ohne Stab, ohne Schuhe, ohne zweiten Rock und ohne Geld das Reich Gottes predigen sollten. Franziskus triumphierte: "Das ist's, was ich will, das ist's, was ich suche, das verlange ich aus innerstem Herzen zu tun." Er legte seine Gewänder ab, zog einen einfachen Rock an, tauschte den Ledergürtel gegen einen Strick und begann, Buße und Umkehr zu predigen. Von diesem Moment an nannte man ihn den "Poverello", den "kleinen Armen".
Seine radikale Lebensweise und seine Predigten zogen bald andere junge Männer an, die sich ihm anschlossen. Obwohl Franziskus ursprünglich keine Gemeinschaft gründen wollte, entstand so der Orden der Minderbrüder (Franziskaner). Franziskus selbst verfasste eine einfache Ordensregel, die auf den Evangelien basierte und ein Leben in direkter Nachfolge Christi, in Armut, Gehorsam und Keuschheit forderte. Diese erste Regel wurde 1210 von Papst Innozenz III. mündlich bestätigt, was der jungen Gemeinschaft kirchliche Anerkennung verlieh. Die "Brüder von der Buße" wuchsen stetig, und 1223 bestätigte Papst Honorius III. die endgültige Franziskanerregel schriftlich. Die Franziskaner wurden zu einer der einflussreichsten Ordensgemeinschaften der Geschichte, die sich der Armut, der Predigt und der Missionsarbeit widmete. Franziskus' Reise zum Sultan von Ägypten 1218/19 markiert den Beginn der franziskanischen Missionsarbeit, die sich durch Dialog und Respekt, statt durch Kreuzzüge, auszeichnete.

Franziskus und die Schöpfung: Der Sonnengesang
Eine der bekanntesten Facetten von Franziskus' Spiritualität ist seine tiefe Verbundenheit mit der gesamten Schöpfung. Er sah in allen Geschöpfen – Tieren, Pflanzen, Sonne, Mond – seine "Brüder" und "Schwestern". Diese universelle Brüderlichkeit war revolutionär für seine Zeit und hebt ihn als einen frühen Verfechter des Umweltschutzes hervor. Die Legende erzählt von seiner Predigt vor Vögeln und seiner Fähigkeit, selbst den gefährlichsten Wolf zu besänftigen, indem er ihn als seinen "Bruder" anerkannte. Für Franziskus war die Natur ein Spiegel der göttlichen Herrlichkeit, und durch sie pries er den Schöpfer.
Am Ende seines Lebens, gezeichnet von Krankheit und fast blind, verfasste Franziskus sein berühmtestes Werk: den "Sonnengesang" (Cantico delle Creature). Dieses Gedicht ist ein Loblied auf Gott und ein Hymnus auf die gesamte Schöpfung – von Bruder Sonne und Schwester Mond bis hin zu Schwester Wasser und Bruder Feuer. Es ist ein Ausdruck seiner tiefen Dankbarkeit und Freude, selbst in Zeiten großen Leidens. Der Sonnengesang ist nicht nur ein literarisches Meisterwerk, sondern auch ein Zeugnis seiner zutiefst kontemplativen und pantheistischen (im Sinne der All-Einheit in Gott) Spiritualität, die Gott in jedem Aspekt des Kosmos erkannte und feierte.
Das Zeichen der Stigmata und sein Tod
Im Jahr 1224, zwei Jahre vor seinem Tod, ereignete sich ein weiteres mystisches und tiefgreifendes Ereignis in Franziskus' Leben. Während eines Aufenthalts in einer Einsiedelei am Berg La Verna hatte er eine Vision eines Seraphen mit sechs Flügeln, der an ein Kreuz geheftet war. Nach dieser Vision empfing Franziskus die Stigmata – die Wundmale Christi an seinen Händen, Füßen und an seiner Seite. Er war der erste bekannte Heilige, dem diese Wundmale zuteilwurden. Thomas von Celano, sein Biograph, berichtet, dass Franziskus diese Auszeichnung zu verbergen suchte, um menschliche Bewunderung zu vermeiden. Die Stigmata waren ein ultimatives Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit dem gekreuzigten Christus und seiner vollständigen Identifikation mit dessen Leiden.
Zwei Jahre später, am Abend des 3. Oktober 1226, starb Franziskus, entkräftet von Krankheiten und einem asketischen Leben, in der kleinen Klosterkirche Portiunkula, wo seine Bewegung ihren Anfang genommen hatte. Er bat darum, nackt auf die Erde gelegt zu werden, um seine Liebe zur "Herrin Armut" auch im Tod zu demonstrieren. Er wurde zunächst in der Kapelle San Giorgio in Assisi beigesetzt, bevor seine Gebeine 1230 in die neu errichtete Basilika San Francesco überführt wurden. Bereits 1228, nur zwei Jahre nach seinem Tod, wurde Franziskus von Papst Gregor IX. heiliggesprochen – ein außergewöhnlich schneller Prozess, der seine immense Bedeutung und die Verbreitung seines Kultes schon zu Lebzeiten unterstreicht.
Warum Franz von Assisi heute noch berühmt ist: Sein bleibendes Erbe
Franz von Assisi ist nicht nur aufgrund seiner Wunder und Visionen berühmt, sondern vor allem wegen der Radikalität und Authentizität seines Lebens. Er verkörperte Ideale, die in jeder Epoche relevant sind: die Absage an materiellen Reichtum zugunsten eines Lebens in Einfachheit, die Liebe und den Respekt vor der gesamten Schöpfung, die Nächstenliebe gegenüber den Ausgegrenzten und Kranken, und die tiefe, persönliche Beziehung zu Gott. Seine Botschaft der Brüderlichkeit, die alle Menschen und Geschöpfe umfasste, war revolutionär und ist heute aktueller denn je in einer Welt, die nach Frieden und Zusammenhalt sucht. Er zeigte, dass wahre Stärke in Demut und Dienst liegt und dass Glück nicht im Besitz, sondern in der Hingabe zu finden ist.
Sein Vermächtnis lebt nicht nur in den Franziskanerorden weiter, die sich weltweit für Arme, Kranke und Marginalisierte einsetzen, sondern auch in der ökologischen Bewegung, die ihn als Patron der Umwelt verehrt. Franziskus' Leben ist eine fortwährende Einladung zur Umkehr, zur Wertschätzung des Einfachen und zur Entdeckung der göttlichen Präsenz in jedem Winkel der Welt. Er ist ein Heiliger, der über konfessionelle Grenzen hinaus verehrt wird, weil seine Botschaft universell und zeitlos ist.
Chronologie wichtiger Ereignisse in Franziskus' Leben
| Jahr | Ereignis | Bedeutung für seine Berühmtheit |
|---|---|---|
| 1181/1182 | Geburt in Assisi als Francesco Bernardone | Beginn einer unerwarteten Lebensreise; wohlhabende Herkunft betont spätere Armut. |
| 1202 | Gefangenschaft im Krieg gegen Perugia | Erste große Krise; Beginn der Reflexion über sein Leben. |
| 1205 | Traumvision auf dem Weg nach Apulien | Radikale Umkehr von weltlichen zu geistlichen Zielen. |
| Ca. 1206 | Begegnung mit Jesus im Kreuz von San Damiano; öffentliche Entsagung | Endgültiger Bruch mit dem Vater und weltlichem Besitz; Beginn des Lebens als "Poverello". |
| 1209 | Offenbarung in Portiunkula (Matthäusevangelium); Gründung des Ordens | Entdeckung seiner Lebensmission; Beginn der Bewegung der Minderbrüder. |
| 1210 | Mündliche Bestätigung der Ordensregel durch Papst Innozenz III. | Offizielle Anerkennung und Legitimation der franziskanischen Lebensweise. |
| 1218/1219 | Reise zum Sultan von Ägypten | Beginn der friedlichen Missionsarbeit; Vorbild für interreligiösen Dialog. |
| 1223 | Schriftliche Bestätigung der Ordensregel durch Papst Honorius III. | Festigung der Ordensstruktur. |
| 1224 | Empfang der Stigmata am Berg La Verna | Einzigartiges mystisches Zeichen seiner Identifikation mit Christus. |
| 1224/1225 | Verfassung des "Sonnengesangs" | Tiefes Loblied auf Gott und die Schöpfung; Ausdruck seiner Spiritualität. |
| 1226 | Tod in Portiunkula | Vollendung seines Lebens in Armut und Hingabe. |
| 1228 | Heiligsprechung durch Papst Gregor IX. | Offizielle Anerkennung seiner Heiligkeit und seines Vermächtnisses. |
Häufig gestellte Fragen zu Franz von Assisi
- Wer war Franz von Assisi?
- Franz von Assisi, ursprünglich Francesco Bernardone, war ein italienischer Heiliger (1181/82–1226), der den Franziskanerorden gründete. Er ist bekannt für sein Leben in radikaler Armut, seine Liebe zur Natur und seine tiefe Spiritualität.
- Was bedeutet der Name "Poverello"?
- "Poverello" ist Italienisch und bedeutet "der kleine Arme". Dieser Spitzname wurde Franziskus aufgrund seiner bewussten Entscheidung für ein Leben in äußerster Armut und seiner Identifikation mit den Armen und Ausgegrenzten gegeben.
- Warum ist Franz von Assisi so berühmt?
- Seine Berühmtheit rührt von seiner einzigartigen Lebensweise her: Er entsagte Reichtum für Armut, predigte Nächstenliebe und Brüderlichkeit zu allen Geschöpfen und lebte eine tiefe, persönliche Beziehung zu Gott. Seine Botschaft der Einfachheit, des Friedens und der Wertschätzung der Schöpfung ist bis heute relevant.
- Was sind die Franziskaner?
- Die Franziskaner sind ein römisch-katholischer Orden, der von Franz von Assisi gegründet wurde. Sie leben nach seiner Regel, die ein Leben in Armut, Gehorsam und Keuschheit vorsieht, und widmen sich der Predigt, der Mission und der sozialen Arbeit.
- Was ist der "Sonnengesang"?
- Der "Sonnengesang" (Cantico delle Creature) ist ein berühmtes Gedicht, das Franz von Assisi gegen Ende seines Lebens verfasste. Es ist ein Loblied auf Gott und eine Hymne auf die gesamte Schöpfung, in der er Sonne, Mond, Sterne, Wasser, Feuer und die Erde als "Brüder" und "Schwestern" preist. Es gilt als eines der ersten großen Werke der italienischen Literatur.
- Was sind die Stigmata, die Franziskus empfing?
- Die Stigmata sind die Wundmale Christi (an Händen, Füßen und Seite), die Franziskus der Legende nach 1224 als sichtbares Zeichen seiner tiefen Verbundenheit mit dem gekreuzigten Jesus empfing. Er war der erste bekannte Heilige, dem dieses Phänomen zugeschrieben wurde.
Wenn du andere Artikel ähnlich wie Franz von Assisi: Der Heilige, der die Welt berührte kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Spiritualität besuchen.
