Bittgebet: Sorgen loslassen, Gott vertrauen

05/06/2022

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Das Bittgebet ist eine Praxis, die so alt ist wie die Menschheit selbst. Ob Gläubige, Zweifler oder jene, die vorgeben, an nichts zu glauben – irgendwann hat jeder schon einmal eine Bitte in ein Gebet gekleidet. Manche wenden sich an Gott, andere suchen Zuflucht bei Maria oder den Heiligen, wieder andere formulieren Wünsche an das Universum. Es ist eine grundlegende menschliche Reaktion auf Not, Hoffnung und Sehnsucht.

Was ist der Unterschied zwischen bieten und beten?
Das Verb ‚bieten‘ ist unregelmäßig. Sein Verbstamm ändert sich im Präsens nicht, aber im Präteritum und im Perfekt / Plusquamperfekt seht ihr andere Formen. Das Verb ‚ bieten ‚ hat einen komplett anderen Sinn als das Verb ‚ beten ‚. Wir verwenden ‚bieten‘, wenn wir ausdrücken wollen, dass wir etwas geben wollen, um etwas anderes zu bekommen.

Doch gerade für Christen, die an einen allgütigen, allwissenden und liebenden Gott glauben, kann das Bittgebet eine Quelle des Grübelns sein. Wenn Gott doch bereits weiß, was wir brauchen, und uns das Beste wünscht, warum sollten wir Ihn dann noch um etwas bitten? Ist es nicht überflüssig, Ihm das zu sagen, was Er ohnehin schon weiß, lange bevor wir es selbst bemerken? Diese Fragen sind nicht nur berechtigt, sondern sogar wichtig. Sie helfen uns, die tiefere Bedeutung des Bittgebetes besser zu verstehen und seine wahre Kraft zu entdecken.

Oftmals lösen sich Schwierigkeiten mit dem katholischen Glauben bei näherer Betrachtung auf. Beim Bittgebet verhält es sich jedoch manchmal umgekehrt: Für Außenstehende ist es das Normalste der Welt, dass Gläubige sich mit ihren Bitten an Gott wenden. Erst für jene, die im Gebet wachsen und sich tiefer mit ihrem Glauben auseinandersetzen, kann das Bittgebet zu einer Herausforderung werden. Die Vorstellung eines guten, allwissenden und liebenden Gottes, der bereits weiß, was wir benötigen – und oft sogar besser als wir selbst –, scheint die Notwendigkeit des Bittgebetes in Frage zu stellen. Warum also sollten wir einen solchen Gott noch bitten?

Inhaltsverzeichnis

Das Paradox des Bittgebetes: Wenn Gott alles weiß

Die Kernfrage, die sich hier stellt, ist tiefgreifend: Wenn Gott nicht nur gut, sondern auch allmächtig ist, sollte Er dann nicht von sich aus alles tun, damit es uns gut geht? Manche könnten sogar den Gedanken entwickeln, dass sie einen „Anspruch“ auf Gottes Güte haben. Dies kann zu einer gefährlichen Haltung führen, in der nicht der Mensch Gott um Hilfe bittet, sondern Gott sich vor dem Menschen rechtfertigen muss, wenn die Dinge nicht nach Wunsch laufen. Solche Gedanken sind Ausdruck eines Missverständnisses über die Natur Gottes und die Beziehung, die Er mit uns eingehen möchte.

Diese Problematik ist eng mit der sogenannten Theodizee-Frage verbunden – der Frage nach einem guten und allmächtigen Gott angesichts des Leidens in der Welt. Beide Fragen (Theodizee und Bittgebet) entstehen erst, wenn man an einen sowohl guten als auch allmächtigen Gott glaubt. Religionen, die Gott als „nicht unbedingt gut“ oder „etwas beschränkt“ ansehen, haben mit dem Bittgebet oft kein Problem. Ein Gott, der nicht allwissend ist, muss informiert werden; ein Gott, der nicht allgütig ist, muss motiviert oder durch Opfer dazu gebracht werden, Gutes zu tun. Doch das christliche Gottesbild ist anders: Unser Gott ist vollkommen gut und allmächtig. Und genau hier liegt der Schlüssel zum Verständnis des Bittgebetes.

1. Gebet verändert nicht Gott, sondern den Beter

Eine der wichtigsten Einsichten über das Bittgebet ist, dass es nicht darauf abzielt, Gott zu verändern. Gott ist vollkommen und unveränderlich. Unser Gebet informiert Ihn nicht über unsere Bedürfnisse, noch muss es Ihn motivieren, Gutes zu tun. Er weiß bereits alles und will uns aus Seiner unendlichen Liebe heraus helfen. Doch während Gott unverändert bleibt, verändert sich der Betende selbst – und das in mehrfacher Hinsicht.

Abhängigkeit zugeben

Ein echtes Bittgebet ist mehr als eine Informationsbotschaft. Es ist ein Akt des Eingeständnisses unserer Abhängigkeit von Gott. Wenn wir wirklich bitten, legen wir unsere eigene Begrenztheit offen und erkennen an, dass wir allein nicht alles vermögen. Es ist ein demütiger Schritt, der uns aus der Illusion der Selbstständigkeit befreit. Es geht nicht darum, Gott zu beweisen, dass wir Ihn brauchen, sondern darum, uns selbst bewusst zu machen, dass wir Ihn brauchen. Dieses Eingeständnis ist der erste Schritt zur wahren Freiheit.

Begrenztheit eingestehen

Wer wirklich bittet, stellt keine Forderungen. Stattdessen gesteht er dem Adressaten – Gott – ein größeres Wissen zu und rechnet damit, dass Gott es vielleicht besser weiß. Wir mögen uns Reichtum, Ruhm oder bestimmte Erfolge wünschen, weil wir glauben, dass uns das glücklich macht. Im Gebet erkennen wir jedoch an, dass Gott tiefer blickt und weiß, was uns wirklich zum Glück führt, auch wenn es nicht unseren ursprünglichen Vorstellungen entspricht. Diese Bereitschaft, Gottes Plan über unsere eigenen Wünsche zu stellen, ist ein Akt tiefen Vertrauens.

Frei werden – Sorgen abgeben

Das Bittgebet ist ein mächtiges Werkzeug, um Sorgen und Ängste loszulassen. Wir formulieren unsere Wünsche und Befürchtungen, legen sie aber dann wie einen Wunschzettel in die Hände Gottes. Dieser Akt des „Abgebens“ ist entscheidend. Wir vertrauen darauf, dass Gott uns die Wünsche, die uns ins Unglück stürzen würden, nicht erfüllt und uns stattdessen das gibt, was wirklich gut für uns ist. Indem wir unsere Sorgen um das, was wir wirklich wollen, ganz Gott überlassen, beenden wir unser Grübeln und finden innere Freiheit. Es ist ein Loslassen, das Raum für Gottes Wirken schafft.

Vertrauen entwickeln

Wenn wir unsere „Wunschzettel abgeben“, entsteht oft die Sorge, ob wir überhaupt etwas von dem bekommen, was daraufsteht. Diese Sorge wird nur dann beendet, wenn wir volles Vertrauen haben, dass das geschehen wird, was uns guttut. Dieses Vertrauen ist jedoch nicht unbedingt eine Voraussetzung für unser Gebet, sondern oft erst seine Frucht. Es ist ein typisch katholischer Gedanke: Das Tun selbst – das Gebet – verwirklicht die damit verbundene Absicht. Indem wir uns wünschen, dieses Vertrauen zu haben, und unsere Bitten in Gottes Hände legen, schaffen wir überhaupt erst Platz für dieses Vertrauen. Es wird uns geschenkt, gerade indem wir loslassen und vertrauen. Glaube und Vertrauen sind Gaben Gottes, die sich im Akt des Gebets entfalten. Dieses Zusammenspiel von menschlichem Tun und göttlichem Wirken ist ein zentrales Merkmal des katholischen Glaubens.

Das ist auch der Grund, warum im katholischen Glauben leiblich-geistige Symbolhandlungen so wichtig sind. Ein Bittgebet mit dem Anzünden einer Kerze abzuschließen, Gebetszettel symbolträchtig zu verbrennen oder ein lautes „Amen!“ zu sprechen – all das sind physische Akte, die uns helfen, die Sorgen loszulassen und uns für das Gottvertrauen zu öffnen. Sie verankern die geistige Handlung in unserer körperlichen Existenz und machen das Gebet zu einer ganzheitlichen Erfahrung.

2. Gott bitten heißt, Verantwortung zu übernehmen

Das Bittgebet befreit uns nicht von unserer Verantwortung. Es wäre ein Missbrauch von Glaube und Religion, wenn wir unsere Pflichten einfach abschieben wollten. Vielmehr hilft uns das Gebet, unsere Verantwortlichkeiten klarer zu erkennen und sie besser zu tragen.

Das Bittgebet entlastet uns von den Sorgen um Dinge, die wir nicht selbst in der Hand haben. Diese Sorgen können besonders erdrückend sein, weil wir oft nichts tun können, um das Ergebnis zu beeinflussen. Was wir nicht kontrollieren können, sollten wir abgeben – dafür ist das Gebet da. Es ermöglicht uns, die Last des Ungewissen an Gott zu übergeben.

Gleichzeitig befreit uns das Bittgebet nicht von der Verantwortung für unser eigenes Handeln und Unterlassen. Wir können uns nicht herausreden, dass wir unsere Pflichten vernachlässigt hätten, weil wir stattdessen intensiv gebetet haben. Im Gegenteil: Das Bittgebet stärkt uns, die uns zukommenden Verantwortungen zu tragen. Dies geschieht aus zwei wichtigen Gründen:

  1. Klarheit über Verantwortlichkeiten: Es ist oft nicht einfach zu unterscheiden, wo unsere wahren Verantwortlichkeiten liegen und wo wir (oder andere) sie uns aufbürden. Wenn wir unsere Bitten formulieren, beginnen wir, diese Bereiche zu sortieren. Dieser Prozess der Unterscheidung ist von unschätzbarem Wert, da er uns hilft, unsere Energie auf das zu konzentrieren, was wir tatsächlich beeinflussen können.
  2. Fokussierung der Kräfte: Wer im Bittgebet wirklich abgeben konnte, kann seine Kräfte nun genau auf das richten, was er nicht abgeben durfte und wofür er verantwortlich ist. Es geht nicht darum, die Verantwortung zu meiden, sondern sie mit neuer Kraft und Klarheit anzugehen.

Dies spiegelt sich auch in dem bekannten Gebet wider: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr, 1942). Dieses Gebet fasst die Essenz dessen zusammen, wie das Bittgebet uns hilft, unsere Verantwortung in der Welt zu leben.

Natürlich kann auch die Bitte um Kraft und Ausdauer zur Erfüllung unserer Aufgaben Teil des Bittgebetes sein. Das ist keine Flucht aus der Verantwortung, denn Kraft und Ausdauer sind Gaben, die über unseren eigenen Willen hinausgehen. Was jedoch allein von unserem Willen abhängt – wie das Erfüllen einer klaren Pflicht – kann nicht Gegenstand des Bittgebetes sein, das uns von dieser Pflicht entbinden soll. Das Gebet stärkt uns, unsere Pflichten zu erfüllen, es nimmt sie uns nicht ab.

3. Worum es Gott und mir eigentlich geht

Man könnte nun den Eindruck gewinnen, das Bittgebet sei lediglich eine Form der psychologischen Selbstmotivation, da die beschriebenen Früchte (Sorgenfreiheit, Vertrauen) auch ohne einen Gott eintreten könnten. Doch das ist ein Missverständnis. Der Glaube an Gottes Wirkmächtigkeit ist entscheidend, denn nur dann bewirkt das Gebet zu Gott eine echte Entlastung. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Gebet, insbesondere das Bittgebet, sehr wohl auch übernatürliche Früchte trägt.

Wie fängt die beten an?
Beten fängt mit Loben an: »Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name.« Dann bitten die Beter darum, dass sich Gottes Anliegen auf Erden erfüllen mögen: »Dein Reich komme. Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Erden.« Wohlgemerkt: Geschehen soll Gottes Wille – nicht unbedingt das, was der oder die Beterin will und sich wünscht.

Diese Früchte entstehen nicht, weil Gott über unsere Nöte informiert werden oder zur Hilfe bewegt werden muss. Nein, Gott weiß bereits, was wir brauchen, und Er will uns unverzüglich helfen. Der erste Schritt auf dem Weg zum Glück des Menschen ist, dass er betet.

Gott möchte unser Glück, genau wie wir selbst. Doch der entscheidende Unterschied ist, dass die Menschen oft nicht klar darüber sind, was sie wirklich zum Glücklichsein brauchen. Während viele Menschen glauben, Gesundheit reiche aus („Hauptsache gesund!“), weiß Gott, dass auch gesunde Menschen sehr unglücklich sein können. Der Wunsch nach Reichtum mag verlockend sein, doch Gott weiß, dass ein gut gefüllter Sparstrumpf oft genug Anlass für großes Unglück ist. Ruhm, Karriere oder Einfluss scheinen erstrebenswert, doch auch Reiche, Berühmte und Mächtige begehen aus Verzweiflung Selbstmord. Gottes klare Absicht ist es daher, unseren Willen auf das zu lenken, was uns wirklich glücklich macht: erfüllte und beständige Beziehungen zu leben, andere glücklich zu machen und dadurch selbst glücklich zu werden. Kurz gesagt: beziehungsfähig zu sein.

Ein betender Mensch ist ein beziehungsfähiger Mensch.

Gott möchte, dass wir beten! Dies ist vielleicht der Kernsatz. Gott möchte nicht, dass wir beten, damit Er erfährt, wie wir glücklich werden wollen. Er möchte, dass wir beten, weil das Gebet der Beginn unseres Glücks ist! Es ist der Ort, an dem wir uns Ihm öffnen, unsere Abhängigkeit eingestehen und unser Vertrauen in Seine Güte legen. Es ist der Beginn einer tiefen Beziehung.

Gott weiß, was wir brauchen und uns wünschen. Doch vielleicht gewährt Er es uns nicht sofort, sondern wartet auf unser Gebet. Er möchte unsere Aufmerksamkeit, unser Eingeständnis der Abhängigkeit und unser Vertrauen. Manchmal erfüllt Gott aber auch ganz „unwesentliche“ Wünsche – einen Parkplatz, schönes Wetter für das Wochenende – nicht, weil diese Wünsche so wichtig wären, sondern weil Er uns schon allein dafür belohnen will, dass wir gebetet haben. Es ist eine pädagogische Geste, die unser Vertrauen stärkt und uns lehrt, dass Er für uns da ist, auch in den kleinen Dingen des Lebens.

Was genau sich im Beziehungsgeschehen zwischen dem Beter und Gott abspielt, entzieht sich unserem Blick von außen. Aber eines ist sicher: Wir gehen nicht in die Schule des Gebets, um eine Technik zu erlernen und durch ein „perfektes“ Gebet zum Schmied unseres eigenen Glücks zu werden. Sondern wir lernen im Gebet, unser Glück im Anderen zu finden – sowohl in Gott als auch in der Liebe zu Seinen Geschöpfen. Das Bittgebet ist ein Weg zur Gottesbeziehung und zur Nächstenliebe.

Bittgebet: Was es ist und was es nicht ist

Um das Bittgebet noch besser zu verstehen, hilft es, seine Merkmale mit dem zu vergleichen, was es nicht ist.

Das Bittgebet ist...Das Bittgebet ist NICHT...
Ein Ausdruck von Demut und Abhängigkeit.Eine Forderung oder ein Rechtsanspruch an Gott.
Ein Akt des Loslassens von Sorgen.Eine Entbindung von persönlicher Verantwortung.
Ein Weg zum Aufbau von Vertrauen in Gott.Eine Technik, um Gott zu manipulieren oder zu überzeugen.
Ein Mittel, um unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen.Ein Informationsaustausch für einen allwissenden Gott.
Ein Weg, Klarheit über unsere wahren Bedürfnisse zu finden.Ein Wunschkonzert für egoistische oder oberflächliche Wünsche.
Ein Ort der Veränderung des Beters.Ein Mittel zur Veränderung von Gottes Plan oder Willen.
Ein Gespräch, das uns hilft, Gottes Willen zu erkennen.Ein Monolog, der nur unsere eigenen Wünsche bekräftigt.

Häufig gestellte Fragen zum Bittgebet

1. Was ist, wenn mein Bittgebet nicht erhört wird?

Die Nichterhörung eines Gebetes im Sinne unserer konkreten Wünsche ist oft die größte Herausforderung für unser Vertrauen. Es ist wichtig zu verstehen, dass „Erhörung“ nicht immer bedeutet, dass unser Wunsch eins zu eins erfüllt wird. Gott erhört Gebete immer, aber auf Seine Weise und zu Seiner Zeit. Manchmal ist die Erhörung eine tiefere Erkenntnis, innerer Friede, die Kraft, eine Situation zu ertragen, oder die Erkenntnis, dass das, worum wir gebeten haben, nicht zu unserem wahren Glück beigetragen hätte. Es kann auch sein, dass Gott etwas Besseres für uns bereithält, als wir uns vorstellen können. Die scheinbare Nichterhörung ist oft eine Einladung, tiefer zu vertrauen und zu erkennen, dass Gottes Liebe und Weisheit unsere eigenen Vorstellungen übertreffen.

2. Muss ich jeden Tag beten?

Es gibt keine feste Regel, wie oft oder wie lange man beten muss. Das Gebet ist eine Beziehung, und Beziehungen brauchen Pflege. Regelmäßiges Gebet – ob täglich, mehrmals täglich oder zu bestimmten Zeiten – hilft, die Verbindung zu Gott aufrechtzuerhalten und zu vertiefen. Wichtiger als die Häufigkeit ist die Haltung des Herzens. Ein kurzes, aufrichtiges Gebet kann mächtiger sein als ein langes, unkonzentriertes. Finden Sie einen Rhythmus, der zu Ihrem Leben passt und Ihnen hilft, sich Gott nah zu fühlen.

3. Welche Rolle spielen Maria und die Heiligen im Bittgebet?

Im katholischen Glauben beten wir nicht zu Maria oder den Heiligen im Sinne einer Anbetung, die allein Gott zusteht. Vielmehr bitten wir sie um ihre Fürsprache bei Gott. Sie sind unsere „Freunde im Himmel“, die uns auf unserem Glaubensweg vorausgegangen sind und nun in Gottes Gegenwart leben. So wie wir Freunde auf Erden bitten würden, für uns zu beten, bitten wir Maria und die Heiligen, unsere Anliegen vor Gott zu tragen. Ihre Fürsprache ist mächtig, weil sie in enger Gemeinschaft mit Gott stehen. Dies stärkt unsere Gemeinschaft der Heiligen und erinnert uns daran, dass wir auf unserer Glaubensreise nicht allein sind.

4. Ist Bittgebet egoistisch?

Das Bittgebet ist nicht per se egoistisch. Es ist natürlich, dass wir uns um unsere eigenen Bedürfnisse und die unserer Lieben kümmern. Problematisch wird es, wenn das Gebet ausschließlich auf egoistische Wünsche reduziert wird, die nicht dem Willen Gottes oder dem Wohl anderer dienen. Ein reifes Bittgebet beinhaltet auch Bitten für andere, für die Kirche, für die Welt und für die Erkenntnis von Gottes Willen. Es ist ein Akt der Hingabe, der uns lehrt, über uns selbst hinauszuwachsen und unsere Wünsche mit Gottes Plan in Einklang zu bringen.

5. Wie fange ich an, wenn ich Schwierigkeiten mit dem Bittgebet habe?

Beginnen Sie einfach. Es ist nicht nötig, perfekte Worte zu finden oder eine bestimmte Formel zu verwenden. Sprechen Sie mit Gott wie mit einem Freund. Teilen Sie Ihm Ihre Sorgen, Ängste und Wünsche mit. Seien Sie ehrlich. Wenn Sie Schwierigkeiten haben, Vertrauen aufzubringen, bitten Sie Gott um dieses Vertrauen. Sie können auch mit kurzen Stoßgebeten beginnen oder sich an bekannten Gebeten wie dem Vaterunser orientieren. Das Wichtigste ist, den ersten Schritt zu tun und sich bewusst auf die Beziehung mit Gott einzulassen. Die Praxis wird mit der Zeit wachsen und sich vertiefen.

Fazit: Freiheit durch Gottvertrauen

Das Bittgebet ist weit mehr als eine simple Wunschliste an Gott. Es ist ein transformativer Akt, der den Betenden verändert und ihm hilft, frei von Sorgen zu werden und tiefes Vertrauen in Gottes Güte zu entwickeln. Es lehrt uns, unsere Abhängigkeit einzugestehen, unsere Begrenztheit anzunehmen und unsere Sorgen in Gottes Hände zu legen. Es ist ein Weg, Verantwortung zu übernehmen, indem wir zwischen dem, was wir ändern können, und dem, was wir abgeben müssen, unterscheiden lernen.

Im Kern geht es Gott im Bittgebet darum, uns zu unserem wahren Glück zu führen – einem Glück, das in erfüllten Beziehungen und in der Liebe zu Ihm und unseren Mitmenschen liegt. Das Gebet ist der Beginn dieser Glückseligkeit, denn es öffnet uns für die Beziehung zu unserem Schöpfer. Es ist nicht die Technik, die zählt, sondern die Hingabe des Herzens und das Vertrauen, dass Gott immer das Beste für uns will. Indem wir beten, treten wir in einen Dialog ein, der uns nicht nur von unseren Ängsten befreit, sondern uns auch in die unendliche Liebe Gottes hineinführt und uns befähigt, diese Liebe in der Welt zu leben. So wird das Bittgebet zu einem Schlüssel für ein befreites und gottvertrauendes Leben.

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