14/12/2021
Für die meisten kommt es über Nacht: Schnupfen, Heiserkeit, Fieber und Husten belasten den gesamten Organismus und signalisieren unmissverständlich: Sie sind an einer Erkältung erkrankt. Doch mit den körperlichen Beschwerden kommen oft auch Fragen auf, die den Arbeitsalltag und die rechtlichen Rahmenbedingungen betreffen. Wann ist es eigentlich an der Zeit, einen Arzt aufzusuchen? Ab wann sollten Sie sich krankschreiben lassen? Und dürfen Sie bei einem leichten erkältungsbedingten Infekt ohne Krankenschein zu Hause bleiben? Im Folgenden wollen wir die häufigsten und drängendsten Fragen zum Thema Krankschreibung bei Erkältung endgültig beantworten, um Ihnen mehr Sicherheit und Klarheit in dieser häufigen Situation zu geben.

Krankschreibung bei Erkältung: Was ist zu beachten?
Grundsätzlich gehört jeder, der an einer Erkältung leidet, ins Bett. Dieser einfache Ratschlag ist nicht nur ein alter Hut, sondern auch eine medizinisch fundierte Empfehlung. Ruhe ermöglicht es dem Körper, sich schneller zu erholen und seine Selbstheilungskräfte optimal zu nutzen. Leider sieht die Praxis oftmals anders aus. Viele Menschen schleppen sich noch über Tage mit einer Erkältung zur Arbeit, sei es aus Verantwortungsgefühl, aus Angst vor Fehlzeiten oder schlicht aus Unwissenheit. Das kann jedoch weitreichende Folgen haben: Schlimmstenfalls stecken Sie dann nicht nur Ihre Kollegen an, sondern auch Freunde und Familie. Demnach kann aus der Erkältung des Einzelnen schnell eine ganze Epidemie für das Büro oder den Freundeskreis werden. Daher ist es in jedem Fall ratsam, bei erkältungsbedingten Beschwerden, die über ein leichtes Unwohlsein hinausgehen, ärztlichen Rat einzuholen.
Wann ist es Zeit, zum Arzt zu gehen?
Prinzipiell verweisen die häufigsten Anzeichen für Erkältungen auf die Notwendigkeit, sich auszukurieren oder einen Arzt aufzusuchen. Dazu gehören klassische Symptome wie Schnupfen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, aber auch Gliederschmerzen, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Husten und Fieber. Tatsächlich arbeitet der Körper in dieser Phase auf Hochtouren, um seine eigenen Selbstheilungsprozesse anzukurbeln. Der gesamte Organismus möchte so schnell wie möglich wieder gesund werden und bekämpft die viralen Eindringlinge. Es ist wichtig, auf diese Signale zu hören und dem Körper die nötige Ruhe zu gönnen. Eine falsche Motivation, sich trotz Krankheit durch den Tag zu kämpfen, kann sich ins Gegenteil wenden und die Genesung verzögern oder sogar ernsthafte Komplikationen nach sich ziehen.
Schlimmstenfalls wird aus einer harmlosen Erkältung später eine Bronchitis, eine Grippe oder sogar eine Lungenentzündung. Diese Erkrankungen sind mit weitaus längeren Ausfallzeiten und potenziell schwereren gesundheitlichen Risiken verbunden als eine einfache Erkältung. Eine frühzeitige ärztliche Abklärung kann helfen, solche Komplikationen zu vermeiden und eine zügige Genesung zu gewährleisten.
Dauer der Erkältung und Krankschreibung
Wie lange dauert eine Erkältung üblicherweise?
Zumeist dauert eine Erkältung nicht länger als sieben bis vierzehn Tage. Dieser Zeitraum umfasst in der Regel die anfänglichen Symptome, eine anschließende Steigerung der Beschwerden und ein langsames Abklingen bis zur vollständigen Genesung. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Dauer individuell variieren kann, abhängig von der Stärke des Immunsystems, der Art des Virus und der angewandten Schonung. Wenn Sie sich zum Beispiel schon innerhalb des Zeitraums Ihrer Krankschreibung in der Lage fühlen, wieder zur Arbeit zu gehen, müssen Sie nicht noch einmal Ihren Arzt konsultieren. Sie riskieren damit auch nicht den Versicherungsschutz, solange Sie sich an die ärztlichen Anweisungen gehalten haben und die Genesung nicht durch zu frühe Belastung gefährden.
Wann erfolgt die Krankschreibung bei Erkältung?
Auf jeden Fall ist es empfehlenswert, spätestens am zweiten Tag der Arbeitsunfähigkeit einen Arzt aufzusuchen. Zuerst erfolgt die Diagnose durch den Mediziner. Dann ist der Arzt in der Lage, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) für die Krankenkasse und den Arbeitgeber auszustellen. Diese Krankschreibung signalisiert Ihre Unfähigkeit, der beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Ebenso wichtig ist ein rechtzeitiger Anruf auf der Arbeit am entsprechenden Tag, an dem Sie nicht zur Arbeit gehen können. Eine offene und ehrliche Kommunikation mit Ihrem Arbeitgeber ist hier entscheidend. Bewahren Sie ein gutes Verhältnis zu Ihrem Chef, dann werden sich auch im Falle einer Krankschreibung in der Regel keine Probleme ergeben.
Wann ist in Deutschland die Krankschreibungspflicht?
Die Gesetzeslage in Deutschland schreibt vor: Spätestens am dritten Tag der Arbeitsunfähigkeit muss die AU-Bescheinigung beim Arbeitgeber und der Krankenkasse vorliegen. Andernfalls riskieren Sie Lohnausfall und schlimmstenfalls eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung. Dabei schreiben viele Unternehmen ihren Angestellten vor, die AU-Bescheinigung schon am ersten Tag der Erkrankung vorzulegen. Es ist daher unerlässlich, sich frühzeitig über die spezifischen Regelungen Ihres Arbeitsvertrages oder der Betriebsvereinbarungen zu informieren, um keine negativen Konsequenzen zu riskieren.
Sonderfälle und Kritik an der Krankschreibungspraxis
Krankschreibung bei Erkältung der Kinder
Auf keinen Fall sollten Sie sich bei der Erkältung Ihrer Kinder auf Ihre eigene Krankschreibung berufen. Hierfür gibt es gesonderte Regelungen: Jedem Elternteil stehen jeweils zehn Arbeitstage pro Kind und Kalenderjahr zu, die für die Pflege und Sorge kranker Kinder aufgewendet werden können. Alleinerziehende erhalten natürlich das doppelte Pensum zugesprochen, also 20 Tage pro Kind und Kalenderjahr. Diese Tage werden als Kinderkrankengeld von der Krankenkasse bezahlt, sofern das Kind unter zwölf Jahre alt ist und eine ärztliche Bescheinigung vorliegt, dass das Kind der Pflege bedarf.
Keine Krankschreibung bei kurzen Erkältungen? Ein Blick über die Grenzen
Tatsächlich stehen eben diese kurzen Ausfallzeiten aufgrund von leichten Erkältungen in der Kritik. Ein Hauptgrund dafür sind deutschlandweit überfüllte Wartezimmer bei den Ärzten mit Patienten, die sich aufgrund leichter Infekte krankschreiben lassen müssen. Medizinrechtler und Gesundheitsexperten fordern hier eine Lockerung der aktuellen Vorschriften, um das Gesundheitssystem zu entlasten und den Fokus auf wirklich behandlungsbedürftige Fälle zu legen. Wer glaubt, das sei utopisch, sollte einen Blick auf Norwegen werfen. Hier berücksichtigt man die individuelle Situation eines Patienten in deutlich höherem Maße. So dürfen sich Arbeitnehmer in Norwegen wahlweise bis zu acht Tage selbst krankschreiben, ohne dass ein Arztbesuch erforderlich ist. Dies hat maßgeblich den gesamten Arztprozess verbessert, da unnötige Arztbesuche entfallen. Zudem konnten Behandlungsverläufe besser strukturiert und der Fokus auf die eigentliche medizinische Versorgung gelegt werden. In Deutschland verkommt die Krankschreibung in vielen Fällen vielmehr zum „Papierkrieg“ und nicht zur wirklichen Genesung oder effizienten Nutzung der medizinischen Ressourcen.
| Kriterium | Deutschland | Norwegen |
|---|---|---|
| Krankschreibungspflicht | Spätestens am 3. Tag (oftmals ab 1. Tag firmenintern) | Selbstkrankschreibung bis zu 8 Tage möglich |
| Erforderlicher Arztbesuch | Oft notwendig für AU-Bescheinigung | Weniger Arztbesuche für leichte Infekte |
| Fokus | Sicherstellung der Arbeitsunfähigkeit, Missbrauchsprävention | Individuelle Verantwortung, Entlastung des Gesundheitssystems |
| Kritikpunkte | Überfüllte Wartezimmer, „Papierkrieg“, ineffiziente Ressourcennutzung | Effizienterer Arztprozess, Fokus auf wirkliche Behandlungen |
Verhalten während der Krankschreibung
Was darf ich machen bei Krankschreibung wegen Erkältung?
Schlussendlich ist eine Erkältung kein Weltuntergang, und eine Krankschreibung bedeutet nicht zwangsläufig Hausarrest. So dürfen Patienten ohne Weiteres die Wohnung oder das Haus verlassen, um notwendige Erledigungen zu treffen. Dazu gehören beispielsweise Besorgungen im Supermarkt, in der Drogerie oder in der Apotheke. Dies ist vollkommen verständlich und erlaubt. Dabei sollten Sie jedoch niemals den Prozess des Gesundwerdens riskieren. Es ist weniger verständlich und kann als Verstoß gegen die Genesungspflicht gewertet werden, wenn man Sie im Solarium, im Fitnessstudio oder in der Kneipe trifft. Hier gilt es, den Bogen nicht zu überspannen. Eine Krankschreibung verpflichtet zur Schonung und zur Förderung der Genesung. Schließlich sollen Sie sich erholen und zu Hause gesund werden, um schnellstmöglich wieder arbeitsfähig zu sein. Aktivitäten, die Ihre Genesung behindern oder gar verzögern, sind zu unterlassen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Krankschreibung bei Erkältung
- Wie lange dauert eine Erkältung in der Regel?
- Eine Erkältung dauert zumeist nicht länger als 7 bis 14 Tage, von den ersten Symptomen bis zum vollständigen Abklingen.
- Wann sollte ich wegen einer Erkältung zum Arzt gehen?
- Es ist ratsam, spätestens am zweiten Tag der Arbeitsunfähigkeit einen Arzt aufzusuchen, insbesondere wenn die Symptome stark sind oder sich verschlimmern.
- Muss ich meinen Arbeitgeber sofort über meine Krankheit informieren?
- Ja, Sie sollten Ihren Arbeitgeber unverzüglich am ersten Tag Ihrer Arbeitsunfähigkeit informieren. Die AU-Bescheinigung muss spätestens am dritten Tag vorliegen, wobei viele Unternehmen eine frühere Vorlage verlangen.
- Was darf ich tun, wenn ich krankgeschrieben bin?
- Sie dürfen notwendige Erledigungen wie Einkäufe tätigen. Aktivitäten, die Ihre Genesung gefährden (z.B. Sport, Partybesuche), sind hingegen nicht erlaubt.
- Gibt es eine spezielle Krankschreibung für die Pflege kranker Kinder?
- Ja, Eltern haben Anspruch auf Kinderkrankentage (10 Tage pro Elternteil und Kind pro Jahr, 20 Tage für Alleinerziehende), für die eine ärztliche Bescheinigung für das Kind erforderlich ist.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Krankschreibung bei Erkältung in Deutschland mindestens in den ersten drei Tagen beim Chef und der Krankenkasse vorliegen muss, um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden. Andernfalls riskiert ein Patient seine Lohnfortzahlung und möglicherweise eine Abmahnung. Tatsächlich sind hier enorme Unterschiede zwischen den Arbeitgebern festzustellen, weshalb es essenziell ist, die individuellen Unternehmensregelungen zu kennen. Kontaktieren Sie am Morgen des ersten Krankheitstages Ihr Unternehmen, um eine schnelle Information zu sichern und Missverständnisse zu vermeiden. Außerdem sollten Sie stets den Rat des Arztes befolgen und sich nur das zumuten, was vertretbar ist und Ihre Genesung fördert. Allerdings stehen Krankschreibungen für Erkältungen über kurze Zeit in der Kritik, da sie oft zu überfüllten Wartezimmern führen und das Gesundheitssystem belasten, ohne immer zwingend erforderlich zu sein. Aus diesem Grund bleibt abzuwarten, wie sich die Handhabung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung in diesem Bereich zukünftig entwickeln wird, möglicherweise inspiriert von flexibleren Modellen wie dem in Norwegen.
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