Was ist der Unterschied zwischen Christen und Muslimen?

Christen und Muslime: Wege zur Verständigung

03/12/2021

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In unserer heutigen Gesellschaft, die zunehmend von Vielfalt geprägt ist, leben Christen und Muslime Seite an Seite. Sie sind nicht nur Nachbarn, Kollegen oder Mitbürger, sondern auch aktive Teilnehmer am Gemeinwesen. Dieses Zusammenleben birgt sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Es erfordert von uns allen, insbesondere von den religiösen Gemeinschaften, ein tiefes Nachdenken über unser Verhältnis zueinander, um Feindbilder abzubauen und ein versachlichtes Gespräch zu fördern. Für die Kirchen bedeutet dies, sich intensiv mit ihrer geschichtlichen und theologischen Beziehung zum Islam auseinanderzusetzen und Orientierung für die praktische Gestaltung des Miteinanders zu finden.

Was bedeutet der Ramadan für Muslime?
Während des nächsten Monats werden Muslime auf der ganzen Welt versuchen, vor Allah zu bestehen, indem sie tagsüber fasten. Bete für die Christen, die unter Muslimen leben, für Weisheit im Umgang mit ihren Nachbarn und Freunden. Was bedeutet der Ramadan für Muslime?

Die theologische Klärung des Verhältnisses zwischen christlichem Glauben und muslimischem Leben ist eine neue, aber notwendige Aufgabe. Die Geschichte des Christentums zeigt, dass sich christliches Bekenntnis und Identität stets im Dialog und in der Auseinandersetzung mit anderen religiösen Traditionen gebildet haben. Diese dialogische Existenz, die im Austausch mit fremden Glaubensüberzeugungen von Gott spricht und Glauben lebt, ist eine Triebkraft des christlichen Bekenntnisses. Es geht darum, in aufrichtiger Offenheit und mit der Bereitschaft zum gegenseitigen Kennenlernen miteinander umzugehen, ohne das eigene Christsein zu verleugnen. Dieser Lernprozess bedarf der Orientierung an Gottes Wort, der Vergewisserung durch die Tradition und der Bestärkung durch erfahrene Menschen im christlich-muslimischen Dialog. Es gilt, Sprachbilder und Ausdrucksformen zu finden, die vom Gegenüber verstanden werden, was wiederum die eigene Sprachfähigkeit bereichert und den eigenen Glauben neu überdenken lässt.

Inhaltsverzeichnis

Theologische Grundlagen der Begegnung

Die Begegnung mit Andersgläubigen ist nicht nur eine Folge der heutigen multireligiösen Situation, sondern im Wesen der Kirche selbst verankert und findet ihre Grundlage in Jesus Christus. Sie ist nur zukunftsfähig, wenn sie als „Mission in der Weise Christi“ geschieht, die sowohl die Verantwortung gegenüber den Menschen als auch die Verpflichtung gegenüber Gott ernst nimmt. Wenn sich die Kirche den Muslimen zuwendet, folgt sie ihrem eigenen Sein und ihrer Sendung, die sie notwendigerweise zu den ihr religiös Fremden führt. Die Kirche ist dazu berufen, „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ zu sein, über ihre Grenzen hinauszuwirken und überall Leuchte zu sein.

Das christliche Bekenntnis zum einen Gott

Die Frage nach der Bedeutung anderer Religionen aus christlicher Sicht wurde in der Vergangenheit unterschiedlich beantwortet. Weder die Überbetonung der eigenen Überlegenheit noch die Selbstverleugnung der eigenen Identität sind angemessene Haltungen. Die theologische Deutung außerchristlicher Religionen muss vielmehr im Herzen des christlichen Glaubens selbst angesiedelt sein: im Bekenntnis zum dreieinen Gott.

Der eine Gott – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Christen und Muslime bekennen beide nachdrücklich und eindeutig: „Es gibt keinen Gott außer Gott“ – außer dem einen, einzigen, wahren Gott. Das arabische Wort „Allah“ bedeutet schlicht „Gott“, und arabisch sprechende Christen verwenden es daher auch. Dies deutet auf eine nicht zufällige Gemeinsamkeit hin, da die koranischen Aussagen über Gott im Austausch mit jüdischen und christlichen Traditionen geformt wurden. Muslime, die Christen werden, bekehren sich nicht zu einem anderen als „Allah“, auch wenn sich ihnen durch Jesus Christus im Heiligen Geist ein neues Gottesverhältnis eröffnet.

Der christliche Glaube an den einen Gott ist dem ersten Gebot verpflichtet, das die Anbetung „anderer Götter“ untersagt. Dieses kritische Gebot erinnert Christen daran, sich nicht von anderen Mächten, Werten oder Instanzen abhängig zu machen. Der Eine, der in Schöpfung und Geschichte handelt und sich mit den Menschen verbündet, ist der alleinige Adressat unserer Anbetung. Das Bekenntnis zum dreieinen Gott bezeugt: „Gott ist Liebe“ (1. Joh 4,16), und seine Liebe gilt allen Menschen. Dieser Gott wirkt auch außerhalb der Kirche.

Der menschgewordene Gott der Versöhnung

Die zentrale Frage im Dialog zwischen Christen und Muslimen ist, wie der eine Gott sich den Menschen mitteilt und wie Menschen Zugang zu ihm finden. Christen bekennen den einen Gott als den dreieinen, weil Gott nicht jenseits geschichtlicher Wege handelt, sondern in seinem Reden und Handeln in Beziehung zu seinem erwählten Volk und den Völkern tritt. Der christliche Glaube bezeugt, dass Gott seine Hoheit und Souveränität in Jesus Christus durch seine Erniedrigung bis zum Tod am Kreuz zur Versöhnung und Erlösung des Menschen erweist.

Die Aussage „wir glauben doch alle an denselben Gott“ lässt oft offen, wer Gott ist, als hätte er sich nicht offenbart. Doch Gott ist der Lebendige, der sich in einer bestimmten Geschichte bekannt gibt und mit uns verbindet. Im Zentrum des christlichen Bekenntnisses steht, dass Gott Mensch wird, ja, sich selbst bis zum Kreuz erniedrigt. In dieser menschlichen und erniedrigten Gestalt begegnen wir Gott selbst. Dies hat entscheidende Bedeutung für die Begegnung mit Menschen anderer Religionen: Wenn es einen innerchristlichen Grund gibt, Andersgläubigen versöhnlich und nicht feindlich zu begegnen, sie zu achten und nicht zu verurteilen, dann liegt dieser Grund darin, dass Gott in Christus nicht „Christ“, sondern Mensch wurde, und dass Gott in der Hingabe seines Sohnes Jesus Christus „die Welt“ trotz ihrer Verkehrung geliebt und mit sich versöhnt hat (Joh 3,16; 2. Kor 5,19). Wir begegnen Muslimen im Bewusstsein, dass diese Liebe und Versöhnung Gottes auch ihnen gilt.

Gottes Heiliger Geist

Derselbe Gott, der uns in der Hingabe seines Sohnes geliebt hat, gießt im Heiligen Geist seine Liebe in unsere Herzen aus (Röm 5,5) und erhebt Anspruch auf unser ganzes Leben. Über diesen Gottesgeist können wir nicht verfügen; seine Freiheit ist unbegrenzt. Er „weht, wo er will“ (Joh 3,8). Christen sollen offen dafür sein, dass Gottes Geist auch außerhalb der Kirche wirkt und redet. Wenn wir Spuren des Geisteswirkens bei Muslimen bemerken, können wir dies dankbar wahrnehmen. Diese Spuren sind kein Beweis für eine von Natur aus gegebene Offenheit des Menschen für Gott, sondern zeigen das Wirken des Geistes, der auch unsere eigenen Gottesbilder reinigt und uns zu einem Verstehen des versöhnenden Handelns Gottes in Christus führt. Der Geist überbrückt Spannungen und öffnet Menschen füreinander, was im Gespräch mit Muslimen erfahrbar wird, wenn theologische Erkenntnisse sich unerwartet erschließen.

Gott der Schöpfer

Der Gott, der die Welt versöhnt und seine Liebe im Heiligen Geist ausgießt, ist auch der Schöpfer aller Menschen. In derselben Güte, in der er sich der Menschen aus Gnade annimmt, schenkt er ihnen ihr irdisch-menschliches Dasein und hält und trägt sie. Er ist ihnen nicht fern (Apg 17,24-27) und findet Wege, menschliches Zusammenleben zu ermöglichen. Religionen können Werkzeuge Gottes sein. Wir begegnen im Islam wie in anderen Religionen Menschen, die bereits in Gottes Hand sind. Das lehrt uns Bescheidenheit und Respekt vor anderen Religionen. Im Licht des in der Bibel bezeugten Gottes können wir auch dort Spuren seiner Wahrheit und Wirklichkeit entdecken. Das Engagement frommer Muslime, ihr Leben als Glaubenszeugnis zu verstehen und ihre Religion zu verbreiten, können Christen würdigen, ohne ihren eigenen Zeugnisauftrag aufzugeben.

Gleichzeitig muss eingestanden werden, dass in allen Religionen Gottes Gaben von Menschen verkehrt werden, indem sie Bedingtes zu Unbedingtem machen oder Schöpfer und Geschöpf verwechseln (Röm 1,23.25). Diese Verkehrung göttlichen Handelns in menschliche Eigenmächtigkeiten ist eine bittere Geschichtserfahrung, die auch unsere Religion nicht ausnimmt. Dennoch bleibt Gottes gutes Vorhaben mit den Menschen ihren Verkehrungen überlegen, weshalb Spuren seiner Wahrheit und Wirklichkeit in den Religionen trotz ihrer Verkehrungen entdeckt werden können.

Christen als Zeugen des dreieinen Gottes

Wir bezeugen den dreieinen Gott, der in seinem schöpferischen, durch Jesus Christus versöhnenden und durch seinen Geist heiligenden Wirken das Heil aller Menschen will, auch unseren muslimischen Gesprächspartnern. Dies geschieht im persönlichen Gespräch und im öffentlichen Bekenntnis der christlichen Gemeinde. Wir sind uns der Schuld bewusst, die Christen seit den Kreuzzügen auf sich geladen haben, und vertrauen auf Gottes Vergebung. Es ist zutiefst bedauerlich, dass Christen in vielen islamisch geprägten Ländern ihren Glauben noch nicht frei bekennen können. Doch diese Probleme dürfen kein Hinderungsgrund für eine gemeinsame und versöhnte Zukunft sein. Die Versöhnung selbst ist das schönste Zeugnis für die Barmherzigkeit des dreieinen Gottes. Ein gelingendes Zusammenleben von Christen und Muslimen in Deutschland kann weltweit zum Frieden zwischen beiden Religionen beitragen.

Umgang mit Differenz und Nähe

Das spannungsvolle Verhältnis zwischen Divergenzen und Konvergenzen zweier Religionen kann durch den religionsphänomenologischen oder theologischen Vergleich bearbeitet werden. Hierbei werden einzelne Glaubenswahrheiten verglichen, um Gemeinsamkeiten hervorzuheben. Diesen Weg ging das Zweite Vatikanische Konzil (1965), um von einer Verurteilung des Islam zu einer Wertschätzung zu gelangen. Dies erleichtert den Dialog, birgt aber die Gefahr, in theologische Sackgassen zu führen. Wer selektiv Aspekte herausgreift und Ähnlichkeiten feststellt, argumentiert oft aus der eigenen Perspektive, wobei einzelne Aspekte ein Gewicht erhalten können, das sie in der anderen Religion nicht haben. Ein Beispiel ist die Marienverehrung oder die Bedeutung Jesu im Koran, die im islamischen Volksglauben oder der Mystik eine Rolle spielen, aber in der traditionellen islamischen Theologie wenig Gewicht haben.

Das Zweite Vatikanische Konzil würdigte positiv den islamischen Glaubenssatz der Einheit Gottes (Tawhîd). Eine Erklärung zur Stellung Mohammeds oder zur zentralen Bedeutung des religiösen Rechts im Islam fehlte jedoch, was die Schwäche dieses Ansatzes zeigt, der dort schweigen muss, wo keine Konvergenzen bestehen. Islamische Seiten fordern oft, auch zum Prophetentum Mohammeds Stellung zu beziehen, da der Koran biblische Gestalten als Propheten anerkennt.

Gemeinsame historische Wurzeln: Eine Herausforderung

Christentum und Islam haben gemeinsame Wurzeln im Judentum. Ansätze, islamische Gebräuche oder theologische Motive daraus abzuleiten, sind religionsgeschichtlich interessant, helfen aber in konkreten Begegnungen wenig, da sie die besondere Prägung im islamischen Kontext außer Acht lassen und den Eindruck erwecken können, es handle sich um bloße Kopien. Auch der Verweis auf die „gemeinsame abrahamitische Tradition“ birgt die Gefahr, das Verbindende so stark in den Vordergrund zu rücken, dass das Spezifische an Wert verliert. Respekt vor der Würde und Integrität einer Religion gebietet es, sich ihr als Ganzes zu stellen und nicht einzelne, der eigenen Religion nahestehende Aspekte herauszufiltern.

Jede Religion ist ein Ganzes

Jede Religion muss als Ganzes und in sich eigenständig wahrgenommen werden. Sie ist ein unteilbares Ineinander verschiedenster Elemente, ein dichter Bildteppich, in dem alle Teile so eng verschränkt sind, dass sie nur im Gesamtkontext ihre eigentliche Bedeutung erhalten. Ein solcher Ansatz widersetzt sich Versuchen, theologische Systeme der anderen Religion in fremde Kategorien zu pressen oder eine theologische Mitte des Islam aus christlicher Sicht zu benennen, was zu Verzerrungen führen kann. Einzelne Motive oder Koranverse, die isoliert und ohne ihren Kontext präsentiert werden, können leicht zu christlichen „Widerlegungen“ missbraucht werden. Sich auf eine Religion als Ganzes einzulassen und sie aus ihrem eigenen Sinnzusammenhang verstehen zu wollen, gelingt nur durch ein „Ethos des Dialogs“, das den anderen so versteht, wie er sich selbst versteht. Dazu bedarf es der Begegnung mit Vertretern der fremden Religion und ihres Selbstverständnisses. Ein solches Gespräch kann nur in persönlicher Ehrlichkeit und Treue zur eigenen Tradition geführt werden, wobei Unterschiede und Gegensätze deutlich werden und immer wieder an Grenzen des Verstehens gestoßen wird.

Ein Beispiel: Das islamische und das christliche Menschenbild

Am Menschenbild lassen sich die genannten Grundsätze verdeutlichen. Beide Religionen bekennen, dass Gott den Menschen schuf, und teilen Grundwerte wie Dankbarkeit für die Schöpfung, Verantwortung, Solidarität, Sinngebung eines nicht egoistischen Lebens, Geborgenheit aus dem Glauben an Gott, Kritik an der Vergötzung innerweltlicher Ziele, Einsatz für Schwächere und Achtung der Menschenwürde.

AspektChristliches MenschenbildIslamisches Menschenbild
Ursprung der WürdeGeschaffen zum „Bild Gottes“, als Gott entsprechendes, verantwortliches Gegenüber.Diener (´abd) und Stellvertreter (khalifa) Gottes auf Erden.
Fähigkeit zum GotteswillenKann Gottes Willen nicht erfüllen, da durch Sünde dem Ungehorsam verfallen. Benötigt Erlösung.Von Natur aus (fitra) auf Gott ausgerichtet, kann Gottes Willen erkennen und leben. Benötigt lediglich Rechtleitung.
Sünde und ErlösungDurch Sündenfall unfähig, Gottes Willen zu erfüllen; Gott selbst kommt in die Welt zur Erlösung.Kein Sündenfall, der die Möglichkeit verschließt. Benötigt keine Erlösung im christlichen Sinne, sondern Rechtleitung durch Propheten und Schriften (Koran).
Rolle JesuDer Erlöser, untrennbar verbunden mit der Gotteslehre und der Erkenntnis, dass Gott zum Menschen kommt, um diesen zu erlösen.Prophet, nicht der Erlöser. Ablehnung der Trinitätslehre, da keine Erlösung und somit kein besonderes Kommen Gottes zum Menschen nötig ist.

Viele Begriffe klingen vertraut, doch im Zentrum der Lehre vom Menschen liegt eine erhebliche Differenz, die scheinbare Übereinstimmungen als Unterschiede oder Gegensätze erweist. Nach christlicher Lehre kann der Mensch Gottes Willen nicht erfüllen, da er durch die Sünde dem Ungehorsam verfallen ist und der Erlösung bedarf. Im Islam gibt es keinen Platz für eine dem christlichen Glauben vergleichbare Erlösungslehre, was weitreichende Konsequenzen für die Gotteslehre, Christologie, das Geschichtsverständnis und die Bedeutung Abrahams hat. Die Bedeutung Jesu als Erlöser im Christentum und als Prophet im Islam ist untrennbar mit dem jeweiligen Gottes- und Menschenverständnis verbunden. Das Bekenntnis zum dreieinen Gott hängt untrennbar mit der Erkenntnis zusammen, dass Gott zum Menschen kommt, um diesen zu erlösen. Die Ablehnung der Trinitätslehre im Islam ist mit der Überzeugung verbunden, dass der Mensch keiner Erlösung und keines besonderen Kommens Gottes bedarf.

Es zeigt sich, dass vieles, was auf den ersten Blick als Gemeinsamkeit erscheint, bei genauerem Hinsehen unverwechselbare Besonderheiten und Differenzen erkennen lässt. Gleichlautendes bekommt durch das andere Netz des Gesamtzusammenhangs eine andere Bedeutung. Es ist wichtig, Verbindendes und Trennendes im jeweiligen Gesamtzusammenhang zu sehen und einen Weg zu finden, der die Differenzen zu verstehen lehrt und trotz der Differenzen den Respekt vor der anderen Religion vertieft. Dies gilt auch angesichts einer wachsenden Radikalisierung einzelner islamistischer Gruppierungen, die mit politischem Extremismus und terroristischen Aktionen das Bild des Islam verzerren. Ohne die Gefahren zu verharmlosen, sind soziale Ursachen zu analysieren und die Politisierung religiöser Identität wahrzunehmen, was die Notwendigkeit zum Dialog unterstreicht.

Grundsätze der Begegnung

Das theologische Gespräch mit dem Islam erwächst aus der Begegnung mit Muslimen und führt in diese zurück. Die Begegnung findet auf verschiedenen Ebenen statt: im alltäglichen Zusammenleben, im offiziellen Dialog oder im gemeinsamen Handeln für das gesellschaftliche Miteinander. Nur aus der Gemeinschaft des Zusammenlebens kann gegenseitiges Verstehen entstehen und die Anerkennung des anderen wachsen. Die Kirchen sollten daher nicht nur flüchtige Begegnungen, sondern das Zusammenleben mit Angehörigen anderer Religionen suchen. Die Weltmissionskonferenz von Bangkok (1972) sprach von „Dialog in Gemeinschaft“, die VELKD und die Arnoldshainer Konferenz von „Konvivenz“, beschrieben als „gegenseitige Hilfeleistung, als wechselseitiges Lernen und als gemeinsames Feiern“. Konvivenz bedarf der Informiertheit und des Respekts vor der anderen Religion.

Gegenseitiges Zeugnis

Im alltäglich geteilten Leben wachsen das Interesse am besseren Verstehen und authentische Fragen nach dem Selbstverständnis des anderen: „Was feierst du?“, „Was glaubst du?“, „Wer lehrt dich, so zu leben?“. Konvivenz schließt das Zeugnis gegenüber Muslimen nicht aus, sondern führt in das Zeugnis des Lebens und Glaubens hinein, in das Zeugnis von Wort und Tat, das nur in sensibler Wahrnehmung und Achtung vor dem gelebt und ausgesprochen werden kann, was dem anderen in seinem Glauben wichtig ist. Der Auftrag zum Zeugnis und die Bereitschaft zum Dialog dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Christen können keinen Dialog mit Muslimen führen, ohne ihren Glauben zu bezeugen, aber auch kein Zeugnis geben, ohne ihr Zeugnis zu hören und mit ihnen zu reden. In der Offenheit gegenüber der anderen Religion müssen auch kritische Fragen an den eigenen christlichen Glauben ernst genommen werden, als Herausforderung, über die Konsequenzen nachzudenken, die sich aus dem christlichen Glauben für unser Leben ergeben.

Für Christen ist es selbstverständlich, von ihrem Glauben Zeugnis abzulegen. Dieses Zeugnis ist das Nervenzentrum allen missionarischen Handelns der Kirche. Mission als Sendung ist ein Wesensmerkmal der Kirche, des wandernden Gottesvolkes, das gesandt ist, Gottes Liebe zu den Menschen zu bezeugen. Die Kirche ist ihrem Auftrag nach missionarisch. Wir sind Muslimen das Zeugnis dessen schuldig, was uns im Innersten unseres Glaubens bewegt. Mission ist kein Mittel kirchlicher Herrschaft, sondern dient dem Menschen – im Gehorsam gegenüber Gott, der sich in Knechtsgestalt als wahrer Herr erwies und allen Menschen offenbar werden will.

Wir sind uns bewusst, dass auch der Islam eine missionarische Religion ist und fromme Muslime ihr Leben als Glaubenszeugnis der Tat verstehen und zur Ausbreitung ihrer Religion beitragen wollen. Eine gemeinsame Erklärung von Vertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen und des Muslimischen Weltkongresses (Chambésy, 1976) stellt fest, dass „Muslime und Christen das uneingeschränkte Recht haben müssen, zu überzeugen und überzeugt zu werden und ihres Glaubens zu leben sowie ihr religiöses Leben so zu ordnen, dass es mit ihren jeweiligen religiösen Pflichten und Prinzipien übereinstimmt.“

Authentizität der Gesprächspartner

Die Begegnung zwischen Christen und Muslimen ereignet sich zwischen Individuen, die sich mit ihren Lebensformen und Glaubensüberzeugungen einbringen. Jede Begegnung lebt davon, dass die Partner mit ihren persönlichen Meinungen geachtet und ernst genommen werden. Gefahr besteht, wo einzelne Gesprächspartner mit dem Islam oder Christentum als Ganzes identifiziert werden, etwa wenn sie (indirekt) mit politischen oder gesellschaftlichen Missständen in islamisch geprägten oder „westlichen“ Ländern behaftet werden. Meinungsäußerungen, mit denen sich Muslime oder Christen von diesen Missständen abgrenzen, werden dabei leicht als bedeutungslose Einzelpositionen abgetan. Dennoch sind Christen und Muslime immer in größere familiäre, soziale, politische und religiöse Zusammenhänge eingebunden und werden als deren Repräsentanten angesehen. Es ist zu hoffen, dass Gesprächspartner sachkundig Auskunft geben und Entwicklungen zumindest aus persönlicher Sicht authentisch kommentieren können.

Wechselseitige Gastfreundschaft

Zur Gastfreundschaft fühlen wir uns durch die Erfahrung des Petrus in der Apostelgeschichte (Apg 10) ermutigt: Gottes Geist forderte ihn auf, sich von Andersgläubigen einladen zu lassen und mit ihnen Tischgemeinschaft zu halten, obwohl dies den Reinheitsvorschriften widersprach. Schon früh lernte die Kirche, uneingeschränkt Gastfreundschaft zu üben, die sprachliche, soziale und rassische Grenzen überwindet und so zum Kennzeichen des Urchristentums wurde, was wesentlich zur Anziehungskraft der neuen Religion beitrug. Gastfreundschaft beruht immer auf Wechselseitigkeit. Dass Christen sich von religiös Fremden einladen ließen, führte zum Dialog und prägte ihre Botschaft, verlieh ihr jene Weite, in der das Christentum zu einer Weltreligion werden konnte.

Teilnahme an Festen

Feste sind Orte, an denen Gastfreundschaft in besonderer Weise gewährt und erlebt werden kann. Hier ist der Fremde als Gast willkommen, und Gastgeber und Gast können sich an Regeln orientieren, die dem Fremden einen respektierten Platz in der Gemeinschaft zuweisen und ihm zugleich die Freiheit lassen, sich so weit auf die Atmosphäre der anderen Religion einzulassen, wie er es verantworten kann. Hier kann Begegnung so stattfinden, dass beide, Christen und Muslime, ganz beim anderen sind und doch zugleich sie selbst bleiben. Die Kraft der Konvivenz ist die Liebe, und das Fest ist ihr besonderer Ausdruck, denn „wo die Liebe sich freut, da ist das Fest“ (Chrysostomos).

Ein Festtag ist als gefeiertes Leben eine Vorwegnahme erhoffter und eine Ermutigung zu gelingender Beziehung. Es verändert den Alltag nicht, aber es überstrahlt ihn und wirkt in ihn hinein. Wer sich auf dem Fest begegnet ist, grüßt sich im Alltag anders als zuvor. Nähe wird erlebt, aber Distanz und wechselseitiger Freiraum bleiben gewahrt – Grundvoraussetzung für den nötigen Respekt. Miteinander zu feiern, verstärkt soziale Identitäten und prägt das Bild in der Öffentlichkeit. Nachbarschaftsfeste, Kirchentage, religiöse Feste im christlichen und islamischen Jahreszyklus oder die Geburt eines Kindes bieten Möglichkeiten zu solcher Begegnung. Vielerorts werden offene Einladungen zu religiösen Festen ausgesprochen. In Ägypten etwa laden sich Glieder verschiedener Religionsgemeinschaften gegenseitig zu festlichen Anlässen ein (z.B. zum Fastenbrechen). Auch für christliche Kirchen in Minderheitensituationen ist dieses Beispiel gegenseitigen Respekts wichtig, um die Verbindung unter den Religionen nicht abreißen zu lassen. In vielen deutschen Kirchengemeinden ist es Brauch geworden, zu hohen Festtagen gegenseitig Einladungen auszusprechen und Geschenke oder Glückwünsche auszutauschen.

Erfahrungen in verschiedenen Kontexten

Die Begegnung mit Muslimen ist auch Aufgabe der gesamten christlichen Gemeinde an ihren unterschiedlichsten Orten und unter verschiedenen Bedingungen. Im nachbarschaftlichen Zusammenleben ergeben sich andere Erfahrungen als in christlich-islamischen Gesprächsgruppen. Kirchengemeinden in Innenstädten stellen sich andere Fragen als in ländlichen Gebieten. Das politische und gesellschaftliche Umfeld in Deutschland unterscheidet sich gänzlich von dem der Christen in islamisch geprägten Ländern, die in ihrer Minoritätensituation viel Leidvolles erleben. Es ist wichtig, sich über diese unterschiedlichen Erfahrungen auszutauschen und sie in die eigenen Überlegungen einzubeziehen. Besonders die orientalischen Christen brauchen Unterstützung als Glaubensgeschwister, und sie bitten darum, ihre Situation öffentlich anzusprechen. Gleichzeitig ist von ihnen Verständnis zu erwarten, dass die christlich-islamische Begegnung in Deutschland unter anderen Vorzeichen stattfindet als in ihren Ländern.

Die Rolle der „Grenzgänger“

Um wirklich in den Raum und das Selbstverständnis der anderen Religion einzudringen, braucht es „Grenzgänger“ und „Grenzgängerinnen“, die in der Kraft der Liebe Christi und unter der Leitung des Heiligen Geistes zwischen den Religionen wirken. Sie laden Fremde ein und begleiten sie, sodass sie sich in der fremden Religionsgemeinschaft sicher fühlen. Solche Grenzgänger sollten sich aber auch stellvertretend für die eigene Gruppe in die fremde Religionsgemeinschaft begeben und diese von innen heraus kennenlernen, um als Fremdenführer in der anderen Religion vertrauenswürdig zu sein. Oft waren es Charisma und Engagement Einzelner, die den Verständigungsprozess vorantrieben, wie der innerchristliche Dialog nach dem Krieg oder der Dialog mit dem Judentum zeigen. Obwohl der innerchristliche Dialog auf einer prinzipiell anderen Ebene stattfindet, brauchen wir auch in der Begegnung mit dem Islam solche Grenzgänger zwischen den Kulturen und Religionen, Menschen mit teilnehmender Erfahrung, die uns durch ihre doppelte Heimat (z.B. durch religionsverschiedene Ehe oder Dialog des Lebens) helfen können.

Hoffnung auf ein vertieftes Verständnis

Wir hoffen, dass der Geist Gottes die Kirchen durch die Begegnung mit dem Islam zu vertieftem Respekt vor Andersgläubigen und zu neuen Möglichkeiten gegenseitigen Verstehens führen kann. Wir vertrauen uns ihm an und wissen, dass er uns nicht von Christus weg, sondern in neuem Reichtum zu ihm hinführt. Indem Christen mit divergierenden Antworten konfrontiert werden, können sich für sie unerwartete theologische Einsichten in das Geheimnis des Glaubens an den dreieinen Gott erschließen – vorausgesetzt, sie sind bereit, die Anfragen an den christlichen Glauben als ernsthafte Herausforderungen anzunehmen.

Das christliche und das islamische Gebet

Aus dem gemeinsamen Leben und Handeln kann das Bedürfnis entstehen, Hoffnungen, Ängste und Dank im Gebet vor Gott zu bringen. Die Frage nach den Möglichkeiten und Bedingungen des gemeinsamen Gebets stellt sich in Krisensituationen, in religionsverschiedenen Ehen oder in christlich-islamischen Gruppen. Ein solches gemeinsames Gebet ist weder für Christen noch für Muslime eine Selbstverständlichkeit, da sich hier alle Schwierigkeiten der unterschiedlichen Glaubens- und Gotteserkenntnis bündeln. Die Frage, ob und wie Christen und Muslime gemeinsam beten können, ist theologisch umstritten, wird aber in der Praxis oft gewagt.

Christliches Beten

Die christliche Tradition kennt eine Vielfalt von Gebetsformen, deren Mittelpunkt das Vaterunser als Gebet Jesu bildet. Christen beten immer, auch unbewusst, „durch unseren Herrn Jesus Christus im Heiligen Geist“. Unser Gebet als Christen ist Ausdruck der Gotteskindschaft, zu der Christus uns befreit hat und in die uns der Geist Gottes versetzt. Wie Jesus als Sohn sich an Gott, den himmlischen Vater, wandte: „Abba, mein Vater!“ (Mk 14,36), so empfangen wir durch ihn den Geist der Kindschaft, durch den wir rufen: „Abba, lieber Vater“ (Röm 8,15; Gal 4,6). Christen beten unbesorgt zu Gott als „unserem Vater in dem Himmel“ – „in Jesu Namen“ (Joh 4,13; 16,23f.; 1. Kor 1,2). Dies gibt uns die Freiheit, „in allen Dingen“ unsere Bitten „im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden“ zu lassen (Phil 4,6). Muslime stillschweigend in diese Unbefangenheit vereinnahmen zu wollen, wäre unredlich und respektlos, da der Koran ausdrücklich vor den zentralen christlichen Glaubensaussagen warnt, die das christliche Gebetsverhalten begründen.

Muslimisches Beten

Das muslimische Pflichtgebet (salât), fünfmal täglich verrichtet, setzt rituelle Reinheit und genaue Einübung voraus. Es markiert eine Grenze zwischen Gläubigem und Ungläubigem und richtet sich nach dem Sonnenstand. Das tiefe Sichniederbeugen im Gebet ist Ausdruck der ganzen Hingabe an den Einen und Einzigen Gott. Im Pflichtgebet werden Koranverse rezitiert, wodurch Gottes heiliges Wort wieder vor ihn selbst gebracht wird. An das rituelle Gebet fügt sich oft ein meditatives Gottesgedenken (dhikr), oft mit einer Perlenschnur als Zählhilfe, um Gott leise und selbstvergessen zu preisen. Für die mystische Frömmigkeit im Islam ist solches Gottesgedenken von besonderer Bedeutung. Schließlich gibt es im Zusammenhang mit dem Pflichtgebet die Möglichkeit des frei formulierten Gebets (du´a), das jederzeit und überall in der Muttersprache gesprochen werden kann. Muslime halten es für möglich und wünschenswert, solche Gebete mit Andersgläubigen gemeinsam zu sprechen, etwa als Bitte um Frieden oder als Fürbitte für Kranke, Notleidende oder Verstorbene.

Gemeinsames Beten? Möglichkeiten und Grenzen

Kann es bei solch unterschiedlichen Auffassungen ein gemeinsames Beten geben? Gottes Geist lässt sich nicht in von uns vorgeschriebene Kanäle zwingen. Die Möglichkeit eines solchen Gebets muss nicht von der Bedingung abhängig gemacht werden, dass zuvor die unterschiedliche Gotteserkenntnis theoretisch auf einen gemeinsamen Nenner gebracht wurde. Gottes Wirklichkeit geht weit über unser menschliches Begreifen hinaus, worin Christen und Muslime übereinstimmen. Das Wagnis, trotz unterschiedlicher Überzeugungen zur Anrufung des einen Gottes einzuladen und sich einladen zu lassen, kann zu neuen Einsichten führen. Andererseits ist Gottes Geist kein Geist der Beliebigkeit. Er bindet uns an Gottes Wort und schärft das Gewissen. Das Gewissen darf nicht verbogen werden, und Gebet darf nicht instrumentalisiert werden. Daher dürfen bestehende Unterschiede nicht überspielt und missachtet werden. Aufrichtigkeit, Sensibilität und Augenmaß sind unabdingbar.

Art des GebetsBeschreibungMerkmale und Implikationen
Multireligiöses GebetJeder betet in seiner Weise zu Gott (z.B. wie 1986 in Assisi).Christen und Muslime beten nacheinander im vorgegebenen Ritus ihrer Tradition. Der jeweils andere ist eingeladen, schweigend oder mit innerer Teilnahme anwesend zu sein. Wahrt die Integrität der einzelnen Gebetsriten; begegnet der Sorge vor unangemessener Vermischung der Glaubenstraditionen.
Interreligiöses GebetSeinem Wesen nach grenzüberschreitend.Anliegen, Wortwahl, Form und Ablauf müssen zuvor von allen Beteiligten besprochen und gemeinsam festgelegt werden. Ziel ist, Texte und Ablauf so zu gestalten, dass Gläubige beider Religionen sie bejahen und Gott anbeten können. Oft bewährt haben sich lobpreisende Texte.

Die Frage, ob wir als Christen und Muslime „nebeneinander“ (multireligiös) oder „miteinander“ (interreligiös) beten können, wird unterschiedlich beantwortet. Die Unterschiede im Gebetsverständnis, die mit dem unterschiedlichen Gottes- und Menschenbild begründet sind, müssen respektiert und dürfen nicht übergangen oder verwischt werden. Dies verwehrt uns, uns im gemeinsamen Gebet mit Muslimen vor Gott zu vereinen. Doch im Sinne menschlicher Verbundenheit können wir in einer multireligiösen Situation mit innerer Anteilnahme gleichsam nebeneinander beten. In solchem Beten lässt sich Gemeinschaft erfahren, auch wenn dabei die tiefgreifenden Unterschiede nicht beseitigt sind. Wir stellen es Gott anheim, wie er solches Beten annimmt.

Gott erhört Gebete

Die Frage, welches Gebet Gott tatsächlich erreicht, stellt sich für uns Christen zuerst im Blick auf unser eigenes Gebet. Jedes unserer Gebete, selbst das formal korrekteste, kann Gott nur dann erreichen, wenn er unser unvollkommenes Gebet in freier Gnade annimmt und in seinem ungeschuldeten Erbarmen erhört. Vertrauen wir auf seine Gnade und sein Erbarmen, so dürfen wir glauben, dass er auch unsere unzulänglichen, ja verkehrten Gebete erhören will. Eben das gibt uns die Hoffnung, dass Gott in seiner Gnade auch die Gebete von Nichtchristen, auch die Gebete von Muslimen, erhören kann und will: als der Gott, der in seinem Erbarmen „will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Tim 2,4). Ist es aber der Gott der Gnade und des Erbarmens, den unsere und ihre Gebete erreichen, dann wenden sich alle Betenden – darauf vertrauen wir Christen – im Grunde und in Wahrheit an denselben einen Gott, den dreieinen, der sich der verlorenen Welt zuwendet und das Zertrennte und Zerstrittene versöhnen will. Das gilt, wie bewusst oder verborgen das den Betenden auch sein mag. Darum glauben wir, dass Gebete von Muslimen ebenso wie die von uns Christen vom dreieinen Gott erhört werden, der uns in Jesus Christus mit sich versöhnt hat und sich im Heiligen Geist vermittelt.

Beten füreinander

Eine traditionelle islamische Auslegung besagt, dass Fürbitten immer erhört werden, was auch die Bitte für Andersgläubige einschließt. Christen haben ihrerseits von der Bibel her den Auftrag, für andere zu beten, und wissen um die Erhörung solcher Gebete. Wir beten auch für Muslime und um ein tieferes gegenseitiges Verstehen. Der Geist Gottes kann Christen und Muslime in dringendstem Beten und großer Dankbarkeit zusammenbringen. Er kommt unserem Gebet zu Hilfe, denn „wir wissen nicht, was wir beten sollen.“ Aber „der Geist hilft unserer Schwachheit auf und vertritt uns aufs beste“ (Röm 8,26).

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

  • Warum ist theologische Orientierung im christlich-muslimischen Dialog wichtig?
    Sie ist notwendig, um das historische und theologische Verhältnis zum Islam zu klären, Feindbilder abzubauen und eine Grundlage für praktisches Zusammenleben zu schaffen, ohne die eigene Identität zu verlieren.
  • Können Christen und Muslime denselben Gott anbeten?
    Beide bekennen einen einzigen Gott. Während Christen den dreieinen Gott in seiner Offenbarung in Jesus Christus verstehen, sehen Muslime Allah als den einen, unteilbaren Gott. Trotz unterschiedlicher Gottesbilder glauben Christen, dass der eine Gott in seiner Gnade auch die Gebete von Muslimen erhört.
  • Was bedeutet „Konvivenz“ im Kontext der christlich-muslimischen Begegnung?
    Konvivenz beschreibt das bewusste Zusammenleben, das über flüchtige Kontakte hinausgeht. Sie beinhaltet gegenseitige Hilfeleistung, wechselseitiges Lernen und gemeinsames Feiern, um Verständnis und Anerkennung zu fördern.
  • Wie sollten Christen mit den theologischen Unterschieden zum Islam umgehen?
    Es ist wichtig, jede Religion als Ganzes und in ihrer Eigenständigkeit wahrzunehmen. Statt selektiver Vergleiche, die Gemeinsamkeiten betonen, sollte man die Differenzen verstehen lernen und trotz dieser den Respekt vor der anderen Religion vertiefen.
  • Ist gemeinsames Gebet zwischen Christen und Muslimen möglich?
    Es gibt unterschiedliche Auffassungen. Multireligiöses Gebet (jeder betet in seiner Weise nebeneinander) wahrt die Integrität der Rituale und ist oft praktiziert. Interreligiöses Gebet erfordert eine gemeinsame Festlegung von Anliegen, Wortwahl und Ablauf. Die tiefgreifenden theologischen Unterschiede im Gebetsverständnis müssen dabei respektiert werden.
  • Welche Rolle spielen „Grenzgänger“ im interreligiösen Dialog?
    „Grenzgänger“ sind Personen, die sich bewusst zwischen den Religionen bewegen. Sie helfen, Vertrauen aufzubauen, Fremde in die eigene Gemeinschaft einzuführen und die fremde Religion von innen heraus kennenzulernen, um ein tieferes, teilnehmendes Verständnis zu ermöglichen.

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