Was bedeutet die Bezeichnung mit dem Kreuz?

Das Kreuzzeichen: Zeichen des Glaubens & Gebets

15/01/2025

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Das Kreuzzeichen ist weit mehr als nur eine Geste; es ist eine tief verwurzelte Praxis im Herzen des christlichen Glaubens, insbesondere für katholische Christen. Ob zu Beginn des Rosenkranzes, vor dem Gebet oder in Momenten der Besinnung und des Dankes, es begleitet Gläubige durch ihren Alltag und ihre spirituellen Rituale. Doch welche tiefe Bedeutung verbirgt sich hinter dieser scheinbar einfachen Bewegung? Was will der Gläubige ausdrücken, wenn er sich mit dem Kreuz bezeichnet? Dieser Artikel taucht ein in die reiche Symbolik des Kreuzzeichens, beleuchtet seine verschiedenen Formen und enthüllt, wie es den Beter in die richtige Stimmung versetzt und ihn an die größten Wohltaten Gottes erinnert.

Was bedeutet die Bezeichnung mit dem Kreuz?
Jener arme, sterbende Soldat legte also durch die Bezeichnung mit dem Kreuz das Bekenntnis ab: „Ich bin ein katholischer Christ und glaube: drei sind im Himmel, die Zeugnis geben, der Vater, der Sohn und der heilige Geist, und diese drei sind eins, eins in der Wesenheit,, gleich in der Macht und gleich in der Gottheit.
Inhaltsverzeichnis

Die universelle Sprache des Kreuzzeichens

Das Kreuzzeichen ist eine universell verständliche Zeichensprache, die über Kulturen und Zeiten hinweg Bestand hat. Es ist ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass sich jemand als katholischer Christ bekennt. Die Geschichte eines schwer verwundeten bayerischen Soldaten im Jahre 1870 auf dem Schlachtfeld bei Beaumont verdeutlicht dies eindrucksvoll. Obwohl er nicht mehr sprechen konnte, reichte sein Kreuzzeichen aus, um von einem vorbeigehenden Feldpater sofort verstanden zu werden. Es war ein stummer, aber kraftvoller Ausdruck seines Glaubens und seiner Identität. Dieses Zeichen ist ein öffentliches Bekenntnis, das vor der ganzen Welt verkündet: „Ich bin ein katholischer Christ.“

Das Große Kreuzzeichen: Ein umfassendes Glaubensbekenntnis

Das sogenannte große Kreuzzeichen ist eine der bekanntesten und bedeutungsvollsten Gebetsgesten im katholischen Christentum. Es ist ein umfassendes Glaubensbekenntnis zur heiligsten Dreifaltigkeit und eine Erinnerung an die fundamentalen Wohltaten Gottes an uns Menschen: Schöpfung, Erlösung und Heiligung. Die Bewegung der Hand, die von der Stirn über die Brust zu den Schultern führt, ist dabei kein Zufall, sondern tief symbolisch:

  • „Im Namen des Vaters“ (Berührung der Stirn): Diese Bewegung, die die Stirn berührt, symbolisiert die Anerkennung Gottes des Vaters als Schöpfer des gesamten Universums und jedes einzelnen Menschen. Sie erinnert uns daran, dass wir durch Seine Allmacht und Güte ins Dasein gerufen wurden. Es ist eine Hingabe unserer Gedanken an Ihn, damit Er sie reinige und lenke.
  • „Und des Sohnes“ (Herunterfahren zur Brust): Wenn die Hand von der Stirn zur Brust fährt, wird die Rolle Gottes des Sohnes, Jesus Christus, in den Mittelpunkt gerückt. Die Brust, als Sitz des Herzens und der Gefühle, steht für die tiefe Liebe und Weisheit, durch die wir erlöst wurden. Es ist das Bekenntnis zu Seinem Opfertod am Kreuz, der uns von Sünde und Tod befreit hat.
  • „Und des Heiligen Geistes“ (Von der linken zur rechten Schulter): Die Bewegung von der linken zur rechten Schulter symbolisiert die Heiligung durch Gott den Heiligen Geist. Die linke Seite wird oft mit dem Verderben assoziiert, die rechte mit dem Leben. So bekennt der Gläubige, dass er durch die Gnade des Heiligen Geistes vom ewigen Verderben auf die Seite des ewigen Lebens gestellt wird. Es ist die Hingabe unserer Triebe, Wünsche und Absichten an den Geist, damit Er sie erleuchte und zur Ehre Gottes lenke.

Das große Kreuzzeichen ist somit nicht nur eine äußere Geste, sondern eine innere Haltung der Anbetung, Dankbarkeit und vollständigen Hingabe an Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, die „eins in der Wesenheit, gleich in der Macht und gleich in der Gottheit“ sind.

Das Kleine Kreuzzeichen: Weihe von Gedanken, Worten und Werken

Neben dem großen Kreuzzeichen gibt es auch das sogenannte kleine Kreuzzeichen, das in bestimmten liturgischen Momenten eine besondere Bedeutung hat. Es besteht darin, drei kleine Kreuze zu zeichnen, während die Namen der Dreifaltigkeit ausgesprochen werden: auf die Stirn, auf den Mund und auf die Brust. Jede dieser Bewegungen hat eine spezifische symbolische Bedeutung:

  • Kreuz auf die Stirn: Durch das Kreuz auf die Stirn weihen wir Gott dem Vater unsere Gedanken. Es ist der Wunsch, dass unsere Gedanken rein, klar und im Einklang mit Gottes Willen sind, damit Er sie reinige und leite.
  • Kreuz auf den Mund: Das Kreuz auf den Mund ist eine Hingabe unserer Worte an Gott den Sohn. Wir bitten Ihn, unsere Worte zu heiligen, damit sie stets wahrhaftig, liebevoll und gottgefällig sind und Sein Evangelium verkünden.
  • Kreuz auf die Brust: Mit dem Kreuz auf der Brust opfern wir Gott dem Heiligen Geist die Regungen und Wünsche unseres Herzens sowie alle unsere Absichten und Werke auf. Wir bitten Ihn, unser Innerstes zu erleuchten und all unser Tun zur Ehre Gottes zu lenken.

Das kleine Kreuzzeichen wird im katholischen Gottesdienst besonders während des Evangeliums und vor der Predigt verwendet. Es ist ein Zeichen, dass wir die Wahrheiten des Evangeliums bereitwillig glauben (Stirn), sie offen und freimütig bekennen (Mund) und sie treu und gewissenhaft befolgen (Brust) wollen.

Vergleich: Großes und Kleines Kreuzzeichen

Obwohl beide Formen des Kreuzzeichens tiefe theologische Bedeutungen tragen und den Gläubigen mit Gott verbinden, unterscheiden sie sich in ihrer Ausführung und ihrem primären Fokus:

MerkmalGroßes KreuzzeichenKleines Kreuzzeichen
AusführungStirn – Brust – linke Schulter – rechte SchulterStirn – Mund – Brust (drei separate, kleine Kreuze)
Primäre BedeutungUmfassendes Glaubensbekenntnis zur Dreifaltigkeit und den Heilstaten (Schöpfung, Erlösung, Heiligung)Weihe und Reinigung unserer Gedanken, Worte und Herzenswünsche
Häufige AnwendungBeginn und Ende von Gebeten, Rosenkranz, Segen, GottesdienstVor der Evangeliumslesung und der Predigt in der Messe
Symbolik der KörperteileStirn (Gedanken/Schöpfung), Brust (Herz/Erlösung), Schultern (Handeln/Heiligung)Stirn (Gedanken), Mund (Worte), Brust (Herz/Wünsche)

Es steht dem katholischen Christen frei, welches Kreuzzeichen er beim Gebet machen möchte, es sei denn, die Liturgie schreibt eine bestimmte Form vor.

Das Kreuz als Sache: Eine Goldgrube der Weisheit

Über die Handlung des Kreuzzeichens hinaus erinnert das Kreuz als Symbol selbst an die tiefsten und herrlichsten Gedanken des christlichen Glaubens. Es ist, wie es der Autor Philipp Hammer ausdrückt, eine „Goldgrube, woraus der Beter unermessliche Schätze von Weisheit und Erkenntnis Gottes heben kann.“ Das Kreuz ist das zentrale Symbol des Christentums, das für Leiden, Opfer, aber auch für Sieg und Hoffnung steht. Es erinnert uns an:

  • Christi Opfer: Das Kreuz ist untrennbar mit dem Opfertod Jesu Christi verbunden. Es ist der Ort, an dem die Liebe Gottes zu den Menschen am deutlichsten sichtbar wurde, wo Jesus aus freiem Willen für unsere Sünden starb und uns die Erlösung brachte.
  • Sieg über Sünde und Tod: Obwohl das Kreuz zunächst ein Instrument der Folter und des Todes war, wurde es durch Christi Auferstehung zum Zeichen des Sieges über Sünde und Tod. Es symbolisiert die Hoffnung auf ewiges Leben und die Überwindung des Bösen.
  • Leiden und Trost: Das Kreuz erinnert uns daran, dass Leiden ein Teil des menschlichen Lebens sein kann, aber auch, dass Christus unser Leiden teilt und uns Trost und Kraft in unseren Prüfungen schenkt.
  • Demut und Gehorsam: Christi Gehorsam bis zum Tod am Kreuz lehrt uns Demut und die Bereitschaft, Gottes Willen zu folgen, selbst wenn es Opfer erfordert.

Wer das Kreuz nicht nur als Geste, sondern als tiefes Symbol betrachtet, wird mit unaussprechlicher Freude und Liebe, besonders gegenüber unserem göttlichen Erlöser, erfüllt. Es ist ein ständiger Quell der Inspiration und der Vertiefung des Glaubens.

Spirituelle Bedeutung und Wirkung

Das Kreuzzeichen ist nicht nur eine äußere Form, sondern hat eine tiefgreifende spirituelle Wirkung auf den Beter:

  • Konzentration und Andacht: Es hilft, den Geist zu sammeln und sich auf das Gebet zu konzentrieren. Es ist ein bewusster Akt, der den Beter in eine Haltung der Andacht und des Respekts vor Gott versetzt.
  • Erinnerung an Gottes Wohltaten: Jede Bewegung des Kreuzzeichens erinnert an die grundlegenden Glaubenswahrheiten und die unermessliche Liebe Gottes, die sich in Schöpfung, Erlösung und Heiligung offenbart.
  • Schutz und Segen: Viele Gläubige sehen im Kreuzzeichen auch einen Schutz vor dem Bösen und eine Bitte um Gottes Segen für sich und ihre Unternehmungen.
  • Bekräftigung der Identität: Es ist eine öffentliche und persönliche Bestätigung der eigenen Identität als Christ und ein Zeugnis des Glaubens.
  • Geste der Hoffnung: In Zeiten der Not und Verzweiflung kann das Kreuzzeichen eine Quelle der Hoffnung und des Trostes sein, da es an den Sieg Christi und die Verheißung des ewigen Lebens erinnert.

Wenn das Kreuzzeichen nicht gedankenlos, sondern bewusst und andächtig vollzogen wird, muss es den Christen immer mit Dankbarkeit und tiefer Ehrfurcht erfüllen.

Häufig gestellte Fragen zum Kreuzzeichen

1. Wann macht man das Kreuzzeichen?

Das große Kreuzzeichen wird häufig zu Beginn und am Ende von Gebeten, beim Betreten einer Kirche, bei Segnungen, zu Beginn und am Ende der Heiligen Messe sowie bei privaten Andachten wie dem Rosenkranz gebetet. Das kleine Kreuzzeichen ist im Gottesdienst üblich vor der Lesung des Evangeliums und vor der Predigt.

2. Muss ich das Kreuzzeichen machen?

Im katholischen Glauben ist das Kreuzzeichen eine tief verwurzelte Tradition und eine empfehlenswerte Praxis, aber keine zwingende Vorschrift für die Gültigkeit des Gebets oder des Glaubens. Es ist eine freiwillige Geste, die den Gläubigen hilft, sich auf Gott auszurichten und seinen Glauben auszudrücken. Es ist jedoch in vielen liturgischen Kontexten eine feste Gewohnheit.

3. Können auch Nicht-Katholiken das Kreuzzeichen machen?

Grundsätzlich steht es jedem frei, das Kreuzzeichen zu machen. Für katholische Christen hat es jedoch eine spezifische theologische Bedeutung und ist ein Ausdruck ihres Glaubensbekenntnisses zur Dreifaltigkeit und den Heilstaten Christi. Wenn Nicht-Katholiken es machen, geschieht dies oft aus Respekt, Neugier oder als Ausdruck einer allgemeinen Spiritualität, ohne unbedingt die volle theologische Tiefe zu erfassen.

4. Was tun, wenn ich die Bewegungen oder die Worte vergesse?

Das Wichtigste ist die innere Haltung und die Absicht. Wenn Sie die genaue Reihenfolge der Bewegungen oder die genauen Worte vergessen, ist das nicht schlimm. Gott schaut auf das Herz. Versuchen Sie es einfach nach bestem Wissen und Gewissen oder konzentrieren Sie sich auf die Stille und die Präsenz Gottes, bis Sie sich wieder sicherer fühlen.

5. Ist das Kreuzzeichen Aberglaube?

Nein, aus katholischer Sicht ist das Kreuzzeichen kein Aberglaube. Es ist eine sakramentale Geste, die den Gläubigen an die heilbringende Kraft Christi erinnert und ihn für die Gnade Gottes öffnet. Es ist nicht die Geste selbst, die magische Kräfte besitzt, sondern die Verbindung zu Gott, die durch sie ausgedrückt und vertieft wird.

Fazit

Das Kreuzzeichen, sei es in seiner großen oder kleinen Form, ist eine der ältesten und bedeutungsvollsten Gesten im christlichen Glauben. Es ist ein einfaches, aber tiefgreifendes Symbol, das den Gläubigen an die heiligste Dreifaltigkeit, die unermesslichen Wohltaten Gottes und die Notwendigkeit der vollständigen Hingabe von Gedanken, Worten und Werken in Seinen Dienst erinnert. Es ist eine „Goldgrube“ der Weisheit und Erkenntnis, die den Beter mit unaussprechlicher Freude und Liebe erfüllen kann. Möge jeder, der sich mit dem Kreuz bezeichnet, dies mit tiefer Andacht und Dankbarkeit tun, um die volle spirituelle Kraft dieser gesegneten Geste zu erfahren.

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