11/02/2022
Das Beten im Namen Jesu ist ein zentrales und oft missverstandenes Konzept im christlichen Glauben. Für viele ist es eine abschließende Floskel am Ende eines Gebets, doch seine wahre Bedeutung reicht weit darüber hinaus. Es ist das Kennzeichen des Gebetes eines Christen, ein Merkmal, das es von Gebeten unterscheidet, die vor Christi Kommen gesprochen wurden. Während Männer des Glaubens zu allen Zeiten zu Gott beteten, ist das Gebet im Namen Dessen, der für uns starb, auferstand und in den Himmel aufstieg, eine einzigartige Offenbarung des Neuen Bundes. In Johannes 14 wird es erstmals erwähnt (V. 13), und unser Herr spricht in Seinen letzten großen Reden nicht weniger als sechs- oder siebenmal davon. Doch was bedeutet es wirklich, in Christi Namen zu beten? Dieser Artikel beleuchtet die tiefgreifende theologische und praktische Dimension dieses wichtigen Prinzips.

Der Kern des Gebets im Namen Jesu: Eine Frage des Charakters
Im Kern bedeutet das Beten im Namen Jesu, gemäß Seiner Gesinnung und nach Seinem Wunsch zu beten. Es heißt, um die Dinge zu flehen, von denen Er will, dass wir sie empfangen. Es ist ein Bekenntnis, dass wir getrennt von Christus als Mittler keine Erwartung haben, dass unsere Bitten gewährt werden. Unsere Anliegen und Bitten sind gleichsam Nullen. Christi Name ist die Ziffer, die vor diese gesetzt werden muss und dann den Wert der ganzen Zahl angibt. Wir zeigen gewissermaßen unseren Scheck an der himmlischen Bank vor, und er wird anerkannt um Christi willen. Nach biblischem Sprachgebrauch steht der Name für die Natur oder die Eigenschaften, den Charakter einer Person. In Christi Namen bitten heißt daher, für solche Sachen zu beten, die übereinstimmen mit Seiner heiligen Natur und Seinen vollkommenen Eigenschaften.
Ein einfaches Gleichnis mag dies verständlicher machen: Angenommen, in einer Stadt lebte ein Mann, der als ein entschiedener Gegner starker Getränke bekannt ist. Alkoholische Getränke will er nicht anrühren, kosten, noch sonst irgendetwas mit ihnen zu tun haben. Einer seiner Dienstboten ginge nun zu dem Kaufmann und verlangte im Namen seines Herrn vier Liter Schnaps. Aber der Kaufmann würde einen solchen Auftrag nicht ausführen, ohne erst ganz genaue Erkundigungen angestellt zu haben. Die verlangte Sache steht in völligem Widerspruch mit dem Charakter des Mannes, in dessen Namen sie verlangt wurde. So ist es zweifellos mit vielen unserer Gebete. Die Anliegen werden nicht gewährt, weil sie nicht von den Eigenschaften des heiligen Namens sind, den wir ihnen beifügen. Um eine Sache, die wir nur zu unserem eigenen Vergnügen haben wollen, können wir nicht in Christi Namen beten.
Jesus als Mittler und die Einheit im Gebet
Die revidierte Übersetzung von Johannes 16,23 gibt einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt: Wir sehen auf Christus als die einzige Grundlage für unser Bitten; der Vater sieht auf Ihn als den einzigen Grund zum Geben. In ihrer Wertschätzung Christi sind Gott und der Gläubige einig, soweit der Endliche überhaupt mit dem Unendlichen übereinstimmen kann. Wir sagen unser Amen zu allem, was Er in Bezug auf Christus sagt, und Gott gibt Sein Amen zu allem, was wir zum Preise unseres Erlösers sagen. Das Gebet im Namen Jesu ist also nicht bloß eine verbale Formulierung, sondern drückt eine tiefere Realität aus: Es ist das Erscheinen vor Gott, gestützt auf den Wert und die Stellung Jesu Christi.
Der Wert Seiner Person, Seine Stellung, Seine Vortrefflichkeit und Herrlichkeit, Seine Wohlgefälligkeit und Seine Rechte, die gegründet sind auf Sein herrliches Erlösungswerk – all das spricht in voller Kraft für uns, und wir können im Glauben davon Gebrauch machen, wie es in Epheser 3,12 heißt: „In welchem (d. h. in Christo Jesu) wir die Freimütigkeit haben und den Zugang in Zuversicht durch den Glauben an Ihn.“ Die andere Seite ist, dass der im Namen eines anderen Erscheinende nicht seine eigenen Gedanken und Wünsche vorbringt, sondern die Gedanken und Wünsche dessen, in dessen Namen er erscheint. Was er sagt, ist das, was der sagen würde, in dessen Namen er es sagt; es ist ebensogut, als ob dieser selbst da wäre und selbst es sagte. Genauso ist es, wenn wir im Namen Jesu vor Gott erscheinen. Wir kommen dann nicht mit unseren Gedanken und Wünschen, sondern diese sind verschwunden und Seine Gedanken erfüllen uns und Sein Wille bestimmt uns. Gedanken und Wünsche sind in Seinem Lichte gesichtet und gerichtet durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes; wir sind in bewusster Abhängigkeit von Ihm und durch Sein Wort unterwiesen über Seine Gedanken und Seinen Willen, und Er Selbst ist es, welcher Herz und Sinn erfüllt und in welchem wir vor Gott sind. Darum ist auch Erhörung gewiss, wenn wir in Seinem Namen beten (vgl. Psalm 37,4; Matthäus 18,19.20; Johannes 14,13.14; 15,7.16; 16,23). Wenn oder insoweit wir keine Erhörung finden, war unser Gebet eben nicht in Seinem Namen, sondern es war da irgendein Mangel auf unserer Seite, denn „Gott ist treu“, was Er zusagt, hält Er gewiss!
An wen beten wir: Vater oder Sohn? – Eine Klärung
Eine häufig gestellte Frage betrifft die Adressierung des Gebets: Sollen wir ausschließlich zum Vater im Himmel und in dem Namen Jesu Christi beten? Diese Lehrmeinung, begründet auf Jesu Gebetsanleitung in der Bergpredigt (Matthäus 6,9) und Seinen letzten Unterweisungen (Johannes 15,16; 16,23), führt oft dazu, dass jedes Gebet mit „Himmlischer Vater“ beginnt und mit „Ich erbitte es in dem Namen Jesu Christi. Amen.“ endet.
Betrachtet man den Wortlaut genau, geht es in Johannes 15,16 und 16,23 keineswegs um die „Aufforderung“, eine Bitte ausschließlich an den Vater zu richten, sondern dies wird entsprechend dem damals üblichen Verständnis vorausgesetzt. Wer aber gewährt das „in Seinem [Jesu] Namen“ Erbetene? An dieser Stelle heißt es zwar: „wird er [der Vater] euch geben.“ Ist es jedoch hermeneutisch korrekt, allein aus diesen beiden Formulierungen eine Ausschließlichkeit abzuleiten und eine strikt abgegrenzte „Rollenverteilung“ zwischen Vater und Sohn zu postulieren?
Die Einheit von Vater und Sohn im Gebet
Um diese These zu überprüfen, muss der gesamte Kontext der „Abschiedsreden“ im Johannes-Evangelium herangezogen werden, insbesondere die vorangegangenen Belehrungen in Kapitel 14, welche gleichsam die Basis bilden. Indem der Sohn ankündigt, dass er zu Seinem Vater gehe, verspricht er den Seinen im Gegenzug:
„Was immer ihr in meinem Namen bittet, dieses werde ich tun, damit der Vater verherrlicht werde in dem Sohn. Wenn ihr etwas bittet in meinem Namen, werde ich es tun!“ (Johannes 14,13-14)
Dieselbe Zusage der Erhörung einer Bitte, die an den Vater gerichtet wird, gilt auch für eine Bitte, die offenbar an den Sohn gerichtet sein muss, da sie von diesem erhört wird: „werde ich es tun.“ Dieselbe Übereinstimmung und Einheit all dessen, was der Vater „tut“ und wen er „sendet“, und dem, was der Sohn „tut“ und wen er „sendet“, ist auch in Bezug auf die Sendung des „Fürsprechers“ und „Trösters“, des Heiligen Geistes, erkennbar. So wie es von dem Sohn in Johannes 14,16 über den Vater heißt: „Und ich werde den Vater ersuchen, und er wird euch einen anderen Fürsprecher geben“, so heißt es parallel dazu von dem Sohn über sich selbst in Johannes 16,7: „Wenn ich nicht weggehe, kommt der Fürsprecher nicht zu euch. Aber wenn ich weggegangen bin, werde ich ihn zu euch schicken.“ Wenn es in derselben Rede einmal der Vater ist, der den „Fürsprecher“ senden wird, und ein anderes Mal gleichermaßen der Sohn, dann ist darin nicht nur kein Widerspruch zu sehen, sondern – ganz im Gegenteil – eine Offenbarung der Übereinstimmung der göttlichen Personen: Es ist derselbe handelnde und sendende Gott, in dem es letztlich keine strikt abgegrenzten „Rollenverteilungen“ am himmlischen Herrschaftsthron gibt, denn „der Vater und ich sind eins“ (Johannes 10,30; vgl. 17,11).
Das biblische Verständnis des „Namens“
Die Frage nach der Bedeutung des Namens Jesu führt uns zum scharfen Gegensatz zwischen dem Wesen Gottes und Seines Wortes einerseits und der Welt und ihrer Sprache andererseits. Wie wenig vermag die Welt in einen Namen hineinzulegen! Es ist nichts als ein Schall – nur ein Name! Wie aber stellt die Schrift die Heiligkeit des Namens Gottes und die Herrlichkeit des Namens Christi in den Mittelpunkt! Hier gibt es nichts Höheres als Seinen Namen, in dem sich alle Knie beugen werden (Philipper 2,10), nichts Größeres für uns, als dass wir an Seinem Namen halten und Seinen Namen nicht verleugnen (Offenbarung 2,13; 3,8).
Der Name bedeutet zunächst eine Kennzeichnung und eine Unterscheidung (1. Mose 5,2; 2,20). Deshalb sind alle Namen, die Gott gibt oder anerkennt, eine Charakteristik, die das Wesentlichste des Genannten ins Licht stellen. Von den vielen, jedem Bibelleser bekannten Beispielen sei nur auf 1. Mose 11,9; 17,5 und vor allem auf die Namen Gottes und Seines Sohnes hingewiesen. Die wunderbaren Tiefen der Namen Gottes entsprechen dem unendlichen Reichtum Seines Wesens und bedeuten die Offenbarung Seiner unveränderten Treue (2. Mose 3,14; Psalm 23,3; 25,11; 124,8; Jeremia 14,7).

Wie Sein Name ewig ist (2. Mose 3,15) und Seine Offenbarungen unverändert bleiben, so auch der Sohn Gottes, der „nicht Ja und Nein“ war, sondern es war „Ja in Ihm“. Alle Gottesverheißungen sind Ja in Ihm (2. Korinther 1,19.20). Er ist gekommen im Namen, d. h. im Wesen, in Kraft und Auftrag Seines Vaters (Johannes 5,43), und was Er tut, tut Er in diesem Namen (Johannes 10,25). Ja, Er hat den Namen, das Wesen Seines Vaters den Menschen geoffenbart (Johannes 17,6.26). Deshalb erhebt Ihn als den Sohn Sein Name über alle anderen Namen (Hebräer 1,4; Philipper 2,9).
Wenn nun Sein Name Sein vollkommenes Wesen bedeutet, so kann seine äußerliche Anwendung von keinerlei Nutzen sein. Hier scheidet sich der Geist aus Gott und der Geist der Welt (vgl. Matthäus 24,5). Der Name Jesu kann in Wahrheit nur durch das Halten des Glaubens und des Wortes bewahrt werden (Offenbarung 2,13; 3,8). Von hier aus fällt Licht auf die füreinander (d. h. wechselweise) eintretenden Verheißungen der Erhörung alles dessen, was wir im Namen Jesu und was wir im Glauben beten! (Matthäus 21,22; Markus 11,24; Johannes 14,13; 15,16; 16,23). Weil Sein Name Sein Wesen, ja Ihn Selbst bedeutet, kann Er nur im Glauben ergriffen und umfasst werden (1. Johannes 3,23; 5,13; Johannes 3,18). Der Name Jesu hat in der Kraft Seines Wesens, Seiner Person selbst Seine Autorität. Deshalb beten wir nur dann mit Seiner Vollmacht, auch das heißt in Seinem Namen (vgl. Esther 2,22; 3,12), wenn wir im Leben und im Gebet mit Ihm Selbst, mit Seinem Wesen und Willen, mit Seiner Person so eins sind, dass wir in nichts im eigenen Namen kommen (Johannes 5,43).
Der Weinstock und die Reben – Die Voraussetzung für wirksames Gebet
Die bekannte Metapher des Weinstocks für das Volk Israel (Psalm 80,9-12; Jesaja 27,2-3; Jeremia 2,21) erläuterte der Meister auf neue, messianische Weise (Johannes 15,1ff). Der Messias erbte die Verheißung, der wahre Weinstock zu sein, und nur wer als Rebzweig am Messias Jesus hängt, ist Miterbe der Verheißungen. Dieses Verhältnis zwischen dem Meister und Seinen Jüngern ist es, welches mit dem Gleichnis vom Weinstock und den Rebzweigen illustriert wird:
„Ich bin der wahre Weinstock […], ihr seid die Rebzweige. Wer an mir bleibt und [bei wem] ich in ihm [bleibe], der trägt viel Frucht, weil ihr ohne mich nichts tun könnt.“ (Johannes 15,1.5)
„In ihm“ zu sein und zu bleiben ist die einzige Voraussetzung dafür, erhörlich zu bitten; denn auf diese Weise ist es „in ihm“ erbeten, d.h. in seinem Willen:
„Wenn ihr [als Rebzweige] an mir [als dem wahren Weinstock] bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was immer ihr wollt, und es wird euch [zuteil] werden.“ (V. 7)
Wiederum wird auch hier (1) weder ein Adressat des Gebets genannt (etwa der Vater), noch (2) wird das explizite Aussprechen des Namens „Jesus“ gefordert. Die Erhörlichkeit ist an der bildlich illustrierten Voraussetzung gebunden, als „Rebzweig“ an dem „Weinstock“ (Rebstock) „zu bleiben“, die Worte des Meisters „in uns“ zu bewahren und infolge dessen an dem Rebstock „viel Frucht zu tragen“.
Einmütigkeit und die Gegenwart des Herrn
Dies entspricht der Verheißung des Meisters auch an anderer Stelle in den Evangelien:
„Wenn zwei von euch sich auf der Erde einigen in Bezug auf jede Sache, die immer sie sich erbitten: Sie wird ihnen von meinem Vater, der in den Himmeln ist, <zuteil> werden.“ (Matthäus 18,19)
Die Voraussetzung für erhörliche Gebetsgemeinschaften ist, dass die Seinen einmütig Fürbitte tun. Weder eine besondere Adressierung ist gefordert, noch eine bestimmte Bittformel („im Namen Jesu“). Das Verständnis im Spätjudentum von Gott als „Vater, der in den Himmeln ist“ wird hier nur als die übliche Anrede vorausgesetzt.
Doch auf welchem biblischen Hintergrund beruht die nachfolgende Verheißung unseres Herrn für das Zusammenkommen Seines Volkes „zu Seinem Namen hin“ (so wörtlich)?
„Denn wo zwei oder drei zusammengekommen sind zu meinem Namen hin, dort bin ich in ihrer Mitte.“ (Matthäus 18,20)
Zum tieferen Verständnis dafür, worauf der Meister anknüpft, hilft ein kurzer Abriss der Heilsgeschichte: Nachdem JHWH-Gott die Israeliten aus Ägypten gerettet und aufgrund des Passah-Opfers geheiligt und nach der Bundesschließung zu dem ihm eigenen „königlichen Priestervolk“ erhoben hatte (2. Mose 19,4-6), ließ er für die Zeit der Wüstenwanderung und danach ein „Zelt der Zusammenkunft“ bauen. Der Zweck war, „damit ich in ihrer Mitte wohne.“ (2. Mose 25,8; 29,44-46). Später wurde dieses „Zelt der Zusammenkunft“ durch den Tempel Salomos ersetzt, über dem der Name Gottes, JHWH, ausgerufen wurde, und die Zusage der Vergebung und Gebetserhörung damit verbunden war (1. Könige 8,3; 2. Chronik 6,32-33; 7,14). Diese Bedeutung des geheiligten Hauses Gottes zieht sich durch die gesamte Geschichte des alten Israels. Dennoch waren diese Strukturen nur „Abbilder der himmlischen Dinge“ (Hebräer 9,23) und „Schatten der zukünftigen Güter“ (Hebräer 10,1), da „der Höchste nicht in Wohnungen wohnt, die mit Händen gemacht sind“ (Apostelgeschichte 7,48).
Jesus als das wahre und ewige Haus Gottes
Alles war nur vorläufig und vergänglich, denn es wies auf das ewige Haus hin, das der kommende Messias bauen würde, der Sohn Gottes (Hebräer 3,6). Dies ist mehrfach durch die alten Propheten vorhergesagt, zuletzt bei Sacharja (6,12-13): „Siehe, da ist ein Mann, Spross ist sein Name – denn unter seinen Füßen wird es sprossen –, der wird den Tempel JHWHs bauen. Ja, er ist’s, der den Tempel JHWHs aufbauen und Herrlichkeit gewinnen wird, und er wird auf seinem Throne sitzen und herrschen und zugleich Priester sein auf seinem Throne.“
Diese Weissagung zielt in erster Linie auf den kommenden Messias, den „Erben aller Dinge“ (Hebräer 1,2). Die wahre Wiederherstellung des „Hauses, über dem der Name Gottes [JHWH] ausgerufen ist“, erfüllte sich in der Auferstehung Seines Leibes, drei Tage, nachdem die Juden das „Tempelheiligtum Seines Leibes zerstört“ hatten (Johannes 2,19.21). So ist Er selbst das wahre Haus Gottes des neuen Bundes! Er ist das wahre und ewige Tempelheiligtum des neuen, messianischen Zeitalters, aus dem heilendes Wasser herausfließt (Hesekiel 47,1-2; Johannes 7,37-38). Die „Herrlichkeit JHWHs“ ist die „Herrlichkeit des Messias“ (2. Korinther 4,4.6), sie wurde ihm vom „Vater der Herrlichkeit“ (Epheser 1,17) verliehen (Johannes 1,14). Wie im Vorbild des irdischen Tempels Salomos vorgeschattet, wird in der Erfüllung von dem Sohn Gottes gesagt, dass die Herrlichkeit Gottes nun „in ihm wohnt“: „In ihm [in] leiblicher [Gestalt] wohnt die ganze Fülle der Gottheit“ (Kolosser 1,9).
Die Gemeinde als Gottes Tempel und Träger Seines Namens
In zweiter Linie zielt die duale, typologisch-messianische Verheißung von der Wiederherstellung des Tempelheiligtums auch auf diejenigen, die durch den neuen Bund in dem Blut des Lammes zum neuen Eigentumsvolk erhoben worden sind. So wie der physische, auferstandene Leib des Messias zum wahren Tempelheiligtum Gottes geworden ist, entspricht die neutestamentliche Gemeinde Gottes als „sein Leib“ (1. Korinther 12,12) ebenfalls diesem Bild. Petrus bezog diese Weissagung vom endzeitlichen Tempelheiligtum auf die neutestamentliche Gemeinde (1. Petrus 2,4-10). Auch Paulus erklärte in 2. Korinther 6,16-18 die alten prophetischen Bibeltexte: „Ihr seid ein Tempelheiligtum des lebenden Gottes, so wie Gott sagte: ‚Ich werde in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mir [das] Volk sein.‘“ (vgl. 3. Mose 26,11.12; Hesekiel 37,27).

Ein wesentlicher Aspekt ist noch zu ergänzen: Indem Gott das Zwölfstämmevolk unter der Bedingung der Einhaltung der Bundestreue als „Seinen Sohn“ angenommen hatte, war über ihm Sein Eigenname ausgerufen: „JHWH“. Das Eigentumsvolk besaß den Namen Seines Eigentümers! „Und alle Völker der Erde werden sehen, dass der Name JHWHs über dir ausgerufen ist.“ (5. Mose 28,10). So wurde der Name „JHWH-ist-Rettung“, „Jeschū’ah“ (Jesus), über dem Sohn ausgerufen, den „der Vater gesandt hat als Retter der Welt“ (1. Johannes 4,14). Und unter dem neuen Bund ist auch über Seinen Miterben derselbe „gute Name ausgerufen“ worden (Jakobus 2,7). Nicht eine rituelle Gebetsfloskel öffnet uns den Himmel, sondern die rechte Stellung vor Gott und eine Herzenshaltung in allen Lebenslagen und Handlungen, wie sie in der Metapher vom Weinstock und den Rebzweigen illustriert und in Kolosser 3,17 im Klartext gelehrt wird:
„Und alles, was immer ihr tut, in Wort oder in Werk, [tut] alles im Namen des Herrn Jesus. Dankt dabei dem Gott und Vater durch ihn.“
Erhörung und Geduld im Gebet
Manchmal stellt sich die Frage, was geschieht, wenn die Erhörung von im Namen Jesu gesprochenen Gebeten auf sich warten lässt. Sollen wir dann mutlos werden und denken, es sei doch wohl kein rechtes Gebet in Jesu Namen gewesen? Gewiss nicht. Das zeigt uns ein Gebet des Herrn Jesus selbst, dessen Erfüllung wir auch noch nicht sehen: jenes am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ (Lukas 23,34.) Ist dieser Bitte Erfüllung schon in die Erscheinung getreten? Nein. Aber sie wird es gewiss an einem späteren Tage, wenn der Herr Sich Seines alten Bundesvolkes wieder annehmen wird, wie die Schrift uns zeigt an vielen Stellen (z. B. Römer 11,26.27 und Jesaja 11,11-13). So dürfen auch wir der Erhörung unserer Bitten in Seinem Namen gewiss sein, auch wenn sie manchmal auf Gottes vollkommenen Zeitplan warten müssen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was bedeutet es, im Namen Jesu zu beten?
Es bedeutet, im Einklang mit Jesu Charakter, Seinem Willen und Seiner Autorität zu beten. Es ist das Bekenntnis, dass wir allein durch Ihn Zugang zum Vater haben und dass unsere Bitten durch Seinen Wert und Sein Werk wirksam werden. Es ist eine Haltung des Herzens, die sich Ihm voll und ganz unterordnet.
Muss ich immer die Worte „im Namen Jesu“ am Ende meines Gebets sagen?
Nein, das ist nicht zwingend erforderlich. Obwohl es eine gültige und bedeutungsvolle Form ist, ist die eigentliche Bedeutung des Betens in Seinem Namen nicht an das Aussprechen einer Formel gebunden, sondern an die innere Ausrichtung und die Herzenshaltung, die mit Seinem Willen übereinstimmt. Wie Kolosser 3,17 zeigt, gilt dies für alle unsere Handlungen.
Kann ich direkt zu Jesus beten?
Ja, absolut. Die Bibel offenbart die Einheit von Vater und Sohn. Johannes 14,13-14 macht deutlich, dass Jesus selbst Gebete erhört, die in Seinem Namen an Ihn gerichtet werden. Da Er und der Vater eins sind (Johannes 10,30) und Er die Fülle der Gottheit in sich trägt, ist das Gebet zu Jesus ein Gebet zu Gott selbst.
Ist „im Namen Jesu“ eine Art Zauberformel?
Nein, ganz und gar nicht. Es ist keine magische Phrase, die den Himmel öffnet. Vielmehr ist es ein Ausdruck der Abhängigkeit, des Glaubens und der Identifikation mit Christus. Die Wirksamkeit des Gebets kommt nicht aus den Worten selbst, sondern aus der Person Jesu, in dessen Autorität und Wesen wir beten.
Was, wenn mein Gebet im Namen Jesu nicht sofort erhört wird?
Eine sofortige Erhörung ist nicht immer garantiert, da Gott in Seiner Souveränität und Weisheit handelt. Das Beispiel von Jesu eigenem Gebet am Kreuz (Lukas 23,34) zeigt, dass Erhörungen manchmal einen längeren Zeitraum oder sogar die Endzeit erfordern können. Wichtig ist, im Glauben zu bleiben und darauf zu vertrauen, dass Gott Seinen Verheißungen treu ist und Seinen vollkommenen Willen zu Seiner Zeit erfüllen wird.
Wie kann ich sicherstellen, dass meine Gebete wirklich in Seinem Namen sind?
Dies geschieht durch ein tiefes Bleiben in Ihm (Johannes 15,4-7), wodurch Seine Worte in Ihnen bleiben und Ihren Charakter prägen. Es bedeutet, sich vom Heiligen Geist leiten zu lassen, die Bibel zu studieren, um Seinen Willen zu erkennen, und eine ständige Gemeinschaft mit Ihm zu pflegen. Wenn Ihr Herz und Ihre Wünsche mit Seinem Herzen und Seinem Willen übereinstimmen, dann beten Sie wahrhaftig in Seinem Namen.
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