Wie unterscheidet sich ein Buddhist von einem Buddhisten?

Die Charedim und Palästina: Eine komplexe Sicht

03/06/2024

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Die ultraorthodoxe jüdische Gemeinschaft der Charedim, oft einfach als „Haredim“ bezeichnet, stellt eine faszinierende und vielschichtige Gruppe innerhalb des Judentums dar. Ihr Leben ist tief in der Einhaltung religiöser Vorschriften verwurzelt, und ihre Weltanschauung wird maßgeblich von der Halacha, dem jüdischen Religionsgesetz, geformt. Während die breite Öffentlichkeit oft ein homogenes Bild dieser Gruppe hat, ist ihre Beziehung zu politischen Fragen, insbesondere zum israelisch-palästinensischen Konflikt, alles andere als einfach. Sie ist von historischen Überzeugungen, theologischen Prinzipien und pragmatischen Realitäten geprägt, die zu einer Bandbreite von Ansichten führen, die von radikaler Ablehnung bis hin zu einer Form der stillschweigenden Koexistenz reichen.

Wie meditieren Buddhistinnen und Buddhisten?
Und weil Buddhistinnen und Buddhisten keinen Gott haben, den sie anbeten können, meditieren sie. Normalerweise meditieren Buddhistinnen und Buddhisten jede und jeder für sich, allerdings gibt es auch Ausnahmen, wie zum Beispiel in Klöstern. Dort lesen Nonnen und Mönche in der Regel zu festen Zeiten gemeinsam Texte aus ihren heiligen Schriften.
Inhaltsverzeichnis

Einblick in die Welt der Charedim: Mehr als nur Tradition

„Charedim“ (auch „Haredim“ geschrieben) bezeichnet ultraorthodoxe Juden, die sich durch eine besonders strenge Einhaltung religiöser Vorschriften auszeichnen. Ihr Alltag ist minutiös nach den Geboten der Tora und den rabbinischen Gesetzen ausgerichtet, was sich in ihrer Kleidung, ihren Ernährungsgewohnheiten und ihrem sozialen Leben widerspiegelt. Für viele Charedim steht das Studium der Tora und die Erfüllung der Mitzwot (Gebote) im Mittelpunkt des Daseins. Diese tiefe spirituelle Verankerung prägt nicht nur ihr persönliches Leben, sondern auch ihre kollektive Identität und ihre Haltung gegenüber der säkularen Welt und politischen Ereignissen. Ihre Abgrenzung von der modernen, säkularen Gesellschaft ist oft ein Mittel, um ihre religiöse Integrität zu bewahren und ihre Traditionen ungestört weiterzugeben.

Historische Wurzeln der Skepsis: Zionismus und Messianische Erwartung

Die Beziehung der Charedim zum Konzept eines jüdischen Staates, und damit zum Zionismus, ist historisch komplex und oft von tiefer Skepsis geprägt. Viele charedische Strömungen standen der zionistischen Bewegung, die zur Gründung des Staates Israel führte, ursprünglich ablehnend gegenüber. Diese Ablehnung war nicht primär politischer Natur, sondern tief theologisch begründet. Nach traditioneller jüdischer Auffassung ist die Rückkehr des jüdischen Volkes in sein Land und die Wiederherstellung der Souveränität ein Ereignis, das nur durch göttliches Eingreifen und das Kommen des Messias geschehen soll. Die Gründung eines Staates durch menschliche Bemühungen, insbesondere durch eine säkulare Bewegung wie den Zionismus, wurde von vielen Rabbinern als eine „Überschreitung des Endes“ (Ketz) oder als eine Anmaßung göttlicher Autorität angesehen. Sie argumentierten, dass das jüdische Volk sich im Exil befinde, einer göttlich verordneten Periode der Zerstreuung, die erst mit der messianischen Erlösung enden würde. Einen Staat vorher zu gründen, könnte diese Erlösung behindern oder sogar eine Sünde darstellen. Diese theologische Haltung führte dazu, dass viele Charedim den frühen zionistischen Siedlungen und Institutionen fernblieben oder sie sogar aktiv bekämpften, da sie darin eine Verweltlichung und eine Abkehr vom eigentlichen Weg Gottes sahen.

Die Neturei Karta: Eine radikale Ablehnung des Staates Israel

Innerhalb der charedischen Welt gibt es Gruppen, die ihre historische Ablehnung des Zionismus bis heute in ihrer radikalsten Form aufrechterhalten. Die bekannteste dieser Gruppen sind die Neturei Karta, wörtlich „Wächter der Stadt“. Diese kleine, aber stimmgewaltige Gruppe lehnt den Staat Israel in seiner Existenz vehement ab. Ihre Argumentation basiert strikt auf der Überzeugung, dass ein jüdischer Staat erst mit der Ankunft des Messias und der vollständigen Erlösung entstehen darf. Sie sehen den heutigen Staat Israel als illegitim und als eine Verletzung der göttlichen Ordnung. Diese Überzeugung führt dazu, dass sie oft öffentlich gegen den Staat Israel protestieren und sich sogar mit Gruppen solidarisieren, die als Feinde Israels gelten, einschließlich palästinensischer Organisationen. Für sie ist die Unterstützung der palästinensischen Sache ein Ausdruck ihrer religiösen Pflicht, gegen eine säkulare jüdische Herrschaft vor dem göttlich bestimmten Zeitpunkt aufzustehen. Sie argumentieren, dass Juden im Exil leben müssen und keine eigene politische Souveränität haben sollten, bis der Messias kommt. Obwohl die Neturei Karta in den Medien oft präsent sind, repräsentieren sie nur eine sehr kleine Minderheit innerhalb der gesamten charedischen Bevölkerung.

Die komplexe Realität im heutigen Israel: Pragmatismus und Abgrenzung

Die Mehrheit der Charedim lebt heute in Israel und hat eine wesentlich pragmatischere Haltung zum Staat entwickelt, auch wenn sie sich oft von der säkularen Gesellschaft abgrenzt. Während die theologische Ablehnung des Zionismus in vielen Kreisen weiterhin latent vorhanden sein mag, haben die Realitäten des Lebens im modernen Israel zu einer Anpassung geführt. Charedische Gemeinden sind auf staatliche Infrastruktur, Finanzierung für ihre Bildungseinrichtungen und soziale Unterstützung angewiesen. Dies hat zur Entstehung charedischer politischer Parteien geführt, wie Shas und Vereinigtes Thora-Judentum, die aktiv am israelischen Parlament teilnehmen. Ihr Fokus liegt jedoch weniger auf der Außenpolitik oder dem israelisch-palästinensischen Konflikt, sondern vielmehr auf der Sicherung der Interessen ihrer Gemeinschaft: Finanzierung von Jeschiwas (religiösen Schulen), Ausnahmen vom Militärdienst, und die Wahrung des religiösen Charakters des Staates in Bezug auf Kaschrut (Speisevorschriften) und Schabbat-Regelungen. Dieser Pragmatismus bedeutet, dass sie mit jeder Regierung koalieren, die ihre spezifischen Bedürfnisse erfüllt, unabhängig von deren politischer Ausrichtung im Konflikt. Sie versuchen, ihre theologische Überzeugung vom Exil mit der praktischen Notwendigkeit zu vereinbaren, in einem Staat zu leben und von ihm zu profitieren, der ihre Existenz ermöglicht und schützt. Ihre Beteiligung am politischen System ist daher oft eine Form der Selbstverwaltung und des Schutzes ihrer einzigartigen Lebensweise, nicht unbedingt eine ideologische Unterstützung des Zionismus.

Minderheitenstimmen: Charedim, die sich für Palästina einsetzen

Abseits der Neturei Karta und der politischen Mainstream-Parteien gibt es auch kleinere charedische Gruppen und Einzelpersonen, die sich aktiv für die Rechte der Palästinenser einsetzen oder gegen die israelische Besatzung protestieren. Diese Gruppen sind ebenfalls eine Minderheit, und ihre Motivationen können variieren, sind aber oft tief in einer ähnlichen anti-zionistischen Theologie verwurzelt, die den Staat Israel als unrechtmäßig ansieht. Sie argumentieren, dass das Land nicht durch Eroberung oder Besatzung, sondern nur durch göttliche Offenbarung im messianischen Zeitalter vollständig beansprucht werden kann. Ihre Aktionen reichen von Demonstrationen gegen Siedlungsausbau bis hin zu Erklärungen, die die Notlage der Palästinenser hervorheben. Sie sehen ihre Solidarität mit den Palästinensern als eine moralische und religiöse Verpflichtung, die aus der Ablehnung eines weltlichen jüdischen Staates und dessen Aktionen resultiert. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Stimmen, obwohl sie existieren, nicht repräsentativ für die breite Masse der Charedim sind, deren Hauptanliegen meist die Bewahrung ihrer religiösen Lebensweise und die Pflege ihrer Bildungstraditionen ist.

Charedische Haltungen zum israelisch-palästinensischen Konflikt: Eine vergleichende Übersicht

Um die Vielfalt innerhalb der charedischen Gemeinschaft besser zu verstehen, hilft ein Blick auf die unterschiedlichen Haltungen, die sie zum israelisch-palästinensischen Konflikt einnehmen:

Gruppe/AnsatzHistorische PositionHeutige Haltung zum Staat IsraelHauptfokus im Konfliktkontext
Neturei Karta & ähnliche radikale Anti-ZionistenStrikte theologische Ablehnung des Zionismus und der Staatsgründung.Lehnt den Staat Israel als illegitim und anti-religiös ab.Offene Solidarität mit Palästinensern, Proteste gegen Israels Existenz und Politik.
Politisch engagierte charedische Mehrheit (Pragmatiker)Historisch skeptisch oder ablehnend gegenüber dem Zionismus, aber Anpassung an Realitäten.Koexistenz mit dem Staat, politische Beteiligung zur Sicherung der eigenen Interessen.Fokus auf religiöse und soziale Themen (Jeschiwa-Finanzierung, Militärdienstausnahmen), weniger auf Nahostpolitik.
Charedische Minderheiten (Pro-Palästina Aktivisten)Ähnlich theologische Ablehnung des Zionismus, die zu aktiver Haltung führt.Kritik an Israels Besatzungspolitik, oft aus religiös-moralischen Gründen.Einsatz für palästinensische Rechte, Proteste gegen Siedlungen, Betonung der Unrechtmäßigkeit der Besatzung.

Häufig gestellte Fragen zu Charedim und Palästina

Sind alle Charedim gegen den Staat Israel?
Nein, definitiv nicht. Obwohl viele charedische Strömungen historisch dem Zionismus kritisch gegenüberstanden, hat sich die Mehrheit der Charedim in Israel pragmatisch arrangiert. Nur eine kleine Minderheit lehnt den Staat in seiner Existenz radikal ab.
Warum lehnen einige Charedim den Zionismus ab?
Die Ablehnung beruht auf einer tiefen theologischen Überzeugung. Sie glauben, dass ein jüdischer Staat nur durch göttliches Eingreifen und das Kommen des Messias errichtet werden darf. Eine menschliche, säkulare Staatsgründung wird als Verstoß gegen die göttliche Ordnung und die Zeit des Exils angesehen.
Engagieren sich charedische Parteien in der Nahostpolitik?
Charedische politische Parteien in Israel konzentrieren sich primär auf interne religiöse und soziale Themen, die das Leben ihrer Gemeinschaft betreffen (z.B. Bildung, Militärdienst, religiöse Gesetze). Sie sind in der Regel nicht aktiv an der Gestaltung der Außenpolitik oder des Friedensprozesses beteiligt, es sei denn, es hat direkte Auswirkungen auf ihre Wählerbasis.
Was bedeutet "Exil" für die Charedim?
Für viele Charedim ist das "Exil" (Galut) nicht nur ein historischer Zustand der Zerstreuung, sondern ein theologisches Konzept. Es ist eine göttliche Prüfung und eine Periode, in der Juden keine eigene politische Souveränität haben sollen, bis die messianische Erlösung eintritt. Dies prägt ihre Haltung zu einem jüdischen Staat vor dem Kommen des Messias.
Gibt es Charedim, die Palästinenser unterstützen?
Ja, es gibt kleinere Gruppen und Einzelpersonen innerhalb der charedischen Gemeinschaft, die sich aktiv für die Rechte der Palästinenser einsetzen oder gegen die israelische Besatzung protestieren. Ihre Motivation entspringt oft derselben anti-zionistischen Theologie, die den Staat Israel als illegitim ansieht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Charedim keine homogene Gruppe in Bezug auf Palästina und den israelisch-palästinensischen Konflikt sind. Ihre Meinungen spiegeln eine komplexe Mischung aus tief verwurzelten theologischen Überzeugungen, historischer Skepsis gegenüber dem Zionismus und den pragmatischen Notwendigkeiten des Lebens im modernen Israel wider. Während die Mehrheit der Charedim sich aus politischen Fragen heraushält oder pragmatisch agiert, um die Interessen ihrer Gemeinschaft zu wahren, gibt es kleine, aber lautstarke Gruppen, die sich offen gegen den Staat Israel und für die palästinensische Sache positionieren. Diese Vielfalt der Ansichten macht das Verständnis dieser Gemeinschaft und ihrer Rolle im Nahostkonflikt besonders nuanciert und herausfordernd.

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