Was sagt die katholische Kirche über die Heiligen?

Heiligenverehrung: Christlich oder Heidnisch?

02/02/2024

Rating: 4.59 (5189 votes)

Die Frage nach der Rolle und der Anrufung von Heiligen ist ein zentrales Thema, das seit Jahrhunderten die Gemüter bewegt und tiefe theologische Debatten auslöst. Insbesondere in der katholischen Kirche spielt die Verehrung von Heiligen eine bedeutende Rolle, während andere christliche Strömungen diese Praxis kritisch hinterfragen. Was genau besagt die katholische Kirche über die Heiligen, und wie unterscheidet sich diese Auffassung von einer kritischen Perspektive, die sich auf das Wort Gottes beruft? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Standpunkte und lädt Sie ein, die Argumente zu prüfen.

Wie viele Heilig-Geist-Gebete gibt es?
Neun Heilig-Geist-Gebete - ausgewählt von Schwester Helene Berger SSpS. du Geist der Wahrheit, die uns frei macht. Du Geist des Mutes, der uns stark macht. Du Geist des Feuers, das uns glaubhaft macht. du Geist der Liebe, die uns einig macht. Du Geist der Freude, die uns glücklich macht. Du Geist des Friedens, der uns versöhnlich macht.
Inhaltsverzeichnis

Die katholische Perspektive: Verehrung und Fürbitte

In der katholischen Lehre wird die Verehrung von Heiligen als eine natürliche Fortführung der Gemeinschaft der Gläubigen verstanden, die über den Tod hinausreicht. Es wird betont, dass die Heiligen nicht angebetet, sondern verehrt werden. Diese Unterscheidung ist für katholische Christen von grundlegender Bedeutung. Sie sehen in den Heiligen nicht Gottheiten, sondern vielmehr Vorbilder des Glaubens und mächtige Fürsprecher bei Gott.

Die Vorstellung, dass die Heiligen auch nach ihrem Tod weiterhin aktiv sind und für die Gläubigen auf Erden Fürbitte tun können, ist ein Eckpfeiler dieser Lehre. Es wird argumentiert, dass der Tod die Liebe und die Verbundenheit zwischen den Gläubigen nicht zerstört. Vielmehr wird angenommen, dass diejenigen, die bereits in der Ewigkeit bei Gott sind, weiterhin für ihre Brüder und Schwestern auf Erden eintreten möchten. Dies geschieht laut katholischer Auffassung nicht aus eigener Kraft der Heiligen, sondern durch ihre Fürbitte bei Gott. Sie sind somit Mittler, die uns helfen, unsere Anliegen vor den Thron Gottes zu bringen, da sie bereits in seiner unmittelbaren Gegenwart weilen.

Ein prominentes Beispiel für diese Praxis ist die sogenannte „Allerheiligenlitanei“. Hierbei handelt es sich um ein umfassendes Bittgebet der katholischen Kirche, bei dem über hundert Heilige angerufen werden, um für ihre Fürbitte zu bitten. Wie in der Wikipedia nachzulesen ist, wird diese Litanei bei feierlichen Anlässen wie Priesterweihen gebetet. Eine kürzere Fassung findet auch bei Taufen und Firmungen Anwendung. Die Anrufung von Heiligen wie der Heiligen Maria, dem Heiligen Michael, dem Heiligen Petrus oder der Heiligen Maria Magdalena ist fester Bestandteil dieser Gebetspraxis. Die Gläubigen bitten: „Heiliger Johannes der Täufer, bitte für uns.“ oder „Alle heiligen Patriarchen und Propheten, bittet für uns.“ Dies unterstreicht die Überzeugung, dass die Heiligen in der Lage sind, unsere Gebete zu unterstützen und vor Gott zu tragen.

Die kritische Sicht: Widerspruch zum Wort Gottes?

Im Gegensatz zur katholischen Auffassung steht eine kritische Perspektive, die sich stark auf das Wort Gottes, die Bibel, beruft. Diese Sichtweise argumentiert, dass die Praxis der Anrufung von Heiligen im Widerspruch zu grundlegenden biblischen Lehren steht. Ein zentraler Punkt der Kritik ist die biblische Aussage, dass der „Tod der Sünde Sold ist“ (Röm 6,23) und dass wir „von Erde sind und wieder zur Erde werden“ (Gen 3,19). Aus dieser Perspektive wird gefolgert, dass die Toten in Gottes Hand ruhen und auf seine „mächtiges Wort zur Auferstehung“ warten. Die Aussage, dass die Toten „ausruhen von ihren Werken“ (Offb 14,13), wird dahingehend interpretiert, dass sie nach dem Tod nicht mehr aktiv für die Lebenden eintreten können.

Die Kritiker dieser Praxis stellen die Frage, ob es wirklich notwendig oder biblisch ist, sich an Heilige zu wenden, wenn Jesus Christus selbst der direkte und einzige Weg zu Gott ist. Sie sehen die Anrufung von Heiligen als eine Art Umweg, der die direkte Beziehung zu Gott durch Jesus Christus untergräbt. Die Analogie „Warum ist es wichtig zum ‚Schmiedle‘ zu gehen, wenn der ‚Schmid‘ da ist?“ veranschaulicht diesen Standpunkt sehr prägnant. Wenn Jesus Christus der „Schmied“ ist, der direkt helfen kann und der Zugang zum Vater ist, warum sollte man sich dann an „Schmiedle“ (Heilige) wenden, die nur vermitteln sollen?

Ein weiterer wichtiger Punkt der Kritik ist die Abgrenzung zwischen „bitten“ und „verehren“. Obwohl die katholische Kirche diese Unterscheidung betont, sehen Kritiker darin oft eine Verwischung der Grenzen zur Anbetung, die ausschließlich Gott zusteht. Die wiederholte Formel „bitte für uns“ in der Litanei wird als eine Form der direkten Anrufung wahrgenommen, die nur dem Schöpfer gebührt.

Das Konzil von Trient: Eine historische Entscheidung

Die Debatte um die Heiligenverehrung ist nicht neu. Sie hat sich insbesondere während der Reformation zugespitzt. Das Trienter Konzil (1545-1563) war die Antwort der katholischen Kirche auf die massive protestantische Kritik und die Herausforderungen der Reformation. Trotz des starken Gegenwindes und der Forderungen nach einer Reform der Kirchenpraxis hielt das Konzil an der altchristlichen Praxis der Heiligenverehrung fest. Es erklärte explizit, dass es „gut und nützlich“ sei, die Heiligen „anzurufen, um von Gott Wohltaten zu erlangen durch seinen Sohn Jesus Christus, unsern Herrn, der allein unser Erlöser und Heiland ist.“

Diese Entscheidung festigte die Position der katholischen Kirche und zementierte die Praxis der Heiligenanrufung als Teil der offiziellen Lehre. Sie unterstreicht, dass die Kirche die Heiligenverehrung nicht als Konkurrenz zu Jesus Christus sieht, sondern als einen Weg, durch Christus zu Gott zu gelangen. Die protestantische Seite sah dies jedoch weiterhin als Abweichung von der biblischen Lehre, die Christus als einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen betont (1 Tim 2,5).

Die zentrale Frage: Anrufung Jesu oder der Heiligen?

Der Kern der Kontroverse liegt in der Frage, wer der zentrale Ansprechpartner im Gebet sein soll. Für die kritische Sichtweise ist die Antwort klar und eindeutig: Jesus Name ist der Schlüssel. Die Bibel gibt hierzu klare Anweisungen. Im Johannesevangelium sagt Jesus selbst zu seinen Jüngern:

  • „Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn.“ (Joh 14,13)
  • „Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben. – Bisher habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.“ (Joh 16,23.24)

Diese Verse werden als direkte Aufforderung verstanden, Gebete unmittelbar an Gott den Vater im Namen Jesu zu richten. Es wird argumentiert, dass Jesus selbst den direkten Zugang zum Vater ermöglicht und keine weiteren Vermittler benötigt werden. Die Betonung liegt auf der Vollmacht und der Autorität des Namens Jesu, durch den alle Bitten erhört werden sollen.

Aus dieser Perspektive wird die Anrufung von Heiligen als Abweichung von diesem klaren biblischen Prinzip betrachtet. Es wird als eine Praxis angesehen, die sich an Menschen oder andere Mächte wendet, anstatt sich ausschließlich auf den Vater Jesu Christi zu konzentrieren. Dies führt zur scharfen Unterscheidung: „Christlich ist, im Namen Jesu zu beten! Heidnisch ist, Götter oder Menschen oder andere Mächte, außer dem Vater Jesu Christi, anzurufen oder anzubeten!“

Vergleich der Standpunkte

Um die unterschiedlichen Auffassungen besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich der Kernpunkte:

AspektKatholische Sicht (gemäß Artikel)Kritische Sicht (gemäß Artikel)
Rolle der HeiligenLebend und bei Gott, tun Fürbitte für Gläubige auf Erden.Ruhen aus von ihren Werken; nicht mehr aktiv für Lebende tätig.
Art der InteraktionHeilige werden „verehrt“ und um „Fürbitte“ gebeten, nicht angebetet.Anrufung von Heiligen wird als „heidnisch“ kritisiert, da sie sich an Menschen richtet.
Grundlage der PraxisGlaube an die Gemeinschaft der Heiligen über den Tod hinaus; Tradition.Das Wort Gottes (Bibel): „Tod der Sünde Sold ist“, „ruhen aus von ihren Werken“.
Weg zur Wohltat GottesDurch die Fürbitte der Heiligen, die ihrerseits durch Jesus Christus wirken.Direkt zu Gott im Namen Jesu Christi, der alleiniger Erlöser und Heiland ist.
Konsequenz für das GebetAnrufung von Heiligen als legitimer Teil des Gebetslebens.Ausschließlich Gebet im Namen Jesu als christliche Praxis.

Häufig gestellte Fragen zur Heiligenverehrung

Darf man Heilige anrufen, damit sie vor Gott für einen bitten?

Aus katholischer Sicht ja, man darf sie anrufen, um ihre Fürbitte zu erbitten. Die Heiligen werden als lebendige Glieder der Gemeinschaft der Kirche verstanden, die durch Christus bei Gott wirken können. Aus kritischer Sicht, basierend auf dem Wort Gottes, ist dies nicht gestattet. Es wird argumentiert, dass die Toten ruhen und nicht mehr aktiv sind, und dass Gebete direkt an Gott im Namen Jesu gerichtet werden sollten.

Was ist der Unterschied zwischen „bitten“ und „verehren“ im Kontext der Heiligen?

Die katholische Kirche macht eine theologische Unterscheidung: „Verehren“ bedeutet, Heilige als Vorbilder und Fürsprecher anzuerkennen, während „bitten“ sich auf ihre Fürsprache bei Gott bezieht. „Anbetung“ (Adoration) hingegen ist ausschließlich Gott vorbehalten. Die kritische Perspektive stellt diese Unterscheidung in Frage und sieht die Praxis des „Bittens“ als eine Form der Anrufung, die über die biblischen Grenzen hinausgeht und die direkte Beziehung zu Gott durch Jesus Christus beeinträchtigt.

Warum ist es aus kritischer Sicht nicht „christlich“, Heilige anzurufen?

Die kritische Sichtweise argumentiert, dass die Bibel klar lehrt, dass Jesus Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist (1 Tim 2,5). Wenn Gebete im Namen Jesu direkt an Gott gerichtet werden können und erhört werden, dann ist jede Form der Anrufung von Menschen (auch von verstorbenen Heiligen) überflüssig und wird als Abweichung von der biblischen Lehre betrachtet, die sich an andere Mächte als den Vater Jesu Christi wendet. Dies wird als „heidnisch“ im Sinne einer Abweichung vom alleinigen Gott-Fokus interpretiert.

Was bedeutet die Aussage „Tod der Sünde Sold ist“ für die Aktivität der Toten?

Diese biblische Aussage (Röm 6,23) wird von Kritikern der Heiligenverehrung dahingehend interpretiert, dass der Tod das Ende der menschlichen Aktivität in dieser Welt bedeutet. Die Toten „ruhen aus von ihren Werken“ (Offb 14,13) und sind nicht mehr aktiv in der Lage, Fürbitte für die Lebenden zu tun oder in das irdische Geschehen einzugreifen. Sie warten auf die Auferstehung.

Welche Rolle spielt das Konzil von Trient in dieser Debatte?

Das Konzil von Trient (1545-1563) war ein entscheidender Moment, in dem die katholische Kirche ihre Lehre zur Heiligenverehrung festigte. Es bekräftigte die Praxis der Anrufung von Heiligen als „gut und nützlich“, trotz der massiven Kritik der protestantischen Reformation. Dies zeigt, dass die Heiligenverehrung tief in der Tradition der katholischen Kirche verwurzelt ist und als integraler Bestandteil des Glaubenslebens verteidigt wurde.

Fazit

Die Frage der Heiligenverehrung ist komplex und wird von unterschiedlichen theologischen Überzeugungen geprägt. Während die katholische Kirche die Verehrung und Fürbitte der Heiligen als einen wichtigen Ausdruck der Gemeinschaft der Gläubigen und als Weg zu Gott durch Christus sieht, betonen kritische Stimmen die Notwendigkeit, Gebete ausschließlich und direkt im Namen Jesu an Gott zu richten, basierend auf klaren biblischen Aussagen. Die Debatte zwischen „christlich“ und „heidnisch“ in diesem Kontext unterstreicht die tiefgreifenden Unterschiede in der Interpretation der Rolle des Menschen nach dem Tod und des direkten Zugangs zu Gott. Für den einzelnen Gläubigen bleibt es eine Frage der persönlichen Überzeugung und des Verständnisses des Wortes Gottes, welcher Weg der Anrufung gewählt wird.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Heiligenverehrung: Christlich oder Heidnisch? kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Glaube besuchen.

Go up