Wann ist der Gedenktag der heiligen Barbara?

Die Heilige Barbara: Schutzpatronin und Mythos

17/01/2022

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Die Heilige Barbara, eine der bekanntesten und beliebtesten Heiligen im christlichen Glauben, ist weit mehr als nur eine historische Figur. Sie ist eine Ikone der Standhaftigkeit, des Glaubens und der Nächstenliebe, deren Verehrung sich über Jahrhunderte und Kontinente erstreckt hat. Ihre Geschichte ist geprägt von Martyrium und Wundern, und ihr Name ist untrennbar mit zahlreichen Berufen, Orten und Traditionen verbunden. Doch wer war diese Frau, deren Vermächtnis bis heute so lebendig ist, und welche Bedeutung hat sie insbesondere in Regionen wie Schlesien, wo ihr Kult tief verwurzelt ist?

Die Legende der Heiligen Barbara: Glaube und Martyrium Die überlieferte Geschichte der Heiligen Barbara führt uns zurück ins 3. Jahrhundert nach Kleinasien, in die Stadt Nicodemia, dem heutigen Izmit in der Türkei. Barbara, eine junge Frau aus reichem Hause, lebte in einer Zeit intensiver Christenverfolgung unter Kaiser Decius (249-251 n. Chr.). Ihr Vater, Dioscuros, ein eifersüchtiger und argwöhnischer Heide, hielt sie oft in einem Turm gefangen, insbesondere wenn er auf Reisen war. Trotz ihres Reichtums empfand Barbara tiefe Einsamkeit und Unglück. Als sie jedoch die christliche Lehre kennenlernte, fand sie darin ihre Bestimmung und ließ sich taufen – ein Akt von immensem Mut in jenen gefährlichen Zeiten.

Die Legende erzählt, dass ihr Vater bei seiner Rückkehr aus einer Geschäftsreise erstaunt feststellte, dass der Turm, in dem er Barbara eingesperrt hatte, statt der üblichen zwei nun drei Fenster aufwies. Als er seine Tochter zur Rede stellte, gestand sie ihm, dass sie Christin sei und die drei Fenster als Symbol für die Heilige Dreifaltigkeit angeordnet hatte. Diese Offenbarung erzürnte ihren Vater zutiefst. Er versuchte vergeblich, sie vom christlichen Glauben abzubringen. Aus Enttäuschung und Wut über ihre unerschütterliche Haltung zeigte er sie schließlich selbst an. Barbara wurde gefangen genommen, gedemütigt und gepeinigt. Nach ihrer Flucht, bei der sie von Bergleuten verraten wurde, erlitt sie den Märtyrertod durch die Enthauptung – vollstreckt durch ihren eigenen Vater. Unmittelbar nach dieser grausamen Tat wurde Dioscuros der Legende nach von einem Blitz erschlagen. Seit dem 5. Jahrhundert wird Barbara als Heilige verehrt, sowohl in der griechisch-orthodoxen als auch in der römisch-katholischen Kirche, was ihre universelle Anerkennung unterstreicht. Sie zählt zu den vierzehn Nothelfern, einer Gruppe von Heiligen, die in besonderen Nöten angerufen werden, und bildet zusammen mit der Heiligen Katharina und der Heiligen Margaretha eine kultische Einheit der drei Jungfrauen und Märtyrerinnen.

Eine Schutzpatronin für viele Berufe: Wer profitiert von Barbaras Schutz? Die Heilige Barbara ist nicht nur die Schutzpatronin der Bergleute, sondern auch vieler anderer Berufsgruppen. Ihr umfangreicher Schutzbereich spiegelt die vielfältigen Aspekte ihrer Legende und ihrer Attribute wider. Hier eine Übersicht der Berufe und die Gründe für ihre Verbindung zur Heiligen Barbara:

BerufsgruppeBegründung des Schutzes
Bergleute, Hüttenarbeiter, Steinhauer, GeologenWegen des Felsens, der sich der Legende nach öffnete, um sie zu verbergen, symbolisiert die verborgene unterirdische Welt des Bergbaus.
Architekten, Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, ElektrikerAufgrund des von ihr beauftragten Einbaus der drei Fenster im Turm und ihrer Verbindung zu Türmen und Festungsbauten.
Artilleristen, Feuerwerker, Goldschmiede, Sprengmeister, Salpetersieder, Büchsenmacher, WaffenschmiedeWegen des Blitzes, der ihren Vater traf, und ihrer Attribute wie Fackel und Kanonenrohre, die mit Feuer und Waffen in Verbindung stehen.
Glöckner, Türmer, GlockengießerAls Patronin der Türme und da viele Kirchenglocken ihren Namen tragen.
FeuerwehrleuteSchutz vor plötzlich auftretenden Schrecknissen wie Blitz, Donner und Feuer.
Bürstenbinder, Hutmacher, Bader, BarbiereWegen der Ähnlichkeit ihres Namens zum lateinischen „barba“ (Bart/Haar) und der Verarbeitung von Haaren oder haarähnlichem Material.
Mädchen, Sterbende, Gefangene, Metzger, Köche, Totengräber, Buchhändler, ProstituierteAls Helferin aller Armen in der Not, aufgrund ihres Martyriums und der allgemeinen Fürsorge.

Diese breite Palette an Schutzpatronaten zeigt die universelle Anziehungskraft der Heiligen Barbara und wie verschiedene Aspekte ihrer Legende im Laufe der Zeit interpretiert und auf die Bedürfnisse der Gläubigen zugeschnitten wurden.

Die Verbreitung des Barbarakults: Von Orient nach Okzident Die Verehrung der Heiligen Barbara hat ihren Ursprung im Orient, ihrer Heimat, und breitete sich von dort aus über die Jahrhunderte hinweg aus. Ihre Legende gelangte im Wesentlichen auf den Wegen der Kreuzzüge, des Handels und der Hanse nach Europa. Über Griechenland und das Mittelmeer fand die Geschichte ihren Weg bis nach England und schließlich sogar nach Mittel- und Südamerika. Diese weite Verbreitung zeugt von der tiefen Resonanz, die ihre Geschichte von Glaube, Leid und göttlicher Gerechtigkeit in den Herzen der Menschen fand. Insbesondere in den Bergbauregionen Europas, wo die Arbeit unter Tage mit ständigen Gefahren verbunden war, wurde sie zur zentralen Figur des Schutzes und der Hoffnung.

Barbara in Schlesien: Ein Beweis tiefer Verwurzelung In Deutschland begann die bergmännische Verehrung der Heiligen Barbara wahrscheinlich zu Beginn des späten Mittelalters, zuerst im sächsisch-schlesischen und im böhmischen Raum. Die Region Schlesien, ein historisch bedeutendes Bergbaugebiet, ist ein eindrucksvolles Beispiel für die tiefe Verwurzelung des Barbarakults. Allein 61 Barbara-Kirchen und Barbara-Kapellen in Schlesien belegen, wie stark die Verehrung dieser Heiligen in den alten Bergbaugebieten verankert ist. Diese Vielzahl an Gotteshäusern, die ihrem Namen geweiht sind, ist ein klares Zeugnis der Bedeutung, die sie für die Bergleute und die gesamte Gemeinschaft hatte und vielerorts noch immer hat. Sie war nicht nur eine Heilige, sondern eine tägliche Begleiterin, die Schutz vor den Gefahren des Bergbaus versprach und Trost in schwierigen Zeiten spendete.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts verlagerte sich die Barbara-Verehrung, die bis dahin für das Bergvolk im Wesentlichen an ihre Arbeitsstätten, ihre Kirchengemeinden oder ihre Wohnsiedlungen gebunden war, in die sich bildenden ersten Knappenvereine. Diese Zusammenschlüsse von Bergleuten waren die ersten, die sich zu gemeinnützigen und auf gegenseitige Unterstützung orientierten Bruderschaften unter den Namen Knappschaft oder Kameradschaft zusammenschlossen. Dabei wurden die engen kirchlichen Bindungen und die Verehrung der Heiligen Barbara in die Bruderschaften übernommen und weitergeführt. Der Barbaratag wurde so zu einem festen Bestandteil des bergmännischen Lebens und der Kultur.

Der Barbaratag und seine Bräuche: Mehr als nur ein Gedenktag Der 4. Dezember ist der Barbaratag, ein Gedenktag, der konfessionsübergreifend und über die Grenzen der Völker hinweg von Bergleuten und vielen anderen Gläubigen gefeiert wird. An diesem Tag huldigen sie ihrer Schutzpatronin in festlichen Veranstaltungen, pflegen alte Bräuche und Rituale und würdigen ihren Berufsstand. Barbarafeiern sind oft von Gedichten, Liedern und festlichen Reden geprägt, die an die Heilige Barbara erinnern. Darüber hinaus werden bergmännische Riten und Gebräuche, wie der Ledersprung und der Knappenschlag, vollführt, die die tiefe Verbundenheit der Bergleute mit ihrer Schutzpatronin und ihrer Tradition unterstreichen.

Besonders bekannt und weit verbreitet ist das Brauchtum der Barbarazweige. Am Barbaratag werden Zweige von Apfel-, Kirsch-, Kastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder Forsythienbäumen geschnitten und in ein geheiztes Zimmer gestellt. Die Hoffnung ist, dass diese kahlen Zweige pünktlich zum Weihnachtsfest erblühen. Dieses Phänomen wird als gutes Zeichen für die Zukunft gewertet. Es gibt zwei Hauptversionen, die den Ursprung dieses Brauches erklären:

  • 1. Version: Es heißt, dass die im kalten Winter verdorrten Blüten auf dem Grab der im 3. Jahrhundert lebenden Heiligen Barbara genau am Abend des 24. Dezember blühten. Dieses Phänomen soll sich alljährlich wiederholt haben. Die so verschönerten „Barbarabäume“ mit weihnachtlichem Schmuck und Süßigkeiten werden sogar als „Vorläufer“ unseres heutigen Weihnachtsbaumes verstanden.
  • 2. Version: Diese geht auf ihre Gefangenschaft zurück. Die Legende besagt, dass Barbara einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzte. In den letzten Tagen im Bewusstsein ihres Todesurteils fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle zu blühen begann.

Attribute und Symbole der Heiligen Barbara Die Heilige Barbara wird in der Kunst und in Darstellungen oft mit spezifischen Attributen versehen, die auf ihre Legende und ihre Schutzpatronate verweisen. Die wichtigsten Attribute der Heiligen sind der Turm und der Kelch. Der Turm, meist mit drei Fenstern dargestellt, erinnert an ihre Gefangenschaft und symbolisiert die Heilige Dreifaltigkeit. Der Kelch, manchmal mit einer Hostie versehen, stammt aus einer sekundären Erweiterung der Legende, wonach ein Engel der zum Tode Verurteilten die Sterbesakramente gebracht habe.

Weitere Attribute, die auf ihre Folter und ihre Schutzfunktionen hinweisen, sind Hammer, Fackel und Schwert. Jüngere Attribute ergeben sich aus ihrer Verehrung als Patronin der Bergleute sowie der Artillerie: Bergmannswerkzeuge und Kanonenrohre. Ihre Darstellung mit dem Turm als Kopfbedeckung auf manchen Bildern soll die hohen Hauben des 15. Jahrhunderts symbolisieren und gleichzeitig ihre Verbindung zu den Hutmachern hervorheben.

Häufig gestellte Fragen zur Heiligen Barbara

Wer war die Heilige Barbara?
Die Heilige Barbara war eine frühchristliche Märtyrerin aus Kleinasien (heutige Türkei), die im 3. Jahrhundert lebte. Sie wurde der Legende nach von ihrem eigenen heidnischen Vater enthauptet, weil sie sich zum Christentum bekannte. Sie gilt als Symbol für Standhaftigkeit im Glauben.

Wie lautet die erste Strophe eines Gebets?
„Wohl gebetet! / Denn zur Tiefe willst du fahren, / Gott allein kann dich bewahren, / Darum schaue erst hinauf! / Hol' vom Herrn dir ein Glück auf!“ So lautet die erste Strophe eines Gebets bzw. Lieds in einem kleinen handschriftlich verfassten Gebetbuch eines Bergmanns der Zeche Hannover aus dem Jahr 1850.

Warum ist sie die Schutzpatronin der Bergleute?
Die Verbindung zum Bergbau entstand, weil die Legende besagt, dass ein Felsen sich öffnete und sie verbarg, als sie vor ihrem Vater floh. Dies wurde als Verbindung zur „verborgenen unterirdischen Welt des Bergbaues“ interpretiert, weshalb die Bergleute sie zu ihrer Patronin wählten.

Was ist der Barbaratag?
Der Barbaratag ist der 4. Dezember und ist der Gedenktag der Heiligen Barbara. Er wird insbesondere von Bergleuten und in bergbautreibenden Regionen feierlich begangen, um ihre Schutzpatronin zu ehren und alte Bräuche zu pflegen.

Was hat es mit den Barbarazweigen auf sich?
Am Barbaratag werden Zweige von Obstbäumen oder Sträuchern geschnitten und in Wasser gestellt. Wenn diese Zweige bis Weihnachten blühen, gilt dies als Glückszeichen für das kommende Jahr. Der Brauch geht auf Legenden zurück, in denen blühende Zweige Trost in Barbars Gefangenschaft spendeten oder an ihrem Grab erblühten.

Ist die Heilige Barbara nur in der katholischen Kirche bekannt?
Nein, die Heilige Barbara wird sowohl von der griechisch-orthodoxen als auch von der römisch-katholischen Kirche verehrt. Sie ist eine der beliebtesten und bekanntesten Heiligen in beiden Traditionen.

Wie viele Barbara-Kirchen gibt es in Schlesien?
Allein 61 Barbara-Kirchen und Barbara-Kapellen in Schlesien beweisen die starke und tiefe Verwurzelung der Barbara-Verehrung in dieser alten Bergbauregion.

Die Heilige Barbara bleibt eine faszinierende Gestalt, deren reiches Erbe in Legenden, Bräuchen und der täglichen Verehrung vieler Menschen weiterlebt. Ihre Geschichte ist eine Mahnung an die Kraft des Glaubens und die Bedeutung von Mut in Angesicht von Widrigkeiten.

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