Was bewirkt Heilungsgebet?

Der Priester im Gottesdienst: Mystagogische Einblicke

16/05/2021

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Der Gottesdienst, insbesondere die Heilige Messe, ist für viele Gläubige das Zentrum ihres Glaubenslebens. Doch was genau tut der Priester während dieser feierlichen Zeremonie, und welche tiefere Bedeutung verbirgt sich hinter seinen Handlungen? Dieser Artikel bietet eine mystagogische Einführung, die nicht nur erklärt, sondern auch erfahrbar macht, wie der Priester als Diener und Stellvertreter Christi das Geheimnis der Eucharistie entfaltet und die Gemeinde in die lebendige Gegenwart Gottes führt.

Was sagt die Mutter der Priester?
Maria, Mutter der Priester, bitte für sie. Maria, Mutter der Gnade, bitte für sie. wo ihnen niemand schaden kann. die täglich Deinen heiligen Leib berühren. die geheiligt sind von Deinem kostbaren Blute. das gesiegelt ist mit dem erhabenen Zeichen Deines glorreichen Priestertums. und schütze sie vor der Ansteckung der Welt.
Inhaltsverzeichnis

Die Gabenbereitung: Das Herbeibringen Unserer Geschenke

Die Gabenbereitung markiert den Beginn des eucharistischen Opfers und ist ein Moment tiefer Symbolik. In der frühen Kirche war dies eine sehr konkrete Handlung: Die Gläubigen brachten ihre Gaben, oft Sachspenden wie Körbe voller Früchte oder Getreide, aber auch Geld für die Armen der Gemeinde, selbst zum Altar. Es war ein Ausdruck ihrer Hingabe und Solidarität.

Im Laufe der Liturgiegeschichte hat sich diese konkrete Handlung in eine symbolischere Form gewandelt. Heute trägt oft ein Ministrant oder ein Vertreter der Gemeinde die Hostienschale und den Kelch zum Altar. Parallel dazu geben wir unsere Gabe in Form der Kollekte für einen bestimmten Zweck. Diese Handlung ist nicht nur eine materielle Spende, sondern ein tiefes Bittgebet: „Gott, ich selbst biete mich Dir an als Geschenk, mit allem, was ich habe. Denn alles verdanke ich Dir allein, und gläubig will ich an Deinem heiligen Fest teilnehmen. Wenn meine Gabe nun vor Dich und Deinen Altar niedergelegt wird, bitte, nimm sie an, wie Du Christi Kreuzesopfer angenommen hast!“ Es ist die bewusste Selbsthingabe, die uns mit dem Opfer Christi verbindet.

Frühe Kirche: GabenbereitungHeutige Praxis: Gabenbereitung
Direkte Sachspenden (Früchte, Getreide, Geld für Arme)Symbolische Darbringung von Brot und Wein (Hostienschale, Kelch)
Gottesdienstbesucher brachten Gaben selbst zum AltarMinistranten oder Gemeindevertreter bringen die Gaben
Konkrete, physische Handlung des OpfersSymbolische und geistige Selbsthingabe der Gläubigen (Kollekte als Ausdruck)

Zurüstung des Altars und Inzensieren: Unser Angebot an Gott

Nach der Gabenbereitung bereiten die Messdiener den Altar vor, indem sie den Kelch mit Korporale und Tuch sowie Wein und Wasser herbeibringen. Der Priester nimmt zunächst das Brot, preist Gott als Schöpfer der Welt und bietet es ihm als Opfer an, damit es uns zur wahren Lebensspeise, zum Brot des Lebens werde.

Ein besonders bedeutungsvoller Moment ist die Vermischung von Wein und Wasser. Nichts im Gottesdienst ist ohne Bedeutung, und diese Handlung ist reich an Symbolik. Sie erinnert an Blut und Wasser, die aus Christi Seitenwunde am Kreuz flossen. Wie das geringe Wasser in den kostbaren Wein übergeht, so werden wir in der Eucharistiefeier eins mit unserem Retter. Der Wein symbolisiert aber auch unser Opfer, den Ertrag der menschlichen Arbeit, die Gott gefallen möge. Und schließlich verbindet sich in Wein und Wasser etwas Neues und Höheres, genau wie Jesus Gott und Mensch zugleich war. Die Vermischung erinnert also auch an den Gott, der ganz Mensch geworden ist.

Nur im feierlichen Hochamt wird nun der Altar beräuchert. Mit dem Weihrauch beten wir Gott an und erweisen ihm die Ehre. Zuerst werden Kreuz und Altar inzensiert, dann der Priester selbst als Diener und Stellvertreter Christi, und schließlich die Gemeinde. Wenn der Diakon oder Messdiener sich verbeugt, erwidern wir diese Geste, nehmen die Ehre an und bedanken uns. Diese Handlung unterstreicht die Heiligkeit des Raumes und der Gegenwart Gottes.

Die Händewaschung: Reinheit und Vergebung

Die Händewaschung des Priesters, auch bekannt als Lavabo, hat ebenfalls eine doppelte Bedeutung. In der alten Kirche, als der Priester noch die konkreten Sachspenden wie Äpfel oder Getreide entgegennahm, war es eine praktische Notwendigkeit, seine Hände zu reinigen. Doch schon früh wurde diese Geste im übertragenen Sinne gedeutet und erhielt eine tiefere spirituelle Dimension.

Indem der Priester leise spricht: „Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mach mich rein!“, erinnert er nicht nur an die Geste des Pilatus, sondern drückt seine eigene Bitte um innere Reinigung aus. Es ist ein Moment der Besinnung und der Demut, in dem sich der Priester bewusst macht, dass er nur durch Gottes Gnade würdig ist, das heilige Opfer darzubringen. Zusammen mit uns, der Gemeinde, bittet der Priester erneut, dass Gott unsere Opfergaben annehme. Dies geschieht durch die Worte: „Der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen, damit wir dich mit ihm verehren, zum Segen und Nutzen für uns und für seine ganze heilige Kirche.“

Dabei breitet der Priester die Arme aus, eine uralte Gebetsgeste. Diese Geste ist nicht nur ein Zeichen der Bitte, sondern symbolisiert auch, wie Jesus am Kreuz die Arme ausgebreitet hat und wie Gott uns mit offenen Armen empfängt. Es ist ein visueller Hinweis darauf, dass hier und jetzt der gekreuzigte und auferstandene Christus gegenwärtig ist und inmitten unserer Gemeinschaft handelt.

Das Eucharistische Hochgebet: Der Höhepunkt der Messe

Das Hochgebet ist das Herzstück der Heiligen Messe und der Moment, in dem die tiefste Mystagogie der Eucharistie entfaltet wird. Es beginnt mit dem feierlichen Dialog des „Sursum corda“.

Sursum Corda: Erhebt die Herzen!

Durch das „Sursum corda“ – „Empor die Herzen!“ oder „Erhebt die Herzen!“ – beginnt die Präfation, die Einleitung des eucharistischen Hochgebetes. Dies ist ein Aufruf zu höchster Aufmerksamkeit und konzentriertem Gebet. In diesem Gebet loben wir den unendlich erhabenen Gott und danken ihm. Wir sind aufgefordert, uns frei zu erheben und zusammen mit den Engeln zu singen, um uns auf die himmlische Dimension des kommenden Geschehens einzustimmen.

Sanctus: Das „Himmlische Fortissimo der Freude“

Nach der Präfation folgt das Sanctus, das „Dreimal Heilig“. In diesem Moment, so heißt es, sehen wir wie Stephanus für einen Augenblick den Himmel offen. Zusammen mit den sechsflügeligen Engeln, den Seraphim, die Gott auf seinem Thron ganz nahe sind und ihn als Wächter umschweben, dürfen wir jubeln und singen. Unser „Dreimal Heilig“ lobt und preist Gott als den Herrn der ganzen Schöpfung, als den Herrn der Herren. Es reißt unsere Messe in den himmlischen Gottesdienst empor, wie Papst Benedikt XVI. (damals Kardinal Ratzinger) es formulierte.

Was ist ein ersteinmal bei einem christlichen Gebet?
Zu Ersteinmal muss man bei einem christlichen Gebet verstehen, dass ein Christ mit seinem Gebet nicht an bestimmten Gegenständen, Orten oder gar Ritualen gebunden ist. Es gibt sogar Christen, die sagen, dass man nicht mal sprechen muss, um zu beten. Es ist keine bestimmte Gebetshaltung nötig, um mit Gott zu reden.

Das Sanctus endet mit den Worten, mit denen die Jünger am Palmsonntag den triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem begleitet haben: „Hochgelobt, der da kommt im Namen des Herrn.“ Dieser Ruf greift einen Psalm auf und erzwingt das Bekenntnis: Er ist der Messias. Wenn wir es nicht rufen, werden die Steine schreien. Solche Loblieder hatte einst auch der Kaiser gehört, wenn er – als Welterlöser gefeiert – in eine Stadt einzog.

Es ist daher kein Wunder, dass es der lateinischen Kirche im 9. Jahrhundert einfiel, zum allerersten Mal beim Sanctus die Orgel zu spielen, die in Byzanz nur bei hohen Staatsakten und zu Ehren des Kaisers erklang. Und es ist kein Wunder, dass gerade diese Anbetung Gottes in der Kirchenmusik besonders oft vertont worden ist. Es ist ein Moment der universellen Anbetung, in dem Himmel und Erde sich vereinen.

Die Wandlung: Christus Mitten unter Uns

Die Wandlung ist der absolute Höhepunkt der gesamten Eucharistiefeier. In diesem zentralen Moment des Gottesdienstes zeugt der Priester mit den Worten Christi dafür, dass Christus wirklich und wahrhaftig mitten unter uns ist. Wenn er sagt: „Das ist mein Leib!“, geschieht ein unfassbares Geheimnis. Wir sehen eben nicht nur Symbole von Christi Gegenwart – das auch und zunächst; und wir veranstalten nicht nur eine Erinnerungsfeier an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern – das auch und weiterhin; sondern: wir feiern diese Messe mit Christus selbst. Er ist nicht nur erinnert, sondern real gegenwärtig und handelnd.

Der Priester zeigt Christus, indem er die Hostie und den Kelch hoch erhebt und so Jesu Gegenwart verkündet. Christus selbst bietet sich Gott so als Opfer an. Folglich sprechen wir auch Christus selbst an, wenn wir bekennen: „Dass du tatsächlich gestorben bist, Christus, glauben wir, und deine Auferstehung werden wir so lange begeistert loben, bis du wiederkommst mit all deiner Macht am letzten Tag!“ Diese Worte sind ein Ausdruck unseres tiefsten Glaubens an das Erlösungswerk Christi und die Erwartung seiner Wiederkunft.

Das Knien: Eine Geste der Demut und Anbetung

Die Wandlung wird als Kern der Eucharistiefeier überdeutlich hervorgehoben: durch das Schellen oder das Anschlagen einer Glocke und die doppelte Kniebeuge des Priesters. Doch wie verhalten wir uns angemessen in diesem Augenblick höchster Heiligkeit? Sollen wir stehen oder knien?

Manche mögen argumentieren, dass dem mündigen Menschen das Knien fremd erscheint. Das Stehen beim Gebet galt schon früh als Symbol von Auferstehung und österlicher Freude. Auch spricht der lateinische Text während der ersten Gedächtnisse von „allen Umstehenden“. Und die heidnische Antike kannte nur den Gebetsgestus im Stehen; mit dem Knien zeigte der ängstlich um Schutz Flehende seine unbedingte Unterwerfung. Ähnlich das Alte Testament: Wer betet, steht vor Gott, schaut nach oben, breitet die Hände aus oder erhebt sie, verneigt sich.

Die unmittelbare Gegenwart Gottes aber zwingt auf die Erde. Abraham wirft sich gar nieder „auf sein Gesicht“, nicht zuletzt kniet Christus selbst: bei seinem Gebet im Garten Getsemaneh. Wenn Christus wirklich vor uns steht, wie anders als im Knien könnten wir auf sein Erscheinen reagieren? Was niemandem zukommt, ihm kommt es zu! Durch Knien ihn anzubeten, scheint nicht Entwürdigung und knechtischer Dienst, sondern Demut, Ehrung, ja ein Vorrecht, ein Privileg gegenüber dem einzigen Mächtigen, der seine Macht nicht missbraucht und bei dem Allmacht und Freiheit keine Widersprüche sind. Gott so zu ehren und zu preisen, ist nichts als die sachgemäße Erkenntnis der wahren Größe von Mensch und Gott. Einzig er, Christus, nicht die Gemeinde oder eine Gruppe, einzig er, nicht der Einzelne oder seine Befindlichkeit, steht im Mittelpunkt des Gottesdienstes.

Argumente für Stehen bei der WandlungArgumente für Knien bei der Wandlung
Symbol der Auferstehung und österlicher FreudeUnmittelbare Gegenwart Gottes zwingt auf die Erde
Lateinischer Text spricht von "allen Umstehenden"Abraham wirft sich vor Gott auf sein Gesicht
Heidnische Antike kannte nur stehendes Gebet (Knien = Unterwerfung aus Angst)Christus selbst kniet im Gebet (Garten Getsemaneh)
Mündiger Mensch findet Knien fremdAusdruck von Demut, Ehrung und Privileg gegenüber dem Allmächtigen
Anerkennung der wahren Größe Gottes und des Menschen

Die Gedächtnisse: Die Gegenwart der Vergangenheit

Die Wandlung, selbst ein Erinnern an Tod und Auferstehung des Herrn, ist umrahmt von Gedächtnissen. Das Christentum ist wie das Judentum wesentlich eine Gedächtnisreligion, in der man an die vergangenen Heilstaten Gottes denkt und sie sich durch die Erinnerung in die Gegenwart transportiert. Es ist eine Glaubensgemeinschaft, in der sich Gott den Menschen zeigt.

Wir denken an die Kirche, die Gemeinschaft der Gläubigen weltweit. Wir denken an die Lebenden, unsere Brüder und Schwestern in Christus. Und wir denken an unsere Toten, die bereits heimgegangen sind. In der Erinnerung an sie alle sind wir wahrhaft katholisch, das heißt allumfassend. Wir danken Gott und bitten ihn um einen Anteil an Christus jetzt und im ewigen Leben. Diese Gedächtnisse verbinden uns mit der gesamten Gemeinschaft der Heiligen, der Kirche in Himmel und auf Erden.

Abschluss des Hochgebets: Das Große Amen

Mit einem feierlichen Lobpreis Gottes schließt das Hochgebet ab. Indem das nun verwandelte Brot und der nun verwandelte Wein erhoben werden, bezeichnet der Priester Christus als den entscheidenden Mittler zwischen Gott und den Menschen. Es ist ein Moment der höchsten Anbetung und des Dankes für das geschenkte Heil.

An kaum einer Stelle ist unser „Amen“, unser „Das ist wirklich wahr!“, wichtiger als jetzt. Es ist die bekräftigende Zustimmung der ganzen Gemeinde zu allem, was im Hochgebet geschehen ist. Es ist unser Ja zum Glauben an die reale Gegenwart Christi und an sein Opfer. Durch dieses kraftvolle „Amen“ machen wir uns die Worte und Handlungen des Priesters zu eigen und bezeugen unseren Glauben vor Gott und der Welt.

Häufig Gestellte Fragen (FAQ) zur Rolle des Priesters im Gottesdienst

Was ist die Hauptaufgabe eines Priesters in der Heiligen Messe?
Die Hauptaufgabe eines Priesters in der Heiligen Messe ist es, Christus in besonderer Weise zu vergegenwärtigen. Er dient als Instrument, durch das die Verkündigung des Evangeliums und die Ausspendung der Sakramente, insbesondere die Eucharistie, vollzogen werden. Er leitet die Gemeinde in der Anbetung, bringt die Gaben dar und steht als Stellvertreter Christi inmitten der Gläubigen, um das Opfer des Herrn zu feiern.
Warum vermischt der Priester Wein und Wasser im Kelch?
Die Mischung von Wein und Wasser im Kelch ist eine symbolträchtige Handlung. Sie erinnert an das Blut und Wasser, das aus der Seitenwunde Christi am Kreuz floss. Theologisch symbolisiert sie die Vereinigung des Menschlichen (repräsentiert durch das Wasser) mit dem Göttlichen (repräsentiert durch den Wein), wodurch wir in der Eucharistie mit Christus eins werden. Es steht auch für das menschliche Opfer und die menschliche Arbeit, die Gott dargebracht werden, und erinnert daran, dass Jesus sowohl ganz Gott als auch ganz Mensch war.
Was ist die Bedeutung der Händewaschung des Priesters (Lavabo)?
Die Händewaschung des Priesters hat sowohl eine historische als auch eine tief spirituelle Bedeutung. Ursprünglich diente sie der praktischen Reinigung nach dem Empfang der materiellen Gaben der Gläubigen. Symbolisch ist sie eine Geste der inneren Reinigung. Der Priester bittet dabei leise um Vergebung seiner Sünden, um würdig zu sein, das heilige Opfer darzubringen. Es ist ein Moment der Demut und der Besinnung auf seine Reinheit vor Gott.
Warum ist die Wandlung der Höhepunkt der Messe?
Die Wandlung ist der Höhepunkt der Messe, weil in diesem Augenblick Brot und Wein durch die Worte Christi, gesprochen durch den Priester, in Leib und Blut Jesu Christi verwandelt werden. Es ist nicht nur eine symbolische Handlung oder eine bloße Erinnerung an das Letzte Abendmahl, sondern die tatsächliche und wahrhaftige Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Christus in unserer Mitte. Der Priester hebt die Hostie und den Kelch empor, um diese reale Gegenwart zu verkünden und das Opfer Christi zu vergegenwärtigen.
Warum knien Gläubige bei der Wandlung?
Das Knien bei der Wandlung ist eine tief verwurzelte Geste der Anbetung und Ehrfurcht. Angesichts der realen Gegenwart Jesu Christi, die in der Wandlung geschieht, ist das Knien eine angemessene Antwort der Demut und des Respekts vor der göttlichen Majestät. Obwohl das Stehen in anderen Kontexten Auferstehungsfreude symbolisiert, wird das Knien hier als Ausdruck der tiefsten Anerkennung der Macht und Heiligkeit Gottes verstanden, der sich in diesem Moment ganz persönlich offenbart.

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