Warum ist der Jesus in den Himmel zurückgekehrt?

Das Abendmahl: Eine offene Einladung Gottes

25/10/2021

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Das Abendmahl, auch bekannt als die Heilige Kommunion oder Eucharistie, ist eines der zentralen Sakramente im christlichen Glauben. Es ist ein Moment der Besinnung, der Gemeinschaft und der Erinnerung an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Doch wer darf an diesem heiligen Mahl teilnehmen? Über Jahrhunderte hinweg gab es unterschiedliche Regelungen und Traditionen, die den Zugang zum Abendmahl bestimmten. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hat in ihrer „Lebensordnung“ eine bemerkenswert offene und inklusive Haltung festgelegt, die das Abendmahl als eine weite Einladung Gottes versteht, die über traditionelle Grenzen hinausgeht. Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen dieser Offenheit und erklärt, was es bedeutet, am Tisch des Herrn willkommen zu sein.

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Inhaltsverzeichnis

Das Abendmahl: Eine Brücke zwischen Himmel und Erde

Bevor wir uns den Zugangsregeln widmen, ist es wichtig, die tiefere Bedeutung des Abendmahls zu verstehen. Es ist nicht bloß eine rituelle Handlung, sondern ein Sakrament, in dem sich Himmel und Erde berühren. Im Abendmahl erinnern sich Christinnen und Christen an den Tod und die Auferstehung Jesu Christi. Brot und Wein – oder in vielen Gemeinden auch Traubensaft – sind sichtbare Zeichen seiner Hingabe und seiner bleibenden Gegenwart. Es ist ein Mahl der Vergebung der Sünden, der Stärkung des Glaubens und der Gewissheit der Auferstehung. Es stiftet Gemeinschaft nicht nur unter den Anwesenden, sondern auch mit allen Christinnen und Christen weltweit und durch die Zeiten hinweg. Es ist ein Vorgeschmack auf das himmlische Festmahl, das uns am Ende der Zeiten erwartet.

Theologisch gesehen ist das Abendmahl ein „Gnadenmittel“. Das bedeutet, dass Gott uns durch dieses Sakrament seine Gnade, Liebe und Vergebung zuspricht. Es ist eine Vergewisserung, dass wir zu ihm gehören, dass unsere Sünden vergeben sind und dass wir auf unserem Lebensweg von ihm getragen werden. Die Teilnahme am Abendmahl ist somit keine Leistung, die wir erbringen, sondern ein Geschenk, das wir empfangen dürfen.

Die revolutionäre Offenheit der EKHN: Gottes Einladung an erster Stelle

Die „Lebensordnung der EKHN“ betont einen fundamentalen Aspekt: Die Teilnahme am Abendmahl geschieht auf Einladung Gottes selbst. Dies ist der Dreh- und Angelpunkt für die weitreichende Offenheit. Wenn Gott einlädt, dann sind menschliche Kriterien zweitrangig. Das hat konkrete Konsequenzen für die Zulassung:

  • Keine Altersgrenze: Die traditionelle Regel, dass erst nach der Konfirmation am Abendmahl teilgenommen werden darf, wird heute vielfach nicht mehr angewandt. Die EKHN erkennt an, dass der Glaube und die Sehnsucht nach Gemeinschaft nicht an ein bestimmtes Alter gebunden sind. Viele Kirchengemeinden haben die Zulassung von Kindern zum Abendmahl praktiziert und dies als eine Bereicherung der Abendmahlsfrömmigkeit erlebt. Kinder sind oft mit einer natürlichen Offenheit und einem tiefen Vertrauen gesegnet, das sie befähigt, die Bedeutung dieses Sakraments auf ihre Weise zu erfassen.
  • Keine Bindung an geistige Fähigkeiten: Auch Menschen mit eingeschränkten geistigen Fähigkeiten sind eingeladen. Ihr Glaube und ihre Beziehung zu Gott werden nicht durch kognitive Fähigkeiten definiert. Die Liebe Gottes umfasst alle Menschen, unabhängig von ihren intellektuellen Kapazitäten.
  • Keine Exklusivität der Kirchenmitgliedschaft: Die Einladung Gottes ist nicht auf Mitglieder einer bestimmten Kirche beschränkt. Dies ist ein entscheidender Punkt für die ökumenische Offenheit.

Diese Haltung unterstreicht, dass das Abendmahl kein Privileg für eine Elite ist, sondern ein Geschenk für alle, die sich danach sehnen und sich von Christus eingeladen wissen. Es geht nicht darum, wer „würdig“ genug ist im menschlichen Sinne, sondern darum, wer sich von Gottes Gnade angesprochen fühlt.

Die „Regel“ und ihre seelsorglichen Ausnahmen

Trotz der grundlegenden Offenheit gibt es in der „Lebensordnung der EKHN“ eine „Regel“, die die pastorale Praxis präzisiert. Dort heißt es: „Die Teilnahme am Abendmahl im evangelischen Gottesdienst setzt in der Regel die Taufe und die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche oder in einer anderen Kirche, mit der Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft besteht, voraus.“

Diese Regel basiert auf der theologischen Vorstellung, dass die Taufe der grundlegende Akt ist, durch den ein Mensch in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen wird und somit zum „Leib Christi“ gehört. Die Kirchenmitgliedschaft in einer Kirche mit Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft bedeutet, dass es eine gegenseitige Anerkennung der Sakramente und des Amtes gibt, was eine gemeinsame Feier des Abendmahls ermöglicht.

Doch unmittelbar im Anschluss an diese Regelung wird die alles entscheidende Ausnahme formuliert, die die wahre Weite der EKHN-Praxis zeigt: „Da Jesus Christus selbst Gastgeber ist und zu seinem Mahl einlädt, können auch Angehörige anderer christlicher Konfessionen am Abendmahl in der evangelischen Kirche teilnehmen. (…) Die Einladung zum Abendmahl im Gottesdienst soll deutlich machen, dass alle, die sich von Christus eingeladen wissen und die Einladung in die christliche Gemeinde annehmen wollen, am Tisch des Herrn willkommen sind.“

Dieser Passus ist von immenser Bedeutung. Er stellt klar, dass die menschlichen Regeln stets unter der göttlichen Einladung stehen. Wenn Jesus der Gastgeber ist, dann ist seine Einladung die höchste Autorität. Dies ermöglicht eine weitgehende ökumenische Offenheit, die über Konfessionsgrenzen hinwegreicht.

Seelsorgliche Erwägungen: Die Einladung an Ungetaufte

Der wohl weitreichendste Aspekt der EKHN-Regelung ist die Möglichkeit, in seelsorgliche Erwägungen auch Ungetauften das Abendmahl zu reichen. Dies ist keine allgemeine Aufhebung der Taufvoraussetzung, sondern eine pastorale Entscheidung im Einzelfall. Wann könnte dies der Fall sein?

  • Sterbende: Ein Mensch, der im Sterben liegt und den Wunsch äußert, das Abendmahl zu empfangen, aber nicht getauft ist, kann es aus seelsorglichen Gründen erhalten. Hier steht die tröstende und stärkende Kraft des Sakraments im Vordergrund.
  • Suchende und Zweifelnde: Menschen, die noch nicht getauft sind, aber sich intensiv mit dem christlichen Glauben auseinandersetzen, die Gemeinschaft suchen und sich von Christus angesprochen fühlen, könnten in besonderen Situationen zum Abendmahl eingeladen werden. Dies kann ein wichtiger Schritt auf ihrem Glaubensweg sein.
  • Menschen in besonderen Notlagen: In Krisensituationen, in denen die Nähe Gottes besonders dringend benötigt wird, kann die seelsorgliche Begleitung dazu führen, dass auch Ungetaufte zum Mahl zugelassen werden, um Trost und Stärkung zu erfahren.

Diese Ausnahmeregelung zeigt das tiefe Verständnis der EKHN für die Barmherzigkeit Gottes und die Notwendigkeit, flexibel auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Es geht darum, niemanden auszuschließen, der sich nach der Nähe Gottes sehnt und sich von Christus eingeladen fühlt.

Das Abendmahl in der Praxis: Was erwartet mich?

Die Feier des Abendmahls ist ein fester Bestandteil vieler evangelischer Gottesdienste. Typischerweise läuft sie wie folgt ab:

  1. Einladung: Der Liturg oder die Liturgin spricht die Einladung zum Abendmahl aus und macht oft auf die offene Praxis der Gemeinde aufmerksam.
  2. Einsetzungsworte: Die Worte Jesu aus dem letzten Abendmahl werden gesprochen: „Nehmt, esst, das ist mein Leib... Nehmt, trinkt, das ist mein Blut...“
  3. Austeilung: Die Gemeinde kommt nach vorne oder das Abendmahl wird in den Reihen ausgeteilt. Es werden Brot (oft in Form von Hostien) und Wein oder Traubensaft gereicht.
  4. Dank und Segen: Nach dem Empfang des Sakraments folgt ein Dankgebet und der Segen.

Viele Gemeinden bieten sowohl Wein als auch Traubensaft an, um auch Menschen entgegenzukommen, die keinen Alkohol trinken möchten oder dürfen. Die Form der Austeilung kann variieren (Einzelkelche, Gemeinschaftskelch, Hostienspende, Brotbrechen). Wichtig ist die innere Haltung der Dankbarkeit und des Glaubens an die Gegenwart Christi.

Vergleich: Traditionelle Sicht vs. EKHN-Praxis

Um die Weite der EKHN-Praxis noch deutlicher zu machen, kann ein kurzer Vergleich hilfreich sein:

KriteriumÄltere/Strengere TraditionenEKHN-Praxis (gemäß Lebensordnung)
Voraussetzung TaufeAbsolut zwingendIn der Regel vorausgesetzt, aber seelsorgliche Ausnahmen möglich
Voraussetzung KonfirmationZwingend für Kinder/JugendlicheWird vielfach nicht mehr angewandt; Kinder zugelassen
Zulassung von KindernNein, erst nach KonfirmationJa, bereichert die Frömmigkeit
Zulassung anderer KonfessionenOft eingeschränkt oder nur unter bestimmten BedingungenIn der Regel ausdrücklich zugelassen (Jesus ist der Gastgeber)
Grundlage der ZulassungMenschliche Regeln, KirchenrechtGottes Einladung durch Jesus Christus

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Abendmahl

Muss ich getauft sein, um am evangelischen Abendmahl teilnehmen zu dürfen?

In der Regel setzt die Teilnahme am evangelischen Abendmahl die Taufe voraus, da sie der grundlegende Schritt in die christliche Gemeinschaft ist. Die „Lebensordnung der EKHN“ sieht jedoch die Möglichkeit vor, in besonderen seelsorglichen Fällen auch Ungetauften das Abendmahl zu reichen. Dies ist eine Ausnahme, die die Barmherzigkeit und Offenheit Gottes unterstreicht. Wenn Sie nicht getauft sind, aber den Wunsch haben teilzunehmen, sprechen Sie am besten vorab mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer Ihrer Gemeinde.

Dürfen Kinder am evangelischen Abendmahl teilnehmen?

Ja, in vielen evangelischen Kirchengemeinden der EKHN dürfen Kinder am Abendmahl teilnehmen, auch wenn sie noch nicht konfirmiert sind. Die frühere strikte Regel, die die Konfirmation als Voraussetzung sah, wird heute vielfach nicht mehr angewandt. Die Zulassung von Kindern wird als Bereicherung empfunden und spiegelt die Überzeugung wider, dass Gottes Einladung auch die jüngsten Mitglieder der Gemeinde einschließt.

Was ist, wenn ich einer anderen christlichen Konfession angehöre?

Angehörige anderer christlicher Konfessionen sind in der evangelischen Kirche der EKHN in der Regel ausdrücklich zum Abendmahl zugelassen. Der theologische Grund dafür ist, dass Jesus Christus selbst der Gastgeber des Mahles ist und seine Einladung über Konfessionsgrenzen hinwegreicht. Wenn Sie sich von Christus eingeladen wissen und die Einladung in die christliche Gemeinde annehmen möchten, sind Sie willkommen.

Muss ich Mitglied der evangelischen Kirche sein?

Die „Lebensordnung der EKHN“ nennt die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche oder einer anderen Kirche mit Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft als Regelfall. Wie oben erwähnt, ist die Haltung jedoch sehr offen: Wenn Sie sich von Christus eingeladen fühlen und die Einladung in die christliche Gemeinde annehmen möchten, sind Sie willkommen, unabhängig von Ihrer formellen Kirchenmitgliedschaft.

Wird beim Abendmahl Wein oder Traubensaft gereicht?

Dies variiert von Gemeinde zu Gemeinde. Viele evangelische Gemeinden bieten beides an, um Menschen entgegenzukommen, die aus gesundheitlichen, persönlichen oder religiösen Gründen keinen Alkohol trinken möchten oder dürfen. Oft werden kleine Einzelkelche mit beiden Optionen bereitgestellt, oder es gibt separate Austeilungsstellen für Wein und Saft.

Was bedeutet es, wenn Jesus der Gastgeber ist?

Die Aussage, dass Jesus Christus selbst der Gastgeber des Abendmahls ist, ist theologisch von zentraler Bedeutung. Es bedeutet, dass nicht menschliche Priester, Pfarrer oder Kirchenregeln letztlich über die Zulassung entscheiden, sondern Christus selbst. Seine Einladung ist universell und richtet sich an alle, die sich nach ihm sehnen und seine Gemeinschaft suchen. Dies verleiht dem Abendmahl eine tiefe Dimension der Gnade und Barmherzigkeit, die über alle menschlichen Einschränkungen hinausgeht.

Fazit: Ein Mahl der Gnade und der offenen Tür

Das evangelische Abendmahl, wie es in der EKHN praktiziert wird, ist ein beeindruckendes Zeugnis der weiten und bedingungslosen Liebe Gottes. Es ist ein Sakrament der Gnade, das nicht an menschliche Leistungen, Altersgrenzen oder strenge formale Kriterien gebunden ist. Vielmehr ist es eine offene Einladung an alle, die sich von Jesus Christus angesprochen fühlen, die Gemeinschaft suchen und sich nach seiner Stärkung sehnen.

Ob jung oder alt, getauft oder in besonderen seelsorglichen Fällen auch ungetauft, ob evangelisch oder einer anderen christlichen Konfession zugehörig – der Tisch des Herrn ist gedeckt für alle, die kommen möchten. Diese Haltung bereichert nicht nur die Abendmahlsfrömmigkeit, sondern spiegelt auch die zutiefst inklusive Botschaft des Evangeliums wider: Bei Gott ist jeder willkommen, der sich ihm zuwendet. Die Feier des Abendmahls ist somit stets ein Zeichen der Hoffnung, der Vergebung und der lebendigen Gegenwart Christi in unserer Mitte.

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