27/04/2021
Das Letzte Abendmahl ist ein zentrales Ereignis in der christlichen Geschichte, ein Moment tiefer Bedeutung und bleibender Lehren. Es war nicht nur eine gemeinsame Mahlzeit, sondern ein Augenblick, in dem Jesus Christus grundlegende Wahrheiten über sein Opfer, den Neuen Bund und die Art und Weise, wie seine Nachfolger ihn in Erinnerung behalten sollen, offenbarte. Doch was genau sagte Jesus in dieser entscheidenden Nacht, sowohl während des Mahles als auch in den Momenten danach, die uns bis heute prägen?
- Die Einsetzungsworte: Jesu Vermächtnis in Brot und Wein
- Die ernste Mahnung nach dem Abendmahl: Würdigkeit und Selbstprüfung
- Vergleich: Die zwei Aspekte der Abendmahlslehre
- Die dauerhafte Bedeutung für Gläubige heute
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Abendmahl
- Was bedeutet „unwürdig essen“ beim Abendmahl?
- Wie kann ich mich selbst prüfen, bevor ich am Abendmahl teilnehme?
- Warum sind Schwäche und Krankheit manchmal die Folge des unwürdigen Empfangs?
- Ist das Abendmahl nur für „perfekte“ Menschen?
- Was ist das „Gedächtnis“ Christi, das wir beim Abendmahl feiern?
Die Einsetzungsworte: Jesu Vermächtnis in Brot und Wein
Beim Letzten Abendmahl, kurz bevor er dahingegeben wurde, sprach Jesus Worte, die bis heute als die Einsetzungsworte in christlichen Gottesdiensten wiederholt werden. Diese Worte sind das Fundament des Sakraments, das wir heute als Abendmahl oder Eucharistie kennen. Sie sind ein Zeugnis seiner Liebe und seines Opfers für die Menschheit.

Die Liturgie bewahrt diese kostbaren Worte, die Jesus über Brot und Wein sprach:
"Unser Herr Jesus Christus, in der Nacht, als er dahingegeben wurde, nahm er das Brot, dankte und brach's und gab's seinen Jüngern und sprach: Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Solches tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl, dankte und gab ihnen den und sprach: Nehmt hin und trinket alle daraus, dieser Kelch ist das neue Testament in meinem Blut, das für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihr's trinkt, zu meinem Gedächtnis."
Diese Worte sind tiefgründig und vielschichtig. Als Jesus das Brot nahm und sagte: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird“, deutete er auf sein bevorstehendes Opfer am Kreuz hin. Das gebrochene Brot symbolisiert seinen Körper, der für die Sünden der Welt zerbrochen wurde. Es ist ein Akt der Hingabe, ein unermessliches Geschenk der Liebe.
Der Kelch, gefüllt mit Wein, den er als „das neue Testament in meinem Blut“ bezeichnete, steht für den Neuen Bund zwischen Gott und den Menschen. Der Alte Bund wurde durch Tieropfer geschlossen, aber der Neue Bund wird durch das vergossene Blut Jesu besiegelt. Dieses Blut ist nicht nur ein Zeichen, sondern das Mittel zur Vergebung der Sünden, eine vollständige und endgültige Reinigung, die durch seinen Tod am Kreuz ermöglicht wurde.
Der wiederholte Befehl „Solches tut zu meinem Gedächtnis“ ist von entscheidender Bedeutung. Es ist nicht nur eine Anweisung, eine Handlung zu wiederholen, sondern eine Aufforderung, sich aktiv an Jesus und sein Opfer zu erinnern. Dieses Gedächtnis ist nicht bloß eine intellektuelle Erinnerung an ein vergangenes Ereignis, sondern eine gegenwärtige Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn und eine Bekräftigung des Bundes, den er geschlossen hat. Es ist ein Akt des Glaubens, der Hoffnung und der Dankbarkeit, der die Gläubigen immer wieder auf die Quelle ihrer Erlösung hinweist.
Die ernste Mahnung nach dem Abendmahl: Würdigkeit und Selbstprüfung
Die Worte Jesu endeten jedoch nicht mit der Einsetzung des Abendmahls. Die Apostel, insbesondere Paulus, haben die Bedeutung dieser Sakramentsfeier später weiter ausgeführt und dabei auch die ernsten Konsequenzen eines unwürdigen Empfangs betont. Diese Erweiterung der Lehre gibt uns tiefe Einblicke in die Heiligkeit und den Respekt, der dem Abendmahl entgegengebracht werden sollte.
Es wird ausdrücklich gewarnt:
"Welcher nun unwürdig von diesem Brot isset oder von dem Kelch des HERRN trinket, der ist schuldig an dem Leib und Blut des HERRN. Der Mensch prüfe aber sich selbst und also esse er von diesem Brot und trinke von diesem Kelch. Denn welcher unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht damit, daß er nicht unterscheidet den Leib des HERRN.
Darum sind auch so viel Schwache und Kranke unter euch, und ein gut Teil schlafen. Denn so wir uns selber richteten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem HERRN gezüchtiget, auf daß wir nicht samt der Welt verdammet werden."
Diese Passagen unterstreichen die enorme Bedeutung der Würdigkeit im Kontext des Abendmahls. Was bedeutet es, „unwürdig“ zu essen oder zu trinken? Es bedeutet nicht, perfekt oder sündlos zu sein – denn niemand ist das. Vielmehr geht es darum, den Leib des Herrn nicht zu „unterscheiden“, also seine wahre Bedeutung, seine Heiligkeit und seine Gegenwart im Sakrament nicht zu erkennen oder zu respektieren.

Unwürdiger Empfang kann bedeuten:
- Das Abendmahl als bloßes Ritual betrachten, ohne tieferes Verständnis für Christi Opfer.
- Es in einem Zustand der Sünde zu empfangen, ohne Reue oder den Wunsch nach Umkehr.
- Die Einheit der Gemeinde zu missachten, die durch Christi Leib repräsentiert wird, indem man Zwietracht oder Spaltungen pflegt.
- Die Anwesenheit Christi im Sakrament zu leugnen oder zu verharmlosen.
Die Aufforderung „Der Mensch prüfe aber sich selbst“ ist daher zentral. Diese Selbstprüfung ist keine Suche nach Perfektion, sondern eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Herzen, den eigenen Motiven und der eigenen Beziehung zu Gott und den Mitmenschen. Es geht darum, sich der Heiligkeit des Moments bewusst zu werden, Sünden zu bekennen und Vergebung zu suchen, bevor man an den Tisch des Herrn tritt. Nur wer sich selbst kritisch betrachtet und seine Abhängigkeit von Gottes Gnade erkennt, kann das Abendmahl in rechter Weise empfangen.
Die Konsequenzen des unwürdigen Empfangs sind ernst: „unwürdig isset und trinket, der isset und trinket ihm selber das Gericht damit“. Dies manifestiert sich nicht nur in geistlicher, sondern auch in physischer Hinsicht. Die Erwähnung von „Schwache und Kranke“ und jenen, die „schlafen“ (im Sinne von sterben), zeigt, dass Gottes Züchtigung auch körperliche Auswirkungen haben kann. Diese Züchtigung ist jedoch nicht dazu gedacht, zu verdammen, sondern zu korrigieren: „Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem HERRN gezüchtiget, auf daß wir nicht samt der Welt verdammet werden.“ Es ist eine väterliche Disziplin, die zur Umkehr und zur Bewahrung vor dem ewigen Gericht führen soll.
Vergleich: Die zwei Aspekte der Abendmahlslehre
Die Worte Jesu und die nachfolgende apostolische Lehre über das Abendmahl bilden eine Einheit, die sowohl die Gnade als auch die Verantwortung betont. Der folgende Vergleich verdeutlicht die unterschiedlichen Schwerpunkte, die jedoch untrennbar miteinander verbunden sind.
| Worte während des Abendmahls (Einsetzung) | Lehre nach dem Abendmahl (Ermahnung) |
|---|---|
| Fokus auf Jesu Opfer und den Neuen Bund. | Fokus auf die Würdigkeit des Empfangs und die Konsequenzen. |
| „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.“ | „Schuldig an dem Leib und Blut des HERRN.“ |
| „Das ist das neue Testament in meinem Blut.“ | „Nicht unterscheidet den Leib des HERRN.“ |
| Aufforderung zur Erinnerung („zu meinem Gedächtnis“). | Aufforderung zur Selbstprüfung („prüfe aber sich selbst“). |
| Einsetzung eines Sakraments der Gnade und Vergebung. | Warnung vor Gericht und Züchtigung bei Unwürdigkeit. |
| Betonung der Gabe Gottes an den Menschen. | Betonung der Verantwortung des Menschen gegenüber Gott. |
Beide Aspekte sind unerlässlich für ein vollständiges Verständnis des Abendmahls. Ohne die Einsetzungsworte gäbe es kein Sakrament. Ohne die Mahnung zur Würdigkeit würde die Heiligkeit und der Ernst des Sakraments verloren gehen. Es ist die Kombination aus göttlicher Gnade und menschlicher Verantwortung, die das Abendmahl zu einem so tiefgreifenden und lebensverändernden Erlebnis macht.
Die dauerhafte Bedeutung für Gläubige heute
Die Worte Jesu und die Lehren, die daraus folgten, sind auch heute noch von immenser Bedeutung für jeden Gläubigen. Sie rufen uns dazu auf, das Abendmahl nicht leichtfertig zu nehmen, sondern mit Ehrfurcht und einem Herzen voller Dankbarkeit und Reue. Die Teilnahme am Abendmahl ist ein Privileg, das uns in tiefste Gemeinschaft mit Christus und miteinander bringt.
Es ist ein Moment, in dem wir uns an die größte Liebestat der Geschichte erinnern – das Opfer Jesu am Kreuz. Es ist auch ein Moment, in dem wir uns unserer eigenen Sündhaftigkeit bewusst werden und die Vergebung empfangen, die durch sein Blut ermöglicht wurde. Und es ist ein Moment, in dem wir unsere Einheit als Leib Christi bekräftigen, indem wir gemeinsam an einem Tisch sitzen und das Brot und den Wein teilen.
Die Selbstprüfung vor dem Abendmahl ist kein Akt der Selbstverurteilung, sondern der Demut. Es ist eine Gelegenheit, sich neu auf Christus auszurichten, sich von allem zu trennen, was uns von ihm trennt, und in einer würdigen Haltung an seinen Tisch zu treten. Wenn wir dies tun, empfangen wir nicht nur Gnade, sondern auch Stärkung für unseren Glaubensweg und eine tiefere Verbindung zu unserem Erlöser.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Abendmahl
Was bedeutet „unwürdig essen“ beim Abendmahl?
„Unwürdig essen“ bedeutet, das Abendmahl ohne die nötige Ehrfurcht, ohne Unterscheidung des Leibes Christi (seiner Gegenwart und seines Opfers) oder in einem Zustand unbereuter Sünde zu empfangen. Es geht nicht um Perfektion, sondern um die Herzenshaltung – mangelnder Glaube, mangelnde Reue oder Missachtung der Einheit des Leibes Christi (der Gemeinde) können dazu führen.
Wie kann ich mich selbst prüfen, bevor ich am Abendmahl teilnehme?
Selbstprüfung beinhaltet, ehrlich vor Gott zu treten und zu überlegen: Habe ich unbereute Sünden? Bin ich mit meinen Mitmenschen versöhnt? Glaube ich an Christi wahre Gegenwart im Abendmahl und an die Bedeutung seines Opfers? Bin ich bereit, ihm nachzufolgen? Es ist eine Zeit der Besinnung, des Gebets und gegebenenfalls des Bekennens und der Umkehr.
Warum sind Schwäche und Krankheit manchmal die Folge des unwürdigen Empfangs?
Die Bibel lehrt, dass Gott manchmal durch physische Züchtigung eingreift, um Gläubige zur Umkehr zu bewegen und sie vor ewiger Verdammnis zu bewahren. Dies ist ein Ausdruck seiner väterlichen Liebe und Disziplin, kein Zeichen der Verdammnis. Es soll uns dazu bringen, die Heiligkeit des Abendmahls ernst zu nehmen und unser Leben nach seinem Willen auszurichten.
Ist das Abendmahl nur für „perfekte“ Menschen?
Nein, absolut nicht. Das Abendmahl ist für Sünder, die an Christus glauben und seine Vergebung suchen. Die Würdigkeit kommt nicht aus unserer eigenen Gerechtigkeit, sondern aus unserem Glauben an Christi Gerechtigkeit, die uns zugerechnet wird. Es geht darum, mit einem demütigen, reuevollen und glaubenden Herzen teilzunehmen, nicht mit einem sündlosen Leben.
Was ist das „Gedächtnis“ Christi, das wir beim Abendmahl feiern?
Das „Gedächtnis“ (Anamnesis) ist mehr als nur eine Erinnerung an ein vergangenes Ereignis. Es ist ein lebendiges Gedenken, das Christus in unserer Gegenwart wirksam macht. Wenn wir das Abendmahl feiern, erinnern wir uns nicht nur an sein Opfer, sondern verkünden es auch und treten in Gemeinschaft mit dem auferstandenen Herrn, der durch seinen Geist gegenwärtig ist und wirkt.
Die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl und die tiefgreifenden Erklärungen, die folgten, bieten einen unschätzbaren Leitfaden für jeden, der die Bedeutung dieses heiligen Sakraments verstehen und würdig daran teilnehmen möchte. Es ist ein Ruf zu tieferer Hingabe, zu ehrlicher Selbstreflexion und zu einer immerwährenden Erinnerung an das größte Geschenk der Liebe, das die Menschheit je empfangen hat.
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