24/07/2024
Die Frage, ob Zigaretten im Islam erlaubt sind, beschäftigt viele Muslime weltweit. Während der Koran und die Sunnah des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) Alkohol und andere Rauschmittel explizit verbieten, finden sich keine direkten Verse oder Hadithe, die Zigaretten namentlich erwähnen. Dies liegt einfach daran, dass Zigaretten zur Zeit der Offenbarung des Korans und des Propheten nicht existierten. Um diese Frage jedoch umfassend zu beantworten, müssen wir uns den allgemeinen Prinzipien des Islam zuwenden, insbesondere dem Verbot von Rauschmitteln und dem Prinzip, Schaden von sich und anderen abzuwenden. Der Islam ist eine umfassende Lebensweise, die Richtlinien für alle Aspekte des menschlichen Lebens bietet, einschließlich der Gesundheit und des Wohlbefindens.

Das Fundament des Verbots: Rauschmittel im Islam
Der Islam verbietet alles, was den Verstand betäubt, trübt oder verschleiert. Dies ist das Kernargument für das Verbot von Alkohol, der im Islam als Khamr bezeichnet wird. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) sagte unmissverständlich: „Alles Berauschende ist Khamr, und alles Berauschende ist haram (verboten).“ (Überliefert von Muslim, 2003). Diese umfassende Definition schließt nicht nur alkoholische Getränke ein, die aus Trauben, Datteln, Honig, Weizen oder Gerste hergestellt werden, sondern auch alle anderen Substanzen, die eine vergleichbare Wirkung auf den Verstand haben. Die Gelehrten sind sich einig, dass Substanzen wie Haschisch, Opium, Kokain und Morphium unter dieses Verbot fallen, da sie den Verstand trüben und betäuben.
Imam an-Nawawi und andere Gelehrte haben sich dazu geäußert, dass das Verbot nicht auf Getränke beschränkt ist, sondern alles umfasst, was berauscht. Ibn Hajar, ein anerkannter Gelehrter, betonte: „Aus seiner uneingeschränkten Aussage (Alles Berauschende ist haram) wird schlussgefolgert, dass sich das Verbot auf alles bezieht, was berauschend wirkt, selbst wenn es kein Getränk ist. Dieses umfasst dann auch Haschisch und andere Dinge.“ Diese Substanzen führen zu Ekstase, veränderter Wahrnehmung, Abhängigkeit und Erschöpfung, was sie eindeutig in die Kategorie der verbotenen Rauschmittel einordnet.
Schaykh al-Islam Ibn Taymiya, möge Allah ihm barmherzig sein, stellte klar: „Und alles, was den Verstand (Sinne) in Abwesenheit versetzt, ist verboten (haram), selbst wenn es weder Ekstase noch veränderte Wahrnehmung hervorruft. Falls es Geistesabwesenheit zur Folge hat, so ist dieses durch den Konsens der Muslime verboten.“ Er verglich Haschisch mit den schlimmsten berauschenden Substanzen, da es das Gemüt und den Verstand verdirbt, Gelüsten Tür und Tor öffnet und Erniedrigung zur Folge hat.
Das Prinzip des Schadens (Darar) im Islam
Ein weiteres grundlegendes Prinzip im Islam, das bei der Beurteilung von Zigaretten eine entscheidende Rolle spielt, ist das Verbot, sich selbst oder anderen Schaden zuzufügen. Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) sagte: „Keinen Schaden (zufügen) und keine (gegenseitige) Schädigung!“ (Überliefert von Ahmad und Ibn Majah). Dieses Hadith ist ein Eckpfeiler der islamischen Jurisprudenz und wird angewendet, um Handlungen zu verbieten, die nachweislich schädlich sind, auch wenn sie nicht explizit im Koran oder der Sunnah erwähnt werden.
Der Schaden, der durch den Konsum von Rauschmitteln und Drogen entsteht, ist laut islamischen Gelehrten gewaltig und übersteigt oft den Schaden, der durch Alkoholkonsum hervorgerufen wird. Dr. Wahbah as-Suhayli beschreibt in seinem Werk „al-Fiqhu al-Islamiyu wa Adillatuhu“ die vielfältigen negativen Auswirkungen:
- Schaden für die Person selbst: Schwere Auswirkungen auf Körper und Geist, Zerstörung der Gesundheit, des Nervensystems, des Verstandes, der Sinne und des Verdauungssystems. Es führt zu einem Verlust der Ehre, Würde und Menschlichkeit, macht die Person zum Spott und Opfer zahlreicher Krankheiten.
- Schaden für die Familie: Das Haus wird zu einer Hölle, geprägt von Stress, gereizter Stimmung, Beschimpfungen, Beleidigungen, Scheidungsandrohungen, Spaltung und Verwirrung. Oft führt es zu Vernachlässigung der Ehefrau und unzureichender Versorgung des Hauses. Der Konsum kann sogar zur Geburt geistig behinderter Kinder führen.
- Allgemeiner Schaden für die Gesellschaft: Zerstörung immensen Vermögens ohne Nutzen, Unterbrechung von Interessen und Arbeiten, Unzulänglichkeit bei der Erfüllung von Verpflichtungen und Vertrauensmissbrauch gegenüber staatlichen Interessen, Institutionen oder Einzelpersonen. Es verursacht Verbrechen gegen Personen, Vermögen und Ehre und zerstört Würde und Wertvorstellungen.
Die Gelehrten sind sich einig, dass jede Substanz, die solch gravierenden Schaden verursacht, unter das islamische Verbot fällt, selbst wenn sie nicht im klassischen Sinne „berausschend“ ist.
Die islamische Haltung zu Zigaretten: Eine Anwendung der Prinzipien
Angesichts der oben genannten Prinzipien haben die meisten zeitgenössischen islamischen Gelehrten Zigaretten als haram (verboten) eingestuft. Obwohl Zigaretten den Verstand nicht in dem Maße trüben wie Alkohol oder Haschisch, verursachen sie dennoch schwere Auswirkungen auf Körper und Geist. Die zerstörerische Wirkung auf die Gesundheit ist wissenschaftlich unumstritten und betrifft:
- Lunge: Rauchen ist die Hauptursache für Lungenkrebs, COPD und Emphyseme.
- Herz-Kreislauf-System: Es erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck und Arteriosklerose.
- Andere Organe: Rauchen schädigt fast jedes Organ im Körper und kann zu Krebs in Mund, Rachen, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Niere, Blase und anderen Bereichen führen.
- Abhängigkeit: Nikotin ist eine stark süchtig machende Substanz, die den Konsumenten in eine Abhängigkeit treibt, die schwer zu überwinden ist. Dies führt zu einer Verschwendung von Ressourcen und einem Verlust der Kontrolle über die eigene Gesundheit.
- Passivrauchen: Der Rauch schädigt nicht nur den Raucher selbst, sondern auch die Menschen in seiner Umgebung, insbesondere Kinder und Ehepartner, was gegen das Prinzip des „Keinen Schaden (zufügen) und keine (gegenseitige) Schädigung!“ verstößt.
Die immense finanzielle Verschwendung für Zigaretten, die keinerlei Nutzen, sondern nur Schaden bringen, ist ebenfalls ein Faktor. Geld, das für die Gesundheit, die Familie oder wohltätige Zwecke ausgegeben werden könnte, wird für eine schädliche Gewohnheit verschwendet. Dies widerspricht dem islamischen Gebot, den eigenen Besitz verantwortungsvoll zu verwalten und Verschwendung zu vermeiden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Rauchen von Zigaretten unter das allgemeine Verbot von allem fällt, was dem Einzelnen, seiner Familie und der Gesellschaft Schaden zufügt. Die wissenschaftlich belegten Gesundheitsrisiken und die Suchtgefahr machen Zigaretten zu einer Substanz, die im Licht der islamischen Prinzipien als verboten (haram) zu betrachten ist.

Vergleichstabelle: Khamr/Rauschmittel vs. Zigaretten
Um die Argumentation zu verdeutlichen, betrachten wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen klassischen Rauschmitteln und Zigaretten im Kontext islamischer Prinzipien:
| Merkmal | Khamr / Rauschmittel (z.B. Haschisch, Alkohol) | Zigaretten |
|---|---|---|
| Art der Wirkung | Betäubt, trübt oder verschleiert den Verstand; führt zu Ekstase oder Geistesabwesenheit. | Stimuliert, führt nicht zu Ekstase oder Geistesabwesenheit im klassischen Sinne, aber zu starker Nikotinabhängigkeit. |
| Auswirkungen auf den Verstand | Führt zur Trunkenheit (Sukr), Verlust der Urteilsfähigkeit, Kontrollverlust. | Kein direkter Verlust der Urteilsfähigkeit, aber beeinträchtigt Konzentration und Nervensystem langfristig. |
| Gesundheitsrisiken | Schwere Schäden an Leber, Gehirn, Nervensystem; kann zu psychischen Störungen, Gewalt und Unfällen führen. | Massive Schäden an Lunge, Herz-Kreislauf-System, erhöht Krebsrisiko in vielen Organen; führt zu chronischen Krankheiten. |
| Suchtpotenzial | Sehr hoch; starke körperliche und/oder psychische Abhängigkeit. | Extrem hoch (Nikotin); starke körperliche und psychische Abhängigkeit. |
| Schaden für Dritte | Führt zu Unfällen, Gewalt, Vernachlässigung der Familie, gesellschaftlicher Unordnung. | Passivrauchen schädigt Nichtraucher (Familie, Kinder); Brandgefahr. |
| Islamisches Urteil | Eindeutig haram (verboten) durch Koran und Sunnah (Konsens). | Haram (verboten) aufgrund des Prinzips des Schadens und der wissenschaftlichen Erkenntnisse (Mehrheitsmeinung der zeitgenössischen Gelehrten). |
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Hier beantworten wir einige der häufigsten Fragen zum Thema Rauchen im Islam:
Sind Zigaretten wirklich haram, auch wenn sie nicht berauschen?
Ja, die Mehrheit der zeitgenössischen islamischen Gelehrten stuft Zigaretten als haram ein. Obwohl sie nicht berauschen wie Alkohol, verursachen sie erwiesenermaßen erheblichen Schaden für die Gesundheit des Einzelnen und der Menschen in seiner Umgebung (Passivrauchen). Dieses Verursachen von Schaden ist im Islam strengstens verboten, basierend auf dem Hadith „Keinen Schaden (zufügen) und keine (gegenseitige) Schädigung!“ Die Verschwendung von Geld für etwas Schädliches wird ebenfalls als Missachtung der Segnungen Allahs betrachtet.
Was ist mit dem Passivrauchen?
Passivrauchen fügt anderen, die sich in der Nähe des Rauchers aufhalten, nachweislich Schaden zu. Da der Islam das Verursachen von Schaden an anderen verbietet, ist das Passivrauchen ein weiterer starker Grund für das Verbot des Rauchens. Es ist die Pflicht eines Muslims, seine Familie und Mitmenschen vor Schaden zu schützen.
Gibt es unterschiedliche Meinungen unter Gelehrten bezüglich des Rauchens?
In der Vergangenheit gab es unterschiedliche Meinungen, insbesondere als die vollen Auswirkungen des Rauchens noch nicht wissenschaftlich belegt waren. Einige ältere Fatwas stuften Rauchen als „makruh“ (unerwünscht, missbilligt) ein. Mit den umfassenden wissenschaftlichen Erkenntnissen über die verheerenden gesundheitlichen Folgen des Rauchens hat sich die überwiegende Mehrheit der zeitgenössischen islamischen Gelehrten jedoch auf die Einstufung als „haram“ geeinigt. Die Beweise für den Schaden sind erdrückend und fallen eindeutig unter das allgemeine Verbot von allem, was schadet.
Was sollte ein Muslim tun, der raucht?
Ein Muslim, der raucht, sollte aufrichtige Reue (Taubah) zeigen und sich ernsthaft bemühen, mit dem Rauchen aufzuhören. Da es als haram gilt und dem Körper, der Familie und dem Besitz schadet, ist das Aufgeben des Rauchens eine religiöse Pflicht. Muslime sollten Allah um Hilfe bitten, professionelle Unterstützung suchen und alle verfügbaren Mittel nutzen, um diese schädliche Gewohnheit zu überwinden.
Wie wirkt sich das Rauchen auf Gebet und Fasten aus?
Das Rauchen selbst bricht nicht das Gebet, aber es ist eine Sünde, die einen Muslim in einem Zustand der Ungehorsamkeit gegenüber Allah hält. Es ist wichtig, vor dem Gebet frischen Atem zu haben und nicht nach Rauch zu riechen, um die Anbetung nicht zu beeinträchtigen. Während des Fastens (Ramadan) ist das Rauchen wie Essen und Trinken verboten und bricht das Fasten. Ein Muslim darf während der Fastenzeit nicht rauchen.
Schlussfolgerung
Basierend auf den umfassenden Prinzipien des Islam, insbesondere dem Verbot von Rauschmitteln, die den Verstand trüben, und dem fundamentalen Prinzip, Schaden von sich und anderen abzuwenden, ist das Rauchen von Zigaretten im Islam als haram (verboten) anzusehen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die verheerenden gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens, die Suchtgefahr und der Schaden für Passivraucher, stehen im direkten Widerspruch zu den islamischen Lehren, die den Schutz der Gesundheit, des Lebens und des Wohlstands betonen. Muslime sind dazu angehalten, ihre Körper als eine von Allah anvertraute Gabe zu pflegen und alles zu meiden, was ihnen schadet. Die Gelehrten und Rufer zum Islam haben die Verpflichtung, die Menschen über das Verbot von Zigaretten und den immensen Schaden, den sie verursachen, aufzuklären. Möge Allah uns alle zu dem leiten, was gut und rein ist.
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