Gebet des Glaubens: Biblische Heilung in der Gemeinde

01/05/2023

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Das Thema „Heilung“ ruft in christlichen Kreisen oft sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. Während einige sofort an kontroverse Heilungsevangelisten oder vergangene Fehlentwicklungen denken, erleben andere die tiefe Freude und Dankbarkeit, wenn ein geliebter Mensch nach inständigem Gebet genesen darf. Es ist ein Feld voller Spannung, Hoffnung und manchmal auch Enttäuschung. Doch eines ist klar: Der Missbrauch einer Sache hebt ihren eigentlichen, biblisch fundierten Gebrauch nicht auf. Die Bibel selbst spricht unmissverständlich von Heilung und ermutigt uns zum Gebet.

Was sagt die Bibel über die Heilung?
Inhaltsverzeichnis

Missverständnisse und die Notwendigkeit biblischer Klarheit

In der Geschichte des Christentums gab es immer wieder Bewegungen und Personen, die das Thema Heilung auf fragwürdige Weise interpretierten oder praktizierten. Solche Praktiken, wie das Ankündigen von Heilungen Monate im Voraus, als könnte man über Gottes Zeitplan verfügen, oder das Anheizen einer Stimmung, die zu rein psychogenen „Heilungen“ führt, sind zutiefst problematisch. Ebenso irreführend ist die Suggestion, Gott wolle immer und sofort heilen, und dass jeder, der nur genug glaubt, augenblicklich gesund werde. Die schlimmste Last, die Kranken dabei aufgebürdet werden kann, ist die Schuldzuweisung, sie hätten nicht richtig geglaubt, wenn die erhoffte Heilung ausbleibt.

Historisch gesehen haben solche Fehlentwicklungen, beispielsweise in Teilen der Heiligungsbewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, zu großer Vorsicht geführt. Persönlichkeiten wie Otto Stockmayer vertraten die Ansicht, Krankheit sei niemals Gottes Wille für Gläubige und Jesus habe durch seinen Kreuzestod von aller Sünde und Krankheit erlöst. Diese Sichtweise führte in einigen Fällen dazu, dass kranke Familienangehörige oder Hausgäste medizinische Hilfe verweigert bekamen und starben. Auch die Entstehung der Pfingstbewegung in Deutschland nach 1907 und die damit verbundenen Kontroversen trugen zu einer allgemeinen Skepsis bei. Angesichts der Praktiken einiger bekannter „Wunderheiler“ des 20. Jahrhunderts (wie W. Branham, O. Roberts, C. Kuhlman, H. Zaiss, R. Bonnke u.a.) verfestigte sich bei vielen die Überzeugung, man solle sich von allem, was mit „Heilung“ zu tun hat, lieber fernhalten.

Doch trotz all dieser bedauerlichen Fehlentwicklungen und des Missbrauchs dürfen wir nicht vergessen, dass die Bibel einen legitimen und rechten Gebrauch der Sache kennt. Niemand bestreitet, dass Jesus während seines Dienstes Menschen geheilt hat. Auch durch die Hände der Apostel geschahen Heilungen. Der 1. Korintherbrief spricht explizit von der Gnadengabe, einzelne Heilungen zu bewirken (1. Korinther 12,9), als Teil des Gemeindelebens. Und wir alle freuen uns auf die verheißene Neuschöpfung Gottes, in der es keine Krankheit, keinen Schmerz, kein Leid und keinen Tod mehr geben wird (Offenbarung 21,1-4).

Gleichzeitig muss jeder nüchterne Christ anerkennen, dass wir auch als Gläubige sterben müssen und dass Krankheiten als Vorboten dieser Sterblichkeit unseren Leib befallen können. Heilungen sind in dieser Zeit zeichenhafte Vorwegnahmen der Vollendung, die Gott gelegentlich als begleitende Hinweiszeichen zur Evangeliumsverkündigung schenkt (Markus 16,20b) oder die er – manchmal, aber nicht immer – durch einzelne, dazu begnadete Menschen wirkt.

Die Praxis des persönlichen Gebets (Jakobus 5,13)

Der Jakobusbrief bietet uns eine grundlegende, praktische Weisheit für alle Christen: „Leidet jemand unter euch, der bete; geht es jemandem gut, der singe Psalmen“ (Jakobus 5,13). Diese Anweisung ist so einfach wie tiefgreifend. Sie lädt uns ein, Freud und Leid gleichermaßen zum Inhalt unserer Gebete zu machen. Ganz gleich, wie es uns geht, wir dürfen es Gott sagen. Dafür braucht es keine besonders befähigten Menschen, sondern lediglich das Herz eines Gotteskindes, das weiß, dass es mit allem zu seinem himmlischen Vater kommen kann.

Wer von uns hat das nicht schon erfahren? Vielleicht haben wir gelegentlich vergessen zu danken, wenn es uns gut ging – und uns dafür geschämt. Aber wenn es uns wirklich schlecht ging, sei es bei quälenden Kopfschmerzen, Herzproblemen, vor einer Operation oder bei psychischen Belastungen, die den Alltag unmöglich machten, dann haben wir gebetet. Für uns selbst, für unsere Liebsten in Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft oder Gemeinde. Und je ernster die Lage war, desto intensiver wurde unser inständiges Bitten um Linderung, Hilfe und Heilung.

Schon Hiskia im Alten Testament flehte Gott um Lebensverlängerung an (Jesaja 38,1-3). Paulus rief wegen eines Leidens, das er als tiefe Anfechtung empfand, wiederholt Jesus um Hilfe an (2. Korinther 12,7ff). Interessanterweise erfuhr Paulus nicht die erbetene Linderung, sondern den göttlichen Zuspruch, sich an Gottes Gnade genügen zu lassen, da sich Gottes Kraft manchmal besonders deutlich in menschlicher Schwachheit erweist. Anderen Christen erging es anders: Epaphroditus, ein Mitarbeiter des Paulus, war todkrank, und Gott erhörte das Gebet und machte ihn gesund (Philipper 2,25-28).

Jeder von uns kann sich in diese unendliche Reihe der Beter einreihen und Gott in guten wie in schlechten Tagen sagen, wie es steht. Auch das Vaterunser, das mit den Worten „Dein Name werde geheiligt, … Dein Wille geschehe“ beginnt, enthält konkrete Bitten wie „Und führe uns nicht in Versuchung (d.h. in Prüfungen hinein), sondern erlöse uns von dem Bösen“. In Zeiten der Krankheit und Schwachheit erhalten diese Formulierungen des Herrengebets ein besonderes Gewicht.

Das Krankengebet der Ältesten: Ein biblischer Weg (Jakobus 5,14-16)

Neben dem persönlichen Gebet eröffnet der Jakobusbrief einen zusätzlichen, wichtigen Weg für Kranke: „Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist“ (Jakobus 5,14-16).

Jakobus spricht hier nicht von einer „letzten Ölung“ als Sterbesakrament, sondern von einem Angebot für jeden, der krank ist und über das persönliche Gebet hinaus das Krankengebet seiner Ältesten in Anspruch nehmen möchte, das Gott mit besonderen Verheißungen versehen hat. Die Umsetzung dieses biblischen Prinzips erfordert Verständnis und Glauben auf beiden Seiten – beim Kranken und bei den Ältesten.

Was sagt die Bibel über die Heilung?

Die Initiative des Kranken

Die Bibel legt die Initiative in die Hand des Kranken: „Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde“! Dies setzt voraus, dass der Kranke gesund werden will und bereit ist, das zu tun, was Gott ihm anbietet. Es ist ein Akt des Glaubensgehorsams und des Vertrauens auf Gott. Es werden keine besonders befähigten „Wunderheiler“ gerufen, sondern schlicht „die Ältesten der Gemeinde“. Die Betonung liegt darauf, dass der Rufende nicht besonderen Menschen etwas zutraut, sondern Gott, den er beim Wort nimmt. Gott verheißt, sich zu dem schlichten Dienst der geistlichen Hirten zu bekennen, die er dieser örtlichen Gemeinde gegeben hat.

Dies setzt natürlich voraus, dass Gemeinden „Älteste“ im biblischen Sinn haben: geistlich reife Männer mit gutem Ruf, geordneten Familienverhältnissen und einem geheiligten Leben (1. Timotheus 3,1-7; Titus 1,5-9). Ihre Bezeichnungen mögen variieren (Aufseher, Vorsteher, Leiter, Hirten, Presbyter), aber sie sind von Gott berufene Verantwortungsträger für die örtliche Gemeinde, keine „geistlichen Supermänner“. Es müssen nicht immer alle Ältesten gerufen werden, aber mehrere („die Ältesten der Gemeinde“), da es um ihr gemeinschaftliches Gebet als Teil ihrer Hirtenaufgabe geht.

Wenn Älteste zu jemandem zum Gebet nach Jakobus 5 gerufen werden, sollten sie zunächst seelsorgerliches Interesse zeigen. Sie sind nicht allwissend und können die Situation des Kranken erst verstehen, wenn sie ihnen mitgeteilt wird. Nach aufmerksamem Zuhören können die Ältesten dem Kranken Jakobus 5,14-16 vorlesen und kurz erklären, was Gott hier sagt und wie es geschehen soll.

Die Rolle der Ältesten: Gebet und Salbung

Die herbeigerufenen Ältesten haben die doppelte Aufgabe, „dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn“ (Jakobus 5,14b).

Das Gebet „über“ dem Kranken beinhaltet in der Regel die Handauflegung. Diese im Judentum vertraute Geste hat nichts Magisches an sich. Sie drückt eine doppelte Symbolik aus: Erstens identifiziert sie die Beter zeichenhaft mit dem Kranken. Er ist nicht allein in seiner Not; geistliche Menschen machen sich vor Gott eins mit ihm in seinem Leiden und seiner Bitte um Gottes Hilfe. Zweitens symbolisiert dieses menschliche Zeichen, dass Gott dem Menschen nahe kommt. Die Handauflegung war im Judentum immer auch eine Segensgeste. Es ist tragisch, dass Extremisten die Handauflegung leider mit magischen Vorstellungen verbunden haben, als ginge es darum, dass heilende Energien durch die Hände in den Körper gelangten. Solche Vorstellungen gehören nicht zu einem Gemeindeältesten nach Jakobus 5.

Das Gebet der Ältesten soll ein „Gebet des Glaubens“ sein (Vers 15a), ein Fürbittegebet („betet füreinander“, Vers 16a), ein „ernstliches Gebet“ (Vers 16b). Dies betont erneut, dass es nicht um besondere Befähigungen der Ältesten geht. Vielmehr setzen diese Ältesten ihr ganzes Vertrauen auf Gott, der allein wirken kann, und bringen aus dieser Haltung heraus die Not des Kranken gemeinsam vor Gott. Es ist ein Gebet, das Gott durchaus bitten darf, den Kranken gesund zu machen („Betet füreinander, dass ihr gesund werdet“, Vers 16a). Doch dieses Gebet geschieht immer in der Haltung: „… aber nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“ Ob Gott tatsächlich mit eigentlicher Heilung antwortet, dürfen wir ganz im Vertrauen ihm überlassen.

Zum anderen soll das Gebet durch die Salbung des Kranken mit Öl begleitet sein. Auch diese Zeichenhandlung war in Israel und im Judentum bekannt und hat absolut nichts Magisches an sich. Das Öl ist schlichtes Olivenöl. Seine Symbolik ist ebenfalls zweifach: Einerseits war und ist Olivenöl in Israel als Heilmittel bekannt, das man in Wunden gießt (Lukas 10,34). Dies geht aus der Verwendung des griechischen Wortes „aleipho“ (einreiben mit Öl) hervor, nicht des Fachwortes für rituelle Salbung („chrio“). Andererseits war Öl seit alters her ein Symbol für den Heiligen Geist (Sacharja 4,2-6). Die Krankensalbung mit Öl im Zusammenhang mit der Fürbitte um Heilung soll also als Zeichen des Glaubens und der Hoffnung deutlich machen, dass die Beter erwarten, dass Gott in Antwort auf das Gebet helfend und heilend durch seinen Geist am Kranken wirkt.

Praktisch können Gemeindeälteste ein kleines Fläschchen Olivenöl mit zum Krankenbesuch nehmen. Einer der Ältesten benetzt dann den Finger mit etwas Öl, salbt den Kranken symbolisch an der Stirn und kann dabei sagen: „Im Gehorsam zu Gottes Wort salben wir Dich mit Öl als Zeichen der heilsamen Zuwendung Gottes zu Dir durch seinen Heiligen Geist. Der Herr gebe Dir viel Gnade und Frieden.“

Der Vorbehalt des Sündenbekenntnisses

Das Krankengebet und die Krankensalbung nach Jakobus 5 sind kein Automatismus. Dieses göttliche Angebot für Krankheitszeiten will nicht den Eindruck erwecken, dass es nur darum geht, die Krankheit „wegzubekommen“. Nein, die Hauptsache ist, dass man mit Gott im Reinen ist. Eine Krankheitssituation kann eine Gelegenheit sein, Gott neu zu begegnen. Entsprechend lädt Gott den Kranken ein, sich in seiner Situation an ihn zu wenden. Und der Kranke wendet sich dann auch zusammen mit seinen Gemeindeältesten vertrauensvoll im Gebet an Gott.

Diese Begegnung wäre jedoch gestört, wenn unvergebene Sünde zwischen dem Kranken und seinem Gott stünde. Gott ist ein heiliger Gott, und Sünde trennt Gottes Volk von ihm (Jesaja 59,2). Gott will nicht nur, dass wir Gesundheit von ihm wollen; er will Gemeinschaft mit seinen Kindern haben. Deshalb spricht er im Zusammenhang von Jakobus 5 die Sünde und das Sündenbekenntnis an. Das Krankengebet soll vom Glauben und von der Bereitschaft, Sünde loszulassen, begleitet sein (Verse 15-16a): „Das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen…; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet.“

Diese Verbindung sollten nicht nur die Kranken verstehen, sondern auch die Ältesten. Sie sollten sich geistlich auf ein Krankengebet vorbereiten, indem sie selbst Gott um Reinigung von Sünden bitten. Dem Kranken sollte ebenfalls Gelegenheit gegeben werden, vor dem Fürbittegebet unter Handauflegung Gott bußbereit um Vergebung zu bitten, wenn unvergebene Sünde zwischen ihm und Gott steht. Ein so von Reue und Vertrauen getragenes Gebet wird nicht nur eine kleine ergänzende Maßnahme zu allen ärztlichen und medizinischen Bemühungen sein, sondern Ausdruck dessen, dass man gerade auch in der Not seinem Gott begegnen kann, und damit die Krankheit zum Segen wird – unabhängig von ihrem Ausgang!

Die göttliche Verheißung und Gottes Souveränität

Gottes Wort lädt uns ein, im Krankheitsfall zuversichtlich um Heilung zu beten: „… betet füreinander, dass ihr gesund werdet!“ (Jakobus 5,16a). Wie bei allen anderen Anliegen dürfen wir auch bei Krankheit Gott konkret sagen, wo der Schuh drückt; und wir dürfen uns von ihm das erbitten, was unser legitimes Anliegen ist: gesund zu werden! Zugleich ermutigt Gott uns zu großem Gottvertrauen: „Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist“ (Vers 16b). Denn wenn Gott auf das Gebet antwortet, ist ihm nichts unmöglich.

Und doch ist das Krankengebet kein Automat, in den man oben die Fürbitte einwirft – und unten kommt die Heilung heraus. Die Verheißung, die Gott gibt, bleibt entsprechend etwas allgemeiner: „Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten“ (Vers 15a). Hier steht nicht, dass Gott in jedem Fall heilen wird. Er verheißt, dem Kranken zu „helfen“ (griech.: sozein = retten, helfen): Das kann im Einzelfall Heilung bedeuten, kann in diesem Zusammenhang aber auch Beistand, Stärkung meinen. Und dass der Herr den Kranken „aufrichten“ wird, kann entweder äußerlich geschehen, indem er sein Krankenlager (gesund) verlassen kann – oder aber dass Gott ihn innerlich stärkt, ihm Zuversicht, Trost und Mut schenkt und ihm so hilft, sein Leiden zu ertragen.

Was bedeutet bitten im Namen des Herrn Jesus?

Hat Jesus Paulus aufgerichtet, als dieser ihn in seinem Leiden dreimal um Abhilfe bat, Gott aber das Problem nicht wegnehmen wollte (2. Korinther 12,8)? Ja, denn das Ergebnis war, dass Paulus nun in der Lage war, sich in seiner Lage „meiner Schwachheit zu rühmen, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Muts…“ (2. Korinther 12,9f). Dies zeigt Gottes Souveränität in der Art und Weise, wie er hilft.

Jakobus 5 passt hier genau in das neutestamentliche Gesamtbild. Mit dem Kommen Jesu ist das Reich Gottes schon in diese Welt hereingebrochen. Noch läuft die alte Todeswelt weiter – und auch Christen sind mit ihrem sterblichen Leib dieser Todeswelt noch verhaftet und seufzen darunter (Römer 8,22ff; 2. Korinther 5,1-6). Aber das Reich Gottes, die Neuschöpfung, ist nicht nur zukünftig, sondern ist schon angebrochen (Matthäus 12,28; Lukas 17,21; 2. Korinther 5,17; Kolosser 1,13). Die Zeichen dieses Reiches, das in seiner Vollendungsgestalt einmal alles neu machen und Krankheit und Tod überwinden wird (Offenbarung 21,1-5), werden sich heute schon immer wieder zeigen, wo und wann es Gott gefällt – als Hinweise auf das, was einmal kommen wird! Was sich da dann mitten in einer vergänglichen Welt an uns vergänglichen Menschen zeigt, sind Gottes Wunder.

Wenn er im Einzelfall solch ein Wunder nicht tut, sondern in anderer Weise heilsam eingreift, weist uns sein Verheißungswort trotzdem darauf hin, dass am Ende das Leben, die Auferstehungsherrlichkeit, das ewige Ziel bei Gott steht. Sei es also durch eine Heilung, die uns ja auch nur für eine Zeit in dieses endliche Leben zurückbringt, sei es durch die Verheißung des Wortes Gottes, das uns in Freud und Leid gilt: Immer werden wir darauf hingewiesen, dass wir jetzt noch im Glauben und nicht dauerhaft im Schauen leben – und dass das Schönste noch kommt. Von daher wollen wir Gott viel zutrauen; und uns auch in unseren Krankheiten und Schmerzen ihm anvertrauen. Er kann heilen. Er wird auf jeden Fall helfen.

Häufig gestellte Fragen zur Heilung durch Gebet

Muss ich immer geheilt werden, wenn ich genug glaube?

Nein, die Bibel lehrt nicht, dass ein bestimmtes Maß an Glauben immer zur sofortigen physischen Heilung führt. Jakobus 5,15 sagt, dass das Gebet des Glaubens dem Kranken „helfen“ wird und der Herr ihn „aufrichten“ wird. Dies kann Heilung bedeuten, aber auch Stärkung, Trost oder die Fähigkeit, das Leiden zu ertragen. Gottes Wille und Souveränität stehen über unserem Wunsch nach Heilung. Das Beispiel von Paulus, der nicht von seinem „Stachel im Fleisch“ geheilt wurde, sondern Gnade erfuhr, ist hier ein klares Zeugnis (2. Korinther 12,7-10).

Heilt Gott immer sofort?

Nicht immer. Die Bibel zeigt Beispiele für sofortige Heilungen (z.B. durch Jesus oder die Apostel), aber auch für Prozesse, die Zeit brauchen, oder für Situationen, in denen keine physische Heilung eintritt. Gottes Zeitplan und seine Wege sind oft anders als unsere Erwartungen. Unser Fokus sollte auf dem Vertrauen in seine Güte und Weisheit liegen, nicht auf der Geschwindigkeit der Heilung.

Kann Krankheit eine Strafe Gottes sein?

Während Sünde Krankheit nach sich ziehen kann (wie in Jakobus 5,15 angedeutet, wo Sündenvergebung mit Heilung verbunden ist), ist nicht jede Krankheit eine direkte Strafe für eine spezifische Sünde. Jesus selbst korrigierte diese Annahme (Johannes 9,1-3). Krankheit kann viele Ursachen haben und ist oft eine Folge der gefallenen Welt, in der wir leben. Sie kann aber auch eine Gelegenheit für Gott sein, seine Macht zu zeigen oder unseren Charakter zu formen.

Was ist, wenn ich nicht geheilt werde?

Wenn physische Heilung ausbleibt, bedeutet das nicht, dass Gott nicht geantwortet hat oder dass der Glaube des Betenden unzureichend war. Gott hilft auf vielfältige Weise: durch innere Stärkung, Trost, Frieden im Leid, oder durch die Kraft, die Krankheit zu ertragen. Das ultimative Ziel für Gläubige ist die ewige Herrlichkeit bei Gott, wo es keine Krankheit mehr geben wird. Auch wenn Heilung hier und heute nicht geschieht, ist die Hoffnung auf die vollkommene Neuschöpfung gewiss.

Ist der Arztbesuch ungläubig, wenn ich an Gebetsheilung glaube?

Absolut nicht. Die biblische Lehre von der Heilung durch Gebet schließt medizinische Behandlung nicht aus. Ganz im Gegenteil, die Medizin ist oft ein Mittel, durch das Gott seine heilende Kraft wirken lässt. Das Anwenden von Öl als Heilmittel in Jakobus 5,14 deutet bereits auf die Verwendung von bekannten Heilmethoden hin. Kluge Christen nutzen sowohl das Gebet als auch die medizinischen Möglichkeiten, die Gott uns zur Verfügung stellt.

Vergleich: Häufige Missverständnisse vs. Biblische Wahrheit

Häufige MissverständnisseBiblische Wahrheit
Heilung ist immer garantiert, wenn man genug glaubt.Heilung ist ein Geschenk Gottes; seine Souveränität bestimmt den Ausgang des Gebets.
Krankheit ist immer ein Zeichen persönlicher Sünde.Sünde kann Krankheit verursachen, aber nicht jede Krankheit ist eine direkte Strafe.
Wunderheiler können Heilungen befehlen oder ankündigen.Gott allein heilt; Menschen sind Werkzeuge, die in seinem Namen beten.
Medizinische Hilfe ist ein Zeichen von mangelndem Glauben.Gott kann durch Medizin heilen; Gebet und Arztbesuch ergänzen sich.
Gebet für Heilung ist ein magischer Automat.Gebet ist eine vertrauensvolle Kommunikation mit Gott, die seine Gnade und Hilfe sucht.

Das Gebet des Glaubens ist eine zutiefst biblische Praxis, die uns einlädt, in unseren Krankheiten und Schmerzen zu Gott zu kommen. Es ermutigt uns, die Ältesten der Gemeinde zu rufen, damit sie mit uns beten und uns salben, als Zeichen unserer Hingabe und unseres Vertrauens auf Gottes Wirken. Es ist ein Weg, auf dem wir uns mit Gott ins Reine bringen und ihn um seine Hilfe bitten können. Auch wenn Gott nicht immer in der Weise heilt, wie wir es uns wünschen, so verheißt er doch, uns zu helfen und uns aufzurichten – sei es körperlich oder durch innere Stärkung. Letztlich weist uns jede Heilung und jede Unterstützung im Leiden auf die kommende Vollendung hin, in der Gott alle Tränen abwischen und es keine Krankheit mehr geben wird. Bis dahin dürfen wir ihm vertrauen, denn er kann heilen, und er wird auf jeden Fall helfen.

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