Wie heißt der Gründer der Communauté von Taizé?

Frère Roger: Der Gründer von Taizé

22/04/2022

Rating: 4.01 (12284 votes)

Die Communauté von Taizé, ein kleines Dorf im Herzen Burgunds, ist für Millionen von Menschen weltweit ein Synonym für Frieden, Gebet und Versöhnung geworden. Doch hinter dieser einzigartigen ökumenischen Bruderschaft steht die Vision und das unermüdliche Wirken eines Mannes: Frère Roger Schutz. Seine Lebensgeschichte ist eng mit der Entstehung und Entwicklung dieser außergewöhnlichen Gemeinschaft verbunden, die seit Jahrzehnten Menschen aller Altersgruppen und Konfessionen anzieht, um eine tiefe spirituelle Erfahrung zu teilen.

Wer ist der Gründer von Taizé?
Frère Roger, Gründer von Taizé 11. Gesegnet in unserer menschlichen Zerbrechlichkeit 12. Osterstimmen 13. Ist Christus zerteilt? 14. Vergnügen, Glück, Freude 15. „Verwurzelt und gebaut in Christus“ 16. Ikonen 17. Die Leidenschaft für die Einheit des Leibes Christi 18. Drei Annäherungen an den christlichen Glauben 19.
Inhaltsverzeichnis

Frère Rogers Leben und die Geburt einer Vision

Frère Roger, mit bürgerlichem Namen Roger Louis Schutz-Marsauche, wurde am 12. Mai 1915 in Provence, Schweiz, geboren. Aufgewachsen in einer protestantischen Familie, war er schon früh von der Idee der Versöhnung und der Einheit der Christen fasziniert. Nach seinem Theologiestudium in Lausanne und Straßburg spürte er einen tiefen Ruf, ein Leben des Gebets und der Gemeinschaft zu führen. Im Jahr 1940, inmitten der Wirren des Zweiten Weltkriegs, traf Frère Roger eine mutige Entscheidung: Er zog in das kleine, verlassene Dorf Taizé in Frankreich, nahe der Demarkationslinie. Sein ursprünglicher Gedanke war, einen Ort der Zuflucht für Kriegsflüchtlinge zu schaffen, insbesondere für Juden. Er kaufte ein kleines Haus und begann, Menschen zu beherbergen, die vor der Verfolgung flohen. Diese Zeit des Helfens und des Teilens legte den Grundstein für die spätere Gemeinschaft. Es war eine Zeit großer Gefahr und Einfachheit, in der er und seine Schwester Geneviève, die ihn unterstützte, oft auf sich allein gestellt waren. Die ersten Brüder schlossen sich ihm 1942 an, doch sie mussten Taizé vorübergehend verlassen, als ihre Aktivitäten von der Gestapo entdeckt wurden. Nach dem Krieg kehrten sie zurück und begannen, die Communauté formell aufzubauen. Am Osterfest 1949 legten die ersten sieben Brüder ihre Gelübde ab und verpflichteten sich zu einem Leben der Ehelosigkeit, des materiellen Teilens und einer großen Einfachheit des Lebens. Diese frühen Jahre waren geprägt von harter Arbeit, dem Aufbau der Gebäude und der Formung des gemeinsamen Lebens.

Die Säulen der Communauté: Ökumene, Versöhnung und Einfachheit

Das Fundament der Communauté von Taizé ruht auf drei zentralen Säulen, die untrennbar mit der Vision Frère Rogers verbunden sind: Ökumene, Versöhnung und eine radikale Einfachheit des Lebens. Frère Roger träumte von einer Gemeinschaft, die über konfessionelle Grenzen hinausgeht und alle Christen – Protestanten, Katholiken, Orthodoxe – in einem gemeinsamen Gebet und Leben vereint. Er sah die Spaltung der Christen als ein Skandal und setzte sein Leben dafür ein, Brücken zu bauen. Diese ökumenische Offenheit ist bis heute das Herzstück von Taizé. Besucher aus aller Welt und verschiedenster Glaubensrichtungen kommen hier zusammen und erleben, dass Einheit in Vielfalt möglich ist. Die zweite Säule, die Versöhnung, ist vielschichtig. Sie bezieht sich auf die Versöhnung zwischen den Konfessionen, zwischen den Völkern, aber auch auf die innere Versöhnung des Einzelnen mit sich selbst, mit anderen und mit Gott. In Taizé wird ein Raum geschaffen, in dem Verletzungen heilen und Vorurteile abgebaut werden können. Die Atmosphäre der Akzeptanz und des Zuhörens trägt maßgeblich dazu bei. Die dritte Säule ist die Einfachheit. Die Brüder von Taizé leben ein Leben ohne persönlichen Besitz. Alles wird geteilt, und die Gemeinschaft finanziert sich ausschließlich durch die Arbeit der Brüder (Herstellung von Keramik, Kunsthandwerk, Musik) und durch Spenden. Diese Einfachheit erstreckt sich auch auf die Lebensweise der Besucher. Die Unterkünfte sind schlicht, das Essen einfach. Dies soll dazu beitragen, den Fokus auf das Wesentliche zu legen: das Gebet, die Gemeinschaft und die innere Einkehr. Vertrauen in Gott und ineinander ist ein weiteres Kernprinzip, das das tägliche Leben in Taizé prägt.

Das Taizé-Gebet: Eine universelle Sprache

Das Herzstück des Lebens in Taizé sind die dreimal täglich stattfindenden Gebete in der Versöhnungskirche. Diese Gebete haben einen unverwechselbaren Stil, der weltweit bekannt geworden ist: kurze, meditative Gesänge in mehreren Sprachen, die oft wiederholt werden, um eine Atmosphäre der Kontemplation und der inneren Ruhe zu schaffen. Diese Stille und die Wiederholung der Gesänge ermöglichen es den Teilnehmern, zur Ruhe zu kommen und sich auf die Gegenwart Gottes einzulassen, unabhängig von ihrer Muttersprache oder ihrem kulturellen Hintergrund. Es ist eine Form des Gebets, die nicht auf intellektuelles Verständnis, sondern auf Erfahrung und Gefühl abzielt. Zwischen den Gesängen gibt es lange Phasen der Stille, in denen jeder Einzelne die Möglichkeit hat, in sich zu gehen und zu meditieren. Bibeltexte werden in verschiedenen Sprachen gelesen, und es gibt kurze Einführungen oder Impulse. Die ikonische Versöhnungskirche, mit ihren Teppichen auf dem Boden, lädt zum Sitzen und Knien ein, was die informelle und zugängliche Atmosphäre unterstreicht. Die Gesänge sind oft nur wenige Zeilen lang, aber ihre Melodien sind eingängig und tiefgründig. Sie werden von den Brüdern und Besuchern gemeinsam gesungen und von Instrumenten wie Gitarren, Flöten und Celli begleitet. Diese Musik ist zu einem Markenzeichen von Taizé geworden und wird in Kirchen und Gemeinschaften auf der ganzen Welt verwendet.

Taizé und die Jugend der Welt

Seit den späten 1950er Jahren und besonders ab den 1960er Jahren begann Taizé, immer mehr junge Menschen anzuziehen. Was als kleine Gemeinschaft begann, entwickelte sich zu einem internationalen Treffpunkt für Zehntausende junger Erwachsener jedes Jahr. Frère Roger erkannte früh die Sehnsucht der Jugend nach Sinn, Gemeinschaft und Authentizität. Er öffnete die Türen von Taizé weit und lud sie ein, für eine Woche oder länger am Leben der Brüder teilzuhaben. Die "Pilgerreise des Vertrauens auf der Erde" wurde ins Leben gerufen – eine Initiative, die junge Menschen dazu ermutigt, nicht nur nach Taizé zu kommen, sondern auch den Geist von Taizé in ihre Heimatgemeinden und Städte zu tragen. Dies geschieht durch Gebetstreffen, Bibelgruppen und soziale Projekte, die von den Besuchern selbst organisiert werden. Die Brüder von Taizé reisen auch regelmäßig in verschiedene Länder, um diese lokalen Initiativen zu unterstützen und den Austausch zu fördern. Die Einfachheit des Lebens in Taizé, die Möglichkeit zur Reflexion und der interkulturelle Austausch sind besonders attraktiv für junge Menschen, die oft nach Orientierung und einer tiefen Erfahrung suchen. Sie finden in Taizé einen Ort, an dem sie akzeptiert werden, Fragen stellen können und eine Gemeinschaft erleben, die über alle nationalen und konfessionellen Grenzen hinwegreicht.

Das Erbe von Frère Roger und die Zukunft von Taizé

Frère Roger leitete die Communauté von Taizé über 65 Jahre lang mit unermüdlicher Hingabe und Weitsicht. Sein Leben endete tragisch am 16. August 2005, als er während eines Abendgebets in der Versöhnungskirche von einer psychisch kranken Frau angegriffen und tödlich verletzt wurde. Sein Tod erschütterte die Gemeinschaft und die Welt, doch sein Vermächtnis lebt weiter. Schon Jahre zuvor hatte Frère Roger seinen Nachfolger bestimmt: Frère Alois Löser, ein deutscher Katholik, der seit 1974 Mitglied der Communauté ist. Frère Alois führt die Gemeinschaft im Geist Frère Rogers weiter, betont die Bedeutung der Ökumene, der Versöhnung und der Gastfreundschaft. Die Communauté von Taizé bleibt auch nach dem Tod ihres Gründers ein Leuchtturm der Hoffnung und ein Ort der Begegnung. Sie passt sich den Herausforderungen der modernen Welt an, ohne ihre Kernprinzipien zu verlieren. Die Brüder setzen sich weiterhin für soziale Gerechtigkeit ein, besuchen Gefängnisse und engagieren sich in benachteiligten Gebieten. Die Botschaft von Taizé – eine Botschaft der Freude, der Einfachheit und des Vertrauens – ist heute relevanter denn je in einer Welt, die oft von Spaltung und Komplexität geprägt ist. Die Pilgerreise des Vertrauens geht weiter, und Taizé inspiriert weiterhin unzählige Menschen, ihren eigenen Weg des Glaubens und der Menschlichkeit zu finden.

Vergleich: Klösterliche Gemeinschaften – Ein Blick auf Taizé und Traditionelle Orden

Um die Einzigartigkeit von Taizé besser zu verstehen, kann ein Vergleich mit traditionellen klösterlichen Gemeinschaften aufschlussreich sein.

MerkmalTraditionelle Klöster (z.B. Benediktiner)Communauté von Taizé
GründungszweckHistorisch oft Selbstversorgung, Bewahrung des Glaubens, Gelehrsamkeit, Gebet für die Welt.Ökumenische Versöhnung, Gastfreundschaft für Jugendliche, gemeinsames Gebet, Einfachheit.
Ökumenische AusrichtungTraditionell meist konfessionell gebunden (z.B. katholisch, orthodox), auch wenn Offenheit bestehen kann.Von Anfang an explizit ökumenisch; Brüder aus verschiedenen christlichen Traditionen.
Schwerpunkt des GebetsStundenliturgie (Stundengebet) mit festen Texten und Gesängen, oft lateinisch oder in Landessprache.Meditative, repetitive Gesänge (oft in mehreren Sprachen), lange Stillephasen, Bibeltexte.
GastfreundschaftOft für Einzelpersonen oder kleine Gruppen, manchmal mit spezifischen Regeln oder Stillegeboten.Offen für Zehntausende junge Erwachsene pro Jahr; Betonung der Gemeinschaft und des Teilens.
BesitzGemeinschaftlicher Besitz, aber oft mit klaren Strukturen für die Verwaltung der Güter.Radikale Einfachheit und Armut; kein persönlicher Besitz der Brüder, alles wird geteilt.
Geografische MobilitätMönche bleiben oft lebenslang im selben Kloster (Stabilitas loci).Brüder reisen weltweit für die "Pilgerreise des Vertrauens", leben auch in kleinen Fraternitäten außerhalb von Taizé.

Dieser Vergleich zeigt, dass Taizé, obwohl es eine klösterliche Form annimmt, in vielerlei Hinsicht einen einzigartigen Ansatz verfolgt, der auf die Bedürfnisse der modernen Welt und insbesondere der Jugend zugeschnitten ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur Communauté von Taizé

Was ist die Communauté von Taizé?

Die Communauté von Taizé ist eine ökumenische christliche Bruderschaft, die 1940 von Frère Roger in Taizé, Frankreich, gegründet wurde. Sie besteht aus Brüdern verschiedener protestantischer und katholischer Konfessionen und widmet sich einem Leben des Gebets, der Arbeit und der Gastfreundschaft, insbesondere für junge Menschen aus der ganzen Welt.

Wer kann Taizé besuchen und was erwartet mich dort?

Taizé ist offen für alle, die eine Woche oder länger dort verbringen möchten, unabhängig von ihrer Herkunft, Konfession oder ihrem Glauben. Die meisten Besucher sind junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren, aber es gibt auch Programme für Familien, jüngere Jugendliche und ältere Erwachsene. Ein typischer Tag in Taizé ist strukturiert durch dreimal tägliches gemeinsames Gebet in der Kirche, Bibelgesprächsgruppen, praktische Mithilfe bei den Aufgaben der Gemeinschaft (z.B. Kochen, Reinigen) und Zeiten der Stille und Reflexion. Die Unterkünfte sind einfach, und das Leben ist auf Gemeinschaft und Teilen ausgerichtet.

Muss man religiös sein, um Taizé zu besuchen?

Nein, man muss nicht zwingend religiös sein, um Taizé zu besuchen. Viele Menschen kommen ohne feste religiöse Überzeugung oder suchen einfach nach einem Ort der Ruhe und des Sinns. Die Atmosphäre ist offen und einladend, und jeder wird ermutigt, seinen eigenen Weg zu finden. Die Teilnahme an den Gebeten und Gesprächen ist freiwillig, aber die meisten Besucher schätzen die Möglichkeit, in diese einzigartige spirituelle Umgebung einzutauchen.

Was ist das Besondere an den Taizé-Gesängen?

Die Taizé-Gesänge sind kurze, meditative Lieder, die oft wiederholt werden. Sie sind in verschiedenen Sprachen verfasst und zeichnen sich durch einfache, eingängige Melodien aus. Ihre Wiederholung soll helfen, zur Ruhe zu kommen, sich zu konzentrieren und eine kontemplative Gebetsatmosphäre zu schaffen. Sie ermöglichen es Menschen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen, gemeinsam zu singen und zu beten, und werden oft von Instrumentalmusik begleitet. Sie sind weltweit in vielen Kirchen und Gemeinschaften beliebt.

Wie finanziert sich die Communauté von Taizé?

Die Communauté von Taizé finanziert sich ausschließlich durch die Arbeit ihrer Brüder und durch Spenden. Die Brüder leben ohne persönlichen Besitz und arbeiten in verschiedenen Bereichen, unter anderem stellen sie Kunsthandwerk und Keramik her, deren Verkaufserlöse der Gemeinschaft zugutekommen. Sie nehmen kein Gehalt an und leben von dem, was die Gemeinschaft erwirtschaftet und an Spenden erhält. Besucher leisten einen Beitrag zu den Kosten für Unterkunft und Verpflegung, aber niemand wird aus finanziellen Gründen abgewiesen.

Gibt es Taizé-Treffen auch außerhalb von Frankreich?

Ja, der Geist von Taizé verbreitet sich weit über das Dorf in Burgund hinaus. Die Brüder von Taizé reisen regelmäßig in verschiedene Länder, um an lokalen Treffen teilzunehmen und die "Pilgerreise des Vertrauens auf der Erde" zu unterstützen. Darüber hinaus gibt es weltweit unzählige lokale Gemeinden und Gruppen, die regelmäßig Taizé-Gebete nach der Art der Communauté veranstalten. Diese Treffen ermöglichen es Menschen, die nicht nach Taizé reisen können, die besondere Atmosphäre und Gebetsform zu erleben.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Frère Roger: Der Gründer von Taizé kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Spiritualität besuchen.

Go up