Wie viele Gebete gibt es im Koran?

Glaube nach Auschwitz: Eine theologische Herausforderung

21/01/2026

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Die Shoah, das unfassbare Massenverbrechen der Nationalsozialisten, hat nicht nur Millionen Menschen das Leben gekostet, sondern auch tiefe Furchen im jüdischen Glauben hinterlassen. Für viele Überlebende und nachfolgende Generationen war die Erfahrung von Auschwitz ein Schock, der die traditionelle Vorstellung eines allmächtigen, gütigen Gottes radikal infrage stellte. Wie kann man an einen solchen Gott glauben, wenn er das unermessliche Leid und die systematische Vernichtung seines Volkes zugelassen hat? Diese Frage, die tief in die Seele der Überlebenden drang, prägt die jüdische Theologie und Philosophie bis heute. Elie Wiesel, der Friedensnobelpreisträger und Shoah-Überlebende, brachte es auf den Punkt: "Wo er ist? Dort hängt er, am Galgen..." Diese schmerzliche Erkenntnis ist der Ausgangspunkt einer jahrzehntelangen, oft heftigen Debatte über Gott, Glauben und die jüdische Identität nach der Katastrophe.

Wie wirkt sich die Shoah auf den jüdischen Glauben aus?
Unser Autor Jens Rosbach hat sich damit beschäftigt und den Einfluss der Shoah auf den jüdischen Glauben beleuchtet. Holocaust-Überlebende berichten oft: Seit Auschwitz können wir nicht mehr religiös sein. Wer die unvorstellbaren Nazi-Verbrechen miterlebt hat, der kann einfach nicht mehr an einen allmächtigen, gütigen Gott glauben.

Das Schweigen Gottes und die radikale Frage

Elie Wiesel, dessen Worte im Bundestag tiefe Betroffenheit auslösten, artikulierte nicht nur die Frage nach der deutschen Schuld, sondern auch die weitaus brisantere Frage nach Gottes Rolle im Massenmord an den Juden. "Nicht einmal Gott, den Gott Israels, schien es zu rühren. Mehr noch als das Schweigen der andern war Gottes Schweigen ein Geheimnis, das vielen von uns rätselhaft bleibt und uns bedrückt bis auf den heutigen Tag." In seinem autobiografischen Werk "Die Nacht" schildert Wiesel die erschütternde Szene einer Hinrichtung im Lager, bei der ein Kind qualvoll stirbt. Die verzweifelte Frage "Wo ist Gott?" hallt durch die Reihen der Gefangenen, und Wiesels innere Antwort ist ein markerschütterndes "Wo er ist? Dort hängt er, am Galgen..." Für viele Zeitzeugen, die Hunger, Folter, Angst und Vergasungen miterlebten, war die Schlussfolgerung klar: Gott ist in Auschwitz gestorben. Dieses Fazit zog – zumindest teilweise – auch die jüdische Theologie.

„Gott ist tot“: Die Theologie nach Auschwitz

Den Auftakt zu einer neuen Ära der jüdischen Theologie machte 1966 der US-amerikanische Rabbiner Richard Rubenstein mit seinem provokanten Buch "After Auschwitz". Seine Position lässt sich, wie der Historiker Christoph Münz berichtet, in drei Worten zusammenfassen: "Gott ist tot." Rubenstein argumentierte mit einer strengen Logik: Erstens, Gott kann es unmöglich erlaubt haben, dass der Holocaust geschieht. Zweitens, der Holocaust ist aber geschehen. Und deshalb, drittens, existiert Gott – so wie es in der jüdischen Tradition gedacht ist – nicht. Rubenstein präzisierte jedoch, dass er nicht das Ende jeglicher Gottesvorstellung meinte, sondern vielmehr den Abschied vom Glauben an einen Gott als "Herrn der Geschichte", der die Geschicke der Menschen und Völker lenkt. Dies stieß einen zentralen Glaubenssatz des Judentums um und warf die Frage auf, wozu man noch an einen Gott glauben sollte, der sich vom Weltgeschehen vollkommen fernhält.

Gottes verborgenes Angesicht und die Freiheit des Menschen

Die innerjüdischen Debatten waren heftig und führten zu viel beachteten gegensätzlichen Thesen. Eine davon stammt vom jüdischen Philosophen Eliezer Berkovits, der 1939 aus Nazi-Deutschland geflohen war. Berkovits vertrat die Ansicht, dass Gott im Holocaust sein Angesicht verborgen hat. Er tat dies, um den Menschen und der Schöpfung Raum für Freiheit zu geben – damit Gutes und Böses gleichermaßen stark werden können. Diese theologische Position versucht, die Allgüte Gottes zu bewahren, indem sie die Verantwortung für das Böse den Menschen zuschreibt, während Gott sich in einer Art "Selbstbeschränkung" zurückzieht. Es ist ein Versuch, die klassische Theodizee-Frage – die Frage nach Gottes Gerechtigkeit angesichts des Übels in der Welt – zu beantworten, ohne Gottes Existenz oder Güte zu leugnen.

Augenblicke des Glaubens und theologische "Endlösungen"

Ein weiterer bedeutender Vertreter der angelsächsischen "Holocaust-Theologie" war der orthodoxe Rabbiner Irving Greenberg. Er versuchte, den Widerspruch zwischen Gottes Allmacht und der Shoah dialektisch zu lösen. Greenberg argumentierte, dass die klassische Gegenüberstellung von Glaube und Nichtglaube, religiös und säkular, der Komplexität des Holocaust nicht gerecht werde. "Wir müssen wahrnehmen", so zitierte ihn Christoph Münz, "dass es Zeiten gibt, in denen der Glaube bewältigt wird. Wir müssen nun von Augenblicken des Glaubens sprechen. Augenblicken, in denen der Erlöser und die Vision des Erlösers gegenwärtig sind, unterbrochen von Zeiten, in denen die Flammen und der Rauch der verbrennenden Kinder den Glauben auslöschen. Wenngleich er immer wieder auffachen wird." Greenberg plädierte dafür, keine endgültigen religiösen Deutungen mehr zuzulassen, und bilanzierte: "Nach dem Holocaust sollte es keine Endlösungen mehr geben. Nicht einmal mehr theologische."

Gott ohne Allmacht? Hans Jonas' umstrittener Ansatz

Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, ein liberaler Jude, findet das Erklärungsmuster des Philosophen Hans Jonas am überzeugendsten. Jonas verfasste eine wichtige Schrift über den Gottesbegriff nach Auschwitz, in der er argumentierte: "Wenn man intellektuell redlich sein will, dann muss man von den klassischen Prädikaten Gottes Allgüte, Allwissen und Allmacht die dritte Eigenschaft streichen." Das heißt, Gott sei nicht allmächtig. Kann man dann überhaupt noch von Gott sprechen, wenn er teilweise ohnmächtig ist? Brumlik bejaht dies: "Doch, das kann man schon denken. Gott ist die Weisung, der Wegweiser, die Stimme vom Sinai, die uns verpflichtet. Aber nicht jemand, der von jenseits des Weltalls beliebig in die menschlichen Dinge reinfunken kann." Dieser Ansatz steht jedoch im Widerspruch zu den Befreiungsgeschichten Israels aus Ägypten, wo Gott mit "starker Hand und ausgestrecktem Arm" wirkte, was nur ein allmächtiger Gott vermocht hätte.

Orthodoxe Treue zur Gottes Allmacht

Für viele Juden, insbesondere orthodoxe, kommt es nicht infrage, am Gottesbild Abstriche zu machen. Rabbiner Zsolt Balla aus Leipzig kann sich einen ohnmächtigen Gott nicht vorstellen: "Dieser Gedanke kann mit orthodoxem Judentum nicht zusammengehen. Unsere Axiomen sind die 13 Axiomen von Glaube, die Rabbi Mosche Ben Maimon im 12. Jahrhundert formuliert hat. Diese Axiomen sagen sehr sehr klar: Gott ist allmächtig. Wir können das nicht infrage stellen. In der Sekunde, in der man das infrage stellt, bedeutet das, dass man nicht mehr im Rahmen von Orthodoxie ist." Obwohl das orthodoxe Judentum an der Allmacht festhält, hat es auch Positionen zur Shoah revidiert. Die frühere Argumentation, die NS-Vernichtung sei eine Strafe Gottes für Sünden (etwa die Abwendung von der Frömmigkeit), wird heute von vielen abgelehnt, auch von Rabbiner Balla. Er favorisiert ebenfalls Berkovits' These vom zeitweise verborgenen Antlitz Gottes: "Es gibt etwas, aber es ist nicht in unserer Hand – und deshalb für bestimmte Zwecke, für bestimmt Gründe, muss Gott sein Gesicht in bestimmten Generationen verbergen. Warum ist das so? Wir wissen es nicht."

Das "614. Gebot": Jüdisches Überleben als göttlicher Imperativ

Der liberale Rabbiner Emil Fackenheim, selbst ein KZ-Überlebender, stellte eine historisch begründete These auf, die über die klassische Theodizee-Frage hinausgeht. Fackenheim meinte, dass in der Nazi-Zeit Gottes Ruf hörbar wurde: nämlich sein Gebot, trotzdem weiter zu glauben. "Die Begründung ist: Wenn Du anfängst, an Gott zu zweifeln, dann tust Du Hitlers Job, genau das wollte er erreichen: Dass wir Juden, unser Erbe, unsere Tradition, unsere religiöse Identität aufgeben." Daraus formulierte Fackenheim ein 614. Gebot, das den traditionellen 613 Geboten der Tora hinzugefügt werden müsse: "Den Juden ist es verboten, Hitler posthume Siege zu verschaffen. Es ist ihnen geboten, als Juden zu überleben, damit das jüdische Volk nicht untergeht." Dieses Gebot markiert eine neue Ära des Judentums, in der statt des traditionellen Kiddusch ha-Schem (Heiligung des Gottesnamens im Martyrium) nun an erste Stelle das Gebot des Kiddusch ha-Hachaim, die Heiligung des Lebens, tritt. Jüdisches Leben per se wird zu einem zentralen Wert, der die Deutung der realen Weltsituation im Dienste der Erhaltung des jüdischen Lebens als jüdisches Leben lenkt.

Säkulare und philosophische Deutungen des Jüdischseins

Viele heutige Juden können nach der Shoah mit einer rein religiösen Deutung des Judentums nichts mehr anfangen, wollen aber dennoch ihr Judentum erhalten. Für sie boten Denker wie Fackenheim, Hans Jonas und Emmanuel Lévinas auch säkulare, philosophische oder historisch-soziologische Deutungen an. Fackenheim erörterte, wie man nach der Shoah als säkularer Jude ein authentisch jüdisches Leben führen kann, selbst wenn man das Geschehene als Nachgeborener nicht authentisch nachempfinden kann. Er fand die Antwort im Widerstand der Überlebenden in den Todeslagern, der sich in der Aufrechterhaltung der jüdischen Menschenwürde manifestierte. Dieser Widerstand, der der Vernichtung aller Werte einen Wert entgegensetzte, ist für Fackenheim eine wesenhafte jüdische Lebensmöglichkeit, die auch nach der Shoah den Nachgeborenen gegeben ist. Die jüdische Selbstbehauptung und die Begründung und Erhaltung eines jüdischen Staates nach 2000 Jahren Diasporas sind für ihn Eckpfeiler eines authentischen jüdischen Bewusstseins.

Die Rolle Israels und die Instrumentalisierung der Erinnerung

Die Gründung des Staates Israel nach 2000 Jahren Diaspora wird von einigen Theologen, wie dem orthodoxen Rabbiner Irving Greenberg, als ein Zeichen der göttlichen Bestätigung des Bundes und als Akt der Wiederherstellung und Erlösung gesehen. Er interpretiert die drei Epochen der jüdischen Geschichte als einen voranschreitenden Rückzug Gottes in die Verborgenheit und komplementär dazu eine sich verstärkende Verantwortung des Menschen für die Welt. Die Staatsgründung Israels spielt dabei eine zentrale Rolle als "Akt der Wiederherstellung und Erlösung und die Bestätigung des Bundes durch eine weltliche Leistung." Allerdings warnt der Experte Christoph Münz vor der Verknüpfung von Holocaust, Religion und Israel, da die Erinnerung an die Shoah zunehmend politisch instrumentalisiert wird.

Wie kann ich arabisch beten?
Es gibt bestimmte Schritte und Bewegungen, die während des Gebets befolgt werden, darunter Stehen, Verbeugen, Niederwerfen und Sitzen. Sagen Sie die Gebete auf Arabisch auf. Es ist zwar nicht notwendig, Arabisch fließend zu sprechen, um zu beten, aber es ist wichtig, die richtige Aussprache und die Bedeutung der Worte zu lernen.

Die christliche Perspektive und die Suche nach Versöhnung

Die Fragen nach dem Schweigen Gottes beschäftigen auch die christliche Kirche. Papst Benedikt XVI. fragte bei seinem Besuch in Auschwitz-Birkenau im Jahr 2006: "Wo war Gott in jenen Tagen? Warum hat er geschwiegen?" Elie Wiesel spitzte die Frage der Christen folgendermaßen zu: "Der nachdenkliche Christ weiß, dass in Auschwitz nicht das jüdische Volk, sondern das Christentum gestorben ist." Dies bezieht sich auf die historische Mitschuld der christlichen Theologie am Antisemitismus. Der jüdische Publizist Günther Bernd Ginzel kritisiert, dass ohne diese Theologie der nationalsozialistische Vernichtungswille nicht denkbar gewesen wäre, da sich die Nazis auf Kirchenväter und Luther berufen konnten, die die Juden als "Unglück" und "Gottesmörder" darstellten. Nach 1945 haben sich die christlichen Kirchen jedoch ihrer Schuld gestellt, was von jüdischen Fachleuten wie Micha Brumlik anerkannt wird, der eine stärkere Nähe zum Judentum im christlichen Glauben sieht. Trotzdem gibt es auch viele Juden, die die Reue der Christen als oberflächlich empfinden und die Kirchen nach wie vor als überheblich gegenüber den Juden wahrnehmen, wie Eliezer Berkovits, der radikal forderte: "Das einzige, was wir uns heute noch von Christen und Christentum wünschen ist, dass sie von uns und unseren Kindern ihre Hände lassen!"

Theologische Positionen im Überblick

Die Debatte über den Glauben nach der Shoah ist komplex und vielschichtig. Hier sind einige der wichtigsten theologischen Positionen:

Theologe / PositionKernargumentImplikation für Gottesbild
Richard Rubenstein"Gott ist tot" (im Sinne des Herrn der Geschichte)Gott greift nicht in die menschliche Geschichte ein; das Weltgeschehen ist autonom.
Eliezer BerkovitsGott hat sein Angesicht verborgen (Hester Panim)Gott zieht sich zurück, um dem Menschen Freiheit für Gut und Böse zu gewähren.
Irving Greenberg"Augenblicke des Glaubens" gegen die VerwüstungDer Glaube wird bewältigt, aber die Vision des Erlösers kehrt immer wieder. Keine theologische "Endlösung".
Hans JonasGott ohne AllmachtGott ist die Weisung, der Wegweiser vom Sinai, aber kein willkürlich eingreifender Akteur.
Emil FackenheimDas "614. Gebot": Jüdisches ÜberlebenGott fordert den aktiven Widerstand gegen die Vernichtung und die Kontinuität des jüdischen Lebens.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Kann man nach der Shoah noch an Gott glauben?

Diese Frage ist das zentrale Dilemma, das die Shoah für den jüdischen Glauben aufwirft. Viele Überlebende und Theologen haben sie unterschiedlich beantwortet. Während einige zu dem Schluss kamen, dass Gott in Auschwitz gestorben ist oder nicht allmächtig sein kann, halten andere am Glauben fest, indem sie Gottes Rolle neu interpretieren (z.B. als verborgenes Angesicht) oder das Überleben des jüdischen Volkes als göttlichen Imperativ sehen. Die Antwort ist zutiefst persönlich und theologisch vielschichtig.

Was bedeutet "Gott ist tot" im jüdischen Kontext?

Die These "Gott ist tot", formuliert von Richard Rubenstein, bedeutet im jüdischen Kontext nicht unbedingt das Ende jeglicher Gottesvorstellung. Vielmehr ist es der Abschied vom Glauben an einen Gott, der aktiv in die Geschichte eingreift und sie lenkt. Rubenstein sah in der Shoah den Beweis, dass ein solcher Gott, der die Geschicke der Menschen kontrolliert, nicht existieren kann. Es ist eine radikale Revision des Gottesbildes, die die Autonomie der menschlichen Geschichte betont.

Was ist das "614. Gebot"?

Das "614. Gebot" ist ein Konzept des Rabbiners Emil Fackenheim. Es besagt: "Den Juden ist es verboten, Hitler posthume Siege zu verschaffen. Es ist ihnen geboten, als Juden zu überleben, damit das jüdische Volk nicht untergeht." Fackenheim argumentierte, dass nach der Shoah die bloße Existenz und Kontinuität jüdischen Lebens ein göttlicher Befehl sei, um dem Vernichtungswillen der Nazis entgegenzuwirken und ihre endgültige Auslöschung des Judentums zu verhindern. Es verschiebt den Fokus von Martyrium zur Heiligung des Lebens (Kiddusch ha-Hachaim).

Wie hat sich das orthodoxe Judentum zur Shoah geäußert?

Das orthodoxe Judentum hält an der Allmacht Gottes fest und lehnt eine Revision dieses zentralen Glaubenssatzes ab. Frühere Erklärungsversuche, die Shoah sei eine göttliche Strafe für Sünden des jüdischen Volkes, werden heute weitgehend abgelehnt. Stattdessen wird oft die These von Eliezer Berkovits aufgegriffen, dass Gott sein Angesicht verborgen hat, dessen Gründe jedoch dem Menschen verborgen bleiben. Für Orthodoxe bleibt die Frage nach dem "Warum" der Shoah ein unlösbares Geheimnis, das die göttliche Allmacht nicht infrage stellt.

Hat sich das Verhältnis zwischen Judentum und Christentum nach der Shoah verändert?

Ja, die Shoah hat zu einer tiefgreifenden Selbstreflexion in den christlichen Kirchen geführt. Angesichts der historischen Mitschuld christlicher Theologie am Antisemitismus haben viele Kirchen ihre Lehren revidiert und sich dem Judentum angenähert. Dies hat zu einem verstärkten Dialog und einer besseren Verständigung geführt. Allerdings gibt es auf jüdischer Seite auch weiterhin Skepsis und Kritik an der Tiefe der christlichen Reue, da die Wunden der Vergangenheit tief sitzen.

Fazit: Glaube in der Kontinuität

Die jahrzehntelangen theologischen Dispute und die scharfen Debatten, die zumeist unter Rabbinern und Intellektuellen geführt wurden, haben dem jüdischen Gott im Großen und Ganzen nichts anhaben können. Christoph Münz resümiert, dass der Holocaust im Mainstream des Judentums offenbar keine zentrale Rolle bei einer Revidierung oder Veränderung der persönlichen Glaubenseinstellungen spielt. Das Gottesbild ist selber mehr oder weniger intakt geblieben, oft in seiner mystischen, widersprüchlichen und unfassbaren Natur. Die Suche nach Antworten auf die unerträgliche Frage, wo Gott war, als sechs Millionen Juden vernichtet wurden, bleibt für viele, auch für orthodoxe Rabbiner wie Zsolt Balla, ein ungelöstes Geheimnis. Doch gerade in dieser Ungewissheit, im Festhalten an der Tradition und im unermüdlichen Streben nach jüdischer Kontinuität findet sich für viele die tiefste Antwort auf die Herausforderungen der Shoah.

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