Was bedeutet das Wort Macabre?

Makaber und Makaba: Eine Reise ins Groteske

01/06/2023

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Das Wort „makaber“ ruft oft sofort Bilder des Grauens, des Schreckens oder des Morbiden hervor. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Adjektiv, und welche Verbindung besteht zu dem scheinbar ähnlichen Begriff „Makaba“? Die Antwort führt uns auf eine überraschende etymologische Reise, die tief in die menschliche Faszination für das Unheimliche und Groteske blickt. In diesem Artikel werden wir die Wurzeln des Makabren ergründen, seinen unverwechselbaren Charakter beleuchten und anhand eindrucksvoller Gedichte seine vielfältigen Erscheinungsformen in der Literatur entdecken.

Was ist der Unterschied zwischen makaber und makaba?
Makaber ist mit seinen etwa 100 Jahren aktiver Verwendung relativ frisch im deutschen Wörterheim und leitet sich vom französischen danse macabre ab, der sich wiederum vom Tanz der Kaffeepilger um die große schwarze Bohne in Mokka herleitet, die bekanntlich arabisch Makaba genannt wird.
Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet „Makaber“? Die etymologische Reise eines faszinierenden Begriffs

Das Adjektiv „makaber“ ist im deutschen Sprachgebrauch vergleichsweise jung, etwa 100 Jahre alt. Seine Herkunft ist jedoch weit älter und führt uns ins Französische zum „danse macabre“, dem Totentanz. Doch woher stammt wiederum dieser Totentanz? Hier wird es besonders interessant und, dem Wesen des Makabren entsprechend, eine Spur bizarr:

Laut einer faszinierenden Überlieferung leitet sich der „danse macabre“ vom Tanz der Kaffeepilger um die große schwarze Bohne in Mokka ab, einer Stadt, die bekanntlich im Arabischen als „Makaba“ bezeichnet wird. Dieser Tanz war angeblich sowohl grauenvoll als auch lächerlich: Viele Pilger sollen im aufgewirbelten Kaffeestaub erstickt sein, während ihre überdimensionalen Kaffeebohnenhüte einen eher komischen Anblick boten. „Makaber“ ist demnach die einzigartige Verbindung des Tödlichen mit dem Lachhaften, eine Mischung, die zutiefst menschlich ist und unsere ambivalente Beziehung zum Tod widerspiegelt.

Es ist diese spezifische Definition, die den Kern des Makabren ausmacht: Es ist nicht nur das Gruselige oder Schreckliche an sich, sondern die Art und Weise, wie es mit Elementen des Absurden, des Grotesken oder sogar des Komischen verwoben wird. Dies unterscheidet es von reinem Horror oder Tragödie und verleiht ihm seine besondere, oft verstörende, aber auch tiefgründige Wirkung.

Neben dieser spezifischen, im Text genannten Herleitung gibt es auch andere, weit verbreitete etymologische Theorien für das französische Adjektiv „macabre“. Eine davon besagt, dass der Begriff aus dem arabischen „maqabir“ stammt, was „Gräber“ oder „Friedhof“ bedeutet. Eine weitere, als wahrscheinlicher geltende Ableitung führt den Namen auf den biblischen Maccabaeus zurück, dessen Martyrium in mittelalterlichen Mysterienspielen dargestellt wurde. Diese Theorien betonen ebenfalls die Verbindung zum Tod und zum Grauen, ohne jedoch die im Prompt genannte humorvolle oder groteske Komponente so explizit hervorzuheben wie die „Makaba“-Kaffee-Theorie. Die Komplexität der Etymologie zeigt, wie tief verwurzelt die Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und ihrem Ausdruck in verschiedenen Kulturen ist.

Der Unterschied zwischen „Makaber“ und „Makaba“

Basierend auf der uns vorliegenden Information lässt sich der Unterschied klar definieren:

BegriffArt des WortesBedeutung/Herkunft (laut vorliegendem Text)Charakteristik
MakabaNomen (Eigenname)Arabischer Name für Mokka, der Stadt des Kaffees; Ort des „Tanzes der Kaffeepilger“.Bezeichnet einen geografischen Ort/Konzept, das als Ursprung eines spezifischen Tanzes dient.
MakaberAdjektivLeitet sich vom französischen „danse macabre“ ab, der wiederum vom „Tanz der Kaffeepilger“ in „Makaba“ abstammt.Beschreibt die Verbindung des Tödlichen mit dem Lächerlichen oder Grotesken; eine Eigenschaft oder Atmosphäre.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Makaba“ (Mokka) der Ursprungsort oder das Konzept ist, von dem der „danse macabre“ seinen Namen erhielt, und „makaber“ ist das Adjektiv, das die Eigenschaften dieses Tanzes – die Mischung aus Grauen und Absurdität – beschreibt und auf andere Kontexte überträgt.

Makaber in der Dichtung: Eine Anthologie des Grauens und des Grotesken

Die Faszination für das Makabere hat Dichter über Jahrhunderte hinweg inspiriert. Es ermöglicht, tiefste Ängste zu verarbeiten, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und die Grenzen des Sagbaren auszuloten. Die folgenden Gedichte zeigen auf eindringliche Weise, wie das Makabere in verschiedenen Formen literarischen Ausdruck findet, oft mit einer Prise Schwarzem Humor oder verstörender Ironie.

Licht und Schatten im Gedicht von Hans-Peter Kraus (geb. 1965)

Dieses Gedicht spielt mit unserer Wahrnehmung und der Suggestion des Unsichtbaren, das sich im Schatten offenbart. Es beginnt harmlos, steigert sich jedoch Zeile für Zeile zu einem erschreckenden Bild:

Auf den geschlossenen Rollläden im Sonnenlicht
zeichnet sich ein Schatten ab.
Auf den geschlossenen Rollläden im Sonnenlicht
zeichnet sich ein Schatten ab
von einem kahlen Baum.
Auf den geschlossenen Rollläden im Sonnenlicht
zeichnet sich ein Schatten ab
von einem kahlen Baum mit einem Erhängten.
Auf den geschlossenen Rollläden im Sonnenlicht
zeichnet sich ein Schatten ab
von einem kahlen Baum mit einem Erhängten
leicht bewegt vom Wind.
Verständlich,
dass die Rollläden geschlossen sind.

Kraus nutzt die langsame Entfaltung des Schattens, um eine beklemmende Atmosphäre zu schaffen. Das Makabere liegt hier in der subtilen, aber unmissverständlichen Andeutung des Todes, die sich aus einem alltäglichen Bild – dem Schatten auf dem Rollladen – entwickelt. Die letzte Zeile, „Verständlich, dass die Rollläden geschlossen sind“, wirkt wie eine resignierte Akzeptanz oder eine Flucht vor der grausamen Realität, die sich so deutlich abzeichnet. Es ist die Kombination aus dem banalen Anblick und dem extremen, tödlichen Inhalt, die dieses Gedicht makaber macht.

Mittelaltergedicht: Ritterschlag von Hans Retep (geb. 1956)

Dieses Gedicht versetzt uns in eine Zeit, in der das Leben oft brutal und der Tod allgegenwärtig war. Es zeigt, wie „normale“ Sitten des Mittelalters aus heutiger Sicht als zutiefst makaber erscheinen können:

Der Morgenstern, der Morgenstern,
er traf
die junge Frau mitten ins Gesicht.
Sie überlebte
ihre Augen jedoch nicht.
Blind, entstellt,
aus dem Reich der Schönheit
für immer verbannt,
wurde sie drei Jahre später
mit Gottes Hilfe lebend
als alte Hexe verbrannt.

Hier wird das Makabere durch die rohe Gewalt und die gnadenlose Konsequenz dargestellt. Der „Ritterschlag“, der sich als barbarische Attacke entpuppt, und die anschließende Verbrennung als Hexe, obwohl sie „mit Gottes Hilfe lebend“ ist, zeigen eine Welt ohne Gnade. Die Verbindung von religiöser Rechtfertigung und grausamer Hinrichtung macht die Szene besonders verstörend. Es ist die unbarmherzige Darstellung menschlicher Grausamkeit und Schicksals, die hier als makaber empfunden wird.

Dame makaber von Hans-Peter Kraus (geb. 1965)

In diesem Gedicht treibt Hans-Peter Kraus das Lobhudeln und Schmeicheln auf eine groteske Spitze. Was als harmlose Bewunderung beginnt, mündet in eine zutiefst verstörende Absicht:

Hallo, meine Dame.
Waren Sie beim Friseur?
Diese Frisur steht Ihnen ausgezeichnet.
Und Ihre Haut, sie wirkt frisch und zart.
Ach, im Kosmetikinstitut waren Sie auch?
Und diese wunderbare Perlenkette.
Ist die neu?
Wirklich, meine Dame, Sie sind wunderschön.
Darf ich Ihren Kopf abhacken
und ihn im Glas konservieren?

Der abrupte Wechsel von höchster Höflichkeit und ästhetischer Bewunderung zu der kalten, grausamen Frage nach der Enthauptung und Konservierung des Kopfes ist der Inbegriff des Makabren. Es ist die plötzliche Zerstörung der Schönheit durch eine bizarre, besitzergreifende Geste, die das Gedicht so verstörend macht. Das Groteske liegt hier in der extremen Diskrepanz zwischen Form und Inhalt, zwischen dem charmanten Anfang und dem schockierenden Ende.

Mahlzeit makaber von Hans-Peter Kraus (geb. 1965)

Dieses Gedicht nimmt die Perspektive eines Habichts ein und offenbart eine erschreckend pragmatische, aber blutrünstige Sicht auf die Nahrungssuche:

Der Habicht sitzt
auf dem Baum
am Sportplatz
hinterm Tor
und schaut den Kindern
beim Fußballspielen zu.
Es ist auch wirklich schwierig,
sich zu entscheiden,
welches Kind man greifen soll.
Die Mittelstürmerbohnenstange
kommt natürlich nicht infrage.
Der Torhüter vielleicht,
sieht ein bisschen fett aus.
Wahrscheinlich wäre
ein Mittelfeldspieler die beste Wahl.
Die müssen am meisten laufen,
viel Muskelfleisch.
Ups, da spielt ja auch ein Mädchen mit.
Der Habicht spreitet die Flügel.
Dieser sexistische Bastard.
Mädchenfleisch ist gar nicht zarter.
Möge er an ihren Knorpeln krepieren.

Die beiläufige Betrachtung der Kinder als potenzielle Beute und die „rationale“ Entscheidung, welches Kind das meiste „Muskelfleisch“ bietet, ist zutiefst makaber. Der abschließende, fast humorvolle Kommentar über das Mädchen und den „sexistischen Bastard“ verstärkt den schwarzen Humor und die Verstörung. Es ist die Entmenschlichung und die kalte Berechnung eines Raubtiers, die auf menschliche Opfer projiziert wird, was das Gedicht so schockierend und makaber macht.

Ein Tropfen allein: Die Antwort von Georgi Kratochwil (geb. 1979)

Dieses Gedicht evoziert die psychologische Qual der Folter durch Wassertropfen und die Verzweiflung, eine unbekannte Frage beantworten zu müssen:

Ein Tropfen fällt auf deine Stirn
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf Du willst
Ein Tropfen fällt auf deine Stirn
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf die Frage
Ein Tropfen fällt auf deine Stirn
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf wissen
Dein Kopf, er ist fixiert
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf Es wird gesagt
Dein Kopf, er ist fixiert
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf du kennst
Dein Kopf, er ist fixiert
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf die Frage
Ein Tropfen fällt in deine Stirn
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf Du weißt
Ein Tropfen fällt in deine Stirn
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf die Frage
Ein Tropfen fällt in deine Stirn
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf aber nicht
Dein Kopf, er ist fixiert
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf Wie kannst du eine
Dein Kopf, er ist fixiert
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf ungestellte Frage
Dein Kopf, er ist fixiert
tropf-klopf tropf-klopf tropf-klopf beantworten?
Ein Tropfen fälltin dein Hirn
tropf-KLOPF tropf-KLOPF tropf-KLOPF WIE?
Ein Tropfen fälltin dein Hirn
tropf-KLOPF tropf-KLOPF tropf-KLOPF Plötzlich
Ein Tropfen fälltin weißt du die Antwort tropf

Die Wiederholung des „tropf-klopf“ erzeugt eine hypnotische, beklemmende Wirkung, die die Qual des Opfers spürbar macht. Das Makabere liegt hier in der psychologischen Folter, dem langsamen Zerfall des Verstandes durch eine scheinbar harmlose, aber unerbittliche Methode. Die absurde Anforderung, eine „ungestellte Frage“ zu beantworten, treibt die Person in den Wahnsinn. Es ist die Darstellung des menschlichen Leidens und der Absurdität der Situation, die das Gedicht makaber macht.

Was ist der Unterschied zwischen makaber und makaba?
Makaber ist mit seinen etwa 100 Jahren aktiver Verwendung relativ frisch im deutschen Wörterheim und leitet sich vom französischen danse macabre ab, der sich wiederum vom Tanz der Kaffeepilger um die große schwarze Bohne in Mokka herleitet, die bekanntlich arabisch Makaba genannt wird.

Ein Gedicht von einer Operation: Ein großer Tag von Hans-Peter Kraus (geb. 1965)

Dieses Gedicht beschreibt eine Operation, die zu einer grotesken Transformation führt, die das Körperbild radikal verändert:

Das war ein großer Tag,
als ihm Arme und Beine
amputiert wurden.
Viele der Besucher hatten
die Strapazen weiter Anreisen
auf sich genommen,
um vor Ort dabei zu sein.
Auch die Krönung gelang:
Ihm wurde ein Häuschen
auf den Rücken transplantiert.
Anschließend waren sich
alle Beteiligten einig:
Nie ward ein Mensch schöner
zur Schnecke gemacht.

Die Amputation von Gliedmaßen, die als „großer Tag“ und „Krönung“ gefeiert wird, ist zutiefst makaber. Die Transformation in eine „Schnecke“ durch das Transplantieren eines Häuschens auf den Rücken ist eine absurde und verstörende Metapher für die Entstellung des menschlichen Körpers. Die Begeisterung der Besucher und die abschließende Feststellung, dass „nie ward ein Mensch schöner zur Schnecke gemacht“, unterstreichen die perverse Ästhetik des Grauens. Es ist die Kombination aus körperlicher Verstümmelung und grotesker Verklärung, die dieses Gedicht so makaber macht.

Plötzliches Gelüst von Bruno Quandt (1887-1918)

Dieses Gedicht beschreibt eine plötzliche, animalische Aggression, die sich aus einer scheinbar harmlosen Situation entwickelt:

Wir gingen am Gestade,
Sanft plätscherten die Wellen,
Ich sah nur deine Wade
Und musste plötzlich bellen.
Schon kam’s dir wie Ertappen,
Da biss ich bös ins Bein
Und lief mit einem Lappen
Blutfeuchtem Fleisch landein.

Der Übergang von einer idyllischen Strandszene zu einem brutalen, tierischen Angriff ist schockierend. Das „plötzliche Bellen“ und das „böse Beißen ins Bein“, gefolgt vom Davonlaufen mit „blutfeuchtem Fleisch“, sind Bilder von roher, unkontrollierter Gewalt. Das Makabere liegt hier in der Darstellung der dunklen, archaischen Impulse, die in der menschlichen Natur schlummern und sich unerwartet Bahn brechen können. Es ist die plötzliche, unheimliche Verwandlung des Ichs in ein Raubtier, das dieses Gedicht makaber macht.

Denk ich an Heine in der Nacht: Ballade von Hanns von Gumppenberg (1866-1928)

Dieses Gedicht spielt mit dem Thema der Nekrophilie und der morbiden Liebe, die über den Tod hinausgeht, und bezieht sich dabei auf Heinrich Heine:

Das ist der alte, traurige Traum,
Wir sitzen unter der Linde,
Dein kahles Köpfchen fasst es kaum,
Dass ich so hold dich finde. Und leise seufzt dein wurmiger Mund:
Ich bin doch schon angemodert –
O sage mir, warum jetzund
Dein krankes Herz noch lodert? Es haben von meinen Wangen bereits
Zwei hungrige Ratten gefressen:
Und du, du willst mich deinerseits
Noch immer nicht vergessen? O sag’ mir, bleicher Heinerich,
Ich bin doch im Grab gelegen,
Und doch noch immer liebst du mich –
Ich frage dich: weswegen? Und ich entgegne dir gequält:
Mir fehlen zum Buch der Lieder
Noch sieben Nummern wohlgezählt –
Drum lieb’ ich dich schon wieder.

Die Beschreibung des geliebten Menschen als „kahles Köpfchen“, mit „wurmigen Mund“ und von „Ratten gefressen“ ist zutiefst makaber. Die Dialoge zwischen dem Liebenden und der Verwesenden sind eine bizarre Auseinandersetzung mit der Endlichkeit und der Verklärung des Todes. Die Pointe, dass die Liebe nur aus dem pragmatischen Grund des Vervollständigens eines Buches existiert, fügt dem eine Schicht von schwarzem Humor und Absurdität hinzu. Das Makabere liegt hier in der grotesken Darstellung einer Liebe, die alle Grenzen des Lebens überwindet und dabei die Verwesung nicht nur akzeptiert, sondern fast zelebriert.

Harmlos: Die Tote von Berthold Viertel (1885-1953)

Dieses Gedicht schildert eine Tote, die aus dem Grab ausbricht und verzweifelt nach ihren verlorenen Besitztümern sucht, ein Bild der ewigen Rastlosigkeit:

Wie eine Tote ausbricht aus dem Grabe,
Ihre Hände sind umwickelt, ihre Füße zusammengebunden,
Und sie läuft nach ihrer zurückgelassenen Habe,
Und sie glaubt: wo man es ließ, da wird es gefunden – Es hängen die Fetzen des Hemdes ihr von Händen und Füßen.
Und die Nachthaube, die man ihr mitgab, sitzt schief.
Bekannte von einst, die ihr begegnen, zögern, sie zu grüßen,
Und fremde Leute stehn und starren, wo sie vorüberlief: So rennt meine Seele atemlos hinter meinem Leben,
Hinter dem, was ich verlor, hinter dem, was mich verwarf,
Und was ich verließ, ich seh’ es vor mir schweben,
Und was ich versäumte, ist all mein Bedarf. – Du Tote, was rennst du? Es hat sich alles verändert,
Dein Haus ist bewohnt und dein Bett ist besetzt! –
Aber sie hört nicht, sie läuft nur, seltsam bebändert,
Die Schlafmütze verschoben, das Totenhemd zerfetzt.

Das Bild der untoten Frau, die in zerfetzter Kleidung und gebundenen Gliedmaßen verzweifelt nach ihren irdischen Besitztümern sucht, ist zutiefst makaber. Es ist eine tragische und zugleich groteske Darstellung der Vergänglichkeit und der vergeblichen Anhaftung an das Irdische. Die Reaktionen der Lebenden – Zögern, Starren – unterstreichen die Unheimlichkeit der Szene. Das Makabere liegt hier in der Kombination aus dem Tod und der fortgesetzten, sinnlosen Aktivität, die das Ende des Lebens nicht akzeptiert. Es ist ein Ausdruck der Hilflosigkeit und des Verlusts, der über den Tod hinausreicht.

Häufig gestellte Fragen zum Makabren

Ist „makaber“ immer gleichbedeutend mit „gruselig“?

Nicht unbedingt. Während etwas Makabres oft gruselige oder beängstigende Elemente enthält, zeichnet es sich, wie wir gelernt haben, durch die Verbindung des Tödlichen mit dem Lächerlichen, Grotesken oder Absurden aus. Reiner Horror zielt auf Furcht ab, während das Makabere oft eine Ebene des schwarzen Humors oder der verstörenden Ironie hinzufügt, die zum Nachdenken anregt oder sogar ein unbehagliches Lachen hervorruft. Es ist die Ambivalenz, die es so faszinierend macht.

Woher kommt der Begriff „Danse Macabre“ genau?

Wie im Artikel erläutert, leitet sich der „Danse Macabre“ (Totentanz) laut einer überlieferten Theorie vom „Tanz der Kaffeepilger“ um die schwarze Bohne in der arabischen Stadt Makaba (Mokka) ab, der sowohl tragische als auch komische Züge hatte. Dies ist eine spezifische Herleitung, die uns im Text gegeben wurde und die die Verbindung von Tod und Lächerlichkeit erklärt. Andere Theorien nennen „maqabir“ (arabisch für Gräber) oder den Namen Maccabaeus als Ursprung, die den Bezug zum Tod betonen.

Gibt es einen Unterschied zwischen „Schwarzem Humor“ und „makaber“?

Schwarzer Humor ist eine Form des Humors, die sich über ernste, oft tabuisierte Themen wie Tod, Krankheit oder Leid lustig macht. Das Makabere kann schwarzen Humor beinhalten, ist aber ein breiterer Begriff, der die gesamte Ästhetik des Tödlichen in Verbindung mit dem Grotesken oder Lächerlichen umfasst, auch wenn keine direkte humoristische Absicht besteht. Schwarzer Humor ist eine Taktik, die im Makabren eingesetzt werden kann, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Warum fasziniert uns das Makabere in der Kunst und Literatur?

Die Faszination für das Makabere rührt oft von der menschlichen Notwendigkeit her, sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen. Indem wir das Tödliche in einem grotesken oder sogar humorvollen Kontext betrachten, können wir unsere Ängste sublimieren und eine gewisse Distanz gewinnen. Es ermöglicht uns, Tabus zu brechen, die Abgründe der menschlichen Natur zu erkunden und die Absurdität des Lebens angesichts des Todes zu reflektieren. Das Makabere bietet eine einzigartige Linse, durch die wir die dunkleren Facetten der Menschlichkeit betrachten können.

Fazit

Das Makabere ist weit mehr als nur das Gruselige; es ist eine komplexe Mischung aus Tod, Lächerlichkeit und dem tief menschlichen Versuch, das Unfassbare zu begreifen. Die etymologische Reise von „Makaba“ (Mokka) über den „danse macabre“ bis hin zum modernen Gebrauch des Adjektivs „makaber“ offenbart eine tiefe kulturelle Verankerung dieser Faszination. Die vorgestellten Gedichte sind eindringliche Beispiele dafür, wie Dichter diese einzigartige Ästhetik nutzen, um uns zu schockieren, zu provozieren und letztlich zum Nachdenken über die Fragilität des Lebens und die Absurdität des Todes anzuregen. Das Makabere bleibt ein mächtiges Werkzeug in der Kunst, um die Grenzen unserer Wahrnehmung zu erweitern und die unendlichen Facetten der Existenz zu beleuchten.

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