09/11/2025
Das Gebet ist ein Eckpfeiler des Glaubens und eine der tiefsten Ausdrucksformen menschlicher Spiritualität. Für viele Gläubige ist es der direkte Draht zum Göttlichen, ein Moment der Einkehr, des Dankes oder der Bitte. Doch wie soll man beten? Gibt es biblische Anweisungen, die uns leiten können? Die Bibel, als fundamentale Schrift vieler Religionen, bietet klare und doch tiefgründige Einblicke in die Natur und die Praxis des Gebets. Sie ist nicht nur ein Buch der Geschichten und Prophezeiungen, sondern auch ein umfassender Leitfaden für ein Leben in Beziehung zu Gott. Insbesondere in den neutestamentlichen Schriften finden wir spezifische Anweisungen, die uns helfen, unsere Gebetspraxis zu verstehen und zu vertiefen. Diese Anweisungen sind nicht als starre Regeln zu verstehen, sondern als Prinzipien, die das Herz und die Haltung des Betenden formen sollen. Sie laden uns ein, über die äußere Form hinauszublicken und uns auf die innere Disposition zu konzentrieren, die Gott in unserem Gebet sucht.

- Die biblische Aufforderung zum Gebet: Ein zeitloses Prinzip
- Überall und jederzeit: Die Universalität des Gebets
- Heilige Hände erheben: Eine Geste der Hingabe und Reinheit
- Das Herz des Betenden: Ohne Zorn und Zweifel
- Nuancen verstehen: Ein Vergleich der Übersetzungen von 1. Timotheus 2,8
- Häufig gestellte Fragen zum Gebet nach biblischen Prinzipien
- Fazit: Ein Leben im Gebet mit reinem Herzen
Die biblische Aufforderung zum Gebet: Ein zeitloses Prinzip
Der Apostel Paulus gibt in seinem ersten Brief an Timotheus eine klare Anweisung bezüglich des Gebets, die weitreichende Implikationen für die Praxis des Gebets in der Gemeinde und im persönlichen Leben hat. Er schreibt: „So will ich nun, dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel“ (1. Timotheus 2,8, Lutherbibel 2017). Diese einzige Passage ist reich an Bedeutung und dient als Leitfaden für die Art und Weise, wie Gläubige beten sollen. Sie spricht nicht nur über die Universalität des Gebets – „an allen Orten“ –, sondern auch über die Haltung des Betenden – „heilige Hände aufheben ohne Zorn und Zweifel“. Diese Aufforderung ist nicht nur eine Empfehlung, sondern ein ausdrücklicher Wunsch des Apostels, der die Wichtigkeit eines reinen Herzens und einer aufrichtigen Haltung im Gebet unterstreicht. Die verschiedenen Übersetzungen dieser Passage, die wir später noch genauer betrachten werden, beleuchten jeweils unterschiedliche Nuancen, bestätigen aber alle die Kernbotschaft: Gebet ist eine Angelegenheit des Herzens, die sich in äußeren Gesten manifestieren kann, aber immer von innerer Reinheit begleitet sein sollte.
Überall und jederzeit: Die Universalität des Gebets
Die Anweisung „dass die Männer beten an allen Orten“ ist von grundlegender Bedeutung. Sie hebt hervor, dass das Gebet nicht auf bestimmte heilige Stätten, Tempel oder Kirchen beschränkt ist. Es ist keine Praxis, die nur innerhalb von vier Wänden stattfinden kann oder muss, noch ist sie an festgelegte Zeiten gebunden. Vielmehr ist das Gebet eine ständige Möglichkeit und eine Einladung, die überall und jederzeit angenommen werden kann. Ob zu Hause, bei der Arbeit, auf Reisen, in der Natur oder in der Gemeinde – jeder Ort kann zu einem Ort der Begegnung mit Gott werden. Diese Universalität macht das Gebet für jeden zugänglich, unabhängig von seiner geografischen Lage oder seinen Lebensumständen. Es bedeutet, dass wir in jeder Situation – sei es in Freude oder Leid, in Dankbarkeit oder Not – die Möglichkeit haben, uns an Gott zu wenden. Es ermutigt zu einer Haltung des „ungebrochenen Gebets“, wie es an anderer Stelle in der Bibel heißt, bei der das Leben selbst zu einem durchgehenden Gebet wird, einer ständigen Kommunikation und Abhängigkeit von Gott. Diese Freiheit im Gebet ist ein Geschenk, das uns von starren Ritualen befreit und uns erlaubt, eine authentische und dynamische Beziehung zu unserem Schöpfer zu pflegen. Es zeigt, dass Gott nicht an Orte gebunden ist, sondern überall präsent ist und bereit ist, uns zu hören, wo auch immer wir uns befinden. Diese Lehre ermutigt dazu, das Gebet in den Alltag zu integrieren und es nicht nur als eine formale Übung zu betrachten, sondern als einen Lebensstil, der von einer ständigen Offenheit für die göttliche Gegenwart geprägt ist. Die Erkenntnis, dass Gebet an jedem Ort möglich ist, nimmt auch den Druck, einen „perfekten“ Ort oder Zeitpunkt finden zu müssen, und ermöglicht es uns, spontan und aufrichtig zu beten, wann immer der Wunsch oder die Notwendigkeit entsteht.
Heilige Hände erheben: Eine Geste der Hingabe und Reinheit
Die Anweisung, „heilige Hände aufzuheben“, ist eine faszinierende Dimension des Gebets, die sowohl eine äußere Geste als auch eine tiefe innere Bedeutung hat. Das Erheben der Hände im Gebet ist eine uralte Praxis, die in vielen Kulturen und Religionen zu finden ist und auch in der Bibel mehrfach erwähnt wird. Es symbolisiert eine Haltung der Hingabe, der Bitte, der Anbetung und des Empfangs. Wenn Gläubige ihre Hände zum Himmel erheben, drücken sie damit ihre Abhängigkeit von Gott, ihre Offenheit für seinen Willen und ihre Sehnsucht nach seiner Gegenwart aus. Es ist eine Geste, die Demut und zugleich Vertrauen signalisiert, eine physische Manifestation der Seele, die sich Gott zuwendet. Ein Beispiel für eine solche Geste, wenn auch in einem anderen Kontext als dem direkten Gebet, findet sich in Daniel 12,7, wo es heißt: „Und ich hörete zu dem in leinenen Kleidern, der oben am Wasser stund; und er hub seine rechte und linke Hand auf gen Himmel und schwur bei dem, so ewiglich lebet, dass es eine Zeit und etliche Zeiten und eine halbe Zeit währen soll; und wenn die Zerstreuung des heiligen Volks ein Ende hat, soll solches alles geschehen.“ Obwohl dies ein Schwur und keine Gebetsanweisung ist, zeigt es doch die Haltung des Erhebens der Hände zum Himmel als eine Geste der Ehrerbietung und der Verbindung mit dem Ewigen. Im Kontext von 1. Timotheus 2,8 geht es jedoch nicht nur um die Geste an sich, sondern um die Qualität der Hände: Sie sollen „heilig“ sein. Was bedeutet das? „Heilige Hände“ sind nicht im wörtlichen Sinne physisch makellos oder rituell gereinigt. Vielmehr symbolisieren sie ein Leben, das von Gott getrennt und ihm geweiht ist. Es geht um die Reinheit des Herzens und des Gewissens, die sich in den Taten des Betenden widerspiegelt. Hände, die in Ungerechtigkeit, Zorn, Streit oder Groll verstrickt sind, können nicht als „heilig“ im Sinne dieser Passage betrachtet werden. Die Aufforderung ist daher eine Erinnerung daran, dass unser äußeres Gebet Ausdruck unseres inneren Zustands sein sollte. Ein aufrichtiges Gebet erfordert ein reines Herz, frei von Schuld, Groll oder ungelösten Konflikten. Es ist eine Einladung zur Selbstprüfung und zur Versöhnung, bevor man sich im Gebet an Gott wendet. Die Geste des Händehebens wird so zu einem mächtigen Symbol der Hingabe und der Bereitschaft, sich Gott ganz hinzugeben, sowohl in Worten als auch in Taten. Es ist eine Erinnerung daran, dass unser Gebet nicht isoliert von unserem Leben existiert, sondern ein integraler Bestandteil eines Lebens ist, das Gott gewidmet ist.
Das Herz des Betenden: Ohne Zorn und Zweifel
Der wichtigste Aspekt der Gebetsanweisung in 1. Timotheus 2,8 betrifft die innere Haltung des Betenden. Die Aufforderung, „ohne Zorn und Zweifel“ zu beten, ist von entscheidender Bedeutung und wird in den verschiedenen Bibelübersetzungen mit Nuancen wie „ohne Groll gegen jemanden zu hegen oder im Streit zu leben“, „frei von Zorn und feindseligen Gedanken“ oder „frei von Zorn und boshaften Gedanken“ wiedergegeben. Dies betont, dass die Wirksamkeit des Gebets untrennbar mit dem Zustand unseres Herzens verbunden ist.
Ohne Zorn (und Groll, Streit, feindselige Gedanken)
Zorn und Groll sind mächtige Emotionen, die die Kommunikation mit Gott behindern können. Wenn wir mit Wut, Bitterkeit oder Feindseligkeit gegenüber anderen Menschen beten, ist unser Herz nicht rein. Die Bibel lehrt an vielen Stellen die Wichtigkeit der Vergebung und der Versöhnung. Jesus selbst lehrte im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Ein Herz, das von Zorn oder Unversöhnlichkeit erfüllt ist, steht im Widerspruch zu den Prinzipien der Liebe und Gnade, die das Fundament des christlichen Glaubens bilden. Das Gebet ist nicht nur eine Gelegenheit, unsere Bitten vor Gott zu bringen, sondern auch ein Moment der Selbstreflexion und der Ausrichtung auf seinen Willen. Wenn wir Groll hegen, sind wir nicht in der Lage, Gottes Liebe vollständig zu empfangen oder seine Führung klar zu erkennen. Die Aufforderung, ohne Zorn zu beten, ist daher eine Einladung zur inneren Reinigung, zur Aussöhnung mit anderen und zur Freisetzung von Bitterkeit. Es geht darum, eine Haltung der Liebe und des Friedens zu kultivieren, die es uns ermöglicht, in echter Gemeinschaft mit Gott zu treten. Es ist eine Erinnerung daran, dass unser Verhältnis zu Gott oft durch unser Verhältnis zu unseren Mitmenschen beeinflusst wird. Ein aufrichtiges Gebet erfordert, dass wir bereit sind, zu vergeben und um Vergebung zu bitten, um unser Herz von allen Hindernissen zu befreien, die die Verbindung zu Gott trüben könnten.
Ohne Zweifel
Der Zweifel ist ein weiterer Feind des Gebets. „Ohne Zweifel“ zu beten bedeutet, im Glauben zu beten, mit der Überzeugung, dass Gott fähig ist zu hören und zu antworten. Jakobus 1,6-7 sagt dazu: „Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, der gleicht einer Meereswoge, die vom Winde getrieben und hin- und hergeworfen wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen werde.“ Zweifel kann das Gebet entkräften, weil er die Macht und Güte Gottes in Frage stellt. Es geht nicht darum, eine naive Haltung einzunehmen, die keine Fragen zulässt, sondern darum, trotz unserer menschlichen Begrenzungen und Unvollkommenheiten an Gottes Souveränität und Liebe festzuhalten. Wenn wir beten, sollen wir dies mit der Erwartung tun, dass Gott handelt, sei es durch eine direkte Antwort auf unsere Bitten, durch die Offenbarung seines Willens oder durch die Stärkung unseres Glaubens in schwierigen Zeiten. Zweifel kann sich als Unglaube, mangelndes Vertrauen oder sogar als eine fehlende Überzeugung manifestieren, dass Gott tatsächlich zuhört oder sich um unsere Anliegen kümmert. Die Aufforderung, ohne Zweifel zu beten, ermutigt uns, unsere Unsicherheiten abzulegen und uns ganz auf Gottes Verheißungen zu verlassen. Es ist ein Aufruf zu einem radikalen Vertrauen, das die Grundlage für eine lebendige Gebetsbeziehung bildet. Dieses Vertrauen ermöglicht es uns, unsere Anliegen in Gottes Hände zu legen, wissend, dass er das Beste für uns will und die Macht hat, es zu vollbringen.

Nuancen verstehen: Ein Vergleich der Übersetzungen von 1. Timotheus 2,8
Die Vielseitigkeit der deutschen Bibelübersetzungen bietet faszinierende Einblicke in die Nuancen des ursprünglichen Textes. Obwohl alle Übersetzungen die Kernbotschaft von 1. Timotheus 2,8 beibehalten, legen sie unterschiedliche Schwerpunkte auf bestimmte Aspekte des Gebets. Ein Vergleich hilft, die Tiefe und Breite dieser biblischen Anweisung besser zu erfassen:
| Bibelübersetzung | Textauszug (1. Timotheus 2,8) | Hervorgehobene Aspekte |
|---|---|---|
| Lutherbibel 2017 | „So will ich nun, dass die Männer beten an allen Orten und aufheben heilige Hände ohne Zorn und Zweifel.“ | Klassische Formulierung; Betonung auf innerer Ruhe und Vertrauen. |
| Hoffnung für alle | „Ich will, dass die Männer in allen Gemeinden so beten, wie es Gott gefällt: ohne Groll gegen jemanden zu hegen oder im Streit zu leben.“ | Fokus auf zwischenmenschliche Harmonie und das Vermeiden von Konflikten. |
| Zürcher Bibel | „Mein Wille ist nun, dass die Männer überall beim Gebet ihre Hände in Reinheit erheben, frei von Zorn und feindseligen Gedanken.“ | Betont die Reinheit der Hände und die Abwesenheit von negativen Gedanken. |
| Gute Nachricht Bibel 2018 | „Ich will, dass überall in den Gottesdiensten die Männer reine Hände zu Gott erheben, im Herzen frei von Zorn oder Streitsucht.“ | Hervorhebung der Reinheit der Hände und der inneren Haltung. |
| Neue Genfer Übersetzung | „Ich möchte – und das gilt für alle Zusammenkünfte der Gemeinde –, dass die Männer, wenn sie ihre Hände zu Gott erheben, ein reines Gewissen haben, keinen Groll gegen jemand hegen und untereinander nicht zerstritten sind.“ | Sehr detailliert; Betonung auf Gewissensreinheit und intakten Beziehungen. |
| Einheitsübersetzung 2016 | „Ich will, dass die Männer überall beim Gebet ihre Hände in Reinheit erheben, frei von Zorn und Streit.“ | Betont Reinheit und das Vermeiden von Konflikten. |
| Neue evangelistische Übersetzung | „Ich will nun, dass die Männer an jedem Versammlungsort beten und dass sie dabei ihre Hände mit reinem Gewissen erheben, frei von Zorn und boshaften Gedanken.“ | Fokus auf Gewissensreinheit und das Eliminieren von negativen Gedanken. |
| Menge Bibel | „Mein Wille ist nun, daß die Männer an jedem Versammlungsort beten sollen, indem sie heilige Hände aufheben, frei von Zorn und Zweifel.“ | Ähnlich der Lutherbibel; Betonung auf Heiligkeit der Hände und Vertrauen. |
| Das Buch | „Es ist mein Wunsch, dass die Männer an allen Orten im Gebet ihre Gott geweihten Hände aufheben und sich dabei von Zorn und Zweifel reinigen.“ | Betont die Weihe der Hände und den Prozess der Reinigung von Zorn und Zweifel. |
| VOLXBIBEL | „Ich möchte, dass die Männer bei euch jeden Streit geregelt kriegen, bevor sie im Gottesdienst beten. Lasst eure Zweifel einfach mal beiseite. Dann könnt ihr euch im Gebet zu Gott ausstrecken, indem ihr eure Hände hebt.“ | Sehr umgangssprachlich; Betonung auf Konfliktlösung und das Ablegen von Zweifeln. |
Der Vergleich zeigt, wie die verschiedenen Übersetzungen die gleiche Kernbotschaft auf unterschiedliche Weise betonen. Während die Lutherbibel und die Menge Bibel sich auf „Zorn und Zweifel“ konzentrieren, legen andere Übersetzungen wie „Hoffnung für alle“, „Neue Genfer Übersetzung“ und „Gute Nachricht Bibel“ mehr Wert auf die Vermeidung von „Groll“, „Streit“ und „feindseligen Gedanken“. Die „Zürcher Bibel“ und die „Einheitsübersetzung“ heben die „Reinheit“ der Hände hervor, während „Das Buch“ den Aspekt der „Gott geweihten Hände“ und der Reinigung betont. Die „VOLXBIBEL“ schließlich fasst die Anweisung in einer sehr direkten und verständlichen Sprache zusammen, die zur Konfliktlösung vor dem Gebet aufruft. Diese Vielfalt unterstreicht, dass die biblische Anweisung zum Gebet nicht nur eine äußere Form betrifft, sondern vor allem eine innere Haltung des Herzens, die von Frieden, Reinheit und Vertrauen geprägt sein sollte. Egal welche Übersetzung man bevorzugt, die Botschaft bleibt klar: Das Gebet ist am wirkungsvollsten, wenn es aus einem reinen Herzen kommt, das frei von negativen Emotionen und Zweifeln ist.
Häufig gestellte Fragen zum Gebet nach biblischen Prinzipien
Muss ich meine Hände beim Beten heben?
Nein, das Erheben der Hände ist keine zwingende Voraussetzung für ein gültiges Gebet. 1. Timotheus 2,8 beschreibt diese Geste als eine Ausdrucksform, die in der Antike weit verbreitet war und Hingabe sowie Ehrfurcht symbolisiert. Die Betonung liegt jedoch auf der Qualifikation der Hände als „heilig“ oder „rein“, was auf die innere Haltung des Betenden verweist, nicht auf die physische Geste selbst. Wenn Sie Ihre Hände erheben möchten, kann dies eine persönliche und bedeutungsvolle Ausdrucksform Ihrer Hingabe sein. Wenn nicht, ist Ihr Gebet dennoch wirksam, solange Ihr Herz rein und aufrichtig ist. Die Bibel lehrt, dass Gott auf das Herz schaut, nicht primär auf äußere Formen. Es ist die innere Haltung der Demut, des Vertrauens und der Reinheit, die zählt, nicht die spezifische Körperhaltung. Manche Menschen finden es hilfreich, ihre Hände zu erheben, um sich physisch und emotional besser auf das Gebet einzulassen, während andere dies nicht tun und dennoch eine tiefe Verbindung zu Gott erfahren. Es ist letztlich eine persönliche Entscheidung, die von Ihrem Glauben und Ihrer kulturellen oder persönlichen Prägung beeinflusst werden kann.
Kann ich beten, wenn ich wütend bin oder Groll hege?
Obwohl 1. Timotheus 2,8 uns auffordert, „ohne Zorn und Zweifel“ zu beten, bedeutet das nicht, dass Sie nicht beten können, wenn Sie diese Gefühle erleben. Vielmehr ist es eine Einladung, diese Emotionen vor Gott zu bringen und um Hilfe bei der Überwindung zu bitten. Das Gebet kann ein Weg sein, um Zorn, Groll oder Streit zu verarbeiten und Vergebung zu finden – sowohl für sich selbst als auch für andere. Die Passage ermutigt uns, unser Herz zu prüfen und uns von negativen Emotionen zu reinigen, bevor wir in die volle Gemeinschaft mit Gott treten. Wenn Sie wütend sind, können Sie beten: „Herr, ich bin wütend. Hilf mir, diesen Zorn loszulassen und zu vergeben.“ Das Gebet ist ein Ort der Ehrlichkeit und der Transformation. Es ist wichtig, diese Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern sie im Gebet vor Gott zu bringen, damit er sie heilen und umwandeln kann. Der biblische Kontext legt nahe, dass ein anhaltender Zustand von Zorn, Streit oder Groll das Gebet behindert, da es die Einheit mit Gott und den Mitmenschen stört. Das Gebet kann jedoch der erste Schritt sein, um diese Hindernisse zu beseitigen und ein Herz zu entwickeln, das für Gottes Frieden empfänglich ist.
Gibt es einen richtigen Ort zum Beten?
Die Bibel sagt explizit, dass wir „an allen Orten“ beten sollen. Das bedeutet, dass es keinen „richtigen“ oder „falschen“ Ort für das Gebet gibt. Ob in Ihrem Zimmer, in der Natur, in einer Kirche oder an Ihrem Arbeitsplatz – jeder Ort kann zu einem Ort der Kommunikation mit Gott werden. Die Universalität des Gebets betont, dass Gott überall präsent ist und bereit ist, uns zu hören, wo auch immer wir uns befinden. Es ist die Haltung des Herzens, die zählt, nicht die physische Umgebung. Diese Lehre ermutigt zu einer ständigen Gebetshaltung, bei der das Gebet nicht auf bestimmte Zeiten oder Orte beschränkt ist, sondern ein integraler Bestandteil des täglichen Lebens wird. Diese Freiheit ermöglicht es uns, spontan zu beten und Gott in jeder Situation zu begegnen, sei es in Momenten der Freude, der Not, des Dankes oder der Bitte. Die wahre „Heiligkeit“ eines Ortes für das Gebet kommt nicht von seiner physischen Beschaffenheit, sondern von der Gegenwart Gottes, die durch unseren Glauben und unsere aufrichtige Kommunikation mit ihm erfahren wird.
Warum ist die Herzenshaltung so wichtig für das Gebet?
Die Herzenshaltung ist von größter Bedeutung, weil das Gebet nicht nur eine verbale Übung ist, sondern eine spirituelle Kommunikation mit einem heiligen Gott. Ein Herz, das von Zorn, Groll oder Zweifel erfüllt ist, schafft eine Barriere zwischen dem Betenden und Gott. Gott sucht ein reines, aufrichtiges und glaubendes Herz. Wenn unser Herz rein ist und wir im Glauben beten, sind wir in der Lage, Gottes Willen klarer zu empfangen und seine Gegenwart tiefer zu erfahren. Die Bibel lehrt, dass Gott ein Gott der Liebe, des Friedens und der Vergebung ist. Wenn unser Herz diese Eigenschaften nicht widerspiegelt, können wir nicht in voller Gemeinschaft mit ihm stehen. Eine reine Herzenshaltung ermöglicht es uns, unsere Anliegen mit Demut und Vertrauen vor ihn zu bringen, wissend, dass er uns hört und antwortet. Es geht darum, nicht nur zu sagen, was wir wollen, sondern unser Innerstes vor Gott zu offenbaren und uns seinem Willen zu unterwerfen. Die Herzenshaltung beeinflusst die Qualität und Wirksamkeit unseres Gebets maßgeblich, da sie bestimmt, wie offen und empfänglich wir für Gottes Geist sind und wie sehr wir bereit sind, uns auf seine Führung einzulassen.
Fazit: Ein Leben im Gebet mit reinem Herzen
Die biblischen Anweisungen zum Gebet, insbesondere die in 1. Timotheus 2,8, bieten uns einen tiefen Einblick in das, was Gott von unserem Gebetsleben erwartet. Es geht nicht nur darum, bestimmte Worte zu sprechen oder eine bestimmte Haltung einzunehmen, sondern vielmehr um die innere Verfassung unseres Herzens. Die Aufforderung, „an allen Orten“ zu beten, betont die Universalität und Zugänglichkeit des Gebets, das uns einlädt, in jeder Lebenslage mit Gott zu kommunizieren. Die Symbolik des „Aufhebens heiliger Hände“ weist uns auf die Notwendigkeit der Reinheit und Hingabe hin, die unser äußeres Gebet begleiten sollte. Und die entscheidende Anweisung, „ohne Zorn und Zweifel“ zu beten, unterstreicht die fundamentale Bedeutung eines reinen Herzens, das frei von Groll, Streit und Unglaube ist. Diese Prinzipien sind zeitlos und relevant für jeden, der sein Gebetsleben vertiefen möchte. Sie erinnern uns daran, dass das Gebet eine lebendige Beziehung ist, die ständige Pflege und Aufrichtigkeit erfordert. Indem wir diese biblischen Lehren beherzigen, können wir eine Gebetspraxis entwickeln, die nicht nur Worte, sondern ein Ausdruck unseres gesamten Seins ist – ein Leben, das beständig auf Gott ausgerichtet ist, mit einem Herzen, das rein, friedlich und voller Vertrauen ist. Möge unser Gebet stets ein Ausdruck unserer tiefsten Sehnsucht nach Gott sein und unser Leben in Einklang mit seinem heiligen Willen bringen.
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