04/06/2024
Der 20. Juli ist im Kalender vieler Gläubiger und in der Geschichte bäuerlicher Traditionen ein besonders markantes Datum: der Margaretentag. Doch wer war die geheimnisvolle Gestalt, die hinter diesem Namen steckt, und warum wird sie im Osten als Marina verehrt? Tauchen wir ein in die wundersame Welt einer jungen Frau, deren Glaube so stark war, dass er selbst Drachen besiegte und Generationen von Menschen inspirierte.

Die Heilige Margareta, deren Name im Griechischen „MARGARITE“ und somit „die Perle“ bedeutet, ist eine der faszinierendsten und zugleich sagenumwobensten Gestalten der frühchristlichen Märtyrergeschichte. Ihre Verehrung reicht weit zurück und hat sich über den gesamten christlichen Erdkreis verbreitet. Im Abendland ist sie als Margareta bekannt, mit Abwandlungen wie Margret, Margot, Marga, Gitta oder Gretl. Im gesamten christlichen Osten wird sie hingegen liebevoll „Marina“ genannt. Diese Namensvielfalt ist nur ein Ausdruck der tiefen Verwurzelung ihrer Legende in den Herzen der Menschen.
- Die Legende der Margareta: Ein Leben voller Widerstand und Glaube
- Margareta und Marina: Eine Identität, zwei Namen
- Die Bedeutung des Margaretentags: Glaube, Ernte und Kultur
- Verehrung und Reliquien: Spuren einer Heiligen
- Häufig gestellte Fragen zur Heiligen Margareta
- Ein Gebet zur Heiligen Margareta
Die Legende der Margareta: Ein Leben voller Widerstand und Glaube
Margareta wurde im antiken Pisidien, einer Region in der heutigen südlichen Türkei, geboren, genauer gesagt in Antiochia. Ihre Geschichte beginnt tragisch: Als Tochter eines heidnischen Priesters namens Adesius oder Theodosius wurde sie früh von ihrem Vater verstoßen, weil sie den christlichen Glauben annahm. Sie wuchs bei einer christlichen Amme auf, die sie im neuen Glauben erzog und festigte. Diese frühe Prägung sollte ihr Leben bestimmen und sie auf die kommenden Prüfungen vorbereiten.
Als junge Frau hütete Margareta die Schafe – eine Tätigkeit, die später zu ihrem Patronat über die Landleute und den Nährstand führte. Ihre außergewöhnliche Schönheit blieb jedoch nicht unbemerkt. Olibarius, der Stadtpräfekt von Antiochia, begehrte sie und wollte sie zu seiner Frau nehmen. Doch Margareta lehnte ab, denn sie hatte sich bereits Christus als einzigem Bräutigam verschrieben. Ihre Antwort war klar und unmissverständlich, ein Zeugnis ihres festen Glaubens: „Ich begehr’ eures Herrn nicht, weil ich will unsern Herrn Jesum zu einem Gemahl haben; Ihm hab’ ich mich versprochen und ergeben und will sein Gebot allzeit halten.“
Diese standhafte Ablehnung führte zu ihrer Verhaftung und einer Reihe grausamer Folterungen. Olibarius versuchte, sie vom Glauben abzubringen, ließ sie auf die Folter spannen und ihr Fleisch mit scharfen Klauen zerreißen. Doch Margareta blieb unerschütterlich. Als der Richter sie flehentlich bat: „Margreta, erbarme dich über deine Schöne“, antwortete sie mit tiefem Glauben und innerer Stärke: „Ich erbarme mich über die Schöne meiner Seele, darum daß ich nicht verletze das Bild der Gottheit.“ Ihr Glaube war stärker als jeder Schmerz, ihre Seele wertvoller als irdische Schönheit.
Der Kampf gegen den Drachen: Sieg über das Böse
Eine der bekanntesten und symbolträchtigsten Episoden in Margaretas Legende ereignete sich im Gefängnis. Dort, in der Dunkelheit ihrer Zelle, erschien ihr der Teufel, zunächst in der Gestalt eines Mohren, dann als furchterregender Drache. Dieses Ungeheuer, das Zeichen für das Böse und die höllische Versuchung, versuchte, sie einzuschüchtern und zu verschlingen.
Doch Margareta, ausgerüstet mit der Kraft des heiligen Kreuzes, das sie in ihrer Hand hielt, besiegte den Drachen. Die Legende besagt, dass sie ihn nicht nur durch ihr Gebet und das Kreuz vertrieb, sondern ihn sogar mit Füßen trat und schlug, bis er ihr seine Verzweiflung gestand: „Wir haben einen großen Neid zu den Christen, weil sie die Stätte sollen besitzen, wovon wir verstoßen sind, und könnten wir das verhindern, so täten wir’s gern.“ Eine andere, besonders wundersame Variante dieser Geschichte erzählt, der Drache habe sie verschlungen, doch ein kleines Holzkreuz, das Margareta bei sich trug, sei in seinem Inneren gewachsen und habe den Drachen gespalten, woraufhin Margareta unversehrt und schmerzlos entkommen sei. Dies mag eine Fabel sein, doch sie unterstreicht die Idee von Margaretas unbezwingbarer Widerstandskraft und ihrem Sieg über das Böse durch göttliche Gnade.
Ihre Marter endete schließlich um 307 n. Chr. durch Enthauptung, während der diokletianischen Verfolgung. Doch ihr Tod war kein Ende, sondern der Beginn einer tiefen und weit verbreiteten Verehrung, die sich über Jahrhunderte erstrecken sollte.

Margareta und Marina: Eine Identität, zwei Namen
Die Frage nach dem Unterschied zwischen Margareta und Marina ist schnell beantwortet: Es gibt keinen substanziellen Unterschied. Beide Namen bezeichnen dieselbe heilige Märtyrerin. Die Benennung „Marina“ wird vorrangig im gesamten christlichen Osten verwendet, während im Abendland der Name „Margaretha“ gebräuchlich ist. Das Ökumenische Heiligenlexikon bestätigt diese Identität ausdrücklich und vergleicht sie sogar mit dem Heiligen Georg, indem es sie als den „weiblichen Georgius“ bezeichnet. Wie sein Name, so ist auch ihrer im Morgen- und Abendland gleichermaßen verbreitet und geehrt.
Einige Martyrologien verleihen ihr sogar den Titel „Megalomartyr“ (große Märtyrerin), den sie mit dem Heiligen Georg teilt. Dies unterstreicht die immense Bedeutung, die ihr im frühen Christentum beigemessen wurde, trotz der Tatsache, dass viele ihrer überlieferten Akten als nicht historisch beglaubigt gelten. Die Legenden, so fantastisch sie auch klingen mögen, spiegeln die tiefe Bewunderung für ihren unerschütterlichen Glauben und ihre standhafte Haltung wider.
Vergleich: Margareta (Westen) vs. Marina (Osten)
| Merkmal | Margareta (Westen) | Marina (Osten) |
|---|---|---|
| Name | Margareta (u.a. Margret, Margot, Gretl) | Marina |
| Gedenktag | 20. Juli (hauptsächlich), 13. Juli (Polen, Schweden) | 17. Juli (hauptsächlich) |
| Ursprung des Namens | Griechisch „Margarite“ (Perle) | Gleicher Ursprung, andere Sprachform |
| Identität | Dieselbe Person, eine Heilige | Dieselbe Person, eine Heilige |
| Titel | Oft „Megalomartyr“ (Großmärtyrerin) | Oft „Megalomartyr“ (Großmärtyrerin) |
| Vergleich | „Weiblicher Georgius“ | „Weiblicher Georgius“ |
Der Margaretentag am 20. Juli hatte im bäuerlichen Jahr eine besondere Bedeutung, die weit über den rein religiösen Aspekt hinausging. Er markierte traditionell den Beginn der Erntezeit, einer entscheidenden Phase für das Überleben der Landbevölkerung. An diesem Tag wurden oft auch Pacht- und Getreidezinsen fällig, was seine wirtschaftliche Relevanz unterstreicht und ihn zu einem wichtigen Stichtag im Jahresverlauf machte.
Doch Margaretas Einfluss reichte noch tiefer in die Volkskultur hinein. Ihre Tradition ist in unserem Volk tief verwurzelt, was sich in zahlreichen Namen und Geschichten widerspiegelt: Man denke an Gretchen in Goethes „Faust“, die unschuldige und leidende junge Frau, oder die Gretel in den Märchen der Gebrüder Grimm, die gemeinsam mit Hänsel Abenteuer erlebt. Selbst die zarte Margeritenblume, mit ihren weißen Blüten und dem gelben Herzen, erinnert an die Heilige aus dem Osten und symbolisiert Reinheit und Unschuld, Attribute, die auch Margareta zugeschrieben werden.
Patronate und Hilfe in der Not
Margareta ist die Patronin des Nährstandes und der Landleute, ein Patronat, das sich aus ihrer Tätigkeit als Schäferin ableitet. Darüber hinaus ist sie eine wichtige Helferin in Geburtsnöten und Fürsprecherin der Armen. Ihre Fürbitte wurde insbesondere von Frauen in der schweren Stunde der Entbindung erbeten. Es war Brauch, ihren Gürtel oder ein geweihtes Tuch auf die Gebärenden zu legen, um ihnen beizustehen und eine leichte Geburt zu ermöglichen.
Ihre Bedeutung als Helferin in Notlagen führte dazu, dass sie zu den Vierzehn Heiligen Nothelfern gezählt wird, einer Gruppe von Heiligen, die im Mittelalter besonders intensiv angerufen wurden, um in den unterschiedlichsten Nöten beizustehen. Dies unterstreicht ihre Rolle als mächtige Fürsprecherin in Zeiten der Not.

Verehrung und Reliquien: Spuren einer Heiligen
Die Verehrung der Heiligen Margareta verbreitete sich rasch über die Grenzen hinweg. Bereits im 7. Jahrhundert erscheint ihr Name in englischen Litaneien, ein frühes Zeugnis ihrer Bedeutung. Im 11. Jahrhundert begann ihre Verehrung auch in Deutschland und Belgien, und sie wurde zu einer beliebten Heiligen. Im Jahr 1222 verordnete eine Synode in Oxford die Feier ihres Festes mit Enthaltung von knechtlicher Arbeit, ausgenommen die Aerntearbeiten, was ihre lokale und wirtschaftliche Bedeutung unterstreicht. Der Zisterzienserorden nahm ihr Fest bereits 1216 als allgemeines Ordensfest an, und der Prediger-Orden (Dominikaner) rief sie als besondere Patronin gegen häretische Bosheit und Teufelsanbetung an, was ihre Rolle als Verteidigerin des Glaubens unterstreicht.
Zahllose Gotteshäuser in aller Welt tragen ihren Namen, und viele Kirchenbilder zeigen sie oft mit ihren Attributen: der Krone, die ihren königlichen Ursprung oder ihren Sieg im Glauben symbolisiert, dem Kreuz, das ihre Stärke und den Sieg über das Böse darstellt, dem Drachen an einem Band oder einem Schwert, das an ihre Enthauptung erinnert. Manchmal wird sie auch von einem Engel begleitet, der ihr die Palme des Martyriums und die Siegeskrone reicht, Zeichen ihres Triumphes über das Leid.
Ihre Reliquien wurden im Laufe der Geschichte an verschiedenen Orten verehrt. Eine bekannte Überlieferung besagt, dass ihre Gebeine im Jahr 908 heimlich aus Antiochia nach Italien gebracht wurden und schließlich 1185 unter Papst Urban III. feierlich nach Monte Fiascone in der Toskana überführt wurden, wo die Kathedrale der Stadt ihr geweiht ist. Es gibt jedoch auch Berichte, dass französische Kreuzfahrer bereits 1098 Reliquien der Heiligen nach Frankreich gebracht haben sollen, was die weite Verbreitung ihrer Verehrung und die verschiedenen Geschichten um ihre Überreste verdeutlicht und die Faszination für ihre Person unterstreicht.
Häufig gestellte Fragen zur Heiligen Margareta
- Wer war die Heilige Margareta?
- Die Heilige Margareta war eine frühchristliche Märtyrerin aus Antiochia in Pisidien (heutige Türkei), die um 307 n. Chr. enthauptet wurde, weil sie ihren christlichen Glauben nicht aufgeben wollte. Sie ist bekannt für ihre Standhaftigkeit und ihren symbolischen Sieg über den Teufel in Drachengestalt.
- Warum wird sie auch Marina genannt?
- Margareta und Marina sind dieselbe Person. „Marina“ ist der Name, unter dem sie im gesamten christlichen Osten bekannt und verehrt wird, während „Margareta“ im Abendland gebräuchlich ist. Ihre Geschichten und Attribute sind identisch.
- Welche Bedeutung hat der 20. Juli (Margaretentag)?
- Der 20. Juli ist ihr Gedenktag. Er markiert im bäuerlichen Kalender traditionell den Beginn der Erntezeit und war oft ein Stichtag für Pacht- und Getreidezinsen. Religiös wird an diesem Tag ihrer Standhaftigkeit und ihres Martyriums gedacht.
- Was hat der Drache mit ihr zu tun?
- In der Legende erschien der Teufel Margareta im Gefängnis in Gestalt eines Drachen. Sie besiegte ihn mit der Kraft des Kreuzes, was ihren Sieg über das Böse und die Versuchung symbolisiert. Eine berühmte, wenn auch fabelhafte Version erzählt, wie sie vom Drachen verschlungen wurde und unversehrt mit Hilfe eines Kreuzes wieder entkam.
- Ist sie eine der Vierzehn Nothelfer?
- Ja, die Heilige Margareta gehört zu den Vierzehn Heiligen Nothelfern, einer Gruppe von Heiligen, die im Mittelalter um Hilfe in verschiedenen Nöten angerufen wurden und deren gemeinsame Verehrung sehr populär war.
- Für welche Anliegen ist sie die Schutzpatronin?
- Sie ist die Patronin des Nährstandes und der Landleute, Helferin in Geburtsnöten und Fürsprecherin der Armen. Ihr Patronat für Gebärende ist besonders bekannt, und ihr Gürtel oder geweihte Tücher wurden oft zur Unterstützung bei der Geburt verwendet, um den Frauen Beistand zu leisten.
Ein Gebet zur Heiligen Margareta
Die Geschichte der Heiligen Margareta ist eine Geschichte von unerschütterlichem Glauben, Mut und dem Triumph des Geistes über die Widrigkeiten. Sie ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie eine einzelne Person durch ihre tiefen Überzeugungen einen bleibenden Eindruck in Geschichte und Kultur hinterlassen kann. Ihr Gedenktag erinnert uns nicht nur an ihre Opferbereitschaft, sondern auch an die tiefe Verbindung zwischen Glaube, Natur und menschlichem Leben, die in alten Traditionen verwurzelt ist.
Ihr Gebet, das sie vor ihrem Tod sprach, ist ein Zeugnis ihrer Barmherzigkeit und Fürsorge für die Nachwelt, und es zeigt die Breite ihrer Fürbitte:
Heilige Margareta, unsere Zeit ist voll von irdischen Verlockungen. Viele haben die Orientierung und den Glauben verloren. Erbitte uns Hoffnung und Mut, dass wir unseren Kindern den Weg in eine sinnvolle Zukunft zeigen. Den jungen Frauen aber stehe in ihrer schweren Stunde bei. Herr Jesu Christe, ich empfehle dir meinen Geist und bitte dich auch, dass du Allen jenen zu Hilfe kommst, die mich und meine Marter ehren mit Kirchgang und mit Lichtern, mit Beten und Almosen. In welcher Noth sie sind, so sollst du sie durch meinen Willen gewähren und sollst ihnen ihre Sünden vergeben. Und wer eine Kirche zu meiner Ehre baut, dem gib das Himmelreich darum.
Möge die Geschichte der Heiligen Margareta, dieser wahren Perle des Glaubens, uns weiterhin inspirieren und uns daran erinnern, dass selbst in den dunkelsten Stunden die Kraft des Glaubens und die unerschütterliche Hoffnung auf das Gute triumphieren können. Ihr Erbe lebt fort in den Herzen der Gläubigen und in den alten Bräuchen, die ihren Namen bis heute ehren.
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