Neue Kraft finden: Auf den HERRN harren

05/07/2025

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Im 6. Jahrhundert vor Christus befanden sich die Israeliten in einer tiefen Krise. Das babylonische Exil, eine erzwungene Gefangenschaft fernab ihrer Heimat, hatte bereits lange angedauert. Was einst als vorübergehende Prüfung erhofft wurde, entwickelte sich zu einer zermürbenden Realität. Die anfängliche Hoffnung auf eine baldige Heimkehr wich einer wachsenden Depression und Resignation. Ihre Seelen waren müde, ihre Geister gebrochen. Inmitten dieser Verzweiflung erhob sich die Stimme des Propheten Jesaja, um ihnen eine Botschaft von unerschütterlicher Hoffnung zu verkünden: „Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden.“ Diese Worte sind nicht nur ein Echo aus ferner Vergangenheit, sondern ein aktueller Mutmacher, der die Herzen auch heute noch erreicht. Denn in unserer modernen Welt, geprägt von unerbittlichem Leistungsdruck und ständiger Erreichbarkeit, erleben immer mehr Menschen einen Zustand totaler Erschöpfung, einen sogenannten Burnout, oder stehen kurz davor.

Wie kann ich neue Kraft schöpfen?
Ob du gerade mutlos bist, innerlich suchst oder einfach einen Moment zum Durchatmen brauchst – nimm dir Zeit. Diese Gebete laden dich ein, dich getragen zu wissen und neue Kraft zu schöpfen. um Kraft und Mut zu schöpfen. um nie die Hoffnung aufzugeben. durcheinandergeworfen wurde. Amen Lieber Gott, in schweren Zeiten. und Zuversicht zu schöpfen.

Gerade in solchen Zeiten der Schwäche und des drohenden Zusammenbruchs ist es von unschätzbarem Wert, eine Quelle der Erneuerung zu kennen. Die Geschichte einer Frau, die ich einst besuchte, ist mir in diesem Zusammenhang unvergesslich geblieben. Sie blieb von dieser totalen Erschöpfung verschont, trotz eines unglaublich schweren Schicksals. Bei meinem ersten Besuch in ihrer Wohnung fielen mir in der Diele sofort zahlreiche braune, aufeinandergestapelte Kartons auf. Mein erstauntes Gesicht bemerkend, erklärte sie ruhig: „Herr Pfarrer, da ist mein Essen in Breiform drin! Ich muss jeden Tag von einer Schwester des Roten Kreuzes künstlich ernährt werden.“ Anschließend bat sie mich in ihr Wohnzimmer. Mein Blick fiel dort auf eine gerahmte, schon ziemlich vergilbte Spruchkarte an der Wand. „Sie muss Ihnen viel bedeuten, weil sie dort hängt!“, bemerkte ich. „Ja“, antwortete sie, „eine Diakonisse schenkte sie mir nach meiner ersten Operation. Sie ahnte wohl, welch langer Leidensweg auf mich wartete. So war es. In den vergangenen 15 Jahren musste ich 28-mal operiert werden! Seitdem bete ich morgens diese Spruchkarte, die mit den Worten beginnt: ‚Gib mir Kraft für EINEN Tag!‘“

Eine eigenartige Bitte an Gott, mag man denken. Brauchen wir nicht jeden Tag Kraft für die unzähligen Aufgaben, Kämpfe und Enttäuschungen des Lebens, die uns begegnen? Diese täglichen Herausforderungen können selbst junge Menschen so müde und mürbe machen, dass sie jede Freude am Leben verlieren. Und gestandene Männer können straucheln und in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung fallen. Schon zu Zeiten Jesajas war dies eine Realität. Doch für seine entmutigten Landsleute hatte er eine Botschaft der Ermutigung: „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft!“ Doch was bedeutet es eigentlich, auf Gott zu harren? Diese Frage ist der Schlüssel zum Verständnis dieser tiefgreifenden Verheißung.

Die Resignation der Israeliten im Exil

Um die volle Tragweite von Jesajas Botschaft zu erfassen, müssen wir uns die Situation der Israeliten im babylonischen Exil genauer vor Augen führen. Sie waren nicht nur physisch gefangen, sondern auch psychisch und spirituell erschöpft. Ihre Tempel waren zerstört, ihre Rituale konnten nicht mehr in der gewohnten Weise praktiziert werden, und die Verheißungen Gottes schienen in weite Ferne gerückt zu sein. Das Exil war nicht nur eine Bestrafung, sondern auch eine Zeit der Läuterung und der tiefen Selbstreflexion. Viele fühlten sich von Gott verlassen, ihre Gebete schienen ungehört zu verhallen. Die Hoffnung, die sie einst wie ein zarter Funke in sich trugen, erlosch allmählich unter der Last der Jahre. Diese kollektive Depression war eine gefährliche Falle, die zur Aufgabe des Glaubens und zur Assimilation an die babylonische Kultur führen konnte. Es war eine Zeit, in der die Frage nach der Treue Gottes und der Sinnhaftigkeit des Leidens drängender denn je war.

Ein zeitloser Ruf nach Hoffnung: Jesajas Botschaft

In dieser Atmosphäre der Verzweiflung tritt Jesaja auf den Plan, nicht als Prediger moralischer Anklagen, sondern als Überbringer göttlicher Tröstung und Verheißung. Seine Worte in Jesaja 40,30-31 sind ein Meisterwerk der Ermutigung: „Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden.“ Diese Verse sprechen eine universelle Wahrheit an: Menschliche Kraft ist begrenzt. Egal wie jung oder stark man ist, es gibt Momente, in denen die eigenen Ressourcen erschöpft sind. Doch Jesaja weist auf eine übernatürliche Quelle der Stärke hin, die für diejenigen zugänglich ist, die sich auf den HERRN verlassen. Die Metapher des Adlers ist dabei besonders aussagekräftig. Der Adler ist nicht nur ein Symbol für Stärke und Majestät, sondern auch für die Fähigkeit, Aufwinde zu nutzen, um ohne große Anstrengung hoch aufzusteigen und weite Strecken zurückzulegen. Es geht nicht darum, aus eigener Kraft zu fliegen, sondern sich von einer größeren Macht tragen zu lassen.

„Gib mir Kraft für EINEN Tag!“: Eine persönliche Geschichte der Resilienz

Die Geschichte der Frau, die trotz 28 Operationen über 15 Jahre hinweg eine unerschütterliche innere Stärke bewies, ist ein lebendiges Zeugnis für die Wahrheit von Jesajas Worten. Ihre Bitte „Gib mir Kraft für EINEN Tag!“ mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Warum nur für einen Tag? Die Antwort liegt in der Erkenntnis, dass das Leben oft in kleinen, überschaubaren Abschnitten gemeistert werden muss. Die Vorstellung, Kraft für Wochen, Monate oder gar Jahre voller Leid und Ungewissheit aufbringen zu müssen, kann erdrückend sein. Doch die Bitte um Kraft für den heutigen Tag, für diesen Augenblick, macht die Herausforderung bewältigbar. Es ist eine Haltung der Hingabe und des Vertrauens, die anerkennt, dass man nicht alles kontrollieren kann, aber sich darauf verlassen darf, dass Gott genau die benötigte Stärke für die aktuellen Anforderungen schenkt. Diese Frau lebte aus dem Vertrauen, dass Gott ihr jeden Morgen aufs Neue genau das gab, was sie brauchte, um diesen einen Tag zu bestehen.

Was bedeutet „auf den HERRN harren“? Eine tiefere Betrachtung

Der Kern von Jesajas Botschaft liegt im Verb „harren“. Im Hebräischen, der Sprache des Alten Testaments, steht für harren ein Wort, das eine tiefe Konzentration und Ausrichtung beschreibt. Es wird verwendet, wenn ein Bogenschütze seinen Pfeil eingelegt hat, das Ziel ins Auge fasst und zielt. Voller Konzentration schaut er allein auf das Ziel, nichts lenkt ihn ab. Dieses Bild verdeutlicht die Intensität und Exklusivität des Harrens auf den HERRN. Es ist keine passive Untätigkeit, sondern eine aktive, auf Gott ausgerichtete Erwartungshaltung. Pfarrer Busch hat dies treffend formuliert: „Auf den HERRN harren, das sind nicht die, welche diese oder jene Möglichkeiten für ihr Leben ins Auge fassen und dabei auch noch ein bisschen Religion haben. Die auf den HERRN harren, das sind die, welche ganz mit ihm rechnen, nur mit ihm; die ihn allein ihren Heiland sein lassen. Solche bekommen täglich neue Kraft.“ Es geht darum, Gott als die einzige und umfassende Quelle der Hilfe und des Lebens anzuerkennen, anstatt sich auf eigene Pläne, menschliche Lösungen oder oberflächliche Spiritualität zu verlassen. Es ist eine radikale Abhängigkeit, die paradoxerweise zu größter innerer Freiheit und Stärke führt. Es bedeutet, aktiv eine Beziehung zu Gott zu pflegen, im Gebet zu verweilen, auf seine Führung zu hören und seine Verheißungen festzuhalten, auch wenn die Umstände dagegen sprechen.

Die Adler-Metapher: Aufwind im Leben

Die Verheißung, „auffahren mit Flügeln wie Adler“, ist eine kraftvolle Metapher für die Art der Stärke, die diejenigen empfangen, die auf den HERRN harren. Der Adler fliegt nicht durch pure Muskelkraft über die höchsten Berge, sondern nutzt geschickt die thermischen Aufwinde. Er breitet seine Flügel aus und lässt sich von der unsichtbaren Kraft der Luft nach oben tragen. Übertragen auf das menschliche Leben bedeutet dies, dass Gott uns in schwierigen Zeiten „Aufwinde“ schenkt – Momente der Klarheit, unerwartete Hilfe, innere Ruhe oder einfach die Fähigkeit, über den Herausforderungen zu schweben, anstatt von ihnen erdrückt zu werden. Die Frau, die ich besuchte, erlebte dies. Trotz ihrer extremen körperlichen Belastungen wurde sie innerlich immer wieder „nach oben“ gebracht, getragen von einer Kraft, die nicht aus ihr selbst kam. Dies ist keine naive Vertröstung, sondern eine Erfahrung, die tiefe psychologische und spirituelle Resilienz schafft. Es ist die Erkenntnis, dass wir nicht alles alleine tragen müssen, sondern uns einer unerschöpflichen Quelle der Stärke anvertrauen dürfen.

Das Gebet um tägliche Kraft: Eine Anleitung zur Hingabe

Die alte Spruchkarte der Frau, die sie täglich betete, ist ein wunderschönes Beispiel für dieses Harren auf den HERRN. Es ist ein Gebet der Demut, des Vertrauens und der täglichen Hingabe. Es lädt uns ein, unsere Sorgen für den morgigen Tag loszulassen und uns ganz auf die gegenwärtige Gnade Gottes zu konzentrieren. Hier ist das Gebet in seiner vollen Form:

„Gib mir Kraft für EINEN Tag! HERR, ich bitte nur für diesen,
dass mir werde zugewiesen, was ich heute brauchen mag.
Jeder Tag hat seine Last, jeder Tag bringt neue Sorgen,
und ich weiß nicht, was für morgen Du mir, HERR, beschieden hast.
Aber eines weiß ich fest, dass mein GOTT, der Seine Treue
täglich mir bewies aufs Neue, sich auch morgen finden lässt.
Gib mir heute Deinen Geist, dass das Band wird stark erfunden,
das mich hält mit Dir verbunden und bis morgen nicht zerreißt.
Nun, so will ich meine Bahn ohne Sorgen weiter schreiten.
Du wirst Schritt für Schritt mich leiten, bis mein letzter Schritt getan.“
Amen.

Dieses Gebet, dessen Autorschaft Edith Stein oder Rudolf Lehmann Filhes zugeschrieben wird, ist eine tiefe Reflexion über die menschliche Begrenztheit und die unendliche Treue Gottes. Es anerkennt die Last jedes einzelnen Tages, drückt aber gleichzeitig das feste Vertrauen aus, dass Gott, der seine Treue jeden Tag neu beweist, auch morgen da sein wird. Es bittet nicht um die Beseitigung von Problemen, sondern um die notwendige Kraft und den Geist, um mit ihnen umzugehen. Es ist ein Gebet, das uns lehrt, im Hier und Jetzt zu leben, im Vertrauen auf die göttliche Führung Schritt für Schritt voranzuschreiten, bis der letzte Schritt unseres Lebens getan ist.

Wie schreibe ich ein kurzes Gebet für den Morgen?
Der Morgen ist ein idealer Zeitpunkt, um ein kurzes Gebet zu sprechen und den Tag mit positiver Energie zu beginnen. Hier sind einige schöne kurze Gebete für die Morgenroutine: „Danke für diesen neuen Tag.“ „Heute öffne ich mein Herz für Frieden und Freude.“

Vergleich: Damals und Heute – Kampf und Hoffnung

Die Parallelen zwischen der Situation der Israeliten und den Herausforderungen, denen Menschen heute begegnen, sind frappierend. Die Quellen der Verzweiflung mögen sich geändert haben, doch das menschliche Bedürfnis nach Hoffnung und Kraft bleibt bestehen.

AspektIsraeliten im 6. Jh. v. Chr.Menschen heute (z.B. bei Burnout)
Ursache der VerzweiflungLanges babylonisches Exil, Verlust der Heimat und Freiheit, scheinbare Gottverlassenheit.Dauerstress, Leistungsdruck, Sinnkrise, Überforderung, persönliche Schicksalsschläge.
Anfängliche ReaktionHoffnung auf baldige Heimkehr, die mit der Zeit schwindet und in Resignation mündet.Versuch, Probleme aus eigener Kraft zu bewältigen, oft bis zur totalen Erschöpfung.
Prophetische Botschaft / LösungJesaja: "Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft." Fokus auf Gott als einzige Quelle.Die Notwendigkeit, sich einer höheren Kraft anzuvertrauen, um innere Stärke und Resilienz zu finden.
ErgebnisErneuerung der Kraft, Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden ("auffahren mit Flügeln wie Adler").Wiederherstellung der Lebensenergie, innere Ruhe, Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen, ohne zu zerbrechen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist „Burnout“ im Kontext dieses Artikels?
Im Kontext dieses Artikels bezieht sich „Burnout“ auf einen Zustand totaler körperlicher, emotionaler und mentaler Erschöpfung, der durch anhaltenden Stress verursacht wird. Er führt zu Gefühlen der Hoffnungslosigkeit, des Zynismus und der Ineffektivität, ähnlich der Resignation, die die Israeliten im Exil erlebten.

Warum baten die Israeliten um neue Kraft?
Die Israeliten baten um neue Kraft, weil sie durch das lange Exil und die scheinbare Abwesenheit Gottes zermürbt und deprimiert waren. Sie hatten ihre eigene Stärke und Hoffnung verloren und benötigten eine übernatürliche Quelle der Erneuerung, um ihre Prüfungen zu überstehen und nicht zu zerbrechen.

Was ist der Kern der Botschaft Jesajas?
Der Kern von Jesajas Botschaft ist die Verheißung, dass diejenigen, die auf den HERRN harren – also sich vollständig auf Gott verlassen und ihn als ihre einzige Quelle der Hoffnung und Stärke ansehen –, neue, übernatürliche Kraft erhalten werden, die sie befähigt, auch die größten Herausforderungen zu meistern.

Wie kann man „auf den HERRN harren“ im Alltag umsetzen?
„Auf den HERRN harren“ im Alltag bedeutet, bewusst Zeit im Gebet und in der Besinnung auf Gott zu verbringen, ihm alle Sorgen und Lasten zu übergeben, seine Führung zu suchen und sich von seinen Verheißungen stärken zu lassen. Es ist eine Haltung des aktiven Vertrauens und der Hingabe, die jeden Tag erneuert wird, anstatt sich ausschließlich auf die eigene Kraft zu verlassen.

Warum ist „Kraft für EINEN Tag“ so bedeutsam?
Die Bitte um „Kraft für EINEN Tag“ ist bedeutsam, weil sie die überwältigende Natur zukünftiger Sorgen reduziert. Sie hilft, sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren und darauf zu vertrauen, dass Gott genau die notwendige Stärke für die aktuellen Herausforderungen schenkt, ohne sich von der Ungewissheit des Morgen lähmen zu lassen. Es fördert eine Haltung der täglichen Abhängigkeit und des Vertrauens.

Schlussfolgerung: Eine Quelle unerschöpflicher Stärke

Die Geschichten der Israeliten im babylonischen Exil und der mutigen Frau mit ihren unzähligen Operationen sind kraftvolle Zeugnisse einer zeitlosen Wahrheit: Menschliche Stärke ist endlich, doch die göttliche Quelle der Kraft ist unerschöpflich. In einer Welt, die uns oft bis an die Grenzen unserer Belastbarkeit führt, bietet die Botschaft Jesajas und das Gebet „Gib mir Kraft für EINEN Tag!“ einen Weg zu tieferer Resilienz und innerem Frieden. Es ist eine Einladung, die Kontrolle loszulassen, sich ganz auf den HERRN zu verlassen und die Erfahrung zu machen, wie er uns „Aufwinde“ schenkt, die uns wie Adler aufsteigen lassen. Mögen wir alle lernen, diese Quelle der Erneuerung zu finden und täglich daraus zu schöpfen, um mit neuer Kraft durchs Leben zu gehen, ohne müde zu werden oder zu straucheln.

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