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Revolverhelden: Mythen, Realität und Überleben

16/10/2022

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Das Bild des Revolverhelden, der in einem staubigen Straßenduell seinem Gegner gegenübertritt, die Hände locker über dem Revolvergriff, ist tief in unserem kollektiven Gedächtnis verankert. Eine jähe Bewegung, zwei Schüsse, ein Mann fällt. Diese Szene, oft romantisiert in Filmen und Büchern, prägt unsere Vorstellung vom Wilden Westen. Doch wie viel Wahrheit steckt in diesem Mythos? Die Realität des Lebens eines Revolvermanns war weitaus weniger glamourös und oft brutaler, als es die Legenden vermuten lassen. Es war ein Leben am Rande des Gesetzes und des Todes, geprägt von ständiger Gefahr und einer entscheidenden Überlebensregel.

Was ist die Überlebensregel der Revolvermänner?

Wer war ein Revolvermann wirklich?

Als Revolvermänner, oder auch Revolverkämpfer, bezeichnete man im Wilden Westen Personen, die immer wieder in Duelle und Schießereien verwickelt waren und daraus oft als Sieger hervorgingen, wodurch sie eine gewisse Berühmtheit erlangten. Diese Männer kamen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Einige übten den Beruf des Polizisten oder Marshals aus, wie der legendäre Wild Bill Hickok oder Bat Masterson, die versuchten, Recht und Ordnung in die chaotischen Siedlungen zu bringen. Andere standen auf der dunklen Seite des Gesetzes und waren berüchtigte Banditen oder Outlaws, darunter John Wesley Hardin und Billy the Kid. Wieder andere waren Fanatiker der Gerechtigkeit wie Clay Allison oder schlicht und einfach kaltblütige Killer wie Bill Longley und Ben Thompson. Unabhängig von ihrer Motivation oder ihrer Rolle in der Gesellschaft hatten sie eines gemeinsam: Ihr Leben war ein ständiger Tanz mit dem Tod. Jeden Tag mussten sie damit rechnen, getötet zu werden, denn ihre Berühmtheit zog Neider und Möchtegerns an, die ihren Ruf herausfordern wollten. Diese Gegner nahmen es oft nicht so genau mit der Fairness, was die Notwendigkeit bestimmter Verhaltensweisen und Vorsichtsmaßnahmen unterstrich.

Mythos versus Realität des Gunfights

Die Hollywood-Darstellung des Revolverduells, bei dem es auf die Schnelligkeit des Ziehens ankam und die Gegner sich auf 20 bis 30 Meter gegenüberstanden, ist weit von der historischen Wahrheit entfernt. In einem echten Gunfight war vor allem die Treffsicherheit entscheidend, nicht die Schnelligkeit des Ziehens. Die meisten Schießereien fanden auf sehr kurze Distanz statt, oft nur 5 bis 10 Meter voneinander entfernt. Es ging nicht darum, den anderen Mann zuerst oder an einer bestimmten Stelle zu treffen, sondern ihn überhaupt zu treffen. Eine Kugel, die traf, egal wo, konnte den Kampf beenden.

Ein weiterer weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Revolvermänner ihre Waffe immer im tief sitzenden Holster trugen und blitzschnell zogen. Tatsächlich trugen viele ihre Revolver eher unkonventionell: in der Gesäßtasche, im Hosenbund oder in der Jackentasche. Tiefhängende Holster, die den schnellen Zugriff auf den Revolvergriff, Abzugsbügel und Hahn ermöglichten, wurden erst lange nach der Jahrhundertwende populär. Damals trugen Revolvermänner ihre Waffen vielmehr hoch an der Hüfte oder im Schulterholster. Und entgegen der Darstellung in Filmen, wo Revolver die primäre Waffe waren, zogen die meisten Revolvermänner in einer echten Schießerei oft ein Gewehr oder eine Schrotflinte einer Faustfeuerwaffe vor, da diese auf größere Distanz effektiver und treffsicherer waren.

Hier ist eine vergleichende Tabelle, die die Unterschiede verdeutlicht:

AspektDer MythosDie Realität
Entscheidender FaktorSchnelligkeit des ZiehensTreffsicherheit
Distanz der Duelle20-30 Meter5-10 Meter
WaffenwahlAusschließlich RevolverOft Gewehre oder Schrotflinten bevorzugt
HolsterTief sitzend, für schnelles ZiehenHoch an der Hüfte, Hosenbund, Jackentasche
Ziel des SchussesTödlicher Treffer, z.B. in die HandHauptsache, den Gegner überhaupt treffen
Häufigkeit tödlicher DuelleSehr hochSelten, die meisten Gunfighter töteten nur wenige Männer

Die wichtigste Überlebensregel der Revolvermänner

Angesichts der ständigen Bedrohung und der unfairen Taktiken, die von Gegnern oft angewendet wurden, entwickelten Revolvermänner eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen. Eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste, Überlebensregel lautete: Sitze niemals mit dem Rücken zur Tür! Diese Regel war von entscheidender Bedeutung, da sie vor hinterhältigen Angriffen schützte. Ein unachtsamer Moment konnte das Ende bedeuten.

Was ist ein Revolvermann?
Dann eine jähe, kaum wahrnehmbare Bewegung, zwei nahezu gleichzeitig fallende Schüsse, und ein Mann geht, von der ersten Kugel getroffen, zu Boden. Eine gängige Variation dieses Mythos ist auch der Revolvermann, der seinem Gegenüber in die Hand schießt oder als echter Sportsmann den Wiedersacher sogar zuerst ziehen läßt.

Das tragische Schicksal von John Wesley Hardin, einem der berüchtigtsten Revolvermänner, ist ein exemplarisches Beispiel für die Bedeutung dieser Regel. Am 19. August 1895 missachtete Hardin diese Regel für einen kurzen Moment in einem Saloon in El Paso, Texas. Er saß mit dem Rücken zur Tür, als der Gesetzeshüter Old John Selman ihn hinterrücks erschoss. Hardins Tod unterstrich auf brutale Weise, dass selbst die erfahrensten Revolvermänner nicht unverwundbar waren und dass ein kleiner Fehler tödliche Konsequenzen haben konnte. Die ständige Wachsamkeit war nicht nur eine Empfehlung, sondern eine absolute Notwendigkeit.

Die Waffen der Revolverhelden

Die Revolver der damaligen Zeit waren weit entfernt von den präzisen und schnell nachladbaren Waffen, die wir aus modernen Filmen kennen. Viele bekannte Revolvermänner nutzten noch Perkussionsrevolver. Bei diesen Waffen war das Nachladen ein umständliches Unterfangen: Jede einzelne Kammer in der Trommel musste mit Schwarzpulver aus einer Pulverflasche gefüllt werden, dann wurden die Kammern mit einem Verdämmungspfropfen und Bleikugeln geladen. Schließlich wurden Zündpistons mit Zündhütchen versehen. Obwohl es auch Papierpatronen gab, die Kugel, Pulver und Pfropfen vereinten, war der Prozess immer noch zeitaufwendig und machte die Waffen anfällig für Feuchtigkeit. Dies war ein weiterer Grund, warum schnelle Duelle mit mehreren Schüssen, wie sie oft dargestellt werden, in der Realität selten waren.

Qualitativ hochwertige Revolver, beispielsweise von Samuel Colt, Remington und Smith & Wesson, existierten bereits. Diese waren jedoch sehr teuer und konnten sich nicht von jedem geleistet werden. Revolvermänner wie John Wesley Hardin oder Wild Bill Hickok besaßen solche Waffen, aber der wahre Grund für ihren Erfolg in Duellen lag nicht allein in der Waffe. Vielmehr lag es daran, dass sie ihre Schießereien auf sehr kurze Distanzen führten und selten gegen gleichwertige Gegner kämpften. Ihre Legenden basierten oft mehr auf ihrer Reputation und der Angst, die sie verbreiteten, als auf der reinen Anzahl ihrer Opfer oder ihrer unübertroffenen Schießkünste in einem fairen Duell.

Bekannte Revolverhelden und die Wahrheit über ihre Tötungsbilanz

Die Geschichten über die Tötungsbilanzen berühmter Revolvermänner sind oft stark übertrieben. Billy the Kid wurden angeblich einundzwanzig Opfer zugeschrieben (wobei „Mexikaner nicht eingerechnet“ wurden), und John Wesley Hardin soll über vierzig Menschen getötet haben. Die Mythen um diese Figuren waren oft größer als die Realität ihrer Taten. Historische Forschungen haben diese Zahlen jedoch drastisch reduziert.

  • Billy the Kid: Es gibt keinerlei gesicherte Hinweise darauf, dass er mehr als vier Männer getötet hat. Seine Legende wurde durch sensationelle Berichterstattung und populäre Erzählungen aufgebauscht.
  • John Wesley Hardin: Auch wenn er zweifellos ein gefährlicher Mann war, tötete er aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls nur ein knappes Dutzend Menschen, weit entfernt von den über vierzig zugeschriebenen Opfern.
  • Bat Masterson: Ein weiteres Beispiel für die Diskrepanz zwischen Mythos und Realität. Er brachte nur einen Mann um und war insgesamt nur an drei Schießereien beteiligt. Später wurde er ein anerkannter Sportjournalist in New York.

Der typische Gunfighter feuerte seine Waffe nur gelegentlich auf andere Männer ab, und zu Todesfällen kam es dabei höchst selten. Die Gefahr für diese Männer lag oft mehr in der ständigen Drohung und der Notwendigkeit, sich zu verteidigen, als in der Durchführung von Massakern.

Was ist die Überlebensregel der Revolvermänner?

Der Revolvermann im Fiktiven: Stephen Kings Dunkler Turm

Während die historischen Revolvermänner mit der harten Realität des Wilden Westens konfrontiert waren, hat das Archetyp des Revolvermanns auch Eingang in die moderne Literatur gefunden, wo er oft mit einer tiefgründigeren, spirituellen Dimension versehen wird. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist Stephen Kings „Dunkler Turm“-Zyklus, in dem Roland Deschain der letzte Revolvermann einer untergehenden Welt ist. Für ihn ist das Schießen nicht nur eine physische, sondern auch eine mentale und spirituelle Disziplin.

Roland lehrt seine Weggefährten Eddie und Susannah ein Mantra, das die Essenz seiner Philosophie einfängt und die Verbindung zwischen Geist, Auge, Hand und Herz betont. Dieses Mantra, das Susannah laut aufsagte, bevor sie erstmals mit echter Munition schoss und später im Kampf gegen den Bären Shardik in höchster Not wiederholte, lautet:

  • „Ich ziele nicht mit der Hand; wer mit der Hand zielt, hat das Angesicht seines Vaters vergessen. Ich ziele mit dem Auge.“
  • „Ich schieße nicht mit der Hand; wer mit der Hand schießt, hat das Angesicht seines Vaters vergessen. Ich schieße mit dem Verstand.“
  • „Ich töte nicht mit meiner Waffe; wer mit seiner Waffe tötet, hat das Angesicht seines Vaters vergessen. Ich töte mit dem Herzen.“

Dieses Mantra offenbart eine tiefere Ebene der Fokussierung und Selbstbeherrschung, die über bloße mechanische Fähigkeiten hinausgeht. Es ist eine Form der Meditation, die den Revolvermann befähigt, in Momenten höchster Gefahr innere Ruhe zu finden und seine Absicht mit seinem gesamten Wesen zu vereinen. Während die historischen Revolvermänner pragmatisch überleben mussten, verleiht King dem Konzept eine fast mystische Dimension, bei der die Waffe lediglich ein Werkzeug ist, aber die wahre Kraft aus dem Inneren, aus dem Herzen und dem Verstand kommt. Es ist eine faszinierende Interpretation, die den archetypischen Revolvermann in eine neue, philosophische Dimension hebt und seine Fähigkeit zu überleben nicht nur auf physische Fertigkeiten, sondern auch auf geistige und emotionale Stärke gründet.

Fazit

Das Leben eines Revolvermanns im Wilden Westen war eine harte und oft kurze Existenz, weit entfernt von den romantisierten Darstellungen, die wir heute kennen. Es war ein Leben, das ständige Wachsamkeit erforderte und in dem eine einfache Regel wie „Sitze niemals mit dem Rücken zur Tür!“ über Leben und Tod entscheiden konnte. Die wahren Fähigkeiten lagen in der Treffsicherheit auf kurze Distanz und der Fähigkeit, sich in einer unbarmherzigen Umgebung zu behaupten. Die Mythen der Revolverhelden sind faszinierend, aber die Realität war eine Geschichte von Überleben, Vorsicht und der harten Wahrheit, dass nur wenige von ihnen die blutigen Bilanzen erreichten, die ihnen zugeschrieben wurden. Die Faszination für diese Figuren bleibt jedoch bestehen, nicht zuletzt, weil sie uns die Realität einer Ära näherbringen, in der das Gesetz oft noch nicht etabliert war und jeder Mann (oder jede Frau) für sich selbst kämpfen musste.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

War die Schnelligkeit beim Ziehen für Revolvermänner entscheidend?
Nein, entgegen dem Mythos war die Schnelligkeit des Ziehens in echten Gunfights weniger wichtig als die Treffsicherheit. Die meisten Auseinandersetzungen fanden auf sehr kurze Distanz statt, wo ein präziser Schuss entscheidender war als ein schneller, ungenauer.

Welche Revolver gibt es?
Es gab zwar schon qualitativ gute Revolver wie z. B. von Samuel Colt, Remington und Smith & Wesson. Diese waren aber sehr teuer und nicht jeder konnte sich diese Waffen leisten. Berühmte Revolvermänner wie John Wesley Hardin oder Wild Bill Hickok besaßen solche Revolver.

Wie viele Gegner töteten berühmte Revolverhelden wirklich?
Die Zahlen sind oft stark übertrieben. Die meisten bekannten Revolvermänner töteten im Laufe ihrer „Karriere“ nur sehr wenige Männer, oft nur einstellige Zahlen, weit entfernt von den Dutzenden, die ihnen in Legenden zugeschrieben wurden.

Was war die wichtigste Überlebensregel der Revolvermänner?
Die entscheidende Überlebensregel lautete: „Sitze niemals mit dem Rücken zur Tür!“ Diese Regel sollte vor hinterhältigen Angriffen schützen, die in der damaligen Zeit keine Seltenheit waren.

Welche Waffen nutzten Revolvermänner hauptsächlich?
Revolverhelden nutzten oft Perkussionsrevolver, die umständlich nachzuladen waren. In echten Schießereien zogen sie jedoch häufig ein Gewehr oder eine Schrotflinte einer Faustfeuerwaffe vor, da diese auf größere Distanz effektiver waren.

Gab es echte Duelle wie im Film, bei denen sich Gegner auf große Distanz gegenüberstanden?
Nein, solche Duelle, bei denen sich Gegner im Abstand von 20 bis 30 Metern mit tief sitzenden Colts gegenüberstanden, gab es in der Realität des Wilden Westens so gut wie nie. Schießereien fanden fast immer auf sehr kurze Distanz statt.

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