Wer hielt die Predigt vor dem Gebet?

Das Festgebet im Islam: Sunna und die Chutba

12/02/2026

Rating: 4.36 (14962 votes)

Das islamische Festgebet (Salat al-Id) ist eine der bedeutendsten und am nachdrücklichsten empfohlenen Anbetungshandlungen im Islam. Es markiert die Feierlichkeiten von Eid al-Fitr (nach dem Ramadan) und Eid al-Adha (nach der Pilgerfahrt). Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) versäumte dieses Gebet nie, was seine immense Wichtigkeit unterstreicht. Für die hanafitische Rechtsschule gilt das Festgebet sogar als verpflichtend (Wajib), während andere Schulen es als stark empfohlene Sunna einstufen.

Wer hielt die Predigt vor dem Gebet?
Imâm At-Tirmidhi sagte: „Dies ist die Handlungsweise der versierten Gefährten des Propheten und Anderer, dass das Festgebet vor (dem Halten) der Festrede (verrichtet werden sollte). Und es wird gesagt, dass der erste Imâm, der die Predigt vor dem Gebet hielt, Marwan Ibn Al-Hakam war.

Die Bedeutung dieses Gebets erstreckt sich nicht nur auf die spirituelle Ebene, sondern auch auf die soziale. Es ist ein Tag der Zusammenkunft, der Freude und des Dankes an Allah. Der Prophet wies ausdrücklich Männer, Frauen und Kinder an, sich zum Festgebetsplatz zu begeben. Selbst menstruierende Frauen, die normalerweise vom Gebet ausgeschlossen sind, werden dazu angehalten, an der Festrede teilzunehmen, sollten sich jedoch vom eigentlichen Gebetsplatz fernhalten, um die Reinheitsvorschriften einzuhalten. Dies zeigt die umfassende Natur des Festes, bei dem die gesamte Gemeinschaft zusammenkommt, um Allah zu gedenken und Seine Segnungen zu empfangen.

Inhaltsverzeichnis

Vorbereitung auf das Festgebet: Äußere und Innere Reinigung

Die Vorbereitung auf das Festgebet ist von großer Bedeutung und umfasst sowohl rituelle als auch ästhetische Aspekte. Es wird nachdrücklich empfohlen, vor dem Gebet eine rituelle Ganzkörperwaschung (Ghusl) vorzunehmen. Dies symbolisiert nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Reinigung und die Bereitschaft, vor Allah zu treten. Darüber hinaus sollen die Gläubigen die schönste Kleidung tragen, die sie besitzen. Dies ist ein Ausdruck der Freude und des Respekts vor dem festlichen Anlass und vor Allah. Für Männer wird zusätzlich empfohlen, die besten Parfüms zu verwenden, um sich in einem angenehmen Zustand zu präsentieren.

Diese Empfehlungen unterstreichen die besondere Stellung des Festgebets. Es ist nicht nur ein gewöhnliches Gebet, sondern ein Höhepunkt des islamischen Kalenders, der mit äußerster Sorgfalt und Ehrerbietung begangen werden sollte. Die äußere Sauberkeit und Schönheit spiegeln die innere Bereitschaft und Freude wider, die Muslime an diesem besonderen Tag empfinden.

Der Ablauf des Festgebets: Rak'at und Takbîrât

Das Festgebet unterscheidet sich in einigen Aspekten von den täglichen Pflichtgebeten, insbesondere durch die Anzahl der Takbîrât (Plural von Takbîr, das Aussprechen von „Allâhu Akbar“ – Allah ist größer). Es besteht aus zwei Rak'at (Gebetseinheiten), was von verschiedenen Überlieferungen bestätigt wird. Ibn Umar sagte: „Das Reisegebet besteht aus zwei Rak´as, das Adhâ-Gebet besteht aus zwei Rak´as und das Fitr-Gebet besteht ebenso aus zwei Rak´as, und die beiden Letzteren sind vollständige Gebete, nicht verkürzt, und zwar gemäß dessen, was der Prophet sagte.“

Der Ablauf ist wie folgt:

  1. Die erste Rak'a beginnt mit dem Takbîr (Takbîr Al-Ihrâm), wie es in allen anderen rituellen Gebeten auch der Fall ist.
  2. Danach spricht der Imâm (gefolgt von den hinter ihm betenden Muslimen) sieben zusätzliche Takbîrât. Aisha (möge Allah mit ihr zufrieden sein) sagte: „Der Prophet pflegte den Takbîr in (den Gebeten des Îd) Al-Fitr und Al-Adhâ auszusprechen, sieben Takbîrât in der ersten Rak´a und fünf in der zweiten, neben den zwei Takbîrât, die dem Rukû´ (Verbeugung) vorausgehen.“
  3. In der zweiten Rak'a gibt es fünf zusätzliche Takbîrât, neben dem weiterführenden Takbîr, der gesprochen wird, wenn der Imam und die betenden Muslime aufstehen, um die zweite Rak´a zu verrichten.

Imâm Al-Bahawi sagte: „Es ist die Meinung der meisten versierten Gelehrten unter den Gefährten und denen, die ihnen folgten, dass es sieben Takbîrât in der ersten Rak´a des Festgebets gibt, neben dem ersten Takbîr (Takbîr Al-Ihrâm), und fünf Takbîrât in der zweiten Rak´a, neben dem weiterführenden Takbîr, und alle (finden statt), bevor man (die Verse des ehrwürdigen Qurân) rezitiert. Dies wurde von Abû Bakr, Umar, Ali und Anderen berichtet.“ Diese spezifische Anzahl und Platzierung der Takbîrât ist ein charakteristisches Merkmal des Festgebets und unterscheidet es von anderen Gebeten.

Die Rolle der Takbîrât: Praktiken und Meinungsverschiedenheiten

Rund um die Takbîrât gibt es einige weitere Details und Meinungsverschiedenheiten unter den Gelehrten:

Händeheben bei den Takbîrât

Es ist nicht bestätigt, dass der Prophet (Friede sei mit ihm) seine Hände bei jedem Takbîr zu erheben pflegte. Obwohl Ibn Umar, ein großer Anhänger der Sunna des Propheten, seine Hände zu erheben pflegte, wenn er die Takbîrât rezitierte, bedeutet dies laut Schaich Al-Albâni nicht, dass es eine Sunna des Propheten ist. Schaich Al-Albâni sagte in Tamâm Al-Minna: „Obwohl berichtet wurde, dass Ibn Umar es so tat (die Hände erheben, wenn er den Takbîr rezitierte), bedeutet dies nicht, dass es eine Sunna des Propheten ist, ganz abgesehen davon, dass die Überlieferung über Umar und dessen Sohn nicht authentisch ist.“ Dies zeigt, dass nicht jede Handlung eines Gefährten automatisch zur Sunna des Propheten wird.

Gedenken zwischen den Takbîrât

Hinsichtlich irgendeines speziellen Gedenkens (Dhikr) zwischen den Îd-Takbîrât des Propheten wurde nichts bestätigt. Ibn Mas´ûd überlieferte jedoch (durch eine gute Überliefererkette), dass er über das Festgebet sagte: „Zwischen jeden zwei Takbîrât gibt es Lobpreis Allahs des Allmächtigen und Preisen Seiner Eigenschaften.“ Ibn Al-Qayyim sagte, dass der Prophet pflegte, zwischen jeden zwei Takbîrât für eine Weile ruhig zu bleiben, doch es ist nichts bestätigt, dass er für gewöhnlich irgendein Gedenken zwischen ihnen rezitierte. Dies lässt den Gläubigen die Freiheit, in dieser kurzen Pause Allah zu gedenken oder einfach zu schweigen.

Rezitationen nach den Takbîrât

Nachdem der Prophet (Friede sei mit ihm) mit den Takbîrât fertig war, rezitierte er die Fâtiha (die erste Sûra des ehrwürdigen Qurân). Anschließend rezitierte er in der ersten Rak'a entweder „Qâf. Bei dem ruhmvollen Quran!“ (Sûra 50) oder Sûra Al-Alâ (Sûra 87). In der zweiten Rak'a rezitierte er dann entsprechend Al-Qamar (Sûra 54) oder Sûra Al-Ghâschija (Sûra 88). Ibn Al-Qayyim sagte: „Diese zwei Fälle wurden vom Propheten bestätigt und sonst nichts.“ Dies gibt den Muslimen klare Richtlinien für die Rezitationen im Festgebet, wobei die Wahl der Suren variieren kann, solange sie der Sunna entsprechen.

Die restlichen Verrichtungen des Festgebets, wie Rukû´ (Verbeugung), Sujûd (Niederwerfung) und das Sitzen zwischen den Niederwerfungen, sind wie die der anderen rituellen Gebete; nichts unterscheidet sich hierbei.

Was tun, wenn man das Festgebet verpasst?

Es kann vorkommen, dass jemand das Festgebet in Gemeinschaft verpasst. Für diesen Fall gibt es unterschiedliche Ansichten unter den islamischen Rechtsschulen:

  • Schâfii-Rechtsschule: Imâm Al-Buchârî sagte: „Wer auch immer das Festgebet verpasst, sollte zwei Rak´as beten.“ Al-Hâfiz Ibn Hadschr kommentierte dies und erklärte, dass das Festgebet zu verrichten verpflichtend sei, wenn es in der Gemeinschaft verpasst wurde, egal ob absichtlich oder unabsichtlich. Atâ sagte: „Wer auch immer das Fest (-Gebet) verpasst hat, kann ein Zwei-Rak´a-Gebet verrichten.“ Walîyullah Ad-Dahlawi sagte: „Dies ist die Schâfii-Rechtsschule, dass jemand, wenn er das Festgebet mit dem Imâm verpasst hat, ein Zwei-Raka´a-Gebet verrichten kann, damit er nicht die Segnungen des Festgebets verpasst, nachdem er schon den Segen des Gebets in Gemeinschaft mit dem Imam verpasst hat.“ Imâm Mâlik sagte in seinem Werk Al-Muwatta: „Wer auch immer – sei es Mann oder Frau – das Festgebet alleine verrichtet, sollte sieben Takbîrât in der ersten Rak´a und fünf Takbîrât in der zweiten aussprechen, bevor er (einige Verse aus dem ehrwürdigen Quran) rezitiert.“
  • Hanafi-Rechtsschule: Abû Hanîfa glaubte hingegen, dass es kein Nachholen für das verpasste Festgebet gibt, und wenn man es mit dem Imam verpasst hat, man es niemals nachholen kann.

Wenn jemand nur einen Teil des Festgebets mit dem Imâm verpasst, sollte er den verpassten Teil nachholen, wie er ist, so wie bei anderen rituellen Gebeten. Es ist wichtig zu beachten, dass das Rezitieren der Takbîrât im Festgebet eine Sunna (empfohlene Tat) ist, die, wenn sie absichtlich oder aus Vergessenheit ausgelassen wird, das Gebet nicht ungültig macht. Die Gelehrten stimmen hierin überein. Wer sie jedoch auslässt, handelt zweifellos der Sunna des Propheten zuwider.

Die entscheidende Frage: Wann wird die Predigt gehalten?

Die Frage nach der Reihenfolge von Gebet und Predigt (Chutba) beim Festgebet ist von entscheidender Bedeutung und ein Punkt, an dem es im Laufe der Geschichte zu einer bedauerlichen Innovation kam. Die klare und unmissverständliche Sunna des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) und der rechtgeleiteten Kalifen war, dass die Festrede (Chutba) dem Festgebet folgt.

Al-Buchârî nannte eines der Kapitel seines Sahîh-Werkes „Das Buch der Rede nach dem Festgebet“. Ibn Abbâs (möge Allah mit ihm zufrieden sein) sagte: „Ich verrichtete das Festgebet mit Allâhs Gesandtem, Abû Bakr, Umar und Uthmân und sie alle verrichteten das Festgebet, bevor sie die Chutba hielten.“ Dies ist eine eindeutige Aussage über die Praxis des Propheten und der ersten Kalifen, die als Vorbild für die Muslime dient.

Ibn Umar (möge Allah mit ihm zufrieden sein) bestätigte dies ebenfalls, indem er sagte: „Der Prophet, Abû Bakr und Umar pflegten die Gebete vor dem Halten der Chutba zu verrichten.“ Diese konsistente Praxis der wichtigsten Persönlichkeiten des frühen Islam lässt keinen Raum für Zweifel an der korrekten Reihenfolge.

Walîyullah Ad-Dahlawi kommentierte den Titel von Al-Buchârîs Kapitel und erklärte: „Es deutet darauf hin, dass es die Sunna des Propheten und der vier rechtgeleiteten Kalifen war. Aber die Änderung, die geschah – das Halten der Predigt vor dem Verrichten des Festgebets –, ist eine Neuerung in der Religion, die von Marwan Ibn Al-Hakam eingeführt wurde.“

Marwan Ibn Al-Hakam, ein Kalif aus der Umayyaden-Dynastie, war es also, der diese Abweichung von der etablierten Sunna einführte. Seine Motivation dafür war angeblich, sicherzustellen, dass die Menschen die Predigt hörten, da viele nach dem Gebet dazu neigten, den Gebetsplatz zu verlassen. Ungeachtet seiner Absicht wird diese Änderung in der islamischen Tradition als eine Neuerung (Bid'a) betrachtet, die nicht der Praxis des Propheten entspricht. Die korrekte Reihenfolge bleibt daher das Gebet zuerst und dann die Chutba.

Vergleich der Reihenfolge von Gebet und Predigt

AspektSunna des Propheten und der KalifenInnovation (Marwan Ibn Al-Hakam)
Reihenfolge von Gebet und PredigtGebet (Salat) zuerst, dann Predigt (Chutba)Predigt (Chutba) zuerst, dann Gebet (Salat)
Begründung (Sunna)Etablierte Praxis des Propheten und seiner GefährtenAngeblich, um sicherzustellen, dass die Menschen die Predigt hören
Religiöse BewertungAls Sunna und vorbildliche Praxis anerkanntAls Neuerung (Bid'a) in der Religion betrachtet

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Festgebet

Ist das Festgebet Pflicht (Fard) im Islam?

Die islamischen Rechtsschulen haben unterschiedliche Ansichten dazu. Die hanafitische Rechtsschule sieht das Festgebet als verpflichtend (Wajib) an. Andere Schulen, wie die Schâfii- und Mâlikî-Schulen, betrachten es als stark empfohlene Sunna (Sunnah Mu'akkadah), die der Prophet nie versäumt hat.

Dürfen Frauen und Kinder am Festgebet teilnehmen?

Ja, der Prophet (Friede sei mit ihm) wies Männer, Frauen und Kinder an, sich zum Festgebetsplatz zu begeben. Selbst menstruierende Frauen werden ermutigt, an der Festrede teilzunehmen, sollten sich aber vom eigentlichen Gebetsplatz fernhalten, um die Reinheitsvorschriften einzuhalten.

Was ist, wenn ich das Festgebet verpasse?

Hier gibt es unterschiedliche Meinungen. Die Schâfii-Schule erlaubt das Nachholen des Gebets als Zwei-Rak'a-Gebet, auch wenn es in der Gemeinschaft verpasst wurde. Die hanafitische Schule hingegen glaubt, dass es kein Nachholen für das verpasste Festgebet gibt, wenn es mit dem Imâm verpasst wurde.

Wann wird die Predigt (Chutba) beim Festgebet gehalten?

Gemäß der authentischen Sunna des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) und der Praxis der ersten Kalifen (Abû Bakr, Umar, Uthmân) wird die Predigt (Chutba) nach dem Festgebet gehalten. Die Praxis, die Predigt vor dem Gebet zu halten, wurde als Neuerung (Bid'a) von Marwan Ibn Al-Hakam eingeführt.

Was ist die Bedeutung der Takbîrât im Festgebet?

Die Takbîrât (das Aussprechen von „Allâhu Akbar“ – Allah ist größer) sind ein einzigartiges Merkmal des Festgebets. Sie drücken die Verherrlichung und Lobpreisung Allahs aus und betonen Seine Größe. Die spezifische Anzahl von sieben Takbîrât in der ersten Rak'a und fünf in der zweiten (zusätzlich zu den üblichen Takbîrât) ist eine Sunna des Propheten, die die Besonderheit dieses Gebets hervorhebt.

Das Festgebet ist somit ein umfassendes Erlebnis des Glaubens und der Gemeinschaft, reich an spiritueller Bedeutung und festen Regeln, die auf der Sunna des Propheten basieren. Es ist ein Tag, an dem Muslime weltweit in Einheit Allahs gedenken und Seine Gnade feiern.

Wenn du andere Artikel ähnlich wie Das Festgebet im Islam: Sunna und die Chutba kennenlernen möchtest, kannst du die Kategorie Religion besuchen.

Go up