Kontemplatives Gebet: Der Weg zum Herzen

16/05/2023

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Das Gebet ist seit jeher ein zentraler Pfeiler menschlicher Spiritualität und des Glaubens. Während viele Formen des Gebets auf verbaler Kommunikation oder äußeren Ritualen basieren, gibt es einen tiefgründigen und oft übersehenen Weg: das kontemplative Gebet. Es ist eine Praxis, die über die Jahrhunderte im Christentum gewachsen ist und die Begegnung mit dem Göttlichen im Inneren, im Kern der eigenen Seele, sucht. Im Gegensatz zu mündlichen Gebeten ist das kontemplative Gebet primär still. Es geht darum, sich von der äußeren Welt, von den eigenen flüchtigen Gefühlen und den unablässigen Gedanken zu lösen, um ganz in die Tiefe des Seins zu sinken und sich zu „versenken“. Diese tiefe innere Ausrichtung hat eine bemerkenswerte Wirkung auf das Herz, das im spirituellen Sinne oft als Zentrum des Menschen, als Ort der Begegnung mit Gott und als Quelle der inneren Wahrheit verstanden wird.

Wie wirkt sich das Gebet auf das Herz aus?
Nach langer Übung verinnerlicht sich das Gebet und sinkt ins Herz. Es ist schliesslich auch möglich gleichzeitig körperliche und geistige Arbeiten zu verrichten. Selbst während des Schlafes wird das Gebet innerlich fortgeführt. Das Jesusgebet wird mit Körperrhythmen wie dem Atem und dem Herzschlag verbunden.
Inhaltsverzeichnis

Die Transformation des Herzens durch Stilles Gebet

Die zentrale Frage, wie das Gebet das Herz beeinflusst, findet im kontemplativen Ansatz eine tiefgreifende Antwort. Die verschiedenen Wege des kontemplativen Gebets, obwohl sie sich in ihrer Ausführung unterscheiden mögen, verfolgen alle dasselbe Ziel und basieren auf grundlegenden Entwicklungsstufen des mystischen Weges: die Reinigung des Herzens, die Erleuchtung und schließlich die Vereinigung mit Gott. Diese Reinigung ist ein Prozess, bei dem innere Unruhe, egoistische Tendenzen und die Last vergangener Erfahrungen sanft abgelöst werden, um Raum für eine tiefere spirituelle Realität zu schaffen.

Im kontemplativen Gebet wird die ständige Flut von Gedanken und Emotionen, die den Geist oft überflutet, bewusst zur Ruhe gebracht. Durch das Festhalten an einem sich wiederholenden Element – sei es ein kurzes Gebetswort, die Konzentration auf die Hände oder die Ausrichtung auf Körperrhythmen wie den Atem oder den Herzschlag – wird der Verstand langsam heruntergefahren. Diese intellektuelle Einfachheit ermöglicht es dem Geist, sich zu entspannen und offen zu werden für eine Begegnung, die jenseits des rein Rationalen liegt. Thomas Keating, einer der Pioniere des modernen Centering Prayer, spricht in diesem Zusammenhang von einer „Göttlichen Therapie“, die der Betende durchläuft. In dieser Therapie befreit Gott den Menschen von seinem Ego und reinigt sein Herz. Es ist ein Prozess, der innere Spannungen lösen kann und zu einem Zustand inneren Friedens und tiefer Verbundenheit führt. Das Herz wird nicht nur von Ballast befreit, sondern auch für göttliche Präsenz empfänglich gemacht, was eine tiefgreifende spirituelle Heilung und Transformation bewirken kann.

Grundlagen und Gemeinsamkeiten Kontemplativer Gebetspraktiken

Trotz der Vielfalt der kontemplativen Traditionen gibt es grundlegende Prinzipien, die allen Formen gemein sind. Die Praxis ist in der Regel still und findet in einer Atmosphäre der Sammlung statt. Die Empfehlung lautet oft, 1-2 Mal täglich für 20-30 Minuten dem kontemplativen Gebet zu widmen. Es ersetzt andere Gebetsformen nicht, tritt aber aufgrund seiner Bedeutung an erste Stelle. Das Loslösen von ständig aufkommenden Gedanken ist ein zentrales Element, wofür meist ein sich wiederholendes Element gewählt wird. Wenn Gedanken auftauchen und man ihnen nachhängt, kehrt man sanft und ohne Urteil zu diesem Element zurück. Dieses sanfte Zurückkehren, das Loslassen von gedanklichen Verstrickungen, ist der Schlüssel zur Vertiefung der kontemplativen Erfahrung und zur Öffnung des Herzens.

Verschiedene Wege der Kontemplation im Christentum

Obwohl die kontemplative Tradition in den Jahrhunderten nach der Reformation, als die wissenschaftliche Theologie mystischen Erfahrungen skeptisch gegenüberstand, zeitweise verkümmerte, wird sie heute vielerorts wieder neu belebt. Die Wiederentdeckung des Ruhegebets und die Entwicklung des Centering Prayers sind prominente Beispiele dafür.

Das Ruhegebet (Hesychasmus)

Das Ruhegebet ist die älteste Form christlicher Kontemplation und wurde bereits von den Wüstenvätern des 3./4. Jahrhunderts praktiziert. Johannes Cassian trug mit seinen „Unterredungen mit den Vätern“ zur Verbreitung im christlichen Abendland bei. Es gilt als die „reinste“ oder minimalistischste Form, auf der viele andere Praktiken, wie das Jesusgebet oder das Centering Prayer, basieren. Dr. Peter Dyckhoff hat in den 1970er Jahren das Ruhegebet neu entdeckt und maßgeblich zu seiner Wiederbelebung beigetragen.

  • Wiederholtes Element: Ein kurzes, persönliches Gebetswort, das aus einer überlieferten Liste gewählt wird (z.B. „Jesus“ oder „Abba“).
  • Empfohlene Dauer: Strikt 2x 20 Minuten täglich, morgens und abends.
  • Besonderheiten: Große Treue zur überlieferten Praxis der Wüstenväter. Das Gebetswort soll nicht geändert werden. Dyckhoff betont die Einhaltung der maximalen Dauer, um eine „Überforderung“ zu vermeiden, da sich zu viele innere Spannungen auf einmal lösen könnten.

Das Centering Prayer (Gebet der Sammlung)

Das Centering Prayer wurde in den 1970er Jahren von Trappistenmönchen um Thomas Keating entwickelt, um eine moderne christliche Alternative zur buddhistischen Meditation zu bieten, die damals viele junge Menschen anzog. Es hat sich, besonders in Nordamerika, stark verbreitet. Keatings Werk „Das Gebet der Sammlung“ ist ein Klassiker in diesem Bereich. Er spricht von einer „Göttlichen Therapie“, die das Gebet bewirkt, bei der Gott den Menschen von seinem Ego befreit und sein Herz reinigt.

  • Wiederholtes Element: Ein „heiliges Wort“, das kurz und ein- oder zweisilbig sein sollte (z.B. „Gott“, „Friede“). Alternativ kann auch die Aufmerksamkeit auf den Atem oder die Gegenwart Gottes verwendet werden.
  • Empfohlene Dauer: 2x 20-30 Minuten täglich, morgens und abends.
  • Besonderheiten: Das wiederholte Element ist flexibler als beim Ruhegebet. Die Dauer kann mit Übung oder bei Exerzitien verlängert werden, unterbrochen von kurzen meditativen Geheinheiten.

Das Herzensgebet oder Jesusgebet

Das Jesusgebet entwickelte sich über Jahrhunderte aus dem Ruhegebet und ist in der christlich-orthodoxen Ostkirche tief verwurzelt. Die „Philokalie“ sammelt die Anleitungen und Weisheiten von über 30 Schriftstellern zum Jesusgebet. Bekannt wurde es im Westen durch das Buch „Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers“, das von einem Pilger berichtet, der das Gebet „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“ unablässig praktiziert.

Dieses Gebet orientiert sich an der paulinischen Aufforderung, „ohne Unterlass“ zu beten (1. Thessalonicher 5, 17). Nach langer Übung verinnerlicht sich das Gebet und sinkt ins Herz, sodass es selbst während des Schlafes fortgeführt werden kann. Es wird oft mit Körperrhythmen wie dem Atem und dem Herzschlag verbunden, wobei bei jedem Herzschlag ein Wort des Gebetes gesprochen wird.

  • Wiederholtes Element: Eine Anrufung Jesu verbunden mit der Bitte um Erbarmen, z.B. „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.“
  • Empfohlene Dauer: Anfänger steigern die Dauer, bis es zu einem unablässiges Gebet wird.
  • Besonderheiten: Das Gebet wird im Alltag gesprochen und nicht nur zu festen Zeiten. Die Verbindung mit Atem- und Herzrhythmus ist für Fortgeschrittene empfohlen.

Das Jesusgebet nach Franz Jalics

Franz Jalics, ein ungarischer römisch-katholischer Priester, lehrt einen an das Jesusgebet angelehnten Weg, der an unsere heutige Situation angepasst ist. Er bringt neue Elemente ein, wie die Aufmerksamkeit auf die Mitte der Handflächen:

„Viele beten das Jesusgebet wie der Russische Pilger mit Bitte um Erbarmen. Ich zeige die Wiederholung des Namens mit «Jesus» beim Ausatmen und mit «Christus» beim Einatmen. Es ist auch keine Bitte, es ist ein schlichter Blickkontakt, in dem wir Ihn mit seinem Namen ansprechen. Der Russische Pilger wanderte durch die Gegend. Wir sitzen in Stille; in dieser stillen Gegenwart beim Sagen des Namens, beim Atmen und der Aufmerksamkeit auf die Mitte der Handflächen ist die Aufmerksamkeit wacher. Wie ich schon sagte, werden diese drei Elemente ganz eins und verstärken die Wahrnehmung der Gegenwart.“ – Franz Jalics, «Kontemplative Exerzitien»

Jalics empfiehlt für die tägliche Übung 1-2 Mal 30 Minuten. Während Exerzitien kann das Gebet jedoch stark intensiviert werden, bis zu 6 Stunden täglich.

  • Wiederholtes Element: Die Aufmerksamkeit auf die Mitte der Handflächen und den Atem, verbunden mit dem innerlich gesprochenen Namen „Jesus Christus“ beim Ein- und Ausatmen.
  • Empfohlene Dauer: 1-2x 30 Minuten täglich.
  • Besonderheiten: Die drei ineinandergreifenden Elemente (Handflächen, Atem, Name Jesu) verstärken die Wahrnehmung der Gegenwart. Intensivierung auf bis zu 6 Stunden während Exerzitien ist möglich.

Vergleiche und Unterschiede der Gebetsformen

Obwohl alle beschriebenen Wege dasselbe Ziel verfolgen – die tiefere Begegnung mit Gott und die Transformation des Herzens – unterscheiden sie sich in einigen praktischen Aspekten. Diese Unterschiede betreffen die empfohlene Dauer des Gebets, die Flexibilität oder Länge des Gebetswortes und die Integration körperlicher Aspekte wie Atem- oder Herzrhythmus und das Spüren der Hände.

Ein zentraler Punkt der Unterscheidung liegt in der Dauer des Gebets. Für Peter Dyckhoff ist die zeitliche Begrenzung des Ruhegebets von äußerster Wichtigkeit:

„15 bis 20 Minuten – zweimal am Tag – reichen völlig aus. […] Bittere und schmerzhafte Erfahrungen eines Zuviel haben gezeigt, dass es sich nicht nur um eine Empfehlung handeln darf, sondern dass diese relativ kurze Gebetszeit für das Ruhegebet eine Anweisung sein muss.“ – Peter Dyckhoff, «Ruhegebet»

Er warnt davor, die Dauer zu überschreiten, da die inneren Reinigungsprozesse den Betenden überfordern und die Balance von Körper, Geist und Seele stören könnten, bis hin zu Fällen, in denen Betende in psychiatrischen Kliniken landeten. Dyckhoff betont auch, dass das Gebetswort nicht an Atem oder Herzschlag gebunden werden sollte, da dies einer Konzentration gleichkäme, die den Geist festhält und ihn nicht freigibt, um sich auf sein Ziel zu bewegen.

Wie wirkt sich das Gebet auf das Herz aus?
Nach langer Übung verinnerlicht sich das Gebet und sinkt ins Herz. Es ist schliesslich auch möglich gleichzeitig körperliche und geistige Arbeiten zu verrichten. Selbst während des Schlafes wird das Gebet innerlich fortgeführt. Das Jesusgebet wird mit Körperrhythmen wie dem Atem und dem Herzschlag verbunden.

Im Gegensatz dazu empfiehlt das ursprüngliche Jesusgebet das ständige, unablässige Gebet und verknüpft es für Fortgeschrittene explizit mit dem Atem und Herzschlag. Franz Jalics geht noch weiter und empfiehlt während Exerzitien bis zu 6 Stunden täglich. Allerdings relativiert Emmanuel Jungclaussen in seiner Einführung zum „russischen Pilger“ einige dieser Aspekte des Jesusgebets für den modernen westlichen Praktizierenden:

„Wir Heutigen sollten das Jesus-Gebet lieber als einen langsamen, allmählichen Aufstieg zu Gott betrachten. Es geht dabei vor allem um einen sehr behutsamen Anfang, indem man zunächst täglich eine kurze Zeitspanne von etwa sieben – zehn – fünfzehn Minuten für das Jesus-Gebet ausspare, die sich später auf vielleicht dreißig Minuten ausdehnen lassen, ein- oder zweimal am Tag. Von diesen Zeiten eigens festgesetzter Übung wird sich das Jesus-Gebet dann wie von selbst ganz allmählich über den Tag ausbreiten. […] Übrigens messen die russischen Starzen des 19. Jahrhunderts der Einbeziehung des Atems in die Gebetsübung nur eine unterstützende, keineswegs eine zentrale Bedeutung bei. Schon gar nicht sollte ohne eine persönliche Führung die Synchronisation von Gebet und Herzschlag versucht werden.“ – Emmanuel Jungclaussen, Einführung zum «russischen Pilger»

Damit rückt das „moderne“ Jesusgebet, insbesondere für Anfänger, wieder näher an die anderen Wege heran, besonders an das Ruhegebet, wenn es um die Dauer und die Vermeidung der direkten Bindung an Atem- oder Herzschlag geht. Interessanterweise kann das Gebetswort „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“ sogar eines der im Ruhegebet überlieferten und vorgeschlagenen Worte sein.

Es gibt auch eine Bewegung in die andere Richtung: Thomas Keating empfiehlt als Ergänzung zum Centering Prayer das sogenannte „Aktive Gebet“. Dieses begleitet uns im Alltag und gleicht sehr dem Jesusgebet, das unablässig gesprochen wird:

„Ziel des heiligen Wortes ist es, ins Schweigen zu führen. Daher sollte es kurz sein, ein bis zwei Silben. Das Aktive Gebet, ein Stossgebet, das der Heiligen Schrift entnommen uns den Tag über begleitet, sollte länger sein, etwa fünf bis zehn Silben. Das Sagen der Silben sollte im Rhythmus des Herzschlags erfolgen. […] Das Aktive Gebet muss man in freien Augenblicken immer wieder wiederholen, damit es ins Unbewusste eindringt. […] Es kann ein ganzes Jahr lang dauern, bis sich das Aktive Gebet dem Unbewussten eingeprägt hat, und dann wird es spontan auftauchen.“ – Thomas Keating, «Das Gebet der Sammlung»

Vergleichstabelle der Kontemplativen Gebetsformen

MerkmalRuhegebet (Dyckhoff)Centering Prayer (Keating)Jesusgebet (Original)Jesusgebet (Jalics)
Wiederholtes ElementKurzes, überliefertes Gebetswort (z.B. „Jesus“, „Abba“)„Heiliges Wort“, Atem oder Gottes GegenwartAnrufung Jesu mit Erbitten („Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“)Aufmerksamkeit auf Handflächen, Atem, „Jesus Christus“ beim Ein-/Ausatmen
Empfohlene Dauer (Täglich)Strikt 2x 20 Minuten2x 20-30 MinutenSteigerung bis zum unablässigen Gebet1-2x 30 Minuten (bis zu 6h in Exerzitien)
Körperliche VerbindungAbgeraten (keine Bindung an Atem/Herzschlag)Atem als „heiliges Wort“ möglichFür Fortgeschrittene mit Atem/Herzschlag verbundenFokus auf Hände und Atem
Flexibilität des ElementsEinmal gewählt, nicht ändernFlexibel, kann gewechselt werdenFestgelegte Formel, aber variierbarFeste Elemente, aber ineinandergreifend
KontextFeste GebetszeitenFeste Gebetszeiten, auch verlängerbarIm Alltag, unablässigFeste Gebetszeiten, intensivierbar

Die Tiefgreifende Wirkung auf Herz und Geist

Die kontemplativen Gebetsformen, wie sie hier beschrieben wurden, zielen alle darauf ab, eine tiefe Transformation im Inneren des Menschen zu bewirken. Sie fördern die Entwicklung eines Zustands der Stille und Präsenz, der weit über die Dauer der eigentlichen Gebetszeit hinauswirken kann. Das regelmäßige Praktizieren hilft, den unaufhörlichen Strom von Gedanken und inneren Monologen zu beruhigen. Dies führt nicht nur zu mentaler Klarheit, sondern auch zu einer emotionalen Entlastung. Indem man lernt, Gedanken und Gefühle sanft loszulassen, statt sich an sie zu klammern, können sich tief sitzende innere Spannungen lösen, die das Herz belasten.

Die „Reinigung des Herzens“, von der in vielen Traditionen die Rede ist, bedeutet im Wesentlichen eine Befreiung von egozentrischen Mustern, Ängsten, Groll und Anhaftungen. Diese Reinigung ebnet den Weg für eine authentischere Begegnung mit dem Göttlichen und mit sich selbst. Das Herz wird offener, mitfühlender und empfänglicher für die subtilen Eingebungen der Seele. Es entsteht ein Gefühl von inneren Frieden, das nicht von äußeren Umständen abhängt, sondern aus einer tiefen Quelle der Ruhe im Inneren schöpft. Die Praxis des Gebets, das sich in den Herzraum senkt, wie es beim Jesusgebet beschrieben wird, deutet auf eine Integration von Geist, Körper und Seele hin, wo das Gebet zu einem integralen Bestandteil des Seins wird und nicht nur eine äußerliche Handlung bleibt. Die kontemplative Reise führt somit zu einer umfassenden Heilung und Neuausrichtung des gesamten Menschen, wodurch das Herz seine eigentliche Bestimmung als Ort der Liebe und der göttlichen Präsenz wiedererlangen kann.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist kontemplatives Gebet schwierig zu erlernen?

Die Praxis des kontemplativen Gebets ist intellektuell einfach, kann aber anfangs herausfordernd sein, da sie eine Abkehr von gewohnten Denk- und Verhaltensmustern erfordert. Das Loslassen von Gedanken und die Konzentration auf ein einziges Element oder die Stille kann Geduld und Übung erfordern. Es ist jedoch keine komplexe Technik, sondern eine Haltung des Empfangens.

Wie wähle ich die richtige Gebetsform für mich?

Die verschiedenen Wege sind sich in ihren Zielen sehr ähnlich. Es wird empfohlen, sich von den oben genannten Beschreibungen inspirieren zu lassen und gegebenenfalls eines der empfohlenen Bücher zu lesen oder an einem Einführungskurs teilzunehmen. Oft ist es eine Frage des persönlichen Empfindens, welche Form am meisten anspricht. Alle Wege führen zum selben Ziel der inneren Begegnung.

Was tun, wenn Gedanken während des Gebets aufkommen?

Es ist völlig normal, dass Gedanken während des kontemplativen Gebets aufkommen. Der Schlüssel liegt darin, sie sanft und ohne Urteil loszulassen und die Aufmerksamkeit wieder auf das gewählte wiederholende Element (Gebetswort, Atem, Handflächen) oder einfach auf die Stille zu lenken. Es geht nicht darum, Gedanken zu unterdrücken, sondern sich nicht an sie zu klammern.

Kann ich kontemplatives Gebet ohne Anleitung praktizieren?

Obwohl die Kernpraxis einfach ist, kann eine Einführung durch erfahrene Lehrer oder durch geeignete Literatur sehr hilfreich sein. Experten können Einblicke in die Hintergründe, Wirkmechanismen, Voraussetzungen und mögliche Auswirkungen geben, was die Praxis erleichtern und vertiefen kann. Insbesondere bei intensiveren Formen wie dem ursprünglichen Jesusgebet, das mit Körperrhythmen verbunden ist, wird oft eine persönliche Führung empfohlen.

Welche Rolle spielt die Dauer des Gebets?

Die Dauer variiert je nach Tradition. Während einige, wie das Ruhegebet nach Peter Dyckhoff, eine strikte Begrenzung auf 2x 20 Minuten empfehlen, um Überforderung zu vermeiden, ermutigen andere, wie das Jesusgebet, zu einem allmählichen Steigern der Dauer bis hin zum unablässigen Gebet. Wichtig ist, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und eine Balance zu finden, die die innere Entwicklung unterstützt, ohne zu überfordern.

Fazit: Ein Gemeinsamer Weg zur Inneren Tiefe

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die verschiedenen kontemplativen Wege im Christentum, trotz ihrer praktischen Unterschiede in Dauer, gewählten Elementen und körperlicher Integration, im Wesentlichen dasselbe Ziel verfolgen: das Leerwerden zu Gott hin, um eine tiefere Begegnung im Herzen zu ermöglichen. Es ist bemerkenswert, wie nahe sich Praktiken wie das Ruhegebet und das Centering Prayer liegen, obwohl sie durch Jahrhunderte der Tradition getrennt sind. Dies unterstreicht die universelle Natur dieser tiefen spirituellen Suche.

Die Variationen sind nicht entscheidend; viel wichtiger ist die Entscheidung, sich überhaupt auf den kontemplativen Weg zu begeben und ihm treu zu folgen. Für jeden, der sich zur Kontemplation hingezogen fühlt und noch keine Erfahrung damit hat, ist es sehr empfehlenswert, sich eines der oben genannten Bücher zu besorgen oder an einem Einführungskurs teilzunehmen. Eine fundierte Einführung kann die Praxis erleichtern und helfen, die tiefgreifenden Auswirkungen auf Herz und Seele voll zu verstehen und zu erfahren. Der Weg der Kontemplation ist ein Weg der inneren Transformation, der das Herz reinigt und zu einem tieferen inneren Frieden und einer lebendigen Verbindung mit dem Göttlichen führt.

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