Was passiert bei einer liturgischen Messe?

Das Vaterunser: Jesu Lehre zum Gebet

10/09/2022

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Das Vaterunser, auch bekannt als das Gebet des Herrn, ist zweifellos eines der bekanntesten und am häufigsten gesprochenen Gebete in der christlichen Welt. Es ist nicht nur ein Gebet, sondern eine direkte Lehre Jesu Christi an seine Jünger, wie sie beten sollen. Es fasst die Essenz des Glaubens, der Anbetung, der Bitte um Vergebung und des Vertrauens in Gottes Fürsorge in einer prägnanten und doch umfassenden Weise zusammen. Dieses Gebet bildet den Kern der christlichen Spiritualität und wird in unzähligen Gottesdiensten, Andachten und persönlichen Momenten der Stille auf der ganzen Welt gesprochen.

Wie begrüßt man Ministranten an der Tür?
Begrüße wenn möglich alle Ministranten bereits an der Tür. So nimmst du gerade den neuen Ministranten die Hemmungen und schaffst gleich eine herzliche Wohlfühlatmosphäre. Bitte sie einen Platz im Stuhlkreis zu suchen. Im Stuhlkreis begrüßt du nochmals alle allgemein und erklärst mit kurzen Worten das Thema der heutigen Gruppenstunde.
Inhaltsverzeichnis

Die biblischen Ursprünge des Vaterunsers

Die Überlieferung des Vaterunsers findet sich in zwei Evangelien des Neuen Testaments: im Matthäusevangelium (Matthäus 6,9-13) und im Lukasevangelium (Lukas 11,2-4). Obwohl sich die beiden Versionen in ihrer Länge und Formulierung leicht unterscheiden, ist ihre Botschaft und ihr Gehalt identisch. Die Matthäus-Version, die in der Regel in der Liturgie und im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet wird, ist Teil der Bergpredigt, in der Jesus grundlegende Lehren über das Leben im Reich Gottes vermittelt. Die Lukas-Version hingegen wird als Antwort Jesu auf die Bitte eines Jüngers gegeben, sie mögen lehren, wie man betet, so wie Johannes seine Jünger gelehrt hat.

Diese biblischen Kontexte zeigen, dass Jesus das Gebet nicht als eine mystische Formel lehrte, sondern als ein praktisches Modell für die Kommunikation mit Gott. Es war eine radikale Abkehr von den damals üblichen langen und oft formelhaften Gebeten. Jesus lehrte seine Nachfolger, sich direkt an Gott als ihren „Vater“ zu wenden, was eine intime und persönliche Beziehung zum Ausdruck bringt, die zu jener Zeit nicht selbstverständlich war.

Struktur und theologische Bedeutung der Bitten

Das Vaterunser ist meisterhaft aufgebaut und kann in zwei Hauptteile unterteilt werden: die Bitten, die sich auf Gott beziehen, und die Bitten, die sich auf die menschlichen Bedürfnisse beziehen. Diese Struktur spiegelt eine ausgewogene Sichtweise des Gebets wider, die zuerst die Ehre Gottes sucht und dann die menschlichen Anliegen vor ihn bringt.

1. Bitten, die sich auf Gott beziehen:

  • „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.“
    Diese Anrede etabliert die Beziehung zu Gott als unserem himmlischen Vater. Sie betont seine Transzendenz („im Himmel“) und seine Heiligkeit. Die Bitte, sein Name möge geheiligt werden, ist eine Form der Anbetung und des Wunsches, dass Gott in der Welt und im Leben der Menschen anerkannt und geehrt wird. Es ist ein Aufruf zur Ehrfurcht und zur Verbreitung seiner Herrlichkeit.
  • „Dein Reich komme.“
    Diese Bitte drückt die Sehnsucht nach dem Anbruch von Gottes Reich auf Erden aus. Das Reich Gottes ist sowohl eine gegenwärtige Realität (wo Gottes Wille geschieht) als auch eine zukünftige Hoffnung (die endgültige Herrschaft Gottes bei der Wiederkunft Christi). Es ist ein Gebet für Gerechtigkeit, Frieden und die vollständige Umsetzung von Gottes Herrschaft in der Welt.
  • „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“
    Diese zentrale Bitte unterstreicht die Unterordnung unter Gottes souveränen Willen. Es ist ein Gebet der Hingabe und des Vertrauens, dass Gottes Plan der beste ist, auch wenn er schwer zu verstehen oder zu akzeptieren sein mag. Es ist der Wunsch, dass das, was im Himmel vollkommen ist, auch auf Erden Realität wird.

2. Bitten, die sich auf menschliche Bedürfnisse beziehen:

  • „Unser tägliches Brot gib uns heute.“
    Diese Bitte konzentriert sich auf die grundlegenden materiellen Bedürfnisse des Lebens. „Tägliches Brot“ steht nicht nur für Nahrung, sondern für alles, was wir zum Leben brauchen. Es lehrt uns, im Vertrauen auf Gottes Fürsorge zu leben und nicht übermorgen zu sorgen, sondern für den heutigen Tag zu bitten. Es kann auch metaphorisch für das „Brot des Lebens“, Jesus Christus selbst, verstanden werden.
  • „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“
    Dies ist eine der tiefgründigsten und herausforderndsten Bitten. Sie verbindet die Bitte um göttliche Vergebung mit unserer Bereitschaft, anderen zu vergeben. Jesus lehrt hier, dass unsere Beziehung zu Gott untrennbar mit unserer Beziehung zu unseren Mitmenschen verbunden ist. Ohne Vergebung können wir keine echte Gemeinschaft haben, weder mit Gott noch mit unseren Nächsten. Die Vergebung ist ein zentrales Thema im christlichen Glauben.
  • „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“
    Diese Bitte erkennt die Realität der Sünde und des Bösen in der Welt an. Sie ist ein Gebet um Schutz vor moralischen Prüfungen, die uns zum Fall bringen könnten, und um Befreiung von der Macht des Bösen, sei es im Sinne von Übel oder dem Bösen selbst (dem Teufel). Es ist ein Ausdruck der Abhängigkeit von Gottes Führung und Schutz in einer gefallenen Welt.

Die Doxologie: Ein Lobpreis am Ende

Die Doxologie „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ ist in den ältesten Manuskripten des Matthäusevangeliums nicht enthalten, wurde aber früh in der christlichen Tradition hinzugefügt und ist heute ein fester Bestandteil vieler liturgischer Formen des Vaterunsers, insbesondere in protestantischen und orthodoxen Kirchen. In der katholischen Messe wird sie nach dem Vaterunser mit dem Embolismus („Erlöse uns, Herr, allmächtiger Vater, von allem Bösen...“) und der großen Doxologie („Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“) gesprochen, die nach dem Sanctus-Lied einsetzt. Diese Erweiterung ist ein kraftvoller Ausdruck der Anbetung und der Anerkennung von Gottes Souveränität, Macht und Herrlichkeit. Sie schließt das Gebet mit einem Lobpreis ab und richtet den Blick wieder auf die Majestät Gottes.

Das Vaterunser in der Liturgie

Das Vaterunser nimmt in der Liturgie der verschiedenen christlichen Konfessionen einen zentralen Platz ein. In der katholischen Messe wird es nach dem Sanctus-Lied und vor dem Friedensgruß gemeinsam von der Gemeinde gesprochen, oft kniend. Es ist ein Moment der Gemeinschaft und der gemeinsamen Bitte, bevor die Kommunion empfangen wird. Die spezifische Formulierung, die in der katholischen Kirche verwendet wird, ist die der Einheitsübersetzung, während protestantische Kirchen oft die Version der Lutherbibel verwenden.

Die Bedeutung dieses Gebets in der Liturgie ist immens. Es vereint die Gläubigen in einer gemeinsamen Sprache des Gebets, die von Jesus selbst gelehrt wurde. Es ist ein Zeichen der Einheit und des gemeinsamen Glaubens, das über Konfessionsgrenzen hinweg verstanden und geschätzt wird.

Was ist das Gebet des Herrn?
Am Ende des Sanctus-Liedes alle gemeinsam hinkinien bis zur großen Doxologie (Durch ihn und mit ihm...) Deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit. Das Vaterunser (das Gebet des Herrn) ist das Gebet, das Jesus seinen Jüngern gelehrt hat.

Vergleichende Tabelle: Lutherbibel vs. Einheitsübersetzung

Obwohl die Botschaft des Vaterunsers unverändert bleibt, gibt es leichte Unterschiede in den Formulierungen der verschiedenen deutschen Bibelübersetzungen. Hier ist ein Vergleich der gängigsten Versionen:

Lutherbibel 2017 (Protestantisch)Einheitsübersetzung 2017 (Katholisch)
Vater unser im Himmel!Vater unser im Himmel,
Dein Name werde geheiligt.geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel.Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.(Doxologie wird oft nach dem Embolismus gesprochen: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.)

Häufig gestellte Fragen zum Vaterunser

1. Ist das Vaterunser ein Pflichtgebet für Christen?

Obwohl das Vaterunser nicht als „Pflichtgebet“ im Sinne einer starren Vorschrift verstanden werden sollte, ist es doch das Modell, das Jesus seinen Jüngern gab. Es dient als Leitfaden für jedes Gebet und wird in den meisten christlichen Gottesdiensten gesprochen. Es ist eher eine Gnade und eine Anleitung als eine strikte Verpflichtung.

2. Warum gibt es leicht unterschiedliche Versionen des Vaterunsers?

Die leichten Unterschiede, insbesondere in der Doxologie am Ende, resultieren aus der Überlieferungsgeschichte der biblischen Texte und der Entwicklung der liturgischen Praxis. Die Matthäus- und Lukas-Versionen im Neuen Testament variieren bereits leicht. Die Doxologie „Denn dein ist das Reich...“ wurde in der frühen Kirche hinzugefügt und ist in den meisten protestantischen Traditionen fest verankert, während sie in der katholischen Liturgie als separate Antwort auf den Embolismus gesprochen wird.

3. Was bedeutet „führe uns nicht in Versuchung“? Führt Gott uns in Versuchung?

Diese Formulierung kann missverstanden werden. Gott selbst führt niemanden in Versuchung zum Bösen (Jakobus 1,13). Die Bitte ist vielmehr ein Ausdruck der menschlichen Schwachheit und des Wunsches, vor Situationen bewahrt zu werden, die unsere Treue zu Gott auf die Probe stellen könnten, oder uns nicht der Macht des Bösen zu überlassen, wenn wir bereits in Versuchung geraten sind. Es ist eine Bitte um Gottes Schutz und Führung, um standhaft zu bleiben.

4. Können auch Nicht-Christen das Vaterunser beten?

Das Vaterunser ist ein christliches Gebet, das die Beziehung zu Gott als Vater im Sinne der christlichen Theologie ausdrückt. Während jeder Mensch die Worte sprechen kann, liegt die volle Bedeutung des Gebets im Kontext des christlichen Glaubens und der Annahme Jesu als Erlöser. Es ist jedoch ein universelles Gebet der Abhängigkeit von Gott und der Bitte um Vergebung und Schutz, das auch Menschen außerhalb des christlichen Glaubens als Ausdruck menschlicher Sehnsucht nach dem Göttlichen nutzen können.

Die zeitlose Relevanz des Gebets des Herrn

Das Vaterunser bleibt ein zeitloses und universelles Gebet, das Gläubigen auf der ganzen Welt Orientierung und Trost spendet. Es ist nicht nur eine Reihe von Wörtern, die auswendig gelernt werden, sondern ein tiefer Ausdruck des menschlichen Herzens, das sich an Gott wendet. Es lehrt uns, Gott als unseren liebevollen Vater anzusprechen, sein Reich und seinen Willen über alles zu stellen, um unsere täglichen Bedürfnisse zu bitten, Vergebung zu suchen und selbst zu gewähren und um Schutz vor dem Bösen zu flehen. Es ist ein umfassender Leitfaden für ein Leben im Glauben und in Gemeinschaft mit Gott und unseren Mitmenschen.

Die Macht des Vaterunsers liegt in seiner Einfachheit und seiner tiefen Wahrheit. Es erinnert uns daran, dass wir in allem auf Gott angewiesen sind und dass Gebet eine intime Konversation mit dem Schöpfer des Universums ist, der uns liebt und für uns sorgt. Möge dieses Gebet weiterhin unzählige Herzen berühren und zu einer tieferen Beziehung zu Gott führen.

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