Was ist die Sünde in der Bibel?

Sünder oder Kind? Vergebung richtig verstehen

04/05/2023

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Jeder Mensch, bewusst oder unbewusst, sehnt sich nach Vergebung. Die Last von Schuld und Verfehlungen kann erdrückend sein, und die Frage, wie man mit dieser Last umgeht, ist so alt wie die Menschheit selbst. Für Gläubige, die sich zu Jesus Christus bekennen, ist diese Frage von zentraler Bedeutung. Doch wie genau bitten wir Gott um die Vergebung unserer Sünden? Ist es ein flehentliches Bitten eines Sünders, der um Gnade winselt, oder gibt es einen anderen, tieferen Weg, der unserer neuen Stellung in Christus gerecht wird? Die Bibel bietet hier eine klare und befreiende Antwort, die oft missverstanden wird. Es geht nicht nur darum, was wir sagen, sondern auch darum, wer wir in den Augen Gottes sind. Tauchen wir ein in eine Wahrheit, die unser Verständnis von Gottes Gnade und unserer Beziehung zu Ihm für immer verändern kann.

Wie viele Bußtage gibt es in Deutschland?
So konnte man 1878 in 28 deutschen Ländern insgesamt 47 Bußtage an 24 unterschiedlichen Tagen zählen. Ein einheitlicher Buß- und Bettag am Mittwoch vor dem letzten Sonntag im Kirchenjahr wurde 1852 und 1878 von der Eisenacher Konferenz evangelischer Kirchenleitungen vorgeschlagen.
Inhaltsverzeichnis

Das Kreuz von Golgatha: Die einzige Grundlage der Vergebung

Die Grundlage unserer Erlösung und der Vergebung unserer Sünden ist das Kreuz von Golgatha. Dies ist eine unumstößliche Wahrheit des christlichen Glaubens. Dort, vor fast zweitausend Jahren, wurde das ultimative Opfer gebracht, um die Sünde ein für alle Mal zu sühnen. Hebräer 9,26 sagt es unmissverständlich: „Jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter offenbart worden zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer.“ Das Blut Christi, das am Kreuz vergossen wurde, hat die Sünde als Prinzip und als trennende Kraft zwischen Gott und Mensch beseitigt. Es hat die gerechten Ansprüche der göttlichen Herrlichkeit vollkommen erfüllt.

Es ist jedoch entscheidend, einen feinen, aber fundamentalen Unterschied zu verstehen: Die Sünde wurde am Kreuz „hinweggetan“, aber die Vergebung für den Einzelnen wird zuteil, wenn er persönlich an den Herrn Jesus glaubt. Es ist ein Irrtum zu denken, dass die Vergebung aller individuellen Sünden bereits zum Zeitpunkt des Kreuzestodes für jeden Menschen feststand, unabhängig von seinem Glauben. Nein, die göttliche Ordnung besagt, dass Christus die Sünde am Kreuz „hinwegtat“, uns aber vergeben wird, wenn wir glauben. Dem reumütigen Sünder, der in Buße zu Seinen Füßen liegt, sagt der Herr: „Deine Sünden sind vergeben.“ Dies zeigt, dass die Erlösung am Kreuz vollbracht wurde, die Anwendung dieser Erlösung aber den persönlichen Glauben erfordert.

Um unsere Sünden als hinweggetan zu sehen, müssen wir nicht in unser eigenes Herz blicken, um dort eine innere Reinigung zu suchen. Wer dies tut, wird unweigerlich enttäuscht werden, denn das Herz des Menschen ist von Natur aus trügerisch. Die Gewissheit unserer Vergebung finden wir einzig und allein im Blick auf das Kreuz. Dort wurde unsere Sünde „abgeschafft“. Unser Glaube stützt sich nicht auf unsere Gefühle oder Erfahrungen, so bedeutsam sie auch sein mögen, sondern allein auf das unfehlbare Wort Gottes. Es ist der einzige sichere Anker für unsere Seele.

Der Übergang vom Sünder zum Kind Gottes

Dies bringt uns zu einem weiteren kritischen Punkt: der Stellung des Gläubigen vor Gott. Wenn ein Sünder sich bekehrt – wenn er von neuem geboren wird –, wechselt er seinen geistlichen Boden. Er verlässt den „Boden des natürlichen Menschen“ für immer und steht fortan auf dem neuen, festen Boden des ewigen Lebens und des Heils. Dies ist keine vorübergehende Veränderung, sondern eine dauerhafte Neudefinition seiner Identität in Christus.

Der Herr Jesus selbst bekräftigt diese neue Identität in Johannes 5,24: „Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.“ Was für eine wunderbare Zusage! Wir sind nicht länger auf dem Weg zum Gericht, sondern haben den Übergang vom Tod ins Leben vollzogen. Der Apostel Paulus ergänzt dies in Galater 3,26 mit den Worten: „Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Jesus Christus.“

Diese biblischen Aussagen machen deutlich: Ein Gläubiger ist nicht länger ein Sünder in der ursprünglichen Bedeutung, der sich noch unter dem Fluch des Gesetzes befindet oder der von Gott getrennt ist. Vielmehr ist er ein Kind Gottes, aufgenommen in Seine Familie, versiegelt mit dem Ring Seiner ewigen Liebe und bekleidet mit dem besten Gewand der Gerechtigkeit Christi. Diese neue Stellung ist der Kern unseres Verständnisses von Sünde und Vergebung nach der Bekehrung.

Warum Gläubige nicht um Vergebung bitten sollten (als Sünder)

Angesichts dieser transformierenden Wahrheit wird es verständlich, warum Gläubige nicht die Gewohnheit haben sollten – und schon gar nicht öffentlich –, Gott um die Vergebung ihrer Sünden zu bitten, als wären sie noch Sünder. Ein solches Bitten würde im Grunde Unglauben ausdrücken. Es würde bedeuten, das vollkommene Werk Christi am Kreuz und Gottes gnädiges Werk der Neugeburt zu missachten. Es wäre, als würde man freiwillig zum „alten Boden“ des natürlichen Menschen zurückkehren, obwohl man unwiderruflich auf den neuen Boden des Heils gestellt wurde.

Wenn wir als Gläubige um Vergebung bitten, als ob wir noch Sünder wären, die Gott gegenüberstehen und Ihn um Gnade anflehen müssen, verkennen wir unsere wahre Position als Kinder vor dem Vater. Der verlorene Sohn in der biblischen Geschichte wurde nicht vom Vater dazu aufgefordert, sich erst mühsam die Vergebung zu verdienen. Vielmehr eilte der Vater ihm entgegen, schloss ihn in die Arme und vergab ihm aus Liebe. Dies ist ein Bild unserer Beziehung zu Gott.

Stellen Sie sich vor, ein Kind hat im Haus etwas zerbrochen. Es würde nicht zur Tür hinausgehen und von draußen um Einlass und Vergebung flehen, als ob es ein Fremder wäre. Nein, es würde zum Vater oder zur Mutter gehen, seine Tat bekennen und um Entschuldigung bitten, weil es weiß, dass es geliebt und zur Familie gehört. Genauso ist es mit uns und unserem himmlischen Vater.

MerkmaleDer Sünder (vor der Bekehrung)Das Kind Gottes (nach der Bekehrung)
Stellung vor GottGetrennt, unter dem GerichtAngenommen, Teil der Familie
Grundlage der VergebungGlaube an das Sühneopfer ChristiBereits vollbrachtes Sühneopfer Christi
Art des Umgangs mit SündeBitten um Vergebung, um gerettet zu werdenBekennen von Verfehlungen, um die Gemeinschaft wiederherzustellen
Ausgedrückte HaltungFlehen um GnadeVertrauen auf Gottes Treue und Gerechtigkeit
Bezug zur neuen GeburtNoch nicht erfahrenVollzogen und gelebt

Das Bekennen von Sünden: Ein Ausdruck der Kindesbeziehung

Wenn also die Gläubigen nicht als Sünder um Vergebung bitten, wie gehen sie dann mit ihren Verfehlungen um? Die Antwort finden wir in 1. Johannes 1,9, einem Schlüsselvers für das christliche Leben nach der Bekehrung: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“

Beachten Sie, was dieser Vers nicht sagt. Er sagt nicht, dass Gott gnädig und barmherzig sein wird, uns zu vergeben, wenn wir Ihn darum bitten. Nein, er sagt, dass Er treu und gerecht ist, uns zu vergeben, wenn wir sie Ihm bekennen. Dieser Unterschied ist gravierend. Es geht nicht um ein Flehen um Gnade, die wir vielleicht erhalten oder auch nicht. Es geht um eine Zusage, die auf Gottes Charakter basiert: Seine Treue und Seine Gerechtigkeit.

Aber wem gegenüber ist Gott treu und gerecht? Er ist treu und gerecht Christus gegenüber, der für uns starb und unsere Sünden am Kreuz hinwegtat. Sein Blut wurde auf den „Gnadenstuhl“ gesprengt – ein Bild aus dem Alten Testament, das auf die Versöhnung durch das Opfer hinweist und bedeutet, dass das Blut Christi immer vor den Augen Gottes bleibt, als ewiges Zeugnis der vollbrachten Erlösung. Weil Christus das Opfer gebracht hat, kann und wird Gott Seinen Kindern vergeben, wenn sie ihre Sünden bekennen. Es ist eine Vergebung, die auf der vollkommenen Erfüllung des Gesetzes durch Christus basiert, nicht auf unserer eigenen Würdigkeit oder der Intensität unseres Bittens.

Das Bekennen ist viel mehr als ein oberflächliches „Es tut mir leid“. Es ist ein tiefes, herzerforschendes Eingeständnis der Details unserer Verfehlungen. Es bedeutet, die Sünde beim Namen zu nennen, sie nicht zu beschönigen oder zu relativieren. Dies tun wir im tiefen Bewusstsein dessen, was wir angesichts dieses Blutes sind, das zur Tilgung unserer Sünden vergossen wurde. Wir bekennen unsere Sünden nicht, um Vergebung zu erlangen, sondern weil wir bereits vergeben sind und unsere Gemeinschaft mit dem heiligen Gott wiederhergestellt werden soll. Es ist ein Akt der Demut, der Aufrichtigkeit und der Liebe zum Vater, der uns so unendlich geliebt hat, dass Er Seinen Sohn für uns gab. Es ist ein viel tiefgreifenderer Prozess für ein Kind, die Einzelheiten seiner Verfehlungen zu bekennen, als nur gedankenlos um Vergebung zu bitten. Durch das Bekennen werden wir nicht nur von den Sünden vergeben, sondern auch von „aller Ungerechtigkeit“ gereinigt, was eine Reinigung unserer Moral und unseres Charakters bedeutet.

Praktische Implikationen und der Segen des Gehorsams

Dieses Verständnis hat tiefgreifende praktische Implikationen für das tägliche Leben des Gläubigen. Es befreit uns von der ständigen Angst, nicht genug gebetet, nicht genug gefleht zu haben, um Vergebung zu erhalten. Es festigt unsere Identität als geliebte Kinder Gottes und stärkt unser Vertrauen in Seine unerschütterliche Gnade.

Der Glückliche ist der Christ, der zufrieden ist, im Licht dieser Wahrheit zu wandeln, auch wenn er vielleicht von anderen missverstanden oder sogar kritisiert wird. Denn von dem, der Sein Wort bewahrt, wird der Herr anerkennend sagen: „Du hast mein Wort bewahrt“ (Offenbarung 3,8). Dies ist kein Aufruf zur Sorglosigkeit gegenüber der Sünde, im Gegenteil. Gerade weil wir die tiefe Liebe und Heiligkeit Gottes verstanden haben und wissen, dass unser Vater uns in Christus vollkommen angenommen hat, werden wir umso mehr danach streben, Ihm zu gefallen und Sünde zu meiden. Wenn wir dennoch fallen, wissen wir, dass der Weg zur Wiederherstellung der Gemeinschaft nicht in einem verzweifelten Flehen liegt, sondern in einem aufrichtigen Bekennen und dem Vertrauen auf Gottes Treue und Gerechtigkeit.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Muss ich meine Sünden immer wieder beichten, um Vergebung zu erhalten?
Nein. Die Vergebung, die Sie durch den Glauben an Christus erhalten haben, ist umfassend und einmalig. Wenn Sie als Gläubiger sündigen, geht es nicht darum, die grundsätzliche Vergebung neu zu erlangen (denn die ist in Christus gesichert), sondern darum, Ihre Gemeinschaft mit Gott wiederherzustellen. Dies geschieht durch das Bekennen Ihrer spezifischen Verfehlungen gemäß 1. Johannes 1,9.
Was ist der Unterschied zwischen Vergebung für Sünder und Vergebung für Gläubige?
Für den Sünder (der noch nicht an Christus glaubt) ist die Vergebung der Sünden der Weg zur Errettung und zum ewigen Leben. Sie wird durch den Glauben an Jesus Christus erlangt. Für den Gläubigen, der bereits gerettet ist und ewiges Leben hat, ist das Bekennen von Sünden der Weg zur Wiederherstellung der unterbrochenen Gemeinschaft mit dem Vater und zur Reinigung von aktueller Ungerechtigkeit. Es geht nicht um die Rettung selbst, sondern um die Aufrechterhaltung der intimen Beziehung als Kind Gottes.
Bedeutet das, dass ich nie wieder "Vergib mir meine Sünden" sagen muss?
Es bedeutet, dass Sie die Haltung ändern. Statt als jemand zu bitten, der noch unter dem Gesetz steht und befürchtet, nicht angenommen zu werden, bekennen Sie als geliebtes Kind, das weiß, dass es bereits angenommen ist. Sie sprechen über Ihre Verfehlungen mit Ihrem Vater, der bereits durch Christus die Grundlage für die Vergebung gelegt hat. Es ist ein Unterschied in der Beziehung und im Verständnis der göttlichen Ordnung.
Was, wenn ich mich nicht als Kind Gottes fühle?
Unsere Gefühle sind oft trügerisch und kein verlässlicher Maßstab für unsere geistliche Realität. Ihre Stellung als Kind Gottes basiert nicht auf Ihren Gefühlen, sondern auf der unwiderruflichen Zusage in Gottes Wort und dem vollbrachten Werk Christi. Halten Sie sich an die Wahrheit der Schrift (z.B. Johannes 5,24; Galater 3,26) und nicht an Ihre momentanen Empfindungen. Der Glaube stützt sich auf das, was Gott gesagt hat.
Gibt es Sünden, die Gott einem Gläubigen nicht vergibt?
Für den Gläubigen, der seine Sünden gemäß 1. Johannes 1,9 bekennt, gibt es keine Sünde, die Gott nicht vergibt und wovon Er nicht reinigt. Die Wirksamkeit des Blutes Christi ist allumfassend. Wichtig ist die aufrichtige Buße und das Bekennen.

Fazit

Die Wahrheit über die Vergebung der Sünden für Gläubige ist eine der befreiendsten Botschaften des Evangeliums. Sie erinnert uns daran, dass wir nicht länger entfremdete Sünder sind, die um Gnade flehen müssen, sondern geliebte Kinder, die eine tiefe, intime Beziehung zu ihrem himmlischen Vater haben. Das Kreuz von Golgatha hat die Tür zur Vergebung weit aufgestoßen, und unser Glaube an Christus hat uns auf neuen Boden gestellt. Wenn wir sündigen, gehen wir nicht in die Vergangenheit zurück, sondern wenden uns als Kinder an unseren Vater, bekennen unsere Verfehlungen und vertrauen auf Seine unerschütterliche Treue und Gerechtigkeit, uns zu vergeben und zu reinigen. Mögen wir alle in diesem befreienden Licht wandeln und dem Herrn mit einem Herzen dienen, das Seine Worte bewahrt und Seine Gnade in vollen Zügen genießt.

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